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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
futtrig bis futzspitzig (Bd. 4, Sp. 1102 bis 1103)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) futtrig, adj., s. futterig.
 
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futum, s. DWB fudum.
 
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futuz, f.? vulva. so erklärt Lessing 11, 623 (Lessings leben 3, 153) Fuduz bei Utz Eckstein, der das als weiterbildung von fud, fut erscheinende wort als name eines gebietes hat:

dasz sy huren by inen habind
und mit milchzinsz zum bischoff trabind:
es treyt den bischoffen vil nutz
das bistumb, mit namen Fudutz. Scheibles kloster 8, 837.


 
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futze, verkürzt futz,f. eins mit dem weitaus geläufigeren fotz, dessen o nur brechung des u ist. jene form futze zeigt sich in

Mäczel zuo der fuczen sprach. ring 11b, 7.

aber sie erscheint auch in Fuczenpart (ring 43c, 45. 44b, 18), dem namen eines bauern, und vielleicht auch in Füczenswille (ebenda 42c, 28), einem ortsnamen, ferner wol in der schnippischen abfertigung futze! futze! die die kinder des obern Pusterthals einander zurufen. Schöpf 163. dieser abfertigung gleich gilt als schnöde abweisung einer zumuthung das derbere bair. ja hundsfotzen! (Schmeller 1, 581. Frommann 5, 408, 53), wetterauisch hondsfotze! d. h. hundsfotze! futz hört man heute noch in dem canton Sanct Gallen in der bedeutung cunnus, vulva, und dann, wie im gemeinen leben fotz, für schlechte dirne oder überhaupt als schelte für eine weibliche person im canton Luzern. Stalder 1, 402. in beiden bedeutungen hat Moerbeek (1768) 112a fotz, fotze, futz, und daneben noch von einer mannsperson er ist eine rechte fotze, ein weibischer läppischer kerl, durchtriebener nichtswürdiger mensch. livländ. auch fuze neben fotze. Gutzeit 1, 294b.
wenn neben älterem fute auch fûte, d. i. Fauta als name der Holla, sich findet (s. oben sp. 1062), so wäre neben futze, fuze auch ein fûze, d. i. nhd. fauze, möglich. damit würde dann stimmen, wenn das aus it. mozza, vulva, entlehnte mucze f., vulva (ring 11b, 1), d. i. mutze, neben sich noch eine auf älteres mûze führende form maunz mit sich einschiebendem n hat:

zum letzten schryer doch einer: du
sack (schelte für die nackte sich für unsichtbar haltende magd), deck die patzet mauntzen zu.
H. Sachs II (1591). 4, 89b.

wirklich führt auch Bernd 389a, doch wol als mundartlich, muze, mutze, mauze so wie mit eingeschobenem n munze an, und bremisch-niedersächsisch bedeutet das offenbar von Süddeutschland her eingedrungene mutze ein naseweises mädchen, ein leichtfertiges mädchen, aber auch eine unzüchtige, verächtliche weibsperson. brem. wb. 3, 210. übrigens wetterauisch maunz f., coitus.
s. fotz, fut, fud.
 
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fützeler, m. einer der sich gern und viel mit weiblichen personen abgibt. so luzernisch und zürichisch maitlifützeler spottend von einem sich gern mit mädchen abgebenden jünglinge. Stalder 1, 402. abgeleitet von fützeln.
 
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fützeln , ein von futze (s. d.), futz abgeleitetes verbum. es bedeutet
1) in den cantonen Luzern und Appenzell übel riechen, stinken. Stalder 1, 402.
2) mit einer weiblichen person innigen geschlechtlichen umgang pflegen. mit welcher (seiner ehefrau) er (der mann) ungehindert mag schertzlen, stertzelen, mertzelen, kitzelen, kritzelen, schmützelen, schwitzelen, pfitzelen, dützelen, mützelen, fützelen, fürtzelen und bürtzelen, so offt es jhm gelüst zu stützelen und zu stürtzelen. Fischart Garg. 72b (1608 H 8b), wo das vorausgehende mützelen, abgeleitet von mutze f., cunnus, vulva (ring 11b, 1. s. DWB futze), mit fützelen in der bedeutung übereintrift.
3) in dem canton Sanct Gallen auch so viel als weibisch thun. Stalder 1, 402.
4) sich fützeln, mit einander unzucht treiben: die lieben seelen — kützeln sich, fützeln sich, schnäbeln sich, und denken eher an — als an der gäste flämischen durst. aus Karl Petersens poet. nachlasz, bei Gutzeit 1, 304b.
 
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futzenhut, m. im Kurzenberg in dem canton Appenzell futzahuet (Tobler 197b) als unschuldiger spitzname. hochdeutsch üblich ist fotzenhut (s. d.).
 
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fützi, n. im luzernischen ein leichtfertiges, der gefallsucht sich hingebendes mädchen. Stalder 2, 516. dim. von futze (s. d.).

[Bd. 4, Sp. 1103]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) futzig, fützig, adj. in hinsicht des weiblichen geschlechtsgliedes beschaffen. so in dem in der oben sp. 46 unter fotzenthürlich angeführten stelle von Fischart gebildeten wunderftzig, wofür auch Jacob Grimm nach einer aufzeichnung mit recht wunderfützig liest. oder ist das wort in dem sinne von »wunderbar weibisch« zu fassen, wo dann fützig so viel als weibisch wäre? vgl. DWB futze. später, wie z. b. in den drucken von 1608 Sija und 1617 (Scheible) s. 273 durch misverstand oder in vorwitziger besserung geändert in wunderfitzig, welches so viel als »so erpicht oder versessen dasz man ein wunder daran sieht« bedeuten würde. vgl. DWB fitzig 2).
livländisch vorderfuzig und hinterfuzig, je nachdem die lage des weiblichen geschlechtsgliedes zu sehr nach vorn oder nach hinten ist. doch geläufiger sind die formen vorderfötzig und hinterfötzig. Gutzeit 1, 294b.
 
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fützler, m., gekürzt aus fützeler (s. d.).
 
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futzspitzig, adj. wie eine weibliche person auf neues sich spitzend? weibisch neugierig? steht diese bedeutung richtig, dann wäre futz (s. DWB futze) hier schelte für eine weibliche person. das wort findet sich als eine, wie das eben unter fützig angeführte adj. wunderfützig, dem witze Fischarts entsprudelnde bildung in der sielle, die unter fotzenthürlich zu lesen ist. aber wie jenes wunderfützig in wunderfitzig, so wurde auch hier futzspitzig in ein der meinung nach verständlicheres fuszspitzig (s. d.) geändert, doch erscheint in dem drucke von 1617, der die änderung wunderfitzig festhielt und dem Scheibles abdruck folgt, wieder das frühere futzspitzig.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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