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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fuhrwerk bis ful (Bd. 4, Sp. 478 bis 479)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fuhrwerk, n. falsch statt furwerk d. i. vorwerk (s. d.). fuhrwerck, baurhof, ein gut ausserhalb der statt, fundus, possessio rustica, praedium. Henisch 1283, 43. dasz unter andern bey Jerusalem ein lustiger stattlicher hoff oder fuhrwerck gewesen, so Hettan genennet. Schuppius 99; ein schaffner, dem der meyerhoff (fuhrwerck) vertrauet wird. Comenius sprachenthür s. 95, 386, hier verdeutschung von villa. in der Oberlausitz ein gröszerer stadtgarten. Anton 17, 25.
 
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fuhrwerken ,
1) intransitiv, mit einem fuhrwerke fahren, vecturam facere. Kehrein volksspr. in Nassau nachtr. 15. baier. fuerwerchen. Schmeller 4, 140. schweiz. fuhrwerken, mit ros und wagen fahren sowohl, als sich mit dem fuhrwesen abgeben. Stalder 1, 403. in der Oberlausitz er fuhrwerkt, er hält fuhrwerk und vermiethet es, ist ein lohnfuhrmann, der sich von seinem fuhrwerke nährt; es wird aber auch von dem gesagt, der, ohne eignes fuhrwerk zu haben, sich an einen andern verdingt und bei fremdem fuhrwerke das fahren besorgt. Anton 17, 25. mit jener bedeutung stimmt dann, wenn fuhrwerken im schwäbischen so viel als »fuhrwerk um lohn treiben« ist. Schmid 211. den besondern sinn »güter, waaren mit einem fuhrwerke von einem orte zum andern bringen« hat das wort in folgender stelle: kein schulz, kein bauer sol um lohn furwerken, auch nicht kaufschlagen, ausgenommen die krüger, die mogen bier, hering, öl, honig, salz u. s. w. aus den städten holen und verkaufen. Waissel chronica 106.
2) transitiv.
a) durch ein fuhrwerk befördern. fuhrwerkte er (der über die staubige strasze dahinjagende Dankmar) eben eigenhändig einen handwerksburschen. Gutzkow ritter v. g. bch. 1 cap. 8.

[Bd. 4, Sp. 479]



b) einen aus einem zimmer, aus einer gesellschaft, von andern werfen, doch nur in heiterer sprache. der mensch wurde, weil er streit anfangen wollte, aus dem saale gefuhrwerkt oder auch blosz hinausgefuhrwerkt.
 
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fuhrwerksbesitzer, m.
 
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fuhrwesen, n.
1) das was das fahren d. h. das bringen von personen, gütern, waaren von einem orte zu einem andern auf fuhrwerken betrift oder dazu gehört, namentlich insofern die beförderung für bezahlung oder lohn geschieht. vgl. DWB fuhrwerk 2). hier ohne pl. gebraucht. das fuhrwesen in einem lande verbessern. Adelung. dem fuhrwesen eine andere einrichtung geben. hieran schlieszt sich enge
2) das ganze von zusammengehörigen fuhrwerken in seiner einrichtung. vgl. DWB fuhrwerk 4). in diesem sinne ebenfalls ohne pl. gesetzt. ich sah daselbst eine sehr gut gekleidete kaiserliche garnison, in der nähe ein starkes aufgefahrnes proviantfuhrwesen und erbärmlich gekleidete kranke. Göthe 43, 148.
3) ein einzelnes fuhrwerk. vgl. DWB fuhrwerk 3). ein offner wagen (ein postwagen) war vorgefahren, und da sich wieder ein schneegestöber ankündigte, bestieg Kronenberg dieses fuhrwesen mit unfreundlicher miene. Tieck 14, 263. besonders ein einzelnes fuhrwerk geringerer art. In dieser bedeutung mit pl.
 
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fuhrwesenswagen, m. ein in ein fuhrwesen gehöriger wagen. vgl. DWB fuhrwesen 2).
 
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fuhrweser, m. ein soldat von dem fuhrwesen beim heere, dem train. in Baiern. ein wort jüngerer, aber schlechter bildung.
 
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fuhrzeug, n., ein fahrzeug zu lande, ein fuhrwerk, instrumentum curule et vectorium. Stieler 2626. nnl. voertuig n., wagen, karren u. s. w.
 
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fuit, er, sie, es ist gewesen, wird aus dem lat. entlehnt in dem sinne der adverbien dahin, vorbei, weiland: es schwur einsmals ein bauer, er wolte noch dieses jahr heyrathen, aber der tropfe war von der einbildung betrogen, dann weilen er nimmer nüchtern, heyrathete nit er, sondern wurde von jungfer Annichen fuit geheyrathet. Schuppius 526.
 
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fuke, f. ein zum fischfang in binnenwassern übliches kleineres stellgarn, das in einem reusenartigen, oft mit flügeln versehenen flechtwerk besteht, woran sich ein netz befindet. das wort scheint zunächst dem friesischen eigen (vgl. GDS. 681) und verbreitet sich dann in das niederländische. altfr. u. ostfr. fûke (Richthofen 769. Stürenburg 3b u. 63a. Krüger 54a), westf. foecke, nordfr. wie es scheint fehlend, wenigstens bei Outzen nicht verzeichnet, nl. bei Kilian fuycke, vuycke, nnl. fuik f. die herkunft ist dunkel; sollte verwandtschaft mit altn. fûki, empfindlicher geruch, gestank, foetor stattfinden, so wiese fuke mit diesem auf das altn. wurzelverb fiuka (3, 1864. 4, 360. gramm. 2, 23 nr. 259) zurück und würde das geräth von dem geruch, den ihm wasser und fische mittheilen, benannt sein. anderwärts in Deutschland heiszt dasselbe nach seiner gestalt bunge und trumme.
als redensart kommt ostfr. vor in de fuke = in der klemme, in der enge (Stürenburg 63a), ursprünglich so viel als »gefangen«, wie denn auch nnl. hij is al in de fuik in dem sinne von hij is al int net, er ist schon im netze gefangen, gesagt wird, und die ehe heiszt ironisch auch nnl. de huuwlijksfuik d. i. das heirathsnetz.
 
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fukhame, m. was fuke. im 16. jh. in Westfalen: dess sollen sie die freyheide haben in der Acher (Agger) zu fischen mit einem wanckkorf und mit einem fuckham. weisth. 3, 24. darauf, ob das wort noch jetzt dort gebraucht ist, weist nirgends eine angabe. aber die länge des u (s. fuke) duldet kein ck, und die zusammensetzung fukhame soll im munde der fischer ausdrücken, dasz das »netz« (s. DWB hame) nicht ein gewöhnliches, sondern wie eine fuke eingerichtet, überhaupt nichts anderes als eine fuke sei.
 
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ful, für fiel, das praet. von fallen. Fischart Garg. 120b; ful im (ihm) ... in die red. 263b; (dasz ihnen) der arszdarm armeslang rot vor dem fidloch hieng und dasz jhnen das zäpflin gar entful. 206a = (1608) Bb 1a, s. DWB füdloch. übrigens hat eben diese ausgabe von 1608 an jenen ersten beiden stellen ful bereits in fiel umgeändert. die schreibung full führt Weinhold alemann. gramm. 47 u. 329 aus Thomas Plater 44 an, und ein wegen des langen u unnöthiger weise noch mit einem dehnenden h vermehrtes fuhl läszt sich wol auch auffinden, zumal da, wie der nächste artikel zeigt, fühl für fiel vorkommt. das u für ie reduplicierender praeterita aber, wie es hier in ful erscheint, weist Weinhold a. a. o. alemannisch auch in hult, hung für hielt, hieng nach, und anderwärts her läszt sich noch gung für gieng hinzufügen: eines abends aber, als ich in einem

[Bd. 4, Sp. 480]


thal langs hinauf spatzieren gunge. Moscherosch Philander (1650) 1, 340; es gung so kuraschy her! dasz mir das maul noch wässert wann ich daran gedencke. 351; ich und Reiner, voll schrecken, gungen beyseits und erseüfzeten. 434. zugleich kommt in andern stellen eben dieses werkes gieng vor. anszerdem begegnet fung neben fieng: die materialisten waren bald im harnisch und mit ihren elefanten zähnen fungen ein geklappers an dasz mir angstet. 643. endlich blus für blies hat Claudius (s. blasen). woher aber dieses u für ie? Weinhold, der û setzt, das jedoch keineswegs sicher steht, meint, es werde als verengung von iu zu nehmen sein, welches letztere sich als reduplicationsdiphthong nachweisen liesze. allein u für ahd. iu bei reduplicierenden verben bietet sich nur in nhd. luf, luff (Weinhold 47), jetzt loff neben lief, ahd. und auch mhd. liuf, liof (s. DWB laufen), und dieses iu zeigt auszerdem noch das ahd. praet. hiu hieb (s. DWB hauen). richtiger dürfte in jenen formen mit u übertritt des i in diesen vocal anzunehmen sein, zumal wenn man die durch einwirkung des nd. entstandenen mitteld. formen vil, hilt, hinc, ginc, vinc (vgl. W. Grimms graf Rudolf s. 4. Frommann zu Herbort s. 225, 571. Franz Pfeiffer myst. 1, 570 f. und Jeroschin s. lix) vergleicht, denen vîl, hîlt, hînc, gînc, vînc voraufgieng, in deren î der reduplicationsdiphthong ie sich gleichsam verengt hatte. der übertritt scheint im nd., wo jene praeterita full, hung, gung, fung lauten, vor sich gegangen und dann zum theil nach Mitteldeutschland und dem Oberrheine vorgedrungen zu sein. was jenes anlangt, so hört man z. b. in der Wetterau zwar kein ful, aber dem nd. gemäsz hong, gong, fong. übrigens scheint auch für den übertritt der umlaut ü in der folgenden form fül zu sprechen.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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