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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
futterhemd bis futterkammer (Bd. 4, Sp. 1081 bis 1082)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) futterhemd, n. , ein aus futter, das hier ein inneres nahe der haut unter andern kleidern getragenes bekleidungsstück ausdrückt, und aus hemd, in so fern damit im süden Deutschlands auch eine jacke, ein mannsrock bezeichnet wird, zusammengesetzes wort. s. DWB futter II 7) und über hemd Schmeller 2, 195. das wort ist um das auslautende e gekürzt; vollständig, wie es aber schon im 18. jh. nicht mehr häufig vorkommt, lautete es futterhemde, und so findet es sich noch z. b. bei Hederich und dem ihm folgenden Nieremberger, auch bei Steinbach 1, 733, während Frisch 1, 311b und dann Adelung futterhemd haben. Bedeutungen:
1) ein bis etwa auf oder auch wol knapp über die hüften reichendes hemdartiges wollenes kleidungsstück, das zunächst unter andern bekleidungsstücken getragen wird. futterhembd, diplois, inducula, paragauda vel paragaudes, subucula. Reyher 2 F 3c. futterhemmet, camisciuola u. s. w. Kramer teutsch-ital. wb. (1678) 497a. futterhemd, tunica interior lanea. Stieler 821. ebenso futterhembd, wollenhembd, camisol bei Rädlein 316a. die angstläuse werden gewisz dem herrn im futterhembde sitzen, dasz er so unleidlich ist. Weise Machiavell 77, = dem herrn läszt die heimliche angst keine ruhe. als etwas in sich widersprechendes oder gar unmögliches wird unter vielen andern dingen genannt

ein futterhemd von drapd'or.
Picander ernstscherzh. ged. 1 (1727), 455, 92.


2) ein aus leinwand oder auch aus zwilch ganz wie ein hemd gemachter bis etwa über die rippen reichender kittel ohne knöpfe oder eine solche jacke, wol zunächst als hirtentracht beim zurüsten und aufstecken des futters, überhaupt beim füttern des viehes, weshalb dieses kleidungsstück auch in den Vierwaldstätten, in welchen es aber so lang, als ein gewöhnliches überhemd der fuhrleute, ist und nach vorn an dem hals einen schlitz als ausschnitt, hinten jedoch eine kleine kapuze hat, hirtenhömmli heiszt. Stalder 1, 133 f. Tobler 207, wo für Appenzell, in welchem canton man fueterhemp und im dim. fueterhempli sagt, noch bemerkt wird, dasz unter dem schlitze, durch welchen das kleidungsstück über den kopf angelegt werde, oft ein herz zierlich eingenäht sei.
Auch in Westfalen kommt futterhemd vor: das den winter durch gesponnene garn musz gewirket und dem vater zu hemden, beinkleidern und futterhemden mitgegeben werden. Möser patriot. phant. 1, 170 (1775 s. 87). eben so heiszt altmärkisch eine weste fudderhemd (Danneil 58a) und in der sprache der Wangeroger die jacke fôderhammîn n. (Ehrentraut fries. archiv 1, 367b), alles ein beweis dasz das wort durch Deutschland hin im gebrauche war und es zum theil noch heute ist.
 
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futterhirse, m. und f. eine lange, dicke rohrartige halme treibende und dadurch ein gutes futter abgebende hirsenart, holcus sorghum. auch rohrhirse, welscher hirse, sorgsame. Campe.
 
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futterholen, n. das holen von grünfutter nach hause zur sofortigen fütterung. aber auch im kriege das aufsuchen und herbeischaffen von futter für die pferde. fourrager, auf das futterhohlen ausgehen. Frisch dict. (1716) 1, 479b. fourrageur, einer der aufs futterhohlen ausreitet. 480a
 
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futterholz, n. 1) holz zum futter z. b. an thüren, fenster u. s. w. vgl. DWB futter II 4) u. 8). 2) ein solches aus holz bestehendes

[Bd. 4, Sp. 1082]


futter selbst. 3) bergmännisch bei einem feldgestänge ein einen fusz langes, 6 bis 7 zoll dickes und 10 zoll breites hainbuchenes holz, das anstatt der eisernen büchse dient, worin die warze der kerbstange läuft, und als eine pfanne anzusehen ist. man nimmt hier deshalb holz, weil dadurch die reibung vermieden wird. Richter 1, 347. in der berg- und hüttensprache Österreichs »holzkeile, mit denen z. b. bei den eisenhammerwerken die ertlpauken (schwere guszeiserne cylinder) an den wellen, die wagringe an dem hammerhelme, die chabotten in den chabottenstöcken festgekeilt werden.« Scheuchenstuel 87. 69.
 
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futterhonig, m., auch n., honig womit die bienen im winter oder im frühlinge gefüttert werden. Krünitz 15 (1786), 584. im Oldenburgischen ist volksglaube: wenn man beim ersten füttern der bienen etwas erde unter den futterhonig mischt, so verhütet man dadurch, dasz der künftige schwarm sich an einen zu hohen gegenstand setzt. Strackerjan aberglaube u. sagen 1, 64, 70.
 
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futterhose, f. eine in form einer breitern viereckigen hölzernen röhre bestehende vorrichtung, das futter vom boden in den stall herabzulassen. Weber ökonom. lex. 710b. auch futterröhre.
 
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futtericht, adj. was futterig.
 
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futterig, adj.
1) stets ohne umlaut, als wenn ein ahd. fuotarac vorausgienge, von schafwolle: verunreinigt durch darauf- und dareingefallenes heugesäme, so wie durch darauf- und dareingefallene kleine strohtheilchen, blätter und blättertheilchen des dürren »futters«, was alles nur schwer herauszubringen ist und den werth vermindert. futterige wolle. die wolle ist futterig geworden. die haftenden futtertheilchen können theils von einem nicht fest gespündeten boden über dem schafstall herrühren, theils von nicht ganz zweckmäsziger einrichtung der futterraufe. Weber ökonom. lex. 176a.
2) ohne und mit umlaut, als wenn ein ahd. fuotarîc vorausgienge, dessen ableitendes -îc jenen wirken kann: zu futter sich eignend, zu futter tauglich. derselb nachthüter sol sinem maiden (zuchthengst) futer binden uff den drien marken, ainer dumellen prait in den drien kornen: roggen, vesen (gerste, hier schwerlich spelz) und habern, ie tzu der zeit als dann dieselben korn futtrig sint. bair. weisth. v. j. 1378, in weisth. 3, 645; der haber ... wird gemeiniglich bald nach der gersten im julio gehauen und eingebracht, und nachdeme das stroh fütterig ist, etwann zwey oder drey tage also im schwaden liegen gelassen, damit das futter noch dürre werde. Hohberg 3, 2, 35b. vom stroh sagt man nd. es sei voderig, vorig, osnabrück. vörig, d. i. hochd. futterig, fütterig, wenn es mit vielem gras, namentlich queckengras, und mit andern gedörrten kräutern, die unter dem getreide wachsen, untermischt ist, so dasz es dieser wegen das vieh gern friszt und gut füttert. brem. wb. 1, 432. Strodtmann 315.
 
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futterinnung, f., bei Rüdiger neuester zuwachs 2, 76, s. futtererinnung.
 
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futterjuppe, f. in Bündten in der Schweiz ein stallkittel. Stalder 1, 408.
 
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futterkammer, f. eine kammer, meist eine bodenkammer, in welcher futter für das vieh aufbewahrt wird. die futterkammer, der haberboden. Ludwig 681. nnl. voederkamer.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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