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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gag bis gageln (Bd. 4, Sp. 1141 bis 1142)
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gaga , wie gagag.
1) der schrei der gans: so sitzt die gans da und brütlet, die schreiet gaga, gaga! Frey gart. c. 1.
2) die gans selber: sprichw. flieget ein gans übers meer, so kompt ein gaga wider. Albertinus narrenhatz 230; so seind sie gäns und gaga vor wie nach. das. (s. u. kickezen 1).
3) genauer vom schrei ga ga, auch ga ga ga, s. Wackern. voc. anim.2 24; ihr gesang ist da ga ga ga. Garg. 92a (160 Sch.). Übrigens auch vom schrei der krähe mhd. gâ, s. u. DWB gagen 2.
 
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gagack, gleich gagag (s. d.):

als ist ein gans geflogen usz,
und gagack kumbt wider z husz.
Brant narr. 34, 14,

so kam ein ga ga auch nach haus. Freistadter bearb. (18. jahrh.) bei
Zarncke 36b;

wie ein gans, so über meer fleugt, die kompt ein gagack wider heim. narrensch. Bas. 1574 99a (Wack. v. an.2 36).
 
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gagacken, gacken verdoppelt (s. DWB gacksen, gagagen):

das huhn gagackt,
die ente quackt. wunderh. 3, 421;

die henne fröhlich gaggagagt. geistl. vogelgesang das. 359,

var. gagagagt, gagagackt, gagaggat, s. Wackern. voc. an.2 124b.
 
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gagag , genauer gâggâg,
1) der schrei der gans:

reht als diu gans schrît gâgâg nâch ir rehte. Kolm. meist. 113, 18;

ja wenn ein gans flöhe uber mer
und uber ein jar kem wider her,
so singet sie dennoch gagag.
Waldis Es. 1, 50, 40 u. ö.;

da flog sie hin und sang gagag.
Wolgemut 121.

Auch getrennt (vgl. DWB gaga 3):

da sprach die gans nichts als gag gag. ganskönig E 2b;

und wie sie erschrocken, hat sie geschrien gag gag gag Bebel (1589) 18b. auch gak gak oder kak kak eselkönig 219, kack gag gag ganskönig B 1b, s. Wack. a. a. o. 24. 110 ff.; gagagack Fromm. 4, 316. vgl. DWB gack, DWB gickgack.
2) die gans selbst, aus der kindersprache (vgl. unter kuckuk I, 1, a): fleugt ein gans über meer, und kompt ein gagag wider. Franks sprichw. 2, 25a;

gleich wie ein gans fleugt über Rein,
komt ein gaggag wider allein. ganskönig H 6a (8a),

es ist wie z. b. it catulus versus Romam, canis inde reversus Haupt 11, 142, ähnliche begriffsspiele u. knoblauch 2, b, knorre 11, krätzig 1, krümme 3, f.
 
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gagagen, vom schreien der gans, vgl. DWB gagen: do lieszen sich die andren (gänse) wider nider, stunden umb die (getroffne) gans, gagageten, als sprächen si iren zu. Th. Platter 24 (55);

laszt sodann ruhig die gans in L***g und G**a gagagen,
die beiszt keinen, es quält nur ihr geschnatter das ohr. xenion nr. 83, musenalm. 1797 s. 219.

Auch gagagagen, s. Wackern. a. a. o. 160a (vom huhne s. u. gagacken).
 
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gagat, m. succinum nigrum, 'schwarzer bernstein', eine art erdpech, glanzkohle, lat. gagâtes, so mhd. Parz. 791, 15; altengl. gagate (jetzt meist jet, aus frz. jayet). bei Trochus L 3a 'gagates .. ein agestein' (s. Dief. 255b, wo auch berle, flammestein, nd. bernstên), bei Henisch 'gagatstein, agatstein, schwarzer agstein, bornstein', er ward nämlich wirklich für einen bernstein gehalten, und samt diesem mit dem achat (lat. achates) verwechselt, s. agtstein. noch kärnt. gaggatz, bair. (östr. tir.) gagges auch von bernstein u. ähnlichem stoff, gaggesbetter, tir. gagkesnuster paternoster von solchen kugeln. Schm. 2, 24, s. auch Höfer 2, 258, Schöpf 168.
 
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gagel ,
1) ein strauch, myrica gale, myrtus brabantica, pors, gagel, myrtenheide, ölmyrte, heidelbeermyrte u. a., s. Nemnich 3, 689. nd. oder nrh. 15. jh.: myrtus, gagel, gagelboem Dief. 363a, in einem zwischen nd. und nrh. schwankendem voc., gagelkruyt Teuth. 98a ist gewiss eben das; nl. gaghel myrtus, pheudomyrtus Kil., jetzt gagel m., in Geldern z. b. heimisch (Weiland). das wort ist alt, denn schon ags. gagol f., 'gale, gole, dutch myrtle' (wie myrtus brabantica vorhin) Ettm. 408, im 13. jh. gagel mirtus Wright vocc. 141b, engl. jetzt gale, goule,

[Bd. 4, Sp. 1142]


schott. gaul. vielleicht auch altn. gaglviðr Vötusp. 34, s. Vigfusson 187a.
2) ganz anders schweiz. der gagel, auch die gagle, plur. gaglen, kothknollen von ziegen, schafen, hunden u. a., s. Stalder 1, 412, vgl. 82; auch vorarlb. gagel, dem. gägele, und in den sog. cimbrischen gemeinden kagela f., dem. kägelle, ziegen- und schafkoth (Schmeller 133b), hier an ital. caccola angelehnt, aber jenen genügendes alter verbürgend, offenbar zu kacken (s. d., oberd. mit g-) in einer nebenform.
3) und doch treffen wol beide zusammen: in älterer zeit ist hd. von lämmergageln die rede als beeren wie es scheint, in medicinischem gebrauche: oder gip im waʒʒer, dâ lambergageln (gen.) ein dragme inne sî gesoten. fundgr. 1, 323. pflanzen hieszen geiʒegagel, schâfgagel (Lexer 1, 724). lambergageln scheinen also die beeren eines myrtenähnlichen heimischen strauches, die benennung aber scheint gegeben wie umgekehrt die köthel der schafe und ziegen schaflorbeeren, ziegenlorbeeren heiszen (lorbern von eim zigenbock anklag der podagr. rott o. o. 1601 B 7b, sächs. norbeln, d. i. lorbern). letztere nennt Hugo von Trimberg 268b geiʒbörster pl. (nach strô und mist genannt), sing. geiʒborst n., und dazu stimmt ebenso mhd. borse, ahd. borsa myrtus Dief. 363a, wenn man die vermittelnde form porst (s. u. kienpost u. Dief. s. v. merica) dazu nimmt; s. auch geiszbohnen, holzbirnen, eig. aber ziegenköthel. auch wenn der ags. und nl. name des strauches darin seine erklärung nicht findet, hat er doch wol in oberd. gebrauche diese anlehnung erfahren.
 
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gagel, n. das under gagel, testiculi:

der ehstand zwischen fraw und man
mag keines wegs im fried bestahn,
es sei denn das der freudennagel,
an welchem hangt das under gagel,
sie beiden fest zusamen haft.
Waldis Es. 2, 62, 40.

es kann zu gageln baumeln gehören, denn das scrotum ist ebenso benannt in klächel (s. d. 4). doch vgl. auch DWB gegel (geil) und den oberpf. gagelhahn, auch gagelhenne die bei hochzeitsgebräuchen dienen, Schmeller 2, 20, mit offenbar symbolischer bedeutung.
 
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gagelen, wie eine gans, gingrire. Henisch, es ist nl. (gaghelen Kil.), s. DWB gagen.
 
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gageln , gaukelnde bewegungen machen, schriftlich selten, der neuern schriftsprache ganz fremd geblieben, aber weit verbreitet, alt und wichtig.
1) schriftliche zeugnisse:

der dritten (spinnerin) schutt man ab die ageln,
das ir die pein gen perg auf gageln. fastn. sp. 381, 34,

die ageln abschütten (s. 1, 189) als liebesdienst der burschen gegen die mädchen in der spinnstube, hier zu handgreiflichkeiten ausartend, die die spinnende umstürzen, dasz die beine wie gaukelnd in die höhe fahren; wann sie reden, spreiten und gaglen die finger aus einander. Keisersberg narrensch. 31 b. Frisch, mit gegagelten fingern reden. das.; die sch richten und regieren die fsz und zehen, das er stracks und schlecht sy, und die zehen nit dört uszhin gagelen, sunder das sie sich recht und schlecht dem sch noch richten. ders. bilg. 90d;

dasz man sie (die mörder) thu an zwei creuz nageln,
lasz sie dran hin und wider gageln,
bisz sie eins harten tods ersterbn.
Ayrer 49d (262, 28 K.),

gagelnd, gaukelnd baumeln.
2) noch vielfach in mundarten.
a) oberd., z. b. schweiz. der tisch gaglet der ungleich steht, gagli n. ein kind das nicht still sitzen kann; nebenform gäggelen tändeln (auch gänggelen). tirol. gagklen, gôglen bes. mit den beinen gaukeln, burzeggl burzelbaum (gaggelairn tändeln); kärnt. gaggeln wackeln, tändeln. ferner schwäb. gackeln ohne halt, gaukelnd gehn, gagelich wackelnd, gaggel und gagg, gogg, goggel (adj. gaggelich, gackelich) langer mensch mit schlenderndem gange, gägele n. gaukelnde bewegung (durch die einer fällt, etwas verschüttet u. dgl.), vergägeln, vergekkeln vertändeln u. dgl. Schmid 214. 215; das gaukelmännchen aus holunder heiszt das. gackelmändle, das gaukeln der kinder mit dem feuer gackeln, göckelen. fränk. gackeln schlendern, mit dem lichte herumfahren u. a.
b) auch mitteld. gâkeln (oder kakeln, tändeln Rüdiger zuwachs 2, 88, vgl. c), so thür., meiszn., sich gaukelhaft bewegen, närrisch benehmen (in Posen Bernd 70, der es mit gakeln schwatzen vermengt), bes. mit armen und beinen zwecklos herumfahren (eben wie der gaukler): gakle nicht so mit dem messer da herum! die mutter zum kinde; das ist kein arbeiten, nur solche gakelei! ein gakelhans, eine gakelliese (Bernd a. a. o.), die so gakeln. dazu denn gackelfreude, gackelei, gackelig, s. d.

[Bd. 4, Sp. 1143]



c) auch dem nd. gebiete fehlt es nicht, wenigstens nl. bei Kil. kaeckelen nugari, und es steckt wol nd. in kakelbont (s. unter gackelicht 2, c), über das k- neben hd. g- s. DWB K 2, g.
3) nebenform ist gagern, auch das einfache gagen vorhanden; anderseits gesellt sich das gleichbed. gabeln dazu, s. weiter gagen.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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