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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fülleblümel bis füllen (Bd. 4, Sp. 495 bis 510)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fülleblümel, n. blümlein, das begossen und so »gefüllt« wird. das wort dauert nur in dem namen eines elsässischen pfänderspiels fort, das in vetter Daniels neujahrsbüchlein in Elsasser mundart auf 1818 s. V fülleblüemels bin au eins, d. i. (wir spielen mit einander) fülleblümchens bin auch eins, heiszt. bei diesem spiele ist, wie mir August Stöber in Mühlhausen schreibt, eins aus den spielenden der gärtner und die übrigen, von welchen jedes den namen einer blume erhält, sitzen in einer reihe oder auch in zwei reihen. wenn nun der gärtner einem der mitspielenden auf den kopf deutet und während er auf diesen etwas auszugieszen scheint, spricht fülleblüemele, musz die so angeredete person antworten bin au eins! worauf dann der gärtner fragt was fürr eins? und jene mit dem ihr beigelegten blumennamen antwortet. kann sie aber diesen nicht alsbald nennen, so musz sie ein pfand geben. in dieser weise geht dann das spiel weiter. übrigens ist das fülleblümelspiel zumeist kinderspiel.
 
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fülleborn, m., ein in Nieder- und Mitteldeutschland entsprungener eigen- oder vielmehr familienname, dessen erster theil fülle der imperativ von füllen ist, wonach die bedeutung des ganzen »einer der den brunnen (s. DWB born) füllt, beförderer von quellwasser« sein würde. vgl. GDS. 86 und myst. 1, 425. schwerlich ist der name mit vollborn (s. d.), einer benennung des januars oder auch des februars, zusammengehörig. vgl. DWB füllmonat.
 
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füllefasz, n. kleines fasz zum nachfüllen der groszen fässer? in einer oberrheinischen, dem 15. jh. angehörigen verordnung für die zollbeamten: welche kaufmann oder schieffmann vier zolfuder wins und daruber geladen hat, das (dasz) derselbe an iglichem zolle eime zolschriber zwo quarten wins und dem beseher und knechten auch zwo quarten wins, Bonner massen, usz dem fullefasse geben soll. Mone zeitschrift 9, 32. Vergl. DWB füllfasz.
 
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füllegedanke, m. ein ganz erfüllender gedanke, ein gedanke der ganz die seele füllt: wie lange hauch von gott, wie lange menschenseele dasein — und dasein bei gott genüszen soll? — dies ist füllegedank des manns und eines ewigbleibenden seelehabenden geschöpfs! und was sind gegen diesen gedank, gegen diese wonnen alle täuschende weltbesitze, alle phantasien? seifenblasen!! Burmann ged. ohne R 56.
 
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fülleimer, m. in den salzwerken zu Halle ein hölzerner eimer, der zum »füllen« der sole aus den solfässern in die pfannen und bei den vorschlägen wie auch bei messung der züber (zober) als masz gebraucht wird. er hält 12 hallische masz. mineral- u. bergwerkslex. 224a. Hübner handlungslex. (1776) 892. treger (es ist von den salzquellen zu Halle an der Saale die rede) tragen die sahl (sole) in grossen zübern in das köt, zwen an einem zuber, hat fast bey eim zentner, die züber sind alle gleich, halten 8 fülleymer, ein fülleymer 8 kanden. Mathesius Sar. 125b = (1562) 178a. auf eine pfanne gehn 4 fülleimer. vgl. DWB fülleimerlein.
auch kann überhaupt ein eimer zum füllen fülleimer genannt werden. so sind die feuereimer wirkliche fülleimer, denn bei feuersbrünsten werden mit ihnen, indem sie in einer von menschen gebildeten kette von hand zu hand gehn, die feuerspritzen gefüllt.

[Bd. 4, Sp. 496]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fülleimerlein, n., dim. des vorigen, aber auch vom groszen fülleimer gesagt: als bald füllen die knecht ausz dem sahlfasz (solfasz) in die pfanne mit einem fülemerlein (so steht da) an einer stangen, darein bisz in 12 kanden gehen. Mathesius Sar. (1562) 179b. es ist auch hier von dem salzsieden zu Halle an der Saale die rede, aber der gewöhnliche fülleimer dort hält, wie die stelle von Mathesius unter diesem worte zeigt, 8 kannen.
 
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füllein, n. was füllen n., ahd. fulin, mhd. vüln, neben welcher mhd. form aber auch eine mit schwer gewordenem i, vulîn, sich entwickelt haben musz, woraus dann nhd. eben dieses füllein wurde. füllein. Henisch 1284, 39. 56. Dentzler 2, 116b. H. Sachs gebraucht es neben fühl, fül, fülle:

ein eselin und jr füllein
die löset ab, führt sie herein. IV. 1, 84c;

(die stute) sich nichts versann
bald sampt dem füllein da entrann. 3, 105a,

wo wenige verszeilen vorher fülle (s. d.).
Schwerlich ist das wort als mit -lein gebildetes dim. von fül n. zu fassen. s. DWB füllin, DWB füllen n.
 
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füllelein, n., dim. von fülle, füll. Schmeller 1, 525. bair. füllel (s. DWB fülleln).
 
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fülleln, ein füllen (fohlen) gebären. bairisch, s. Schmeller 1, 525. abgeleitet von dem bair. dim. füllel n., kleines füllen.
 
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füllen , voll machen. dies der ursprüngliche begrif des wortes, welches goth. fulljan praet. fullida, ahd. fullan fulta, mhd. vüllen vulte, alts. fullian fulda, nd. fullen fuld, nnl. vullen vulde, ags. fyllan fylde, engl. fill, altfr. fella felde, altn. fylla fyldi, schwed. fylla, dän. fylde lautet und mittelst -i oder, was dasselbe ist, -j von dem adj. voll (s. d.), goth. fulls, ahd. fol, alts. und ags. ful, altfr. ful, fol, altn. fullr abgeleitet ist, also auch ahd. auf eine ursprüngliche form fullian zurückführt, deren i noch mhd. und nhd. den umlaut wirkt. das wort steht
I. seiner bildung wie jenem grundbegriffe gemäsz zunächst transitiv, mit beigesetztem acc., und hat dann folgende bedeutungen:
1) durch hineinthun oder hineinkommenmachen voll machen. hier bezeichnet jener acc. einen gegenstand, dessen inneres leer ist, und zwar
a) einen behälter, ein gefäsz, ein geräth und dergleichen, mitunter auch blosz deren raum. zunächst belege, wenn der acc. gesetzt ist, ohne dasz weiteres mit einer praep. beigefügt wird: ahd.

thie man thoh, thie thâr scanktuniʒ filu wola irkantun,
theiʒ waʒʒar lûtaraʒ was,thô sie fultun thiu vaʒ.
O. II. 8, 42;

mhd. ie dar under füllen wir die kasten.
Walther 34, 9.

nhd. die (Rebecca) steig hin ab zum brunnen und füllet den krug. 1 Mos. 24, 16; der priester aber in Midian hatte sieben töchter, die kamen wasser zu schepffen und fülleten die rinnen, das (dasz) sie jres vaters schafe trencketen. 2 Mos. 2, 16; einen schlauch, eine flasche, einen becher füllen.

das glas gefüllt! ...
getrunken, brüder, getrunken!
Hölty (1804) 216;

haltet nur, nach schafsgebrauch,
eurem scheerer stille,
bis ich vollends fülle
meiner kisten weiten bauch.
Langbein ged. (Leipzig 1788) s. 259;

da der korb in wenig augenblicken leer war, liesz sie ihn zum zweiten und dritten mahle füllen. Wieland 38, 290. ein bett, ein küssen füllen, die federn hineinthun. aber man gebraucht ein bett füllen auch in ganz anderm sinne (s. unten). einen strohsack füllen, ihn voll stroh stopfen, frisches stroh hineinthun. einen sack füllen, gegenstände bis oben hineinthun; dagegen den sack füllen (s. unten).
ein masz füllen, es voll machen. in bildlicher anwendung: dein bruder scheint nun das masz seiner schande gefüllt zu haben: ich wenigstens kenne nichts über dem, was er wirklich erreicht hat. Schiller 104a; tausendmal bat ich gott mit thränen um den tod, aber das masz meiner strafe musz noch nicht gefüllt sein. 136a. neben dem acc. aber kann auch ein dat. der person stehn:

du solt nit lang aus sein!
und füll ir auch das flaschelein! fastnachtsp. 501, 29;

besinn dich, besinn dich, schelmendeckel, ich füll dir den ränzel, ich füll dir den seckel. Musäus volksm. (1787) 5, 166;

die christenheit trauert in sack und asche:
der soldat füllt sich nur die tasche.
Schiller 324b.

[Bd. 4, Sp. 497]



dann belege, wenn mit einer praep. weiteres beigefügt ist, gewöhnlich zur angabe dessen, womit das durch den acc. bezeichnete voll gemacht wird: ahd. thô quad in thër heilant: fullet thiu faʒ mit waʒʒarû. inti sie fultun siu unzan enti. Tat. 45, 5 (Joh. 2, 7), bei Luther Jesus sprach zu jnen: füllet die wasserkrüge mit wasser. und sie fülleten sie bis oben an. mhd.

ër hieʒ die secche allemit weiʒʒe fullen. Milstäter hs. 91, 10, wofür gen. 63, 43 (bei
Graff 103)

ër hieʒ die secche alletuon weiʒes folle.

nhd. und Joseph thet befelh, das (dasz) man jre secke mit getreide füllet und jr geld widergebe. 1 Mos. 42, 25; da gieng sie (Hagar) hin und füllet die flassche mit wasser und trenckt den knaben. 21, 19; so spricht der herr, der gott Israel: es sollen alle legel mit wein gefüllet werden. so werden sie zu dir sagen: wer weis das nicht? das (dasz) man alle legel mit wein füllen sol? Jer. 13, 12; fülle dein horn mit öle und gehe hin. 1 Sam. 16, 1;

o, dacht er, weil ich doch sehr lange steigen musz:
so will ich, meinen durst zu stillen,
den reisesack mit solchen früchten füllen.
er asz und fand die frucht vortrefflich vom geschmack
und füllte seinen reisesack.
Gellert fabeln 2 (1751), 101 f.;

der sender gelobte den herrlichsten sold
und füllt' ihm den seckel mit lachendem gold.
Langbein neuere ged. (Tüb. 1812) 1, 160;

vier taschen füllt der held mit seinen tabaksdosen.
Dusch verm. werke 163;

wenn ich mein glas
mit bischof fülle.
Klamer Schmidt verm. ged. 1, 46;

so nehmet auch den schönsten krug,
den wir mit frischem trunk gefüllt.
Göthe 12, 56;

weinflaschen ohne zahl, mit dem besten malvasier gefüllt. Musäus (1787) 1, 196;

den becher reicht er (der edelknecht) ihm knieend dar,
und der könig der lieblichen tochter winkt,
die füllt ihn mit funkelndem wein bis zum rande.
Schiller 63b;

hoch mit erfreuendem gut füllt Amalthea das horn. 76a;

und (die mutter) füllet mit schätzen die duftenden laden. 78a;

die arme leut haben vor zeiten jre beth (betten) damit (mit der wolle des wollgrases, eriophorum polystachion) gefüllet. Adam Lonicerus kräuterb. 210b.
aber das mit der praep. beigefügte kann auch die thätigkeit ausdrücken, mit der gefüllt wird:

mit unterschied, herr graf! die einen (unterthanen) füllen
mit nützlicher geschäftigkeit den beutel,
und andre wissen nur ihn brav zu leeren.
Schiller 333a.


endlich belege, wenn, wie die beifügung mit einer praep., ein gen. ausdrückt, womit das durch den acc. bezeichnete gefäsz oder behältnis gefüllt wird. dies ist eine in unserer sprache wolbegründete fügung und der gen. hat hier entschieden instrumentale kraft: alts.

hë hêt thëâ skenkëon thôskîrëas watares
thiu fatu fullien. Hel. 62, 6.

ahd., wo beispiele mit fullan mangeln, eins mit gefullan, das mit jenem einfachen verbum übereinstimmt:

(Jesus) hiaʒ mit willenthiu sëhs faʒ gifullen
uuaʒares thie sînê,thaʒ woraht ër thâr zi wîne.
O. II, 10, 3.

mhd. dâ vor in allen wîlengefüllet zwelef schrîn
dës aller besten goldesdaʒ inder mohte sîn,
hëten die ir magede. Nib. 1220, 1;

dëm fult ich rôtes goldesdën Etzelen rant. 1962, 3;

dâ das niuwe loub ê was entsprungen
dës hâstû (der winter ist angeredet) nû gevüllet dînen sac. MSH. 3, 286b, 124, 1,

d. h. das hast du nun geraubt. vgl. den eigennamen Füllensack, aus dem sich auch für mhd. dën sac vüllen, das eigentlich »den sack durch hineinthun voll machen« ausdrückt, die weitere bedeutung »gewaltsam hinwegnehmen, rauben« ergibt. nhd.

als sie nunmehr die geräth im dunkelen schiffe befestigt,
stellten sie krüge dar, zum rande gefüllt des weines.
Voss Odyssee 2, 432;

legte des eingeweides dann vor und füllte des weines
einen goldenen becher. 3, 40;

aber wessen das gefäsz ist gefüllt,
davon es sprudelt und überquillt.
Schiller 325a.

zugleich mit einem dat. der person:

hastu icht guoten alten wein,
des soltu mir füllen das fläschelein. fastnachtsp. 501, 29.

[Bd. 4, Sp. 498]


doch ist diese fügung mit dem gen., die sich von dem adj. voll auf das davon abgeleitete füllen übergetragen hat, im nhd. selten, indem man in diesem lieber mit einer praep. fügt.
Als besondere ausdrücke sind anzuführen
α) die pfeife füllen, tabak hineinthun dasz sie davon voll wird, sie stopfen:

sein wunsch wird ihm gewährt: der lange durst gestillet,
und seine pfeife wird in süszer ruh gefüllet.
Zachariä d. schnupftuch 4, 42.

aber der acc. pfeife kann auch ausgelassen werden, so dasz füllen intransitiv zu stehn scheint:

pursche fangen grillen,
aber wenn sie füllen
und die pfeifen glühn,
musz der schmerz so weit entfliehn.
Günther 919.


β) das bett füllen in dem sinne: machen dasz es voll ist, indem man jemand sich hineinlegen läszt. so sagt eine frau: ich habe bishero mein bett mit altem rindfleisch gefullet, ich gedenck es nunmehr mit jungem kalbfleisch zufullen. Melander jocoseria (1611) 1, nr. 325.
γ) fülls recht in: o der durstbrünstigen kunden! wirtsknecht, der sat brennt mich hinden! lesch da! mein freund fülls recht! und krön mir den wein, ich bitt dich. Fischart Garg. 102a = (1608) M v b. was heiszt das? und ist das mit dem imperativ füll zusammengezogene es acc. oder gen., also das ganze gemeint entweder füll das glas recht, oder füll des weines recht, d. h. schenke recht wein ein? das erste scheint das richtigere zu sein und es allgemein für das glas zu stehn.
b) ein gebäude oder einen theil desselben, überhaupt erbautes, einen keller, eine höle, eine grube, einen graben, einen gegrabenen wasserbehälter u. dgl. Auch hier wird zunächst der blosze acc. gesetzt: heuser alles guts vol, die du nicht gefüllet hast. 5 Mos. 6, 11; und als bald befalh Raguel, das (dasz) sie das grab wider fülleten, ehe es tag würde. Tob. 8, 19. die gräben füllen, fossas complere. Maaler 145d; die grben füllen. 194c; einen teich füllen, ihn mit erde ausfüllen, zuwerfen. Stieler 2391. neben dem acc. mit einer praep., wieder um beizufügen, womit gefüllt wird: und (die Philister) verstopften alle brünne, die seine (Isaacs) vaters knechte gegraben hatten, zur zeit Abraham seines vaters, und fülleten sie mit erden. 1 Mos. 26, 15; seine hülen füllet er (der löwe) mit raub und seine wonung mit dem, das er zurissen hatte. Nah. 2, 13; die jrer herrn haus füllen mit rauben und trigen (d. i. geraubtem und durch trug erworbenem gut). Zeph. 1, 9; wir wöllen unser heuser mit raube füllen. spr. Sal. 1, 13; so er (gott) doch jr haus mit güter füllet. Hiob 22, 18. die scheunen mit frucht füllen; ein mit getreide gefüllter speicher.

aber sobald ihr das schif mit lebensgute gefüllet,
müszt ihr sogleich botschaft in den hohen palast mir entsenden.
Voss Odyssee 15, 445.

einen graben mit erde füllen, fossam terra complere. Steinbach 1, 521; die hohlen weege mit steinen füllen, cavitates viarum lapidibus complere. ebenda. ein mit wein gefüllter keller; die arbeiter füllten den keller der brauerei mit eis für den sommer; eine grube mit dickwurzeln füllen und dann mit stroh und erde bedecken, um dieselben als viehfutter für das frühjahr zu bewahren. mit gen. statt der beifügung mit einer praep. findet sich keine stelle, auch aus dem ahd. und dem mhd. weisz ich keine beizubringen, doch ist in diesen sicher auch hier die fügung mit gen. vorhanden gewesen.
c) eine person, einen körpertheil der in sich aufnehmen kann, gehöre dieser einem menschen oder einem thiere an. mit bloszem acc.: einen füllen, ihn in essen oder trinken oder in beidem satt und übersatt machen. so in dem sprichwörtlichen man kann wol ein fasz füllen, so füllet man auch wol einen menschen. Henisch 1287, 8; er ist nicht zu füllen, nicht satt zu machen, ein unersättlicher frasz, exsaturari nequit, insaturabile abdomen est. Stieler 2391. blosz in speise: mhd. alsô füllet man dër rîchen liute kind in widerstrît (= um die wette), daʒ ir gar lützel alt wirt. Berthold (Pfeiffer) 433, 39, es ist vom übermäszigen einstreichen des breies die rede. nhd. das weib gedacht »jene hat sie nur einmal gespeiset — ich aber sol sie zweymal füllen«. Kirchhof wendunmut 179a. im trinken und hier besonders in dem sinne: bis zum vollwerden trinken machen, bis zur trunkenheit zu trinken geben. füllen, trunken machen. Maaler 145d. Henisch 1285, 8.

ich fülle in pisz auf den grunt
und verschwell im seinen schlunt. fastnachtsp. 607, 23;

[Bd. 4, Sp. 499]


so sprich zu jnen, so spricht der herr: sihe, ich wil alle die in diesem lande wonen, die könige ... und alle einwoner zu Jerusalem, füllen, das (dasz) sie truncken werden sollen. Jer. 13, 13, fortsetzung der stelle Jer. 13, 12 oben sp. 497. noch schweiz. (Stalder 1, 404): warum sie (der bauer und seine frau) gefüllt wurden, davon hatten sie noch keine ahnung. J. Gotthelf schuldenbauer (1834) 35.
die hand füllen, reichlich in dieselbe thun dasz sie voll ist:

truck wol das beinlein, füll die hant.
Scheit grobianus A 4b.

daher sprichwörtlich kindeshand ist bald gefüllt (s. kindeshand). Aber in besonderem biblischen ausdrucke die hand füllen, die hände füllen, dem priester oder Leviten die holen hände vom opfer, um beide zu ihren ämtern zu weihen, sie in diese einzusetzen. so in zahlreichen stellen des alten testamentes: und solt sie (die röcke, gürtel und hauben) deinem bruder Aaron sampt seinen sönen anziehen und solt sie salben und jre hende füllen und sie weihen, das (dasz) sie meine priester seien. 2 Mos. 28, 41 (vgl. cap. 29. 9. 29. 35. 3 Mos. 21, 10); zu füllen jre hende, das (dasz) sie geweihet werden. 33; ein priester, den man geweihet und des hand man gefüllet hat zum priester an seins vaters stat. 3 Mos. 16, 32; da sprach Mose (zu den Leviten): füllet heute ewre hende dem herrn, ein jglicher an seinem son und bruder, das (dasz) heute uber euch der segen gegeben werde. 2 Mos. 32, 29; denen ..., welche ihre hände fülleten und priester wurden 2 chron. 13 v. 9 (s. die stelle gleich hernach). Schuppius 78. mit dat. der person: und der man Micha ... füllet seiner söne einem die hand, das (dasz) er sein priester ward. richt. 17, 5.
den balg füllen, curare pelliculam (Henisch 176, 42. 1285, 43), sich gütlich thun in essen und trinken. hier balg = bauch, leib, s. DWB balg 2). den bauch füllen, durch essen, trinken: dasz sy allein jre beüch füllind wie ein sackpfeyff, oder, dasz sy sich spannind wie eyn sumber oder böcken. Frisius (1556) 431 und darnach bei Maaler 145d, der büch schreibt, dann bei Henisch 1285, 9; man soll den bauch gemach füllen. Henisch 1287, 10. blosz in hinsicht des trinkens:

voll brüder, knebel und weinschleuch,
die lgen wo man füll die beuch.
Scheit grobianus H ija.

den magen füllen, mit essen, trinken, besonders bis zur völligen sättigung oder selbst im übermasz. daher als bezeichnung eines fressers der name Füll-den-magen (s. nachher II 1) c). mit dat. der person einem den magen füllen, ihm satt zu essen geben, ihn sättigen: (meister Peter) hielt die lustigen brüder, die gute schwänke zu erzählen wuszten, zechfrei und füllte allen hungerleidern, die sich an ihn wandten und sein mitleid rege zu machen wuszten, den magen. Musäus (1787) 5, 181. den mund füllen, das maul füllen, mit essen, trinken bis zur befriedigung:

der kärner aber füllt sein maul (= asz sich satt):
wie es halt gieng mir armen gaul,
für ein wolessen er mich schlug,
vor hunger ich die haut kaum trug.
H. Sachs I (1590), 375c.

einem den mund füllen, ihn mit essen, mit trinken völlig befriedigen, dann auch so viel als ihm reichlich geben, seine wünsche befriedigen, ihn befriedigen: thu deinen mund weit auf, las mich jn füllen. ps. 81, 11. einem das maul füllen, es ihm stopfen mit speise, mit trank, dann so viel als jemandes verlangen, jemandes wünsche befriedigen, dasz er schweigt, überhaupt jemand schweigen machen. in diesem letzten sinne: zu dem fünften sprich ich, das (dasz) ich dir das maul füllen musz. Keisersb. buch der evangelien (1515) 99b. die backen füllen, mit speise, trank, im übermasz:

auch der syn backen fült also,
als ob sie stackten jm vol stro,
und mit dem essen umb sich gaff.
Brant narrensch. Z. 110a, 76.

besonders so, dasz sie sich aufs höchste ausdehnen. dies in folgender stelle, in der freilich ausfüllen steht, aber in gleichem sinne wie das einfache füllen:

nun weiter wann du iszt die speisz,
so halt dich auf ein solche weisz.
stosz (die speise) ein und füll die backen ausz,
dasz du sechst wie ein pfeifer drausz.
Scheit grobianus L 4b.

einem die backen füllen, in demselben sinne, aber auch in dem: ihm die backen mit luft aufs weiteste ausdehnen. dies in

[Bd. 4, Sp. 500]


ihr brüder! rief ein fürst der winde,
der götter haupt kehrt bei uns ein,
und alles liegt voll staub, geschwinde,
die straszen müssen sauber sein.
wohlan, lasz uns die backen füllen,
hub bruder sturmwind an zu brüllen.
Lichtwer bch. 2 nr. 21.

den hals füllen, übermäszig mit speise, mit trank, besonders mit letzterem bis zur trunkenheit:

die alt die sprach: mein son so lern,
seh hin und füll auch deinen hals.
H. Sachs I (1590) 387a.

einem den hals füllen. in demselben sinne steht den kragen füllen, den schlund füllen:

wann du jm hast erfült sein willen,
magstu dann auch dein kragen füllen.
Scheit grobianus B iija,

meinstu dasz ich dir fasten wöll?
und ewer jedem sehen z
wie er sein kragen füllen th? C 1a;

lasz uns von unserm handel sagen,
wie jeder füllen mög den kragen
und wir mit gtem wein uns laben. E 4b;

schaw zu, wie füllt die alt den kragen.
H. Sachs I (1590), 387b.

einem den kragen füllen, einem den schlund füllen:

du schult mir füllen meinen kragen,
wann das pest gehört in meinen magen,
und füll mich mit gutem wein. fastnachtsp. 607, 30.


einen darm füllen, wurst machen, oder auch füllsel hinein thun: du pfuscher, du lump, bist, seh ich wohl, deiner kunst nicht meister, verstehst sie gar schlecht, weiszt den darm aufzublasen und ihn nicht zu füllen, machst den topf und kannst nicht drinn kochen. Musäus (1788) 2, 175. übrigens klingt die verbindung, in welcher hier der ausdruck steht, sprichwörtlich. mhd. fülle die hût (die abgezogene haut des aales) und brât in (mit dem füllsel zu einem gerichte). von guter speise 37; fülle die (abgezogene) hût dës hechtes (mit füllsel). 46.
neben dem acc. noch mit einer praep., die beifügt, womit oder wovon gefüllt wird, oder auch mit damit, davon: fülle (= erfülle) uns früe mit deiner gnade, so wöllen wir rhümen und frölich sein unser leben lang. ps. 90, 14. in dem vorhin bei einen füllen sp. 498 unten angegebenen engeren sinne: zum vollwerden trinken machen, zum übermasz trinken machen, trunken machen. s. den schlusz der eben angeführten stelle fastnachtsp. 607, 30.

die von Sparta hetten ein recht,
dasz sie mit wein füllten jr knecht,
liessen jr sön sehen mit fleisz
der vollen knecht schendlich abweisz (abweis)
die füllerey mit zuverschmehen.
H. Sachs I (1590), 169a (= 1558) 229c.

von welchem (dem gras auf den dächern) der schnitter seine hand nicht füllet, noch der garbenbinder seinen arm vol. ps. 129, 7. einem die hand mit gold, mit silber, mit geld füllen, ihm diese reichlich in dieselbe thun dasz sie davon voll wird: mhd.

swër zuo mir rîtet oder gêt ...
dër fülle mit silber mir die hant
und mit golde, sô wirt ër
durch die heiligen marterer
sân zehant von mir gewërt
wës sîn herz von mir begërt. Renner 9044.

s. oben die hand füllen. wer nicht hatte die hände mit güldinen männlein zu füllen, der muste unterliegen unnd seinem widersacher die schue putzen. Moscherosch Philander (1650) 1, 158. in dem vorhin bezeichneten besondern biblischen ausdrucke: wer da kompt seine hand zu füllen mit (dem opfer von) einem jungen farren und sieben widder, der wird priester. 2 chron. 13, 9 (s. vorhin die stelle von Schuppius). und er (der verlorne sohn) begerte seinen bauch zu füllen mit trebern, die die sew assen und niemand gab sie jm. Luc. 15, 16, s. DWB erfüllen 1, wo die aus dieser stelle angeführten worte Luthers zu berichtigen sind; du must diesen brieff, den ich dir gebe, in deinen leib essen und deinen bauch da mit füllen. Ez. 3, 3; und werden doch jre seele davon (dem silber und gold) nicht settigen, noch jren bauch davon füllen. 7, 19; von den leuten dieser welt, welche jr teil haben in jrem leben, welchen du den bauch füllest mit deinem schatz. ps. 17, 14; er hat mich verschlungen, wie ein drache, er hat seinen bauch gefüllet mit meinem niedlichsten. Jer. 51, 34;

ob du hetst von der ersten tracht
den bauch gefült und eng gemacht,
so nimm deiner gesundtheit acht.
Scheit grobianus D 1a.

hort, rosch und weisz thu ich hie tragen,
darmit einr selten fult den magen. fastnachtsp. 792, 15;

[Bd. 4, Sp. 501]


(Sarron) füllte den magen mit den überbleibseln von der tafel des einen und seinen beutel unbemerkt mit dem überflusz des andern. Musäus (1787) 1, 216.

so greif von ersten in die schüssel
und füll damit dein groben trüssel (die gurgel).
Scheit grobianus L iija.

einen darm mit bratwurstfüllsel füllen. er füllt därme mit sand und verkauft sie für stricke. Lessing 11, 748, vgl. DWB darm 1.

füllt die herzen mit erfreuen.
Picander ernstscherzh. ged. (1727) s. 65;

singe den hohen choral mit Bachs ehrwürdigen tönen,
fülle mit andacht das zitternde herz!
Zachariä (1761) 385;

aber fasse dich nun, Kronions würdige tochter (Pallas),
steige hinab zum Peliden und fülle mit göttlichem leben
seinen busen, damit er vor allen sterblichen menschen
heute der glücklichste sei.
Göthe 40, 358.


der acc. kann auch die seele, den geist bezeichnen:

(die fröhlichkeit) füllt die lebensgeister
mit ungemeiner lust.
Picander ernstsch. ged. (1727) 130.

in den vier letzten stellen könnte übrigens auch erfüllen stehn.
d) zur speise oder doch wie zur speise dienendes,
α) in dessen leeres inneres etwas anderes als besondere speise hineingethan wird. hier ist schon mhd. füllen küchenausdruck, und das frauenzimmerlex. von Amaranthes (1715) 590 erklärt füllen heisst ausgenommene tauben, lammes- und kälberbrüste, truthähne, ausgehölerte krauthäupte mit allerhand guten füllsal von milch, semmel, eyern, petersilie, muscatenblumen u. d. g. innwendig ausstopffen und unterfüllen. mit bloszem acc. gesetzt: mhd. nim einen leufel (löffel) und fülle dën teic (der zusammengefaltet wird) und teil ëʒ. von guter speise 43. nhd. eine gans füllen, kräpfel füllen. gefüllte ayer. Henisch 1286, 34; gefult semel. Tegernseer kochbüchlein in Pfeiffers Germ. 9, 21;

(die köchin) würget zwey hüner an der stet,
füllet die und steckt sie an den spiesz.
H. Sachs II (1591). 4, 81c.

neben dem acc. mit einer praep.: porcellus trojanus, ein gebraten färlein mit vögeln gefüllet. Golius onomast. 344 (1579 sp. 342), s. färlein. eine gans mit kastanien füllen; kräpfeln mit eingemachtem füllen. auch nimmt man die grossen gesottenen erdschwämme (champignons), kehret sie um, füllet sie mit einer von fleisch oder fisch wohl gewürtzten gefülsel. küch- u. kellerdictionar. 209b;

(das vöglein) brächte mir von ihr gefüllte
speisen, nicht mit salm gefüllt,
eine feil und eine pfrieme
wäre drinnen wol verhüllt.
Herder z. sch. lit. u. k. 8, 224.

fügung mit dem gen. scheint hier nicht vorzukommen, ist aber möglich.
β) das erst durch hineinthun von klein gehacktem oder geschnittenem zur speise wird. pasteten füllen; wurst füllen, durch füllen oder stopfen eine wurst machen: etlich stoszen die finger in das maul mit der speis als wolten sie würst füllen. Keisersberg narrensch. 50a; füll die wurst. Scheit grobianus L 4b am rande. wurst ist ein mit gehackten fleisch und untermengten gewürtz gefüllter darm. Amaranthes frauenzimmerlex. 2137.
e) einen gegenstand, der eine flüssigkeit einsaugt dasz er von derselben voll wird. mit bloszem acc.: einen schwamm füllen. neben diesem mit einer praep. zur angabe dessen, was in das durch den acc. bezeichnete gefüllt wird: und bald lieff einer unter jnen, nam einen schwam und füllet jn mit essig und steckt jn auff ein rhor und trencket jn (Jesum am kreuze). Matth. 27, 48, vgl. Marc. 15, 36 u. Joh. 19, 29. ahd. aber wird hier wieder mit gen. gefügt, wo wir jetzt die praep. verwenden: inti sliumo (schleunig) liof ein von in, intfangana spunga (acceptam spongiam) fulta sia eʒʒihes inti sazta anân rôra inti gab imo trinkan. Tat. 208, 1. eben so im goth. nam svamm fulljands akêtis.
f) einen nach mehreren seiten offenen beengten raum. mit bloszem acc. und auch neben diesem mit einer praep., welche beifügt, womit gefüllt wird. die lücke in der mauer ist gefüllt; er hat die lücken in dem zaune mit dornen gefüllt. auch in allgemeinerer anwendung:

wie war der blick? die stellung? mien und ton?
und hieraus füllt ich manche lücke schon.
Göckingk 2, 184.

eine fensteröfnung in der mauer mit steinen füllen.
g) einen offenen weiten, selbst unbegrenzten raum, der im innern oder überhaupt mit oder von etwas voll wird. mit bloszem acc., bildlich: ich habe meinen vorsatz einer entgegenreise

[Bd. 4, Sp. 502]


wieder aufgegeben, um dir heute noch an das herz zu stürzen und deinen himmel auszuschöpfen und meinen zu füllen. J. Paul Titan 5, 65. neben dem acc. mit einer praep.: wenn der winter das thal mit schnee füllte. Thümmel Wilh. 19;

du (gott) füllest die felder
mit weizen und klee.
Brockes 5 (1737), 115;

sie (die nachtigall) lässet tag und nacht, zu ihres schöpfers ehren,
viel tausend süsse lieder hören,
womit sie feld und wald, luft, herz und ohren füllt. 24;

es (das ros) schüttelt seinen nacken, stolz und kühn,
mit lautem wiehern füllts die aun.
Gries Tassos befr. J. 9, 75;

er (Buttler) thät sich basz hervor,
thät die welt mit seinem kriegsruhm füllen.
Schiller 324a.

in den vier letzten stellen könnte eben so gut erfüllen stehn.
ahd. mit gen. statt der beifügung mit einer praep.: unde fullên sie dën himel unserrô nëfôn. Mart. Cap. 83. nhd. aber ist diese fügung erloschen.
Bei diesen verbindungen aber, namentlich denen unter a) —e), bleibt es nur zu oft unbestimmt, ob der durch den acc. bezeichnete gegenstand ganz oder nur zum theil voll wird, deshalb findet sich in jenem falle zu füllen noch voll gesetzt:

ob du dann von der ersten kost
dein bauch so voll gefüllet host,
dasz er sich bläht und dehnet ausz,
dasz man wol mächt ein trummen drausz.
Scheit grobianus M ja;

wil gehn mein fläschlein füllen vol
und richten mich auff die abfahrt.
H. Sachs III (1588). 1, 178a;

und sie kamen und fülleten (mit den gefangenen fischen) beide schiff vol, also, das sie suncken. Luc. 5, 7. die wege werden mit groszen steinen vollgefüllet, zugefüllt. Stieler 2391. oder es wird zu füllen eine andere, ähnliche bestimmung, wie voll, gefügt: Jhesus spricht zu jnen: füllet die wasserkrüge mit wasser. und sie fülleten sie bis oben an. Joh. 2, 7;

und diesen tummler füllte sie (Dido)
bis oben an.
Blumauer Aeneis 1, 43.


2) einen gegenstand dadurch voll machen, dasz er von dem, das auf denselben gethan werden oder kommen soll, bedeckt wird. blosz mit acc. ohne weitere beifügung: er schrieb seine beobachtungen nieder und füllte mehrere bogen.

mein Gret, spin fluchsz und losz dir schlaunen,
fül dein spindel.
H. Sachs III (1588). 3, 5c.

mit beigesetztem voll:

bis ich zum vierdten mahl den bogen voll gefüllt.
Picander ernstscherzh. ged. (1727) 519.

neben dem acc. noch mit einer praep. zur. beifügung dessen, womit gefüllt wird: und (Josia) zubrach die seulen und ausrottet die hayne und füllet jre stete mit menschen knochen. 2 kön. 23, 14;

soll ich denn nicht ein blatt mit einem reime füllen?
Picander ernstscherzh. ged. (1727) s. 73;

der du (der herbst ist angeredet) ...
von wachteln, krammetsvögeln, lerchen uns tische, küch und keller füllst,
mit süszem wein und fettem mastvieh, mit lust so durst als hunger stillst.
Brockes 9, 391.

ein buch, eine schrift u. dgl. füllen, sie im innern bedeckt oder voll machen: (Tasso und Ariosto) füllten ihre werke mit zaubereien und gesichten. Voss Homers leben (Leipz. 1776 s. 86; meinen almanach mit so vollkommenen stücken, als möglich, zu füllen. br. 2, 97.
3) durch hinthun einnehmen machen und so ausfüllen. neben dem acc. mit praep.: man soll nie sagen, ich füllte die wichtigen posten mit meinen verwandten. Klinger 5, 183.
4) in etwas thun, oder in etwas kommen machen, um dieses voll zu machen. blosz mit acc.: bier, brantwein, wein, essich füllen, in fässer, krüge, flaschen. vgl. DWB füllbuch. aber bier füllen heiszt noch besonders: neugebrautes bier aus dem gährböttich in fässer bringen. vgl. füllager. neben dem acc. zugleich mit einer praep., um namentlich beizufügen, worein, woraus, wovon gefüllt wird. so allgemein in einem der hunger überschriebenen sinngedicht:

mir ist ein gast bekant, der dringt durch freches plagen,
dasz ihn sein frommer wirth soll ausz dem hause jagen:
wann dieser es nicht thut, ist jener nimmer stille,
bisz dasz man gast und wirth in eine grube vülle.
Logau 3, 243, 93.

speise in den bauch, in den magen füllen:

und lasz dem bauch sein reohten gang,
dasz er sich ausstreck, breit und lang,
und gten raum hab nach seim willen,
dasz du vil speisz darein mögst füllen.
Scheit grobianus C ija.

[Bd. 4, Sp. 503]


federn in ein küssen füllen. zumeist aber von einer flüssigkeit, die durch den acc. bezeichnet wird: wein in schläuche füllen; wasser in die flasche füllen. zu Gieszen füllt man am ostersonntage vor sonnenaufgang in der Lahn stillschweigends wasser in flaschen, indem ihre öffnungen stromabwärts in dasselbe, dem man da eine besondere heilkraft zuschreibt, gehalten werden. most in das fasz füllen; mehrere masz bier aus dem fasse füllen; wein aus dem fasse füllen. dieses füllen nun geschieht bei flüssigkeiten hauptsächlich mit hilfe eines trichters, aber auch oft zugleich eines trag- oder schöpfgefäszes, mit welchem in jenen trichter oder überhaupt eingeschüttet wird. im gedanken an dieses schöpfgefäsz und das einschütten findet sich dann füllen auch in dem sinne von »schöpfen« verwendet: aus einem gefäsze füllen, daraus nehmen, schöpfen, um es in ein andres zu füllen. vgl. Campe 2, 194b. fluszwasser in einen bottich füllen, in denselben schöpfen. in weiterer anwendung, indem sich zugleich der begrif des einnehmens verbindet:

ich
bins, in dem die schöpfung sich
punctet, der in alles quillt
und der alles in sich füllt!
Herder z. sch. l. u. k. 16, 146 (4, 108);

ich gut geschöpf, ich fülle
gern frohe laune, wenn ich kann.
Göckingk 1, 149.


5) im innern vollenden, innerhalb des umrisses oder der einfassung ausfüllen. neben dem acc. mit einer praep., um beizufügen, womit das durch jenen ausgedrückte vollendet wird. ein bild mit farben füllen, es nach dem entwurfe, nach dem umrisse mit farben ausmalen, es illuminieren. so mhd. in einer schönen, von Jacob Grimm aufgezeichneten stelle: als dâ ein mâlære ein guot bilde entworfen hiete, unde daʒ dannoch niht gevüllet ist mit varwe daʒ man ëʒ wol gesëhen muge, alsô was die menscheit entworfen in dër gotheit: si was aber niht gevüllet mit dem vleische, daʒ man sî wol gesëhen und erkennen mohte. myst. 1, 398. ähnlichen sinn wird das wort auch in folgender stelle haben, in welcher es von dem wapen im schilde Roymunts, einem eine krone auf dem kopfe tragenden leoparden in blauem felde heiszt:

von lâʒûre und von golde
was ëʒ harte rîche
gefüllet meisterlîche. Wig. 3914 (103, 10).

nhd. noch eine stickerei füllen, auf stramin, nachdem das muster gestickt ist, die leer gebliebenen stellen oder räume mit stichen von éiner farbe ausfüllen. das mädchen hat den gestickten teppich schwarz gefüllt.
6) voll machen dasz die gesammtheit da ist, voll machen dasz nichts fehlt, vollständig machen:

viermal füllete Luna den mond mit verbundenen hörnern,
viermal löste sie wieder gemach abnehmend den vollmond.
Voss Ovid nr. 33, 28 (metamorph. 7, 530).

vgl. DWB fülle I 1). dann: vollzählig machen, ergänzen. die fändlein füllen, in caesorum numerum supplere militares copias. Henisch 1285, 45.

spricht unterwegs, die zahl zu füllen,
zwölf paternoster noch im stillen.
Schiller 68b.

von der zeit:

wenn du stirbst und das masz der lebenstage gefüllt hast.
Voss,

d. h. deine lebenstage vollzählig sind, du am ziele deines lebens bist. ähnlich steht schon ahd. fullan von der zeit ausgesagt, in der bedeutung vollenden, vollbringen: Elîsabêth wârlîhho ward gifullit zît zi bëranne, inti gibar irâ sun. Tat. 4, 9; gifultên tagon mit thiu siê heim wurbun. 12, 2. anders dagegen, als das masz der lebenstage füllen, sind die eigentlich auf biblischem ausdrucke (Luc. 6, 38) beruhenden das masz der schande füllen, das masz der strafe füllen zu fassen, s. sp. 496 unten.
7) dadurch, dasz vollauf da ist, zufriedenstellen, gleichsam sättigen. diese bedeutung zeigt sich nur in der redensart seine augen nicht füllen können, trotzdem, dasz vollauf da ist, nicht zufriedengestellt werden können, und immer nach mehr sehen:

wer seine augen nit kan füllen,
sein geitz settigen oder stillen
und all zuviele thut begeren.
B. Waldis Esop 2, 15, 17.

heute noch sagt man im gemeinen leben von einem, der sich mehr speise nimmt als ihm aufzuessen möglich ist: er kann die augen nicht füllen, und sprichwörtlich heiszt es man füllet einem jeden ehe seinen bauch, als seine augen. Henisch 1287, 7. ferner: das herz und die augen kan niemand füllen, ohn gott allein. 1285, 58.
einen andern sinn hat die augen füllen nachher unter 12).

[Bd. 4, Sp. 504]



8) dadurch, dasz genüge gethan wird, vollständig befriedigen oder befolgen, gleichsam durch thun voll machen, zur that machen, erfüllen. ahd. ni curet wânen, thaʒ ih quâmi êwa zi lôsenne odo wîʒagon, ni quam ih zi lôsenne, ûʒouh zi fullenne. Tat. 25, 4;

folgên wir, in wara,Moysesis lêra,
fullen wiʒʒôd sînan.
O. III, 20, 134;

gotes thëganon,
thie arabeiti thultun,ioh sînan willon fultun. V, 23, 192.

nhd. sie wäre mit mir glücklicher geworden, als mit ihm. o er ist nicht der mensch, die wünsche dieses herzens alle zu füllen. Göthe 16, 115. von sachen ausgesagt hat das wort überhaupt den sinn von »befriedigen«:

ein handt voll gersten mir lieber wär (spricht der eine perle findende haushahn),
damit ich möcht den hunger stillen,
der sich nicht leszt mit perlen füllen.
B. Waldis Esop 1, 1, 30.

es ist nichts ärmers, denn der bettel, den kann man nicht füllen. Henisch 1287, 3.

was hilft dem Tzafer gold und geld!
es kan doch sein begehr nicht füllen
und weder durst noch hunger stillen.
Olearius pers. rosenth. 3, 18, vgl. begehr.


9) bewirken voll zu machen, die ursache oder veranlassung sein voll zu machen. mit bloszem acc. in der alten bauernregel

mai kühl,
juni nasz
füllt scheuer und fasz

oder wie es in den solothurnischen dörfern Grenchen, Bettlach und Selzach lautet

der meie chüel,
der brochmonet nasz
füllt spîcher und fasz.
Schild d. groszätti 104, 47.

neben dem acc. zugleich mit einer beifügung durch eine praep.: ahd. leidege musae lêrent mih scrîben ... unde fullent sie mîniu ougen mit ërnestlîchên drânen. N. Boeth. 4. nhd. die herrlichen nuszbäume, die mich, gott weisz, immer mit dem gröszten seelenvergnügen füllten! Göthe 16, 123;

füllest wieder busch und thal
still mit nebelglanz. 1, 111, an den mond;

der du (friede) von dem himmel bist, ...
den der doppelt elend ist,
doppelt mit erquickung füllest. 109;

war es ein gott, der diese zeichen schrieb,
die mir das innere toben stillen,
das arme herz mit freuden füllen. 12, 32;

des leichnams anblick füllte mich mit grauen.
Gotter 2, 224;

kein mund, um den das lächeln schwebet
und keine brust
mit dünnem silberflor umwebet
füllt mich mich lust!
Hölty (1804) 148. Götting. musenalm. 1773 s. 31;

— ich weisz nicht, welche festlichkeit die stadt
mit fremden füllt, dasz kein karvanserai
mich aufnahm.
Schiller 583b;

wahrlich, es füllt mit wonne das herz, dem gesange zu horchen,
ahmt ein sänger, wie der (Voss ist gemeint), töne des alterthums
nach. xen. nr. 129;

ihr (der winde) blasen füllt die luft mit staube,
mit dünsten, sand und dürrem laube.
Lichtwer 2, 21 str. 4.

in allen diesen nhd. stellen könnte eben so wol erfüllen stehn, über dessen unterscheidung von füllen s. unter der folgenden bedeutung. fleisziges spinnen füllt die kasten mit leinwand. das neue lustspiel füllte das haus. hierher gehört auch das sprichwörtliche

allzeit voll und selten wahn (leer, nüchtern)
das leeret den seckel und füllt den mann.
Henisch 1286, 65.


10) durch hinkommen voll machen, durch hineinkommen voll machen. mit bloszem acc.: mhd.

daʒ waʒʒer flôʒ uber al,iʒ fulte bërg unde tal,
dei gebirge dô sunchen:dei lûte elliu ertrunchen. Genesis 27, 28.

nhd. der stein aber, der das bilde schlug, ward ein grosser berg, das er die gantze welt füllete. Dan. 2, 35; und werden jre flügel ausbreiten, das sie dein land, o Immanuel, füllen, so weit es ist. Jes. 8, 8; die kaufleute zu Zidon, die durchs meer zogen, fülleten dich (das land). 23, 2; da bedeckt eine wolke die hütte des stifts, und die herrligkeit des herrn füllet die wonung. 2 Mos. 40, 34; meinstu, das sich jemand so heimlich verbergen könne, das ich jn nicht sehe? spricht

[Bd. 4, Sp. 505]


der herr. bin ichs nicht, der himel und erden füllet, spricht der herr? Jer. 23, 24; des jars ... sahe ich den herrn sitzen auf eim hohen und erhaben stuel und sein saum füllet den tempel. Jes. 6, 1;

deiner glieder schwache kraft wird des glaubens stärke füllen.
Günther 849;

aus ihrem (der erdbeere) saftgen cörper steiget
nicht nur ein biesam gleicher duft
und füllet die verdünnte luft.
Brockes 1 (1737), 97;

die stille, die hier überall so feld als wald bedeckt und füllt. 7, 299;

wenn todtenstille
den äther füllt.
Gotter 1, 224;

wo tanzt sie nun ein labyrinth? wo füllt
ihr lied den hain?
Chr. E. Kleist ged. (1756) 128;

der sterbenden geschrei füllt mein erschrocknes ohr.
C. F. Weisze trauersp. 1, 98;

bald brüllte sie laut, dasz ihr geschrei
ringsum die hügel und thäler füllte.
Wieland 18, 265;

verdienen nicht die götter selbst den weihrauch
der ihre tempel füllt, durch alles gute
das sie der erde thun? 26, 170;

(wenn) der hörer lärm, der bässe rauschen
die halle füllt.
Gotter 1, 154;

die ganze stadt füllt das gerüchte
am morgen gleich. 157;

ihr (Electras) ruhm füllt Griechenland. 2, 38;

er hüpft daher auf schwanken ästen,
der lenz, in blüten eingehüllt,
um den ein schwarm von leichten westen
der bäume wipfel säuselnd füllt.
Gerstenberg verm. schriften 2, 196;

trieb zum leben wird so gut
einen hirsch als dichter füllen.
Göckingk 3, 55;

hier, wie aus der traube, quillet
geist und leben, frisch und rein,
leben das den hirten füllet,
das den durst der heerde stillet.
Bürger 27b;

sie (Liane) wird nur ... von der gegenwart so gänzlich gefasset und gefüllt. J. Paul Titan 3, 26; so bald der speer der schrecklichen Minerva seine rechte füllte. Ramler (bei Campe);

ein haus, ein landgut kann der kleinen habsucht stillen,
da städt und länder kaum der groszen griffe füllen.
Hagedorn (1764) 1, 38;

diese art, den grund von unkraut rein und feucht zu erhalten, und die trauben im schatten reifen zu lassen, giebt dem maderawein jenen vortreflichen geschmack und die eigenschaft den mund recht zu füllen (corps), welche ihm so eigenthümlich ist. J. Reinh. Forsters reise um die welt (1778) 1, 20; blut, sag ich dir, wird deine ganze seele füllen. Schiller 127a;

und freud und hoheit füllete die seele.
Herder z. phil. u. gesch. ...;

was mir noch jetzt die ganze seele füllt,
es waren die gestalten jener welt ...
Göthe 9, 134 (Tasso 2, 1);

da steht mein Franklin, wie die stille
der grösze, die sein leben füllt!
Tiedge episteln 113;

und der rinder
breitgestirnte, glatte schaaren
kommen brüllend,
die gewohnten ställe füllend.
Schiller 79a;


sprichwörtlich: gesang füllet die ohren, nicht den magen. Henisch 1286, 67; schöne wort füllen den sack nicht, peculium rei non verbis augetur. 1285, 55.
mit auslassung dessen, was füllt, insofern sich dieses von selbst versteht: umschlinget euch fest, ihr glücklichen, drückt eure gefüllten herzen bis zum thränenerpressen an einander. J. Paul Hesp. 1, 248.
Überall könnte in diesen stellen auch erfüllen stehn, ja dieses ist selbst hier der heutigen sprache geläufiger, als das einfache füllen. genau genommen aber erscheint erfüllen meist bezeichnender, denn durch sein er- = aus (3, 693) drückt es so viel als »in allen theilen füllen, gänzlich füllen« aus.
dagegen würde, wenn gesagt werden soll, dasz der reichliche genusz von speise voll macht, nur in der früheren nhd. sprache für füllen auch erfüllen zulässig sein. so z. b. in folgenden stellen:

ich hab wenst und magen,
flaisch und auch würst,
als ain rechter fürst
das fült uns den leip. fastnachtsp. 619, 2;

die speise füllet den vielfrasz. Schuppius 406. heute wäre hier erfüllen für füllen unerträglich.
An diese bedeutung von füllen aber schlieszt sich eng die folgende und mischt sich selbst nicht selten mit ihr.

[Bd. 4, Sp. 506]



11) durch darinsein oder daraufsein voll machen, dem ganzen raume nach einnehmen:

manch frommer sohn erblaszt und füllet sarg und baare.
Gottsched ged. 2, 611;

der harnisch zieht die wand (hängt an ihr),
der degen füllt die scheide (steckt in ihr).
Günther 906;

disz fordert klugen ernst an statt der schönen grillen,
die um der jahre lenz mund, ohr und auge füllen. 793;

Krach nimmt den ganzen rest der pfeifen in die hand
und schleudert wie ein Zevs, sie krachend an die wand,
dasz der zerbrochne thon fast alle winkel füllte.
Zachariä d. renommist 1, 314;

selbst die perücke wächst, die erst ihr haupt umhüllt,
und wird zu rauhem haar, das ihren nacken füllt. dessen verwandl. 3, 98;

suche nicht den strom zu hemmen,
der so lang sein bett nur füllt,
bis er zornig vor den dämmen
zum vertilgungsmeer entschwillt.
Bürger 45a;

und Phryne wisse wohl, wer ihr die arme füllt.
L. H. v. Nicolay verm. ged. (1778) 1, 226;

bei diesem muttergottesbild,
bei diesem Jesuskinde,
das ihre mutterarme füllt,
schwör ichs dir, o Belinde!
Hölty (1804) 41;

nur das fenster füllen
blümchen roth und weisz,
aufgeblüht aus eis. 173 (winterlied);

der hauptmann schien vor ihr zu stehen. er füllte noch das haus, er belebte noch die spaziergänge und er sollte fort, das alles sollte leer werden. Göthe 17, 129 = war überall im hause gegenwärtig, ein überall gern gesehener gesellschafter; die reichhaltigen tagebücher seiner reisen füllen allein sechs starke quartbände. G. Forster Cooks entdeckungsreise (Berl. 1787) 1, 20. der aufsatz füllte mehrere bogen.
einen sitz füllen, ihn ganz einnehmen, ihn bleibend haben: Helfrich. ich will die stelle füllen (die stelle in der spielgesellschaft einnehmen), so mein undergebener leer gelassen (setzet sich an Modesti platz). ped. schulfuchs 145; bei dem erhabenen propheten, dessen sitz du füllst (= dessen nachfolger du bist). Klinger 5, 234.
mit auslassung dessen, was füllt, insofern sich dieses von selbst versteht: das haus war (bei aufführung der natürlichen tochter) nicht drückend voll, aber doch gefüllt und alle logen und sitzplätze besetzt. Zelter an Göthe 1, 92; nichts ist mir — hob er endlich mit gefüllten augenhöhlen und lächelnden zügen an — weiter passiert, als dasz ich ein narr geworden. J. Paul Hesp. 2, 6, vgl. s. 7 sein gutes auge stand voll wasser.
12) völlig für sich einnehmen. diesen sinn aber hat das wort nur in der redensart das auge füllen oder die augen füllen, welche zunächst so viel ist als die augen so einnehmen dasz sie nichts anderes sehen als das, was sie einnimmt, und zwar mit vollem wolgefallen:

also ein sönderliche gab (spricht gott zum pfauen)
ich dir im anfang geben hab,
das du geziert mit feddern bist
so herrlich, als kein vogel ist,
und machst damit ein schönes rat,
die gnad dir got gegeben hat,
und füllst die augen.die nachtgall
erfüllt die ohrn mit jhrem schall.
Alberus (1550) s. 151, fab. 31

da man den smaragd nur seines lieblichen anblicks wegen suchte, seiner farbe wegen, welche das auge so angenehm füllet, ohne es zu sättigen. Lessing 8, 75. überhaupt das auge haften machen, es fesseln:

nicht durchlief ihr (der Pallas) blick die reihen der schiffe, der zelte,
spähete nicht im gewimmel herum des geschäftigen lagers,
meerwärts wandte die göttliche sich, der Sigeische hügel
füllt' ihr das auge, sie sah den rüstigen Peleionen.
Göthe 40, 359.


dann: durch äuszerliches, das in die augen fällt und ansehen gibt, dieselben völlig oder ungetheilt auf sich oder etwas ziehen: gott der herr hat vornemlich fürsten und herren und der lieben obrigkeit das gold und andere köstliche sachen verliehen, damit er dem gemeinen mann die augen füllen und seinen statthaltern ein majestätisches ansehen machen möchte. Scriver goldpredigten 25; der gemeine mann will die augen gern gefüllet haben. 114. im besondern wird hier die redensart gesetzt, wenn das ansehen nur ein scheinbares ist: und wenn auch mancher gleich von auszen mit seiner stolzheit und übermässigen pracherey jedermänniglichen die augen füllet, so ist er doch innerlich beängstet. Butschky kanzl. 469. endlich neigt die redensart zu dem übeln sinne: die augen durch äuszeren schein

[Bd. 4, Sp. 507]


völlig auf sich ziehen, einnehmen und blenden oder teuschen. so schon mhd. oder vielmehr mitteld., wenn es heiszt dër ougen gesiht vüllen:

zumâle was sîn (des heiligen Bernhard) vlîʒ geleit
an daʒ innere gewant,
dâ mit man zu tugende lant
sal êrlîchen wandern.
die ûʒern kleit, die andern,
dâ mite man dën lûten mûʒ
durch valschen wêrltlîchen grûʒ
vullen dër ougen gesicht,
dar ûf achte ër nichtesnicht. pass. K. 402, 1.

nhd. vgl. DWB augenfülle, DWB augenfüllig.
13) mit einem besatz oder unterfutter versehen, füttern. mit bloszem acc.: mhd.

(das panël = sattelküssen war) gefüllet prîslîchen wol,
linde sam ein boumwol. Erec 7701.

nhd. nimpt etliche hembder, zwey par hosen und den gefüllten (= gefütterten) rock. Wickram rollw. 14 (Kurz 181, 17). neben dem acc. mit praep., um beizufügen, womit oder wovon der besatz oder das unterfutter ist: mhd.

und gewin mir im bezîte
vome besten samîte
cleider diu im rëht sîn
und wol gevült mit hermelîn. gute frau 2722;

dar zuo seit uns daʒ mære,
dër sëlbe phelle (feines seidenzeug) wære
ingrüener danne ein meiesch gras,
und da mite ër gevüllet (= gefüttert) was,
daʒ was sô rëhte wîʒ hermîn
daʒ ëʒ niht wîʒer kunde sîn. Trist. 2548 (65, 30);

dâ stêt êin harte schœneʒ gezëlt
von samît rôt unde blâ.
mit golde ist ëʒ ëteswâ
gefüllet (= besetzt) vil meisterlîche. Wig. 2678 (72, 14).


II. reflexiv: sich füllen, welches folgende bedeutungen hat:
1) im innern durch hineinthun oder hineinkommenmachen voll werden. vgl. DWB I 1).
a) von einem gefäsze, einem behälter, einem gerät gesagt. nur zugegossen, das glas füllt sich schon; der in den sauerbrunnen eingetauchte krug füllt sich mit sauerwasser; der eimer füllt sich, wogegen transitives füllen in

der (wassereimer) liesz sich füllen, liesz sich leeren, mir
nichts, dir nichts.
Lessing 2, 263 (Nath. 3, 2).

sie begannen, die kiste zu packen, die füllt sich bereits.
b) von einer räumlichkeit, einem gebäude oder einem theile desselben, einem keller, einer höle, einer grube u. dgl.: bei der überaus reichen kartoffelernte füllen sich die keller.
c) durch übermäsziges essen und trinken oder blosz übermasz im essen oder übermasz im trinken voll werden, speise und trank oder blosz eines von beiden im übermasze genieszen: »gurgito, ingurgito, ich fül mich. ingurgitat se potu cibisque, er friszt und seufft sich voll«. Alberus dict. ee 4a; wer seind die, sprichst du, die der teüffel lebendig vergrebet? es seind die freszigen, die sust kein ander fröid haben, denn das sye sich tag unnd nacht füllen eben wie ein k. was ist trunckenheit anders, denn ein vergrabung der vernunfft. Keisersberg post. 4, 41a. dieses sich füllen wie eine kuh ist volksübliche redensart für sich dickvoll fressen und saufen, sich dickvoll saufen. vom bloszen saufen nachher sp. 508 einige stellen. vgl. auch DWB kuh.

wenn ander brassen und sich füllen,
so hat er gar kein pfenning nicht.
H. Sachs III (1588). 3, 13c;

wer sich vil fült, als man offt thut,
das schadet seel, eer, leib und gut.
Schwarzenberg 144, 2.


ausdrücklich vom übermäszigen essen wird sich füllen gesetzt in:

der über disch alleyn sich kennt
und dar uff legt arbeyt und flysz,
dasz er alleyn essz alle spysz
und er alleyn mög füllen sich
und andern nit göndt auch des glich,
die selben heisz ich Rum den hag,
Lærs kärly (leere das gefäsz), Schmirwanst, Füll den mag,
das ist eyn böser massz genosz
und würt geheissen wol eyn frosz.
Brant narrensch. Z. 110a, 67;

du hast dich gleich als gern gefullt als wir. fastnachtsp. 788, 12;

wann du gewesen bist zu gast
und dich sehr wol gefüllet hast,
so sag dem herren nimmer danck,
das halt ich für ein gten schwank.
Scheit grobianus S iijb.

stärker als sich füllen ist hier sich ausfüllen: er war bei den gästen und füllte sich aus;

füll dich aus mit diesem essen,
dann wird dich der teufel fressen.
Schottelius 989.

[Bd. 4, Sp. 508]



am meisten aber steht sich füllen in dem engern sinne: geistiges getränke übermäszig trinken, sich toll und voll trinken: da betet er die vigilg selb viert, sitzt darnach, füllt sich bisz mitternacht dasz man in haim fren msz: am morgen sicht er wie ain abgestochner kalbskopf. Schade sat. u. pasqu. 2, 139, 20 f. sich füllen, sauffen, voll werden. Maaler 145d.

ich drinck mir selbs, keym andern z,
wer sich gern fült, der ist eyn k.
Brant narrensch. Z. 110a, 118;

ey halt dein maul du voller narr!
ist das dein grosse frewd, das (dasz) du
dich füllest wie ein treberkuh,
den wein unmessig in dich schüttest,
dardurch sinn und vernunft zerrüttest,
ligst ohn vernunft recht wie ein viech
gantz unsinnig frey willigklich.
H. Sachs I (1590), 168b;

ir frawen, ich hab ein weinschlauch,
alle wirtshäuser er auszschleuft,
darinn er schlemmet, friszt und seuft
und trinckt gantze und halbe zu
und füllt sich wie ein treber ku. 391c;

oder gehn zu dem wein,
sich füllen wie die schwein
die gantz wochen durchausz. 399c;

als denn sich füllen wider,
darauf sich legen nider. ebenda.

auch mit praep., um ausdrücklich beizufügen, welches geistige getränk im übermasze genossen wird: wir wöllen uns mit dem besten wein und salben füllen. weish. Sal. 2, 7; sprichwörtlich wer sich steths mit wein füllet, der ist gleich dem, der auf dem meer einschlaft. Henisch 1287, 13.
2) dadurch voll werden, dasz sich das, was dem innern entnommen ist, wieder ergänzt:

beide nun sehn, dasz, wie oft sie erschöpfeten, immer der mischkrug
wieder von selbst sich füllt und der wein freiwillig heranwächst.
Voss Ovid nr. 37, 130.


3) sich zum vollwerden ergänzen, sich vermehren dasz ein vollwerden entsteht: unterdessen füllt sich die gesellschaft (= vermehrt sich die gesellschaft, dasz sie vollzählig oder dasz es voll wird). Göthe 16, 104;

dann füllt sich das bier in den krügen. 1, 228.


blumen füllen sich, wenn durch veredlung die blätter der blüte so sich vermehren, dasz diese viel stärker ist und voll erscheint. gefüllte blumen oder, wie sie im gemeinen leben heiszen, doppelte blumen (2, 1260. 1273) sind den einfachen (3, 168), d. h. den in hinsicht der zahl ihrer blütenblätter unveredelten, entgegengesetzt. ein jedes geschlecht (der grasblumen) mit seiner art unnd farben ..., gefüllt unnd nit gefüllt. Bock kräuterb. (1565) 214a; diese graszblumen seynd vieler farben ..., gefüllt unnd ungefüllt. A. Lonicerus kräuterb. 217b;

wo um besonnte lauben
gefüllte veilchen blühn.
Göthe 1, 126.

diese bedeutung von sich füllen scheint sich auch bei dem subst. fülle in folgender stelle zu zeigen oder doch wenigstens anzuklingen:

die dem Eros blüht, die rose,
sie gemischt zum Dionysos!
die mit fülle prangt, die rose.
Overbeck Anakreon nr. 5.


4) dadurch voll werden, dasz ein hin- oder zusammenkommen stattfindet:

der ruhge bürger greift zur wehr.
die straszen füllen sich, die hallen,
und würgerbanden ziehn umher.
Schiller 80a,

und es erschien der ersehnte lehrer. es füllte das haus (des herrn) sich.
rings in den bänken standen die reihen der hörer, es standen
männer und frauen gedrängt, des gesangs und der predigt gewärtig.
Kosegarten inselfahrt 2, 159.

oft wird durch die praep. mit oder von ausdrücklich zugefügt, wer hin- oder zusammenkommt:

von allen seiten strömt
das volk herbei, der schauplatz füllet sich
mit zeugen unsres siegs.
Wieland 26, 208;

überall füllte sich jetzt der park mit menschen. E. Wagner d. reis. maler 2, 71.
5) voll werden mit —. durch diese praep. mit wird hier das beigefügt, was in dem durch das subject ausgedrückten so entsteht dasz dieses davon voll wird:

es füllt die welt, auch bei dem frost, sich öfters mit so schönen bildern.
Brockes 7, 601;

ihre augen wollten sich mit thränen füllen. Jacob Grimm; wie ward ihm, als er den guten, ehrwürdigen alten dastehen

[Bd. 4, Sp. 509]


sah, die augen mit thränen gefüllt, und die vaterarme weit gegen ihn offen haltend! J. J. Engel Lor. Stark 409; von einer unbekannten sehnsucht schwoll ihm das herz, und seine augen füllten sich den Egyptern (zigeunern) gegenüber mit heiszen thränen. E. Wagner d. reis. maler 1, 311. aber auch blosz die augen füllen sich: das erwartete ich nicht! (stöhnte das mädchen schmerzlich hervor, und ihr auge füllte sich.) so früh — so auf einmal — wollen Sie Ihre — schülerin verlassen. E. Wagner d. reis. maler 2, 42.
die luft füllte sich mit staub; die vom gehn herrührende blase am fusze füllt sich mit wasser; das geschwür füllt sich mit eiter.
6) durchdrungen und so voll werden:

so sehn wir hier mit seufzendem verlangen
und füllen uns mit leerer einsamkeit.
wir wissen nichts vor unmuth anzufangen,
als dasz wir stets bereuen unser leid.
Fleming 103;

wieder mit freuden und seufzen füllete er sich durch ihr schauen. J. Paul Titan 2, 152.
in diesem sinne kann sich füllen durch ein adj. näher bestimmt sein:

wenn sich lau die lüfte füllen
um den grünumschränkten plan.
Göthe 12, 252.


Besondere anführung verdient
7) sich füllen = durch die handlung des vollmachens (füllens) werden oder in einen zustand kommen: bei einer schlechten wirthin geht der beste wirth von der welt zu grunde. da ist kein haltens. Er (herr Specht ist angeredet) füllt da in ein löcherichtes sieb: und wenn Er Sich auch zu schanden füllte, Er bringt in Ewigkeit nichts hinein. Engel Lor. Stark 34. sich müde füllen oder, wie man auch im gemeinen leben zu sagen pflegt, sich abfüllen, sich durch füllen müde arbeiten, bis zur ermüdung füllen, so lange füllen bis man vor müdigkeit kaum mehr kann. er hat sich an dem fasse müde gefüllt, an dem fasse abgefüllt.
III. intransitiv, doch nur scheinbar, denn der fehlende acc. läszt sich in gedanken ergänzen. es bedarf deshalb hier auch keiner angabe der bedeutungen, sondern genügt, auf die unter I hinzuweisen.
1)
a) s. I 1) a): auf das (dasz) er unaufhörlich und ubermüdt zäpft, schöpft, gewinn, hol, trag, ketsch, biet, stell, giesz, schenck, füll. Fischart Garg. (1608) M iiijb; er füllt (es ist das gebrachte glas gemeint) und reicht ihm zu. Lessing 1, 511;

(das mütterchen) herschte die gläser herbei ringsum und füllete wieder.
Voss Luise (1823) 3, 2, 124.

hier ist auch noch auf die unter α) angeführte stelle von Günther 909 zu verweisen, die sich dort bei die pfeife füllen der vollständigkeit wegen nicht trennen liesz.
b) im übermasze speise und trank oder auch blosz eins von beiden genieszen, schwelgen. s. DWB I 1) c) und II 1) c). dorumb die, die allein do gond schluncken schlahen, füllen, fressen und suffen, die seind kein nutz einer gemeynd. Keisersberg post. 2, 4a; die sechsten seind moraffen, die moren die tag und nacht ligen zefüllen, von einer fülle z der andern, bring mir das her, bring mir jens her, und gond umb wie ein denigerferlin, das schmacht im wol. dessen hell. lew (1517) 59c. vgl. DWB fülle 7). besonders aber wird das wort vom übermäszigen trinken geistiger getränke, vom betrinken gebraucht: alle tabern (schenken) waren voll hudeln (huren) und buben ..., kein zucht, die nacht zu dem tag gefüllt und ie lenger nach mitternacht ie pasz schmecket in der wein. Sigm. Meisterlin (1488) in den chroniken d. deutsch. städte 3, 146, 12, vgl. s. 427b, wo Lexer füllen hier mit unrecht durch »hinzufügen« erklärt.
2) s. I 4): hörst du nicht bald auf zu füllen? du füllst ja schon den ganzen tag.
3) vollständig befriedigen:

bedürfniss, wenns an seinem angel
auch die befriedigung leicht fängt,
ist armuth, denn es ist ein mangel,
der fest an unsrer ruhe hängt.
die dinge, die den mangel stillen, —
aus welchem reichthum wir auch füllen, —
die hängen minder fest daran.
Tiedge epist. 83;

nun frage ich: hat jemand, seitdem ich an den mängeln meiner vorältern (es ist der erbdurst d. h. der durst als erbstück eines die flasche liebenden gemeint) fülle, mich aus trunkenheit einen dummen streich machen sehen? E. Wagner die reisenden maler (Leipz. 1806) 1, 107. übrigens rührt in der letzten stelle die bedeutung an die vorhin bei 1) b) am ende besonders hervorgehobene.

[Bd. 4, Sp. 510]



Zum schlusse noch die zusammensetzungen, in welchen füllen zuletzt steht: abfüllen, anfüllen, auffüllen (zu dessen bedeutungen 1, 649 hinzuzufügen ist: in der schiffersprache »voll laden«. das brem. schif Louise ladet in Wampoa nach dem Canal wegen order und Singapore zum auffüllen an. Weserzeitung 1859. dasz das wort hier substantivisch steht, ändert natürlich für das verbum nichts), ausfüllen, durchfüllen, einfüllen, erfüllen, fortfüllen, herausfüllen, nachfüllen, überfüllen, umfüllen, verfüllen, vollfüllen, wegfüllen, zufüllen.
 
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füllen, ein füllen gebären: können die westwind in Linsebonerlandt gurren schwängern, dasz sie füllen. Fischart Garg. 132a = (1608) Q ijb. die stute hat gefüllet.
abgeleitet von fül, fülle, n., wie das verbum fohlen von fohle m. (3, 1868), und also nicht füllnen, wie Heynatz in seinem antibarbarus 1, 429 als eigentliche form aufstellen möchte.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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