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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gackenest bis gackzen (Bd. 4, Sp. 1129 bis 1130)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gackenest, n.
1) nestküchlein, nesthökchen.
a) eig. von vögeln, gacke-nestgen Rädlein 317a: so wilst du nun, mein liebes gacke-nästgen, auch ausfliegen .. sagte der alte sperling .. zu seinem jüngsten sohn. E. Scharlach, bannisirter gerngrosz (1689), in der oft erzählten sperlingsgeschichte (Grimms kinderm. no. 157, Wack. les. 2, 210, Gödeke eilf b. d. d. 1, 119a), die von Mathesius ausgieng: endlich kombt der vatter (sperling) an jüngsten son: du mein liebes gackennestle, du warest allzeit der alberst und schwechest, bleib du bei mir. hist. von .. Luthers .. leben Nürnb. 1583 100a, auch b. Schupp. 838.
b) auch von kindern, 'schoszkindgen, hötschelmängen, muttersöhngen' Rädlein. auch gakelnest, so in dem liede vom 'herr Schmidt' und seinen töchtern, die auszustatten sind:

Ottilie ist das gakelnest,
die kriegt den ganzen überrest.


c) dem gackenest des 16. jh. entspricht die heutige sächs. form, gâkenest oder kâkenest (wegen des -ck vgl. DWB K 5, b), im sprachbewusztsein angelehnt an gaken das maul aufsperren oder an kake (s. d.), das gelbe am schnabel junger vögel. mit anderer anlehnung anderwärts nestquak m. (quaken schreien) u. a., s. die reiche zusammenstellung landschaftlicher namen bei Frommann 5, 416. unserer form naheliegend nl. im 16. jh. bei Kilian kackin nest, kackert, deutlich zu kacken cacare, und so noch nrh. nestkack, kackert (Aach. mundart 97, auch kackarsch, doch vgl. DWB kack unbefiedert das.); auch bair. nestkack, nestscheiszerlein, schwäb. nestkegele. nahe liegt auch der engl. name nestcock, nestlecock (s. dazu u. küchlein 5, 2517), dann dän. skravekage, das aber jetzt auf kage kuchen bezogen wird. in mitten dieser manigfaltigkeit fehlen zur entscheidung die ältesten formen.
2) anders das nest wohin die hühner die eier legen, auch eiernest; so sächs., laus. Daher schles. laus. gackenést (gesprochen -næst), den ruf der hühner wenn sie legen wollen nachahmend: seid so vielmahl lustig, als die hüner gacke-nest rufen. Weise Isaaks opfer 183. sächs. gackenǽtsch (Oschatz), gackenǽt od. nât (Zwickau), gackenái (Leipzig), meist mit mehrmal wiederholtem gack, s. u. DWB gacksen 1, gagacken. auch als verbum, die hühner gackenesten.
 
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gacker, m. goldfink, aurivittis, 15. jh. Schmeller 2, 24. vgl. DWB gäckler, und das folg.; schwäb. jeck buchfinke.
 
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gackerig, buntscheckig, fränk. Fromm. 2, 190, nürnb. geckericht Schm. 2, 25, laus. schles. gâkrich Weinh. 25a. s. gackelicht 2, und gagern. dazu das vor.? vergl. finkelfech mit gickelvêch vorhin.

[Bd. 4, Sp. 1130]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gackern , gleich gackeln, die md. gewöhnliche form, aber auch bair. tir. kärnt.; doch zuerst b. Rädlein, der auch it. caccherare angibt; so heiszt es auch gr. κακκάζειν, und slav. z. b. böhm. koktati (auch stottern), russ. gogotat', litt. kaksẽti (kakaloti schwatzen, kakeln), ehstn. kakutama (kogama stammeln) u. s. w. offenbar mit einwirkung des naturlauts. vgl. DWB kakeln. s. auch gattern.
1) von hühnern noch b. Steinbach als nur plebej, doch jetzt auch schriftdeutsch vorherschend:

ein hof voll hühner sah ihn (den wiesel) leiden,
und gackerte dabei vor freuden.
Lichtwer fab. 1, 4;

die erstre trug einen korb, in welchem hühner ängstlich gackerten und mit den flügeln pluhsterten. Immermann Münchh. 1, 204; wir werden schon gackern und euch rufen, wenn unsere eier gelegt sind. Gutzkow ritter v. g. 6, 160.
2) seltener von gänsen Rädlein, Heynatz antib. 2, 169, gakern Frisch, schnattern (vgl. DWB gagen, gagern): auch sie ist eine gackernde tugendhafte gans. Tieck Accor. 1, 220.
3) zuweilen von menschen (so kärnt., tir., bes. von kindern), wie gackeln, vgl. DWB gegacker, frz. caqueter plaudern, eig. gackern.
 
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gackezen, s. DWB gackzen.
 
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gäckler, m. schwätzer, fem. gäcklerin. M. Kramer 1787.
 
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gäckler, m. bergfink, fränk. 17. jh. Schmeller 2, 24, schwz. gägler, gegler, waldfink Stald. 1, 415, 'von seinem geschrei', wie tir. gaggezer (s. gackzen), nordd. quacker, quäckfink; doch vgl. DWB gacker.

die trummel schlug zum danz der gegler,
der mistler war des königs schwegler.
H. Sachs 1, 426b (regim. der vögel).


 
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gacks, gax, wie gack, gewöhnlich in ablautspiel zusammen mit gicks (s. d.):

ich weisz noch weder giks noch gaks
von euern lebenssitten.
Langbein (ich bin ein junger springinsfeld u. s. w.), in Beckers taschenb. z. ges. vergn. 1810 s. 65.

nordd. mit k- (s. kicks 2, wo auch beisp. für gax):

und doch (als wir zu reden pflegn)
kan weder kax noch eier legn.
Ringwald tr. Eck. P 4, s. gackeln.


 
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gacksen, gaxen, wie gackern, gacken. s. auch gackzen.
1) vom huhn,
a) gacksen Dasyp., Rädlein, gaksen Frisch 1, 313c:

ein hennlein ... hub zu gacksen an:
ka ka ka ka ka ka nei! (s. DWB gackenest 2)
das hennlein legt ein ei.
Uhland volksl. 596. Garg. 87a (Sch. 149);

der hüter sol auch emsig auf die legenden hennen lugen, welches sy anzeigend mit stätem gacksen. Heuslin Gesners vogelb. 91a.
b) gaxen Maaler u. ä.: nit anderst dan wie ein henn tht die ein ei hat geleit, die gaxet daʒ haus vol in allen winkeln, sie hat kein rg dan bisz sie sich selber darumb bringt und bisz man ir das ei dannen (weg) nimpt. Keisersberg sünd. d. m. 56;

täglich sängen, unterm dach die vögel,
gaxten hühner, brummten stier und kuh.
Schmidt von Werneuchen ged. 186.


c) gagsen bei Dasyp., Henisch, Calepinus, Aler (bei diesem auch von gänsen).
2) von menschen,
a) plaudern, plappern, wie gackeln, gacken: er sasz einist bei seinen brdern, da gaxet er das heraus und sprach .. Keisersb. s. d. m. 56b. westerw. kreischen.
b) auch stottern, schwz. gagsen Stalder 1, 413, s. DWB gacken 2: (bei hof muszt du) reden wie er (der herr) redet, gaxen, wann er statzet (stammelt). Philander 1, 510. ebenso gackezen s. nachher.
3) kreischen, von thüren, rädern, westerw. Schmidt 63; thür. so gîksen.
 
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gäcksen, gäxen, dass.: die hüner gäxen wol, aber sie legen nicht. Stieler 594, es wird jetzt thür. gæksen gesprochen;

fort, fort! ihr sorgen, aus dem neste!
ihr geckst doch keine eier aus.
D. Stoppe ged., 1. samml. 65.

nordd. mit k (vergl. gacks):

es ist ein höllenhuhn, das jetzo erst will käxen,
bis dasz es nach und nach die eier hingelegt.
Menantes 1, 213.


 
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gackzen, gackezen, u. ä.
1) von hühnern,
a) gacktzen gracillare. vocc. ex quo Dief. 267c: ein hen die gackzet. Keisersb. evang. 1517 67a, auch post. 67 (Frisch 1, 313c). auch gagzen Dief. 267c.

[Bd. 4, Sp. 1131]



b) gakatzen Dief. 267c, Schm. 2, 23 (15. jh.), b. Abr. a s. Clara gackezen, gagezen, gagizen (Wackern. voces anim.2 52). noch bair. gackezen, kärnt. gaggazen Lexer 106.
c) berührung oder vermischung mit gacksen zeigt die schreibung 'gaxtzen': ein henn, die ein ei hett geleit, die stot und gaxtzet, und gaxtzet also lang, bisz die frow im hus hinden noch herusz kompt und ir das ei nimpt (nachher ein paar mal gaxest, aber wieder auch gaxtzest). Keisersb. bilg. 181c, der schreiber hatte beides im sinne, unsicher welches er wählen sollte. das -cks könnte aus -ckz erweicht sein (doch vgl. gacks).
d) auch gatzen (s. d.) kommt in frage, ob aus gackzen entstanden, denn es findet sich auch gatzgen (s. d.), gaitzgen sicut galline Dief. 267c, wie aus gagzen umgestellt, erleichtert. so ward aus blickzen blitzgen und blitzen, vgl. klucken: kluchzen, kluckzen: klucksen: klutzen gluckern, tir. kätzgen gleich käckezen nauseare, schwäb. schmatzgen gleich schmakezen.
e) auch mit umlaut, wie gäcksen neben gacksen, s.kegzen Kolm. meist. 97, 10 var., gekzen (von füchsen) Leysers pred. 72, 26.
2) die älteren formen: ahd. irgacazan und gaccizôn mutire (s. 3) Graff 4, 142, gakicen strepere (wol von vogelgeschrei) Haupt 5, 336a. mhd. erweicht gagezen, gagzen vom huhne wb. 1, 457a: sô diu henne ain ai geleit, sô hebt si an ze gaczinne, unde gagzit als lange biʒ daʒ man irʒ nimet. der seele spiegel Mones anz. 4, 370 (man bemerke gatzen und gagzen dicht beisammen, als eins behandelt), nachher auf menschen angewandt, die claffint unde gagzint. auch ahd. schon gagizôn strepere Haupt 15, 35a.
3) auch das ahd. schon zeigt mit 'mutire' anwendung auf menschen, ganz wie Luthers 'gack sagen'; so noch nhd. im bair. gebiete: gakezen balbutire Schönsleder, stottern: der N. hatte die sprach verloren bis auf das gagetzen. Schöpf tir. id. 167, vgl. DWB gacksen 2; von gewissem sprechen: das seind mir hailunken, die wahrhaft nit verstehen was sie gackezen. Schmeller 2, 23. auch hüsteln, östr. kagazn, s. DWB kackezen. auch ablautend, wie schon ahd., gickezen, s. auch güggen.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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