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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gahen bis gähling (Bd. 4, Sp. 1146 bis 1147)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gahen, gachen (mit â), eilen, besonders hastig, stürmisch, vielgebraucht mhd. gâhen, ahd. kâhôn; mnd. gân (wiefür hd. gâch, gæhe):

so se umme dich (sei vorsichtig, umsichtig) unde ga nicht sere.
Haupt 5, 386, 63.

nhd. dagegen früh abgegangen (vgl. 3, c und gähen).

[Bd. 4, Sp. 1147]



1) in der gewöhnlichen bed., wie mhd.:

wo man wil ... ritterspil anfachen (fâhen),
so thun sie da hin gachen. turnierreim bei
Hund (Schm. 2, 28);

mit sölcher sach ist nit zuo gahen. trag. Joh. D 6;

lieben fründ, lând uns nit gachen,
disem folk sind wir zu krank (schwach).
Lenz Schwabenkrieg 65b.


2) in einem besonderen rechtsgebrauche, von standrechtlichem, summarischem verfahren, lynchjustiz oder wie wir sagen würden (auch gähe musz so gebraucht gewesen sein, vgl. unter dem subst. gähe 3), mit oder an einem gahen:

und furtens in dy schergenstub
und wolten mit in gahen,
in die haupt ab lan slahen.
Beheim Wiener 252, 26;

gacht nit an uns, her küng, ich bit.
Kolrosz Daniel D 4.


3) nebenformen.
a) gohen, mit dem besonders oberrh. ô für â (vgl. gôch für gâch):

domit sy sich londt (lânt) willig fohen,
vil geuch nach disser gfenknis gohen.
Murner geuchm. 940 Sch.;

und sprachen, ylt har (hierher) gohen (: flohen). 977.


b) jahen, wie jähe für gähe:

ich wolt do zu der tur einjahen. fastn. sp. 115, 27 (s. unter kammerlauge).


c) s. auch begâchen, vergâchen, letzteres noch oberd.
 
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gähen, gächen (mit langem vocal), wie das vorige, mhd. gæhen Strickers Karl 11075 (mag auch oft in gâhte enthalten sein), mit md. vocal gêhen Elis. 6700, ahd. gâhian, gagâhian:

dar von (von Tervis weg) hand si bald gächet. älteres ged.,
Schmid schwäb. wb. 215.

noch bei Denzler (schweiz.) gächen praecipitare, praecipitem ferri ad poenam, (einer) der gächet praeproperum ingenium. sich vergæchen, übergæchen noch schweiz. bair. tir., auch sich gæchen (gæchten, s. DWB gähe fem.), in hitze geraten, 'gäh werden'.
 
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gähgirig, ad aliquid imminens Aler 831b, vgl. DWB gähe 4, b.
 
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gähheit, f. wie gähe f., bair. Schm. 2, 28, mhd. gâcheit. gahheit voc. th. 1482 i 8b, jähzorn, heftigkeit.
 
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gähhitze, f. am Mittelrhein, schnelle und zu starke ofenhitze, mit verb. es gähhitzt. Kehrein Nassau 1, 148. vgl. folg.
 
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gähhitzig, jachzornig. M. Kramer 1787: der gähehitzige zorn. Philander 2, 499. im adv.: gleichwol soll man auch nit fräfenlich noch gähhitziglich mit peinlicher frag auf sie tringen. Fischart Bodin (1591) 230.
 
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gähigkeit, f. z. b. des gemütes. Stieler, s. DWB gähe 4.
 
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gähhunger, m. heiszhunger, rhein. Kehrein 148.
 
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gähkopf, m. hitzkopf. Hönigers narrensch. 128b.
 
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gählich, hastig, plötzlich, mhd. gæliche Leysers pred. 27, 40. xxiv, gêlîchen 48, 28 (noch in Leipzig gälchen) als adv.: subito urblitzlich, als geelich. Melber varil.; blaterare, geelich sprechen. gemma; gähelich sterben. Brant narr. 86, 9; gählich saufen. Garg. 99a;

gehelich Alexander starb.
Murner geuchm. 1105 Sch.

Auch als adj.: die jungfraw, so ab der gehlichen verklerung etwas erschrocken. Amadis 17. rabidus gähelich Dief. 482a, jähzornig. vgl. Lexer 1, 725.
 
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gähling , wie das vor., mhd. gæhelingen adv. Lexer 1, 725, mnl. gâlinghe (ahd. hiesz es gâhingun, noch bair. gähing).
1) adv., gachling voc. inc. teut.; thu nichtz urblickig oder geheling. Keisersb. lebkuchen 39; die sonn vertreibt den tag gäling. Frank sprichw. 1, 138b; darum werde sie auch der tag des herrn gächling und unversehens uberfallen. ders. laster K ij; dasz oftmals im tag ein rauch ausz dem berg pfurret in der grösze als ein haus gähling über sich wie ein bolz von der sennen. weltb. 230b, zugleich steil? vgl. gächling werfen praccipitare Dasyp. 334d; gehling sterben. Pauli schimpf 61a. 83b; die gähling angehen, gehen gähling wider unter. Lehman flor. 2, 39; indem er gähling aufsteht. Lessing 1, 439. 2, 49; wir löschten gähling unsern heftigen durst. Göthe 48, 119. im comp.: geschwinder und gählinger Uffenbach rossb. 2, 248. bair. auch von ungefähr, dann vielleicht, etwa; tirol. aber auch allmälich! eigen gailing, oberd. (vgl. unter gähe I, a): die gayling im schlaf auffahren, schreien grausam, mit kaltem oder vilen schwaisz. Conradinus ungerisch sucht (1574) 134.
2) selten und misbräuchlich als adj.: gächling, subitarius, subitus. Dasyp. 334d; praecipitium, ein hoher gählinger ort. Alberus p 2b, ghelinger ort kk 2b, steil; einen ghäelingen tod. Amadis 24; eine gählinge entziehung der sinne. Uffenbach 2, 47; gählinger tod. Rädlein.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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