Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
füllenzahn bis fülleschüssel (Bd. 4, Sp. 512 bis 515)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) füllenzahn, m. ein milchzahn eines füllens d. h. einer der zähne, die das füllen zuerst nach seiner geburt bekommt, aber dadurch wieder verliert, dasz die anderen, bleibenden sich nachschieben. mhd. fülizant, fulzant, mit abfall des t fulzan, zusammengesetzt mit fül n., an dessen stelle nhd. das geläufigere füllen n. trat. abolos, ein jung pferd, das die füllenzähn noch hat. Dentzler 1, 3a; füllezahn und (ein füllen) das noch füllizähn hat. 2, 116b. in bildlicher anwendung er hat noch füllizähn, ist noch unreif zu urtheilen, nondum maturi est judicii. ebenda.

recht so, lord Sands, ihr habt den füllenzahn
nicht abgelegt.
A. W. Schlegel Shaksp. Heinr. VIII. aufz. 1, sc. 3.

s. füllzahn.
Mhd. auch sprichwörtlich

gevater und fülizant an grôʒen nœten sint ze swach. MS. 2, 160b,

[Bd. 4, Sp. 513]


= gevatter und milchzahn halten in groszen nöthen nicht aus. den milchzahn nemlich beiszt man sich bei sehr hartem beiszen leicht aus.
Auch als eigenname erscheint das wort. so in Wittenweilers ring 51d, 18:

die weil cham auch hër Fülizan
mit seinem paner.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
füllenzucht, f. das betreiben, dasz füllen erzeugt und grosz gezogen werden.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fülleopfer, n., bei Luther, s. DWB füllopfer.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fuller, füller, m. ein walkmüller, walker, fullo. in der Aachener mundart föller (Müller u. Weitz 50). im 15. jahrh. vuller, vulre. Diefenbach 251a. mnl. volre, nnl. vuller, vulder, voller, volder, engl. fuller, abgeleitet von nnl. vullen, vollen, engl. full, = walken, welches aus dem gleichbed. franz. fouler, provenzal. folar, it. follare, mittellat. fullare, einem auf lat. fullo, walker, führenden verbum, entlehnt wurde. jenes nnl. vollen aber begegnet auf heutigem deutschen gebiete in aachenisch folle, luxemburg. follen, = walken (Müller u. Weitz 56. Gangler 155).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
füller, m.
1) einer der füllt d. h. anfüllt, auffüllt, ausfüllt, einfüllt, nachfüllt, abfüllt. zu den fässern braucht man nur éinen füller. der füller der grube, der dieselbe zuwirft. s. auch DWB grabenfüller. vgl. Stieler 2391.
2) im besondern einer der würste füllt, ein »wurstmacher, fartor, qui farcimina farcit«. Henisch 1285, 22. ebenso füller bei Stieler 2391 und Steinbach 1, 521. hiervon erscheint das wort noch als familienname.
3) ein schwelger, ein fresser und säufer: und hbe also an ze schlahen sine mitknecht und fressen und sufen mit fülleren. Zwingli 1, 16. auch blosz oder doch vorzugsweise ein fresser: diszer nimpt die sünder an und ysset mit jnen. er ist ein füller und ein frosz und ist ein gesell der sünder. Keisersberg post. 3, 48b; also auch gond wste dünst und wste dempff usz dem schlund und usz dem mul eines sollichen fressers ... dornoch so kriechen usz dem grab die wsten würm unnd die wsten schlangen, dz seind unfletige wste wort ... semliche (= eben solche) würm kriechen usz dem halsz eines sollichen füllers. 4, 41;

vom Potenstein der eselmüller,
der am tisch war der gröste füller,
mit Meyers Elsen umbhin sprang.
H. Sachs I, 531b = (1590) 398a.

besonders aber ein säufer: also in dem geistlichen streit sollen auch die hurer, füller, spieler nichts. Pauli schimpf 17a (95);

und ain esel und ain mülner
und ain weinschenk und ain füller
und durstig leut und guter wein
die dink süln allweg pei ainander sein. fastnachtsp. 714, 3, vgl.
Keller alte gute schwänke nr. 11, wo muller u. fuller;

und ain melmacher und ain müller
und ain weinschlauch und ain füller, ...
das seind ye zway und zway ainerlay.
Keller ebenda nr. 48;

und was soll ich alter geschicht
erzehlen vil, weil man doch sicht
täglich der füller haderey.
H. Sachs I, 229c = (1590) 168d;

(man findet) beyn füllern trunckenheit und zern. I (1590), 178d.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
füllerde, f.
1) ein feiner thon, der beim walken wollener waaren gebraucht wird, damit er aus diesen die fettigkeit und den leim an sich ziehe (s. Zincke öconom. lex. 835), die walkerde, der walkerthon, die walkererde, argilla fullonum, terra fullonum. wie man zum salitter scheyden ausz ungeleschtem kalch oder von fülerde, lohe, weydasche, todtenköpfen unnd ausz eychener unnd büchener asche sehr scharpfe laugen machen kan. Mathesius Sar. (1562) 171a. füllerd, seifengang, terra fullonia, saponaria, lentore se prodens, supra modum friabilis, species terrae fossilis. Henisch 913, 36; füllerd, wascherd, terra Cimolia, qua fullones utuntur in pannis eluendis. 916, 31; füllerde, terra fullonia. Stieler 386. aachenisch follerd (Müller u. Weitz 58). nnl. vulaarde, zusammengesetzt mit nnl. vullen, vollen, walken (s. DWB fuller), wonach der umlaut ü in füllerde hier unorganisch erscheint. richtiger hat Richter 1, 702 fullerde. vergl. auch fullererde.
2) erde zum füllen d. h. zum ausfüllen, auffüllen, terra serviens supplemento. im deichbau die erde, »welche zu würklicher aufführung und verbesserung der deiche genommen wird« (Benzler lex. 1, 166), also nicht allein zur erbauung derselben, sondern auch zur ausfüllung jeder in ihnen entstehenden lücke. sie heiszt auch spitterde und wird unterschieden von der soderde, der erde, auf welcher der grüne rasen sitzt. am besten dient zu füllerde

[Bd. 4, Sp. 514]


die thon- oder kleierde wegen ihrer schwere, zähigkeit und dichtigkeit. Benzler a. a. o. Das wort ist zusammengesetzt mit dem verbum füllen in seinen ersten bedeutungen und somit der umlaut ü hier organisch.
3) trockne von pflanzenstoffen freie erde, die zum ausfüllen der gewölbekappen oberhalb gebraucht und auch unter das pflaster gebracht wird.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
füllerei, f.
1) die thätigkeit eines füllers, das füllen. ohne beischmack der verächtlichkeit, welchen Campe annimmt. s. DWB füller 1).
2) schwelgerei, fresserei und sauferei. s. DWB füller 3). in dem sinne von fresserei: wir wänen, alles dz gott beschaffen hatt, es sey nyenen z gt wann z dem frosz. was im lufft ist, alle fögel, alle fisch im wasser, es mssz uns dienen z unszerer füllery. wir mssens alls fressen unnd alle ding versuffen. ich meyn du frässest die sternen auch, wann dusz vermöchtest. Keisersberg post. 3, 66a. besonders aber hat füllerei den sinn: sauferei, trunksucht, trunkenheit, doch bleibt oft ungewiss, ob nicht allgemeiner schwelgerei gemeint ist.

das bringt als ír fullri zuo
das (dasz) si niemer gewinnen ruo. des teufels netz 5546;

auf füllerey setz ich mein gir.
Schwartzenberg 134, 2;

wie du wol magst von Nabal lesen,
dein füllerey dir kürtzt dein leben.
H. Sachs I (1590) 168c;

mich dünckt, dein gsell sey ein vollr zapf,
tritt nit in solcher leut fuszstapf,
füllerey schwechet leib und gut,
bringet kranckheit, tod und armut,
darumb hütt dich vor füllerey. 170d;

(das volk ist) neydisch, diebisch, voll füllerey. 178c;

weh denen, so helden sind wein zu saufen und krieger in fullerey. Jes. 5, 22; aber die füllerei vorbieten sie (die ärzte) ihm nit? Hutten 5, 204; das kommet alles ausz füllerey, wann man zvoll und satt ist. Frank laster a iij. c ij u. iij; ich bitte euch, jr wollet ... euch für füllerey und schwelgerey hten. Mathesius Sar. 312b; die, so jren bauch und fleisch in solchen lüsten und füllereyen halten und uben. buch der liebe 292, 2; in solcher ihrer wissenschaft schätzen sie sich gerecht und selig, meynend, sie mögen hernach thun, was sie wollen: wenn sie schon in täglicher füllerei und ungerechtigkeit leben, so möge ihnen solches nicht schaden. Scriver seelensch. 1, 281; und speiet ein haus den eigentuhmsherren, wegen steter füllerey, leicht aus. Butschky kanzl. 385;

wo füllerey und wein die blauen adern füllt.
Hoffmannswaldau hochzeitged. s. 31.


auch die älteren wörterbücher haben füllerei vorzugsweise in der bedeutung trunksucht, trunkenheit: exhalare crapulam, die fullerey ausztöuwen, den wein auszschlaafen. Frisius (1556) 340b und danach bei Maaler 145d und Henisch 1285, 27. Stieler 2392 aber führt auszerdem noch den begrif schwelgerei, schlemmerei, luxus, luxuriae, ingluvies, an. dagegen bei Rädlein wieder blosz so viel als sauferei, trunksucht. so: die füllerey bringt mehr um das leben, als das schwerd. 310a; die füllerey und das saufen ist der jugend gewisses verderben. ebenda. füllerey, crapula, ebrietas. Dentzler 116b; füllerey, ebrietas, ebriositas, crapula. Weismann 134b. Steinbach 1, 521, der fullerey durch luxuria, schwelgerei erklärt, und Frisch 1, 305c verzeichnen das wort noch, aber dann ist es durch völlerei (s. d.) verdrängt, welches schon früher, wie bei Butschky kanzl. 390 (wo mit f föllerey), also nahe der vorhin angeführten stelle, neben füllerei vorkommt. Adelung, der dieses nur aus der deutschen bibel zu kennen scheint, widmet ihm keinen artikel, sondern verweist in aller kürze auf jenes heutige völlerei. in der Schweiz lebt füllerei heute noch fort. Stalder 1, 404.
Sprichwörtliche redensarten:

durch nüchtern leben wird man alt,
durch füllerey erstirbt man bald.
Henisch 1287, 25

füllerey bringt bulerey,
bulerey bringt büberey. 26;

in füllerey steckt alles bösz (böse). 33; müssiggang und füllerey sind desz teufels stricke. 34; wo füllerey über hand nimpt, mag nicht lang ein gut regiment bestehen. 37; füllerey ist ein kürtzung des lebens. 29; füllerey schwecht leib und gut. 32; tugentreich und ehrlich kompt einen gleich als leicht an, als inn füllerey und inn schanden zu leben. 36.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
füllereich, adj. reich an fülle, groszen überflusz in sich vereinigend, groszen überflusz darbietend: mannichfaltig wechselten im ganzen halbkreise, den man übersah, tiefen und höhen, büsche und wälder, deren erstes grün für die folge den füllereichsten anblick versprach. Göthe 17, 31 (wahlverw. 1, 3).

[Bd. 4, Sp. 515]


Davon das gleichlautende und gleichbedeutende adv.: herrliches land! wie prächtig und füllereich blickst du uns an! Benzel-Sternau (nach Campes anführung). Vgl. füllreich.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fullererde, f. was füllerde 1). wörtlich walkererde, denn fuller (s. d.) ist der walker. nnl. voldersaarde.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
füllerin, f. , ein wort von zweierlei abstammung.
1) die walkerin, walkmüllerin. auch fullerin. von fuller.
2) eine weibliche person die füllt. s. DWB füller 1). Stieler 2391.
3) eine schwelgerin, eine fresserin und säuferin, auch blosz eine fresserin, zumal und hauptsächlich aber eine säuferin. s. DWB füller 3).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fülleschüssel, m., ein im mhd. vorkommender eigenname. so findet sich in Baurs hess. urkunden 1, 21, 30 in einer urk. von 1250 ein Eberhardus Vullescuʒela, s. 23, 34 in einer urk. von 1252 ein Johannes und Wernherus Fullescuʒela, s. 386 nëben dën Fullschuʒʒel, s. 500, 721 dëm Fulschuszel, 2, 597, 593 ein Philippus dictus Fulleschuszele, 3, 99, 1034 abermals ein Johannes dictus Fulleschussele. das hier eigentlich als beiname erscheinende wort ist nichts anders als zusammensetzung des imperativs von füllen mit dem acc. sg. von schüssel in der alten weise ohne artikel (vgl. gramm. 2, 961. 1020) und bedeutet fülle die schüssel, weist sonach in seinem ursprunge, wie es scheint, auf einen diener, der die schüssel für die mahlzeit anzurichten hatte.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 11 bis 20 von 237 Nächste Treffer Vorherige Treffer
11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
Artikel 11 bis 20 von 237 Nächste Treffer Vorherige Treffer