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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
futteral bis futteraschierung (Bd. 4, Sp. 1074 bis 1076)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) futteral, n. eine feste oder steife kleinere hole auszenbekleidung eines gegenstandes, der zu aufbewahrung oder schutz gegen versehrung in dieselbe eingelegt oder geschoben wird, bei den Franzosen étui. entlehnt aus mittellat. fotrale n., welches von dem aus ahd. fotar, fuotar aufgenommenen ebenfalls mittellat. fotrum abgeleitet ist. dieses fotrale mit seiner bedeutung bringt Diefenbach in seinem nov. glossar. 180b bei, wo er aus einem wol noch in das 15. jahrh. fallenden nd.-lat. vocabularius anführt: vouder, dar eyne tafelen in sticket, fotrum vel fotrale. daneben bietet der voc. incip. teuton. f 4a futrale. die entlehnung ins deutsche aber scheint früh im 15. jahrh., vielleicht

[Bd. 4, Sp. 1075]


schon in dem letzten viertel des 14. jh. stattgefunden zu haben. den ältesten beleg nemlich bringt Schmeller 1, 378 aus einem voc. v. j. 1419 bei: futær vel futral, futrum. geläufig jedoch wird das wort erst im 16. jh.: item ein uberzogne, mit leder gefüetterte unnd beschlagne fueterall (für silbergeschirr). fontes rer. austr. I. 1, 352; item zwen zinen kheller (flaschenfutter) in fuetteralln, ist in yedem vier flaschen. 353; item vier hültzen fueterall zu den glesern. ebenda; item ain fueteral mit zwelf zintällern. ebenda. völlig eingebürgert bei uns findet sich dann das wort im 17. und 18. jh., und wie bereits in jenem Kramer in seinem teutsch-ital. wb. (1678) 497a futteral und bei diesem besonders futteral zum kelchen, glesern, dann futteral zum harnglas, vesta da orinale hat, so verzeichnen im 18. jahrhundert Aler, Dentzler futeral neben futer, Rädlein, Weismann, Kirsch, Ludewig, Moerbeek, Matthiä futteral neben futter, endlich futteral für sich Otto von Graben (teutsch-ital. handlex. 289), Hederich, Nieremberger, Weber (deutschlat. universalwörterb.), von welchen der erste nicht einmal mehr futter in jener angegebenen bedeutung aufnimmt. was die eigentlich deutschen wörterbücher anlangt, so nimmt Steinbach 1, 536 nach futter auch für sich futteral mit dem pl. futterale auf, setzt Frisch 1, 311b futter oder futteral an und verweist Adelung unter futteral das ältere futter mit unrecht in das gemeine leben. nur Voigtel, im letzten jahrzehent des 18. jh., hat ohne weitere bemerkung noch futter und futteral, jedes für sich, und läszt beide demnach in gleicher geltung.
in ein futter oder futteral stecken. Rädlein 316a. dasz man sie (diese cautelen) nicht brauchen kann, wie einen habersack, der für alles paszt, was man hinein schüttet, ihn zu füllen, sondern wie ein futteral, das nur für dinge paszt, wozu es gemacht ist. Musäus phys. reis. (1788) 2, 118;

und tausend wunderbare sachen,
wovon euch nie geträumt, aus ihrem futteral
heraus zu ziehn und, stück vor stück besehen,
sie, jedes in sein fach, zurück
zu legen.
Wieland 5, 211;

nun komm herab, krystallne reine schale!
hervor aus deinem alten futterale,
an die ich viele jahre nicht gedacht.
Göthe 12, 43;

scheere steckt im futteral. 41, 35.

Falstaff. aber nimm mein pistol, wenn du willst. prinz Heinrich. gib es mir. wie? steckt es im futteral? A. W. Schlegel Shaksp. Heinrich der vierte I, 5, 2;

Kunigunde. hatt ich ihr nicht gesagt, das futteral (des bildes)? ...
graf v. Strahl. — Ihr wolltet das futtral? ...
Kunigunde. warum nahmst dus heraus, aus dem futteral?
Käthchen. das bild, halb aufgerollt, im schreibtischwinkel,
den ich erschlosz, lag neben dem futtral ....
hätt ichs hinein erst wieder ordentlich
in das futtral —
H. v. Kleist Käthchen v. Heilbronn (1810) s. 137 f.

seltener von einer anpassenden hülle zu schutz oder verbergung des darunter befindlichen: der kostbare dreyfusz (von weiszem marmor) geht nächstens zu grunde, weil er frei steht, gegen westen der witterung ausgesetzt. mit einem hölzernen futteral wäre dieser schatz leicht zu erhalten. Göthe 27, 64. dichterisch selbst von einer hülle, die aus tuch gemacht ist oder, wie in der folgenden stelle, aus einem schleier besteht:

ergreift mit eigner hand das futteral,
enthüllt den diamantnen schild und wendet
dem feinde zu den freien, offnen strahl.
Gries Ariost 10, 50, vgl. 8, 11.

endlich nennt man bei insecten eine scheide, in der ein glied sich befindet, futteral: die zwey fühlhörner in ihrem futteral stehn (bei dem wurm der breitleibigen libelle) vornen heraus. Frisch insecten 8, 20; die zwey fühlhörner (des blütmadenkäfers) haben ihr futteral neben am maul, als einen knebelbart. 13, 30. s. auch saugstachelfutteral.
Eine in Baiern geläufige redensart ist: ein fuetteral über alle narren u. dergl., ein narr über alle narren, ein ausbund von narren. Schmeller 1, 578.
zusammensetzungen, in welchen futteral letztes wort ist: brillenfutteral, flötenfutteral, hutfutteral u. s. w.
 
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futterälchen, n., dim. des vorigen. elsässisch mit der oberd. diminutivendung -ele, -el (s. lein und chen). straszburgisch

e fuederälele mit löffel, gawwel, messer,
versilbert?
Arnold pfingstmontag 124.


 
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futteralmachen, n. das verfertigen von futteralen, die kunst des futteralmachens. Krünitz 15 (1786), 592.

[Bd. 4, Sp. 1076]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) futteralmacher, m. einer der futterale zu verfertigen versteht und solche verfertigt, thecarum opifex. schon bei Kramer teutsch-ital. wb. (1678) 497a und Stieler 1193.
 
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futteramt, n. an höfen eine aus mehreren beamten bestehende behörde, welcher die anschaffung und verwaltung des futters für den herrschaftlichen marstall obliegt. vgl. DWB futtermarschall, DWB futterschreiber.
 
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futteranbau, m. anbau von futterkräutern. Campe.
 
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futterarm, adj., an futter für das vieh arm, d. h. 1) bis zum mangel geringen ertrag an futter darbietend. eine futterarme gegend. futterarmes gelände. 2) durch zu geringen ertrag an futter mangel mit sich bringend: ein futterarmes jahr, in welchem das für das vieh nöthige futter mangelt.
 
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futterasche, f. futter für vieh. mit langem a, auf dem auch der ton liegt. das wort ist nemlich volksmäszige umbildung des franz. fourrage m., das im span. forrage lautet und auf einem vorauszusetzenden, aber bis jetzt nicht nachweisbaren mittellat. foderaticum beruht, welches von einem von mittellat. foderum, fodrum, futter, pabulum, abgeleiteten ebenfalls mittellat. foderare, füttern, futter auftreiben und einfordern, herkommt. dieses foderum, fodrum aber ist entlehnung aus ahd. fuotar, mhd. vuoter, s. DWB futter I. jene umbildung zeigt sich bereits, auch mit beibehaltung des g im franz., also noch ohne umsetzung nach der aussprache in sch, im 17. jh., in welchem das franz. wort gleich marchieren, marschieren und andern wörtern aus dem franz. während des dreiszigjährigen hrieges recht bei uns eingedrungen zu sein scheint. so verzeichnen im 17. und im 18. jahrh. Reyher, Kirsch, Hederich, Nieremberger, Matthiä futterage, Kramer in seinem hoch-nd. wörterb. futterasche, endlich Frisch 1, 311c futrasche, und das volk hält noch an der umbildung fest: aber die gebildeten sind zu dem franz. worte zurückgekehrt, wie denn auch schon Rädlein 316a furasche, Kirsch, Nieremberger, Matthiä fourage, Hederich und Weber (1734 2, 269b) fourrage vorziehen. auff die futterage ziehen, pabulari, pastum ire. Reyher F 3c.
noch bair. fuedrâsche. Schmeller 1, 578; tirol. fuetrâsch, fuetrâschi, futter, proviant. Schöpf 160; wetterauisch furrerâsch. neuniederl. voederaadje, voederaasje, f.
 
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futteraschieren, futter für vieh auftreiben und einfordern, auch diesem geben, dann überhaupt lebensmittel auftreiben und einfordern. volksmäszige umbildung des franz. von fourrage (s. DWB futterasche) abgeleiteten fourrager:

schwurs dem prinzen und zeigt an
dasz die Türken futragiren,
so viel als man kunt verspüren,
an die dreymalhunderttausend mann. prinz Eugen bei
Soltau 529.

futraschiren, pabulari. Frisch 1, 311c. futteraschiren. Moerbeek deutsch-holl. wörterb. (1768) 117a. nnl. voederageren neben voerageren.
Der inf. als subst. gesetzt: das futraschiren, pabulatio. Frisch a. a. o.
 
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futteraschierer, m. einer der futter für vieh, auch überhaupt lebensmittel auftreibt und einfordert. abgeleitet von futteraschieren (s. d.). futteragirer, frumentator, pabulator. Reyher lex. 2 F 3c. futteraschirer. Moerbeek a. a. o. futraschierer, pabulator. Frisch a. a. o.
 
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futteraschierung, f. auf- und eintreibung von futter für vieh, auch überhaupt von lebensmitteln. abgeleitet von futteraschieren (s. d.). futteragierung, frumentatio. Reyher a. a. o. futteraschirung. Moerbeek a. a. o.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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