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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
garwe bis garzen (Bd. 4, Sp. 1426 bis 1428)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) garwe, s. DWB garbe, auch gar I, 1; dabei nachtr. zu dem siebenb. guor schafgarbe sp. 1335: millefolium, gare Nyerup symb. 331, rheinisch um 1100.
 
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gärwen, s. DWB gärben, DWB gerben.
 
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garwinde, s. garnwinde.
 
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garz, urceus, nur einmal im Nürnb. voc. theut. 1482: zuber, aymer, handtnapf, krug, schapf oder gartz, urceus. pp 8b, wassergefäsz. dazu wol folg. mhd. gerze pl., obwol als getraidenmaz, bair.: einlif gerze weiʒes unde fumzehen gerze habere. Schm.2

[Bd. 4, Sp. 1427]


1, 945; vgl. DWB schaff n. für wasser und getraide zugleich. s. auch östr. mhd. ein gorz chornes u. ä. Grimm gr. 3, 460, gorz und garz mögen nach dem pl. gerze m. sein. vergl. schweiz. gatze schöpfgelte, schwäb. schöpflöffel (kleine gelte mit stiel) Birlinger Augsb. wb. 183b, 'cimbrisch' aber gerz schöpfkelle, rührlöffel Schm.2 1, 967, das denn ebenso zu garz gehören kann, wie in gatze löffel und gelte zusammentreffen.
 
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garz, m. wesentlich gleich garst m. (s. das folgende).
1) garz m., 'die finne, weisze runde körner an den schweinen', in Luxemburg Gangler 165, vgl. garzig 2, finnig und garstig 1, a gleich vinnecht, garstet gleich pfinnet sp. 1375 fg., noch nnl. garstig finnig, garstigheid die finnigkeit der schweine, letzteres aber bei Kilian 154b gortigheid f. und gort n. lepra qua porci infestantur, grana quaedam alba et rotunda in carne suis grandinosae (vgl. das. gortworm regenwurm). das lux. garz könnte diesem gort selbst gleichstehn, da dort stammhaftes o oft zu a wird. s. auch gardich unter garzig 2.
2) garz m. filzigkeit, knauserei, gleichfalls in Luxemburg; vgl. garstig I, 6, c von leuten die nicht gern geben, auch garzig 3.
3) gleich kühhünger, bulimus (s. dort), in einem voc. des 15. jh.: polismus, gartz und hösch vel hesch. die dise krankheit habent, sint alwegen lüstig zu essen und mag man sie nit wol erfüllen mit deheiner kost. Diefenb. 643b, vgl. bolismus nov. gl. 62a, mit geiz (freszgier) glossiert im voc. 1482 k 6a. die andere benennung dort, hesch, d. i. schluchzen zeigt dasz diesz zu garzen 2, rülpsen gehört, vgl. unter hetsche (gleich hesch), singultus, diesen als ein zittern des magens; s. auch garzen (3) selbst als schlingend essen. das hesch, auch heis singultus, klingt übrigens an heiszhunger an, ist letzteres eine umdeutung?
 
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garz , adj. bitter, garstig, ein wesentlich nrh. wort.
1) unmittelbare zeugnisse nur aus der gegenwart: in Aachen Müller u. Weitz 63, in der aussprache gatz (vergl. z. b. gêt gerte das. 64), wie fläm. gats (s. u. 2); im Siegerlande gârz bitter Schütz 1, 26b, in Siebenbürgen, aus der rhein. heimat mitgeführt, grz bitter, herbe, z. b. von wein Haltrich 11a, von mehl Fromm. 5, 325. 329, zugleich mittelbar für bestand im 12. 13. jh. zeugend, vgl. aus Wernh. vom Niederrhein 'garzt' sp. 1374 unter garst 4. aus dem 15. jahrh. ist bezeugt garczekeit rancor Dief. 484a aus einem rhein. gl.
2) es stimmt zu dem gleichfalls nhr. garst bitter sp. 1394; diesz heiszt aber meist ranzig, und auch DWB garz musz diese bed. gehabt haben nach dem garczekeit vorhin und garzen ranzig schmecken und noch fläm. gats oder gatsch adj. (s. u. 1) z. b. von speck Schuermans 139a. daher auch das garz im Karlmeinet (Lexer 1, 741), Tuckart der garze 243, 23. 245, 62, sonst der ungetrûwe, der bôse deif genannt, d. h. 'garstig' sittlich verwendet, s. dazu garst des herzens und rancor, bitterkeit sp. 1375. s. auch das subst. garz gleich garst m.
3) das ursprungsverhältnis zu garst ist unsicher. eine entstehung von garz aus garst durch umsprung des s ist an sich durchaus denkbar, s. umgekehrt kurst für kurz unter kurz I, c, wo mehr (vgl. auch it. zanco aus stanco Diez 448. 477). anderseits findet die echtheit des -z eine gute stütze in dem nl. gort unter dem vorigen garz 1, vgl. auch niederd. gert unter garstig II, 3, a.
 
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garze, garz, f. in Tirol, junger rebschosz, plur. garzen. Schöpf 177, Fromm. 5, 343, in Wälschtirol garz m. rebschosz den man wegschneidet (sgarzar, daher auch sgarz m.), s. Schneller 1, 144, der piem. garsöl, comask. garzoeu in gleicher bedeutung beibringt. das ist zugleich ein wesentlicher beitrag zur ursprungsfrage von it. garzone, franz. garçon (vgl. DWB garzen m.), die doch mit carduus noch nicht rein gelöst ist (s. Littré 1, 1830c), vgl. spröszling als kind. Schneller denkt an ahd. garta rute, vgl. oben DWB gart 2, b und garte gerte, auch wîngart weinstock, weinrebe sp. 1381; prov. gibt es gart gleich garçon. Littré sieht auf dem grunde der rom. formen ein mlat. garcio, und das wäre durch gartio hindurch aus ahd. gerta wol zu begreifen, da diesz ursprünglich gartiâ gelautet hat, gen. gartiûn. Auch das mhd. garzehâr, milchhaar, milchbart im Reinhard 550 findet hier einen anschlusz, die haare als erste sprossen, schöszlinge, wie sie denn im Reinaert 1416 die gaerdeline heiszen, schöszlinge, rütchen die noch gradaus stehn.
 
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gärzeit, f. zeit, dauer des gärens: in währender gährzeit (des mostes). öcon. lex. 1653 u. ö.
 
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garzen, garze, m. ein herrendiener, page als bote, das mhd. gárzûn (frz. garçon, vgl. unter garze f.) in späterer form: so soll der keller unsers herren garzen geben ze essende. weisth. 4, 105, elsäss. 15. jh.; s. mehr bei Scherz 473 fg., wo als

[Bd. 4, Sp. 1428]


nom. garze angesetzt ist, der doch des beleges bedarf. s. auch DWB karzom, und garzaun Frisch 1, 322b. Übrigens wird neuerdings das mhd. wort wieder aufgenommen, wo von alter zeit die rede ist: (ich) ritt dasz die heerstraszen stäubten, jagte dasz die hunde zurückblieben, tummelte mich in allem was einem garzun zu lernen geziemt. Scheffel Juniperus 30.
 
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garzen , knarren, räuspern, rülpsen u. ä.
1) bair. garzen knarren, knirschen Schm. 2, 72, wie daselbst garrezen (s. d.), aber wahrscheinlich eine eigne bildung unmittelbar vom stamme gar (s. DWB garren 3), wie zu girren gehörig mhd. girzen z. b. von angstvollem seufzen.
2) im 16. jh. bei Alberus vom aufstoszen aus dem magen: ventriculi respiratio, garzen. dict. aa 3a; garz, ructo. KK 2b; irructo ich garz an, screo ich reusper mich, garz. aa 3a. es kann mit dem vorigen ursprünglich eins ein, das räuspern, rülpsen nach dem klange benannt, vgl. unter garren 3, b garken, garxen verwandter bedeutung, norw. garta grunzen Aasen 210b. vgl. das subst. garz 3 und folgendes, auch görzen gargarizare Dief. 257c, gorzen rülpsen Brant thesm. 376, gurzen eructare Dief. 209b.
3) noch anders im voc. 1482: gartzen, gurgitare, oder fressen oder slinden. k ijb. i 5a; zu garz m. (3) heiszhunger, krankhafter hunger mit aufstoszen.
 
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garzen, gärzen, ranzig sein
1) garzen, von fett und fettwaaren, gibt Schmeller 2, 72 aus M. Kramers Nürnberger nomenclator, ebenda garzend ranzig; es musz mrh. sein, aber gesprochen, z. b. in Frankfurt, gatzen, die butter gatzt (vgl. in Aachen gatz gleich garz adj. 1).
2) gärzen z. b. in der Wetterau, die butter gärzt, schmeckt ranzig; gerzen aus Aschaffenburg bei Schm.2 1, 944, wie gärzig.
3) garzen kommt überein mit garsten 1 (s. d.), wie garz als adj. und subst. mit garz (s. d.); auch zu gärzen stellt sich ebenso altes gerst rancidus gleich garst adj. (s. d. 3). s. auch garzig.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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