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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
galgenzen bis gall (Bd. 4, Sp. 1179 bis 1181)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) galgenzen, nach dem galgen riechen. Ludwig 684 (vergl. 'galgägtig, nach dem galgen riechend' M. Kramer nl. wb. 1787); in M. Kramers deutsch-nl. wb. aber galgenzen, gehangen werden.
 
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galgenzierde, f. spöttisch von einem gehängten (s. DWB den galgen zieren sp. 1169): dasz er ... eine schöne feldglocke und galgenzierde abgeben musz. Simpl. 601 Keller.
 
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galglein, n.
1) kleiner galgen, z. b. an der wage der kloben (s. DWB klobe 3), der galgenförmig ist: bisz die zungen der wag recht in seinem galglein und der balken gerad, überzwerch und gleich steht. Thurneisser prob. der harnen 85.
2) galgendieb, galgenschwengel: cruciarius, gälglin. Frisius 384a, s. DWB galgen 4.
 
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galhart, s. DWB gallerte.
 
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galimathias, m. n. das franz. galimatias, verwirrtes gerede, kauderwelsch (in Frischs franz. wb. Lpz. 1719 galimathias, vgl. in seinem deutschen wb. 1, 356a): er will nicht allein die französische sprache, sondern auch den guten geschmack bei seiner reinigkeit erhalten ... dasz man nicht .. prächtiges galimathias für wohlredenheit ansehen soll. briefe die neueste litt. betr. 7, 152, von Premontval in seinem préservatif contre la corruption de la langue françoise; göttliche Uranie! Moloch,

[Bd. 4, Sp. 1180]


Adramelech und Typhon ... 'was soll das galimathias sein?' Weisze kom. op. 1, 37; im grunde kannst du dir kaum vorstellen, wie verhaszt hier (in Weimar) der name eines schönen geistes ist und was für ein verdammtes galimathias von confusen begriffen die leute mit diesem namen verbinden. Wieland in Mercks briefs. 1, 135, vom j. 1778; wie wolt ihr, dasz unser einer aus diesem galimatias klug werde? Wieland 19, 179. Diese letztere, die franz. schreibung gibt auch Adelung, der auch die franz. aussprache ('sprich galimatià') lehrt. jetzt spricht man ruhig galimathías; das th verrät, dasz dabei an Mathias gedacht ist, auch bei den Franzosen, vgl. bei M. Höfer etym. wb. Linz 1815 2, 121 die anecdote aus eines Franzosen munde von der entstehung des wortes, die besser ist als die noch jetzt in Frankreich gäng und gäbe, auch auf den namen Mathias geprägte (s. Campes, Heyses fremdwbb.). Der wahre ursprung bleibt zu finden, s. Diez2 2, 305; am nächsten liegt franz. galimafrée f., mischgericht von speiseresten (engl. gallimawfrey, s. Halliw. 390a), und auch 'eine erzehlung, da alles unordentlich unter einander vorgebracht wird' Frisch franz. wb. 1, 811.
 
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galingenbeere, s. kalinkenbeere.
 
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galion, galiotte, s. DWB galeon, DWB galeotte.
 
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galitzenstein, m.
1) vitriol, wie Schmeller 2, 29 aus Baiern angibt, mit anführung von galizenstain, auch galizelstain und galizel m. in dieser bed., blâwer galizelstain kupfervitriol; galitzenstein, weiszer vitriol. Frisch 1, 314b, auch ein Baier. ebenso in Österreich, s. Höfer 1, 264, in Kärnten gallitzenstân eisenvitriol, plâwer g., kupfervitriol Lexer 107, in Schlesien galitschkenstein Weinhold 25b. Als arzneimittel früher: 6 lot galiczensteins. Ortolph bei Schmeller; in boshaftem scherze wird einer gichtischen alten geraten:

kauft nur ein pfund galitzenstein,
sieds in eim keszl und setzt euch drein,
laszt den kessel ob dem fewr stehn,
wird euch das reiszen bald vergehn.
Ayrer fastn. 42a (2546, 18. 26).

Im Zillerthal heiszt ranunculus acris (butterblümchen, pfännlein) das galizenpfännlein Schm., Schöpf 170, pfännchen zum sieden des galitzensteins, von seiner schärfe im geschmack (in Norwegen wird die blume als zugpflaster statt der spanischen fliegen gebraucht Nemnich 4, 1127).
2) nach folg. auch für alaun: alaun, sonsten galitzenstein genennt. Hohberg 1, 254b. er wird dem vitriol ähnlich verwandt als ätz- und beizmittel, hiesz auch argilla vitriolata als vitriolhaltig (Nemnich 1, 208 fg.).
3) in bair. vocc. des 15. jh. ist galiczenstain cascogabe, auch castilogalce, vitreolum Schm. 2, 29; galitzenstein castologalue, dragantum, gallicia, est gemma cristallina, vitriolum, oder kupferwasser. voc. theut. 1482 k 1b. in andern vocc. castologaloe, castilogalue u. a., galitzen- galitzigen- kalitzenstein u. ähnl., nd. gallicienstên, s. Dief. 105a, castogale caliczenstain (umgedeutet ein gliszender stein) nov. gl. 78b. In den formen steckt wol nichts als Galicien (daʒ lant Galitzen Helmbr. 70) und Castilien, die in dem castilogalce vereinigt scheinen, der vitriol musz im mittelalter aus Spanien gekommen sein, wie der sachlich ähnliche grünspan, der das auch in seinem namen verrät, viride hispanum Dief. 622b, dänisch noch spanskgrönt (spanisch grün), im 15. jh. auch hd. spanesgrun Dief.; ja beide erscheinen noch im 16. jh. vermengt: vitriolum, vitriol, spongrün. Dasypodius 262a. Im 15. jahrh., aber nach älterer vorlage, auch galacienstein in ärztlichem gebrauche, zu einer kopfsalbe mit schwefel und wein gesotten Haupt 13, 382, im 13. jh. galazia ein stein mit wunderkraft Lanzelet 8525 ff.
 
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galk, s. DWB galgen.
 
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gall, gal, m. schrei, hall, lauter scharfer klang.
1) gal im 16. jh.:

Minerva liesz ein gal
vor groszem laid und qual.
H. Sachs 1, 307d;

da liesz der (gemalte) jüngling sam ein gal
und stellt sich ganz kleglich zu mal. 5, 396 (1560);

Sara sein mutter ihn umbfieng (beim abschiede),
weint und küst ihn zum öftern mal.
da daucht mich, ich hört einen gal,
der laut: gott sei es klaget sehr,
mein son, ich sich dich nimmermehr. 3, 1, 11b (1588 9a);

In derselben form und bedeutung noch in einem schlesischen volksliede:

'ach Ulrich, liebster Ulrich mein,
verleih mir nur (eh du mich tödtest) drei gal zu schrein'.
den ersten gal und den sie that,
so ruft sie den lieben vater an u. s. w.
Erks liederhort s. 92a,

[Bd. 4, Sp. 1181]


wobei zu bemerken der plur. gal ohne endung, zeichen eines absterbenden wortes. Weinhold 25b gibt schles. gâl m., einen lauten gâl lassen (wie u. 2 und 3), Steinbach 1, 616 'gall vel gahl'. aber diesz â bürgt nicht für echtes gâl oder mhd. gal mit stammhaftem einfachem l bei der dortigen neigung zur verlängerung der kürzen (s. das schles. gall u. 2, Steinbach gibt auch als praet. zu gellen gall und gahl); eben so wenig der reim auf mal, qual bei H. Sachs, der auch schal, grim schreibt, im reime.
2) gall, seit dem 16. jh., 'tonus acutissimus, plangor, clamor', einen groszen gall tuhn Stieler 596 fg. (mit dem ausdrücklichen zusatze plurali carens): lachen, dasz man einen gall ausläszt, den man weit hören kan. Frisch 1, 314b aus Keisersb.;

da liesz ich so ein lauten gall,
das es im ganzen haus erschall.
Thieb. Gart Joseph (1540) D 6a;

bisz in die spahte nacht,
bisz Prognes schwester (Philomele) auch dem gall ein endung macht.
Weckherlin 133,

vom gesange der nachtigall, deren namen das gall nahe legte (daher nachtegall als m. Steinb. 1, 615 ?), übrigens schon mhd. gal so (neben schal) MSH. 2, 29a. 3, 200b;

eur mordgall ruft für gott und fordert blut für blut.
Gryphius 1, 559,

ein mordgall wie in dem volksliede unter 1, wenn einer mord! schreit; hob sie unvermuthet einen hellen gall an zuschreien. Lohenstein Arm. 1, 163. bei Stieler auch freudengall. gall, laut führt noch Gottsched sprachk. (1762) 207 mit auf. noch bair. gall, schall Schm. 2, 30, auch östr., sonst erloschen, wie es scheint (vgl. gall-loch).
3) alter, herkunft, auswärtiges.
a) ahd. nicht bezeugt; mhd. gal, z. b. jâmers gal, einen gal tuon oder lâʒen (wie nhd. unter 1. 2), busûnen gal posaunenschall, s. Lexer 1, 726. eignerweise auch da schon nur im nom. und acc. bezeugt, kein gen. galles, kein pl. galle oder gelle, die sich doch wol noch finden werden.
b) es gehört zu gëllen (s. d.), wie hall zu hëllen, schall zu schëllen, nicht, wie nachtigall, mhd. nahtegale, zu ahd. galan (s. DWB galm 3). vgl. DWB galm gleich gall, anderseits gallen wie hallen, schallen. s. auch gell m. Ein galle in widergalle echo Dief. 194c (wie galme für galm), schwachformig oder fem.?
c) auswärtig find ich nur dän. gjald hall, schall (gjalde hallen), schwed. gall n. durchdringende stimme, gebell u. ä. Rietz 228b, altschw. Rydqvist 2, 89, altn. göll f., gen. gallar, durchdringender schall Fritzner 228a, gjöll f. Egilsson 247a; dazu ein adj. gjallr grell tönend, wie bei uns gell.
 
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gall, gallapfel? s. DWB galles.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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