Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fuhrwein bis fuke (Bd. 4, Sp. 477 bis 479)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fuhrwein, m.
1) eine in wein bestehende abgabe von wein, der ausgeschenkt oder im groszen verkauft wird. mhd. vuorwîn. nach dem Basler bischofs- und dienstmannenrecht s. 17 ist als vuorwîn festgesetzt ein halpfierteil wîns und bei fahren auf einen bestimmten freien platz und feilhalten daselbst eben so viel an jeden ammann abzugeben. anders in dem aus dem jahr 1320 herrührenden weisthum von Ebersheimmünster im Unterelsasz: unde swër hie wîn veile hât, dër sol mîme hêrren gëben von dëme vôdere einen âmen ze fûrwîne unde dëm schultheiʒen ein vierteil. Grimm weisth. 1, 670. nicht näher bestimmt ist die höhe der abgabe zu Honau im Elsasz: dër sëlbe fûrwîn ist vormôls ganz eins këllers dër stift gewësen. Königshoven s. 1147, 29, vgl. 1156, 17.
2) zum verfahren auf fässer gezogener wein. fuhrwein, wein auff fasse gezogen, vinum doliare, quod in dolio conditum est, nec turbatum tum amplius est. Henisch 1283, 40. so wird auch unter den bei Fischart Garg. 58a = (1608) G 2b aufgezählten vielen weinen unmittelbar vor fuderwein (s. d.) genannt fuhrwein.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fuhrwerk, n.
1) das fahren auf dem lande mit zugvieh so wol überhaupt als auch als gewerbe, personen und güter oder waaren für geld von einem orte zum andern zu bringen, aurigatio. Henisch 1283, 45. Stieler 2556. ohne pl. gebraucht. fuhrwerk treiben, aurigari. Henisch 1283, 46; sich mit dem fuhrwerk nehren, vecturis rem aut quaestum facere. 47. de aurigatione, vom fuhrwerck. Comenius sprachenthür s. 113. mit fuhrwerck umgehen, aurigare. Dentzler 2, 116b. daraus geht dann die folgende bedeutung hervor.
2) das was das fortbringen von personen, namentlich aber von gütern, waaren auf der achse für bezahlung betrift und dazu gehört. hier ebenfalls ohne pl. gebraucht. das fuhrwerk in einem lande besser einrichten. Adelung 2, 347.
3) ein geräth zum fahren auf dem lande, sowol für sich als auch mit dem dazu gehörigen zugvieh, der bespannung. baier. fuerwerch. Schmeller 4, 140. schweiz. fuhrwerk, ros und wagen. Stalder 1, 403. fuhrwerke sind karren, wagen, kutschen, droschken, schlitten. er reist mit seinem eignen fuhrwerke. er war mit fremdem fuhrwerke hier. er hat ein gutes, ein schlechtes fuhrwerk.

wenn er fürlegt und greift ans rad,
so gehn sein fuhrwerck fein von stat.
Mathesius;

Fichte ist, wie ich gehört, nun in Jena angelangt, ich bin neugierig ob mit Ihrem fuhrwerk. Schiller an Göthe, briefw. 5, 223. auch von einem wagen, der, von thieren gezogen, durch die luft fährt, z. b. dem Oberons:

ob auf gewohnten bahnen
den lauf ihr zauberfuhrwerk nimmt,
ob durch die luft, obs rollet oder schwimmt,
ob langsam oder schnell, mit pferden oder schwanen.
Wieland Ob. 5, 82.

[Bd. 4, Sp. 478]



bildlich in der stelle von Fischart unter fuhrgespan, in

du magst es noch so lange treiben,
das fuhrwerck der gewünschten eh
wird doch im drecke stecken bleiben.
Günther 945.


sprichwörter: wenn der wagen fellt, so fellt das gantze fuhrwerck. Henisch 1283, 54; wenn der eine vorn ans rad greift und scheubt was er von leibskräften mag, die andere halten hindern (l. hinden) wider und hemmen oder werfen stöck und blöck inn weg, da gehet das fuhrwerck nit von statt. 53, vgl. als gegensatz die eben angeführte stelle von Mathesius; wenn einem ein fusz entgehet oder ein rad oder spaich bricht in seinem fuhrwerck, das soll man nit helfen verunglimpfen noch spotten. 63; wer inn der welt will mit gottes fuhrwerck fortkommen, der kan nit alle stöck und steine ausz der fahrstrasse räumen, sonder musz mit gedult gemach fahren, bisz er zu abend auf die herberg komme. 55; böser leut farth wehret nicht lang, denn gott ist nicht beym fuhrwerck. 61; unseres herrgotts fuhrwerk geht langsam und wohl. Simrock 2910. s. auch fuhrmann.
4) läszt das wort unbestimmt, ob éin geräth zum fahren auf dem lande gemeint sei oder mehr als eins, insofern diese zusammengehören: man zwang sogar den gewesenen eigenthümer, sein spann- und fuhrwerk in guter ordnung zu erhalten, damit er jederzeit im stande wäre, erde zum deiche zu fahren. Möser patr. phant. 1, 326; man würde dem entlegenern stande, der korn genug, aber kein fuhrwerk hat, dienen und sich selbst helfen können. man würde das fuhrwerk im kreise einander zu tarifmäszigen preisen liefern, sich einander gleichsam in die hand arbeiten. 365. sich fuhrwerk halten. dann überhaupt das was von fuhrwerken zusammengehört. bei bezeichnung einer anzahl fuhrwerke aber steht das wort collectiv und damit ohne pl. wie oben bei 1) und 2). mit bangigkeit hatte man noch am tage das sämmtliche fuhrwerk, am bänglichsten aber die artillerie, in den durchweichten boden einschneiden, sich stockend bewegen sehen: was mochte nun zu nacht alles vorfallen? Göthe 30, 98.
5) ein beförderungsmittel, ein vehikel: diese (die muttersprache) ist der landesehre fuhrwerk. Gabriel Wagner, nach Campes anführung.
6) ein lustiges thun (wie es bei einer lustfahrt zu wagen stattfindet), ein spass. so straszburgisch:

frau Dorthee. i glaub s (das Bärbel) kummt her ins hûs.
frau Rosine. do nemmer e fuerwerk. disz het e rechte schnawwel,
sîn zung ist schmal, scharf, spitz ass wie e rîdersawel.
Arnold pfingstmontag 86;

ins herr bluetschrîwers sohn
isch mit gedurkelt au, sternvoll wie e kanon.
zell (jenes) isch e fuerwerk gsin bis die henn dhûsdüer gfunde! 93.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fuhrwerk, n. falsch statt furwerk d. i. vorwerk (s. d.). fuhrwerck, baurhof, ein gut ausserhalb der statt, fundus, possessio rustica, praedium. Henisch 1283, 43. dasz unter andern bey Jerusalem ein lustiger stattlicher hoff oder fuhrwerck gewesen, so Hettan genennet. Schuppius 99; ein schaffner, dem der meyerhoff (fuhrwerck) vertrauet wird. Comenius sprachenthür s. 95, 386, hier verdeutschung von villa. in der Oberlausitz ein gröszerer stadtgarten. Anton 17, 25.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fuhrwerken ,
1) intransitiv, mit einem fuhrwerke fahren, vecturam facere. Kehrein volksspr. in Nassau nachtr. 15. baier. fuerwerchen. Schmeller 4, 140. schweiz. fuhrwerken, mit ros und wagen fahren sowohl, als sich mit dem fuhrwesen abgeben. Stalder 1, 403. in der Oberlausitz er fuhrwerkt, er hält fuhrwerk und vermiethet es, ist ein lohnfuhrmann, der sich von seinem fuhrwerke nährt; es wird aber auch von dem gesagt, der, ohne eignes fuhrwerk zu haben, sich an einen andern verdingt und bei fremdem fuhrwerke das fahren besorgt. Anton 17, 25. mit jener bedeutung stimmt dann, wenn fuhrwerken im schwäbischen so viel als »fuhrwerk um lohn treiben« ist. Schmid 211. den besondern sinn »güter, waaren mit einem fuhrwerke von einem orte zum andern bringen« hat das wort in folgender stelle: kein schulz, kein bauer sol um lohn furwerken, auch nicht kaufschlagen, ausgenommen die krüger, die mogen bier, hering, öl, honig, salz u. s. w. aus den städten holen und verkaufen. Waissel chronica 106.
2) transitiv.
a) durch ein fuhrwerk befördern. fuhrwerkte er (der über die staubige strasze dahinjagende Dankmar) eben eigenhändig einen handwerksburschen. Gutzkow ritter v. g. bch. 1 cap. 8.

[Bd. 4, Sp. 479]



b) einen aus einem zimmer, aus einer gesellschaft, von andern werfen, doch nur in heiterer sprache. der mensch wurde, weil er streit anfangen wollte, aus dem saale gefuhrwerkt oder auch blosz hinausgefuhrwerkt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fuhrwerksbesitzer, m.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fuhrwesen, n.
1) das was das fahren d. h. das bringen von personen, gütern, waaren von einem orte zu einem andern auf fuhrwerken betrift oder dazu gehört, namentlich insofern die beförderung für bezahlung oder lohn geschieht. vgl. DWB fuhrwerk 2). hier ohne pl. gebraucht. das fuhrwesen in einem lande verbessern. Adelung. dem fuhrwesen eine andere einrichtung geben. hieran schlieszt sich enge
2) das ganze von zusammengehörigen fuhrwerken in seiner einrichtung. vgl. DWB fuhrwerk 4). in diesem sinne ebenfalls ohne pl. gesetzt. ich sah daselbst eine sehr gut gekleidete kaiserliche garnison, in der nähe ein starkes aufgefahrnes proviantfuhrwesen und erbärmlich gekleidete kranke. Göthe 43, 148.
3) ein einzelnes fuhrwerk. vgl. DWB fuhrwerk 3). ein offner wagen (ein postwagen) war vorgefahren, und da sich wieder ein schneegestöber ankündigte, bestieg Kronenberg dieses fuhrwesen mit unfreundlicher miene. Tieck 14, 263. besonders ein einzelnes fuhrwerk geringerer art. In dieser bedeutung mit pl.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fuhrwesenswagen, m. ein in ein fuhrwesen gehöriger wagen. vgl. DWB fuhrwesen 2).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fuhrweser, m. ein soldat von dem fuhrwesen beim heere, dem train. in Baiern. ein wort jüngerer, aber schlechter bildung.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fuhrzeug, n., ein fahrzeug zu lande, ein fuhrwerk, instrumentum curule et vectorium. Stieler 2626. nnl. voertuig n., wagen, karren u. s. w.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fuit, er, sie, es ist gewesen, wird aus dem lat. entlehnt in dem sinne der adverbien dahin, vorbei, weiland: es schwur einsmals ein bauer, er wolte noch dieses jahr heyrathen, aber der tropfe war von der einbildung betrogen, dann weilen er nimmer nüchtern, heyrathete nit er, sondern wurde von jungfer Annichen fuit geheyrathet. Schuppius 526.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fuke, f. ein zum fischfang in binnenwassern übliches kleineres stellgarn, das in einem reusenartigen, oft mit flügeln versehenen flechtwerk besteht, woran sich ein netz befindet. das wort scheint zunächst dem friesischen eigen (vgl. GDS. 681) und verbreitet sich dann in das niederländische. altfr. u. ostfr. fûke (Richthofen 769. Stürenburg 3b u. 63a. Krüger 54a), westf. foecke, nordfr. wie es scheint fehlend, wenigstens bei Outzen nicht verzeichnet, nl. bei Kilian fuycke, vuycke, nnl. fuik f. die herkunft ist dunkel; sollte verwandtschaft mit altn. fûki, empfindlicher geruch, gestank, foetor stattfinden, so wiese fuke mit diesem auf das altn. wurzelverb fiuka (3, 1864. 4, 360. gramm. 2, 23 nr. 259) zurück und würde das geräth von dem geruch, den ihm wasser und fische mittheilen, benannt sein. anderwärts in Deutschland heiszt dasselbe nach seiner gestalt bunge und trumme.
als redensart kommt ostfr. vor in de fuke = in der klemme, in der enge (Stürenburg 63a), ursprünglich so viel als »gefangen«, wie denn auch nnl. hij is al in de fuik in dem sinne von hij is al int net, er ist schon im netze gefangen, gesagt wird, und die ehe heiszt ironisch auch nnl. de huuwlijksfuik d. i. das heirathsnetz.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 11 bis 20 von 237 Nächste Treffer Vorherige Treffer
11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
Artikel 11 bis 20 von 237 Nächste Treffer Vorherige Treffer