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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fülche bis full (Bd. 4, Sp. 481 bis 483)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fülche, f.
1) ein weibliches füllen, ein junges mutterpferd das noch nicht geboren hat. bairisch, s. Schmeller 1, 526, der auch ain 2jerige filch aus Westenrieders hist. beitr. 6, 425 anführt. ahd. fulihhâ (gl. cassel. s. 38 u. 85a), in Innsbrucker glossen des 11.—12. jh. vuliche, poledra, neben fole, poledrus (Mone anz. 7, 594, 443). das wort erscheint als fortbildung von eben diesem fole, ahd. folo, goth. fula, nhd. fohle (s. 3, 1868), wie ahniche = avus (s. 1, 196) von ahn ahd. ano, nur dasz hier von einem masc. ein masc., dagegen bei fulihhâ von einem masc. ein fem. abgeleitet ist. nun könnte man geneigt sein, dieses in seinem ihh diminutivisch zu fassen, allein da ein weibliches diminutiv einen weiblichen stamm voraussetzt, wie das männliche einen männlichen, so kann das wort nur dann als diminutiv genommen werden, wenn ihm zunächst ein von jenem männlichen folo abgeleitetes weibliches fuliâ = weibliches füllen, stutfüllen vorausgienge, von welchem es dann diminutivbildung sein würde. ein solches einfaches fuliâ läszt sich auch bei dieser wol voraussetzen (2, 613f. gr. 3, 677), jedoch nicht nachweisen, weshalb hier jene bildung nicht mit sicherheit angenommen werden kann.
2) ein mädchen. bair., doch nur im scherze. Schmeller I, 526. eine übertragung der vorigen bedeutung, wie wetterauisch der sprenger, ein halbwüchsiges zuchtschwein das zur herde getrieben wird, zu und bei Gieszen auch von einem kinde, das so weit herangewachsen ist, dasz es sich auf der gasse tummeln kann, gesagt wird. schwerlich aber findet hier entlehnung aus franz. fille statt, wenn sich auch dieses wort leicht an fülche in seiner ersten eigentlichen bedeutung anlehnen liesze.
 
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fulda, f., der name des bekannten aus der Rhön kommenden flusses, aus dessen vereinigung mit der Werra die Weser entsteht, findet sich von Jacob Grimm mit hinweisung auf GDS. 574 für das wb. aufgezeichnet und sollte demnach in demselben, wie anzunehmen ist, besonders angeführt werden. er kommt bei den Römern, auch bei dem geographus ravennas noch nicht vor; erst im 8. jh. und der darauf folgenden zeit erscheint, gleichviel ob von dem flusse oder dem an diesem liegenden und deshalb nach ihm benannten kloster, Fuldâ, Fultâ, Vuldâ, Vultâ, auch einmal Foldâ (Förstemann 2, 538), welchen formen, da â aus aha, wasser, flusz, zusammengezogen ist (s. DWB aa 1, 4), die neben ihnen vorkommenden Fuldaha, Fultaha, Vuldaha, Vultaha, Voldaha (Förstemann 2, 537 f.) als die älteren vorausgehn. das d, wo es in der alten schreibung steht, ist ganz dem alts. folda, ags. folde, altn. fold, = erde, land (3, 1475), gemäsz, welches den ersten theil des namens bildet; im ahd., wo dieses wort bis jetzt nicht aufgefunden ist, würde fulta, folta gesagt worden sein, wonach sich dann unter jenen formen des namens, der so viel als landflusz bedeutet, als die eigentlich althochdeutschen Fultaha, Fultâ ergeben. auffallend aber bleibt, zumal da sich, worauf Jacob Grimm aufmerksam macht, slavische ansiedler den Main entlang bis ins Fuldische niederlieszen, dasz in den ann. fuld. bei Perz 1, 385 Fuldaha die böhmische Moldau bedeutet, die bei den Slaven selbst Wltawa, Wletawa heiszt, s. GDS. a. a. o., wo noch weitere ausführung. schwerlich ist hier bei der berührung des deutschen und des slavischen flusznamens zufälliges zusammentreffen anzunehmen, vielleicht eher dasz die Slaven den deutschen flusznamen in Böhmen vorgefunden und ihn in ihrer sprache umgebildet haben mögen.
 
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füle, f., s. DWB fühle.
 
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füle, n. das füllen, equuleus. Dasypodius 333a, während 65a ein fülle. aber auch Frisius (1556) 478b, dann 479a und 1091b

[Bd. 4, Sp. 482]


hat füle und danach Maaler 145d und 238b, wie denn noch im solothurnischen die alte form füli vorkommt, z. b. in dem auch auf kleine menschen angewandten sprichwörtlichen chlîni ross blîbe lang füli, kleine pferde haben lange das ansehen, als ob sie jung wären. Schild groszätti 99, 10.
eins mit fül sp. 480, nur dasz bei dieser form der nach den eine kurze silbe schlieszenden liquiden l und r gebräuchliche wegfall des e eingetreten ist. s. auch DWB fülle n.
 
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fulen, die noch schweiz. und elsäss. form unseres faulen. zu der bei diesem worte in der bedeutung faulenzen, pigrescere, angeführten stelle aus Keisersbergs bilger 152d zeichnet Jacob Grimm aus derselben schrift noch auf lit z fulen im bett. 152b. auch Zwingli 1, 20 hat fulen in diesem sinne: aber du siehst dieselben (die bischöfe) nach dem wort Esaie LVI blind uffseher worden sein, all unwüssend stumm hund die nit bellen mögen, geleert liederlicher dingen, fulend und schlaffend und troumend, ja troum lieber habend dann die warheit. in Toggenburg bedeutet das wort so viel als vor trägheit gähnen. Stalder 1, 358.
Von diesem verbum ist schweiz. abgeleitet fülela = einen übelen, faulen geruch oder geschmack haben, anbrüchig riechen oder schmecken (Tobler 207b. Stalder a. a. o.), wovon wieder das adj. fülelig = einen faulen geruch oder geschmack habend (ebenda); fuler, m. ein faulenzer, ein schlaraffe (Tobler ebenda), woher dann fuleri, f. eine faulenzerin, aber auch eine kuh die sich gerne legt (ebenda). nhd. lautet das erste wort fäulelen (s. d.) oder fäuleln und würden die übrigen wörter fäulelig, fäuler, fäulerin zu sprechen sein.
 
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fülen, s. DWB fühlen. füler,m., s. DWB fühler.
 
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fulf, f., in Luzern schimpfname für eine weibsperson. Stalder 1, 404. aus it. (lat.) vulva. das wort ist also als schelte auf die weibliche person übergetragen, wie fotze, fud oder fut, pumpel, zotte, welche alle zunächst das weibliche glied bedeuten.
 
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fulge, f., bei Brockes für folie (3, 1885) in der bedeutung dünnes metall- oder farbiges papierblättchen als unterlage unter einen gefaszten edelstein, um dessen glanz und feuer zu erhöhen, indem es die durch den durchsichtigen körper fallenden lichtstrahlen zurückwirft, bildlich gesetzt oder auch in der aus dieser bedeutung entspringenden weiteren: unterlage einer sache, damit diese in werth und glanz erst recht hervortritt.

ein helles (grün) nimmt sich dort hingegen schöner aus,
weil ein verdunkelt grün,
damit es so viel heller schien,
ihm gleichsam eine fulge gab. 2 (1739), 31;

der schatten, den die menge macht,
dient noch insonderheit,
der hellen farben glanz und pracht,
wie eine fulge, zu erhöhn. 52;

dasz die blaue pracht
des tiefen firmaments, in welchem jede (kugel der wasserkunst) schwebet
durch reine dunkelheit die schönheit noch erhebet,
und gleichsam sich zu ihrer fulge macht. 134;

indem ein jedes blatt (des ritterspornes) ...
den blumen selbst zur schönen fulge dienet. 402.

dort sticht ein heller platz, der ganz im lichten steht ...
... sich ebenmäszig ab
von einer schattenreichen tiefe
die sein lichthelles grün als eine fulg erhöht. 3 (1736), 596;

ein recht geweb aus lauter strahlen, die alle wunderwürdig klein
und die nur durch den dunklen grund, als eine fulge, sichtbar sein. 5, (1736), 378;

indem wir gleichsam eine nacht,
die sich dem licht zur fulge macht,
durchs licht, das sonst nicht sichtbar, sehn. 7, 372.


aber auch in der bedeutung: dünnes metallblatt als unterlage unter einen spiegel, damit das bild vollkommen zurückgeworfen werde. eigentlich wie bildlich:

es bilden des wassers sanftwallende hügel
viel tausend polierte bewegliche spiegel,
mit fulgen von fliessendem silber versetzt. 1, 30.


Das wort scheint mundartliche aussprache, doch wird es zu Hamburg, der heimat des dichters, nicht gehört. übrigens zeigen den übergang von folie zu fulge die schreibung folje bei Frisch 1, 284c f. und das schon vorher bei Stieler 188 verzeichnete die folge. folie selbst ist entlehnt aus mittellat. folia, welches der zum sg. umgeprägte pl. von lat. folium blatt ist (s. Diez gramm. d. r. spr. 22, 21 f.) und bereits 1336 in der bedeutung metallblättchen, bractea, lamnula sich findet (Adelung glossar. 3, 604b).
 
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fulhat, f., findet sich in folgender stelle des Augsburger druckes von Vintlers blume der tugend (s. Haupt 9, 92):

[Bd. 4, Sp. 483]


do sprach der sun an der fart:
so wer ich wol eyn pasthart,
solt ich nit als vil plt
vergiessen und machen als meyn (in der Gothaer hs. menig) flt,
als meyn vater getan hat:
so wer ich nit gt z eyner fulhat.

ein entstelltes wort, denn die Gothaer hs. hat nach einer mittheilung Karl Regels so war ich nit gt z ainem surthart, womit, wie mir Ignaz Zingerle schreibt, die Innsbrucker und die Stockholmer hss. stimmen, indem jene so war ich nicht gut zu ainem surthart und diese so wer ich nicht gut zu ainen surthart bietet. surthart kommt nun freilich, wie Zingerle bemerkt, bei Vintler nicht mehr vor und möchte sich auch schwerlich noch anderswoher nachweisen lassen, aber das wort, welches offenbar eine schelte ist, steht bei der übereinstimmung der handschriften sicher. nicht so die bedeutung, die »in unzucht erzeugter, durch schändung erzeugter« gewesen zu sein scheint, was auch als stärkerer ausdruck zu der vorausgehenden schelte pasthart, bastard, passen würde. die bildung von surthart erscheint der von bankhart ähnlich, und surt, von der mhd. wurzel sërten (praet. sg. sart, pl. surten, part. praet. gesorten), stuprare, wird die bedeutung schändung, unzucht, beizulegen sein. das wort kommt nur vor in

ich hân gehœrt wol drîstunt lîht
daʒ man eim stuol ein surt giht. Liedersaal 3, 328, 38.

aber was bedeutet es hier? etwa »sitz der unzucht«, denn stuol ist auch ein sitz für mehrere? Ben. 2, 2, 320b läszt die stelle unerklärt, führt jedoch nebenbei den von surt abgeleiteten personennamen Sürtel MSH. 2, 384a, 3, 2 an, der allerdings »schänder, unzüchtiger« zu erklären ist, wie ihn auch W. Wackernagel in Pfeiffers Germania 5, 302 nach seiner hinweisung auf sërten versteht.
 
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fulk, n., für volk (s. d.): furste, grave, rittere unnd knecht, burger unnd gebur, frowe unnd man, knecht unnd mayt, rich unnd arm, bettelere unnd bettelerynne, schulere unnd allirleye fulk, inlendisch adir fromde. Stolle chron. s. 126. doch steht diese form mit ungebrochenem u nur vereinzelt, da das buch sonst überall das übliche volk bietet.
 
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full, nd. für voll, s. d. und auch DWB füllig.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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