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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gagelen bis gagsen (Bd. 4, Sp. 1142 bis 1144)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gagelen, wie eine gans, gingrire. Henisch, es ist nl. (gaghelen Kil.), s. DWB gagen.
 
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gageln , gaukelnde bewegungen machen, schriftlich selten, der neuern schriftsprache ganz fremd geblieben, aber weit verbreitet, alt und wichtig.
1) schriftliche zeugnisse:

der dritten (spinnerin) schutt man ab die ageln,
das ir die pein gen perg auf gageln. fastn. sp. 381, 34,

die ageln abschütten (s. 1, 189) als liebesdienst der burschen gegen die mädchen in der spinnstube, hier zu handgreiflichkeiten ausartend, die die spinnende umstürzen, dasz die beine wie gaukelnd in die höhe fahren; wann sie reden, spreiten und gaglen die finger aus einander. Keisersberg narrensch. 31 b. Frisch, mit gegagelten fingern reden. das.; die sch richten und regieren die fsz und zehen, das er stracks und schlecht sy, und die zehen nit dört uszhin gagelen, sunder das sie sich recht und schlecht dem sch noch richten. ders. bilg. 90d;

dasz man sie (die mörder) thu an zwei creuz nageln,
lasz sie dran hin und wider gageln,
bisz sie eins harten tods ersterbn.
Ayrer 49d (262, 28 K.),

gagelnd, gaukelnd baumeln.
2) noch vielfach in mundarten.
a) oberd., z. b. schweiz. der tisch gaglet der ungleich steht, gagli n. ein kind das nicht still sitzen kann; nebenform gäggelen tändeln (auch gänggelen). tirol. gagklen, gôglen bes. mit den beinen gaukeln, burzeggl burzelbaum (gaggelairn tändeln); kärnt. gaggeln wackeln, tändeln. ferner schwäb. gackeln ohne halt, gaukelnd gehn, gagelich wackelnd, gaggel und gagg, gogg, goggel (adj. gaggelich, gackelich) langer mensch mit schlenderndem gange, gägele n. gaukelnde bewegung (durch die einer fällt, etwas verschüttet u. dgl.), vergägeln, vergekkeln vertändeln u. dgl. Schmid 214. 215; das gaukelmännchen aus holunder heiszt das. gackelmändle, das gaukeln der kinder mit dem feuer gackeln, göckelen. fränk. gackeln schlendern, mit dem lichte herumfahren u. a.
b) auch mitteld. gâkeln (oder kakeln, tändeln Rüdiger zuwachs 2, 88, vgl. c), so thür., meiszn., sich gaukelhaft bewegen, närrisch benehmen (in Posen Bernd 70, der es mit gakeln schwatzen vermengt), bes. mit armen und beinen zwecklos herumfahren (eben wie der gaukler): gakle nicht so mit dem messer da herum! die mutter zum kinde; das ist kein arbeiten, nur solche gakelei! ein gakelhans, eine gakelliese (Bernd a. a. o.), die so gakeln. dazu denn gackelfreude, gackelei, gackelig, s. d.

[Bd. 4, Sp. 1143]



c) auch dem nd. gebiete fehlt es nicht, wenigstens nl. bei Kil. kaeckelen nugari, und es steckt wol nd. in kakelbont (s. unter gackelicht 2, c), über das k- neben hd. g- s. DWB K 2, g.
3) nebenform ist gagern, auch das einfache gagen vorhanden; anderseits gesellt sich das gleichbed. gabeln dazu, s. weiter gagen.
 
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gagen , das vorige in einfacher bildung.
1) zeugnisse.
a) mundartlich, tirol. gesticulieren, gaukeln, bes. mit den beinen, wie kinder, s. Schöpf 167; schweiz. mit dem stuhle schaukeln (gaage Usteri 1, 132), gagi m. wer das thut, s. Stalder 1, 412. Auch md. gâken oder kâken (vgl. DWB gageln 2, c) z. b. in Thüringen, Sachsen von dingen die 'gakelig' hervor, bes. in die höhe ragen, wie z. b. das gageln fastn. sp. 381, 34 vorhin; einen beleg s. unter dem dritten kacken, und vgl. so burzen mit den beiden bedeutungen. Aus dem nd. gehört vielleicht dazu mekelnb. kakeln, gött. kækeln schlecht schreiben, kritzeln Schamb. 95b (vgl. engl. gags children's pictures Halliw. 388b), mit k- wie u. gageln 2, c. s. auch gakman narr.
b) es ist schon mhd. bezeugt, mit kurzem vocal gagen, z. b. von der wiege, in Gottfrieds von Neifen wiegenliede, refrain:

wigen wagen, gugen (so die hs.) gagen,
wenne wil eʒ tagen? 52, 13,
Wack. les. 1859 682, 28;

gugen und gagen wie ein wagend (schwankend) ror. Keisersberg (Schm. 2, 21);

sein sper das schlg er unter (den arm) do
und (rait?) so veintlich in die schar ...
das ir zwelf von éinem stich
muosten gagen unter sich.
Wittenweiler ring 55b, 9.


c) dazu gagen pl., die beine (wol nur, sofern sie eben gagen, beim umfallen) in einem auf Erfurt weisenden fastnachtspiele:

darf si es wagen,
ich ker auch auf mein gagen. nachlese 222, 27,

es entspricht den worten vorher: du solt deine pain gen mir auf keren; vgl. tirol. gîgl, gügl pl. beine, z. b. die gîgl aufrecken Schöpf 189, und dazu bair. gigete gogete über hals u. kopf Schm. 2, 21.
2) abgeleitet mit iterativer form gagern, gageln. mit leichter änderung im stamme kärnt. gaggen tändeln, schwäbisch gägen (gäugen) vom stuhl, tisch, auch trans. überkippen Schmid 214. s. auch gankeln schaukeln, weiter gaukeln selbst, auch geck, geige, die, nebst noch andern (s. besonders gackelicht 2), auf éine wurzel mit reicher alter entwickelung und auf die bed. einer gaukelnden bewegung zurückgehn.
3) die uralte wurzel musz auch in den andern deutschen sprachen getrieben haben.
a) im engl. zeigt sie sich wol in dial. geg to walk carelessly Halliw. 396a (gleich schwäb. gackeln vorhin), gag sich herumtreiben, schlendern 388b (gemein engl. gad, vgl. unter gabeln 3), gaughling longurio, gagtooth hervorragender zahn (auch gattoth Chaucer); der gaughling ist ganz der schwz. gaggel vorhin (heiszt auch gangling, vgl. schweiz. gänggelen vorhin).
b) mit anderer lautstufe (vgl. DWB gageln 2, c) schwed. kaga taumeln, wackeln Rietz 301a, in der bed. weiter entwickelt gager naseweis 181a, isl. gagr absurdus Biörn 1, 266a, vgl. Vigfusson 187b. ferner ags. gagol, gägl lascivus, auch geglesc, mhd. gogel (gogelen gaukeln); vgl. gegel.
c) auch auswärtige verwandtschaft fehlt wol nicht, wenigstens bietet skr. kak schwanken einen nicht unbedeutsamen anklang.
 
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gagen , von vogelstimmen.
1,
a) haupts. vom gänsegeschrei, gingrire. Fris., Maaler, Henisch u. s. w., mhd. gâgen Parz. 282, 14 (: lâgen); z. b.: die gens gagen davon (so bekannt ist es). Frank sprichw. 2, 15a; die gänse .. poltern, gagen und schnattern viel. Colerus calend. 133;

vil gens im bach,
die könnet nüt dann gagen (: kragen). vogelgesang,
Wack. voc. an. 108b.

auch nl. gaghen, gaghelen Kil., vgl. DWB gageln, DWB gagern.
b) auch gaggen (s.gacken): wenn eine gans gaggt, so gaggt die andre auch. Simrock spr. 12309; s. auch gagagen.
2) auch von raben: crocitare, raben gagen. Dief. 159a. dazu stimmt mhd.vom schrei der krähe:

daʒ diu nahtegal die grâ
niht vertrîbet durch (wegen) ir gâ!
Teichner s. 49 anm. 131 Kar.

vergl. nl. nd.dohle unter kau, schon altmrh.monedula Germ. 9, 20; s. auch gake 1, dohle, rabe.
 
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gagenhuf, m. eine krankheit am hinterhufe (wenn ein pferd sich da stöszt oder 'vernagelt worden'): von dem gagenhuf. Albrecht rossarzn. 15; gagenhuef ... wechst oben heraus auf

[Bd. 4, Sp. 1144]


dem preisz ein geschwulst, aber under sich im huef ein tiefe wurzel. Seuter 276; wenn die pferd am preisz oberhalb des horns offen seind und die haar uber sich stehen, dieselbe krankheit haist man ... strupfhärig, hanhüefig, gagenhüefig oder igelshuef. 275. das fehlerreiche pferd in Türlins krone ist an sînen vüeʒen allen 'agenhuof' 19852. von gagen ragen? die haare stehn am hufe dann wie igelborsten aufwärts.
 
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gagern , gleich gageln, gaukeln u. ä.
1) so in mundarten, schwz. von kindern die herumgaukeln, klettern u. dgl. (vergagern aufhören sich zu bewegen, verrecken), tirol. gesticulieren, wie beim predigen, kärnt. unvorsichtig gaukeln (sich vergâgern, sich vergallopieren), schles. gâkern, auch vergâkern verkommen; vgl. gaiggern tirol. kärnt. schwanken, zweifeln.
2) auch schon mhd., vom jungen Parzival 149, 26, der vor Artus hält (zu rosse) als der zucht noch unkundig gagernde als ein trappe, statt in strenger haltung, in jugendlicher lebendigkeit plump hin und her 'gakelnd' (zu trappe vgl. Haupt 8, 558, 261, Renner 12515). Konrad v. Haslau klagt über die jünglinge, die durch gagern auf den chor dringen, wot possen treiben. Haupt 8, 578.
3) von der verwandtschaft s. DWB gagen. wie dort 3, b mit k-, so vielleicht hierhergehörend im Teuth. 15a 'bagheren, kagheren, ostentare', von schwätzern wie es scheint. altn. liegt nahe giögra wanken Egilsson 247a, Vigfusson 202b.
 
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gagern, von gänsen, wie gagen, gackern: wenn eine gans gagert, so gagern die andern auch. Pestalozzi 2, 71.
 
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gagern, gurgeln. Mones anz. 8, 495; vgl. ags. gagulsvillan gargarizare Ettm. 408, und nd. gagel, guttur, palatum Dief. 272a. 406a (vgl. unter gake 5). s. auch gargeln.
 
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gagezen, gagzen, s. DWB gackzen.
 
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gägler, s. DWB gäckler.
 
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gagsen, s. DWB gacksen.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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