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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
galk bis gallbeere (Bd. 4, Sp. 1180 bis 1182)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) galk, s. DWB galgen.
 
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gall, gal, m. schrei, hall, lauter scharfer klang.
1) gal im 16. jh.:

Minerva liesz ein gal
vor groszem laid und qual.
H. Sachs 1, 307d;

da liesz der (gemalte) jüngling sam ein gal
und stellt sich ganz kleglich zu mal. 5, 396 (1560);

Sara sein mutter ihn umbfieng (beim abschiede),
weint und küst ihn zum öftern mal.
da daucht mich, ich hört einen gal,
der laut: gott sei es klaget sehr,
mein son, ich sich dich nimmermehr. 3, 1, 11b (1588 9a);

In derselben form und bedeutung noch in einem schlesischen volksliede:

'ach Ulrich, liebster Ulrich mein,
verleih mir nur (eh du mich tödtest) drei gal zu schrein'.
den ersten gal und den sie that,
so ruft sie den lieben vater an u. s. w.
Erks liederhort s. 92a,

[Bd. 4, Sp. 1181]


wobei zu bemerken der plur. gal ohne endung, zeichen eines absterbenden wortes. Weinhold 25b gibt schles. gâl m., einen lauten gâl lassen (wie u. 2 und 3), Steinbach 1, 616 'gall vel gahl'. aber diesz â bürgt nicht für echtes gâl oder mhd. gal mit stammhaftem einfachem l bei der dortigen neigung zur verlängerung der kürzen (s. das schles. gall u. 2, Steinbach gibt auch als praet. zu gellen gall und gahl); eben so wenig der reim auf mal, qual bei H. Sachs, der auch schal, grim schreibt, im reime.
2) gall, seit dem 16. jh., 'tonus acutissimus, plangor, clamor', einen groszen gall tuhn Stieler 596 fg. (mit dem ausdrücklichen zusatze plurali carens): lachen, dasz man einen gall ausläszt, den man weit hören kan. Frisch 1, 314b aus Keisersb.;

da liesz ich so ein lauten gall,
das es im ganzen haus erschall.
Thieb. Gart Joseph (1540) D 6a;

bisz in die spahte nacht,
bisz Prognes schwester (Philomele) auch dem gall ein endung macht.
Weckherlin 133,

vom gesange der nachtigall, deren namen das gall nahe legte (daher nachtegall als m. Steinb. 1, 615 ?), übrigens schon mhd. gal so (neben schal) MSH. 2, 29a. 3, 200b;

eur mordgall ruft für gott und fordert blut für blut.
Gryphius 1, 559,

ein mordgall wie in dem volksliede unter 1, wenn einer mord! schreit; hob sie unvermuthet einen hellen gall an zuschreien. Lohenstein Arm. 1, 163. bei Stieler auch freudengall. gall, laut führt noch Gottsched sprachk. (1762) 207 mit auf. noch bair. gall, schall Schm. 2, 30, auch östr., sonst erloschen, wie es scheint (vgl. gall-loch).
3) alter, herkunft, auswärtiges.
a) ahd. nicht bezeugt; mhd. gal, z. b. jâmers gal, einen gal tuon oder lâʒen (wie nhd. unter 1. 2), busûnen gal posaunenschall, s. Lexer 1, 726. eignerweise auch da schon nur im nom. und acc. bezeugt, kein gen. galles, kein pl. galle oder gelle, die sich doch wol noch finden werden.
b) es gehört zu gëllen (s. d.), wie hall zu hëllen, schall zu schëllen, nicht, wie nachtigall, mhd. nahtegale, zu ahd. galan (s. DWB galm 3). vgl. DWB galm gleich gall, anderseits gallen wie hallen, schallen. s. auch gell m. Ein galle in widergalle echo Dief. 194c (wie galme für galm), schwachformig oder fem.?
c) auswärtig find ich nur dän. gjald hall, schall (gjalde hallen), schwed. gall n. durchdringende stimme, gebell u. ä. Rietz 228b, altschw. Rydqvist 2, 89, altn. göll f., gen. gallar, durchdringender schall Fritzner 228a, gjöll f. Egilsson 247a; dazu ein adj. gjallr grell tönend, wie bei uns gell.
 
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gall, gallapfel? s. DWB galles.
 
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gall, n. lascivia, ein seltnes wort, mit zubehör.
1) gall selber: also (d. h. durch beten, almosengeben, fasten, büszen) tödtet man das gall oder gammel. Keisersberg irrig schaf 68a, es soll oft bei ihm vorkommen, auch in der form gell. in einer andern ausg. aber: also tödtet man das kalbfleisch freiheit, und den gammel oder geile. eschengrüdel a 5a (gesamttitel das irrig schaf), Straszb. bei Schürer o. j. 4°. da ist das wahrscheinlich absterbende oder zu niedrige wort durch ein naheliegendes ersetzt worden.
2) als stütze gegen zweifel dient das gleichfalls vereinsamte adj. gal sp. 1154 bei S. Frank, dem danach die bedeutung lascivus zukommen wird; auch das ebenso einzelne sich gälen sp. 1162 aus Paracelsus findet wol hier seinen halt, eig. wol lascivire, mutwillig sein, sich kitzeln o. ä. Vielleicht auch ein adj. gel bei Keisersberg: sch den willen gottes und dien im frei umb seinen willen, nit bis ein zucher, ein schmarotzer, das du im allein dienst .. umb .. lustes willen .. und nit lenger im dienen wöllest weder (als) die gelen suppen werend. irrig schaf G 1a, die leckeren, wie es scheint (vgl. 4, a), etwa für die novizen im kloster? es ist im kloster gepredigt.
3) weitere sicherung bietet glaub ich das nord.: altn. gæla delectare, verð ek mik gæla cogor mihi quaerere delicias Egilsson 232a, auch gala schmeichelnd begütigen u. ähnl. 219b, gæla Fritzner 228a, vgl. bei Vigfusson 222b gæla, mit gæl n. und gæla f. enticement, soothing, auch galinn voluptuous, sensual 187b, eig. part. zu gala; isl. gála sig fatuari, gála f. femina fatua Biörn 1, 266b, gæla exhilarare (gælur pl. cantus nutricum) 316b, galsi m. effusa et procax laetitia 267b; schwed. dial. gäl, gel toll, lustig, gjäl brünstig (auch gil), dän. dial. gjeld brünstig, s. Rietz 189; vgl. Diefenbach goth. wb. 2, 381. Aus alle dem spricht ein stamm g-l, ausgeprägt zu gal-, gâl-, mit dem begriffe der sinnenlust, bethörung u. ä., dem sich die deutschen wörter als versprengte oberd. reste gut einfügen. die berührung mit altn.

[Bd. 4, Sp. 1182]


gala cantare, incantare (besonders in galinn, eig. incantatus) reicht nicht aus zur erklärung des ganzen, scheint nur eine später eingetretene berührung, ein verwachsen zweier stämme. s. auch DWB geil, das dazu gehören wird, urverwandt wol hilaris (s. geil).
4) auch unsere mundarten bieten noch stoff.
a) zu Keisersbergs gel unter 2 gesellt sich wol folg. nd.: 'gël, geil, fett, gut gedüngt, vom boden' Schambach 61b, dazu gelplack, geilplack, fette ackerstelle, wo ein misthaufe gelegen hat 62a, gëlhost üppig gewachsener busch von gras oder getreidehalmen 61b (host m. busch); vgl.gähl gut gewässerter buschiger grund Brem. wb. 2, 476. man sieht wieder die berührung mit geil, aber gël ist ein wort für sich, und Schambach hat daneben geile f., fettigkeit des bodens. Auf dem Westerwalde ebenso 'gaal, gal' fett, von äckern, wiesen Schmidt 63, nass. gal Kehrein 149, aber dort gibt es â gleich urspr. ai; doch kann da geil mit dem andern verwachsen sein, zumal Schmidts gal neben gaal kurze aussprache anzudeuten scheint. vgl. auch das dritte galle 2, c.
b) zu dem gall unter 1 (eig. wol gal) und gal, gälen u. 2 stimmt westerw. galern gleich ratzen, sich in lustigem übermute 'mit jemand herausreiszen, jagen, oder rasen, toben (im guten sinne), sich necken, wie z. b. verliebte, junge leute', auch von thieren, z. b. von ochsen, die 'mit den hörnern mit einander spielen' Schmidt 63. 160, auch nass. Kehrein 150, frankfurtisch: das gegaaler (einer köchin) mit dene leut, die so sache brenge, des fihrt zu gar nix. Malsz jungfer köchinnen s. 25. freilich gab es mhd. geilern (Schmeller2 1, 891), aber echtes galern ist nach obigem daneben denkbar; dazu wol auch kärnt. gallezn schäkern Lexer 107. zu gälen und Franks gal stimmt namentlich nd. in der Altmark gæl spräken, schmuzige zoten im munde führen Danneil 60a, vgl. das. in de gælrîp frîen jung heiraten.
c) die berührung mit geil musz übrigens alt sein. denn gleich dem gall, gal unter 1 ist mhd. geil n. übermut, üppigkeit (els. â für ai ist ganz fraglich, s. Weinh. al. gr. s. 98), dem sich gälen unter 2 gleich mhd. sich geilen lascivire. so mag unser gal u. s. w. in geil untergegangen, verschwommen sein, z. b. in östr. galig, galich, ekel, von zu fetten und feinen speisen, von menschen zärtlich, weich Castelli 136. 135 (daneben gail m. dung das.), vergl. bair. galig Schm. 2, 30 und geilig. Zugehörig als weiterbildung ist vielleicht auch schweiz. galpen possenhaft tändeln Stalder 1, 417, ebend. auch gaulen, golen.
 
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galla (mit zusammensetzungen), s. DWB gala.
 
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gallabführend, felliducus Kirsch 2, 128a, gall abführend, ein vomitiv Aler 833b, s. DWB galle.
 
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gallapfel, m. galla. Rädlein 318b.
1) zuerst im 15. jahrh.: galla, galöpfel. Dief. 641a, galopfel nov. gl. 188b (ohne ausgedrückten umlaut), öpfel aus dem plur. epfel, wie schon bei Megenberg (Lexer 1, 86), vgl. galla eichenlaubepfel Dief. 641a; der gallöpfel Maaler 155d, Dasyp. 83d;

sechszehn und acht und danach vier
ist dintenzeugs ein recht manier,

das ist, 16 groszer und kleiner gallöpfel in masz und zahl, 8 des vitriols und 4 des gummi an gewichte. Spangenberg aller weish. lustg. 491. gallapfel 16. jh. s. z. b. unter dem zweiten galle 1, d. Auch nl. galappel Kil., schw. galläpple, dän. galäble.
2) der ältere name war eichapfel, galla, 'pomum quercus', in einem voc. mit dem zusatze usz welschem lande (die galläpfel kommen aus der levante) s. Dief. 256b, auch dwarchappel, laubapfel, reisapfel das., 13. jh. 'galles, eichenepele' sumerl. 57, 15, apfel gleich runde frucht überhaupt (s. 1, 533); noch engl. auch oak-apple, nd. eikappel Danneil 45a, auch hd. eichapfel noch im öcon. lex. Lpz. 1731 754. s. auch gallnusz.
3) der lat. name war galla, daher ital. galla, franz. galle f., altengl. galle galla prompt. parv. 185a, jetzt oak-gall; eigen ags. galluc Ettm. 409. vgl. unten galles, galls.
Dazu galläpfelfliege (s. gallinsect), galläpfelbad (bei seidenfärbern), galläpfelsalz, galläpfelsäure (s. DWB gallussauer) u. a., s. Campe.
 
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gallart, s. DWB gallerte.
 
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gallartig, wie gallertig: verhält es sich so, so müssen sich im allgemeinen vorrathshause der seelen eben sowol verkrüppelte .. gallartige .. seelen finden, als es körper dieser art im vorrathshause der keime .. gibt. Klinger 11, 164.
 
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gallaune, s. DWB galaune.
 
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gallbeere, s. DWB galle 3, a.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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