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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gahre bis gähzornig (Bd. 4, Sp. 1151 bis 1152)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gahre, gähre, gähren, s. ohne h.
 
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gähreif, notreif, frühreif, anzunehmen nach folg., in einer hess. chron. des 15. jahrh.: unde word (der sommer) so heisz, daʒ alle fruchte garype word unde wort kleinekornich. Mones anz. 4, 284 (früchte f., getreide, s. oben 41, 260).
 
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gähschüssig, gähschützig, wie das folg.
1) bair. gähschüssig, abschüssig, steil (vgl. DWB gähe II, 2, das selbst von diesem 'schieszen', d. i. raschen stürzen hergenommen ist).
2) bair. jähzornig Schmeller 2, 28, diesz und voriges gewiss einst allgemeiner. vgl. bair. fürschüssig, übereilt (schweiz. fürschützig Stalder 2, 356) und schützig allein unter 3.
3) schweiz. gächschützig, seines zorns nit gwaltig, impotens irae, temerarius. Maaler 154b, er gibt auch als subst. die gächschützige, impulsio und gächschützigkeit, temeritas. es ist wie schweiz. schutz (Maaler 364c) für schusz, daher auch schützig jähe, abschützig abschüssig, und schützig für sich gleich aufbrausend, unbesonnen Stalder 2, 356, gähschützig jähzornig 1, 410.
 
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gähstotzig, gähstützig, gleich dem vorigen.
1) abschüssig, schweiz. gächstotziger vels, abrupta rupes, gächstotzig und gefaarlich ort, deruptum, abscissus locus Maaler 154b, auch in nicht schweiz. wbb., z. b. noch bei M. Kramer 1787 gähstotzig (auch gleich plötzlich), vgl. unter 2;

wenn sie nicht weislich dort vorüberlenken,
so wird das schiff zerschmettert an der fluh,
die sich gähstotzig absenkt in die tiefe.
Schiller Tell 1804 s. 158 (4, 1),

in späteren ausg. verderbt in gähstrotzig. von gähe 2 steil und stotz abhang Maaler 390d, vgl. stotzig acclivis das., ein gähen stotz (verdr. gägenstotz) aufgon per arduum scandere 154c.
2) temerarius, gähestützig vel unbesinnet. Dief. 376a aus dem lex. tril. Straszb. 1590; gächstutzig, geh zornig ... cholericus, honesti animi. Henisch 1333; gähstützig, gähzornig Rädlein 317b als mundartlich. es ist noch mittelrheinisch, gäh- oder jähstützig (-stitzig) Kehrein Nassau 1, 149. schweiz. aber gähstützig senkrecht abschüssig Stalder 1, 410, auch abstutzig 2, 403, vgl. anstützig Dief. nov. gl. 97a (s. v. cliuus), beide unterschieden wie lat. declivis und acclivis.
3) im subst. auch bei Maaler 154b (Frisius 833a) mit ü gächstützigkeit, praecipitantia, temeritas, audacia, bei Aler 831b (Cöln 1727) gähestutzigkeit, praecipitantia. zu stutz steiler ort, auch trotz u. ä., s. Schmeller 3, 673, Stalder 2, 403, doch ist auch zu dem stotz unter 1 ein adj. stützig möglich, vgl. adv. stützlingen praecipitanter Maaler 394a.
 
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gähtaufe, f. nottaufe, taufe die gähe, in höchster eile vollzogen werden musz, 16. jh. gehetauf Curtze Waldeck 466a. es

[Bd. 4, Sp. 1152]


scheint aus gähe taufe zusammengeschoben, s. u. gähe II, 1, b; doch schon mhd. gâchtouf m., gâchtoufe f. Lexer 1, 723.
 
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gähtaufen, nottaufen, 16. jh. gehetaufen Curtze a. a. o., bair. gähtaufen, s. Schm. 2, 29, der aus dem 14. jh. jachtaufen beibringt, aus einem bair. rechtsbuche, daʒ chint jachtaufent di frawen.
 
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gähwinde, f. schneewehe, s. Schmeller 2, 29, zu wind, s. das folg.; es hängen aber mehrerlei zweifel dran. Einmal gibt aus Tirol Schöpf 166 vielmehr als plur. gâchwind' und gâchwinden (auch gânwind' pl.), schneetiefen, auch schneegestöber, und sturmwind überhaupt, welches letztere die begreiflichste bed. wäre; die zweite bed. auch bei Schm., 'das ungestüme umherwehen des schnees'. Dann steht bair. neben der form mit i auch gawentn, ebenso schwäbisch neben gähwinde auch gähwände f., 'schneewand, zusammen gewehter schneehaufen' (an einer anhöhe) Schmid 215, daher Schmeller selbst 4, 105 fg. es an schneewenden (17. jh.) schneemasse in streifenform anlehnt. Endlich wird selbst gäh- zweifelhaft durch schwäb. gäuwände f. Schmid 215, auch bair. gaiwentn, im j. 1605 einmal gewwinden Schm. 2, 29: hat übernachts in einer groszen gewwinden bleiben müssen, wenn nicht gar in dem gäu ein nachklang des vermuteten goth. gêhv steckt (s. DWB gähe I, c). auffallend ist auch, dasz der schnee darin unbezeichnet bleibt. weiteres licht ist von aufzufindenden älteren formen zu erwarten.
 
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gähwinden, schneien mit starkem winde, den schnee zusammen wehen, bair. Schm. 2, 29, tir. Schöpf 166.
 
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gähwittern, dasselbe, ebenda.
 
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gähzorn, m. jähzorn: gächzorn, gallen überlauf, effervescentia bilis, excandescentia Henisch 1330, 67; wann sie einen menschen erzürnet sahe, sprach sie geschwind zu ihm, er solte nur ein vatter unser beten, so würde er in diesem gähzorn gewiss nichts böses begehn. Zinkgref (1653) 2, 49. schon im 15. jh. gechzorn, auch gochzorn (o aus â) vehementia Dief. 608c. Sonst noch im 16. jahrh. gäher zorn, z. b.: wie Hiltebrandt Dieterich von Bern strafet seines gähen zorns halben. Agricola spr. nr. 306 am ende, vgl. unter gähe II, 4, c. zu diesem gäher zorn entstand frühe als adj. gähzornig, und daraus wird rückwärts gähzorn erst entnommen sein (s. z. b. kleinmut); noch Schönsleder S 1b hat neben gächzornig doch kein gächzorn.
 
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gähzornig, adj. zu gäher zorn (s. voriges).
1) so seit dem 14. jh.: iedoch vint man etleich frawen die part habent oben an dem mund, und daʒ ist ain zaichen, daʒ si gar haiʒer natûr sint (s. 5, 79) und gæchzornig. Megenberg 12, 21; colericus, gezornig, geemtig. Dief. 131b; vehemens, gechzornig. 608c; allein das im die laus bald über die leber lauft und das er etwas gähzornig ist. Fischart ehz. 633 Sch., gächzornig Maaler 154b; ein gächzorniger mann ist kein verrhäter. Henisch 1331, 2.
2) im 15. jh. auch ohne umlaut goch zornig vehemens Dief. 608c, worin denn mit goch, d. i. gâch das adv. gemeint sein kann, wie auch bei Henisch noch, wenn er getrennt schreibt: gähe zornig leut sind trew leut. 1333, 8 (vgl. das 'honesti animi' unter gähstützig 2), geh zornig das. z. 4, vergl. gähe-zornig Ludwig 683. auch in der stelle Megenbergs unter 1 hat der Frankf. druck von 1536 3a gech zornig. doch s. auch gochzorn unter dem vorigen. mit doppeltem umlaut gähe-zörnig Aler 831b.
3) es hiesz übrigens auch umgedreht zornig gäh

die mutter lauft zu zornig gäh.
Fischart flöhh. 822 Sch. (2, 46 Kz.).

auch einfacher zorngähe: colericus, zorngeher. Dief. n. gl. 99b. und kurz gähe, s. d. II, 4, c.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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