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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gähe bis gähkopf (Bd. 4, Sp. 1146 bis 1147)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gähe, f. subst. zum vorigen, mhd. gæhe (auch gæhede, gæhte f.), ahd. gâhî (gâhida); gächt f. übereilung noch schwäb. Schmid 215, ain gächte tun 15. jh. das.; früher auch gâhe f. (s. das zweite gach) und gähin (s. 4), z. b. in der gächin plötzlich Dief. nov. gl. 352b. vgl. DWB jähe.
1) eile, hast, noch schwäb. Schmid 215: dasz niemand ab seiner eil und gähe zuklagen hab. Agricola spr. 61a.
2) steile Maaler 145c, mhd. gæhe (s. das adj. 2), noch bei Ludwig 683 gähigkeit oder gähe eines felsen, Steinbach 1, 537 gähe praecipitium: im winter wälzt ich mich im schnee herum und rutschte .. auf dem bloszen hintern die gähen hinunter. Bräker 20 (12);

(gletscher, wo) die gähe hinunter die wälzende lauwe (lawine)
rollet den frostigen tod.
Salis 80 (88).


3) plötzlichkeit: der gemein bisz, d. i. so sie (die hunde) in eim schnappen beiszen oder in einer gähe, ist leicht zu heilen. Paracelsus chir. schr. 45c, kann doch auch zu 4 gehören, wie das folg. beispiel; luff ein arm man zu einem richter oder zu einem schergen in ainer gäch und chlagt im ... bair. landr., hs. von 1427 bei Schm. 2, 28 (das erinnert an die gâe dât im Ssp. 1, 55), vgl. österr. weisth. 1, 319, 17 und gahen 2. noch bair. in der gächen, plötzlich.
4) leidenschaftlichkeit, unbesonnenheit, jähzorn, 'häftige des gemüts' Maaler 154c: bist du z ... heftig in handhabung der gerechtigkeit oder wider das unrecht, also das du durch gehe, treiben oder just (mhd. tjoste, juste) des geistes über oder ausz farest. Keisersb. irrig schaf C 2b; in seinem zorn und gähe. Pauli schimpf 107a; in der gäh viel bluts vergossen. das.; éin schnelle und éin gehe gieng da der andern nach. ders. 169 Öst., éine jähzornige that rief die andere hervor; ich hab iren zorn in gütikeit, ir gähin in ruwe verwandlet. Wirsung Calistus m 4, alterthümliche form wie kältin, ahd. cheltîn kälte. vgl. das zweite gach f.
 
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gahel, s. gachheil.
 
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gahen, gachen (mit â), eilen, besonders hastig, stürmisch, vielgebraucht mhd. gâhen, ahd. kâhôn; mnd. gân (wiefür hd. gâch, gæhe):

so se umme dich (sei vorsichtig, umsichtig) unde ga nicht sere.
Haupt 5, 386, 63.

nhd. dagegen früh abgegangen (vgl. 3, c und gähen).

[Bd. 4, Sp. 1147]



1) in der gewöhnlichen bed., wie mhd.:

wo man wil ... ritterspil anfachen (fâhen),
so thun sie da hin gachen. turnierreim bei
Hund (Schm. 2, 28);

mit sölcher sach ist nit zuo gahen. trag. Joh. D 6;

lieben fründ, lând uns nit gachen,
disem folk sind wir zu krank (schwach).
Lenz Schwabenkrieg 65b.


2) in einem besonderen rechtsgebrauche, von standrechtlichem, summarischem verfahren, lynchjustiz oder wie wir sagen würden (auch gähe musz so gebraucht gewesen sein, vgl. unter dem subst. gähe 3), mit oder an einem gahen:

und furtens in dy schergenstub
und wolten mit in gahen,
in die haupt ab lan slahen.
Beheim Wiener 252, 26;

gacht nit an uns, her küng, ich bit.
Kolrosz Daniel D 4.


3) nebenformen.
a) gohen, mit dem besonders oberrh. ô für â (vgl. gôch für gâch):

domit sy sich londt (lânt) willig fohen,
vil geuch nach disser gfenknis gohen.
Murner geuchm. 940 Sch.;

und sprachen, ylt har (hierher) gohen (: flohen). 977.


b) jahen, wie jähe für gähe:

ich wolt do zu der tur einjahen. fastn. sp. 115, 27 (s. unter kammerlauge).


c) s. auch begâchen, vergâchen, letzteres noch oberd.
 
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gähen, gächen (mit langem vocal), wie das vorige, mhd. gæhen Strickers Karl 11075 (mag auch oft in gâhte enthalten sein), mit md. vocal gêhen Elis. 6700, ahd. gâhian, gagâhian:

dar von (von Tervis weg) hand si bald gächet. älteres ged.,
Schmid schwäb. wb. 215.

noch bei Denzler (schweiz.) gächen praecipitare, praecipitem ferri ad poenam, (einer) der gächet praeproperum ingenium. sich vergæchen, übergæchen noch schweiz. bair. tir., auch sich gæchen (gæchten, s. DWB gähe fem.), in hitze geraten, 'gäh werden'.
 
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gähgirig, ad aliquid imminens Aler 831b, vgl. DWB gähe 4, b.
 
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gähheit, f. wie gähe f., bair. Schm. 2, 28, mhd. gâcheit. gahheit voc. th. 1482 i 8b, jähzorn, heftigkeit.
 
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gähhitze, f. am Mittelrhein, schnelle und zu starke ofenhitze, mit verb. es gähhitzt. Kehrein Nassau 1, 148. vgl. folg.
 
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gähhitzig, jachzornig. M. Kramer 1787: der gähehitzige zorn. Philander 2, 499. im adv.: gleichwol soll man auch nit fräfenlich noch gähhitziglich mit peinlicher frag auf sie tringen. Fischart Bodin (1591) 230.
 
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gähigkeit, f. z. b. des gemütes. Stieler, s. DWB gähe 4.
 
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gähhunger, m. heiszhunger, rhein. Kehrein 148.
 
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gähkopf, m. hitzkopf. Hönigers narrensch. 128b.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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