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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fuke bis füle (Bd. 4, Sp. 479 bis 481)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fuke, f. ein zum fischfang in binnenwassern übliches kleineres stellgarn, das in einem reusenartigen, oft mit flügeln versehenen flechtwerk besteht, woran sich ein netz befindet. das wort scheint zunächst dem friesischen eigen (vgl. GDS. 681) und verbreitet sich dann in das niederländische. altfr. u. ostfr. fûke (Richthofen 769. Stürenburg 3b u. 63a. Krüger 54a), westf. foecke, nordfr. wie es scheint fehlend, wenigstens bei Outzen nicht verzeichnet, nl. bei Kilian fuycke, vuycke, nnl. fuik f. die herkunft ist dunkel; sollte verwandtschaft mit altn. fûki, empfindlicher geruch, gestank, foetor stattfinden, so wiese fuke mit diesem auf das altn. wurzelverb fiuka (3, 1864. 4, 360. gramm. 2, 23 nr. 259) zurück und würde das geräth von dem geruch, den ihm wasser und fische mittheilen, benannt sein. anderwärts in Deutschland heiszt dasselbe nach seiner gestalt bunge und trumme.
als redensart kommt ostfr. vor in de fuke = in der klemme, in der enge (Stürenburg 63a), ursprünglich so viel als »gefangen«, wie denn auch nnl. hij is al in de fuik in dem sinne von hij is al int net, er ist schon im netze gefangen, gesagt wird, und die ehe heiszt ironisch auch nnl. de huuwlijksfuik d. i. das heirathsnetz.
 
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fukhame, m. was fuke. im 16. jh. in Westfalen: dess sollen sie die freyheide haben in der Acher (Agger) zu fischen mit einem wanckkorf und mit einem fuckham. weisth. 3, 24. darauf, ob das wort noch jetzt dort gebraucht ist, weist nirgends eine angabe. aber die länge des u (s. fuke) duldet kein ck, und die zusammensetzung fukhame soll im munde der fischer ausdrücken, dasz das »netz« (s. DWB hame) nicht ein gewöhnliches, sondern wie eine fuke eingerichtet, überhaupt nichts anderes als eine fuke sei.
 
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ful, für fiel, das praet. von fallen. Fischart Garg. 120b; ful im (ihm) ... in die red. 263b; (dasz ihnen) der arszdarm armeslang rot vor dem fidloch hieng und dasz jhnen das zäpflin gar entful. 206a = (1608) Bb 1a, s. DWB füdloch. übrigens hat eben diese ausgabe von 1608 an jenen ersten beiden stellen ful bereits in fiel umgeändert. die schreibung full führt Weinhold alemann. gramm. 47 u. 329 aus Thomas Plater 44 an, und ein wegen des langen u unnöthiger weise noch mit einem dehnenden h vermehrtes fuhl läszt sich wol auch auffinden, zumal da, wie der nächste artikel zeigt, fühl für fiel vorkommt. das u für ie reduplicierender praeterita aber, wie es hier in ful erscheint, weist Weinhold a. a. o. alemannisch auch in hult, hung für hielt, hieng nach, und anderwärts her läszt sich noch gung für gieng hinzufügen: eines abends aber, als ich in einem

[Bd. 4, Sp. 480]


thal langs hinauf spatzieren gunge. Moscherosch Philander (1650) 1, 340; es gung so kuraschy her! dasz mir das maul noch wässert wann ich daran gedencke. 351; ich und Reiner, voll schrecken, gungen beyseits und erseüfzeten. 434. zugleich kommt in andern stellen eben dieses werkes gieng vor. anszerdem begegnet fung neben fieng: die materialisten waren bald im harnisch und mit ihren elefanten zähnen fungen ein geklappers an dasz mir angstet. 643. endlich blus für blies hat Claudius (s. blasen). woher aber dieses u für ie? Weinhold, der û setzt, das jedoch keineswegs sicher steht, meint, es werde als verengung von iu zu nehmen sein, welches letztere sich als reduplicationsdiphthong nachweisen liesze. allein u für ahd. iu bei reduplicierenden verben bietet sich nur in nhd. luf, luff (Weinhold 47), jetzt loff neben lief, ahd. und auch mhd. liuf, liof (s. DWB laufen), und dieses iu zeigt auszerdem noch das ahd. praet. hiu hieb (s. DWB hauen). richtiger dürfte in jenen formen mit u übertritt des i in diesen vocal anzunehmen sein, zumal wenn man die durch einwirkung des nd. entstandenen mitteld. formen vil, hilt, hinc, ginc, vinc (vgl. W. Grimms graf Rudolf s. 4. Frommann zu Herbort s. 225, 571. Franz Pfeiffer myst. 1, 570 f. und Jeroschin s. lix) vergleicht, denen vîl, hîlt, hînc, gînc, vînc voraufgieng, in deren î der reduplicationsdiphthong ie sich gleichsam verengt hatte. der übertritt scheint im nd., wo jene praeterita full, hung, gung, fung lauten, vor sich gegangen und dann zum theil nach Mitteldeutschland und dem Oberrheine vorgedrungen zu sein. was jenes anlangt, so hört man z. b. in der Wetterau zwar kein ful, aber dem nd. gemäsz hong, gong, fong. übrigens scheint auch für den übertritt der umlaut ü in der folgenden form fül zu sprechen.
 
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fül, wie das vorhergehende ful, für fiel, das praet. von fallen:

die schenckel wolten werden schwach,
er fül zu ruck mit ungemach.
Spreng Il. (1610) 88b;

und von dem schiff mit schmerzen fühl (der durchbohrte)
herausser auf die erden kühl. 209a;

(Mars) fühl auf die knie zu boden nider
und strecket von sich alle glieder. 298b;

Deiphobi behausung grosz
litt von den flammen harten stosz,
das sie zu boden fühl behend. Aen. (1610) 29b.

eben so von fallen mit partikeln zusammengesetzt:

traff Venerem gleich an die brust,
das sie mit Marte niderfühl (: kühl). Il. 298b;

(die Griechen) Troya die statt zu einer straf,
im wein vergraben, und im schlaf,
starck uberfühlen mit gewalt. Aen. 28b.

aber bei fül, fühl findet sich in beiden dichtungen häufig genug fiehl, selbst, wie 72a, im reim auf kühl und auch, wie 209b, sehr nahe an jenem fühl. dieses, besser ohne das dehnende h fül, ist das umlautende ful, was auch durch die mecklenburg. form föll, dem ein zu hult für hielt stimmendes höll zur seite steht (Richter gramm. 31), bestätigt werden dürfte. auffallend ist bei Ölinger gramm. 133 ich fuele für ich fiel, denn das ue scheint zwischen u und ü zu schweben.
 
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fül, n. das junge vom pferde, esel, kamel, besonders vom ersten. auch füle (s. d.). ahd. fuli, mhd. fül (Helbling 8, 327. 330, an welcher letzten stelle Karajan vüle setzt. Megenberg 137, 18 ff.), und in oder an der Schweiz auch füli (Grieshabers pred. 2, 128 mehrmals), wie es scheint dim. von ahd. folo nhd. fohle 3, 1868. vgl. DWB füllen. nhd. der schwanger bawer mit dem fül als überschrift eines fastnachtspieles von H. Sachs 5, 353c. aus diesem spiele mögen einige stellen hier stehn, die das wort in den verschiedenen casus zeigen:

der harm zeigt bei meim eid besunder,
dein bawr geh schwanger mit eim fül. 355c;

die (purgatz) musz das fül von jm ausztreiben,
sonst müst er ob dem fül tod bleiben,
wann es jm wüchs im bauch zu grosz,
eil bald, dasz er desz füls werd losz. ebenda;

wer hat gehört bei seinen tagen,
das ein bawr hat ein fül getragen,
o het mein mann sein fül geborn. 356b;

bist du deins füls gar worden an. 356c.

Dagegen IV. 2, 62c fühl:

da kam zu der obersten haufen
ein schönes junges fühl gelaufen.

diese form nun könnte tadelhaft für fül stehn, aber das h scheint, wie in befehl (s. d.), kein blosz dehnendes, sondern vielmehr organisch, nur dasz es von seiner ursprünglichen stelle hinter dem l auf die vor demselben verrückt ist. in fühl nemlich wird sich das von jenem ahd. folo goth. fula mittelst -h und -in abgeleitete

[Bd. 4, Sp. 481]


gleichbedeutende ahd. fulhin n. (gl. blas. 65a), vulhin (gl. trevir. 3, 38), später in der endung abgeschwächt und um das auslautende n gekürzt fulhe (neben fol im voc, theut. v. 1482 i 4a), erhalten haben. vgl. auch DWB fülche.
 
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fül, adj., für voll. fül, nicht lehr, pieno, colmo. Hulsius 50a, der aber auch 155a vol hat. eine einsam stehende form, deren umlaut sich nicht erklären läszt. s. DWB ful.
 
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fülblein, n. eine kleine weiche feder? eine kleine flaumfeder? ein flaumfederchen?

die alt und jung han mich inn acht
und rupfen mir mein federn ausz,
gelt, kleider, kleinat, hof und hausz,
weil (so lange) ich ein fulblin an mir hab,
dann wird ich unwerd und schabab
und bleibe ein berupfter thor.
H. Sachs I, 517b = (1590) 387c, wo fülblein.

J. Grimm fragt bei aufzeichnung der stelle: federlein?
Wol dim. von pfülbe (s. d.) und vom federküssen auf die einzelne flaumfeder übergetragen. f aber neben pf kommt nicht selten vor, vgl. DWB flaum.
 
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fülbar, s. DWB fühlbar.
 
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fülche, f.
1) ein weibliches füllen, ein junges mutterpferd das noch nicht geboren hat. bairisch, s. Schmeller 1, 526, der auch ain 2jerige filch aus Westenrieders hist. beitr. 6, 425 anführt. ahd. fulihhâ (gl. cassel. s. 38 u. 85a), in Innsbrucker glossen des 11.—12. jh. vuliche, poledra, neben fole, poledrus (Mone anz. 7, 594, 443). das wort erscheint als fortbildung von eben diesem fole, ahd. folo, goth. fula, nhd. fohle (s. 3, 1868), wie ahniche = avus (s. 1, 196) von ahn ahd. ano, nur dasz hier von einem masc. ein masc., dagegen bei fulihhâ von einem masc. ein fem. abgeleitet ist. nun könnte man geneigt sein, dieses in seinem ihh diminutivisch zu fassen, allein da ein weibliches diminutiv einen weiblichen stamm voraussetzt, wie das männliche einen männlichen, so kann das wort nur dann als diminutiv genommen werden, wenn ihm zunächst ein von jenem männlichen folo abgeleitetes weibliches fuliâ = weibliches füllen, stutfüllen vorausgienge, von welchem es dann diminutivbildung sein würde. ein solches einfaches fuliâ läszt sich auch bei dieser wol voraussetzen (2, 613f. gr. 3, 677), jedoch nicht nachweisen, weshalb hier jene bildung nicht mit sicherheit angenommen werden kann.
2) ein mädchen. bair., doch nur im scherze. Schmeller I, 526. eine übertragung der vorigen bedeutung, wie wetterauisch der sprenger, ein halbwüchsiges zuchtschwein das zur herde getrieben wird, zu und bei Gieszen auch von einem kinde, das so weit herangewachsen ist, dasz es sich auf der gasse tummeln kann, gesagt wird. schwerlich aber findet hier entlehnung aus franz. fille statt, wenn sich auch dieses wort leicht an fülche in seiner ersten eigentlichen bedeutung anlehnen liesze.
 
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fulda, f., der name des bekannten aus der Rhön kommenden flusses, aus dessen vereinigung mit der Werra die Weser entsteht, findet sich von Jacob Grimm mit hinweisung auf GDS. 574 für das wb. aufgezeichnet und sollte demnach in demselben, wie anzunehmen ist, besonders angeführt werden. er kommt bei den Römern, auch bei dem geographus ravennas noch nicht vor; erst im 8. jh. und der darauf folgenden zeit erscheint, gleichviel ob von dem flusse oder dem an diesem liegenden und deshalb nach ihm benannten kloster, Fuldâ, Fultâ, Vuldâ, Vultâ, auch einmal Foldâ (Förstemann 2, 538), welchen formen, da â aus aha, wasser, flusz, zusammengezogen ist (s. DWB aa 1, 4), die neben ihnen vorkommenden Fuldaha, Fultaha, Vuldaha, Vultaha, Voldaha (Förstemann 2, 537 f.) als die älteren vorausgehn. das d, wo es in der alten schreibung steht, ist ganz dem alts. folda, ags. folde, altn. fold, = erde, land (3, 1475), gemäsz, welches den ersten theil des namens bildet; im ahd., wo dieses wort bis jetzt nicht aufgefunden ist, würde fulta, folta gesagt worden sein, wonach sich dann unter jenen formen des namens, der so viel als landflusz bedeutet, als die eigentlich althochdeutschen Fultaha, Fultâ ergeben. auffallend aber bleibt, zumal da sich, worauf Jacob Grimm aufmerksam macht, slavische ansiedler den Main entlang bis ins Fuldische niederlieszen, dasz in den ann. fuld. bei Perz 1, 385 Fuldaha die böhmische Moldau bedeutet, die bei den Slaven selbst Wltawa, Wletawa heiszt, s. GDS. a. a. o., wo noch weitere ausführung. schwerlich ist hier bei der berührung des deutschen und des slavischen flusznamens zufälliges zusammentreffen anzunehmen, vielleicht eher dasz die Slaven den deutschen flusznamen in Böhmen vorgefunden und ihn in ihrer sprache umgebildet haben mögen.
 
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füle, f., s. DWB fühle.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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