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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gabgebig bis gach (Bd. 4, Sp. 1124 bis 1127)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gabgebig, freigebig: damit nit die miltigkeit z vil gabgebig und hilfreich das vermögen erschöpf. Frank chron. 110a. ähnlich gibbelgäbig gegen die armen. v. Horn rhein. dorfgesch. 2, 246, das mit seinem ablaut an 'gib und gäb' sp. 1117 erinnert.
 
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gabhaft ,
1) freigebig, von gabe geschenk:

lg, bis gabhaft dim fründ allzit,
in kargheit wellest leben nit.
Brants Cato 406.


2) rechtlich, gabhaft gut, das man frei vergeben kann, ohne die erben zu fragen, im gegensatz von DWB erbe, s. Haltaus 581. s. DWB gabe 2.
 
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gabhaftig, liberalis, munificus. voc. 1482 i 8b; gabhaftiglich, munificenter, large. das., jenes auch in der gemma gemm.; vgl. DWB gebhaftig.

[Bd. 4, Sp. 1125]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gabholz, n. holz aus dem gemeindewalde, das den einzelnen gemeindebürgern antheilig zukommt (s.bürgergabe): das fürohin ... ein ietlicher sin gabholz rumen und usz dem hau thun sol u. s. w. weisth. 6, 318, schwäb. v. j. 1495.
 
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gäbig ,
1) von gabe, freigebig: (das deutsche volk) jetzt groszthätig, milt, gäbig, kostfrei. S. Frank weltb. (1567) 48a; dann er was nit meer so brächtig, kostfrei und gäbig. Hugo Schapler V. groszgäbig magnificus Dief. n. gl. 243b. vgl. ausgäbig, ergäbig, auch gebig, gebisch.
2) anders als fortbildung von mhd. gæbe, nhd. gäbe (s. d. 2). Stieler 650; schon mhd. gæbic nach Freid. 71, 4. 10 in a, vgl. Lexer 1, 721 münz die gibig und gæbig ist, vgl. im 17. jahrh. ausgäbig von münzen Schmid schwäb. wb. 213, s. auch landgäbig. gutes fleisch ist bankgäbig (s. DWB gäbe 1, b): ob die metzeler vihe bringen .. dann sullen die scheffen besehen, ob es bankgebich sei. weisth. 2, 310, Moselland, 16. jh. Allgemein für gut, tauglich (s. DWB gäbe 2): also dasz du (welt, durch verkehrung der sittlichen begriffe) uns das gäbige vor das ungäbige und das ungäbige vor das gäbige verkaufest. Simpl. 2, 111 Kz., deutlich aus dem handelsleben. Das ist noch schweiz. gêbig brauchbar, gut, auch umgänglich (s. DWB gäbe 2, b) Stalder 1, 434.
 
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gäbisch, verkehrt, unrecht, link, linkisch, schwäb. Schmid 6, bair. Schm. 2, 9, tir. auch gabich, gabig Schöpf 165; z. b. in einem sprichwort: schwäbisch ist gäbisch, bairisch (dafür umgekehrt bei Schmid) ist gar nichts. Simrock 9314, offenbar schwäbische antwort an die Baiern. schwäb. gebsche linke hand, seite, gäbscher mensch, linkischer, bair. gabisch antworten, reden, handeln, ein wort gäbisch nehmen u. a.; ein sach gepsch nennen, hinder für vorder. Henisch 1503; tunica inversa, umbkert, geppich. Schönsleder f 2d, geppisch T 7b. in Tirol auch launig, eigensinnig, 'halbverrückt', dann in Schlesien gabsch albern, dumm, gabsch m. dummer kerl Weinh. 25a, vgl. siebenb. gêpesch m. Schuller beitr. 22 von einem hölzernen menschenbilde (an einer thurmuhr).
Das wort musz nach alle dem alt sein. für die frage nach dem ursprunge am wichtigsten ist der anklang des gleichbedeutenden äbich und äbisch 1, 58 (vergl. ebich, eppig, eppisch, siebenb. epesch Fromm. 4, 194), doch ein bloszes entstehn aus g'äbisch unwahrscheinlich. die wurzel ist wol dieselbe wie in gabeln possen treiben sp. 1122, vergl. das. die gleiche doppelform gabeln und gappeln, dazu gappi, gopi m. kindischer tändler (engl. gaby), kärnt. goape tölpel; diesz auch poln. gap, böhm. hab (habruju, gabruju unbehilflich gehn).
 
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gabkauf, m. verkauf: weil an vil orten die vischer ire kunde oder gabkauf auszer landes haben, welchen sie alles ... mitainander verkaufen. Schm. 2, 9 16. 17. jh., auch gebkauf; verkaufen hiesz nämlich auch 'zu kaufen geben', verkauf ist ein neueres wort, kauf aber war vieldeutig. dass. ist wol das altulmische gakauf (für gakkauf, angeglichen aus gabkauf) Schmid schwäb. wb. 216 ?
 
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gabreich, beneficus Maaler 153b nebst gabreiche f. beneficentia (Frisius 162b): eine offne gabreich milte hand. Frank chron. 110a u. o.;

gegn den er war gabreich und milt.
H. Sachs 2, 2, 73a;

ein gabreicher, milter man. Thurneisser alch. 2, 125. dänisch heiszt das gavmild, altn. giafmildr, das man hd. auch erwarten sollte.
 
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gabung, f. donatio. Dief. 190b, 16. jh. (s. DWB gaben), auch das gegebene selbst: er verert mich och mit erlichen gabungen, sunder mit etlichen hailtumen. Ehingen reise 13; solle die gabung, falls sie anders noch vorhanden .. dem vergaber .. wider zugestellt werden. Scherz 462 aus dem Kolmarer stadtrechte.
 
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gach , unflectiertes gähe (s. d.).
1) bes. in der redensart mhd. mir ist gâch, ich habe eile, beeile mich, renne u. a., und zwar von höchster eile, dann bildl. es drängt mich, verlangt mich (nach, auf, zu etwas u. a., mhd. auch mit gen.), bes. von ungeduldigem verlangen; unsicher, ob adj. oder adv., s. Grimm gr. 4, 929. noch im 16. jh. in voller geltung, auch mir wird, geschicht gach, und ich hân gâch, wie 'habe eilig' Bartsch mitteld. ged. 73, 12, noch bair. er hat's gach. mnd. gâ, z. b. Theoph. 181, mnl. auch persönlich gâ wesen gramm. a. a. o. s. auch DWB gähe 1.
a) in eigentlichem sinne: aber aus manlichem gmuet was in gach (zum feinde, d. h. sie warteten nicht bis die brücke fertig belegt wäre), ranten uber die löcherten brucken. Wilwolt v. Schaumburg 43;

[Bd. 4, Sp. 1126]


und ist dem klotze (kegelkugel) nit sehr gach,
so leufet er (der spieler) balde hinden nach
und rufet 'lauf kugel, lauf frauwe sehr!' Renner, Frkf. druck 57 (Bamb. ausg. 132b),

hin auf ein schlosz da was in goch (zu pferd),
das lag auf einem berg gar hoch.
Wickram pilger T 3 (72);

z reiten was mir also gach,
das ich meim sun möcht kumen nach. Y 3 (85);

dem kalten meer dem streich ich nach,
zu streit und fechten ist mir gag (so).
Forer fischb. 91a;

der jäger folget eilend nach,
denn nach dem fuchs war im so gach.
Waldis Es. 3, 44 (158a);

gleich wie der fuchs der birn nit mag,
so ist der magd zum tanz nit gach.
Henisch 1275, 15, aus Eyring 2, 674;

vor durst ist in ins bierhaus gach.
Uhland volksl. 638;

gen himmel was im gach (Christo am kreuze). 868;

und (der kaiser) wird warlich nicht lassen nach (mit betreibung
des Türkenkriegs),
denn an den Türken ist im gach. ein christ. zug wider den Türken G 4b;

dem wirt war zu den dingen gach (beeilte sich).
Wolgemut Es. 2, 254. 255;

dem mönch ward ausz dem closter gach,
demselben lief die nonne nach. ganskönig G 6a.


b) auch von allem andern heftigen streben, vgl. DWB gähe 4, b:

auf gut ist uns gach. fastn. sp. 820, 15;

nach guot und gelt so ist uns gach. trag. Joh. c ij;

iederman (dat.) ... ist gach nach ungeordneter lieb. Amor E iij;

ist dir nach mancherlei sitten, ordnungen, regimenten und weltweisheit gach. Frank chron. 1531 vorr. a 5a, drängt dichs sie zu erfahren. im 17. jh. selten mehr:

dazu den gottlosen (kippern) ist jag,
zu verderben nacht und auch tag
den armen.
Scheibles flieg. bll., um 1620,

vielleicht mit anlehnung an jagen, vgl. DWB jach unter c;

sie ward gar sehr erhitzt, zur rache ward ihr gach (: nâch).
Logau 3, zug. 90.


c) tadelnd, von unbesonnenem treiben, übereilung, leidenschaft, 'jähzorn' (vgl. DWB gähe 4):

ihr herren von Ulm, wie ist euch so gach!
Uhland volksl. 356,

in einer warnung am ende eines liedes, wegen hinrichtung eines gegners;

dem almsen (geistlichkeit) ist zkriegen worden gach. 424,

haben sich hinreiszen lassen, krieg zu führen;

im gschach so gach
von ungemach (ärger). 654;

im geschach sehr jach
nach ungemach. Ambr. liederb. 129, 23,

im Heselloher, von einem bauer der beim tanzen grillen im hirn hat und händel sucht mit einem gegner. von liebesleidenschaft:

mir ist nicht gach, ich bin schabab. Ambr. lb. 92, 1;

Phebe (Apollo), dir gschach auch also gach,
du eiltest nach Daphne der jungfraw. 44, 15.


2) seltner in andrem gebrauch (wie schon mhd.), da herscht dafür gähe, gäch.
a) eilig, praeceps Schönsl. S 1b; die fraw was gach und gelobt im die hundert ducaten. Eulensp. 34 s. 48, beeilte sich ihm zu g.;
b) praeruptus, steil. Schönsl.; pronus, gach, genaigt zu fallen. voc. varil. Dief. 465a.
c) gach vehemens. voc. inc. teut.; 'gach, gäch, hitzig, geschwind, eilfertig, unbehutsam, unvorsichtig, unbesunnen, vermessen'. Henisch 1330;

sei nicht zu gach,
gib etwas nach. 1331;

wär ze gaach ist, hat mangel. spr. Sal. 21, 5 der schweiz. übers.;

die Deutschen sind nicht männisch mehr, thun kindern alles nach,
die wann sie etwas neues sehn, thun töblich, thum (verblendet) und gach.
Logau 3, 247, 165 (letzte zug.);

wie gach nun wieder, junger mann!
Lessing 2, 355 (Nath., letzter auftr.),

gewöhnlich jetzt jach, unrecht kurz gesprochen. aber gâch noch östr. kärnt. bair. tir., bes. auch jähzornig.
d) als adv.: wer alles will wissen, der würt hintennach so gach irr, das er vor vil wissen glat nichts weisz. S. Frank 5, 129. auch schon gah, mehr nach md. weise, wie nd. gâ:

[Bd. 4, Sp. 1127]


als sie das volk nun allda sah
durch die bruck faren also gah.
Fischart glückh. schiff 517.

'gach schnell' Stald. 1, 415, tir. plötzlich (merkw. auch 'allmählich') Schöpf 165, kärnt. gâche. vgl. gachs.
 
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gach, f. , d. i. mhd. gâhe.
1) eile, hast, noch tirol. in aller gâchn Schöpf 165 (kärnt. angâchn Lexer 105, das mhd. allen gâhen), s. mhd. wb. 1, 454a, 41ff., mit der gâhe genesis 46, 21 D., md.Jerosch. 92d. öfter gähe, s. d.
2) jähzorn, die gach Vintler 2596 (Schöpf 165), und im anschlusz an die worte aus dem Heselloher vorhin:

grosz rach und gach
het er im fürgenummen (in den kopf gesetzt)
gen aim der im verschmacht (zuwider war).
Uhland 654.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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