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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
galeistrafe bis galfe (Bd. 4, Sp. 1162 bis 1164)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) galeistrafe, f. galeerenstrafe. Stieler 2184 (mit ey).
 
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galeiwürdig, was die galeere verdient: du galeiwürdiger esclave! Köhlers kunst über alle k. 138, 3, blosz als starkes schimpfwort; man sehe galeemäszig.
 
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gälen, sich gälen, oberd. 16. jh.: dann er kündte seinem nechsten das nicht halten, des er sich berühmet hat und sich gälet zu wissen. Paracelsus schriften Basel 1589 2, 174; s. unter gall, wo die aufklärung sich findet. ein anderes, sächs. gälen (Tharand) heiszt schwätzen, thür. gären.
 
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galeon, galion, ableitung von galee.
1,
a) galeon, gallion (ohne geschlechtsangabe), galeonus, navis praesidiaria major, navis turrita, et paro, myoparo. Henisch 1335, also in doppelter bed., groszes kriegsschiff, und kaperschiff; die erste angabe, mit einer ungenauigkeit, wol aus Kil.: 'galeoen, navis praesidiaria, gaulus major, navis turrita', vgl. im anhange galeon. im 16. jahrh. als masc. (s. c), worauf auch Henischs 'galeonus' weist: do liesz er in Normandia ein wundergroszen gallion bawen. Zimmer. chr. 3, 336, 21.
b) dann als fem.: die galion, navis praesidiaria major, auch reuberische galione, myoparo piraticus Stieler 2424; galeon f., die silbergaleonen, die spanische silberflotte Rädlein 318a; gallion, groszes kriegsschiff Aler 834a; galion f. Frisch 1, 313c. noch im vorigen jahrh. bei uns wolbekannt: der vizekönig (von Neapel) hatte so schöne galionen bauen lassen. Schiller 4, 130 kr. ausg.;

dir drohen diese (span.) gallionenheere. 4, 110, die unüberw. flotte (heer wie altn., s. unter galeide).


c) das rom. wort ist masc., vgl. Henischs 'galeonus': span. galeon, franz. galion (von span. schiffen), it. galeone, eig. grosze galee. bei uns hielt man wol die span., franz. form möglichst fest, entnahm aber aus dem pl. oder aus galee, galeere ein fem. Schon im 15. jh. auch im europ. norden, Leo v. Rožmital sah sie da in England, nennt sie lat. galeones, sing. galeon, unterschieden von navis und cocha (s.kocke); s. seine beschreibung als groszes langes ruderschiff im kriegsgebrauche und bei jedem winde brauchbar s. 38. engl. gallion.
2) galion n., schiffsschnabel. Frisch 1, 313c nach Chytraeus nom. lat.-sax. 221, wo in der ausg. Hamb. 1594 sp. 193 (c. 33): navis rostrata, a rostro aereo, quod habet in fronte, ein schip mit einem beschlagenen galliohn. auch bei Kil. im anhang (684a) als nd.: galeon, rostrum navis, prora fastigiata. bei Ludwig 685 das gallion, der löwe und die lehnen vornen an den groszen schiffen; an Elbschiffen Schütze holst. id. 2, 8.
 
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galeotte, galiotte, f. kleine galee: galeotte, f. galea biremis Henisch 1335, Stieler 2424, Rädlein 318a, galliot f. oder n., eine grosze schmack u. s. w. Ludwig 685, galiotte f., halbe galee, bombardiergaliotte Frisch 1, 313c. Noch bei Schiller: die verachtung dieses knaben schmerzte mich bitterer als dreijähriger galliotendienst. 4, 69, 14 (verbr. aus verl. ehre); im galliotenparadis das ganze eisenmagazin Vulkans hinterherschleifen. 2, 40, 25 (räuber 1, 2), doch könnte das auch zum folg. gehören. Ital. galeotta, span. galeota, franz. galiote.
 
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galeotte, m. ruderer auf einer galee Frisch 1, 313c: galeoten pl., 18. jahrh., s. unter galeenmäszig, schon mhd. galiôt (auch seeräuber, s. unter DWB galeon 1, a);

die wellen schlagen übers schiff
und nehmen uns viel galeoten.
Keisersbergs narrensch. bei Frisch;

[Bd. 4, Sp. 1163]


galioten, remiges, galeenbuben Henisch 1335. ital. galeotto galeerensclave (auch galgenstrick), span. galeote, älter frz. galiot. Bei Henisch auch galiotte von gewissen bettlern, und galeotisch hosen von einer gewissen modetracht der hosen, aus Frankreich.
 
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galerie, gallerie, f. das franz. galerie, ital. galleria, in Italien schon im 9. 11. jh. mlat. galeria, s. Ducange, Diez wb. 2. ausg. 1, 199, nach dem es seinen ursprung mit den schiffsnamen it. galea, galera zu suchen haben wird; vgl. das schiff der kirche, das mit seiner länglich schmalen form und seinen säulenstellungen sogar ähnlichkeit mit einer galerie hat. Littré 1, 1821a verweist auf ein mlat. galilea, altfranz. 13. jh. galilée, säulengang der kirche.
1) hd. zuerst bei Henisch 1335, 21: galerei .. nobis ärker, pergula .. ambulacrum .. partes domus eminentes, unde aspectus est nobis in vicos et plateas .. et xystus, porticus tecta .. et peristylium, et lorica (s. 9); vor ihm nl. bei Kil.: galerye, gank in't huys, pergula, ambulacrum; galerye boven toe, xystus, porticus tecta, galerie couverte. also wesentlich ein anbau am hause, offen oder gedeckt, theils zum spazieren, theils zum ausschauen, besonders mit säulen und bogen, auf jeden fall ein vornehmes stück, wahrscheinlich mit dem ital. geschmacke in die fürstenpaläste, reichen kaufmanns- und rathäuser verpflanzt an stelle der deutschen laube (s. d.): auf der gallerie spazieren. Stieler 2424 (er gibt auch noch galerey); das pauken und trompetten ist ein alter teütscher brauch (bei hofe) ... bei dem alten herzog August von Braunsweig stunde der bauker in einer galerie vor des herzogs cammer (d. i. gemächern), und so bald der herzog aus seinem apartement ging, paukte man. Elis. Charl. v. Orl. (1867) 116; man hat sich diese galerie im schloszhofe zu denken, als umgang und zugleich verbindung der verschiedenen gemächer, nach dem hofe zu offen, mit säulen und bogen und geländer, wie das auch in bürgerhäusern nachgeahmt wurde, wenn auch oft nur von holz, wie sie doch auch vorher wol schon vorhanden waren.
2) ein eben solcher gang mit verglasten bogenöffnungen, dann auch in den eigentlichen umfang des schlosses oder hauses hereingezogen, selbst ins innere versetzt, doch immer noch als wandelgang oder zum verkehr der in den verschiedenen darein mündenden gemächern wohnenden, auch zur verbindung verschiedener theile oder flügel des gebäudes. das vorletzte z. b.: einer .. kam zu mir in der gallerie .. wie die gallerie ganz voller leute von einem end zum andern war u. s. w. Elis. Ch. v. Orl. (1871) 654, es ist förmliche assemblée da.
3) bildergalerie, gemäldegalerie: gallerie, da die mahlerei u. s. w. ausgestellt wird, kunstkammer, pinacotheca. Aler 834a. das ist urspr. nichts als die galerie unter 2 in fürstl. schlössern, die mit ihrer einen langen wandfläche und der gleichmäszigen beleuchtung von der andern seite sich trefflich zur anbringung von gemälden darbot, wie es z. b. noch die bildergalerie im königl. schlosse zu Berlin ist, zugleich eine galerie im alten sinne; man nahm dazu gern eine sog. grosze galerie in schlössern, wie im Louvre zu Paris. Der name blieb dann auch da, wo der gemäldesammlung ein eignes gebäude gewidmet ward, z. b. die frühere bildergalerie zu Dresden, nur dasz dem worte der begriff der fürstlichen bildersammlung in einer residenz, sei es stadt oder lustschlosz, noch lange anhaftete. vergl. den artikel galerie in Sulzers theorie der sch. k.
4) diesz übertragen auf werke, welche eine gemäldesammlung in nachbildungen darstellen (vergl. Sulzer), besonders auf eine portraitsammlung berühmter männer u. ä., auch ähnlich sonst als büchertitel, z. b. galerie berühmter zeitgenossen, lebensbeschreibungen, mit oder ohne bilder. Dann von bloszen charakteristiken in einer reihe: und wir getrauten uns eine solche galerie von charakteren, nach lebendigen und abgeschiedenen mustern .. wol aufzustellen. Göthe 54, 105 ('Newtons persönl.'), charaktere werden ja 'gezeichnet, skizziert' u. ä., auch das aufstellen passt auf eine bilderreihe. Auf 'bilder' der natur übertragen:

ich könnte noch ...
natur, in deiner bildergallerie
nach wundern suchen, ach! und fände
das letzte wunder nie.
Gökingk lied. zw. lieb. (1777) 116.


5) galerie in theatern, für zuschauer, dem urspr. begriffe u. 1 noch nahe stehend. obwol von mehreren galerien die rede ist oder war, wie z. b. schon das erste Dresdener comödienhaus vom j. 1664 zwei galerien hatte (Fürstenau zur gesch. d. mus. u. d. theat. am hofe zu Dr. 1, 325. 329), spricht man doch auch von der galerie, als nur einer, dem geringsten platze, für den pöbel; so, wenn Lessings bruder aus Hamburg v. j. 1768 von aufführung

[Bd. 4, Sp. 1164]


eines volksstückes berichtet: auf der gallerie (im gegensatz zum leeren parterre) befanden sich die kenner und gelehrten. sie wuszten auf ein haar, wenn der schauspieler nicht recht hamburgisch kauderwelschte. Lessing 13, 143; dergleichen unzweideutigkeiten wurden .. in den logen länger beklatscht als auf der gallerie. E. Devrient gesch. d. d. schausp. 1, 362. das hoftheater zu Weimar hatte zu Schillers zeit einen balkon, den theuersten, und eine gallerie, den wolfeilsten platz (s. den theaterzettel zur ersten aufführung des Tell in der Hempelschen Schillerausg. 6, 11). noch jetzt heiszt auch in unsern groszen theatern mit drei, vier rängen, wie man in neuerer zeit die galerien im titel erhöht hat nach frz. muster, der oberste für den gemeinen mann volksmäszig und im recensentendeutsch die galerie (aus noch älterer zeit her das paradies), man spricht vom beifall der galerie, galeriepublicum. Das setzt voraus, dasz in der ersten zeit eben nur eine galerie bestand, sei es bei hofe, wo man dieselbe etwa dem bürgerstande zum stehen einräumte, während hof und adel im grunde vor der bühne selber platz nahmen, sei es dasz es von der galerie in tanzsälen herrührt, worin wol wandernde truppen ihre bühne aufschlugen, wie noch jetzt.
6) galerie in tanzsälen, concertsälen, turnhallen u. ä., eigentlich für unbetheiligte zuschauer, die mehr zugelassen als zugehörig sind; auch dahinter mag ursprünglich eine höfische einrichtung liegen. das franz. wort bezeichnet daher auch die zuschauerschaft z. b. bei einem ballspiele, was auf eine galerie in den alten ballhäusern deutet, die dem hof und adel dienten: porticus, die gallerie, porticus interior die gallerie von innen, als theile des ballhauses bei Pomey indic. 456. als erster anfang dazu böten sich die galerien unter 1, umgänge in schloszhöfen, denn da im hofe wurden solche spiele geübt.
7) sonst gilt das wort volksthümlich noch von bogengängen, z. b. am markte, unter rathäusern, nach einer seite offen, auch noch laube genannt. dann von umgängen oder verbindungsgängen in den höfen städtischer häuser, wofür doch auch, z. b. in Leipzig, das alte einfache gang noch lebt. dieser bürgerliche gebrauch musz wol auch franz. sein, denn daraus erklärt sich eine angabe Frischs im franz. wb.: 'aller à la galerie, auf das heimliche gemach gehen' (das eben auf dem gange angebracht ist).
8) auf schiffen ein 'gang auszen am schiffe' Frisch a. a. o., am hindertheile, es gibt achtergalerie, seitengalerie.
9) im festungs- und belagerungswesen, lange schmale gänge zu mehrerlei zwecken, z. b. für minierer. auch das schon in der ersten zeit, wie Henischs lorica unter 1 zeigt.
10) im bergbau hie und da gleich strecke (s. d.). Veith 211.
11) die kunstgeschichte spricht von galerien im romanischen baustile, z. b. am Bonner dome: über den arkaden durchbricht eine zierliche galerie die obermauer. Lübke gesch. der arch (1870) 375; apsis, die unter dem dachgesims von zierlicher (l. einer zierlichen) säulengalerie bekrönt wird. 373; offene galerien auf gekuppelten säulen (am landgrafenhause der Wartburg). 350. wie nannte mans in der zeit selber?
 
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galer, m. hut, s. DWB galler.
 
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galf, m. schrei, geschrei, mhd. galf wb. 1, 518b, Lexer 1, 727 (strîtes galf, schlachtgeschrei):

sy ... schrien uns verr hinden nach
mit lautem galm und graszem (a für o) galf,
als dy pauren über dy walf (wölfe).
Beheim Wiener 204, 11;

ebenso gilf das. 309, 19, beide zum starken gelfen (s. d.). nebenform galp, galb, s. d., auch galfen, galfe m.
 
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galfe, m. schimpfwort, wahrsch. schreier, prahler (s. DWB gelfen), bei M. Beheim Wiener 184, 1. 223, 14 von gegnern dy schnöden galfen, auch golfen 257, 2; nach Beheims östr. art kann auch mit jenem vielmehr golfen gemeint sein, wie der reim 184, 1 gehalfen für geholfen bietet, ähnlich in der zweiten stelle. ebenso gilfe m. Lexer 1, 1016, Teichner s. 17 Kar.; s. DWB galf und DWB gelfen.
 
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galfe, f. ein getreidemasz, tirol., s. Schm. 2, 33, Schöpf 170, Scherz 465, gleich galvei, in der endung vereinfacht.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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