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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
füllde bis füllein (Bd. 4, Sp. 484 bis 496)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) füllde, f., liesze sich nach mhd. füllede, vüllede, vullede, f., das erfülltsein von einem wesen oder einem gegenstande (Eckhart 187, 1. 23. 31), die zukommende vollständigkeit, das die vollständigkeit übersteigende masz, die fülle (Leyser pred. 26, 36), im nhd. erwarten, kommt aber nirgends vor. auch findet sich neben füllede noch bei Eckhart 301, 9 ein vollide f., welches im nhd., wenn es nicht ebenfalls erloschen wäre, zu völlde geworden und völle neben fülle zu vergleichen sein würde. die ahd. form von füllede ist fullida und steht Tat. 67, 49 in der bedeutung erfüllung, ende, consummatio (in fullidu wëroltî, in consummatione seculi. Matth. 13, 49), 56, 7 (= Marc. 2, 21) aber in dem sinne von ergänzung, einfügung, aufgenähter lappen, supplementum. abgeleitet ist sie mittelst der endung -ida nhd. -de (s. d.) von fullan unserm nhd. füllen, von welchem auch, aber durch eine andere ableitungssilbe füllet f. sich bildete. s. DWB füllet, DWB füllot.
 
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fülle, m., neben und für fülle f., in schwacher biegung: wan sein churf. gn. gehn Rommerszdorf selb dritt kommen, mit einem knecht und wepelinck, soll man ihnnen geben convents speisz und tranck und dessen die fülle (= genug), seinen pferdten gewonlich futter und desz den füllen, seinen hunden brodt und des den füllen. weisth. 1, 618. doch dürfte sich für die stellung als masc., die überdies nicht zu empfehlen ist, schwerlich ein weiterer beleg beibringen lassen.
 
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fülle, f. , aus zwei verschiedenen bildungen entstanden, die in der éinen form zusammenrinnen. das wort ist nemlich
I. von dem adj. voll, ahd. fol, goth. fulls, abgeleitet. ahd. fullî, mhd. vülle, fülle, mnd. vulle, ags. fyllo, altn. fylli, dän. fylde. die goth. form würde fullei sein, wie sich auch in ufarfullei überfülle (Luc. 6, 45) von dem zusammengesetzten ufarfulls zeigt. ein alts. fullî fehlt. aber ahd. findet sich neben fullî, durch dessendas ursprüngliche u bewahrt bleiben muste, noch ein fast geläufigeres follî, das trotz demdie brechung, wie wir sie in jenem ahd. adj. fol sehen, zuliesz oder vielmehr bestehn liesz und sich so auf das engste an dieses schlieszt. aus diesem follî muste dann nhd. die völle (s. d.) hervorgehn, wie aus fullî die fülle, und so sind beide wörter, völle und fülle eins. dasz in trennender schreibung bei diesem f und bei jenem v im anlaute steht, sollte nicht sein, und man würde besser, indem man das in der aussprache mit dem f völlig übereinstimmende v fallen liesze, fölle, aber auch dessen stammwort nicht mehr voll, sondern foll schreiben, wie man bereits früher nhd. oft geschrieben findet (3, 1885). doch diese änderung verstiesze zu sehr gegen den bei uns einmal geltenden gebrauch (3, 1210) und musz einer günstigern zeit vorbehalten bleiben.

[Bd. 4, Sp. 485]



Die bedeutungen sind:
1) das vollsein d. h. der zustand eines gegenstandes dasz er in der gesammtheit ist, die ihm zukommt. so ahd. follî:

thaʒ wiht thâr missihullithës lîchamen follî.
O. IV. 29, 48,

= dasz etwas (nemlich an dem gewobenen leibrocke Christi) da nicht passe zu des leibes vollständigkeit. eben so gut aber wie follî würde fullî stehn und ohne zweifel der vollmond als dës mânin fullî bezeichnet werden können, wie es denn auch nhd. heiszt wenn zumal der monde in der fülle ist und scheinet. Mathesius Sar. (1562) 33a = (1587) 23a.

und ich bin froh dasz ich den Danaern die fülle
vom frieden sagen kann.
Opitz 1, 229,

solidamque pacem laetus ad Danaos feram.
Seneca Troas 604.

dich ruft mit herz und hand dein vater, der dich liebt,
dich liebenswerthen sohn, dich, schmuck von seiner krone ...
dich ruft das mutterherz der holden königin,
der kronenwürdigsten erhabner königinnen,
dich der geschwister zahl, ein blut, ein geist, ein sinn,
durch deine gegenwart die fülle zu gewinnen.
Werlhof gedichte (Hannover 1749) s. 100.

Hierher gehört auch wol, indem fülle durch ganz verstärkt wird, denn in jm (Christo) wonet die gantze fülle der gottheit (πᾶν τὸ πλήρωμα τῆς θεότητος) leibhafftig. Col. 2, 9.
Danach steht fülle auch von der zeit, wenn diese zu etwas vollständig da ist. ahd. findet sich auch hier zwar sô plenitudo temporis (follî zîtis) chumet unde got sînen sun sendet (Notker ps. 31, 6), aber es kann eben so wol fullî zîtis stehn, wie denn auch in ausführung der stelle Gal. 4, 4, die hier angewandt wurde, aus dem beginne des mhd. wirklich vulle gesagt wird: dô diu vulle dës zîtis chom, dô sante got sînen sun geborn von einem wîbe. spec. eccles. 17, 11b. nhd. welchs (Christi blut) inn der fülle der zeit, zu vergebung, abwaschung oder reinigung aller welt sünde unnd missethat, solte ein mal, zu eim volkommen opffer vergossen ... werden. Mathesius Sar. (1562) 102b = (1587) 73a; welcher (gottes sohn) in der fülle der zeyt menschlich natur, one sünde und unordnung, an sich genomen. dessen Luther (1566) 95a;

der sohn hat in der füll der zeit
im fleische sich eräuget.
P. Gerhard 1, 3, s. eräugen;

dasz der versammelte himmel der zeiten fülle vernehme,
die er mit innigem, heiszem verlangen verlangte.
Klopstock Mess. 1, 181;

aber wir sind letzte. wir leben,
sind unsterblich durch dich und bleiben in jeder äone
durch der ewigkeit ganze fülle, so lange du gott bist,
gott, bei dir. 13, 741;

endlich erbarmt sich gott der sündigen welt. die fülle der zeit erscheint, ein gebot des römischen kaisers geht aus, Joseph und Maria kommen in Bethlehem an u. s. w. Göthe 45, 193.
2) die zukommende vollständigkeit in ausdehnung, in vielheit des inhaltes, in gehalt, grösze u. dgl., aber auch diese vollständigkeit noch mit darüber hinausgehendem. so in ahd. in (ihn, nemlich den schlag des herzens = das schlagende herz) fone në weiʒ wëlero fullî ersparten (ausgedehnt) unde irblahenen (strotzend). Mart. Cap. 124. nhd. fülle des körpers, stärke desselben in ausdehnung, wuchs: wie so viele leibliche und geistige fülle einem dreizehnjährigen kinde angehören könne. Thümmel reisen (1791) 2, 140. dies besonders im gegensatze zu einem schmächtigen körper:

so lagst du hingegossen, süszes leben,
so blicktest du auf, erhubst dich,
standst nun da, in schlanker fülle,
göttlich ruhig.
Hölderlin Hyperion (1797) 1, 90.

auszerdem läszt sich mit fülle des körpers auch überhaupt wolbeleibtheit bezeichnen. ähnlich ist fülle des busens die völlige oder auch überaus völlige körperliche ausdehnung desselben:

wann itzt im frühling muntrer jugend
ihr (des mädchens) busen in der fülle steht.
Uz (1768) 1, 110;

sah ihn mit ihren locken spielen,
in ihres busens fülle wühlen.
Wieland 18, 263;

an dieses busens reiner fülle
die schmerzen meiner brust zu wiegen.
Lenz Pygmalion, in Voss musenalm. 1778 s. 41;

duft des schlummers, der in leisen wogen
auf ihres busens füllen schwamm.
Rückert 141;

Dafne, die mit kalten sinnen
vor des gottes glut geflohn,
und als keine flucht ihr weiter
war geblieben, ihm zum hohn
ihres busens rege füllen
in die rauhe rinde schlosz. 17 = ges. ged. 1, 10;

wie ihres busens füllen athmend stiegen. ges. ged. 1, 188.

[Bd. 4, Sp. 486]


aber auch von dem inhalte des busens d. h. den gefühlen, die den busen erfüllen:

was im stillen morgenhaine
Amor schalkisch ihr entwendet,
ihres herzens holde stille,
ihres busens erste fülle.
Göthe 2, 26.

überhaupt von allem, wovon die brust voll ist und bewegt wird:

dafür wohnt auch die kraft der beredsamkeit dir auf der lippe
und die fülle der brust strömet in worte sich aus. 274.


eben so von dem, von welchem die seele, das herz voll ist:

welch eine wonne rührt das herz, welch eine stille fühlt die seele
mit inniger zufriedenheit! sie fühlet, dasz ihr nichtes fehle.
bei ihrer fülle wünscht sie nichts, sie hat, was sie verlangen kann.
Brockes 7, 305;

mein herz ist voll, es kann seine fülle nicht mehr fassen. Dusch (nach Adelungs anführung); sich seinem freunde mit fülle des herzens entdecken. Adelung; hauche in diesen ausgetrockneten, verstürmten, zerstörten busen wieder neue liebe, neue lebenswonne, aus der fülle deines herzens! Göthe 10, 156; wie faszte ich das alles (die manigfaltigen erscheinungen in »der lebendigen natur«) in mein warmes herz, fühlte mich in der überflieszenden fülle wie vergöttert, und die herrlichen gestalten der unendlichen welt bewegten sich allbelebend in meiner seele. 16, 74; wenn Sie mich sähen, meine beste, in dem schwall von zerstreuung! wie ausgetrocknet meine sinne werden. nicht einen augenblick der fülle des herzens, nicht éine selige stunde! nichts! nichts! s. 98; zum lichte des verstandes können wir immer gelangen, aber die fülle des herzens kann uns niemand geben. 19, 97;

schwerer wird es nun mir, ein schönes geheimnisz zu wahren,
ach, den lippen entquillt fülle des herzens so leicht! 1, 291;

wo ist sie hin? »ich schickte sie hinab
nach jener linde, dasz mir nicht das herz
vor füll und freude brechen sollte«. 10, 330;

dich, den beter, der in frommer stille
oft im glutgebet
mit des christenherzens ganzen fülle
für die menschen fleht.
Schubart (1787) 2, 232.

vgl. herzensfülle.
gegensatz, wenn fülle auf den inhalt geht, ist leere, leerheit:

das wackre ehpaar sank, aus leerheit oder fülle
des herzens, wie ihr wollt, in eine tiefe stille.
Wieland Oberon 6, 79;

zum unglück war auch die königliche kasse so erschöpft, dasz Azor sich genöthiget sah, seine zuflucht zu den kassen seiner finanzaufseher und oberpachter zu nehmen, in welchen eine fülle herrschte, die mit der leerheit der königlichen vermuthlich einerlei ursache hatte. werke 6, 178. die leere und fülle des fasses.

aus füll und leere bildet sie (die geometrie) bewegung (das pumpen?)
Göthe 47, 126.


fülle des meeres, flusses, brunnens, der wolken, die wassermasse derselben:

da kam das unglück und verschlang die füllen
des meers, das der versiegung schien zu spotten.
Rückert makamen 1, 107;

geh hin zum schah und auf die flamme seines zornes
spreng einen kühlen thau aus füllen deines bornes! dessen Rostem 54a;

der wolken fülle
versiegte. nur einzeln noch fielen die tropfen.
Kosegarten inself. 4, 458.


fülle des euters, der das euter völlig ausspannende inhalt an milch, die milch von welcher das euter strotzt:

und mit fröhlichem gebrülle
winkt den durstagen die (die heerde) herbei,
dasz von ihrer eiter (vgl. wb. 3, 1198) fülle
auch ihr gaum erquicket sei.
Weisze briefw. des kinderfr. 7, 143.


Überhaupt bezeichnet fülle dann die vollständigkeit und auch übervollständigkeit in stärke, grösze, masz: mhd.

dó diz bêlzebub vornam
daʒ die stimme alsô dicke quam
und alsô geweltichlîchen rieph
daʒ dâ niht grundes was sô tieph
dâ dër stimmen vulle
ine niht ënschulle.
Pfeiffer altd. übungsb. 14.

nhd. da klang so ahnungsvoll des glockentones fülle.
Göthe 12, 45;

Phileros, nur dahin zum bedufteten garten!
da magst du die fülle der liebe dir erwarten,
wenn Eos, die blöde, mit glühendem schein
die teppiche röthet am heiligen schrein. 40, 378;

[Bd. 4, Sp. 487]


die neigung für Sie, mein freund, war in dem guten herzen schon lebhaft und gewaltsam, in Ihren armen hatte das gute kind schon von manchem schmerz ausgeruht, sie wünschte sich nun dieses glück in seiner ganzen fülle. 20, 172; die fülle meines glückes seyd ihr, ihr meine anmuthsvollen kinder, mit jedem liebreiz der mutter geschmückt. Geszner (1789) 3, 128;

zum erstenmal, seitdem ich sie (die söhne) geboren,
umfass ich meines glückes fülle ganz.
Schiller 492a;

schön und rosicht war sein (des säuglings) kleines antlitz und strotzend von der gesundheit fülle. Bronner schr. 2, 198;

mein feldherr lebt in fülle der gesundheit
und kraft, und lebt euch allen zum verderben.
Schiller 460a;

dich,
der jetzt in lebensfülle vor mir steht. 400a.

s. DWB lebensfülle. ich will lieber meine alten knochen abnagen vor hunger, lieber vor durst mein eigenes wasser saufen, als wolleben die fülle verdienen mit einem todtschlag. 131b; sie (die morgenländer) schneiden die menschheit aus der fülle (= dem vollen dasein), wie sie sie in der fülle geniessen. Herder lieder der liebe 118, welche stelle fortsetzung der unter führung 10) b) ist;

mit königlichen gütern segne dich
die göttin! sie gewähre sieg und ruhm
und reichthum und das wohl der deinigen
und jedes frommen wunsches fülle dir!
Göthe 9, 12;

was man in der jugend wünscht, hat man im alter die fülle. 25, 1, womit s. 270 was einer in der jugend wünscht, hat er im alter genug! übereintrift; verlassen, verlassen! nimm es ganz in seiner entsetzlichen fülle, verlassen! ich kanns nicht überdulden. Schiller 142b (räuber 5, 2); ... starb bald darauf, noch in der fülle der kraft. Beckers weltgesch. 1, 120.
3) das über die zukommende vollständigkeit hinausgehende, das übermasz, der überflusz, die übergrosze menge, auch schlechthin die menge. so treffend in der stelle von Breitinger unter c).
In dieser bedeutung aber steht das wort
a) mit gen., der das bezeichnet, worin die fülle besteht. mnd.

ja, ik scholde denne vische de vulle krygen. Rein. V. 5792.

nhd. der herr wird euch am abend fleisch zu essen geben und am morgen brots die fülle. 2 Mos. 16, 8; gottes brünlein hat wassers die fülle. ps. 65, 10; dessen (des weines) die fülle da war. Schweinichen 1, 154; hier ist wassers die fülle. Wieland 11, 249 (Silvio v. Ros. 1, 3, 8);

die Donau,
wo sie die fülle vereinter wasser
durch weite fluren wälzet.
Denis lieder Sineds 146;

aber hilft es fürwahr, wenn man nicht die fülle des gelds hat,
thätig und rührig zu sein und innen und auszen zu bessern?
Göthe 40, 261;

als ich darüber aufwachte, mich aufrichtete, war mein zelt voll des herrlichsten geruchs gebratenen und versengten schweinefettes, der mich sehr lüstern machte ... ich stand auf und erblickte in ziemlicher ferne ein feuer, ... von daher kam mir die fülle des guten dunstes. 30, 103;

der schönheit mangel wird von anmut leicht vergütet,
wie unscheinbares kraut des duftes füllen hütet.
Rückert brahm. erz. 352;

der lenz hat sie (die auen) mit seinem schmuck bedeckt:
denn fülle korns erzeugt der üppge boden.
Schiller 672a;

die üppigste fülle goldner haare flosz in langen ringeln um ihren schönen kopf und den blendenden liliennacken. Wieland 38, 142;

er (des freundes geist) ists, der lind
dir, liebes kind,
des schleiers silbernebel kräuselt
und in der locken fülle säuselt.
Matthisson (1802) 208;

himmlische anmuth! warme, glühende lippen!
augen der liebesgöttin! welcher himmel,
die fülle dieser reize zu besitzen!
Schiller 585b

verschwende, mutter, deines segens fülle
nicht an den einen erstgebornen sohn! 501b;

wie leuchtend durch die hüllen
ein stral des lächelns brach,
so wurden neue füllen
des lobgesanges wach.
Rückert ged. 99;

(beim drama) in scenen der leidenschaft, in allen handlungen aufs leben! ists da nicht eben ort und zeit und fülle der äuszern umstände, die der ganzen geschichte haltung, dauer, existenz geben musz. Herder z. sch. l. u. k. 13, 257;

doch schön ists auch, der thaten stärkste fülle
durch würdge lieder auf die nachwelt bringen.
Göthe 9, 135;

[Bd. 4, Sp. 488]



dasz diese fülle der gesichte
der trockne schleicher (nemlich der unerwartet eintretende famulus) stören musz! 12, 36;

und im herzen wächst die fülle
der gesellig edeln triebe. 2, 24;

traurig siz ich in der fülle
lauter freude rings umher,
schwermuthsvoller, ernst und stille
bleibt mein busen freudenleer.
Sophie Albrecht in Schillers rhein. Thalia 2, 70;

doch der musz doppelt strafbar sein,
dem ihre blicke nicht verzeihn
in des vergnügens fülle.
Gotter 1, 34.

vgl.wonnefülle bei Overbeck ged. 59, wo der pl. wonnefüllen in beziehung auf den segen in der natur zur frühlingszeit steht. hatte Laurettana die mutter iemals die fülle der sorgen von aussen blicken lassen. polit. stockf. 327.

mein vater, o wo find ich dich, wo bist du,
dasz ich die fülle meines glücks in deinen busen
ausgiesze?
Schiller 608b, dem vorhergeht:

o tödte mich nicht, übermasz der wonne! 607b;

geneusz der übersüszen fülle
vollkommner erdenseligkeit.
Bürger 26b;

in dem himmel quillt die fülle
der vollkommnen seligkeit.
ich auch, wär es gottes wille,
tränke gern aus dieser fülle
labsal für der erde leid. 62b;

gosz drein (ins herz) die füllen ihrer lust
und gabs zurück in meine brust.
Rückert ges. ged. 1, 322.

doch in diesen stellen zeigt sich schwanken in die unter 2) oder übergang in die nachher unter 4) gegebene bedeutung.
Oft wird aber dem von fülle abhängigen gen. männlicher oder neutraler substantive, wie bei dem zu menge gesetzten (vgl. gramm. 4, 722), die flexionsendung entzogen: hier wächst weizen die fülle; heu die fülle ernten. wie viel taglöner hat mein vater, die brot die fülle haben und ich verderbe im hunger. Luc. 15, 17, daneben oben 2 Mos. 16, 8 brots; ob ich euch nicht des himels fenster auffthun werde und segen herab schütten die fülle. Mal. 3, 10;

segen die füll in boden und fach.
Voss Luise 3, 460;

gottes segen mit dir, holdseliges, allerliebstes
töchterchen! segen die füll auf der erd und droben im himmel! ausg. v. 1823 3, 1, 323;

da (in Öhlenschlägers Axel und Walburg) ist nun mord die fülle: der pfaff wird ermordet, der könig ermordet, die liebenden kommen um und das stück ist ein trauerspiel. Zelter an Göthe im briefw. 2, 399. besonders geschieht dies, wenn der gen. nach fülle gesetzt ist: da wir bei den fleischtöpffen sassen und hatten die fülle brot zu essen. 2 Mos. 16, 3. die fülle weizen ziehen; die fülle korn ernten, vgl. dagegen vorhin fülle korns Schiller 672a; die fülle most keltern. Dieser abfall des -es oder -s nun mag zunächst dadurch angebahnt worden sein, dasz man dasselbe auch bei der verbindung mehrerer solcher substantive nur dem letzten liesz, bei dem oder den diesem vorausgehenden aber als überflüssig unterdrückte: gott gebe dir vom taw des himels und von der fettigkeit der erden und korn und weins die fülle. 1 Mos. 27, 28; ich wil euch getreide, most und öls die fülle schicken, das (dasz) jr gnug dran haben solt. Joel 2, 18. dazu kommt dann noch, dasz bei dem sg. des femininums die unterscheidenden flexionsendungen erloschen und in dem pl. aller geschlechter der gen. mit dem nom. und acc. gleichlautend geworden ist, weshalb in beiden fällen ungewis bleibt, ob der gen. oder acc. gemeint ist: denn da mit (mit dem blitz) schrecket er (gott) die leute und gibt doch speise die fülle. Hiob 36, 31; er sandte jnen speise die fülle. ps. 78, 25;

ich fühle glut die fülle.
Opitz (bei Adelung);

uns ist freude die fülle geworden.
Klopstock 7, 44;

so gefällt es dem übermächtigen sohne von Kronos,
der schon viele thürmende städte zu boden gestürzet,
stürzen viele noch wird, bei ihm ist stärke die fülle.
Stolberg 11, 287 (Il. 9, 25).

er hat kinder die füll, prolem habet numerosam. Alberus dict. Cc 4b.

dasz du mir leiden die fülle
gabest und thränen.
Klopstock Mess. 15, 980;

als sie (Kalypso) mir in dem meer, eh das vaterland ich erreichte
leiden die fülle verhiesz.
Voss Odyssee 5, 302

dagegen sieht Adelung in dem von ihm angeführten beispiele der boden hat feuchtigkeit die fülle in feuchtigkeit entschieden einen acc. und in

[Bd. 4, Sp. 489]


siehe, mein Röschen, der frühling ist da:
freuden die fülle sind ferne, sind nah (
J. M. Miller ged. 157. Götting. musenalm. 1774 s. 36)

zeigt sind, dasz der dichter freuden als nom. pl. genommen wissen will.
Nach dem vorgange des subst. bei fülle wird dann vom allein stehenden adj. geradezu der acc. statt des gen. gesetzt: die erste schrift, welche, wie einzelnes die fülle, im allgemeinen prüft, was diese geschichte sei. Niebuhr 1, viii.
b) mit einer praep., die das subst. zur bezeichnung des die fülle ausmachenden regiert. solche präpositionen sind von, mit, an. mitteld.

von spîse und von gewanden
was die vulle in sîme hofe (lies hobe).
Herb. 105.

nhd. er (der herr) reis die felsen in der wüsten und trencket sie mit wasser die fülle. ps. 78, 15; hier war von kohl und zwiebeln, von wurzeln und andern guten vegetabilien die fülle. Göthe 30, 109; sein herz flosz beständig über, und er sagte sich in einer fülle von prächtigen worten die erhabensten gesinnungen vor. 18, 46; Lilar's (des fürstlichen gartens) fülle an schönen und sanften thieren. J. Paul Titan 2, 65. doch in dieser letzten stelle tritt eigentlich schon die sich an die bedeutung »menge« eng anschlieszende von reichthum u. s. w. hervor. s. hernach 4).
c) ohne einen von ihm abhängigen gen. oder ein von einer praeposition regiertes subst., welches das bezeichnet, worin die fülle besteht, also fülle mehr allgemein gesetzt: dieser begriff des giessens schlieszt nun in seinem umfange den nebenbegriff von der fülle und menge oder einem überflusz ein, daher fundere lacrimas nicht blosz heiszt weinen, sondern häufige thränen vergieszen. Breitinger fortsetzung der crit. dichtkunst (Zürich 1740) s. 341; hat ér (gott) nicht geschöpfe in fülle, éinen kann ér so leicht missen und dieser éine bin nun ich. Schiller 142b; der arbeiter erntet dreyfach auf dem nehmlichen boden in fülle, obst und wein und weitzen. Seume spaziergang nach Syrakus (Braunschw. 1803) s. 185;

sie (300 jahre) haben böses, frank und frei,
auch gutes mitgenommen,
und doch von beiden ist auch euch
der fülle genug geblieben. 3, 289.


4) ein vorhandensein von überaus vielem, ein überaus reiches vorhandensein, das was überhaupt als überaus viel sich darbietet, überhaupt reichthum an oder in einem gegenstande oder gegenständen: sihe, sieben reiche jar werden komen in gantz Egyptenlande. und nach den selben werden sieben jar thewre zeit komen, das man vergessen wird aller solcher fülle in Egyptenlande, und die thewrezeit wird das land verzehren, das man nichts wissen wird von der fülle im lande, fur der thewrenzeit. 1 Mos. 41, 30 u. 31; reichthum und die fülle wird in jrem hause sein. ps. 102, 3; wer erbeitet, dem ist der schlaf süsse, er habe wenig oder viel gessen, aber die fülle des reichen lesst jn nicht schlaffen. pred. Sal. 5, 11; du wirst zu fressen und sauffen und alle fülle haben. Luther 4, 228; die propheten treten an fülle und lauterkeit den meisten gnomologen der Griechen weit vor und das buch Sirachs ist ein blühender garte voll zucht und lehre. Herder ebr. poes. 2, 119; die einsamkeit ist meinem herzen köstlicher balsam in dieser paradiesischen gegend, und diese jahreszeit der jugend wärmt mit aller fülle mein oft schauderndes herz. jeder baum, jede hecke ist ein strausz von blüten. Göthe 16, 6; ich brauche wiegengesang, und den habe ich in seiner fülle gefunden in meinem Homer. s. 10; der herrliche regen säuselte auf das land, und der erquickendste wohlgeruch stieg in aller fülle einer warmen luft zu uns auf. s. 36;

der blick dringt scharf nach jener hülle,
das reiche laub der grünen fülle
verbirgt die hohe königin. 41, 126;

der sich menschenhasz
aus der fülle der liebe trank. 2, 65;

mit feuchtem blick sieht sie empor und ruft hülfe von daher, wo ein zartes herz die gröszte fülle zu finden hofft, wenn es überall mangelt. 17, 362; ich darf reden, denn ich habe gelitten wie keiner, von der höchsten süszesten fülle der schwärmerei bis zu den fürchterlichen wüsten der ohnmacht, der leerheit, der vernichtung und verzweiflung. 20, 266; fülle der nacht, umgib mich! fasse mich! leite mich! ich weisz nicht wohin ich trete! 10, 182; was hat sie verschuldet, um eben die blühendsten jahre, die jahre der fülle, der reifenden

[Bd. 4, Sp. 490]


hoffnung hinzutrauern? s. 188; doch anstatt hier ernsthafte, ja rügende betrachtungen einzumischen, wende ich lieber meinen blick von jenen schönen zeiten (der kinderjahre) hinweg: denn wer wäre im stande von der fülle der kindheit würdig zu sprechen. 24, 110; besonders fesselte mich Chlorinde (in Tassos befreitem Jerusalem) mit ihrem ganzen thun und lassen. die mannweiblichkeit, die ruhige fülle ihres daseins thaten mehr wirkung auf den geist ..., als die gemachten reize Armidens. 18, 33; alle quellen natürlicher empfindung, die der fülle unsrer väter offen waren, schlieszen sich ihm (dem künstler, der sich an der flatterhaftigkeit der neuen welt ergetzt). 44, 6; hat man sich diese lieder (i. d. werken 1, 77—79) aufmerksam vorgelesen, lieber noch mit gefühl vorgesungen, so wird ein hauch jener fülle glücklicher stunden gewisz vorüber wehen. 48, 41; die orientalische mystische poesie hat deswegen den groszen vorzug, dasz der reichthum der welt, den der adepte wegweist, ihm noch jederzeit zu gebote steht. er befindet sich also noch immer mitten in der fülle, die er verläszt, und schwelgt in dem was er gern los sein möchte. 49, 78, wo also fülle mit reichthum übereinstimmt;

farbe her! dein (Tischbeins) meisterwille
schafft ein sichtliches gedicht:
doch, bescheiden in der fülle,
du verschmähst die worte nicht. 2, 166;

hoher göttergedank und der zerflieszenden
seele fülle.
Herder z. sch. lit. u. k. 15, 147;

denn wie die sonn mit ihrem flammenaug
licht durch die welt und fülle rings verbreitet,
so ist das aug des herrschers überall.
Schiller 670b;

ich höre
vom sprächtigen neid:
du (Gleim ist angeredet) habest der ehre
die fülle gehabt
und zween (lies zwe-en) Homere
mit éinmal ertappt.
Klamer Schmidt poet. br. 66;

schöpferin der lebenskraft
alles kömmt zu deinen füllen!
lasz mir lebensglut und kraft
ewig unerschöpflich quillen!
Overbeck ged. 11;

ja so, scheint es, erwählte zum lieblingskinde der himmel
diesen gesegneten gau unter den nachbarn umher,
dasz so weit umreichend des weichbilds grenz in der rundung
sich ausbreitet, so weit breitet die fülle sich auch.
Rückert 271.


in dem sinne von reichthum, überflusz steht fülle auch in der lebendigen alliterierenden verbindung frucht und fülle:

ein nordenland, da ewig blumen blühn,
da sand und dürre stiebt, da frucht und fülle lebet.
Fleming 209;

es ist die junge blütentraube aus dem palmenhaine zu Engeddi (hohel. 1, 14), nach dem sinne Orients das schönste bild der belebung, frucht und fülle. Herder lieder der liebe 16.
Im besondern wird in der bibel unter fülle auch blosz ein überaus reicher ertrag an früchten verstanden: deine fülle und threnen soltu nicht verziehen. 2 Mos. 22, 29, wobei Luther am rande bemerkt fülle heisset er alle harte früchte, als da sind korn, gersten, epffel, birn, da man speise von macht, threnen heisst er alle weiche früchte, da man safft und tranck von machet, als da sind weindrauben, öle. es sind hier jedoch nur die erstlinge der harten früchte als theil der eingeernteten fülle gemeint, die gott dargebracht werden. aber auch erstlinge der reichen ernte von wein und öl waren gott zu weihen und werden ebenfalls als von der »fülle« genommen selbst fülle genannt: und solt solch ewr hebopfer achten, als gebt jr korn aus der scheunen und fülle aus der kelter. 4 Mos. 18, 27, wo zu fülle von Luther am rande das ist most, wein, öle und der gleichen; du solt deinen weinberg nicht mit mancherlei beseen, das (dasz) du nicht zur fülle heiligest solchen samen (den du geseet hast) neben dem einkomen des weinbergs. 5 Mos. 22, 9.
Von worten gebraucht oder auf diese angewandt bedeutet fülle entweder glänzenden ausdruck oder ein zuviel in ihnen: Longins erhabnes (το ὑψος) darf es dem schönen oder der schönheit entgegengesetzt werden? »nichts weniger. auch ihm ists die höchste höhe, fülle oder stärke der rede (ἀκροτης και ἐξοχη λογων).« Herder Kalligone 3, 7; zwei grundtexte — die lutherische übersetzung langt ihnen gut zu einem dritten urtext zu, welchen sie wieder in die neueste zeit und deren fülle übersetzen und auseinanderziehen. — J. Paul kl. bücherschau 1, 31.
5) die umfassendste vollständigkeit, die vollkommenheit: denn es ist das wolgefallen gewesen, das (dasz) in jm alle fülle wonen solte. Col. 1, 19; denn in jm wonet die ganze fülle

[Bd. 4, Sp. 491]


der gottheit leibhaftig. 2, 9; auch (dasz ihr möget) erkennen das (dasz) Christum liebhaben viel besser ist, denn alles wissen, auf das jr erfüllet werdet mit allerley gottes fülle. Ephes. 3, 19; und von seiner fülle haben wir alle genomen, gnade umb gnade. Joh. 1, 16, worauf sich bezieht Christus thuts alles alleyn, er ist dives in omnes, und in seiner füll haben wir alle empfangen, spricht S. Joannes. Alberus wider Witzeln C 6a; wenn uns unser ewiger vater auch den weg des lebens wird kund thun unnd mit der himlischen fülle der ewigen freude und mit dem lieblichen und frölichen wesen zu seiner rechten erfüllen und setigen wird, wie er seinem son thete, do er jn von todten erweckte. Mathesius Sar. (1562) 295a. auch bei P. Gerhardt in der hernach II 6) angeführten stelle der reichtum seiner fülle, und noch jetzt kann das wort in dieser bedeutung in einer dem biblischen ausdrucke gemäszen sprache gesetzt werden.
Endlich 6) das auflaufen, die blähnung als krankheit bei dem rindviehe, also das vollsein, aufgetriebensein des leibes von winden. doch nur landschaftlich, nemlich im Entlebuch, wo man aber fülli sagt; im Aargau dagegen hört man völli, völle. s. Stalder 1, 389.
II. von dem verbum füllen (s. d.) abgeleitet. auch hier steht mhd. vülle, fülle, ahd. fullî.
1) die handlung des füllens. so im grunde wol ahd. fullî Boeth. 122 (bei Graff 120). mhd. findet sich hier fülle von dem geben und einstreichen des breies bei kleinen kindern, so dasz der magen davon überladen wird: daʒ dër rîchen liute kinde vil minre wirt ze alten liuten unde ze gewahsenen liuten danne dër armen liute kint, daʒ ist von dër überfülle, daʒ man dër rîchen liute kint tuot mit fülle: wan dën kan man niemer sô vil în gefüllen, daʒ man dannoch trûwe daʒ ëʒ genuoc habe. daʒ ist von dër zartheit die man an sie leit, und ouch dâ von, daʒ man der fülle guote stâte hât. Berthold pred. 433, 29 ff. nhd. scheint die bedeutung erloschen.
2) das was in etwas gefüllt wird und zwar
a) eine gewöhnlich aus kleinen theilen bestehende speise, die in eine andere speise oder einen darm und dergleichen gefüllt wird oder ist, quo farcimus aliquid: mhd. und fülle daʒ (nemlich nüsse und würfelicht geschnittene äpfel, mit gewürzen gemengt) in die krapfen und lâʒ ëʒ backen, daʒ ist aber ein gût fülle. buch guter speise s. 20 nr. 59 und mit fülleʒ für füll daʒ nr. 60. nhd. fulle oder gehackt fleisch oder wurstfulle, fartum. voc. theut. 1482 i 5b; jedlichem 2 ayr, 10 in die füll. Tegernseer kochbüchlein in Pfeiffers Germ. 9, 203, 6; mach eyn full von ayern. kuchenmeisterei a 5; temperir dy full damit. ebenda; do wein und essig inne sei, das (dasz) esz erstarr und dy fulle erkeck. b iiij (s.erkecken); die fülle ist schon aus der pastete heraus. J. Paul liter. nachlasz 4, 85; man bedienet sich solcher speise (des gehackten und gedämpften hechtfleisches mit zuthat und würze) gemeiniglich als einer fülle zu den kleinen pastetgen aus mürbem butterteig. ökonom. lex. (1764) 1025. Fülle in diesem sinne hört man noch in der umgegend von Erfurt (Andreä in Moltkes deutschem sprachwart 1, 300), gekürzt füll zu Nürnberg, Würzburg (Sartorius d. mundart der stadt Würzburg s. 42), im südlicheren Baiern (München), Würtenberg, während man in andern gegenden, z. b. in der Wetterau, in Oberhessen u. s. w., nur das füllsel kennt, das auch der in der schriftsprache jetzt geläufige ausdruck ist.
Im besondern heiszt in Kärnten die aus magsamen, kartoffeln, obst, johannisbrot oder wol auch nur aus rüben, am gewöhnlichsten aber aus einem mit mohn untermischten kartoffelbrei bestehende substanz, womit die gekochten krapfen (eine kuchenart) gefüllt sind oder werden, fülle und man unterscheidet nach jenen bestandtheilen magenfülle, birnfülle, bockhornfülle, rübenfülle u. s. w. (Lexer 104). in der umgegend von Erfurt dagegen führt eine art weiches gebäcks, das in einer pfanne und zwar im backhause gebacken wird, vorzugsweise den namen fülle (Andreä a. a. o.), wol darum, weil es wie füllsel hergerichtet ist oder aussieht. an dieses gebäck scheint sich dann auch die ebenfalls von Andreä da angeführte redensart zu knüpfen er wills nicht für seine fülle haben, nicht zugeben.
b) geistiges getränk zum nachgieszen, um das im fasse verzehrte zu ersetzen, das fasz also aufzufüllen. so wenn in der Leipziger stadtordnung v. j. 1544 J 2b bestimmt wird, der städtische weinschenke solle bei seiner bestallung schwören, er wolle unter andern den most mit steter ordentlicher fülle wol versehen und halten. auch wird, wie schon Adelung bemerkt, der füllwein, das füllbier zuweilen nur schlechthin die fülle genannt.

[Bd. 4, Sp. 492]



c) bei den Juden das opfer, mit dem bei der weihe zum priester dem zu weihenden die hände gefüllt werden, nach 2 Mos. 28, 41 und solt sie (Aaron und seine söhne bei ihrer weihe zu priestern) salben und jre hende füllen, wozu Luther am rande bemerkt dis füllen ist ein ebreische sprach, der man mus gewonen. und war das, wie im folgenden capitel (nemlich 29, 9) stehet, das (dasz) in der weihe den priestern die hende mit opffer gefüllet wurden fur dem herrn. hierher gehörige stellen sind: es ist ein wider der fülle. 2 Mos. 29, 22; von dem wider der fülle Aarons und seiner söne. 27. s. auch fülleopfer.
d) was in zeug »gefüllt« oder gestopft ist oder wird, um nur in dieser weise zum gebrauche zu dienen. fülle, schopphaar oder -wolle zu sitzküssen u. s. w. M. Kramer nd. wb. 2, 76c. hiernach sind die rosshaare und das seegras in einem polster, die haare und wolle in einem tragringe, die federn in den betten die fülle dieser gegenstände des haushaltes. doch ist das wort in dieser bedeutung ungewöhnlich und dürften schwerlich weitere belege nachgewiesen werden können.
ausdehnung empfängt noch dieselbe, wenn tirol. fülle zum wärmen der öfen bestimmtes brennholz (Schöpf 161) bezeichnet, d. h. brennholz, womit die öfen zum wärmen gefüllt werden. oder wäre fülle hier ein ganz anderes wort, da man auch pöfülle f. sagt? s. Schöpf ebenda.
3) ein mit einer handhabe oder einem stiele versehenes gefäsz zum schöpfen (füllen). osnabrückisch, s. Strodtmann 61. Danach wird dann bei manchen gewerken das gefäsz oder gefäszartige werkzeug, mit dem man einfüllt oder ausschöpft, als fülle bezeichnet.
Mit jener bedeutung ist die folgende eng verbunden:
4) ein vom ufer eines flusses in diesen hinein gebautes, gewöhnlich aus zwei mit bretern überdeckten balken bestehendes, über dem wasserspiegel befindliches gerüst zum wasserschöpfen (füllen), ausspülen u. s. w. In den fürstenthümern Göttingen und Grubenhagen, s. Schambach 283a.
5) eine in einem brennenden meiler da, wo das feuer innen am stärksten liegt und arbeitet, entstehende grube, die mit einer stange ausgerührt und durch auslegen mit holz wieder gefüllt werden musz. ökonom. lex. (1764) 835. 1468 f. Krünitz 15 (1786), 447. Weber ök. lex. 1, 173b. der köhler musz bei einem meiler wol auf die füllen achten, damit sie nicht leer bleiben und dadurch ein zusammensturz erfolgt. vgl. füllstange.
6) speise, nahrung, mit welcher der mensch sich füllt, um leben zu können. diese bedeutung hat das wort in der redensart hülle und fülle, die hülle und fülle, die hülle und die fülle, welche zunächst, gleich decke und futter (s. 3, 883f.), »kleidung und speise« und zwar »die (zum leben) nöthige kleidung und speise« bezeichnet, wie denn auch beide redensarten des nachdrucks wegen verbunden stehn: gott hat fter und deck, hüll und füll. Frank ... 173. in diesem sinne aber steht hülle und fülle während des 16. u. 17. jh., ja selbst noch im 18. jh.: des wir nicht überleng haben, sondern nur hülle und fülle. Luther 4, 109b; da ... er keinen lohn verdient hatte, denn hülle und fülle. ebenda; vor der sündflut hat ein jeder hauszvatter sein eigen notturft gebawet für sich und sein hausz und gesinde und hat einem jedem hüll und fhüll oder sein provision und probandt geben, wie es jm sein acker unnd vihezucht getragen. Mathesius Sar. (1562) 230a; wir haben hierausz zu lernen, das wir ein reychen gott haben, der mehr hat als er je vergab, und ein milte hand und trewes vatter hertz darzu, und weisz das wir dörfftige brotesser, hül und fül und tegliche notturft bedürffen. 243a; sie wissen, das es die losesten, bösten, verwegnesten, unverschämbsten bben sein, die sunst z nichte nütz, nemen hül und füll, und vom wort ain batzen, und liegen ainem was er will. J. Nasus Nasenesel 24a; hülle und fülle, rock und kropff, juppe und suppe, kleyder und nahrung ist zu disem leben gnug. Henisch 1284, 34; wenn ein weib schutz und schirm, hülle und fülle von jhrem hauszwirth hat, so kan sie jhn auch für jhren herren und haupt halten. 36; hülle und fülle, victus et amictus. Dentzler 162b. Weismann 198a. Kirsch (1723) 184b. danach noch 1798 bei Bauer deutsch-lat. wb. 1484 »hülle und fülle, amictus et victus, cultus vitae, necessaria ad vitam«, und 1805 bei Scheller deutsch-lat. lex. 1023, nachdem er fülle auch durch nahrung, speise erklärt hat, »hülle (i. e. kleidung) und fülle, folglich victus et amictus«, dann sp. 1541 »hülle und fülle, i. e. kleidung und speise, z. e. haben, victus et amictus, velamenta et alimenta«, trotzdem dasz seit der mitte des 18. jh. diese bedeutung durch die aus ihr hervorgegangene und lange zeit neben

[Bd. 4, Sp. 493]


ihr vorkommende »genug«, dann »vollauf genug, über und über genug, weitaus im überflusse«, bereits verdrängt worden war:

ich habe guts die hüll und fülle.
Lessing 1, 121;

was hat ein armer advokat? ...
dein schüler nur, Galenus, hat
die hülle und die fülle.
Engel die apotheke 40;

jammers die hülle und die fülle haben, d. i. jammer im überflusse. Adelung 22, 1314; geldes die hülle und die fülle haben. Campe 2, 799b. auch wird durch die redensart im besondern das gröste wolleben, bei dem alles im überflusz ist, bezeichnet:

da trieb es der junker von Falkenstein
in hüll und in füll und in freude.
Bürger 60b.

Forscht man nun nach der zeit, wann jene spätere bedeutung von hülle und fülle aus der ursprünglichen hervorgegangen ist, so ergibt sich das 17. jahrhundert, und hier finden wir bei Stieler, der sonst fülle gar nicht verzeichnet hat, unter hülle sp. 864: »hülle und fülle haben, victu et amictu abundare«, was einerseits die entwickelung der bedeutung deutlich zeigt, andererseits aber dasz sich diese entschieden und die von Stieler schon nicht mehr angeführte ursprüngliche fast ganz zurückdrängend festgestellt hatte. demgemäsz erklärt dann im jahre 1711 Rädlein s. 500a die hülle und die fülle durch »überausviel, überflüssig, en quantité, en abondance, en grand abondance«, und fügt als beispiel bei ich habe dessen (derer) die hülle und die fülle. mit Stieler stimmt weiter Steinbach, wenn er 1, 521 die hülle und fülle mit »abundantia victus et amictus«, und Frisch, wenn er 1, 305c mit »amictus et victus ad satietatem naturae« übersetzt, doch führt dieser letzte 1, 474a unter hülle zugleich wieder die ursprüngliche bedeutung an: die hülle heiszt in der redensart die hülle und die fülle so viel, als kleidung, amictus, vestes, wegen des worts fülle aber heiszt es nicht nur nöthige speisz und tranck, sondern auch überflusz daran, abundantia omnium rerum. beide bedeutungen geben später auch noch Scheller und Bauer, denn auszer der oben angeführten ursprünglichen hat dieser an der bezeichneten stelle weiter »hülle und fülle haben, omnibus abundare, nulla re carere«, und jener s. 1541 als zweite bedeutung »reichlich, häufig, abundanter, abunde« mit dem beispiel »er hat des geldes die hülle und die fülle, abundat pecunia, habet pecuniam abunde etc.« daneben aber findet sich in ebendiesem sinn auch das ungewöhnliche, blosze die hülle, die fülle:

und wo ist denn Charitille,
Charitille, deine zier,
deine hülle, deine fülle,
und dein ganzes du nach dir?
Fleming 410.

gleich ungewöhnlich erscheint die umstellung die füll und hülle:

so lang ich diesen (den herrn) habe,
fehlt mirs an keiner gabe:
der reichtum seiner fülle
gibt mir die füll und hülle.
P. Gerhardt im lied »der herr, der aller enden« str. 2.


Aus dem allem erhellt, dasz die bedeutung vollauf, über und über genug, überaus viel, im überflusse, die später entwickelte, nicht die ursprüngliche von die hülle und (die) fülle ist und also auch nicht auf die mordsühne zurückgeführt werden hann, wie diese die drei wandernden asen Odhinn, Loki und Hœnir für den in eine fischotter verwandelten Otr leisten musten, den Loki mit einem steine todt geworfen hatte. ihnen wurde nemlich von Otrs vater und brüdern als lösegeld auferlegt, at fylla otrbelginn mëdh gulli ok hylja ûtan mëdh raudo gulli (Saemundaredda 180) oder, was dasselbe ist, at ... fylla belginn af raudu gulli oc svâ hylja hann allann (Snorra-edda 136), d. h. den ganzen balg, den sie, die asen, dem thiere abgestreift, inwendig mit rothem gold zu füllen, aufzurichten und dann noch auswendig mit gold zu hüllen, dasz kein haar unbedeckt blieb. vgl. Jacob Grimm in Savignys zeitschr. für geschichtl. rechtswiss. 1, 330 u. rechtsalt. 671. übrigens klingt altn. fylla ok hylja, füllen und hüllen, in jenen eddischen stellen wie eine alte rechtsformel.
7) das übernehmen in speise und trank, indem der mensch mit jener oder diesem oder beiden »sich füllt«. so schon mhd., zumal in beziehung auf speise: diser kunig Adolf was ein stark wol përsôneter man und aʒe gërn wol, dô von sang man von ime: dëm kunig Adolf stât sîn mût nôch einre fulle, alse eim jungen wolfe. Closener 47. weniger stark ausgedrückt: die fruo âʒen und trunken und in dër füll lëbten. Megenberg 112, 12; wëm diu glider krank sint von übriger füll und von fäuhten. 326, 33. nhd. vil besser füll ist von

[Bd. 4, Sp. 494]


übrigem (überflüssigem, zu vielem) trincken, denn von überigem essen. Ortholphs arzneibuch v. j. 1488 bei Schmeller 1, 525;

der ist ein fraesz oder ein slunt,
dem ist umb kein ander freüde kunt,
dan umb des bueches (bauches) fülle.
Keller erzähl. 668, 1;

Cyrus durch füll an speysz und tranck
mit all seim heer nam untergank.
H. Sachs I (1590), 168c.

im besondern aber und vorzugsweise steht fülle in der beschränkteren bedeutung: das übernehmen in berauschendem getränke, die trunkenheit, ebrietas: denselben wein kauften dann die sichen und wunt leut, auch gesunt leut, die in nit abprechen wolten und die der ful gewont heten. chron. d. deutsch. städte 2, 351, 3; wann sie gleich nit alle in der fülle voll weins sterbenn, so haben sie doch die natur verderbt. Frank laster c iij; fügen wir leichtlich inn der füll andern leütenn auch schaden z. c iiij; musteren wir eynander auf der füll, zu prennen vor weyn, verspäten unns bisz inn die nacht. fiij; da nimpt die füll und der weyn das hertz hinweg. ebenda;

so haisz ich Kunz Fürngrill
und lig alltag zu der füll. fastnachtsp. 574, 30;

der stergker hauff treybt grosz geprüll,
besetzt mit unkeusch und mit füll.
Schwarzenberg 152, 2b;

du rümpst den wein von gott erschaffen,
der ist gantz gut und nit zustraffen,
wo der wird braucht zimlich und messig,
der füll aber ist gott gehessig.
H. Sachs I (1590), 167c;

Holofernes wurd abgethon
in füll. dergleich priester Simon. 168d;

hör, volle saw, bleib bey uns stehn,
alles, was du sagst von jm und mir,
steckt alles zwifeltig in dir,
wann dir wohnt in deinr füll auch bey
sein spilsucht und mein hurerey. 169b;

bring diser bursch was sie begert,
sie ist eins gten weins wol wert,
den trag jn auff, sey unvertrossen,
wie wol der selbig sey verschlossen.
dann grosse füll und trunckenheit
ist dises völcklins täglich kleidt,
und mag jn auch kein füll nicht schaden,
wie schwer sie sind damit beladen.
Scheit grob. H 4a;

wann du dann wol hast ausz gerast,
die gestrich füll vertriben hast,
dasz dir nimm tht das köpflin weh. K jb.

dieser bedeutung gemäsz kommt dann für »sich einmal über das andere betrinken, immerwährend voll sein«, vor: von einer fülle zu der andern. Keisersberg löwe 59c. ferner eine fülle vertreibt die andere: sauff dich voll und leg dich nider, ste frü auff und füll dich wider, so vertreibt ein füll die ander, das schreibt der gut fromm priester Arslexander. Fischart Garg. 95b = (1608) L 6b. de generibus ebrisor. 12. auch eine fülle mit der andern oder durch die andere vertreiben:

kein besser ertzeney ich weysz,
den (denn) ein füll mit der andern vertreyben,
weyl der wein ist in mösten (pl. von most) bleyben,
so ist er süsz, schmackhaft und gut.
H. Sachs III. 1, 240c = (1588) 178b.


8) das stopfen von thieren, um sie zu mästen. fülle, zu mästen, fartura. wb. für einen reisenden (Genf 1683) s. 114a.
9) mhd. auch »pelzfutter«:

ein fülle was dar under (unter dem kleide)
gar edel von geschlehte.
geworht schâchzabelehte
was si mit hôhem vlîʒe wol,
von zobele swarz alsam ein kol
und ûʒ hermîne snêgevar. tr. kr. 2998;

von zobel was ir underzoc (unterfutter),
daʒ beʒʒer nie kein vülle wart. 7489.

nhd. aber scheint das wort in dieser bedeutung nicht mehr vorzukommen, wol verdrängt durch das in form und begrif sehr nahe stehende gefülle n., gekürzt gefüll, = pelzwerk, pelz, doch ist dieses mit fülle nicht gebildet, sondern das mit mhd. vël, nhd. fell, zusammengesetzte mhd. collectiv geville = pelzbekleidung, pelzfutter, dessen i hier auch in ü überschwankte. s. DWB gefüll.
Zusammensetzungen, in welchen fülle das letzte wort bildet, sind blätterfülle, blumenfülle, blütenfülle, erfahrungsfülle (Göthe 41, 100), formfülle (wb. 1, 1743), freudenfülle (auch Tiedge frauensp. 136), geisterfülle, glaubensfülle, götterfülle, herzensfülle, himmelsfülle (Göthe 16, 180), jugendfülle, lebensfülle, liebesfülle, machtfülle, mutterherzensfülle, saftfülle, sängerfülle, segensfülle, tonfülle, überfülle, wesenfülle, wonnefülle.
 
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fülle, n., eins mit fül (s. d.) und füle. ll, weil nhd. der einfache consonant nach kurzem vocal verdoppelt zu werden pflegt.

[Bd. 4, Sp. 495]


equuleus, ein fülle. Dasypodius 64a und danach Serranus dict. E 7a, aber bei jenem auch noch 833a füle (s. d.).

nach dem der wolf ein fülle sach
und sein mutter, zu der er sprach:
dein fülle musz mein speisz heut sein.
die mutter sprach: gern, doch allein
bitt ich euch herr artzt hochgeborn,
ich hab getrettn in einen dorn,
den ziecht mir ausz mein hüft allein,
denn sol mein fülle ewer sein.
H. Sachs IV. 3, 105a;

ein student bey den büchern solchs siehet, der doch wohl sein lebtag nicht auf ein meil wegs reyset, noch weiter hienausz kompt als seiner mutter fülle. Moscherosch Philander (1650) 2, 73. dies seiner mutter fülle scheint volksthümliche redeweise für muttersöhnchen, weil das füllen immer bei seiner mutter bleibt. s. DWB mutter. Neben fülle aber findet sich auch die schreibung phülle: geht es ir (der stute) aber glücklich inn der geburt, so soll man das phülle nit mit der handt anrüren. Herr ackerwerk Columelle 71a; auf das (dasz) sich die strt nit umb das phülle versehne. 71b. eben so phül: das seind alles anzeigung eyns grossen gemts an eym phül. ebenda. im pl. setzt Herr phüllin und phüllen.
später wird im hochdeutschen fülle durch die form füllen (s. DWB füllen n.) verdrängt, doch dauert jenes noch mundartlich fort auch in füll. das dim. ist füllchen n.
 
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fülleblümel, n. blümlein, das begossen und so »gefüllt« wird. das wort dauert nur in dem namen eines elsässischen pfänderspiels fort, das in vetter Daniels neujahrsbüchlein in Elsasser mundart auf 1818 s. V fülleblüemels bin au eins, d. i. (wir spielen mit einander) fülleblümchens bin auch eins, heiszt. bei diesem spiele ist, wie mir August Stöber in Mühlhausen schreibt, eins aus den spielenden der gärtner und die übrigen, von welchen jedes den namen einer blume erhält, sitzen in einer reihe oder auch in zwei reihen. wenn nun der gärtner einem der mitspielenden auf den kopf deutet und während er auf diesen etwas auszugieszen scheint, spricht fülleblüemele, musz die so angeredete person antworten bin au eins! worauf dann der gärtner fragt was fürr eins? und jene mit dem ihr beigelegten blumennamen antwortet. kann sie aber diesen nicht alsbald nennen, so musz sie ein pfand geben. in dieser weise geht dann das spiel weiter. übrigens ist das fülleblümelspiel zumeist kinderspiel.
 
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fülleborn, m., ein in Nieder- und Mitteldeutschland entsprungener eigen- oder vielmehr familienname, dessen erster theil fülle der imperativ von füllen ist, wonach die bedeutung des ganzen »einer der den brunnen (s. DWB born) füllt, beförderer von quellwasser« sein würde. vgl. GDS. 86 und myst. 1, 425. schwerlich ist der name mit vollborn (s. d.), einer benennung des januars oder auch des februars, zusammengehörig. vgl. DWB füllmonat.
 
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füllefasz, n. kleines fasz zum nachfüllen der groszen fässer? in einer oberrheinischen, dem 15. jh. angehörigen verordnung für die zollbeamten: welche kaufmann oder schieffmann vier zolfuder wins und daruber geladen hat, das (dasz) derselbe an iglichem zolle eime zolschriber zwo quarten wins und dem beseher und knechten auch zwo quarten wins, Bonner massen, usz dem fullefasse geben soll. Mone zeitschrift 9, 32. Vergl. DWB füllfasz.
 
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füllegedanke, m. ein ganz erfüllender gedanke, ein gedanke der ganz die seele füllt: wie lange hauch von gott, wie lange menschenseele dasein — und dasein bei gott genüszen soll? — dies ist füllegedank des manns und eines ewigbleibenden seelehabenden geschöpfs! und was sind gegen diesen gedank, gegen diese wonnen alle täuschende weltbesitze, alle phantasien? seifenblasen!! Burmann ged. ohne R 56.
 
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fülleimer, m. in den salzwerken zu Halle ein hölzerner eimer, der zum »füllen« der sole aus den solfässern in die pfannen und bei den vorschlägen wie auch bei messung der züber (zober) als masz gebraucht wird. er hält 12 hallische masz. mineral- u. bergwerkslex. 224a. Hübner handlungslex. (1776) 892. treger (es ist von den salzquellen zu Halle an der Saale die rede) tragen die sahl (sole) in grossen zübern in das köt, zwen an einem zuber, hat fast bey eim zentner, die züber sind alle gleich, halten 8 fülleymer, ein fülleymer 8 kanden. Mathesius Sar. 125b = (1562) 178a. auf eine pfanne gehn 4 fülleimer. vgl. DWB fülleimerlein.
auch kann überhaupt ein eimer zum füllen fülleimer genannt werden. so sind die feuereimer wirkliche fülleimer, denn bei feuersbrünsten werden mit ihnen, indem sie in einer von menschen gebildeten kette von hand zu hand gehn, die feuerspritzen gefüllt.

[Bd. 4, Sp. 496]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fülleimerlein, n., dim. des vorigen, aber auch vom groszen fülleimer gesagt: als bald füllen die knecht ausz dem sahlfasz (solfasz) in die pfanne mit einem fülemerlein (so steht da) an einer stangen, darein bisz in 12 kanden gehen. Mathesius Sar. (1562) 179b. es ist auch hier von dem salzsieden zu Halle an der Saale die rede, aber der gewöhnliche fülleimer dort hält, wie die stelle von Mathesius unter diesem worte zeigt, 8 kannen.
 
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füllein, n. was füllen n., ahd. fulin, mhd. vüln, neben welcher mhd. form aber auch eine mit schwer gewordenem i, vulîn, sich entwickelt haben musz, woraus dann nhd. eben dieses füllein wurde. füllein. Henisch 1284, 39. 56. Dentzler 2, 116b. H. Sachs gebraucht es neben fühl, fül, fülle:

ein eselin und jr füllein
die löset ab, führt sie herein. IV. 1, 84c;

(die stute) sich nichts versann
bald sampt dem füllein da entrann. 3, 105a,

wo wenige verszeilen vorher fülle (s. d.).
Schwerlich ist das wort als mit -lein gebildetes dim. von fül n. zu fassen. s. DWB füllin, DWB füllen n.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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