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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
galfen bis galgenast (Bd. 4, Sp. 1164 bis 1173)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) galfen, bellen, schreien u. ä., s. DWB galben.
 
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gälfen, gälfern, s. DWB gelfen, DWB gelfern.
 
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galg, s. DWB galgen, auch galgant 2, c.
 
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galgan, galgant u. ä., galanga u. a.
1) galgant m. ist die heutige form (vgl. unter c).
a) eine ostindische wurzel, früher lange in ärztlichem gebrauche oder als gewürz (s. 2, a), der officinelle galgant, maranta galanga Nemnich 3, 507, auch der kleine galgant zum unterschiede vom groszen, sinesischen galgant, Kaempferia galanga 277.
b) auch auf heimische, europ. pflanzen übertragen: deutscher galgant, schoenus mariscus Adelung, eine art stickgras; bei Nemnich

[Bd. 4, Sp. 1165]


wb. 176 auch galgant für scirpus sylvaticus und carex acuta, vulpina etc., bei Frisch 1, 314a wild galgan, cyperus, juncus angulosus, κύπειρος u. a., vgl. Voss unter c, Trochus u. 2, b. gewiss wegen ähnliches gebrauchs der wurzel, vgl. schon Megenbergs angabe über fälschung des galgan 368, 27.
c) mit dem angeschobnen t übrigens schon im 15. jahrh. und früher: galgant, als specerei Baaders Nürnb. poliz. 128, Megenberg 368, 19 var.; galgant, galganum, galanga, galgana. voc. 1482 k 1b, auch in andern vocc. Dief. 256b. ebenda auch galgent, selbst galget, im voc. inc. teut. h 1b aber 'galgant ... vulgariter galgen', also längst eingewurzelt und deutsch weitergebildet. So ist denn die betonung galgánt bei Adelung eine gelehrte widerherstellung, wahrscheinlich von apothekern, ohne not und nutzen, da es so doch noch lange nicht lat. ist; gálgant bezeugt z. b. folg.:

wo lotos gedeiht, wo nährender galgant.
Voss Od. 4, 603,

in der ersten ausg. gálgan (s. 2), homer. κύπειρον (vgl. Frisch unter 1, b, Trochus und Henisch unter 2, b):

überwachsen mit klee und würzeduftendem galgan.


2) älter und echter galgan.
a) so mhd. galgan, auch galgân nach reimen (s. Trochus u. b), s. Lexer 1, 727; galanga haiʒt ain galgan ... wechset in Persenlant .. die wurzel haiʒ wir galgan. der pest galgan ist, der rœtlot ist u. s. w. Megenberg 368; und nim denne ingeber und galgân und negelîn, die stôʒe under einander. buch v. guter speise § 2.
b) nhd. galgan: galanga galgaen, cyperus wilder galgan Trochus K iijb, also noch galgân, daher mrh. 15. jahrh. galgayn Dief. 256b; galgan, galgant, galgas, galgenwurzel, galanga, radix odorata et acris, nascens in provinciis Chinae et Joniae (Indiae?), est major et minor, rechter galgan cyperus Babylonicus, wilder galgas curcuma cyperus, juncus quadratus etc., süszer wilder galgan, indianische zuckerwurz, cyperus dulcis. Henisch 1335. galgan noch Rädlein u. a., vgl. Voss u. 1, c.
c) aber auch gekürzt oder deutsch behandelt galgen, im 18. jh. bei Steinbach 1, 537 und schon im 15. jh. Haupt 2, 152 (erlösung 5719), s. das 'vulgariter galgen' 1, c; so snide galgen in den mund und schluck die spaichelen. Birlinger Augsb. wb. 177b. daraus weiter galge galanga Brack voc. Lpz. 1491 47b, selbst galg Dief. 256b. — Daher denn verdeutlicht galgenwurzel Henisch unter 2, b, galgenwurz galanga voc. 1482 k 1b, cyperus Aler 833a (neben galgant 832b), noch nd. z. b. in Mekelnburg galgenwöttel.
3) noch andere formen.
a) im 16. jahrh. galigan u. ä.: galganum, est nomen herbe, galigan. voc. opt. Leipz. 1501. 1508 M 1a; ebenso nd. 15. jahrh. Dief. 256b, auch galligan 16. jh.: wen men des morgens (zur ader) laten wil, so schal me des avendes galligan seden in wyne unde drinken. Wiechmann mekl. altnied. lit. 1, 67. auch nl. galigaen, cyperus Babylonius, galanga vulgaris Kil. Und so früher noch: galinga, galigan. Mones anz. 4, 245, nd. um 1300; galgana, galegan. sumerl. 66, 26; ciperus, wîʒ galigân Nyerup symb. 408, für die länge spricht die nl. form vorhin, auch nd. garigaen Dief. 256b, gallegaen n. gl. 188a, vgl. u. 2, b. auch mit erweichtem g galian (galien) Dief. 256b.
b) das nähert sich denn dem lat. galinga, scheint aber die ungewöhnliche betonung gálinga vorauszusetzen, aus der es sich leicht begriffe; aus gáligân ward dann das gálgân, galgen u. 2. Aber gálinga ist nicht die urspr. lat. form, sondern gálanga, wie wol auch betont wurde, gr. γάλαγγα? So auch ahd. galangan Graff 4, 184, und, allerdings mit gewöhnlichem tone, ital. span. galanga, altfranz. galange, altspan. altfranz. garingal, engl. galangal, s. Diez2 1, 198, es geht auf ein arab.-pers. wort zurück, s. das. und Weigand 1, 385. die betonung galángan auch bei uns verrät galangenboun (baum) galanga Wack. voc. opt. 48b.
c) aus galánga dann auch 'gelángt oder gálgan' Brack bei Dief. 256b, reiner 'glanga, geláng, gálgen' nov. gl. 188a, also beide betonungen noch im 15. jh. neben einander. Endlich eine vermischung mit galban (s. d.), wol aus ähnlichem ärztlichem gebrauche. denn in vocc. des 15. jahrh. erscheint galbanum als galigaen, galgan Dief. 256a, und noch im brem. wb. 2, 478 für oleum galbani galgenbômsölje, zugleich wol witzelnd an den galgen angelehnt. vgl. DWB galgenbaum 2.
 
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galgat, m. scherzhafte lat. bildung von galgen:

soldate kümmt vom sold, die ausgeübten thaten ...
verdienten schlechten sold: was noch sich jetzt begibet,
bringt sold, dadurch sie sind galgaten und radaten.
Logau 1, 10, 47 (überschr. soldaten),

candidaten für galgen und rad.

[Bd. 4, Sp. 1166]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) galgbrunn, m. ziehbrunnen mit einem galgen (s. d. II, 5, a), zum niederlassen und aufziehen des eimers, noch im 17. jh. auch in städten üblich (s. Schm. 2, 39), in kirchen, s. unter 1. mhd galgbrunne, z. b. Mones anz. 8, 500. s. auch galgenbrunnen.
1,
a) galgbrunn, puteus, puteolus Dasypod. 335b, puteal ein deckel eins galgbrunnens 199c, aqua puteana galgbrunnenwasser das.; puteus, difer galgbrunn, den man rufer schepft (im gegensatz zum selbstlaufenden quellbrunnen, keckbrunnen u. ä. und zum pumpbrunnen) Melber bei Dief. 474c, in dem zusatze schlich sich der gedanke an das wasser ein, das ja auch brunn hiesz und heiszt; puteus, ein schöpfbrunn, galgbrunn. Golius c. 13; Clodomirus zoch ... in Burgund, überwand k. Sigmunden, fieng in und liesz in mit weib und kinden in einen tiefen galgbrunnen stürzen. Stumpf 1, 177b;

galgbrunnen.
H. Sachs 5, 281c.

aus Straszburg wird erzählt: als der zwinglisch predicant zu ainer zeit intonirt, do sasz ain abneteurer uf dem galgbronnen der im münster steet, und gampet mit den füeszen, bisz ers übersicht und in bronnen felt u. s. w. Zimmer. chron. 4, 24.
b) noch im 18. jh. bei dem Schweizer Denzler galgbrunnen, und so noch schweiz. Stalder 1, 415, galgbronna Tobler 211b, es ist von haus aus eben oberdeutsch (auch rheinisch, s. u. 2, b), wie denn Chytraeus für des Golius galgbrunn nd. sod setzt, das doch auch dem oberd. gehört, z. b.: galgbrunnen oder sodbrunnen. Maaler 155c.
c) die oberd. aussprache verrät sich in der schreibung galckborn puteus in der Straszburger gemma 1518 U iija, auch wol in einem rhein. voc. des 15. jh. Dief. 474c, galgkbronn Keisersb. post. 2, 69 bei Scherz 466 (vgl. DWB G 3, a), vergl. schon ahd. galcraba antlia Graff 2, 383, Schm. 2, 39. daraus begreift sich denn die folg. form.
2) galbrunn, durch angleichung des -g ans b-.
a) am genauesten ist eig. galprun, galporn puteus Dief. 474c, galprunn voc. th. 1482 z 8a, weil das -g (-k) in das b- mit eingieng, wie z. b. in wilpert aus wildbret. schon im 14. jh., bair.: swenn ein galprunn zerprist, an welcher gaʒʒen daʒ sei. Schmeller 2, 39, aus einem Münchener ratserlasz von 1370, vgl.galprunnen bei Tobler 211b.
b) das gewohnte b- überwog aber doch: er sach sam (wie) einen galbrunnen, und an dem prunnen einen guldin aimer an ainem guldin seile. Schöpf 169 aus einer hs. v. 1447; wenn euch ein esel fiel am sabbat in ein galbrunnen. Keisersb. evang. 1517 148a; sie hetten einen schatz in einem galbrunnen gefunden. Thurneisser alch. 2, 185; puteus, ein galbrun, brunn, pfutz, aqua putealis putzwasser, galbrunnenwasser Apherdiani tiroc. 1581 205 (vgl. Dasyp. unter 1, a). noch Schmeller 2, 39 gibt für bair. galgbrunn als aussprache an gal'brunn, mit gefühlter andeutung des -g. übrigens auch rheinisch: it. dimidium juger (gelegen) an dem galbornen. Baurs hess. urk. 2, 838, aus Worms v. j. 1320.
c) dasz man aber das galg- darin auch verkannte, endlich nicht mehr fühlte, zeigt schreibung mit ll: ob nicht in einem tiefen und engen gallbrunnen ein städtlein mit weiten gassen gepflastert werden könne? Abele unordn. 3, 20 u. ö.
3) aus völligem verkennen des galg- erklärt sich dann galtbrunn puteolus Dief. 474c, galtbrun 68a, galtburn Scherz 467, schon im 15. jh.; so alsdann ein sollich wasser (heilquelle) .. in ein tumpf oder galtbrunnen vervaszt wird. Paracelsus 1, 1108c; dasz ihr vom boden auf tiefer dann alle galtbrunnen stehend, on erkantnus. ders. chir. schr. 262c, von leuten die die wahrheit, das licht nicht mehr sehen; es was aber eine schnellen ... bi dem wasser mit einem korb, in den man einen setzt, dem man gnad bewisen und dennoch strafen wolt. denselben liesz man wie an den galtbrunnen aufschnellen in einem korb ... dann mszt einer in das wasser abhin springen, wolt er anders aus dem korb kommen. Bullinger Zür. chr. 7, 2 bei Osenbrüggen d. rechtsalt. aus d. Schw. 2, 97 (vgl. DWB galgen II, 1, c). Noch schwäb. 'galtbrunnen, schöpfbrunnen, eigentlich galgenbrunnen' Schmid 218, und bair. Schm.2 1, 902, womit doch die aussprache nicht gemeint sein kann, da auch das -t dort angleichung an das b- erfährt; s. darüber meine ausführung in Zachers zeitschr. 2, 254 ff., wo auch weiter belegt ist, wie man schon mhd., ja ahd. in solchen angleichungsfällen ein falsches -t ergänzte. bei galtbrunn konnte etwa der gedanke an die gelte, wie der brunneneimer allenfalls auch heiszen konnte, mitwirken; vgl. gel'brunne als bair. aussprache Schm.2 1, 902.

[Bd. 4, Sp. 1167]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) galgen, m. patibulum, crux.
I. Formen und ursprung.
a) mhd. galge, ahd. galgo, kalgo, alts. galgo; auch goth. schon galga, von Christi kreuze (s. II, 3). dann ags. galga, gealga, altfries. galga, altn. galgi (Fritzner 188a). ferner mnd. galge masc. und fem. (Rein. vos 1858), mnl. galghe f. Rein. 2819, nnl. galg f.; dän. schwed. norw. galge m.; engl. gallows pl., altengl. galewes, galwes pl., auch galghe, galhe sg., s. Stratman 231.
b) nhd. galgen nom. schon im 14. jh. Dief. 416c, aber auch galge noch im 17. jahrh. (von wbb. noch bei Frisch): der galge möchte ihn beherbergen! Köhlers kunst über alle k. 126, 5. daher auch galg, im 15. jahrh. z. b. Dief. nov. gl. 144a (s. auch galk unter II, 4);

bei küngs pallast der galg und rad.
Schwarzenberg 129b;

dasz also noch der galg nicht gar verlohr sein recht.
Weckherlin 618 u. ö.

Aber auch zerdehnt galige, dafür zeugt galigen patibulum Dief. nov. gl. 282b, und daraus bair. galing (eigentlich galign): eine alte galling- und gericht-stätte. Simpl. 1685 1, 175;

du pist ein loter und ein pueb ...
der galing ist dein eribtail. fastn. sp. 993, 3.

Im plur. auch falsch mit umlaute (wie gärten u. ä.): und ihm den teufel und vil hundert andere gälgen an hals gewunschen. Bacchusia 298; und hernach an die liechte gälgen gehenkt worden. 372. so appenz. galga, pl. gälga Tobler 211a.
c) die ursprüngliche bedeutung scheint ast oder baum überhaupt (s. II, 1, b). so stimmt vielleicht dazu urverwandt, wie Diefenbach goth. wb. 2, 774 meint, litt. žalga f. stange, lett. rute, vgl. das. 386 fernere slav. anklänge. s. auch altn. gelgja Egilss. 232a.
II. Gebrauch und bedeutung.
1) Zur vorgeschichte des galgens als strafwerkzeuges.
a) da die strafe des hängens und unser wort, nach seiner allgemeinheit zu urtheilen, gleichmäszig in die älteste vorzeit zurückgehn werden, gälte es zunächst eine vorstellung des ältesten galgens zu gewinnen. nun ist noch im 16. jh. auch von einem grünen galgen die rede, wenn auch nur in einer redensart: aber gott wird seines gebots ('du solt nicht stelen') nicht vergessen und inen (den betrügerischen handwerksleuten, taglöhnern) auch lohnen wie sie gedienet haben, und hengen nicht an einem grünen, sondern dürren galgen, das sie ir lebenlang nicht gedeien noch etwas für sich bringen. Luther 4, 403a (1556 444b), wobei das auffallende nicht zu übersehen, dasz die bestraften gedacht sind als weiter lebend, nur kümmerlich, während das hängen an den grünen galgen als mildere form das gedeien nicht auszuschlieszen scheint, falls nicht Luc. 23, 31 die wendung veranlaszt hat. Aber auch sonst heiszt der galgen selbst der dürre baum im gegensatz zum grünen (vgl. DWB dürre brüder 2, 1737, am galgen hängende): einen dürren baum soltu reiten, einen hagedorn knebel (s. d. 9) .. an deinen hals gefritt (gedreht). rechtsalt. 40; an einen dürren baum hängen und an keinen grünen. Reutter kriegsordn. 74. 75 (rechtsalt. 682. 28), das erste offenbar auch als verschärfte strafe. tödtlich ist aber hier auch der grüne baum: der scharfrichter .. soll ihn führen bei einen grünen baum, da soll er ihn anknüpfen mit seinem besten hals (?), dasz der wind under und über ihn zusammen schlägt. das. 47 (RA. 42). im kriegswesen erhält sich alte sitte besonders lange.
b) danach erscheint das hängen am grünen galgen als ältere, auch gelindere strafe. man nahm einfach einen baum oder ast als galgen, wie schon Tacitus berichtet: proditores et transfugas arboribus suspendunt. Germ. 12. daher noch mhd. ûf einen boum hâhen (RA. 682), einen ast bûwen gleich gehängt sein (RA. 42 anm., MSH. 1, 108a), vgl. DWB galgenast. noch deutlicher im nord., da heiszt es in schwed. liedern und gesetzen hänga i kvist, hängia a gren, an den ast hängen Fritzner 188a, Rietz 182b, auch in stabreimender formel lata a galga ok gren Fritzner, Grimm RA. 683, a galgä ällär gren, altdän. at dömme til galge og green Molbech dansk gl. 1, 272, wo denn auch galgen und baumast noch als eins erscheinen. So mag der galga urspr. ein ast überhaupt sein, dem nachher gerade für diese verwendung allein der name blieb, später übertragen auf den künstlich hergestellten galgen. wenn in der lex sal. p. 67a unterschieden werden furcae und ramus ubi incrocatur (homo), mag mit diesem die germ. art der galgenstrafe, mit jenem die römische gemeint sein (ramus ist gewiss nicht die mhd. wit, wie J. Grimm RA. 684 es auffaszte). noch im 16. jh. wuszte man das hängen als altdeutsche sitte, das hinrichten mit schwert oder rad sei römisch, durch Karl d. gr. eingeführt; so z. b. Agricola spr. nr. 56 in der erklärung,

[Bd. 4, Sp. 1168]


mit verweisung auf den gebrauch der vehme (vgl. RA. 689), nach andern aber sollte auch der galgen römischer erfindung sein, von Tarquinius superbus, s. Graf u. Dietherr rechtssprichw. 346.
c) eine nicht tödtliche strafe war die am schnellgalgen, gleich wippe, schnelle u. a. (s. DWB kak 2): equuleus, ein snellegalgen. Dief. 194b, ebend. ist das lat. wort erklärt mit gakesnal (s. unter gak), spergalgen, auch ein snel eins galgen und mit galge schlechthin, wie 'eculeus martelboum, galg' nov. gl. 144a, schon ahd. galgo eculeus Graff 4, 185. von der einrichtung dieses galgen zum aufschnellen s. die schweiz. stelle unter galgbrunn 3, mehr unter korb 4, b, wo auch ein späterer beleg für schnellgalgen; bei Ludwig 684 ein halber galgen, wippgalgen, a gibbet; s. auch nachher den galgen des ziehbrunnens. Diese form begreift sich aber nicht aus der späteren galgenform, musz dieser vielmehr vorausgegangen sein. Frisch 1, 74a bringt, wol aus einer rechtsquelle, bei: 'baumwürdige (so l.) sache, res capitis, galgenmäszig, weil man die diebe an einem baum vor alters in die höhe schnellen liesz', und Fritzner 188a beschreibt einen nord. galgen in form einer wippe, dessen einer arm (galgatrê) mit dem gehängten in die höhe schnellte (rîða upp), vermutet auch dasz man zu ältest bäume dazu nahm, deren spitze oder einen ast man niederbog und dann aufschnellen liesz. das wird gestützt durch agngalgi von der angelrute (agn köder) Egilsson 6a. Ob der grüne galgen in Luthers redensart unter a, der nicht tödtet, ein solcher baum war, nur dem schnellgalgen gleich als ehrenstrafe aus der vorzeit beibehalten?
2) Vom gewöhnlichen späteren galgen.
a) 'ein senkrecht stehender pfal mit einem querholze' Adelung; 'der eigentliche grosze normalgalgen, welcher für volkreiche städte unentbehrlich war, faszte seine sieben personen (vergl. unter b). zwei arme sünder trug nämlich jeder der drei querbalken der triangelförmig stehenden drei pfeiler, während in der mitte an einem höher angebrachten gebälke der siebente oder ehrenplatz war für den erzdieb, welcher als ein solcher zum höchsten galgen condemniert war'. O. Beneke von unehrlichen leuten Hamb. 1863 s. 224, vgl. sieben fusz höher henken denn einen andern dieb RA. 684. daher heiszt er das dreibeinige thier (vgl. u. dreibeinig): Roller (zu Spiegelberg). Moriz, Moriz ... nimm dich in acht vor dem dreibeinigen thiere! Schiller 109b. Ähnlich und doch anders mhd. daʒ drîholz Altswert 213, 17, tria ligna, s. Schmeller2 1, 901, deutlicher im Reinaert 3151 eene vorst ende twee micken (vergl. RA. 683), zwei gegabelte stützen und ein querbalken, firstbalken. ein solcher ist wol auch noch folg.: es hängen zwar schon zwei am galgen, aber bekanntlich ist er dreischläferig (wie ein bette). Hebel schatzk. 1859 262, auch dorfgalgen genannt. es gab auch 'simple (einschläferige) kniegalgen' Beneke a. a. o., auch soldatengalgen genannt, die von Adelung vorhin beschriebene einfachste art.
b) der galgen hatte übrigens eine besondere wichtigkeit. der bau des galgens z. b. war ein wichtiger vorgang: item nachdem an vil orten in den peinlichen gerichten gewonheit (herkommen) ist, so man einen newen galgen machen oder einen alten bessern wil, dasz alle zimmerleut, die in dem selben gericht wonen, dazu helfen müssen .. Carolina art. 215 (vgl. Beneke 226 und unter galgenleiter), weil damals schon alle unmittelbare berührung mit dem galgen unehrlich machte, während er doch als oberstes zeichen der gerichtshoheit von der gemeinde als wichtigster besitz angesehen war, daher er gern auf einem hervorragenden orte bei der stadt errichtet wurde (vgl. DWB galgenberg). führte man ihn doch im 17. jahrh. auf 'kaiser Friedrich' zurück: er hat kaiser Friedrichs heilige gerechtigkeit, das ist den galgen verdienet. Otho 766, das ist gemeint wie mhd. Karles reht, s. RA. 830, Uhland schr. 2, 96 ff. Als Eulenspiegel in der 20. hist. ein zornwort seines meisters gang an galgen und hol dieb harein! wörtlich nimmt und ein reff (gerippe) von einem diep, der was herabgefallen, vom galgen geschleppt bringt, erhält er den vorwurf: du hast meiner herren (des rates) gericht gestolen und in iren galgen beroubet, das wil ich dem burgermeister clagen. Eul. s. 27, vgl.: beraubit ein man den galgen, oder hibe er einen dip ab (lebendig?), man hengit in als einen dip. blume von Magdeburg II, 5, 10.
c) redensarten gab es reichlich, der damaligen wichtigkeit des galgens entsprechend, z. b.: sechse sind kein galgen voll. Simrock spr. 9430a, 'ein galgen voll' gleich sieben, s. unter a; ir gesellen, ich hör (mit dem ohr auf der erde) unser feind in vollem trab daher stutzen .. es sind iren mehr dann ein galgen voll. Garg. 255b (Sch. 482); zermalmet und zerknirschet, das es lautet als wann ein galgen voll gestifelter bauren bei

[Bd. 4, Sp. 1169]


nacht durch das kot ins dorf stampften. 55b (90), der bauernkrieg hatte anlasz genug gegeben zu solcher galgenphantasie, solchem 'galgenhumor'. eine menge bittere witzworte, hohnworte giengen um aufs hängen bezüglich (vgl. z. b. feldbischof, feldglocke, hanfsuppe); der gehängte z. b. ziert den galgen (Henisch 1337, vgl. galgenzierde), musz lernen fliegen (RA. 42, s. nachher aus Klinger), reitet den galgen: 'einen dürren baum soltu reiten' in einer urtheilsformel, s. unter 1, a, vgl. henfen pferd vom stricke unter galgenschwengel, schon ags. rîdan on gealgan Beow. 2446;

ir mst den galgen raiten (l. reiten),
des kan ich kaum erpeiten. fastn. sp. 428, 12.

eine probe bloszen galgenwitzes: es kommen mehr von dem galgen gen himmel denn vom kirchhofe. denn auf dem kirchhof stirbt selten einer. Henisch 1337, 35 (er kommt ja schon todt hin), die gehängten wurden nicht begraben, oder nur durch besondere gnade, z. b.: es ist hie ein gewonhait, wenn ain (neuer) bischof von Augsburg fürstlich ist eingeritten, dasz man darnach den galgen abraumet und die todten cörpel begräbt. Birlinger Augsb. wb. 177b, 16. jh.
d) oft verbunden, wie in der wirklichkeit, worüber RA. 688 nachzusehen, galgen und rad (vgl. Logau unter galgat, Eyring unter f): auf galgen und rad wagen. Stieler 603; talisman, der mich mit heiler haut ... an galgen und rad vorübergeleitet. Schiller anthol., widm. (1, 200 Göd.); auch 'stock und galgen' Henisch 1335 als phrasis jurisconsultorum; trotz galgen und schwert und rad hätte ich ihn ... mit diesen händen erdrosseln, mit diesen zähnen zerreiszen wollen. Lessing Minna v. B. 1, 4, so braust Just auf gegen den wirt. eigen: vor galgen und rad mag man sich wol hüten, aber nicht vor dem schwert. Graf u. Dietherr rechtssprichw. s. 341, s. die erkl. 345, vgl. Henischs spruch unter gähzornig 2, der die erklärung auch andeutet. Die hinrichtung durchs schwert statt des galgens galt übrigens schon im 14. jh. als eine begnadigung (vgl. RA. 687): ab deme keine gnâde geschên möchte .. das man im (dem zum galgen verurtheilten) das swert gêbe. Magdeb. fragen s. 54 fg. Er heiszt das verfluchte holz u. ähnl., wie lat. arbor infelix, lignum infelix (vgl. RA. 683): als sie noch einige steinwürfe von der stadt entfernt waren, sahen sie einen galgen .. an welchem ein schlanker .. jüngling hieng ... der frische abendwind, der durch seine blonde, über sein gesicht gefallene haare blies und ihn hin und her schaukelte (vgl. in der rechtsformel 1, a zuletzt, auch das fliegen vorhin) ... 'armer jüngling, in der ersten blüthe des lebens schon hier am verfluchten holze?'. Klinger Faust (1799) 364, an diesem schändlichen holze 366. ein baum wird verwünscht:

es sei so fern, dasz man um dich tanz, sing und lache,
dasz man aus deinem holz nichts als nur galgen mache.
A. Gryphius 1, 690.


e) eigen der liechte galgen:

sant Petter zant si (die landsknechte, im himmel) an darum:
was habt ir für ein umerdum,
hebt euch wider hinaus an liechten galgen. meisterl. Berl. hs. 23 no. 225;

das dich nimmer glück bestee! far fürt an den liechten galgen! Eulensp. s. 93 Lapp.;

dasz man dich henk an (d. i. an'n) liechten galgen.
H. Sachs 5, 360b;

pack dich nausz an liechten galgn.
Ayrer fastn. 23b;

wenn sie nicht diesen augenblick versprechen, was ich von ihnen fordern werde, so hängen sie noch diesen abend am lichten galgen. Kotzebue dram. sp. 2, 340; auch der helle lichte galgen Haltaus 583, Scherz 466. etwa weil er, auf einer höhe vor der stadt errichtet (s. DWB galgenberg), meist in den himmel ragend erblickt wurde? vgl. in Schillers räubern bei lebendigem leibe gen himmel fahren und .. unter sonn und mond und allen fixsternen schweben u. s. w. 109b, und den ruf hellauf! an galgen nauf! Birl. Augsb. wb. 178a.
f) oft in verwünschungen, wie eben schon unter e:

wisz, es tut mir auf dich zorn,
das du mich also hast gezigen (beschuldigt) ...
gee an den galgen und wird erstochen. fastn. sp. 586, 9. 348, 22;

do liesz ich sie ann galgen laufen. 588, 9,

d. h. sagte (im zorn) zu ihnen: lauft an den galgen; geh an den galgen, du wüste sau. Steinhöwel 5b (1555); ausz an galgen! Agricola spr. nr. 56, das ausz meint hinaus vors thor, auch auf an den galgen! abi in malam rem Henisch 1336, auch kräftiger gehe an galgen und wisch den arsch an das

[Bd. 4, Sp. 1170]


rad. ders. aus Eyring; 'heb dich an galgen', lauf henk dich selbs, abi in malam pestem malumque cruciatum. Maaler 155c; nur an den galgen, ehe er umfällt! Simrock spr. 2991; ich will es ihnen aus büchern beweisen ... 'du kannst mit deinen büchern an den galgen gehen'. Lessing 1, 284 (jung. gel. 3, 10), hier schon verblaszt zu einem zornworte überhaupt, 'packe dich', 'hol dich der henker' u. ä.
g) daher auch von dingen: nun kannst du dich, du ganze schmarutzkunst, nur an galgen packen (an = an'n). Lessing 3, 50, nach Plautus capt. 3, 1 ilicet .. in malam crucem; warum sagt man ihr nicht gleich? ich .. war zu faul .. die schwierigkeiten des reims ... zu übersteigen, und habe also den reim an galgen heiszen gehen. 3, 377, so nahe stand noch Lessing, Schillern und ihrer zeit das stets sichtbare strafwerkzeug, das wir von angesicht gar nicht mehr zu sehen bekommen. Schon im 16. jh. übrigens auch zur redensart verblaszt; was verloren ist, geht 'an galgen', auch von dingen:

ich verspil mich oft bis ans hemd,
austrag ich kleider, bett und zin (zinngerät),
das geht oft als an galgen hin.
H. Sachs 2, 2, 6d;

was (mhd. swaʒ, wie sehr auch) ich mich lang halt karg und gnaw,
am maul erspar ich arme fraw,
im haus ernägel (erknauple, fehlt 3, 919) und erspinn,
das geht doch als an galgen hin. 4, 3, 35c;

was man an trewen arbeitern und dienern erspart (mit karger belohnung), das gehet an galgen. Mathesius Sar. 126b; es gehet alles an galgen, omnia pereunt funditus. Stieler 603, man bemerke das fast durchgehende verschlingen des art. in an, wie das bei einer so viel gebrauchten wendung nicht ausbleiben konnte (vgl. im 15. jahrh. 'ann galgen' fastn. 588, 9 unter f), aus 'an galgen' ward aber unfehlbar die aussprache ang-galgen.
h) es hiesz einen an galgen henken Maaler 155c (gewöhnlich doch kurz henken, wie intr. hängen, das aber auch tr. gilt): die kleinen diebe henget man an galgen, aber die groszen diebe gehen in mardern schauben herein (einher). Luther 4, 527b; wird .. Pharao .. dich an galgen hengen (hängen lassen). 1 Mos. 40, 19. auch schlingen u. ä.:

ich trachte nicht nach hohen dingen,
ich geh gern auf der niedren bahn,
fing Clepticus zu sagen an,
da man ihn solt an galgen schlingen.
Logau 2, 1, 62.

Der verurtheilte 'kommt an galgen': der mann kommt an den galgen, die frau unter den stein. Graf u. Dietherr rechtssprichw. s. 341, s. RA. 687; ein dieb ist nicht so böse als ein mensch der sich zu lügen gewehnet, aber zu letzt komen sie beide an den galgen. Sir. 20, 26, danach der spruch wer lügt, der stiehlt, und kommt an galgen. dazu einen an den galgen bringen, cornicari u. ä. Henisch 1336: kurz, ihr werdet mein schwiegerpapa, oder ich bringe euch an den galgen. Kotzebue dram. sp. 2, 331.
i) redensarten mancherlei, z. b.: im selbs ein galgen aufrichten, crucem sibi constituere. Maaler 155d, in schuld und strafe rennen; einem einen galgen bauen, figere crucem alicui. Stieler 603, vgl. unter o; es sind allezeit mehr diebe denn galgen. ders.; den galgen hat man abgeschafft, die diebe sind geblieben. Simrock spr. 2986; er geht so gerne wie der dieb zum galgen. Ludwig 684. wie nahe dieb und galgen, der ehrloseste verbrecher und die ehrloseste strafe, in den begriffen verbunden waren, zeigt besonders (vgl. aus Stieler, Simrock vorhin): wären keine dieb, so wären keine galgen. Henisch 1338, Denzler 2, 120b, Aler 833a. ebenda er ist von dem galgen aufs rad kommen, incidit in scyllam cupiens vitare charybdin, eig. aber wol: er ist vom diebe zum mörder geworden. eigen 'goldner galgen': was hilft ein goldener galgen, so man dran hängen musz; er schlägt sich an einen goldenen galgen. Simrock 2988 fg.
k) man glaubte an vorherbestimmung zum galgen: was zum galgen geboren ist, ersäuft nicht, oder wer am galgen vertrocknen soll, ersäuft nicht im wasser. Simrock 2948 fg.; was an galgen gehört, ertrinkt nicht. Abr. a s. Cl. 1, 262; was an den galgen gehöret, ersäufet nicht im bade. Köhlers kunst üb. a. k. 89, 17, vgl. die anm. s. 239 mit auch franz. und engl. nachweisungen. aber auch noch gesteigert in folg. weise: er ersauft nicht, das wasser gienge dann über den galgen. Henisch 1336, 22, also selbst der galgen kann ihm nichts anhaben (vgl. diebsglück, unkraut verdirbt nicht); was an galgen gehört, das fressen die wölfe nicht. 1337, 51, zugleich tiefste verachtung ausdrückend. vgl. DWB galgenglück.

[Bd. 4, Sp. 1171]



l) von einem entkommen vom galgen ist mehrfach die rede.
α) wer einn vom galgen erlöst, der henkt in zlon gern dran, vorher seinen erlöser henken. Frank spr. 2, 27a (unter dem lat. spruche redemptorem patibuli suspendere, vergl. die verweisung auf die sieben weisen meister das. 28b), vgl. galgenlöser;

der (wenn einer) einen vom galgen erbete,
der selb ihn selbs gern henken thete.
Henisch 1336, 24;

wenn du einen vom galgen lösest, der brächte dich selber gerne dran. Simrock 2987, schärfster ausdruck für undank ist der welt lohn.
β) böse kerle sind dem galgen entlaufen u. ä.: dem galgen entlaufen, evitare laqueum. Stieler 603; du wirst dem galgen nicht entlaufen. Frisch 1, 314a; vgl. DWB galgenentronnen. kräftiger: er siehet als wäre er von galgen gefallen. Stieler (zu lesen vonggalgen), auch bei Henisch, dabei: als ob er drei tage am galgen gehangen, wie im anschlusz an den spruch u. k zuletzt; er geht gekleidet, als ob er vom galgen gefallen wäre. Ludwig 684; es ist ganz keine ehre und scham bei ihnen und gehen als wenn sie vom galgen gefallen weren. Schoch stud. E. nd. he süt ût, as wenn he ût der galgen schuddet is, zerlumpt. Brem. wb. 2, 477, ût'n galgen Dähnert 141a (das ût scheint noch von einem groszen baume als galgen zu stammen). vgl. DWB galgenschwengel, DWB galgenstrick u. ä.
γ) dazu das bittere wort: doch kan bäpstlich heiligkeit dispensiern. dann sie müssen itzt leute haben, die sie (acc.) defendiern, und solten sie die selbigen vom galgen holen. Alberus wider Witzeln L 4b; die verrähter braucht man wie das gift inn nöhten .. man nimpt zur not einen dieb vom galgen, und wann man sein nicht mehr bedarf, henget man ihn wider daran. Fischart Garg. 264a (Sch. 499).
m) er hiesz übrigens auch kurz das gericht (z. b. Haltaus 583, 15. jahrh.), bei Adelung 'in der anständigen sprechart das hochgericht, in der sprache der spitzbuben aber die feldglocke genannt'; Henisch 1335 setzt rabenstein mit als erklärung von galgen, d. h. von der ganzen galgenstätte mit allem zubehör, oft auch überdacht (s. unter dorfgalgen).
n) bemerkenswert ist auch eine ausdehnung des begriffes; in den Magdeburger fragen wird von dem falle gehandelt, dasz sich einer in seinem hause selbst erhängt hätte, dabei: all das huis, do her sich inne irhing, welch man nennet einen galgen. es wird angefragt, ab daʒ selbe hus ein galge mochte sin adir heiszen, und entschieden: ouch en mag man das keinen galgen heiszen, wenne ein galgen heiszet daʒ, do man missetetige lute von gerichtis wegin an hengit. Behrends ausg. s. 196. jenes war also ein volksmäsziger gebrauch. dazu wol eigentlich hausgalgen, 16. jahrh.: da er (Haman, s. Esther 7, 10) an sein liechten hausgalgen .. erhaben ward. Mathesius Luther 26a, der galgen ist von Haman selbst errichtet, freilich nicht für ihn selbst.
o) damit berühren könnte sich folg.: (einem) einen galgen ans haus malen, gleich einen pfal für thür (d. i. d'tür) schlagen S. Frank spr. 2, 20a, als drohende rache gegen einen feind (zu dem pfal s. RA. 729). das bedeutete für den hausinhaber: du gehörst an den galgen, vielleicht aber auch: hänge dich selbst. Längere zeit war dieser gebrauch so ausgedehnt, dasz es gedruckte formulare zu kaufen gab, in denen nur der name des betreffenden auszufüllen war, die sog. galgenbriefe, besonders im 15. jahrh. Ähnlich ist eines namen an galgen schlagen Stieler 603, gerichtlich, in contumaciam, statt des mannes selber, s. DWB galgenbrief 1, auch galgenbild.
3) Auch Christi kreuz hat lange galgen geheiszen.
a) so schon bei den Gothen: jah undgripun sumana mannê ... ei nêmi galgan is. Marc. 15, 21 (und zwungen einen ... das er im das creuze trüge Luther); saei vili afar mis laistjan, invidai sik silban jah nimai galgan seinana jah laistjai mik. 8, 34 (verleugne sich selbs und neme sein creuz auf sich). ebenso ags. gealga neben rôd f. (eig. rute), beám, altn. galgi neben kross, alts. im Heliand galgo neben crûci, ruoda, bôm, z. b.:

thuo man thena godes sunoan thena galgon huof,
Crist an that crûci. 5626 (168, 5).

nicht anders ahd. und mhd., z. b.:

nu helf er imo selben
ûfan themo galgen.
Otfr. IV, 30, 15

suer sô wolli Cristis wegi volgin,
der dragi sus (ebenso) sînen galgin.
Diemer ged. 98, 18;

[Bd. 4, Sp. 1172]



(priester) der an dem gotes galgen
mit ûf gerachten handen stêt.
Heinr. v. Melk priesterleben 263,

der gotes galge vom crucifix; alsô Kristus begraben wart bî deme galgen. myst. 1, 216;

dô er in allem leide
den galgen selbe muose tragen
ze Calvarie, dâ er geslagen ....
wart an daʒ frône kriuze hôch. Reinfried von Braunschw. 18117.


b) noch nhd. einzeln, im 16. jh.: wer Christo nachvolgt, der kompt ann galgen. Frank spr. 2, 27a; wer aber Christo nachvolgt ... o der msz seinem meister noch (nôch, nach) ann galgen. 28a. auch mit kreuz im gen. verbunden: die gleubigen, das ist die ... an den galgen des creuzs und todts als an die einig arznei des lebens glauben. 57b; am galgen des creuzes. Ringwald betb. X 7a; (Christus) is in deser provincie geboeren, an ein galge des cruces gehangen. Arn. v. Harf pilg. 151, 5, s. auch im brem. wb. 2, 478 aus Renner. auch diesz schon mhd.: ich stân hie bleich, bluotvar und minneklich, als ich stuond an dem hôhen galgen des kriuzes. Seuse ewige weish., Wack. leseb. (1859) 1036, 25, vgl. Scherz 466.
c) das galgen tragen erscheint auch als verwünschung:

ei das du must den galgen tragen! fastn. sp. 50, 1;

das könnte wol an das kreuztragen Christi sich anlehnen, das man so vielfach bildlich sah, auch nachgeahmt in wirklichkeit als auferlegte kirchenstrafe (s. unter kreuz 2, c). oder kam es auch mit dem wirklichen galgen vor? etwa in dorfgemeinden, die einen stehenden galgen nicht hatten? vgl. DWB dorfgalgen, später 'im gegensatz zu einem gemauerten galgen' 2, 1280.
4) Eigen kurz galgen selbst als schimpfwort, wie sonst galgenschwengel u. ä.:

der schlosser Swingenhamer ...
ain poser henkmesziger galk.
Beheim Wiener 14, 8;

Grünspamlein, diser mörder ...
der pos diep und henkmeszig galk. 275, 4.

noch bei Dähnert 141a nd. du galge, wie galgendeef, galgenschelm, 'scheltworte auf einen erzschelm und dieb'; dat mott en legen galgen west syn, de afkat (advocat). Sackmanns pred. 1864 s. 34. vgl. galgenast.
5) Galgen in noch anderm gebrauche.
a) der galgen eines schöpfbrunnens (s. DWB galgbrunn), tolleno, 'der das gewicht auf einem ende heben hilft' Frisch 1, 314a, schon ahd. (s. u. b), in einrichtung und gestalt gleich dem schnellgalgen (s. 1, c und unter galgbrunn 3): drei stucke zu eim galgen zum born. Frankfurter baumeisterb. v. 1433, zu eim galgen uber ein born das. v. 1435 (Lexer 1, 727), zu den drei stucken s. unter 2, a, wobei freilich zu fragen übrig bleibt, da nur zwei stücke, bäume zum schöpfgalgen nötig scheinen. nach Schmid schwäb. wb. 218 müszten auch brunnen, deren eimer an einem querbalken auf zwei stützen hängt, galtbrunnen, d. h. galgbrunnen heiszen, nach den galgen dieser form. Noch Stieler 603 brunngalgen, jugum putei, Ludwig 684 galgen über einen brunnen, the gallows of a well, Steinbach 1, 537 schwänggalgen tolleno.
b) so im alten salzwesen, bei solquellen: unum putatorium integrum, quod vulgariter dicitur galgo. Schmeller 2, 39 aus einer urk. von 798, zum aufschöpfen der sole in Reichenhalt, s. ebend. aus dem 12. jahrh. und weiter galge, waʒʒergalge in gleichem dienste, in der bed. ausgedehnt auf den ganzen solbrunnen im betriebe; jenes putatorium ist genauer putiatorium (zu puteus), wie Frisch aus Hund beibringt. derselbe gibt 'galgen in den salzkoten, ein gerüste über dem eingang der salzstätten, worauf man salz oder holz legt', also mit vergessen der urspr. bed., wol in folge fortgeschrittener kunst des betriebes.
c) im gewerbsleben von galgenähnlichen werkstücken, z. b. der galgen an einer presse Ludwig 684, d. h. der deckelstuhl (s. d.) der buchdruckerpresse, vgl. Adelung; am webstuhl 'kamm, galgen, tritt, gewicht, rollen, wellbaum, sitz' Garzoni 566a, genaueres bei Tobler 211b, die weblade wird dran aufgehängt, vgl. DWB galgenholz 2; ähnlich das. ein querbalken im dachstuhle zum anlegen der heuleiter; bei lichtziehern ein gerüst zum aufhängen der dochte, bei den reepschlägern zum drehen starker duchte (schnuren), auf schiffen zum anhängen der schaluppe, auf kauffahrern der glockenstuhl, u. ä.; beim kochen von zwetschenmus ein groszes holz in form eines kniegalgens zum rühren des kochenden muses, in Thüringen; bei tischlern, schustern ein galgenähnliches gestell zum anhängen einer lampe; am pferdezaum, s. DWB galgenmundstück; schweiz. ein hosenträger Stalder 1, 415, auch luxemb. Gangler 162; bair. das öhr am knopfe Schm.2 1, 902.

[Bd. 4, Sp. 1173]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) galgenaas, n. wie galgenvogel u. ä., nl. galghenaes furcifer Kil.: galgenasz, rabenfuter. Garg. 47a (Sch. 74).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
galgenambosz, m. wie hornambosz (s. d.), mit einem an einen galgen erinnernden gestelle, blech darauf rund zu hämmern.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
galgenart, f. 'ex genere patibulari' J. G. Haas, früher einfach 'furcifer' Dief. 253a, 15. 16. jh. (Cölner gemma), galgendieb u. ä.; wegen art vom menschen selber s. z. b. katzenart. bei Kil. aber galghaerd furcifer (franz. pendart das.), mit der häufigen nl. bildung auf -aerd (d. i. hd. -hart), und das könnte wol in jenem mitwirken, unter umdeutung.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
galgenast, m. als scheltwort nebst galgenschwengel, galgenwadel in dem groszen schimpfkataloge fastn. sp. 254, 32, schon mhd. unter namen von raubgesellen in dem ähnlichen kataloge im Renner 26b Galgenast. es ist wie galgen selbst (II, 4), wegen ast vgl. dort II, 1, b.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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