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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gäckler bis gadenfenster (Bd. 4, Sp. 1130 bis 1134)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gäckler, m. schwätzer, fem. gäcklerin. M. Kramer 1787.
 
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gäckler, m. bergfink, fränk. 17. jh. Schmeller 2, 24, schwz. gägler, gegler, waldfink Stald. 1, 415, 'von seinem geschrei', wie tir. gaggezer (s. gackzen), nordd. quacker, quäckfink; doch vgl. DWB gacker.

die trummel schlug zum danz der gegler,
der mistler war des königs schwegler.
H. Sachs 1, 426b (regim. der vögel).


 
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gacks, gax, wie gack, gewöhnlich in ablautspiel zusammen mit gicks (s. d.):

ich weisz noch weder giks noch gaks
von euern lebenssitten.
Langbein (ich bin ein junger springinsfeld u. s. w.), in Beckers taschenb. z. ges. vergn. 1810 s. 65.

nordd. mit k- (s. kicks 2, wo auch beisp. für gax):

und doch (als wir zu reden pflegn)
kan weder kax noch eier legn.
Ringwald tr. Eck. P 4, s. gackeln.


 
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gacksen, gaxen, wie gackern, gacken. s. auch gackzen.
1) vom huhn,
a) gacksen Dasyp., Rädlein, gaksen Frisch 1, 313c:

ein hennlein ... hub zu gacksen an:
ka ka ka ka ka ka nei! (s. DWB gackenest 2)
das hennlein legt ein ei.
Uhland volksl. 596. Garg. 87a (Sch. 149);

der hüter sol auch emsig auf die legenden hennen lugen, welches sy anzeigend mit stätem gacksen. Heuslin Gesners vogelb. 91a.
b) gaxen Maaler u. ä.: nit anderst dan wie ein henn tht die ein ei hat geleit, die gaxet daʒ haus vol in allen winkeln, sie hat kein rg dan bisz sie sich selber darumb bringt und bisz man ir das ei dannen (weg) nimpt. Keisersberg sünd. d. m. 56;

täglich sängen, unterm dach die vögel,
gaxten hühner, brummten stier und kuh.
Schmidt von Werneuchen ged. 186.


c) gagsen bei Dasyp., Henisch, Calepinus, Aler (bei diesem auch von gänsen).
2) von menschen,
a) plaudern, plappern, wie gackeln, gacken: er sasz einist bei seinen brdern, da gaxet er das heraus und sprach .. Keisersb. s. d. m. 56b. westerw. kreischen.
b) auch stottern, schwz. gagsen Stalder 1, 413, s. DWB gacken 2: (bei hof muszt du) reden wie er (der herr) redet, gaxen, wann er statzet (stammelt). Philander 1, 510. ebenso gackezen s. nachher.
3) kreischen, von thüren, rädern, westerw. Schmidt 63; thür. so gîksen.
 
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gäcksen, gäxen, dass.: die hüner gäxen wol, aber sie legen nicht. Stieler 594, es wird jetzt thür. gæksen gesprochen;

fort, fort! ihr sorgen, aus dem neste!
ihr geckst doch keine eier aus.
D. Stoppe ged., 1. samml. 65.

nordd. mit k (vergl. gacks):

es ist ein höllenhuhn, das jetzo erst will käxen,
bis dasz es nach und nach die eier hingelegt.
Menantes 1, 213.


 
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gackzen, gackezen, u. ä.
1) von hühnern,
a) gacktzen gracillare. vocc. ex quo Dief. 267c: ein hen die gackzet. Keisersb. evang. 1517 67a, auch post. 67 (Frisch 1, 313c). auch gagzen Dief. 267c.

[Bd. 4, Sp. 1131]



b) gakatzen Dief. 267c, Schm. 2, 23 (15. jh.), b. Abr. a s. Clara gackezen, gagezen, gagizen (Wackern. voces anim.2 52). noch bair. gackezen, kärnt. gaggazen Lexer 106.
c) berührung oder vermischung mit gacksen zeigt die schreibung 'gaxtzen': ein henn, die ein ei hett geleit, die stot und gaxtzet, und gaxtzet also lang, bisz die frow im hus hinden noch herusz kompt und ir das ei nimpt (nachher ein paar mal gaxest, aber wieder auch gaxtzest). Keisersb. bilg. 181c, der schreiber hatte beides im sinne, unsicher welches er wählen sollte. das -cks könnte aus -ckz erweicht sein (doch vgl. gacks).
d) auch gatzen (s. d.) kommt in frage, ob aus gackzen entstanden, denn es findet sich auch gatzgen (s. d.), gaitzgen sicut galline Dief. 267c, wie aus gagzen umgestellt, erleichtert. so ward aus blickzen blitzgen und blitzen, vgl. klucken: kluchzen, kluckzen: klucksen: klutzen gluckern, tir. kätzgen gleich käckezen nauseare, schwäb. schmatzgen gleich schmakezen.
e) auch mit umlaut, wie gäcksen neben gacksen, s.kegzen Kolm. meist. 97, 10 var., gekzen (von füchsen) Leysers pred. 72, 26.
2) die älteren formen: ahd. irgacazan und gaccizôn mutire (s. 3) Graff 4, 142, gakicen strepere (wol von vogelgeschrei) Haupt 5, 336a. mhd. erweicht gagezen, gagzen vom huhne wb. 1, 457a: sô diu henne ain ai geleit, sô hebt si an ze gaczinne, unde gagzit als lange biʒ daʒ man irʒ nimet. der seele spiegel Mones anz. 4, 370 (man bemerke gatzen und gagzen dicht beisammen, als eins behandelt), nachher auf menschen angewandt, die claffint unde gagzint. auch ahd. schon gagizôn strepere Haupt 15, 35a.
3) auch das ahd. schon zeigt mit 'mutire' anwendung auf menschen, ganz wie Luthers 'gack sagen'; so noch nhd. im bair. gebiete: gakezen balbutire Schönsleder, stottern: der N. hatte die sprach verloren bis auf das gagetzen. Schöpf tir. id. 167, vgl. DWB gacksen 2; von gewissem sprechen: das seind mir hailunken, die wahrhaft nit verstehen was sie gackezen. Schmeller 2, 23. auch hüsteln, östr. kagazn, s. DWB kackezen. auch ablautend, wie schon ahd., gickezen, s. auch güggen.
 
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gad, m.: denn knapheus, knap, knab .. heiszt ein junger gad oder hach, oder den die Hungern ein jonaken (slav. jonák), wir ein gesellen heiszen. Mathesius Sar. 13a (18b), 15. jh. gade consors Mones anz. 7, 299b, das mhd. gate genosz, dann gesell, bursch (getelinc) in nd. (md.) form gade, auch nl. b. Kil., ags. gada; s. DWB gatte.
 
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gadem, gaden, n. m. conclave, ein dem neuern hd. fern gebliebenes wort, das einst in groszer geltung war.
I. Formen, verbreitung, ursprung.
a) mhd. gadem, auch schon gaden n., mit schwächung des m, wie in faden, busen, boden (doch gadem noch nhd., s. d). ahd. cadum, gadum und cadam, gadam n., auch cadhum (Hattemer 1, 145b). in den andern alten sprachen, alts. ags., altn. fehlt es; das einmalige altfries. gaten Richth. 773b sieht zweifelhaft aus, doch vgl. ags. botm, altn. botn gleich hd. boden (2, 209), freilich wäre friesisch auch dann gatm oder getm zu erwarten (wie bôsm, fethm).
b) hauptsächlich im hochd. heimisch, erscheint es doch sowol im älteren md. vereinzelt (Leysers pred. 121, 40, myst. 1, 135, Jerosch. 55) als auch nd., z. b. im Sachsensp. (s. II, 6), in einem voc. d. 15. jh. absida, gadem hor. belg. 7, 26a, brem. gadem, gaem kramladen Brem. wb. 2, 475, osnabr. gaden, gâm angebautes häuschen, das mit dem haupthause éin dach hat Strodtm. 64, sodasz es doch auch im nd. altheimisch sein wird. vgl. unter e.
c) ursprung und urverwandtschaft sind noch dunkel, Wackernagel stellte dazu gr. χιτών kleid, s. b. Haupt 6, 297, vgl. Germ. 4, 169. haus und gewand haben öfter éinen namen oder éinen wortstamm, weil beide auf der ersten stufe der kunst durch flechten hergestellt wurden (s. DWB kötze II, 3, krippe I, 3, c); so stimmt hier zu gadem nahe ein altn. wort, das auf flechten weist: gaddan n. netz Biörn 1, 264b, Fritzner 186a (hier als kopfkleid, von rosshaaren). auch gr. χιτών galt zugleich von fischnetzen, spinngewebe. zu erwähnen bleibt übrigens ein altgerm. (und auswärtiges) wort, das schon Frisch dazu stellte: kote hütte, bei dem ohnehin das gesetz der lautverschiebung durch die thatsachen manigfach gekreuzt wird (s. 5, 1882. 1884); auch hütte mit derselben erscheinung scheint ihm verwandt, und vielleicht ist es auch gadem. es wäre nicht der einzige fall, dasz in uralten stämmen im anlaute alle drei lautstufen auftreten, s. z. b. 5, 870.
d) gadem mit alter voller endung noch im 15. jh.: gadem oder gaden, gressio, inde venit progressio. voc. inc. teut. h 1a (die wunderliche erklärung musz wol ein misverständnis sein). schweiz. noch im 16. jahrh.: die gädmer und sennhüten. Stumpf 610a,

[Bd. 4, Sp. 1132]


in namen von örtlichkeiten noch heute, s. Stalder 1, 411 (sonst gaden). Aber aus gaden ward auch gade, z. b. bei Schönsleder S 1b ein gade, taberna (schwäb. 17. jh. gada Fromm. 4, 102), und daraus weiter gad Alberus G 1a (neben gaden, s. II, 4, b), Henisch 1331, das dann die weiteren wbb. gewöhnlich bringen (gad, gade m. noch b. M. Kramer 1787); vgl.fad faden 3, 1231. bair. österr. mit erweichung des d auch garn, s. II, 6, c.
e) lebendig ist es noch im ganzen süden, von Österreich bis zur Schweiz, obwol auch da fast auf die bauernsprache beschränkt und sonst im werte heruntergekommen. auszerdem nur noch verkommende spuren, nd. wie md.; nd. s. u. b oben, dann z. b. im nördl. Franken, in Coburg gôden m. fischkasten, s. Fromm. 5, 410; im Hanauer gebiete gaden m., kleiner anbau, nebenbau, s. Vilmar 113, der belege und spuren gibt, wonach es einst in Hessen allgemeiner war. im nördl. Thüringen, in dörfern der Goldnen aue, gaden n. ein halb unterirdischer raum am hause, bes. zur aufbewahrung der milch dienend. Überhaupt hat es nach den zeugnissen u. II einst wol ganz Deutschland inne gehabt, auch den osten nicht ausgeschlossen, wenigstens in der bed. kaufmannsladen (II, 4); doch nl. find ichs nicht, während es in Cöln galt. zu beachten ist noch, dasz jetzt das masc. vorherscht (nur appenz. n., bair. auch n.), das doch mhd. ganz fehlt, gewiss nur zufällig nicht bezeugt.
II. Bedeutung und gebrauch.
1) urspr. haus überhaupt, 'sofern es aus éinem raum bestand' Schm. 2, 15.
a) so ahd. domus, aedes, auch heilac cadum sanctuarium. mhd. auch gleich sal, das hauptgebäude einer burg, z. b. in den Nib.; daher in ortsnamen, wie Berchtesgaden, alt Berchtoldesgadem, also wol gleich mhd. hûs burg. daher auch mhd. gademer zimmermann Gemeiner Regensb. chr. 1, 349.
b) jetzt aber nur noch von geringen gebäuden oder in geringschätzigem sinne, wie es worten für häuser, kleider, pferde u. a. in ihrem alter geht:

wenn ihr von einem abendschmaus
nach haus zu gehen träumt, bei einem alten gaden
vorbei, auf einmal knarrt ein kleiner fensterladen.
Wieland 22, 151 (20, 88);

von einer salpeterhütte: ich stand auf, trippelte im hemdli nach der hütte und um den gaden überall herum. d. arme mann im Tockenb. 10, vgl. 11. schweiz. die alphütte, gadenmeister aufseher über die sennhütten, im Rheinthale Stalder 1, 411, s. aus Stumpf unter I, d. mhd. gadenstat: ûf dem berge (der Buosalpa) sint fünf gadenstette. habsb. urb. 96, 26. auch viehstall, heustall, s. Tobler 210b (gleich stadel), Stalder, der auch gadenstatt so anführt; dazu gadmen, das vieh in den stall thun.
2) gemach, zimmer, kammer.
a) so schwäb. im Schwarzwalde stubengaden stubenkammer Schmid 213, schweiz. nebengaden, obergaden, s. Stald. 1, 411:

wir wöllen essen im hintern gaden.
H. Sachs 3, 1, 50b;

eszgadin tristega Dief. 597c aus rhein. vocab., auch mansgaden oder frauengaden im bad, apoluterium 40c, voc. inc. t. p 5a. Bes. aber die schlafkammer, wie kurz kammer gleichfalls, noch oberbair., schwz., vorarlb. (mhd. slâfgadem, brûtgaden thalamus):

und tet mich gar dick zu ir laden,
das ich heimlich kome zu ir gaden. fastn. sp. 116, 12;

mir öffnet ains mein puol ir gaden
und ward mich an ir pettlein laden. 338, 19.


b) daher von der sonne: wenn die sonne zu gaden gegangen ist und die nacht mit macht beginnt einzubrechen. Otho krankentrost 1274. der schöne ausdruck, so spät und vereinzelt bezeugt, sieht nach hohem alter aus.
c) auch von der kaiserlichen 'kammer' (als gericht, vgl. gadengericht):

der bischof hett wol zugericht,
das diese ufrur wer geslicht ...
on urteil des keisers gaden.
Lenz Schwabenkrieg 41b,

ohne dazwischenkunft des kais. kammergerichts, s. 36b (gaden ohne casuszeichen in folge des vorhergehenden gen., s. Haupts Neidh. 201).
3) kammer oder gebäu zu wirtschaftszwecken, speiskammer Henisch, spisgaden Dief. 464c (md.); so noch kärnt., auch getreideschuppen (schon ahd.); auch henneberg. vorratshaus Reinw. 2, 47; schwz. tir. käsgaden, milchgaden, obsgaden (Henisch 1331, 53), speckgaden u. dgl., b. Schmeller apfelgaden, fleischgaden, leingaden leinwandkammer, steingaden speisegewölbe, zehrgaden speisekammer. Auch im bergwesen geschirrgaden, schuppen für das schiffsgeschirr Lori bergr. 500, brenngaden zum silberbrennen 63. 224 (md. um 1300 burnegaden Freiberger

[Bd. 4, Sp. 1133]


stadtr. 182), scheidgaden in Schemnitz mhd. wb. 1, 456b. noch österr. probiergaden Scheuchenstuel 183.
4) im geschäftsleben, laden, verkaufsladen oder stätte.
a) mhd. koufgadem, z. b.: swaʒ fuoter ouch die gädemler koufen, daʒ sullent sie offenlich veile haben in potigen in den vordern gädemern und niht hinhinder bergen und ûf tiurunge behalten. Meraner stadtr. Haupt 6, 423, da ist gadem mehr noch hausraum überhaupt, der eigentliche eingerichtete kaufladen scheint die potige, d. i. apotheca (franz. boutique), s. 'inter apothecas' gleich 'unter den krämen' Kriegk bürgerth. 1, 528; daʒ nieman kainen zins geben noch nemen sol (mieten und vermieten, von verkäufern) von kainem schreine noch von kainer banc noch von kainer stat auszerhalb seines hauses drischüfel (schwelle), ane in den beigedemlein bei den kelrshelsen, die vormals herkomen sint, dar inne mac ain man innerhalben des gademes haben vaile sache. Nürnb. polizeiordnung 154; ein burger der weder ze gademe noch ze kelr stât. Augsb. stadtb., von tuchläden (vgl. Birl. Augsb. wb. 176a); niemand sol gewand schneiten zu Erfurt dann uf dem frîe ('freiheit', platz) des erzbischoves unter den gademen. Falkenstein hist. v. Erf. 135, v. j. 1289, wie sonst unter den krämen (5, 1987 fg.), strasze von kaufläden, oder budenreihe; do (i. j. 1389) wart an das koufhus ein gros nuwe hus gemaht mit kremen und gademen. Straszb. chron. 744 var.; uf dem (den?) cram und gaden an sente Gothardes capellen, in Mainz. Haltaus 582; auch in Frankfurt unter den gaden, wie unter den krämen, s. Kriegk a. a. o., und in Cöln: vicus qui dicitur undir gedemin. Lacomblet urk. 2, 114, v. j. 1237. selbst in Magdeburg gadem in der schöppenchr. 306, 32.
b) auch nhd. noch bis ins 17. jh.: kaufgaden Alberus b 4a (5, 331 nachzutr.); gadom, gadum nennt der Cölner Harf pilg. 41, 32. 36 die kaufläden in Venedig auf dem Rialto; im gaden oder offenen kram sizen. Frankf. ref. III, 7 § 12; Sempronius hat die hallen oder gäden (tabernas) zu der gemein gekauft. Livius 802 Rihel; wahren in verschindelten, verdeckten gäden und läden. Fischart groszm. 26; gewälb und gäden. Garg. 190b; mit dem das er offene gäden von allerlei pfründenkaufmanschaft hielt. bien. 221b, den pfründenverkauf offen betrieb. Noch im 17. jh.:

da schimmern fenster, läden,
hüpsch-bunte krämergäden.
Rompler 111;

diese wahr ist nicht die beste, die im gaden vornen leit.
Logau 2, zug. 168.

noch z. b. Ludwigs teutsch-engl. lex. Lpz. 1716 nennt gaden oder laden, a shop; aus Straszburg gibt das gloss. germ. von Scherz u. Oberlin v. j. 1781 'hodie die gädlein' 463.
5) werkstatt. Henisch, gaden officina Alberus Hh 4a, mhd. (noch nhd.) wercgadem, z. b.: es sol ouch .. nieman .. uʒgenommen die goltsmide in iren gademen, deheine esse hinnanvür me haben in sime huse. Straszb. chron. 999, 23. so schneidergaden, schergaden barbierstube Schm. 2, 16, htergadem vom hutmacher Nürnb. poliz. 289. webgaden, bei Steinbach 1, 536 webergade textrina (schwäb. am mitteln Neckar webgarte Birl. Augsb. wb., s. u. 6, c), vgl. hess. erdgaden Vilmar 113, vielleicht eben ein webergaden, s. u. dunk.
6) stockwerk, aus der bed. 1 (s. u. DWB kar 5).
a) schon mhd., im Schwsp. 122, 2 drîer gademe hôh bûwen, auch mnd. Ssp. 3, 66, 3 in deme nederen gademe, erdgeschosz (var. gemache, gange), während die dem Schwsp. entsprechenden worte lauten drîer dele hô, 'dielen': welcher hinfür .. pawen will, der soll den ersten oder understen gaden .. mit steinwerk aufpawen. Nürnb. reform. 144a (Haltaus 581); man mag ain iedes hus machen drier gädmer oder kare hoch. Ulmer rechtsb. v. 1427 Schmid 213, s. DWB kar 5; ain hocher turn, hett acht gadem höch (höhe). Augsb. chron. 2, 315; der selbe turn wart .. zweiger bünen hoher gemaht .. donoch wurdent die glocken eines gademes höher gehenket. Straszb. chron. 730, 4; von drei stockwerken oder gäden. Frankf. ref. viii, 2 § 1; scheuet sein pferd, das er (von einer mauer) eines hohen gadens hoch mit dem pferd herabfiel. Frank Germ. chr. 283b (clavis zum Teuerd. cap. 51); dise haben erstlich gaden in die heüser gemacht. weltb. 181a; hoch sieben gaden. H. Sachs 3, 2, 149b; warf mich herab drei gaden hoch. 1, 501c; kan man es dann an der behausung haben, so seind lüftige und lustige zu erwehlen, die auch hohe gaden haben. Wirsung arzneib. 1572 s. 575 (gäden ausg. 1597); gewölber und zimmer im untern gaden. Hohberg 1, 27 u. o.; so noch schwäb., bair., östr. (canzleistil nach Höfer), und auch die md. wbb. von

[Bd. 4, Sp. 1134]


Stieler, Rädlein, Ludwig geben es noch an (bei letzterem sp. 683 auch 'grundgaden, der allerunterste gaden, die diele, das packhaus', aus handelsstädten), Steinbach sogar in der alten form, gadem, haus von drei gademen (vgl. u. 5).
b) übertragen auf anderes ähnliches gebäu, z. b. von der künstlichen uhr im Straszburger münster, die sich wie in stockwerken aufbaut:

darnach im andern (zweiten) gaden sind
auch noch drei stück ...
Fischart in Scheibles klost. 10, 1033, bei Kurz 3, 386;

im dritten gaden findt man wider
drei stück ... das.

auch gäden in schiffen, tabulata, eadem in navibus quae contignationes in aedibus Henisch 1331, 29, Stieler 591, gleich deck.
c) bair. österr. auch entstellt garn, garden, s. Schmeller 2, 16: umb ein garn höcher als der babylonische thurm. Abraham a s. Clara; in der archen Noe waren drei garden. ders.; vgl. schwäb. webgarte unter 5, und Birl. Augsb. wb. 176b, vermischung des dunkel werdenden wortes mit garten, so wunderlich das aussieht.
7) schrank, er ist ja einem kleinen hause ähnlich, vgl. DWB kasten als haus, kammet (d. i. kammer) schrank, und kote haus mit köte schrank: gad, gehalter, kästlin, armarium Henisch 1331, 36, Stieler 591; grosze praten, lang als ein gaden. Garg. 96b (Sch. 169) gehört wol auch daher. schon mhd., s. Neidh. 24, 37 ff. gadem gleich schrîn, in Dietrich u. s. gesellen 207 ziehen frauen, zur unterhaltung des helden mit kunstvoller frauenarbeit, ihre werkes gaden herbei (v. d. Hagens heldenb. 2, 180, Berl. heldenb. 5, 40b), bewegliche arbeitspulte oder kasten.
8) bildl. mehrfach, mhd. z. b. herzen gadem Frauenlob spr. 274, 8, mîner sêle gadem Jeroschin 1b, wie kammer (s. d. 8, b). nhd.: das gaden der demt. Keisersb. bilg. 96c; Eva war die rechte Pandora, ein gaden aller weiblichen tugend. Mathesius Sar. 15. pred., wol vorratskammer, nach 3. Aber auch obscön (s. fleischgaden):

si hat ain fremden kromer gelaszen in ir gaden. fastn. sp. 668, 7;

(si) offent im der freuden gaden. 743, 21.


 
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gademer, m.
1) inquilinus, einwohner, vom bürger unterschieden, s. Haltaus, gädemer Frisch, bei Stieler 591 handwerksmann mit bloszem einwohnerrechte, mhd. im Meraner stadtr. gädemler (s. DWB gadem II, 4) von burgern streng unterschieden; gademer krämer im Augsb. stadtb., das. auch gademan (für gademman) trödler Schmid schw. wb. 213. vgl. DWB häusler, DWB köter.
2) auch zimmermann, mhd. (s. DWB gaden II, 1, a), und haushalter, gadner Lexer 1, 723.
 
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gadendiener, m. ladendiener. Simpl. 1, 392. 2, 289. 369 (4, 36 Kz.). s. DWB gaden II, 4.
 
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gadenfenster, n. kammerfenster, schweiz. Gotth. 13, 353.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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