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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
galerie bis galgbrunn (Bd. 4, Sp. 1163 bis 1166)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) galerie, gallerie, f. das franz. galerie, ital. galleria, in Italien schon im 9. 11. jh. mlat. galeria, s. Ducange, Diez wb. 2. ausg. 1, 199, nach dem es seinen ursprung mit den schiffsnamen it. galea, galera zu suchen haben wird; vgl. das schiff der kirche, das mit seiner länglich schmalen form und seinen säulenstellungen sogar ähnlichkeit mit einer galerie hat. Littré 1, 1821a verweist auf ein mlat. galilea, altfranz. 13. jh. galilée, säulengang der kirche.
1) hd. zuerst bei Henisch 1335, 21: galerei .. nobis ärker, pergula .. ambulacrum .. partes domus eminentes, unde aspectus est nobis in vicos et plateas .. et xystus, porticus tecta .. et peristylium, et lorica (s. 9); vor ihm nl. bei Kil.: galerye, gank in't huys, pergula, ambulacrum; galerye boven toe, xystus, porticus tecta, galerie couverte. also wesentlich ein anbau am hause, offen oder gedeckt, theils zum spazieren, theils zum ausschauen, besonders mit säulen und bogen, auf jeden fall ein vornehmes stück, wahrscheinlich mit dem ital. geschmacke in die fürstenpaläste, reichen kaufmanns- und rathäuser verpflanzt an stelle der deutschen laube (s. d.): auf der gallerie spazieren. Stieler 2424 (er gibt auch noch galerey); das pauken und trompetten ist ein alter teütscher brauch (bei hofe) ... bei dem alten herzog August von Braunsweig stunde der bauker in einer galerie vor des herzogs cammer (d. i. gemächern), und so bald der herzog aus seinem apartement ging, paukte man. Elis. Charl. v. Orl. (1867) 116; man hat sich diese galerie im schloszhofe zu denken, als umgang und zugleich verbindung der verschiedenen gemächer, nach dem hofe zu offen, mit säulen und bogen und geländer, wie das auch in bürgerhäusern nachgeahmt wurde, wenn auch oft nur von holz, wie sie doch auch vorher wol schon vorhanden waren.
2) ein eben solcher gang mit verglasten bogenöffnungen, dann auch in den eigentlichen umfang des schlosses oder hauses hereingezogen, selbst ins innere versetzt, doch immer noch als wandelgang oder zum verkehr der in den verschiedenen darein mündenden gemächern wohnenden, auch zur verbindung verschiedener theile oder flügel des gebäudes. das vorletzte z. b.: einer .. kam zu mir in der gallerie .. wie die gallerie ganz voller leute von einem end zum andern war u. s. w. Elis. Ch. v. Orl. (1871) 654, es ist förmliche assemblée da.
3) bildergalerie, gemäldegalerie: gallerie, da die mahlerei u. s. w. ausgestellt wird, kunstkammer, pinacotheca. Aler 834a. das ist urspr. nichts als die galerie unter 2 in fürstl. schlössern, die mit ihrer einen langen wandfläche und der gleichmäszigen beleuchtung von der andern seite sich trefflich zur anbringung von gemälden darbot, wie es z. b. noch die bildergalerie im königl. schlosse zu Berlin ist, zugleich eine galerie im alten sinne; man nahm dazu gern eine sog. grosze galerie in schlössern, wie im Louvre zu Paris. Der name blieb dann auch da, wo der gemäldesammlung ein eignes gebäude gewidmet ward, z. b. die frühere bildergalerie zu Dresden, nur dasz dem worte der begriff der fürstlichen bildersammlung in einer residenz, sei es stadt oder lustschlosz, noch lange anhaftete. vergl. den artikel galerie in Sulzers theorie der sch. k.
4) diesz übertragen auf werke, welche eine gemäldesammlung in nachbildungen darstellen (vergl. Sulzer), besonders auf eine portraitsammlung berühmter männer u. ä., auch ähnlich sonst als büchertitel, z. b. galerie berühmter zeitgenossen, lebensbeschreibungen, mit oder ohne bilder. Dann von bloszen charakteristiken in einer reihe: und wir getrauten uns eine solche galerie von charakteren, nach lebendigen und abgeschiedenen mustern .. wol aufzustellen. Göthe 54, 105 ('Newtons persönl.'), charaktere werden ja 'gezeichnet, skizziert' u. ä., auch das aufstellen passt auf eine bilderreihe. Auf 'bilder' der natur übertragen:

ich könnte noch ...
natur, in deiner bildergallerie
nach wundern suchen, ach! und fände
das letzte wunder nie.
Gökingk lied. zw. lieb. (1777) 116.


5) galerie in theatern, für zuschauer, dem urspr. begriffe u. 1 noch nahe stehend. obwol von mehreren galerien die rede ist oder war, wie z. b. schon das erste Dresdener comödienhaus vom j. 1664 zwei galerien hatte (Fürstenau zur gesch. d. mus. u. d. theat. am hofe zu Dr. 1, 325. 329), spricht man doch auch von der galerie, als nur einer, dem geringsten platze, für den pöbel; so, wenn Lessings bruder aus Hamburg v. j. 1768 von aufführung

[Bd. 4, Sp. 1164]


eines volksstückes berichtet: auf der gallerie (im gegensatz zum leeren parterre) befanden sich die kenner und gelehrten. sie wuszten auf ein haar, wenn der schauspieler nicht recht hamburgisch kauderwelschte. Lessing 13, 143; dergleichen unzweideutigkeiten wurden .. in den logen länger beklatscht als auf der gallerie. E. Devrient gesch. d. d. schausp. 1, 362. das hoftheater zu Weimar hatte zu Schillers zeit einen balkon, den theuersten, und eine gallerie, den wolfeilsten platz (s. den theaterzettel zur ersten aufführung des Tell in der Hempelschen Schillerausg. 6, 11). noch jetzt heiszt auch in unsern groszen theatern mit drei, vier rängen, wie man in neuerer zeit die galerien im titel erhöht hat nach frz. muster, der oberste für den gemeinen mann volksmäszig und im recensentendeutsch die galerie (aus noch älterer zeit her das paradies), man spricht vom beifall der galerie, galeriepublicum. Das setzt voraus, dasz in der ersten zeit eben nur eine galerie bestand, sei es bei hofe, wo man dieselbe etwa dem bürgerstande zum stehen einräumte, während hof und adel im grunde vor der bühne selber platz nahmen, sei es dasz es von der galerie in tanzsälen herrührt, worin wol wandernde truppen ihre bühne aufschlugen, wie noch jetzt.
6) galerie in tanzsälen, concertsälen, turnhallen u. ä., eigentlich für unbetheiligte zuschauer, die mehr zugelassen als zugehörig sind; auch dahinter mag ursprünglich eine höfische einrichtung liegen. das franz. wort bezeichnet daher auch die zuschauerschaft z. b. bei einem ballspiele, was auf eine galerie in den alten ballhäusern deutet, die dem hof und adel dienten: porticus, die gallerie, porticus interior die gallerie von innen, als theile des ballhauses bei Pomey indic. 456. als erster anfang dazu böten sich die galerien unter 1, umgänge in schloszhöfen, denn da im hofe wurden solche spiele geübt.
7) sonst gilt das wort volksthümlich noch von bogengängen, z. b. am markte, unter rathäusern, nach einer seite offen, auch noch laube genannt. dann von umgängen oder verbindungsgängen in den höfen städtischer häuser, wofür doch auch, z. b. in Leipzig, das alte einfache gang noch lebt. dieser bürgerliche gebrauch musz wol auch franz. sein, denn daraus erklärt sich eine angabe Frischs im franz. wb.: 'aller à la galerie, auf das heimliche gemach gehen' (das eben auf dem gange angebracht ist).
8) auf schiffen ein 'gang auszen am schiffe' Frisch a. a. o., am hindertheile, es gibt achtergalerie, seitengalerie.
9) im festungs- und belagerungswesen, lange schmale gänge zu mehrerlei zwecken, z. b. für minierer. auch das schon in der ersten zeit, wie Henischs lorica unter 1 zeigt.
10) im bergbau hie und da gleich strecke (s. d.). Veith 211.
11) die kunstgeschichte spricht von galerien im romanischen baustile, z. b. am Bonner dome: über den arkaden durchbricht eine zierliche galerie die obermauer. Lübke gesch. der arch (1870) 375; apsis, die unter dem dachgesims von zierlicher (l. einer zierlichen) säulengalerie bekrönt wird. 373; offene galerien auf gekuppelten säulen (am landgrafenhause der Wartburg). 350. wie nannte mans in der zeit selber?
 
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galer, m. hut, s. DWB galler.
 
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galf, m. schrei, geschrei, mhd. galf wb. 1, 518b, Lexer 1, 727 (strîtes galf, schlachtgeschrei):

sy ... schrien uns verr hinden nach
mit lautem galm und graszem (a für o) galf,
als dy pauren über dy walf (wölfe).
Beheim Wiener 204, 11;

ebenso gilf das. 309, 19, beide zum starken gelfen (s. d.). nebenform galp, galb, s. d., auch galfen, galfe m.
 
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galfe, m. schimpfwort, wahrsch. schreier, prahler (s. DWB gelfen), bei M. Beheim Wiener 184, 1. 223, 14 von gegnern dy schnöden galfen, auch golfen 257, 2; nach Beheims östr. art kann auch mit jenem vielmehr golfen gemeint sein, wie der reim 184, 1 gehalfen für geholfen bietet, ähnlich in der zweiten stelle. ebenso gilfe m. Lexer 1, 1016, Teichner s. 17 Kar.; s. DWB galf und DWB gelfen.
 
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galfe, f. ein getreidemasz, tirol., s. Schm. 2, 33, Schöpf 170, Scherz 465, gleich galvei, in der endung vereinfacht.
 
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galfen, bellen, schreien u. ä., s. DWB galben.
 
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gälfen, gälfern, s. DWB gelfen, DWB gelfern.
 
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galg, s. DWB galgen, auch galgant 2, c.
 
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galgan, galgant u. ä., galanga u. a.
1) galgant m. ist die heutige form (vgl. unter c).
a) eine ostindische wurzel, früher lange in ärztlichem gebrauche oder als gewürz (s. 2, a), der officinelle galgant, maranta galanga Nemnich 3, 507, auch der kleine galgant zum unterschiede vom groszen, sinesischen galgant, Kaempferia galanga 277.
b) auch auf heimische, europ. pflanzen übertragen: deutscher galgant, schoenus mariscus Adelung, eine art stickgras; bei Nemnich

[Bd. 4, Sp. 1165]


wb. 176 auch galgant für scirpus sylvaticus und carex acuta, vulpina etc., bei Frisch 1, 314a wild galgan, cyperus, juncus angulosus, κύπειρος u. a., vgl. Voss unter c, Trochus u. 2, b. gewiss wegen ähnliches gebrauchs der wurzel, vgl. schon Megenbergs angabe über fälschung des galgan 368, 27.
c) mit dem angeschobnen t übrigens schon im 15. jahrh. und früher: galgant, als specerei Baaders Nürnb. poliz. 128, Megenberg 368, 19 var.; galgant, galganum, galanga, galgana. voc. 1482 k 1b, auch in andern vocc. Dief. 256b. ebenda auch galgent, selbst galget, im voc. inc. teut. h 1b aber 'galgant ... vulgariter galgen', also längst eingewurzelt und deutsch weitergebildet. So ist denn die betonung galgánt bei Adelung eine gelehrte widerherstellung, wahrscheinlich von apothekern, ohne not und nutzen, da es so doch noch lange nicht lat. ist; gálgant bezeugt z. b. folg.:

wo lotos gedeiht, wo nährender galgant.
Voss Od. 4, 603,

in der ersten ausg. gálgan (s. 2), homer. κύπειρον (vgl. Frisch unter 1, b, Trochus und Henisch unter 2, b):

überwachsen mit klee und würzeduftendem galgan.


2) älter und echter galgan.
a) so mhd. galgan, auch galgân nach reimen (s. Trochus u. b), s. Lexer 1, 727; galanga haiʒt ain galgan ... wechset in Persenlant .. die wurzel haiʒ wir galgan. der pest galgan ist, der rœtlot ist u. s. w. Megenberg 368; und nim denne ingeber und galgân und negelîn, die stôʒe under einander. buch v. guter speise § 2.
b) nhd. galgan: galanga galgaen, cyperus wilder galgan Trochus K iijb, also noch galgân, daher mrh. 15. jahrh. galgayn Dief. 256b; galgan, galgant, galgas, galgenwurzel, galanga, radix odorata et acris, nascens in provinciis Chinae et Joniae (Indiae?), est major et minor, rechter galgan cyperus Babylonicus, wilder galgas curcuma cyperus, juncus quadratus etc., süszer wilder galgan, indianische zuckerwurz, cyperus dulcis. Henisch 1335. galgan noch Rädlein u. a., vgl. Voss u. 1, c.
c) aber auch gekürzt oder deutsch behandelt galgen, im 18. jh. bei Steinbach 1, 537 und schon im 15. jh. Haupt 2, 152 (erlösung 5719), s. das 'vulgariter galgen' 1, c; so snide galgen in den mund und schluck die spaichelen. Birlinger Augsb. wb. 177b. daraus weiter galge galanga Brack voc. Lpz. 1491 47b, selbst galg Dief. 256b. — Daher denn verdeutlicht galgenwurzel Henisch unter 2, b, galgenwurz galanga voc. 1482 k 1b, cyperus Aler 833a (neben galgant 832b), noch nd. z. b. in Mekelnburg galgenwöttel.
3) noch andere formen.
a) im 16. jahrh. galigan u. ä.: galganum, est nomen herbe, galigan. voc. opt. Leipz. 1501. 1508 M 1a; ebenso nd. 15. jahrh. Dief. 256b, auch galligan 16. jh.: wen men des morgens (zur ader) laten wil, so schal me des avendes galligan seden in wyne unde drinken. Wiechmann mekl. altnied. lit. 1, 67. auch nl. galigaen, cyperus Babylonius, galanga vulgaris Kil. Und so früher noch: galinga, galigan. Mones anz. 4, 245, nd. um 1300; galgana, galegan. sumerl. 66, 26; ciperus, wîʒ galigân Nyerup symb. 408, für die länge spricht die nl. form vorhin, auch nd. garigaen Dief. 256b, gallegaen n. gl. 188a, vgl. u. 2, b. auch mit erweichtem g galian (galien) Dief. 256b.
b) das nähert sich denn dem lat. galinga, scheint aber die ungewöhnliche betonung gálinga vorauszusetzen, aus der es sich leicht begriffe; aus gáligân ward dann das gálgân, galgen u. 2. Aber gálinga ist nicht die urspr. lat. form, sondern gálanga, wie wol auch betont wurde, gr. γάλαγγα? So auch ahd. galangan Graff 4, 184, und, allerdings mit gewöhnlichem tone, ital. span. galanga, altfranz. galange, altspan. altfranz. garingal, engl. galangal, s. Diez2 1, 198, es geht auf ein arab.-pers. wort zurück, s. das. und Weigand 1, 385. die betonung galángan auch bei uns verrät galangenboun (baum) galanga Wack. voc. opt. 48b.
c) aus galánga dann auch 'gelángt oder gálgan' Brack bei Dief. 256b, reiner 'glanga, geláng, gálgen' nov. gl. 188a, also beide betonungen noch im 15. jh. neben einander. Endlich eine vermischung mit galban (s. d.), wol aus ähnlichem ärztlichem gebrauche. denn in vocc. des 15. jahrh. erscheint galbanum als galigaen, galgan Dief. 256a, und noch im brem. wb. 2, 478 für oleum galbani galgenbômsölje, zugleich wol witzelnd an den galgen angelehnt. vgl. DWB galgenbaum 2.
 
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galgat, m. scherzhafte lat. bildung von galgen:

soldate kümmt vom sold, die ausgeübten thaten ...
verdienten schlechten sold: was noch sich jetzt begibet,
bringt sold, dadurch sie sind galgaten und radaten.
Logau 1, 10, 47 (überschr. soldaten),

candidaten für galgen und rad.

[Bd. 4, Sp. 1166]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) galgbrunn, m. ziehbrunnen mit einem galgen (s. d. II, 5, a), zum niederlassen und aufziehen des eimers, noch im 17. jh. auch in städten üblich (s. Schm. 2, 39), in kirchen, s. unter 1. mhd galgbrunne, z. b. Mones anz. 8, 500. s. auch galgenbrunnen.
1,
a) galgbrunn, puteus, puteolus Dasypod. 335b, puteal ein deckel eins galgbrunnens 199c, aqua puteana galgbrunnenwasser das.; puteus, difer galgbrunn, den man rufer schepft (im gegensatz zum selbstlaufenden quellbrunnen, keckbrunnen u. ä. und zum pumpbrunnen) Melber bei Dief. 474c, in dem zusatze schlich sich der gedanke an das wasser ein, das ja auch brunn hiesz und heiszt; puteus, ein schöpfbrunn, galgbrunn. Golius c. 13; Clodomirus zoch ... in Burgund, überwand k. Sigmunden, fieng in und liesz in mit weib und kinden in einen tiefen galgbrunnen stürzen. Stumpf 1, 177b;

galgbrunnen.
H. Sachs 5, 281c.

aus Straszburg wird erzählt: als der zwinglisch predicant zu ainer zeit intonirt, do sasz ain abneteurer uf dem galgbronnen der im münster steet, und gampet mit den füeszen, bisz ers übersicht und in bronnen felt u. s. w. Zimmer. chron. 4, 24.
b) noch im 18. jh. bei dem Schweizer Denzler galgbrunnen, und so noch schweiz. Stalder 1, 415, galgbronna Tobler 211b, es ist von haus aus eben oberdeutsch (auch rheinisch, s. u. 2, b), wie denn Chytraeus für des Golius galgbrunn nd. sod setzt, das doch auch dem oberd. gehört, z. b.: galgbrunnen oder sodbrunnen. Maaler 155c.
c) die oberd. aussprache verrät sich in der schreibung galckborn puteus in der Straszburger gemma 1518 U iija, auch wol in einem rhein. voc. des 15. jh. Dief. 474c, galgkbronn Keisersb. post. 2, 69 bei Scherz 466 (vgl. DWB G 3, a), vergl. schon ahd. galcraba antlia Graff 2, 383, Schm. 2, 39. daraus begreift sich denn die folg. form.
2) galbrunn, durch angleichung des -g ans b-.
a) am genauesten ist eig. galprun, galporn puteus Dief. 474c, galprunn voc. th. 1482 z 8a, weil das -g (-k) in das b- mit eingieng, wie z. b. in wilpert aus wildbret. schon im 14. jh., bair.: swenn ein galprunn zerprist, an welcher gaʒʒen daʒ sei. Schmeller 2, 39, aus einem Münchener ratserlasz von 1370, vgl.galprunnen bei Tobler 211b.
b) das gewohnte b- überwog aber doch: er sach sam (wie) einen galbrunnen, und an dem prunnen einen guldin aimer an ainem guldin seile. Schöpf 169 aus einer hs. v. 1447; wenn euch ein esel fiel am sabbat in ein galbrunnen. Keisersb. evang. 1517 148a; sie hetten einen schatz in einem galbrunnen gefunden. Thurneisser alch. 2, 185; puteus, ein galbrun, brunn, pfutz, aqua putealis putzwasser, galbrunnenwasser Apherdiani tiroc. 1581 205 (vgl. Dasyp. unter 1, a). noch Schmeller 2, 39 gibt für bair. galgbrunn als aussprache an gal'brunn, mit gefühlter andeutung des -g. übrigens auch rheinisch: it. dimidium juger (gelegen) an dem galbornen. Baurs hess. urk. 2, 838, aus Worms v. j. 1320.
c) dasz man aber das galg- darin auch verkannte, endlich nicht mehr fühlte, zeigt schreibung mit ll: ob nicht in einem tiefen und engen gallbrunnen ein städtlein mit weiten gassen gepflastert werden könne? Abele unordn. 3, 20 u. ö.
3) aus völligem verkennen des galg- erklärt sich dann galtbrunn puteolus Dief. 474c, galtbrun 68a, galtburn Scherz 467, schon im 15. jh.; so alsdann ein sollich wasser (heilquelle) .. in ein tumpf oder galtbrunnen vervaszt wird. Paracelsus 1, 1108c; dasz ihr vom boden auf tiefer dann alle galtbrunnen stehend, on erkantnus. ders. chir. schr. 262c, von leuten die die wahrheit, das licht nicht mehr sehen; es was aber eine schnellen ... bi dem wasser mit einem korb, in den man einen setzt, dem man gnad bewisen und dennoch strafen wolt. denselben liesz man wie an den galtbrunnen aufschnellen in einem korb ... dann mszt einer in das wasser abhin springen, wolt er anders aus dem korb kommen. Bullinger Zür. chr. 7, 2 bei Osenbrüggen d. rechtsalt. aus d. Schw. 2, 97 (vgl. DWB galgen II, 1, c). Noch schwäb. 'galtbrunnen, schöpfbrunnen, eigentlich galgenbrunnen' Schmid 218, und bair. Schm.2 1, 902, womit doch die aussprache nicht gemeint sein kann, da auch das -t dort angleichung an das b- erfährt; s. darüber meine ausführung in Zachers zeitschr. 2, 254 ff., wo auch weiter belegt ist, wie man schon mhd., ja ahd. in solchen angleichungsfällen ein falsches -t ergänzte. bei galtbrunn konnte etwa der gedanke an die gelte, wie der brunneneimer allenfalls auch heiszen konnte, mitwirken; vgl. gel'brunne als bair. aussprache Schm.2 1, 902.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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