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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
futsche bis futter (Bd. 4, Sp. 1064 bis 1065)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) futsche, f. in mundarten Niederdeutschlands die rocktasche, während unter ficke (s. d.) besonders die hosentasche gemeint ist. Krünitz 13 (1786), 270. pommerisch futsche f., die tasche. Dähnert 136a. vgl. DWB futschen 2). dunkles ursprunges.
 
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futschen ,
1) in der mundart von Glarus so viel als gleiten, hin und her rutschen. Stalder 1, 408, wo auch das glarnische sprichwort viel futschen gid (gibt) böse hosen, in dem angewandten sinne: viele veränderungen machen nicht reich. thüring. futschen, ausgleiten. aus Kellers thüring. idiot. bei Frommann 4, 263.
zu futschen scheint auch das bernische mit diminutivendung gebildete futscheli n., füllen, junges pferd (Stalder 1, 408), zu gehören.
2) pommerisch so viel als heimlich in die tasche steckend entwenden. Dähnert 136a. von futsche (s. d.).
 
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futschi, m. zu Schwäbisch Hall ein feiger mensch. Schmid 207. nicht von futsch, sondern mit der diminutivendung -schi von fut abgeleitet, wie das aus Jeremias Gotthelfs erzählungen bekannte schweiz. meitschi n., mädchen, von meit, maid f. masc. aber ward futschi durch übertragung des geschlechts, denn ursprünglich ist das wort neutrum.

[Bd. 4, Sp. 1065]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) futschig, adj. schlüpfrig. thüringisch, s. Frommann 4, 263, wo aus Kellers thüring. idiot. 22 geschöpft ist. von futschen (s. d.)
 
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futt, f., s. DWB fut.
 
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futtel, f.
1) eine weibliche person in leichtem vernachlässigtem anzuge, dann auch schlechtes, leichtfertiges weibsbild. in der Rheinpfalz. nd. fuddelke, eine frauensperson die mit dünnen, verlegenen kleidern flatterhaften, nackten staat macht. brem. wb. 1, 461. wol abgeleitet von nd. fudde f., lumpe, dünnes unhaltbares zeug, abgenutztes zeug. Richey 67. brem. wb. a. a. o. Strodtmann 61. Dähnert 134a. nnl. vodde, vod, lumpe, schlampe, liederliches weibsbild.
2) aachenisch eine betriegerische dirne. Müller u. Weitz 61, wo futel geschrieben ist. von futteln, heimlichen betrug spielen.
 
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futteler, m. westerwäldisch und siegerländisch einer der heimlichen betrug spielt, im spiel oder handel betriegt. Schmidt 62. Schütz 2, 13. verkürzt futtler, aber auch fautler. ebenda. von futteln (s. d.), fauteln.
 
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futtelgeld, n. in der ehemaligen grafschaft Schaumburg in Westfalen ein geld, das der landesherr den mädchen verabreichen liesz, die sich nach hergebrachter landessitte am fastnachtsabend zum futteln (s. DWB futteln n.) bei ihm einfanden. es war, wie es scheint, gleichsam ein lösen dasz sie ihn nicht mit frischen schwanken ruthen auf die waden schlugen. Landau bringt hierüber in der zeitschrift des vereins für hessische gesch. 2, 278 f. aus rechnungen des schaumburgischen gesammtarchivs zu Bückeburg bei: 1585 am 23. februar (fastnachtsabend war den 21. febr.) m. g. hern zum haus Berge bei (mit) s. g. jungen gesandt, so die megte zu fudelgelde bekommen — 12 groschen; dann 1586 am 14. februar daselbst den megten zur Arnszburg, so m. g. here jhnen zu futelgeld geben — 1 silbern dicker.
 
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futteln, n. an manchen orten im schaumburgischen in Westfalen das gegenseitige schlagen von burschen und mädchen mit frischen schwanken ruthen auf die waden am fastnachtsabend. ehemals scheint diese sitte, wie sich aus dem bei futtelgeld bemerkten schlieszen lassen dürfte, in der grafschaft Schaumburg allgemeine landessitte gewesen zu sein. s. Landau in der zeitschr. des vereins für hess. gesch. 2, 278. vgl. auch schmakostern.
 
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futteln, westerwäldisch, heimlichen betrug spielen, im spiel oder handel betriegen. Schmidt 62. Kehrein 1, 134. siegerländisch überhaupt so viel als betriegen. Schütz 2, 13a. in beiden mundarten aber hört man daneben fauteln, das auch pfälzisch und coblenzisch die volksübliche form ist. Klein 1, 108. Wegeler 15. damit stimmt, da au auf û beruht, die jülich-bergische futeln überein. Klein a. a. o. und Schmidt 62. hennebergisch und nd. hört man fuckeln (s. d.), wetterauisch faukeln, welche beiden formen also gleicherweise, wie futteln und fauteln, neben einander stehn.
 
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futter, n.
I. das was als nahrung dient oder gegeben wird. ahd. fuotar, fuatar, fôtar, mhd. vuoter, fuoter, mitteld. vûter, fûter, nd. voder, voer, nl., auch bei Kilian (1599) 631a, voeder, ags. fôdor, fôddor, fôddur, engl. fodder, altn. fôðr, schw. foder, dän. foder und am üblichsten foer. goth., alts., altfries. fehlend; in der ersten sprache liesze sich fôdr vermuthen, es findet sich aber fôdeins f., nahrung, speise, abgeleitet von fôdjan, ernähren, aufziehen, ahd. fuotan, fuatan mit geschwundenem j nach t, aber auch mit assimilation des j, also t-j zu tt, fuattan (Graff 3, 378), mhd. erloschen, man würde vuoten aber mit berechtigtem umlaut, den jenes j wirkt, vüeten sagen, mitteld. vûten (fundgr. 1, 320, 28. 369b), alts. fôdian, nd. voden, vöden, mnl. nnl. voeden, ags. fêdan, engl. feed, altfries. fêda, fôda, über welches verbum weiter, zumal was die nordischen und die heutigen deutschen mundarten angeht, füden spalte 364 nachzusehen ist. in ihm musz das factitivum eines untergegangenen, aber wol zu vermuthenden goth. wurzelverbums fadan praet. fôd, fôþ, ahd. fatan praet. fuot erkannt werden, dessen bedeutungen zeugen, in sich aufnehmen, nahrung in oder zu sich nehmen, nähren, gewesen sein mögen (vgl. gramm. 2, 43). dieses wurzelverbum aber, von dem auch futter abgeleitet ist, wird bestätigt durch das von dem praes. abgeleitete in dem part. praet. kavatôt, pasta (gl. emmeram. 411, aus Hieronymus commentar. zu Matth. 16, 8—12), gespeist, und kavatôtê, dediti (ebenda, aus Hieronymus comment. zu Matth. 15, 25 u. 26), dem zusichnehmen als nahrung hingegeben, genährt, erhaltene ahd. verbum fatôn, vatôn, welches nähren, speisen, füttern, bedeutet haben wird; noch mehr aber gibt bestätigung das von diesem verbum abgeleitete fem. fatunga, sagina (gl. emmeram. 410, aus Hieronymus comment. zu Matth. 9, 15), speise, nahrung.
nhd. liesze sich, dem ahd. fuotar, mhd. vuoter gemäsz, futer erwarten, und wirklich kommt dieses im 16. jh. häufig, aber dann

[Bd. 4, Sp. 1066]


nur vereinzelt vor, selbst noch in dem letzten viertel des 18. jh. bei Schubart ged. (1787) 2, 261 im reim auf bruder:

wo teufels steckt der knecht im haus?
und giebt den ochsen futer.

die allgemein geläufige form jedoch, zumal im 18. und 19. jh., ist, wie bereits Luther in seiner bibelübersetzung schrieb und wie auch auszer dem reime Schubart setzt, futter. es ist dies die eben durch Luther in die schriftsprache aufgenommene und in ihr allmählich herschend gewordene den diphthong uo kürzende thüringische form, die aus der mitteldeutschen fûter mit û = ahd. und mhd. uo hervorgieng, eben so wie sich mhd. muoter mitteld. zu mûter bildete, woraus nhd. mutter wurde, und aus der heutigen volkssprache der stadt Ruhla hat Regel Ruhlaer mundart 187 fudder, aus der der stadt Sonneberg Schleicher volksthümliches aus Sonneberg 16 futter, mutter, wie wir nhd. sprechen. in andern gegenden Mitteldeutschlands dagegen, z. b. der Wetterau, blieb der diphthong als solcher, durch seine mitteld. verengung û hindurchgegangen und wie aus uo in ou umgekehrt, erhalten; man sagt mit übergang des t wie des d zwischen vocalen in r fourer und mourer, doch letzteres nur bei thieren, während zur bezeichnung der mutter bei menschen nach dem hochdeutschen sich motter geltend machte. nach der wetterauischen volkssprache müste somit futer zu schreiben sein, eben so nach der in der Hunsrücker mundart üblichen form furer (Rottmann 134a), ferner nach oberpfälz. fouter, bad. fueter, bair. fueder, tirol. fueter (Schöpf 160), kärnt. fuoter (Lexer 106), siegerländisch fôrer (Schütz 1, 17), nd. voder, voer (brem. wb. 1, 432).
Bedeutungen:
1) nahrung für menschen oder für thiere, und zwar
a) zunächst und weitaus überwiegend die für thiere, weshalb diese bedeutung auch hier voranzustellen ist. ahd. steht das wort in ihr allgemein; nur fôtar, alimentum, in den gloss. hrab. 954b und fuatar, alimenta Diut. 1, 154b könnten ungewis lassen, ob nicht auch nahrung für menschen gemeint sei. fast eben so allgemein, wie das ahd. wort, steht mhd. vuoter in jenem sinne, und stellen, in welchen es nahrung für menschen bezeichnet, sind, wie sich nachher unter b) ergibt, selten.

sîn pfärt wart enphettet (ausgeschirrt) ...
dër vater gap daʒ fuoter
weiʒgot niht mit zadele (mit mangel). Helmbrecht 846;

daʒ sëlbe ros (spricht der maulesel) und mîn muoter
âʒen mit einander fuoter
ûʒ einer krippen. renner 1535.

dër (der achant, ein vogel) speist sich von gras und von fuoter. Megenberg 171, 4. mitteld.

dër (der kalte schnee) uns noch hüer
das fûtir machit thüer.
Rothe s. 610.

s. Benecke 3, 443b. nhd. es ist auch viel stro und futter bey uns. 1 Mos. 24, 25;

da wurd eim bürger ich (die haut eines rosses spricht) verkauffet,
der mich gar wol schmucket und auffet,
da stack ich gutes futters voll.
H. Sachs I, 500d (1590 375b);

auch (spricht der karrenmann) ist futter und zehrung thewr. II (1591). 4, 3a;

wasz hastu dann gten wein, frücht und fter verderbet, dasz alles fürkommen wer, wann du einen sollichen grossen regen nit in dir behalten hettest. Wickram rollwagenb. (Kurz) 87, 14. pratorum foetura, das wisen ftter. Alberus dict. ii iija. wer ein viehe, esel oder pferdt hat, der ist jhm schüldig sein futter, und das ers einspanne. Mathesius Sirach 234a; derhalben tröst dich lieber esel, du must disz jar nicht sterben, dann es wächszt dir frisch futer auff der wisen. Fischart bienenkorb 152b (1588 167b);

dein (der morgenröthe) taw erzeugt das futter
für wildt und alles thier.
Opitz 2, 214;

die (schäfer-)hütte soll nicht länger dauern,
als uns die gegend futter giebt.
Rost schäferged. 15;

bekam es (das ross) hafer, ohne hechsel,
so viel es mogte, gieng ins grüne futter mit.
Klamer Schmidt poet. br. 59;

so, rief die Phillis, kam dein (des vogels) schweigen
von allzu vielem futter her.
Lichtwer fab. 1, 3.

nach futter reiten im kriege, futter holen, herbei holen: mitteld.

dën dieʒ fûter holden
und dar nâch rîten solden,
dën wart daʒ mit getân alsô,
sie solden ouch niht mêr nëmen dô,
niur daʒ fûter eine,
anderer habe diheine,
ëʒ wêren strô, peilen, gras
oder waʒ fûters zu wëge was. Ludwigs kreuzf. 3840 f.

[Bd. 4, Sp. 1067]


aber auch futter holen wie futter suchen, mit sichel oder sense im freien: pabulor, ich sch oder hol futter. Alberus dict. bb 4a. im frühjahr müssen gar manche leute futter suchen, um ihr vieh durchzubringen. vom kleeacker einen wagen futter holen. futter geben:

ghrad umb den dritten hanen schrey,
so wolt ich melcken und futer geben.
H. Sachs III (1588). 3, 20b.

mit dat. des wortes, durch welches das thier ausgedrückt wird:

so wart nur fleissig unser kw, ...
gib jr futter zu rechten fristen,
auff das sie uns nur geb vil millich. 20c;

ein tag ich im (dem ross) kein futer gab
und sprich dan, das ichsz gefutert hab. fastnachtsp. 562, 24;

zeumet die kamel ab und gab jnen stro und futter. 1 Mos. 24, 32; mus spat und fre den ken futter geben. Sir. 38, 27. futter vorwerfen: der prediger als landwirth wirft bald im stalle, bald auf der kanzel futter vor. Jean Paul literar. nachlasz 4, 21. futter streuen: die nachtigallen und die andern vögel. ich will ihnen schon brav futter streuen, dasz sie zahm werden müssen. Miller Siegwart 2, 310. futter kriegen:

schenkt ihr (die kühe) milch und butter:
o! dann kriegt ihr futter.
Schmidt v. Wern. ged. 277.

ein pferd, einen ochsen, eine kuh im futter halten, sie unterhalten.
das futter schwingen, um es von staub und schmuz zu reinigen und den pferden vorzuschütten. obscen bildlich:

got gesegen euch, wirt! wir muszen farn,
schwingen das futer in den parn (die krippe)
und furlegen den unsern gurren. fastnachtsp. 251, 3.

futter haben:

da brausen die wellen (des Rheins) und thürmen
und rosz und mann versinkt;
nun werden seine (des fluszgottes) wasserraben
bis zu der nächsten schlacht
ein sattes futter haben!
Kretschmann gesang Rhingulphs 76.

einem thiere das futter abbrechen, ihm weniger geben:

brich ihm (dem vogel, einer nachtigall) das futter ab, lasz ihn im finstern leben,
sperr ihn ins engste keficht ein.
Burmann fab. 169.

auch einem thiere am futter abbrechen. das futter hoch legen, dem thiere in der raufe, damit es mit dem maule hoch hinauf reichen musz und nicht so viel erreichen und fressen kann, dann überhaupt es im futter knapp halten:

der herre sprach: du esel geyl,
der teüffel nem dich an sein seyl! ...
man sol dir daʒ fueter hoch legen.
Keller erzähl. 529, 23.

bildlich auf knappes halten in der speise bei menschen angewandt:

mir starb vatter und mutter,
hoch legt man mir das futter,
mein formünd mich erzogen,
umb halb erbtheil betrogen.
H. Sachs II. 2, 56b.

gewöhnlich aber setzt man den comparativ das futter höher legen und trägt gleicher weise diese redensart auf knapperes halten in der speise bei menschen über:

wilt du die jungen (frau) am barn (der krippe) han,
so leg jr einen maulkorb an,
dasz sie nit jmmer beisz dargegen,
und thu jrs futter höher legen. I (1590) 394d;

wir wöllen dem dieb wol dargegen
das futtr ein wenig höher legen
und jn nit füllen wie biszher
auff dasz er nit werd feyst und schwer. IV. 3, 25c.

in demselben sinne wird das futter höher schütten angewandt: ein knecht achtet wenig seines herren miltigkeit, wann er vol auff hat gegenwertiglich, wann man aber jm das fter höher schütt und jm die splen läer lauffen, alsdann verstehet er mit seinem schaden, was er verloren hat. Petr. 190b. das futter essen:

immer soll aus meiner hand
sie (die taube) ihr futter essen.
Kotzebue dram. sp. 2, 301.

des futters entbehren:

er (der esel) mus arbeiten thuts nicht gern,
des futers kan er nicht entbern,
wenn der bauch hett sein futer sonst,
wer müssig gehn sein beste kunst. A 3a.
Nigrinus von bruder Johan Nasen esel A 3a.


an das futter bringen, das thier anbeiszen und fressen machen: die vogel, wann sie aus ihrer freyheit gefangen und in die käf oder gebäuer eingekärckert werden, seyn gar schwer ans

[Bd. 4, Sp. 1068]


futter zu bringen. so bald sie aber dasselbe kosten, seyn sie nicht zu erfüllen. colica 214. aus dem futter schaffen, ein thier durch verschenken, verkauf u. s. w., überhaupt dadurch dasz man übergang desselben aus seinem besitz in den eines andern bewirkt: da dachte der herr daran, ihn (den wegen alters zur arbeit untauglicher gewordenen esel) aus dem futter zu schaffen. brüder Grimm kinder- u. hausm. nr. 27. auch diese redensart wird bildlich auf menschen angewandt.
das futter gibt gut aus, es ist reichlicher ertrag desselben. das futter gibt milch, es ist so kräftig, dasz man von dem es fressenden vieh beim melken reichlich milch hat:

Damöt ist schlau genug: jetzt zieht er an den Rhein
und nimmt die beste trift am fetten ufer ein.
da gibt das futter milch, da kann man was gewinnen.
Rost schäferged. 60.

das futter schlägt an, nährt gut. das futter sticht, treibt oder reizt, wenn es zu gut oder zu reichlich ist, zu muthwillen, übermuth, verwegenheit: wenn das futter das pferdt sticht unnd stehet müssig auff der strewe, so wird es böse und muthig unnd wirfft seinen eignen herrn abe. Mathesius Sirach 234a

wenn den esel das futter sticht,
tantzt hin auffs eisz, ein bein zerbricht.
Waldis Es. 3, 93, 253.

auf menschen angewandt sieh oben sp. 943 unter dem adj. fürwitz 4) die stelle aus Luthers tischr., in der aber der Frankfurter druck v. j. 1568 fürwitzig hat. diese redensart blickt auch durch, wenn Nigrinus von bruder Johan Nasen esel A 4a singt:

von habern und dem futer gut
wechst jm (dem esel) der kitzel und der mut,
sonderlich wenn er müssig geht,
wiewol jms schertzen nicht ansteht.


gutes futter, schlechtes futter:

wiewol er (der esel) nu schwer arbeit thut,
ist sein futer doch nicht zu gut,
wenn man jm kleigen unters stro
gemenget gibt, ist er sehr fro.
Nigrinus von bruder Nasen esel A 2b.

grünes futter oder grünfutter. dürres futter, heu, grummet, gedörrter klee. rauhes futter oder rauchfutter, rauhfutter, gras, heu und stroh. hartes futter oder hartfutter, alles als futter für das vieh dienende getreide, wie korn, gerste, haber, erbsen, wicken und dergleichen. sattes futter, so viel futter dasz das thier oder die thiere, die es erhalten, davon gesättigt sind. so in der vorhin angeführten stelle von Kretschmann.
In Tirol heiszt vorzugsweise der hafer fuetter als das vornehmste für die pferde. Schöpf 160. daher bei Oswald von Wolkenstein nr. 67, 4, 13 (s. 181)

gê, smirb dën wagen,
und trisch dën rossen fueter.


Sprichwörtliche redensarten und sprichwörter sind: mhd.

swëlich pfërt die lenge müeʒic stât
und bî vollen fuoter gât,
daʒ letzet, schirzet, bîʒet. renner, in
Jacob Grimms kl. schrift. 4, 350.

nhd. mit innerem reim ein pferd ist seines futters werth, ein arbeiter ist seines lohnes werth, ein diener seines unterhaltes an speise. Henisch 1325, 7. er heischet die schläge, wie ein pferdt sein futter, von solchen die sich leichtfertiger weise processe u. dgl. zuziehen. 13. darnach der esel ist, also gibt man ihm futter. 48.

der esel gehet ein leisen trab,
es sey dann dasz er futter hab. 50.

es stehet ubel, wenn man dem esel die bürde grosz machet und das futter abbricht. 55. der ochs blecket nicht, wenn er sein futter hat, von dem der mit dem zum leben nöthigen zufrieden ist, auch dem der im glücke nicht klagt. 49. futter, butter, ist die kuh gut gefüttert, so gibt sie reichlich milch und butter. schmal futter, schlechter gesang, von vögeln hergenommen. Frischbier preusz. sprichw. (1865) s. 76, 1045.
einem ins futter reiten, ihm schaden zufügen, ihn in noth; bringen:

wie er dort stet
und sorgt, wir reiten im ins futer. fastnachtsp. 200, 14.


Dem anscheine nach könnte wol auch hierher gehören mnd. voder binden in:

daʒ dâr manich ritter rîch
sîn heil versûchte mit dën spërn ...
Crane jô dat vôder bant
vur allen die dâ mohten sîn. Crane 250;

[Bd. 4, Sp. 1069]



wie hër dâr dat vôder bant
Gayol ûf dër vînde leit,
dâr manich fluhtic von im reit! 1610.

aber der ausdruck ist nicht das futter binden, sondern, ausgehend von fuder 1) oder 2) d), das fuder binden, das als redensart in die bedeutung übergieng: die hauptarbeit in einer sache übernehmen, das beste thun. dies ist, worauf mich Müllenhoff aufmerksam macht, der sinn in jenen stellen des Crane, und noch hat ostfries. t foor binden jene erste bedeutung, aber auch die »in einer verdrieszlichen angelegenheit das wort führen.« Stürenburg 59b.
Der zusammensetzungen, in welchen futter zuletzt steht, sind nicht wenige. auszer den bereits im vorhergehenden angegebenen gehören hierher bauchfutter [= das zum leben nöthige futter:

(der esel) wird beladen mit schwern secken,
die er zur müln und wider rausz
tregt in die wag und das backhaus,
das er sein bauchfuter verdien.
Nigrinus von bruder Nasen esel A 2b;

so doch herrn gunst und zeitlich gut
man bilch kleien vergleichen thut
und sonst andrem bauchfuter grob. E 1b],

blätterfutter, dürrfutter, entenfutter, erbsenfutter, eselfutter, gänsefutter, gemangfutter, grasfutter, heufutter, hühnerfutter, kälberfutter, kleefutter, körnerfutter, kraftfutter, kurzfutter, langfutter, laubfutter, mengefutter, nachtigallenfutter, pferdefutter, rinderfutter, rübenfutter, schaffutter, schweinefutter, spreufutter, strohfutter, taubenfutter, viehfutter, vogelfutter, weichfutter, wickenfutter, oder wickfutter, wurzelfutter, zeisigfutter, ziegenfutter.
Ist diesen zusammensetzungen auch mitteld. vanefûter bei Rothe thüring. chron. 254, 332, vanefûtir ebenda 333, womit eine abgabe der einwohner Thüringens an den von dem erzbischof von Mainz mit diesem lande belehnten Ludwig mit dem barte bezeichnet wird, beizufügen? soll dieses fahnenfutter etwa zur unterhaltung der pferde der berittenen bestimmt gewesen sein, die im dienste des mit einer fahne belehnten herrn land und strasze in schutz und sicherheit zu halten hatten?
b) nahrung für menschen. im ahd. ist diese bedeutung, wie vorhin bemerkt wurde, nicht sicher zu stellen; aber mhd. zeugen stellen dafür, wie

manege gans und manic huon,
rinder kæse unde fuoter
hân ich dir und mîner muoter
gefridet vor mîner sellen vil. Helmbrecht 1269;

alle die veile habent brôt und kæse und fuoter und smalz und salz und honic u. s. w. Meraner stadtrecht, bei Haupt 6, 413. mitteld.

geit hîr dër tûfil umme dën ring
adir sîn eldirmûter
und gibt mit slegin fûter. altd. bl. 1, 264, 446.

auch ags. findet sich fôddur von speise für menschen:

bædan hiora feorum fôddurgeafe. ps. 77, 20,

= (sie) baten für ihre seelen gabe an speise. nhd. gibt er jm (dem sohn) aber ein andere (zur frau), so sol er jr an jrem futter, decke und eheschuld nicht abbrechen. 2 Mos. 21, 10, im hebr. steht , fleisch, ist aber hier so viel als speise überhaupt. dies in Luthers bibelübersetzung die einzige stelle, in der das wort rein von speise für menschen steht, in einer andern kann es im deutschen durch das an thiere lebhaft erinnernde bild herbeigeführt sein: ich lies sie ein menschlich joch zihen, und in seelen der liebe gehen, und halff jnen das joch an jrem hals tragen, und gab jnen futter. Hos. 11, 4. in einer dritten stelle 1 Tim. 6, 8 wenn wir aber futter und decke haben, so lasset uns benügen, in der futter und decke an jene erste stelle erinnert, änderte Luther 1541 in narung und kleider. aber sonst in Luthers werken findet sich das wort mehrfach wie in jener ersten stelle: das (dasz) man jsset und trincket und sich kleidet, wie die notdurfft des lebens und leibs foddert, das (dasz) er sein futter und decke habe. 5, 421a; hilff, das wir dasselbige (das fleisch) mit fasten, messigem futter, kleider, lager, wachen, erbeiten, dienstbar und zu guten wercken geschickt machen. 1, 328b; wir sollen gott die ehre alleine lassen und geben, und uns an dem solde und futter benügen lassen. 3, 328b; wenn wir haben futter und hül, dar an wöllet gnügig sein. 421; (gott) sorget für futter und kleider. 4, 30a, = speise; wenn er (der mensch) zuviel futter hat, so gehet er eben wie der esel auffs eis und bricht ein bein für woltagen. 109b; das heysst recht fasten, das man dem leyb nicht mehr futter gibt, denn yhm nott ist, die gesundheytt zu erhalten. dessen ep. sanct Petri gepredigt (1523) E iiija. eben so bei andern:

[Bd. 4, Sp. 1070]


weil nun der bauch solchs als verbrast,
so wolten sie (die glieder) kein futer mehr ...
dem bauch gewinnen ewiglich.
Alberus Esop (1550) 28.

brot und futter, brot und andere speise, voller unterhalt: darauf sagt Schaumburg, Conz Schott wer sein veint nit, het seines veints brief nie gesehen, darzue waren si ains fürsten diener, in des brot und fueter baid hoffgesint. Wilw. v. Schaumb. 73. futter und lohn: mus doch eyn ackerknecht futter und lohn von seyner erbeyt haben. Luther von kauffshandlung und wucher (1524) A iiija. s. Ph. Dietz 1, 766a.
wenn nun schon in eben angeführten stellen futter mehr die bedeutung unterhalt an speise annimmt, so tritt diese noch mehr hervor in der im 15. jh. geläufigen redensart futter und mahl, wo mahl die vorgesetzte speise, das was auf den tisch zum essen gebracht wird, bezeichnet:

so wir (reitersknaben) nimmer pfenning haben
und uns fter und mal entfelt,
so mszen wir fürbas werben
dasz wir nit hungers sterben.
Uhland volksl. s. 366;

so hab ich den winter futtr und mahl,
ich acht nicht wer das gloch (gelag) bezal.
H. Sachs IV. 3, 21c;

also dasz eyn yeder, der arbeyt nach seinem standt und berffe, und auff die gottes gnade, der soll davon haben futter und mal, hülle und fülle, umb und an. Agricola Biiija; das (dasz) man guten freunden und gesten, wo sie zu freunden einkeren, futter und mal nicht wegert. derselbe (Hagenau 1534) F 5a; dasz niemand, wer inn yhre heuser kompt, futter und mal gewegert werd. ebenda; mich (erzählt eine vormalige in eine alte geisz verwandelte spülmagd) ... in der Circe hausz gebracht hat, da ich gut futter und mahl habe. Phil. lugd. 3, 219.
aber im 18. jh. ist futter von nahrung für menschen auszer einigen wenigen zusammensetzungen, wie magen- oder pfaffenfutter, studentenfutter, ungewöhnlich und nur mehr noch leichthin von der erforderlichen nahrung, dem unterhalt an speise gebraucht, zumal nicht ohne einen an die bedeutung nahrung als unterhalt der thiere erinnernden anstrich, der mitunter so hervortritt, dasz das wort wie nach seiner ersten bedeutung bildlich stehend erscheint: Fiesko. kerl, wie viel teufel besoldest du? mohr. zu dienen — nur eínen, und der steht in gräflichem futter. Schiller 163 (Fiesko 3, 4); im innern dehnt sich ja die trägheit noch immer, und will und musz ihr futter von fremden leuten bekommen! Ernst Wagner d. reis. maler (1806) 1, 259. ich musz arbeiten, sagte er, um futter für frau und kind zu haben. seine wolbeleibtheit zeigt dasz er zu hause gutes futter hat. das futter schlägt gut bei ihm an, er wird immer dicker. deutlich genug aber tritt übertragung von der nahrung für thiere auf die für menschen hervor in stellen wie: mich deucht, ich sehe schon, wie sie (ein ehepaar ist gemeint) ihre freude haben werden, wenn sie beyde in einem jahre so einen feinen jungen lecker und auffschieszling kriegen werden und in seinem vollen futter werden daher wachsen sehen. Schoch studentenleben D 4b;

entweder musz man sie (die Orlcans belagernden Engländer) wie maulthier halten,
ihr futter ihnen binden an das maul,
sonst sehn sie kläglich.
A. W. Schlegel Shaksp. Heinrich der sechste I, 1, 2.


übrigens hat noch z. b. die Ruhlaer mundart fudder für speise, bewirthung, reichliche kost. Regel 187. Sprichwörtlich:

hastu verdrusz zu gter zeit,
das dir das fueter z nahen leit.
Schmelzl verlorner sohn 7b.


2) das was ein thier an nahrung zu einmaliger sättigung erhält, was ihm zu einmaliger sättigung gegeben wird: darauff haben wir uns bald in das nechste dörffle verfüegtt, lüessen die pferdt ein fuetter essen, wir lögtten uns zu rhue uff den staubigten boden, waren miedtt und schauften starckh. Kraft reisen 57; nachdem die pferde ein futter gefressen, spannte er wider an, und fuhr denselben abend noch bisz auf desz ambtmanns gut. Ettner unwürd. doctor 125; die pferde haben schon zwey futter bekommen. Krünitz 15 (1786) 578. in éinem futter, ohne dasz dem thiere ein weiteres futter bis zu einem ziele gereicht würde, namentlich von einem thiere zum reiten oder fahren. der ton liegt hier natürlich auf ein. in éinem futter wohin reiten. aufzeichnung Jacob Grimms aus der sprache des täglichen lebens. in éinem futter wohin fahren. in dem quartier Stillendorff, wohin sie in einen (lies einem) futter gefahren waren. Ettner medicin. maulaffe 416; er sattelte

[Bd. 4, Sp. 1071]


seinen rappen, ... und trabte rasch über die vaterländische gränze, als wenn er die reise in die Cykladen in einem futter hätte machen wollen. Musäus volksm. (1787) 3, 190; den morgen darauf nahmen wir unsern weg auf Wiszmar zu, da wir es aber in einem futter nicht zu erreichen vermochten, blieben wir zu mittag in Greffsmölen. Plesse 1, 73; er (Bachmatt, ein pferd) gieng in einem futter dreyssig meilen hin und her, als wenn ihm nichts drum wäre. Weise erznarren 196.
s. auch zwischenfutter.
3) das was von etwas an- und einzunehmen ist, damit dieses für und in sich, gleichsam zur nahrung, zum verbrauche u. dgl. das erforderliche habe. so wol schon ahd. in fuatar dës fiures, in pabulum ignis (Diut. 1, 496, = Levit. 3, 11), zumal wenn man in fuatida dës fiures, in pastum ignis (ebenda, aber = Levit. 3, 14) vergleicht. mhd. var vone mir, vervluohtiu, ein vuoter dës tôdes, in das êwige viwer, daʒ dëme tievele bereitet ist unde sînen engelen! spec. 175;

dës entecristis mûtir
siu wirt dôdis vuotir
innan unt ûʒan. Entecrist, in den fundgr. 108, 43;

Marîa, kiuschiu muoter,
teile uns der sêle vuoter,
da von wir ûf dër ërden
also kreftic wërden
daʒ wir dën vîenden an gesigen. Ulrichs leben 1587;

aller tugenden vûter
was sîn heiligeʒ lëben. pass. K. 473, 38, = ganz der tugend geweiht;

nd. ik môt den ôgen fôder geven. upstandinge 225,

ich musz den augen futter geben = »ich musz schlafen«, wie es denn auch gleich nachher heiszt he forslêpet ôk und also de riddere slâpet. nhd. also ouch hat der herr nit allein sanct Peter mitt worten wellen leren, das er jm nochfolgen solt als ein hyrt, in dem dz er seine schäfflin weyden solt mit dem fter seiner lere und stroff. Keisersberg post. 1, 11a;

der hunger und die liebe sind beyde scharffer sinnen,
sie finden leichtlich mittel, ihr futter zu gewinnen.
Logau 3, 22, 100;

ihr kennt nun meine art, und wiszt, dasz mein herz diese art futter liebt und nöthig hat. Wieland an Merk 1, 123; unserm geist durch seine eigne creatur freude und futter zu bereiten. Göthe 16, 222;

denn, freund, den hang zum sonderbaren
fühlt grad am stärksten ein genie.
dankt das dem glücke, ihr genies!
das diese wolthat nicht vergessen
und für den neid euch futter wiesz.
Göckingk 1, 19;

prinz Heinrich. zeitlebens sah ich keine so erbärmlichen schufte. Falstaff. pah! pah! gut genug zum aufspieszen. futter für pulver, futter für pulver. A. W. Schlegel Shaksp. Heinrich der vierte I, 4, 2; so ein fremder reisender, der nach futter für. ein buch die welt durchschnürfelt. Gotthelf käserei (1850) 82.
s. DWB kanonenfutter, lesefutter (aufzeichnung Jacob Grimms), nasenfutter, ofenfutter, zeitungsfutter.
4) fleischliche vermischung, coitus. diese bedeutung ist eine anwendung von 1) a) und geht mit davon aus dasz esel auch als bezeichnung des männlichen gliedes verwandt wird (s. 3, 1147), wie zugleich futterbarn (s. d.), futterkrebe (s. d.), futterwanne (s. d.), barn, wanne (s. d.), aus denen der esel friszt, für das weibliche:

und hast deim esel fuoter geben
ausz irem rauchen fuoterparen. fastnachtsp. 357, 6;

darümb ir eim esel genunk habt zu geben,
ausz eurem rauhen futerkreben. 749, 28;

kein andere sol meinem esel futer geben,
bei dir (der ehefrau) fint er ein folle futerkreben. 28;

mein esel ist unausgeschnitten .....
wis sie in auf das recht gespor ...,
und schittet im das fuoter vor,
so wurd er darnach naschen in der wannen. 327, 15;

wenn ich des nachtes bei ir lag
und sprach: mein esel wil futer haben, ...
wann er hinab nascht zu der wannen,
so slug sie in mit feusten dannen. 852, 17.

daneben werden auch die futter darbietende wiese und weide auf das weibliche glied übergetragen:

nempt ainen, der ainn starken esel hat,
wann auf eur wisen vil futers stat. 749, 26;

ich leih dir meinn esel auch auf ir waid. 732, 31.

danach steht dann futter an sich in der angegebenen bedeutung:

wenn ich dich hab an meinem pett,
kanstu dann schon und freuntlich leben,
so wil ich deinem esel futers genug geben. 166, 20;

[Bd. 4, Sp. 1072]



mein esel gailiert auf der pan
und wil nit lang on futter stan. 702, 8.

aber in der redensart das futter in den barn schwingen, in welcher barn in der vorhin angegebenen verwendung steht, geht futter auch zur bezeichnung der befriedigung des geschlechtlichen reizes auf seiten der weiblichen person über:

wir muszen farn,
schwingen das futer in den parn
und furlegen den unsern gurren. 251, 3.


sofort ist bestimmt das, was der weiblichen person von der männlichen wird, mit futter benannt, indem sich barn selbst auf das männliche glied übergetragen findet:

ainer, der ein frauen hat
und si des nachts ser hungern lat
und fuoters genuog hat in seim parn
und wil das andren pübin sparn. 310, 6.

dann auch, ohne ausdrücklich barn beizusetzen, überhaupt:

wan eine käm, die ein alten man het,
die schon und freuntlich zuo mir tet ...,
so gedacht: die wil ain fuoter haben. 311, 7;

wenn ich des nachtes pei ir geschlof
und ich sie ain gute fart gestrof,
als denn mein vater thet meiner muter,
so aischt sie erst auf ain neues futer. 732, 7;

einer, der seim weib ir fuoter ausztreit. 308, 9;

so will ich ir das fuoter nimmer mer ausztragen. 311, 24;

einer, der seim weib ir fuoter enpfürt,
damit er an ir treulos würt. 309, 1;

und fürpasz sein fuoter daheim wöll laszen. 312, 11;

der ein schön foln daheimen hat,
und der (es ist, wie vorher bei fohlen, die frau gemeint) nicht gern on fuoter stat,
und im das nimpt und es ausztregt
und es für ackergurren legt. 306, 10.


eben dieses futter erhält aber auch die bezeichnung bettfutter (s. d.) und nachtfutter (s. d.), die in ihrer zusammensetzung bestimmtere ausdrücke sind.
II. ein äuszerer oder innerer überzug über oder eine umschränkung oder umkleidung um etwas. goth. fôdr (Joh. 18, 11), schwertscheide, vagina. ahd. bloszes fuoter, theca, in den dem 11.—12. jahrh. angehörigen Straszburger glossen (s. Graff 3, 379), sonst nur in dem zusammengesetzten fëdarfôtar, canna, in den gl. paris. Diut. 1, 141a, wogegen die gl. hrab. 952 »rôrre vel fëdar, fôtar« scheiden und die mit den gl. paris. stimmenden gl. ker. 18 (Hattemer s. 144) »fëdhar, foatar« abtheilen, also dieses foatar, mit dialectischem oa statt uo, wie jene Straszb. glossen und die gl. hrab. fôtar, für sich haben; dann bietet sich fuotar in dem nicht ganz sichern spërfuoter, claxendix, in denselben Straszburger glossen (Graff a. a. o.) und in bogefuoter, coritus, der gl. trevir. 16, 26, pogivoitir der glossen in Mones anz. 7, 593, 423, und noch bogenfutter (s. d.) bei Stieler 526. auch fuoter in tër daʒ here lôsendo hina gab tien hostibus arma unde impedimenta, daʒ chît kewâfene unde fuoter bei N. Boeth. 59 gehört hierher, denn es ist darunter das heergepäck, die feld- oder kriegsbagage zu verstehn. mhd. vuoter; mitteld. würde vûter stehn, wie denn wol dem 11. jahrh. angehörende nd.-hochd. glossen »fotrum, vûder. stiloteca, greffelvûder« (gl. jun. 308) verzeichnen; nd. voder, voer, vôr, in den bedeutungen unseres nhd. futter, aber nnl. voeder m., futter unter einem kleid. isländ. fôdr n., futter unterm kleid, schwed. foder, sowol dies als auch futteral; eben so dän. foder, foer. aus dem deutschen wurde entlehnt mittellat. fotrum, futteral, ital. fodero, scheide, futter unter ein kleid, span. und portug. forro in dieser letzten bedeutung, provenz. und altfranz. fuerre, scheide; neufranz. wird in diesem sinne so wie überhaupt in dem von futteral nur das aus dem weiter abgeleiteten mittellat. forellus, scheide, statt fodrellus, hervorgegangene fourreau gesetzt.
das wort kann mit I dasselbe sein und seine bedeutungen dürften sich dann auf grund des begriffes der aufnahme oder des empfanges in sich abgezweigt haben. sicheres läszt sich aber weder über dieses noch über jenes geben; beides bleibt nur nahe liegende vermuthung.
Die bedeutungen ordnen sich in folgender weise:
1) die hole, gewöhnlich feste oder steife, aber anpassende auszenbekleidung eines gegenstandes, der hineingelegt oder eingeschoben wird. das zunächst wenn das wort so viel als scheide, vagina, bedeutet. so goth. lagei þana haíru in fôdr (Joh. 18, 11), lege, d. h. stecke, das schwert in die scheide. diese bedeutung erhielt sich, wie schwert- oder degenfutter, vagina, theca gladii, bei Stieler 527 zeigt, auch im hochd. bis zu ende des 17. jh. ähnlich bezeichnet futter in fahnenfutter (s. d.) die scheide oder den überzug,

[Bd. 4, Sp. 1073]


worein die unentfaltete, zusammengerollte fahne an der stange gesteckt wird. dann steht das wort in der bedeutung des heutigen von ihm nach seiner entlehnung ins mittellat. und romanische abgeleiteten und von daher wieder ins deutsche aufgenommenen futteral (s. d.). so in den vorhin angegebenen ahd. spërfuoter, bogefuoter, nd.-hochd. greffelvûder. dieses letzte begegnet auch mhd.:

ër zôch ein guldîn griffelîn
ûʒ sînem griffelfuoter
verholen vor sîner muoter. Flore 2359.

dahin gehört dann weiter noch fuoter in löffelftter, löffelfutteral, löffelbehälter (Hätzlerin 1, 35, 11). auch nhd., wo sich im 16. jahrhundert, wie nachher die stellen von Fischart zeigen werden, und selbst zu anfange des 18. jahrh. (s. DWB futteral) mitunter noch futer geschrieben findet, zunächst die gleiche bedeutung mit futteral: denn sacrament on testament, ist das futter on das kleinot behalten, gar mit ungleicher helfft und teilung. Luther 1, 333b; und ist eben, als wenn man anfienge zu leren, es were sünde, des kelchs futter anzurüren, aber den kelch selb möcht man wol angreiffen. 2 (1572) 85a, = futteral, in das der kelch nach dem gebrauche hineingelegt und aufbewahrt wird. ein solches futteral nennt man auch mit bestimmterem ausdrucke kelchfutter (s. d.). ein futer mit löffel. Fischart Garg. 88b (1608 K 7b), ein löffelfutter. hat ein harmglasz in eim futter. Ayrer 353b. in gleicher weise steht futter in becherfutter, brillenfutter, flötenfutter, geigenfutter, gläserfutter, hutfutter, kammfutter, lautenfutter, schildfutter, ringfutter (nd. ringfoder, dactylotheca. Chytraeus cap. 42) und andern mehr. dagegen drückt einerseits flaschenfutter (s. d.), wofür auch schlechthin futter stehn kann, ein gröszeres, mit leder oder tuch gefütterte fächer für die einzelnen gefüllten weinflaschen enthaltendes kastenartiges behältnis zum wegtragen dieser oder zum mitführen derselben auf reisen aus: sintemal die hoffleut und andere jhre keller mit wein in beschlossen futtern auff den wagen mit sich führen. Kirchhof milit. discipl. 129. diese stelle erklärt auch treffend für flaschenfutter die benennung flaschenkeller, bei welchem worte (3, 1727) diese bedeutung nachzutragen ist. andererseits bezeichnet futter in nd. natelfôder, nadelbüchse, für nâldefôder in einer lesart zum Sachsenspiegel 1, 24, 3 ein kleines futteral.
von einer übergestreiften kapuze: besuchen die krancken, jnen s. Francisci kappen anzustreifen und mit dem heyligen futer ein heillosen todten zubekleyden. Fischart bienenk. 200a.
2) bei den jägern ein bei gezogenen rohren auf den lauf gelegtes viereckig geschnittenes und mit talg bestrichenes oder in zerlassenen talg oder auch überhaupt zerlassenes fett eingetauchtes stückchen von dünnem zartem leder oder guter gleicher leinwand oder barchent, auf das die kugel gesetzt und dann in den lauf eingestoszen wird. auch pflaster (s. d.). Heppe wohlred. jäger 168b u. 286b. Hartig 112 u. 151. weidmänn. taschenwb. 163 u. 273. bestimmter kugelfutter (s. d.), kugelpflaster.
3) bei den schuhmachern ein über dem hinten am absatze des stiefels zu unterstützung und halt des spornes hervorstehenden leder, dem spornträger, zum schutze des quartiers angebrachtes leder. gewöhnlich aber wird hier das dim. fütterchen gebraucht. eine andere bedeutung hat futter bei den schuhmachern, wenn es schlechthin für seitenfutter (s. d.) gesagt wird.
4) bei den zimmerleuten und tischlern, überhaupt im bauwesen die in einer angebrachten öfnung oder vertiefung, wie thüre, fenster, oben, unten und an den seiten innen eingefügte hölzerne bekleidung. im martio arbeitete Lindner an denen fensterrahmen und futtern, dieselben in das mauerwerk einzusetzen. Pierot 2, 248; werden ... eine partie fenster mit futter und läden ... öffentlich an den meistbietenden versteigert. Gieszener anzeiger 1870 nr. 14. s. DWB fensterfutter, DWB thürfutter.
5) das auf der achse, um sie vor abnutzung zu wahren, oben und unten angebrachte blech oder eisen. bestimmter achsfutter.
6) bei den uhrmachern ein mit messing ausgelegtes oder ausgefüttertes zapfenloch, das in eisen, gewöhnlich aber, zumal in neuerer zeit, in messing gebohrt ist.
7) zeug, tuch, leder oder rauchwerk, mit dem ein kleid, ein kleidungsstück oder überhaupt ein bekleidungsstück inwendig bezogen oder überzogen ist oder wird. diese bedeutung geht von der vorhin unter 1) angegebenen aus, die, wie die dem 12. jahrh. angehörige glosse »futrum, fuoter« in den sumerlaten 35, 27 zeigt, zur zeit des überganges des ahd. ins mhd. auch in die sich abzweigende: äuszerlich deckender filzartiger zeltzeug, filzartige zeltdecke, und damit auch wol äuszerlich deckender filz entfaltete, woraus dann im 15. jahrh. die allgemeinere von überzug, sei dieser nun

[Bd. 4, Sp. 1074]


auswendig oder inwendig, hervorgieng. dafür spricht, wenn, nach Diefenbach s. 254d, vocabularien des 15. jh. bei mittellat. futrum eyn futer als ob eyner tafel und nd. en voder also over ene tafelen, worunter wol ein überzug über eine tafel zu verstehn ist, haben und wenn der voc. theut. von 1482 kk 8a »undertzog, unterfuter, futer, futratura, futrum, futrale, subfutrum, subfutorium « so wie kk 8b »underfurung, underfuter oder furrier, subductura, subfutrum« verzeichnet, auch in dem voc. inc. teut. B 4b »underzug, futrum, vulgartier futer, subfutrum idem« zu lesen ist, dem ebenda »underziehen mit einem futer, futrare« und »underzogen mit einem futer, futratus vel foderatus« wie erklärend zur seite steht. weiter kann hier noch »subfutrum, ein underfutter« in Diefenbachs wb. v. j. 1470 sp. 262 angezogen werden. s. auch Diefenbachs glossarium latino-germ. 559b unter subductura und 559c unter subfutrum u. s. w. dasz das einfache fter, futer, futter, fuder, foder in dem sinne im 15. jh. geläufig wurde, zeigen die anführungen aus vocabularien bei Diefenbach 254c, aber auch sonst in schriften erscheint das wort so: bracht er och ain kostlichen hab von Österrych heruff, von hengsten, klainaten und kostlichen gefillen (pelzfuttern) und fuotern (anderen futterzeugen). Ehingen 3. doch erst recht in umlauf kommt es in der folgenden zeit: item im winter ein nörnbergisch beltzen mäntelin von zobeln, genatkatzen, talabrischen mardern und anderm futer und gefüll. Fischart Garg. 281b (1608 Ll 1b);

nun dasz es (das hütlein) nich on futer sei
habt jhr eyn feur rot thuch hiebei. dessen Jesuiterhütlein B 8a;

köstlich futter von zöbel, veh.
H. Sachs II (1591). 3, 78c;

schlägt aus dem goldnen flausz
und aus dem silbernen futter
der heiligen thaler und heinrichsdor.
Klamer Schmidt kom. dicht. 186;

aber stelle Dir die weltlichen herren vor! z. e. mit braunen röcken und rothem fälbelfutter. Sternberg in Stahrs Merck 131. 670 ellen blau schoszfutter (s. d.) für bekleidung von soldaten. zeug zu futter. futter zu einem pelzmantel. der schlafrock hat rothes futter. das futter ist zerrissen und wird abgetrennt, damit neues an seine stelle komme. neues futter untersetzen. das futter unter einem helme, die lederbedeckung des kopfes unter dem helme: folgends nam er das schwerd in die faust, keret widerumb, und schlug jhn so starck oben auff den helm, dasz er jhm alles bisz auff die futerin innwendig zerspielt, darab Barsiman gantz taub ward. Amadis 1, 231 (Keller 380, 813), = franz. au cuir de la teste. ob dasselbe auch im 12. jh. hëlmfuoter (sumerl. 3, 28)? oder ist dieses, da sich »vel tasche« beigesetzt findet, vielmehr eine tasche in der form eines helmes? das futter in einem hut, in einer mütze, in einem muff, in den stiefeln, schuhen, pantoffeln u. s. w.
s. futterbarchent oder futterbarchet, futterflanell, futterleinwand, futtertaffet, futtertuch, futterzeug und, was futter hier als letztes wort der zusammensetzung betrift, fälbelfutter, fehwammenfutter, fuchsfutter, grauwerkfutter, hosenfutter, hutfutter, oberfutter, pelzfutter, rockfutter, seitenfutter, unterfutter, westenfutter, zobelfutter u. s. w.
8) inwendige bekleidung durch holz, als durch angeschlagene breter, dielen. s. DWB futterbret, DWB futterdiele.
9) bei den buchdruckern die elastische unterlage die unter das fundament gelegt wird, franz. le lit. Täubel 2, anhang s. 23b.
10) bei den riemern ist futter der schleife der im innern leere lederne ring, den eine kummetschleife bildet. Jacobsson 7, 230.
11) bei den mechanikern und metallarbeitern eine hölzerne walze, das metall, das man an der drehbank abdrehen will, an dieser festzuhalten. 1, 814b.
12) in dem hüttenwesen die mauer am schmelzofen, die zwischen dessen pfeilern aufgeführt wird und zu seiner befestigung dient, damit ihn das heftige feuer nicht zertreibe. ebenda.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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