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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fuhrer bis führerschaftskreis (Bd. 4, Sp. 460 bis 465)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fuhrer [furer], führer [fürer], m. ein ernährer, nährer, altor, nutritor. furer, nerer, nutritor, nutricator. voc. theut. v. 1482 i 7a; frer. Diefenbach 386b. mhd. daʒ dû mir mînen fûrer genentest. Scherz 452. Von fuhren.
 
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führer [fürer], m. einer der führt. ahd. fôrari nachweislich nur in dem sinne von lohnträger, lastträger, bajolus (gl. Ker. 141, bei Hattemer 179b. Diut. 1, 235), mhd. füerære, vüerære, füerer, vüerer in verschiedenem sinne, wie bei den einzelnen, aus dem stammworte führen hervorgehenden bedeutungen angegeben werden wird. diese sind
1) einer der ein lebendes wesen oder lebende wesen dadurch, dasz er dabei ist und die richtung bestimmt, sich fort- oder von einem orte zu einem andern bewegen macht. vgl. DWB führen I 1). führer, der einen bey der hand hat. Reyher lex. latinogerm. (Leipz. 1686) index F 2d. sein (des gefangenen Flavius) führer macht ihm die ketten los. Klopstock Herm. schlacht 100. der alte mann ist so schwach, dasz er stets eines führers bedarf; die führer der braut bei der hochzeit (s.brautführer); der führer eines blinden:

treuloser, meiner blindheit solltest du
ein führer sein und läszt mich hilflos stehn.
Uhland Ludw. v. Baiern 276.

der führer des pferdes. ich darf kain zawmfürer der mir mein röszlin dürf weisen. Kellers altd. ged. 7, 10. bildlich:

und weil die augen sonst die führer in dem lieben.
Mühlpforth verm. ged. 25;

(er) sang dem nahen bach
ein lied in seine thäler nach:
du führer kleiner bäche,
den jede staude gern in ihren schatten nimmt.
J. G. Jacobi 2, 205.

doch könnten auch diese beiden stellen unter 2) a) gehören.
2) einer der durch mitsein eine richtung oder linie einhalten und in dieser fortkommen macht. vgl. DWB führen I 3). hier
a) der den weg weisend geleitet: da ich den weg nicht wuste, so nahm ich mir einen führer nach dem orte.

bösen felsweg auf und nieder
trösten Hafis deine lieder,
wenn der führer mit entzücken
von des maulthiers hohem rücken
singt die sterne zu erwecken
und die räuber zu erschrecken.
Göthe 5, 4;

er hemmt daher den schritt, zum guten glücke, ...
dicht vor der burg und folget nicht der tücke
des falschen führers, der zum schlosz ihn lud.
Gries Tassos befr. J. 7, 131;

sie spricht zum wirth: schnell einen führer bringe,
der mehr, als ich, bekannt ist mit dem pfad. Ariost 4, 8.

insbesondere heiszen bestimmte oder angestellte wegweiser, die der wege wie der gegend genau kundig sind, führer. die berge der Schweiz sollte man ohne führer nicht betreten. wer auf die Wartburg will, thut wol, sich zu Eisenach einen führer zu nehmen. Bildlich: ausz solcher ursach wirt der weiblich same gleich geachtet einem geleitszmann und führer, der den andern und männlichen samen leitet, weiset und fördert. J. Rueff hebammenb. 9. Bildlich in beziehung auf geistiges:

ich seh den sichern weg, zugleich mit der gefahr
der trugerfüllten lust. mein freudiges gemüthe
ist überzeugt, dasz jene bahn allein
der pfad des wahren heils kann sein ...
ja, ja! dir (gott ist angeredet) folg ich nun, mein führer,
mein treuer beistand in der noth!
Gottsched ged. 2, 642;

lasz (Jesus ist angeredet) mir dein wort allein
wegweis und führer sein.
Moscherosch Phil. 1, 435.


Mit übergang in die bedeutung c) und mit dieser sich mischend: wie reich ist die natur an gegenständen, die das kind mit

[Bd. 4, Sp. 461]


vergnügen beschauen, nennen und denken lernen kann! warum geht man oft so wenig auf diesem wege, den es uns durch seine neugierde selbst anweiset, fort? beut nicht die erde und der himmel, der garten und das feld dem auge die originale aller unsrer kenntnisse, die nur irgend anmuthsvoll und lehrreich sind, an? der junge schüler, an der hand eines verständigen und muntern führers, kann da vieles und mit glücke fassen. Gellert moral. vorl. 507.
Aber führer wird auch geradezu auf ein buch übergetragen, welches in örtlichkeiten zurechtweist und über diese auskunft gibt. so lautet der titel eines reisehandbuches von Berlepsch: der führer auf den vereinigten Schweizerbahnen und deren umgebungen, und von Schwerdt und Ziegler ist ein illustrirter Thüringer führer erschienen. übrigens werden bei diesen von Berlepsch herausgegebenen reisehandbüchern nur die gröszeren und umfangreicheren führer, die kleineren sich beschränkenden aber wegweiser genannt. Angewandt auf lebloses das den weg zeigt und finden läszt: ein gewisser führer, Ariadnes filum. Dentzler 2, 116b, ausführlicher 1, 66b gewisser fühṙer aus verwirrigen sachen. ein stern war der führer der weisen aus dem morgenlande.
b) der auf dem wege und für diesen so wie in hinsicht der geistesbildung geleitet: ein jahr darauf erhielt er (Gotter) den antrag, zwei junge edelleute, Baron von Riesch aus der Lausitz, auf die akademie nach Göttingen und dann nach Leipzig zu begleiten und nachher ihr führer auf reisen zu sein. in Gotters ged. 3, xxii. bildlich: jeder mensch hatte einen genius, der ihm von seiner geburt an als aufseher, führer und begleiter, als ein warnender freund, als ein unbestechlicher zeuge und richter, mithin als der bote seines glücks und unglücks zugegeben war. Herder phil. u. gesch. 12, 122.
c) der in geistiger, auch körperlicher ausbildung die richtung gibt und auf jene seine thätigkeit wendet, ein leiter, erzieher (s. d.), paedagogus. vgl. die vorhin angeführte stelle von Gellert moral. vorl. 507. der knabe lerne in der verwaltung seines kleinen vermögens unter der aufsicht seines führers die anfangsgründe der sparsamkeit. ebenda 527; was die strafen anlanget, deren man sich bedienen soll, so ist es vielleicht genug, wenn sich eltern und führer stets erinnern, was sie bestrafen und warum sie strafen, um die besten arten und den rechten grad der strafen ausfündig zu machen. 534; jetzt habe ich 10 schüler und werde nie über 20 nehmen. für eine anzahl, die sich als familie an mich hängen kann, bin ich ein guter führer, für 60 bis 70 traue ich mir keine führergabe zu. Voss briefe 2, 270;

in jener tiefen schmach
blieb einzig nur graf Werner mir getreu,
der meiner jugend freund und führer war.
Uhland Ernst 31.


d) was im handeln oder thun zum folgen bestimmt und so beherscht. unter dem bilde eines den weg weisenden oder davon ausgehend:

wer sich den eigensinn zum führer will erwählen,
ist würdig thieren nur, nicht menschen, zu befehlen.
Neukirch ged. d 7a;

o ritter, folget ihr, betrogen
vom ruf des volks, dem allgemeinen wahn,
so folgt ihr einem führer, keck, verlogen,
und habt, verirrt, umsonst den weg gethan.
Gries Tassos befr. J. 14, 30.


3) einer der einen andern oder andere im handeln bestimmt
a) durch vorgang, befehl, oberbefehl, also ein befehlshaber, dux. vgl. DWB führen I 4) a) und b). mhd. nur in dem zusammengesetzten herfüerer, dux. voc. opt. 23, 6 (s. 31b). nhd. führer, vorgänger, der einen führt, oberster, praemonstrator, dux, ductor. Henisch 1279, 89. der herr got ist ewer fürer (»ductor«), er selb streit für euch. bibel von 1483 85 (1 Mos. 1, 30); vor ihnen (den Israeliten) her ihr sichtbarer führer (Moses). Herder z. sch. l. u. k. 12, 342 (18, 37); aber wenn Hermann auch fällt, wer soll dann führer unsrer heere sein? Klopstock. Herm. schlacht 15;

sieg war der führer freudiges geschrei! 27;

das war eben das unglück, dasz sie (die bauern) keinen führer hatten, den sie geehrt und der ihrer wuth einhalt thun können. nimm die hauptmannschaft an, ich bitte dich, Götz. Göthe 8, 141;

Jehudah, du!
dich werden deine brüder (als führer) preisen:
deine faust wird sein am nacken deiner feinde.
Herder ebräische poesie 2, 195, vgl. führerstab;

da ergriff, als sie den führer fallen sahn,
die truppen grimmig wüthende verzweiflung.
Schiller 394a;

wehr und waffen von sich werfend
entschaart das ganze heer sich im gefilde,
da hilft kein machtwort, keines führers ruf. 458a;

[Bd. 4, Sp. 462]



wir hatten sechzehn fähnlein aufgebracht
lothringisch volk, zu deinem heer zu stoszen,
und ritter Baudricour aus Vaucouleurs
war unser führer. 457b.

zur näheren bestimmung, wo einer führer ist, steht in mit dem dat.: er war ihr führer in der schlacht. sehr selten aber findet sich in mit dem acc, um anzugeben wohin einer führer ist:

ist jene zeit dir noch
erinnerlich, da du der Griechen führer
in den Trojanerkrieg zu heiszen branntest?
Schiller 208a, zuerst in der Thalía 2, 6, 22.

und Johannes, kaum dem walde nahend,
ward ergriffen (eben dieses wollt er).
führet, sprach er, mich zu eurem führer (wie es vorher heiszt dem »haupt der räuber«).
Herder zerstr. bl. 6, 287 = sch. lit. u. k. 3, 287.

der führer eines schiffes, einer flotte, der befehlshaber derselben.
Im besondern hiesz im 16. und 17. jh. der zunächst unter dem feldwebel stehende unteroffizier der bei jenem sein quartier hatte und allezeit vor der ordnung herzog, führer. s. Frisch 1, 304a, der auf folgende stelle fuszt: weiter einem jeden fändlin wird auch erwölt vom gemeynen mann ein fürer, desz ampt und befelch ist fast wie der weybel unnd so vil mehr dasz sie allwegen vor der ordnung herziehen, haben befelch unnd bescheyd, wohin sie zihen unnd die knecht führen sollen u. s. w. Fronsperger kriegsordnung (Frankf. 1564) 48. so setzt auch Fischart Garg. (1608) Aa 4a nacheinander feldweibel, führer, rottmeister, gleicher weise der abt von Sanct Zeno in seinem calender von 1668 feldwäbl, führer und furier der soldateska, und noch in der 1756 erschienenen verordnung über die fränkischen kreistruppen wird nach dem feldwaibel und vor dem fourier und corporal auch ein führer eingereiht. Schmeller 1, 558. von rechts und gewonheit wegen hätte der hauptmann pferd und gewehr (des verstorbenen dragoners), der führer aber die übrige verlassenschaft zu sich nehmen und ererben sollen. Simpl. (Keller) 1, 346, 6 = bch. 2 cap. 29.
schon zu anfange des 17. jh. indessen hatte sich der führer auch zu einer art fürsprecher der soldaten bei den offizieren aufgeschwungen. während des marsches aber trug er dem fähnrich die fahne, und so heiszt denn noch bei den Östreichern der die fahne tragende unteroffizier, eigentlich der unteroffizier, der hinter dem fähnrich geht und diesem im nothfalle die fahne abnimmt, führer. mit jenem hatte er auch zu anfange des 18. jh. die aufsicht über den medicinkasten und den feldscher der compagnie. anderwärts werden, dem franz. guides gemäsz, die unteroffiziere, die rechts und links auf den flügeln der züge oder pelotons bei allen richtungen und einzelnen evolutionen die frontlinie zu bezeichnen haben und, bei den reihemärschen an der spitze ihrer abtheilungen, diese also wirklich führen, führer genannt. s. Rüstow 1, 290.
b) durch einwirkung; einflusz, rath, anstiftung. vgl. DWB führen I 4) c). wir haben einen fürer nötig, dux et auctor nobis opus est. Stieler 411 und danach Steinbach 1, 387.

wohl mancher, der bei einem bauernzwist
versehn mit kühnheit und mit list,
aus ehrgeiz gern der führer ist,
wär einst ein gröszrer held geworden,
als du, vornehmer held, nicht bist.
Gellert lehrged. (Leipz. 1754) s. 80.

politische führer; der führer einer partei in einer landständischen kammer. o Galotti, wenn Sie mein freund, mein führer, mein vater sein wollten! Lessing 2, 185.
4) einer der mittelst eines bespannten fuhrwerkes fortbewegt, der menschen, thiere, sachen fährt, ein fuhrmann. vgl. DWB führen I 12) a). mhd.

dër wirt was ein füerær.
Helbl. 1, 639;

ich sag iu guotiu mære,
wol zëhen vüerære
varent, dës bin ich gewër,
ûf dër Kremser strâʒe hër.
ir wegen die sint ringe,
sie vüerent phenninge. 13, 134.

nhd. führer, treiber, einer der sich führen läszt, oder ein fuhrmann der führt, vector, qui vehit et qui vehitur. Henisch 1279, 37. der führer eines mit kartoffeln beladenen wagens hatte diese von einem in der nähe liegenden kahn geholt. neue preusz. zeit. 1866 nr. 124. auch der mittelst eines bespannten schlittens fährt.
5) einer der vor einem lebenden wesen oder vor lebenden wesen sich fortbewegt, indem ihm diese nachfolgen. vgl. DWB führen I 13). der führer des reigens. in anwendung auf den meister eines faches:

allein, er wagte nichts, allein er dächte nie,
dem führer allzutreu und folgte wie das vieh,
und täuschte nur das ohr mit künstlichem geklimper,
wie nenn' Apollo den? wenns hoch kommt, einen stümper.
Lessing 1, 183.

[Bd. 4, Sp. 463]


mit personification oder bildlich:

schnell bracht er (Mercur) ihn (den leichtsinn) zur Venus kleinem knaben.
hier, gott Cupido, fieng er an,
schickt Ihnen Zevs den angenehmsten mann,
der schärfer, als Sie, sehen kann,
Sie sollen ihn zu Ihrem führer haben.
der leichtsinn trat sein amt mit eifer an,
das amt, der liebe vorzutraben.
Gellert schriften (1760) 1, 45;

zum becher, auf! und trinkt,
den führer unsers chors, den hesper, zu begrüszen!
Rauffseysen im taschenb. für dichter 1, 73;

so steigt bei menschen auch ein hauptaffect empor,
die andern folgen nur, er geht als führer vor.
Withof ged. 81.


6) einer der lenkt
a) das zugthier oder das gespann eines fuhrwerkes und so dieses selbst. vgl. DWB führen I 14) und vorhin 4), mit welcher bedeutung mischung stattfinden kann. die pferde dieses wagens sind ohne führer, sollte dieser wol verunglückt sein? ein wagen ohne führer kam die strasze daher.

in den wagen sprang er und rief dem führer der rosse,
ihn zu den schiffen zu führen.
Friedr. Stolberg Ilias (Flensb. 1778) 11, 271;

sprachs. es trieb der führer die rosse mit wallenden mähnen
zu den hohlen schiffen. 278.


auch von dem lenker des gespannes eines schlittens und damit dieses selbst: mit unbedachtsamer höflichkeit gieng er dem fliegenden schlitten entgegen — aber sein schnurrbärtiger führer wendete mit seinen vier schimmeln in vollem trabe um. Thümmel Wilhelmine 66;

sie (die bräute) fliegen
beherzt auf gleitenden wagen (es sind schlitten) dahin,
erwärmt vom siberischen pelz, durch silberne schleier beschirmet,
an ihre zärtliche führer gelehnt.
Ramler werke 1, 13.


b) ein fahrzeug auf dem wasser, es steuert. der führer des schiffes, hier der steuermann, überhaupt der lenker desselben, während unter 3) a) führer den befehlshaber des schiffes bedeutete. als diese brennende flotte der brücke bis auf zweitausend schritte nahe gekommen, zündeten ihre führer (es waren schiffer, die die schiffe lenkten) die lunten an, trieben die zwei minenschiffe in die eigentliche mitte des stroms und überlieszen die übrigen dem spiele der wellen, indem sie selbst sich auf schon bereit gehaltenen kähnen hurtig davon machten. Schiller 873a.
7) einer der eine waffe, ein werkzeug u. dgl. mittelst bewegung und richtung gebraucht; der dieselben handhabt. vgl. DWB führen I 17). hier ist ein hut und ein mantel. ein schwert liegt dabei. ein schweres schwert, meine Bella! doch schleppen kann ichs noch wohl und das schwert macht seinem führer nicht schande. Schiller 174b. vgl. auch 8). der führer der lanze. der führer des ruders, der das ruder führt. ein führer des pinsels, ein maler. Hiermit hängt enge zusammen
8) einer der etwas zum gebrauche, als zeichen der würde u. dgl. mit sich, bei sich, an sich hat, es zum gebrauche, als zeichen der würde u. dgl. trägt. vgl. DWB I 18). der führer des schwertes, hier der es als waffe trägt.

du, o führer schlanker thyrsusstäbe (Bacchus ist angeredet)
hast mich, bei dem blut der goldnen rebe,
treffliche genügsamkeit gelehrt!
Klamer Schmidt verm. ged. 1, 83.

Mit dieser bedeutung aber ist wieder enge verbunden die folgende
9) einer der etwas zur unterscheidung trägt oder hat, es zum zeichen für sich trägt. vgl. DWB führen I 19). so führer für fahnenträger, der dem fähnrich zur aushilfe beigegeben ist, fahnenjunker. s. 3) a). mhd. aber kommen hier nur die zusammensetzungen banerfüere, vexillifer (Mone anz. 4, 238, 333), bannerträger, und vanenvûrer fahnenträger (pass. K. 488, 63) vor.
10) einer der auf etwas, das handlung ist oder handlung enthält, fortgesetzte thätigkeit wendet, namentlich wenn er dasselbe leitet. vgl. DWB führen I 24). in solchem sinne steht mhd. füerære in klagevüerer, vertreter einer partei vor gericht, procurator (Ben. 3, 263a). s. DWB klagführer. nhd. der führer eines geschäftes, der dasselbe leitet, demselben vorsteht. s. DWB geschäftsführer. führend, führer, verwalter, gerens, administrans, suum negocium bene gerens. Henisch 1279, 51. hierher gehören aber auch buchführer, kriegsführer, protokollführer, rechnungsführer, sachführer, wortführer.
11) ein führband, gängelband. in Schaffhausen, s. Stalder 1, 403.
12) bei manchen maschinen der theil, welcher die richtung eines in bewegung gesetzten körpers bestimmt. so nach Adelung 2, 346 der conductor an der electrisiermaschine.

[Bd. 4, Sp. 464]



13) das thema der fuge (s. sp. 381), weil dieses die andern stimmen nachahmen, die also in ihrem fortgange gleichsam durch dasselbe »geführt« werden.
Wenn endlich 14) auch die bedeutung »einer der gewählten vorsteher einer handwerksinnung« so wie »einer der zur unterstützung und besonders zur ersetzung des eigentlichen vorstehers einer dorfgemeinde in jeder einzelnen in dieser einbegriffenen ortschaft gewählten männer« sich findet, so ist hier das mitunter schon im 16. jh., heut zu tage in Baiern aber gewöhnlich geschriebene führer falsch statt vierer (s. d.) gebraucht, wie jeder der eben bezeichneten gewählten genannt wurde, weil derselben so wol bei jeder handwerksinnung als auch bei der dorfgemeinde ursprünglich vier waren. die umsetzung des vierer aber in führer lag nahe, da die bairische mundart beide wörter gleich ausspricht und die zahl vier bei jenen gewählten männern später nicht immer eingehalten wurde. s. Schmeller 1, 556 u. 631. überdies kommt ja auch, wie im 16. jh. mitunter fieren für füren geschrieben wird (s. oben sp. 431), zu eben dieser zeit oder auch noch etwas früher fierer (Diefenbach 192a) für führer vor, wodurch die verwechselung von vierer mit führer um so mehr angebahnt war.
Der familienname Fürer (z. b. H. Sachs II 1591 3, 139d), Führer gieng wol zunächst aus der bedeutung fuhrmann hervor. s. 4).
Die zusammensetzungen mit führer, in welchen dieses das letzte wort bildet, sind zahlreich: bannerführer (= bannerträger), bärenführer, bierführer (= der bierfässer hin und her führt oder fährt. Schmeller 1, 557. Krünitz 13, 121), blindenführer, brautführer, buchführer, butterführer (= einer, dessen geschäft ist, zum verkaufe butter auf den markt zu fahren), chorführer, droschkenführer, fadenführer, fahnenführer, fähnchenführer, frachtführer (= frachtfuhrmann, frachtschiffer), geschäftsführer, heerführer, hundeführer, hurenführer, kahnführer, karrenführer, kirchführer, klage- oder klagführer, krieges- oder kriegsführer, kunstführer, lehm- oder leimenführer, menschenführer, protokollführer, rädelsführer, rechnungsführer, reigen- oder reihenführer, reiseführer, rottenführer, ruthenführer, sachführer, sackführer, salzführer, sauführer, schiffsführer, seelenführer, unterführer, völkerführer, volksführer, wagenführer, wasserführer, wegführer, weinführer, werkführer, wildführer, wortführer, zaumführer, zeugenführer, zugführer. dagegen sind von mit führen zusammengesetzten verben abgeleitet anführer, ausführer, entführer, heimführer, verführer, vorwärtsführer, zurückführer.
 
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führerbube, m. ein als führer dienender bube:

es war ein lediger führerbub.
Abele 3, 225.


 
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führerhand, f. die leitende oder mit ausgestrecktem zeigefinger den weg weisende hand eines führers:

beschwerlich, freunde, voll von müh und schrecken
ist euer pfad, wohl braucht ihr führerhand.
der, den ihr sucht, ist fern von diesen strecken,
entführt in feindlich unwirthbares land.
Gries Tassos befr. J. 14, 35.


 
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fuhrerin, führerin, f. nährerin, ernährerin, amme. das femininum von fuhrer, führer sp. 460: furerin, nererin oder amme, nutrix. voc. theut. 1482 i 7a. rechte nidergeschlagene demut ist ein frerin und ernererin göttlicher lieb. Keisersberg berg d. sch. leb. (Straszb. 1510) 20 bei Scherz 1, 452. das wort hat sich auch noch später erhalten. so unterscheidet die Augsburger hebammenordnung von 1750 von der classe der vier lernenden und der der neun besoldeten geschwornen hebammen noch eine dritte, die vier fürerinnen, zu welchen aus jenen neun von den herren doctoren und obfrauen die geschicktesten und erfahrensten dem löblichen bauamte zu Augsburg zur annahme vorgeschlagen wurden. unter diesen führerinnen übten die lernenden die hebammenkunst, und die im amte älteste führerin besorgte die einlaufenden geschäfte. Birlinger schwäb.-augsb. wb. 169 f.
 
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führerin, f.; das femininum von führer, nach dessen bedeutungen 1) bis 10), vorzugsweise nach den unter 2) angegebenen: frer oder frerin, dux, ductor. Maaler 145c, nach Frisius (1556) unter »dux«.

eine kuh wird dir im einsamen felde begegnen, ...
eile der führerin nach: und wo im grase sie ausruht,
gründe die mauren daselbst.
Voss Ovid nr. 14, 12;

sie (die inseln) alle, zeigt die führerin, erstrecken
in langer reihe sich, gen ost gewandt,
und durch sie hin flieszt in fast gleichen strecken
der ocean und trennet strand von strand.
Gries Tassos befr. J. 15, 41;

sobald auf frühen gleisen
der sonne führerin, Aurora, naht. Ariost 30, 44, hier zugleich geleiterin;

[Bd. 4, Sp. 465]


die führerin als überschrift der legende von Herder

führe mich, o muse, jenen engen
steilen pfad. er windet sich durch höhlen,
wie man sagt, des dunkeln aberglaubens
und betrugs u. s. w. z. schön. lit. u. k. 3, 282;

Urania wird unsere führerin (am sternenhimmel). Terps. 1, 58;

kühnheit, du der jünglinge führerin, die du den weg uns
auf dem trüglichen bret über die wellen gebahnt. zerstr. bl. 2, 48;

und liebe, sie, die führerin der wesen,
und auch von ihm zur führerin erlesen. z. sch. l. u. k. 16, 24;

wenn wir den weg nicht wissen durch diese cimmerischen nächte!
aber sieh auf! welch eine himmlischglänzende göttin (es ist die religion gemeint)
bietet sich dir zur führerin an! sie schwingt in den händen
eine leuchtende fackel.
Zachariä tagesz. 132;

du (religion) grösztes geschenke des himmels,
welcher uns dich und deine schwester, die göttliche gnade,
uns durch die schrecklichen thäler des todes zu führen, gesendet,
ach! wie nenn ich dich, einzige führerin unserer seelen? 133;

wie eisern sind doch ohne dich die zeiten,
o jugend, holde führerin!
Hagedorn 3, 100;

sei meine führerin durchs leben,
o freundschaft, seis!
Burmann ged. 75;

empfindung, durch verstand gemildert,
der nie durch leidenschaft verwildert,
ist meine sichre führerin.
Kl. Schmidt verm. ged. 1, 10.


 
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führerkenntnis, f. die orts- und sachkenntnis, die ein führer haben musz. die erschöpfendste führerkenntnis besitzen. in dem führer in der Schweiz die genaueste führerkenntnis finden.
 
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führerlos, adj. keinen führer habend:

... kümmernisz, wie eure reise ginge,
da ihr diesz land nicht kennt, das einem fremden,
der führerlos und freundlos, oft sich rauh
und unwirthbar erzeigt.
A. W. Schlegel Shaksp. was ihr wollt 3, 3.

ein führerloser bergwanderer kann leicht in gefahr kommen, sich zu verirren. der trunkne knecht blieb zurück und die führerlosen pferde zogen ihren wagen auf der strasze ruhig weiter. von schiffen: die führerlosen schiffe langten einzeln und zerstreut ... an. Schiller 873a, vgl. DWB führer 6) b).
In andern stellen ist es zweifelhaft, ob das adj. oder das von diesem gebildete gleichlautende adv. steht:

auf ungebahnten pfaden keuchen
die pilgrime der liebe fort:
hoch schlägt ihr herz, den sichern port
noch vor der sonne zu erreichen.
sie wallen führerlos daher,
von osten sie, von westen er.
Wieland 9, 211.


 
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führerrolle, f. das einem als führer zukommende handeln.
 
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führerschaft, f.
1) der oberbefehl über ein heer, eine flotte oder über verbundene heere oder flotten. so hatte in der schlacht bei Navarin am 20. october 1827 der englische admiral Edward Codrington die führerschaft der vereinigten englischen, französischen und russischen flotten.
2) die oberleitung bei einer verbindung, einer genossenschaft. die führerschaft einer partei in einem abgeordnetenhause haben. auch insbesondere die oberleitung in einer staatenverbindung, der vorrang eines staates vor den andern in derselben bei äuszeren wie auch inneren angelegenheiten. die führerschaft im alten Griechenland hatte Sparta, aber Athen suchte sie neben diesem zu erringen. die führerschaft in Deutschland.
 
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führerschaftskreis, m. der umfang der bei einer führerschaft zukommenden thätigkeit.

 

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Artikel 11 bis 20 von 237 Nächste Treffer Vorherige Treffer
11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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