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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fuhrbetrieb bis führe (Bd. 4, Sp. 425 bis 430)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fuhrbetrieb [furbetrieb], m. ein betrieb, der darin besteht, für lohn auf wagen personen zu fahren. gestern hatte die betreffende commission des polizeipräsidiums elf solcher fälle (nemlich beschwerden über droschkenkutscher wegen verweigerung der fahrt) zu verhandeln, welche mit der ausschlieszung der betreffenden kutscher vom öffentlichen fuhrbetriebe endeten. neue preusz. zeit. 1865 nr. 112 (14. mai). übrigens kann das wort eben so wol von dem betriebe, frachten, überhaupt sachen für lohn zu fahren, gesagt werden.
 
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fuhrbrief [furbrief], m. was frachtbrief. fracht- oder fuhrbriefe. Butschky kanzlei 629. noch in der Schweiz, s. Stalder 1, 403.
 
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fuhrbütte [furbütte], f. die bütte, in der bei der weinlese die klein getretenen oder klein gestoszenen trauben nach hause gefahren werden. am Rhein in Nassau. Kehrein nass. wb. 146. zusammengesetzt mit fuhre, vehiculum.
 
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fuhrdienst [furdienst], m. ein dienst, der mit einer fuhre geleistet wird, oder auch ein dienst bei einer fuhre als fuhrknecht u. dgl. Schottelius 407.
 
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fuhre, f., für fohre, föhre, pinus silvestris. Weber ökonom. idiot. 1, 174b. das bei diesen beiden formen bemerkte, nemlich dasz das h in denselben kein dehnzeichen, sondern umgestellt sei, gilt auch hier, denn wie fohre, föhre für mhd. vorhe, so steht fuhre für furhe. aber es kommt mit ausstoszung des h auch fure, füre vor (s. Nemnich 4, 984), in der Altmark fur (Danneil 59a), und Holl 101a so wie Wagner u. Hebig forstbotanisches handbuch (Gieszen 1801) im register haben, die beiden letzten für pinus überhaupt, fuhre, fure nebeneinander. dieser allgemeinen benennung für pinus entspricht, wenn die bergfichte, pinus montana, auch felsenfuhre, rothfuhre (s. Nemnich 4, 980) heiszt, zu welchen namen Wagner u. Hebig noch spurtfuhre fügen, dann wenn

[Bd. 4, Sp. 426]


eben diese für die weymouthskiefer, pinus strobus, auch den namen weymuthsfuhre anführen.
 
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fuhre, f. für fohre, truta. Weber ökonom. lex. 1, 174a. auch hier ist das h nicht dehnzeichen, sondern umgestellt, aber am ende des wortes ein n abgeworfen, denn ahd. sagte man, wie wb. 3, 1870 angegeben ist, forahana, forhana, mhd. vorhen. doch findet sich schon im 12. jh. mit abfall des n vorhe (sumerl. 38, 77). vgl. auch furche, truta.
 
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fuhre, f. für furche, sulcus. Weber ökonom. lex. 1, 174b. wie bei den beiden vorhergehenden fuhre findet auch hier umstellung des h statt, das demnach nicht als dehnzeichen zu nehmen ist. denn schweiz. furhen, f., bei Frisius (1556) s. 384b. 1023b. 1265. daneben freilich auch mit abfall des h s. 775a furen, f., und noch heute fure (Rütte 26), fuere (Tobler 201b), fore (ebenda). oberrhein. fuhren, ackerfuhren, furche, sulcus. Wilhelmi lex. proso-metricum (Francof. a. M. 1706) 2, 101b; fuhren machen, sulcare. ebenda.

gell, bürstli (es ist der hungerige spatz im winter angeredet), sel isch andri zit,
wenns chorn in alle fure lit?
Hebel der winter str. 7;

d'haberchörnli het der ätti zwische de fuhre
gseiht mit flisziger hand und abeg'eget im früeihjohr. dessen das habermus 5;

(das keimlein im körnlein) schloft und seit kei wort und iszt nit und trinkt nit,
bis es in de fuhre lit, im luckere bode.
aber in de fuhren und in der füechtige wärmi
wacht es heimli uf us sim verschwiegene schlöfli. ebenda 12 f.

eben so fure im ungrischen berglande von der furche als ackergrenze. Schröer 52b. in Schwaben, Baiern, Tirol, Östreich dagegen scheint die form nicht vorzukommen, sonst würde sie bei Schmid, Birlinger, Schmeller, Ziska, Schöpf, Höfer, Castelli, Loritza aufgenommen sein. auch aus Mitteldeutschland findet sie sich nirgends angeführt, doch sollte man nach an dër ûʒeren foren in einer Mainzer urkunde von 1297 (Baur hess. urk. 2, s. 542, 553) und offe nuʒʒepade an dër nideren vore in einer Mainzer urk. von 1306 (ebenda s. 661, 663) mit gebrochenem u eine form fore vermuthen. diese, welche schon das brem. wb. 1, 351 aus dem hannöverischen anführt, nebst före und auch fur erscheint göttingisch-grubenhagenisch (Schambach 276a), dagegen allgemeiner nd. mit dem auch in andern wörtern sich zeigenden a für o fare (brem. wb. a. a. o.), welches selbst in der schriftsprache vorkommt (s. DWB fahre), holstein., preuszisch far, fahr (Schütze 1, 306. Hennig 62), in der Altmark faor (Danneil 49b), pommerisch fare, fore (Dähnert 112b). die mecklenburgische form ist fr in gedehnter aussprache und man unterscheidet, wie mir Karl Schiller zu Schwerin mittheilt, brâkfr nhd. brachfahre, das aufbrechen der brache oder des driesches, das in der regel vor eintritt des winters mit dem haken geschieht, wennfr nhd. wendefahre, das pflügen des umgebrochenen ackers nach dem eggen und düngen, der ordnung nach das dritte pflügen, sâdfr nhd. saatfahre, das zu ende des augustes oder zu anfange des septembers stattfindende vierte pflügen des ackers zur saat, und waterfr nhd. wasserfahre, die furche, durch welche das wasser vom acker abgeleitet wird. von jenem furchenziehen oder pflügen aber hört man aus dem munde der mecklenburgischen landleute

wenn de brâke breckt (bricht)
un de wennfr leckt,
un de sâdfr grûst,
dat gift roggn dat t (es) so sûst (saust).

luxemburgisch sagt man wie am Oberrhein fur pl. furen. (Gangler 161), auf der Eifel furr (Schmitz 225a). dagegen clevisch, am meisten von den schmalen gängen in einem blumengarten, fôr, welches mit nnl. vore, voor stimmt. Gerling 33 u. 34. ostfries. fôre, fôrde. Stürenburg 59b. aus dem nd. aufgenommen schw. fora und fra f., dessenalso für o steht.
Nach dieser zusammenstellung der mundartlichen formen beschränkt sich die form fuhre, fure auf die Schweiz, den Oberrhein und einen theil Niederdeutschlands dies- und jenseit des Rheines.
 
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fuhre [fure], f. itio, vectio, alimentum. ahd. fuora, fuara, mhd. vuore, fuore, mitteld. vûre, nd. fore, fôr, ags. fôr, das aber einer andern declination angehört, als jene vorher angeführten formen. schw. fora ist, zumal da ein altn. subst. fôr nicht nachgewiesen werden kann, aus dem nd. aufgenommen und beschränkt sich auf die bedeutungen 3) und 6). in diesen und in der 5) wurde auch entlehnt das jetzt veraltete böhm. fra f., in den bedeutungen 5), 6) und 11) das poln. fura und in dem sinne von frachtwagen das russ. fura. entsprossen ist das wort dem praet. von fahren.
nhd. fre, vectura. Dasypodius 256a. 334a; fure Stieler 411; fuhre. Steinbach 1, 386. Adelung. Campe. mit abstoszung der

[Bd. 4, Sp. 427]


endung e fur. Serranus diction. bb 7b; fr. Frisius (1556) 1350a und danach Maaler 152a; fuer. Helber 47; fuhr. Henisch 1279. Schottelius 518. 1321. Rädlein 309a. Frisch 1, 305b. abweichend von allen diesen formen hat, vielleicht durch ein druckversehen, Alberus diction. dd 1b fr, welches bei ihm, obwol er dieses fr, vectura, velatura, sowie ich fr, duco, von der praep. für in der schreibung scheidet, trotz demganz wie dieses für zu sprechen ist. was zunächst das dehnende h betrifft, so zeigt sich dieses hier in den wörterbüchern zuerst bei Henisch, doch ist es bereits, wie sich unten in den stellen von Carlstadt und Sebiz ersehen läszt, im 16. jh. eingetreten, bei dem ersten hinter das r, wie denn in älterer zeit üblich war dasz der dehnungslaut h auch hinter den consonanten gesetzt wurde, wovon unser nhd. th zum theil noch als überbleibsel erscheint. was die verkürzte und die unverkürzte form anlangt, so verblieb jene den zusammensetzungen mit partikeln: abfuhr, anfuhr, ausfuhr, durchfuhr, einfuhr, hereinfuhr, unfuhr, zufuhr. fuhre dagegen haben gegenwärtig die zahlreichen übrigen zusammensetzungen: bergfuhre (bei Schottelius 518 bergfuhr), bettelfuhre, bierfuhre, bittfuhre, bleifuhre (bei Schottelius bleifuhr), brantweinfuhre, deichfuhre, dienstfuhre (bei Schottelius dienstfuhr), dreckfuhre, eisenfuhre (bei Schottelius eisenfuhr), erbsenfuhre, erzfuhre (bei Schottelius ertzfuhr), floszfuhre (bei Schottelius flosfuhr), frohnfuhre, gaukelfuhre, getreidefuhre, gugelfuhre, güterfuhre, holzfuhre, kohlenfuhre, kornfuhre, kröpelfuhre, lastfuhre, lustfuhre, meszfuhre, mistfuhre, postfuhre, sandfuhre, schiffuhre, schnapsfuhre, steinfuhre, studentenfuhre, trosselfuhre, wasenfuhre, weinfuhre, wildfuhre, wollenfuhre, zehendfuhre, zeiselfuhre. doch hier mundartlich und in kunstausdrücken auch heute noch fuhr in haberfuhr, wildfuhr für wildfuhre, winterfuhr. Bedeutungen:
1) ein sich fortbewegen nach einem andern orte, sei es zu fusze, zu pferde, auf einem fuhrwerke, zu schiffe, cursus, vectio. ahd. fuara, profectio (Graff 3, 597);

ni bitharf thiu sîn fuarathërô engilô stiura.
O. II, 4, 68;

jâ sagêt ih iu, quad ër zi in,thaʒ ih thër sëlbo man bin,
bî thën ir rëhto, in wâra,irhuabut thësa fuara. IV. 16, 48.

daher auch ahd. in der bedeutung weggefolge, begleitung:

siê quâdun sumê sâre:waʒ duast thû man hiare?
thû bist rëhto, in wârathësses mannes fuara. IV. 18, 14, vgl. v. 17.

mitteld. in dem sinne von fahrt: so heiszt es bei Jeroschin 23139 (Pf. s. 272) von dem comthur bruder Voltsch, er sammelte sein volk

und mit in ûf die Jûre (name eines flusses)
zu schiffe nam die vûre.

nhd. eben so von der fahrt auf dem wasser: ausz diesem allen abzunehmen ist, das vorzeyten die fuhr auf dem wasser und meer gen Kalikut ... auch gewesen sey. Aventinus chronik 124; (unter dem dorfe Süpplingen hat es) ein andern fläcken Sernatingen geheiszen, bey welchem die statt (Überlingen) ein grädhausz hat bauwen lassen, darinn vil korn und getreid ausz dem Hegow und allenthalben här ab den wägnen geladen und mit komlicher fr auf dem wasser in die statt gefertiget wirt. Stumpf chronik (1548) 2, 53a. aber auch noch überhaupt von einer fahrt: circunvectio, fr und fart umbhin und anhin. Frisius (1556) 227b; evectus, ein fr z land oder z wasser. 486a; vectio, die fr oder das fren oder faren. 1350a. dieselben beispiele dann auch bei Maaler 152a. hiernach scheint sich fuhre in dem sinne von fahrt im 16. jh. nur noch auf die Schweiz und Baiern zu beschränken, aber im 17. jh. ist diese bedeutung erloschen.
2) ein gang, ein weg, ein fahrweg, eine strasze: doselbst in der thieffen, als die fur oder strosz durch den Siechgraben geet, do was ein umbgeender gatter, den beslosz man mit einem gutten mahelslosz. Tuchers baumeisterbuch s. 211, 7; so was vor derselben prucken ein umbgeenter zu der fur, den beslosz man mit einem gutten mahelslosz. dopei was ein hütheuslein, darinnen stetigs schutzen waren und die strosz in acht hetten. ebenda 15. heute nur noch in dem zusammengesetzten wildfuhre, wildfuhr f., welches sowol den abgeschlossenen bezirk, in dem das wild seinen freien gang und spielraum hat, den wildgang bedeutet, als auch den ort, an welchen es im walde zu gehn pflegt, um sich da aufzuhalten, den ort, an dem es im walde seinen stand, sein lager zu haben pflegt. in beiden bedeutungen sagt man auch wildbahn und wildweg. s. Schmeller 1, 556. Heppe wohlred. jäger (1779) 407b. 408a. 409b.

[Bd. 4, Sp. 428]



3) ein fahren mit bespanntem fuhrwerke, vectura:
a) überhaupt. das (dasz) sie am sabbats tag etwas thun oder dienen solten, es sey mit furhe, gehn, oder wasserley werck es sey. Carlstadt von dem sabbat B ija. noch liest man in anzeigeblättern ankündigungen einer versteigerung von fuhren zum wegbringen von schutt, anfahren von baumaterial u. s. w.
b) als arbeit oder als auf verpflichtung beruhende dienstleistung. die bauern haben bereits sechs fuhren gethan. Adelung. so auch wenn ein fuhrwerk mit anspann nach verpflichtung zu stellen ist. der bauer geht zur fuhre. s. Hupel 69.
c) zur beförderung von personen, gütern, waaren, geräthschaften u. dgl.: wegen des fuhrlohnes wird den fiacres eine besondere taxe vorgeschrieben. man kann sich hierbei zweierlei wege bedienen. man kann die taxen auf die fuhren nach den verschiedenen, nahe oder weit entlegenen revieren und straszen der stadt setzen, oder man kann dieselbe nach den stunden einrichten. Krünitz encyklop. 13, 260. gefangen-, kranken- und kriegerfuhren. Stüve wesen u. verf. 166.
4) eine gelegenheit zur beförderung mit einem bespannten fuhrwerke, eine fahrgelegenheit:

täglich man fuer findt und hat
gehn Baden, Krembs und Newenstadt.
Schmelzl lobspruch lxxxxiv.


5) ein zur bespannung eingerichtetes fuhrwerk, vehiculum: ein vorschopf ... ordenen, darunter zu stellen ewer fuhr, wagen, kärch, pflug u. s. w. Sebiz feldbau s. 31;

der (Sesostris) seine königsfuhr mit königen bespannt.
Wiedemann mai 68;

so ist des glückes fuhr. ebenda.

wie der kraniche zug, entschwebet
rasch auf ebener bahn die fuhr!
mutig schnaubt das gespann und strebet,
dasz im winde der staub sich hebet
aus der malmenden hufe spur!
Voss 5, 244.


6) eine ladung für ein bespanntes fuhrwerk: eine fuhre bekommen, so viel als man auf einem fuhrwerke mit bespannung fahren kann. desz andern tages, als sie das rathhaus und dessen raritäten von gemählden und andern künstlichkeiten besahen und nach hause gekehret, kam der kutscher mit vermelden, dasz er eine fuhre nach Regenspurg und Eger bekommen hätte und wolte nachmittage fort, wann die herren etwas dahin oder auch nach Geraua zu berichten hätten, solten sie schaffen, er wolte schon einen gewiszen boten und überbringer abgeben. Burghart sprach: es ist mir lieb, mein freund, dasz ihr bald fuhre mit vortheil zurücke zu gehen bekommen. Ettner unwürd. doctor 765. ob aber in dieser stelle nicht personen zur beförderung gemeint sind? dann gien ge fuhre hier auf personen wie auf sachen. doch jetzt werden nur diese verstanden.
insbesondere bedeutet fuhre eine wagenladung, d. h. so viel als mit einem zweispännigen wagen gefahren werden kann, vehes:

die sach ist sonnenklar.
so wird die welt regiert, und eine ganze fuhre
von syllogismen machts nicht mehr noch minder wahr.
Wieland 10, 307.

eine fuhre holz, eine wagenladung. eine fuhre mist. eine fuhre stroh. eine fuhre steine. eine fuhre kohlen. eine fuhre bier. s. Krünitz encyklop. 15, 426. in diesem sinne stimmt fuhre mit fuder überein, obwol beide, wie die abstammung zeigt, ganz verschiedene wörter sind.
7) in Livland sieben lof als bestimmtes masz. so dort in den taxen der messer: getreide, das unter einer fuhre oder 7 lof gemessen wird, für jedes lof zu messen ... bei Gutzeit 1, 300b; getreide, das unter einer fuhre oder 7 löfen in der vorstadt zu messen ist. ebenda.
8) ebenfalls in Livland last. doch nur beim flachs und zwar in früherer zeit. Gutzeit a. a. o.
9) in Liv- und Esthland eine anzahl der ladung nach zusammengehöriger fuhrwerke mit bespannung, ein frachtzug. mir begegnete eine grosze fuhre, eine reihe beladener fuhrwerke. Hupel 69. Gutzeit 1, 300a.
10) waare, die verführt wird. so vom jahr 1660 aus Livland ein bauerwagen mit herren fuhre beladen und dann bauerwagen mit seiner eignen fuhre beladen. Gutzeit ebenda. die bedeutung hatte schon Hupel a. a. o.
11) der fuhrlohn, vectura. die fuhre bezahlen. Adelung, der hier fuhre nur im gemeinen leben gelten lassen will, während es doch so überhaupt in der umgangssprache vorkommt. vgl. auch DWB fuhr m. in demselben sinne, wobei offenbar an das geschlecht des

[Bd. 4, Sp. 429]


hier ausgelassenen lohn gedacht wird. übrigens konnte sich bei fuhre um so leichter die bedeutung fuhrlohn entwickeln, als mhd. vuore für sich schon so viel als lohn ist: diu vuore dër suntin, alsô s. Paulus sprichet (Röm. 6, 23), ist dër herwe tôt. die vuore ist niwet vilgelich, niwet zerganclich, si ist leider ân ende. spec. eccles. 48.
12) ein flosz, ratis. nur bei den anwohnern der Isar. Schmeller 1, 556. die bedeutung gründet sich auf fahren in dem sinne: zu schiffe fortbringen. vgl. Schmeller 1, 547.
13) in der gaunersprache die inwendig in den röcken der laden-, markt- und budendiebe angebrachte grosze diebstasche, in deren schlitz dieselben unvermerkt vor dem kaufmanne stücke zeug, tücher u. s. w. fahren und verschwinden lassen. Gangler 154. Anton 37a. Thiele 251. Train chochemer loschen (Meiszen 1833) s. 41a. auch fohr. Grolmann 21b. bei diebinnen besteht die fuhre meist aus dem unten zusammengenähten ober- und unterrocke mit einem schlitz oben an jenem. die bedeutung scheint von der unter 5) oder 6) angegebenen auszugehn.
14) der unterhalt, die nahrung, die speise, das futter, alimentum, esca, pabulum, pastio. so ahd. (Graff 3, 597 f.) und mhd. (Ben. 3, 263). gërste ist tumbes vihes fuora. physiol. in Hoffmanns fundgr. 1, 32, 34;

gên wîben üppeclîche
kêrte ër alsô gar dën muot,
daʒ ër mit in vertët sîn guot
sô gar, daʒ im diu hungers nôt
ein swache vuore bôt,
dâ mite ër sich dô nerte
und dëm hunger werte. Barl. 107, 22, vgl. Luc. 15, 14.

nhd. vom rosse: bî guoter fuor übel trügen (: mügen). anlaster 59 in Mone anz. 3, 176. »alimentum et alimonia, narung, fr, speisz«. Dasypodius 7c und danach bei Serranus dict. a 8a »alimonia, fur, narung, futerung, da mit man eins ernert, speisz«. doch das er die fuer von andern nit kauffe. bairisches landrecht v. j. 1616 bei Schmeller 1, 557. noch baier. die fuer = die nahrung, besonders fürs vieh, das futter, und man hört vieh in die fuer nehmen, auf der fuer haben, in der fuer haben, womit gemeint ist, fremdes vieh den winter über in die fütterung nehmen, in der fütterung haben. Schmeller ebenda. vgl. winterfuhr, haberfuhr. eben so noch schweiz. die fuer, fur, fuhr, nahrung, speise und trank, auch futter für das vieh. Stalder 1, 404. vgl. fuhrscheurli. auch tirol. die fuer, östr. fuhr, futter, nahrung für das vieh. Schöpf 159. Höfer 1, 252. Loritza 45b. schwäb. fur, fr, nahrung. Schmid 209. die bedeutung beschränkt sich hiernach nur noch auf die süddeutschen mundarten, in der schriftsprache kommt sie bereits im 17. jh. kaum mehr vor.
15) die lebensweise, im besondern die art und weise wie man sich zeigt, sich benimmt. so mhd. vuore. Ben. 3, 263b.

dër lantgrâve ist sô gemuot
daʒ ër mit stolzen helden sîne habe vertuot,
dër iegeslîcher wol ein kenpfe wære.
mir ist sîn hôhiu fuor wol kunt.
Walther 20, 13;

si tët wîplîche fuore kunt. Parz. 110, 28;

wie möhte iemer Tristan
die vuore sich genëmen an
nâch sînem hôhen prîse,
daʒ er vüere in tôren wîse?
Ulrichs Trist. 568, 14;

dër alsô gougelfuore (wildes sinnloses betragen) pfliget,
dâ ziuhet sich diu Minne von,
wan si diu hërze in tugende wiget. Winsbekin 41, 8.

dër wëlte vuore, die art und weise der welt. MSH. 1, 63b, 18, 2; ritters fuore, die weise eines ritters, ritterliches benehmen. Parz. 152, 12; wîbes vuore die art und weise des weibes, weibliches bezeigen. MSH. 2, 50a, 4.
in der nhd. schriftsprache scheint die bedeutung erloschen. dagegen noch tirol. fuer, das benehmen, die aufführung, besonders die schlechte aufführung, ein scandal (Schöpf 159), östr. fuhr, die aufführung, das betragen (Höfer 1, 252. Loritza 45).
16) pracht, für welche bedeutung Jacob Grimm aus dem mhd. aufgezeichnet hat:

Feirefîʒ der rîche
wart dô rîterlîche
mit grôʒer fuore enpfangen. Parz. 821, 25.

dazu läszt sich noch fügen:

nâher drungen die von Zaʒamanc
mit grôʒer fuore, niht ze kranc. 52, 4,

eigentlich wol so viel als mit überaus in die augen fallendem bezeigen, mit gepränge.
auch diese bedeutung, die aus der 15) hervorgeht, scheint in der nhd. schriftsprache nicht mehr vorzukommen. aber man hört noch

[Bd. 4, Sp. 430]


östr. fuhr in dem sinne von anzug, kleidertracht (Loritza a. a. o.), namentlich, wenn jemand in einem kothigen oder zerrissenen anzuge erscheint, und den ausruf der verwunderung das ist eine fuhr! = ein schöner anzug (Höfer a. a. o.).
 
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fuhre [fure], f. die schaufel am wasserrade, pinna. so wenn Stieler 136 hat »bett, etiam sunt: pinnae in tympano, assamenta, quae aquae impetu impelluntur, appellanturque die fuhren am mülrade«. dagegen steht im register führen am mülrade, wo aber der umlaut wol druckfehler ist. das wort, das ich sonst nirgends auffinden kann, scheint mit dem vorhergehenden fuhre, vectio, vectura, eins zu sein.
 
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fuhre [fure], für fuhr, das praet. ind. von fahren, ist, obgleich Ölinger gramm. 134 fre angesetzt wissen will, fehlerhaft, findet sich aber schon mhd. in einer von dem grafen Wolf von Neueberstein bei Gernsbach unterm 19. aug. 1386 ausgestellten urkunde: uff dën nêhsten sonnendag nâch unser frowen tag, als sie z himel fre. Mone zeitschr. 9, 113. eben so im 15. jh.: Ninus der hatt einen sun hiesz Trebeta. der sun sprach, er wolte besehen was uber mere were unnd fure uber mere. archiv f. hess. gesch. 10, 212. häufiger bei schriftstellern des 16. und 17. jh.: ob nun wol D. Luther Carlstads vocation mit grund anfacht, ... fure ein schuster unterm haufen herfür unnd wettet, er wölle ausz Mose erweisen, das man alle bilder wegreissen solte. Mathesius Luther (1566) 45b; weil aber der römische hof immer mit schelten und verdammen fort fure. 15b; da aber die baurschaft ire oren verstopfet und dürstigklich unnd teufelisch, doch unterm namen unnd schein des evangelii fort fure. 46a; solches nun aus zu würken, fuhre er fort, müsst ihr beede zeugschaft geben, was ihr sehen und hören werdet. Harsdörfer schauplatz jämmerl. mordgeschichte (Hamb. 1656) nr. 153, 9. übrigens ist in den beiden letzten werken, so wol dem von Mathesius als auch dem von Harsdörfer, im praet. der starken verba mit wenigen ausnahmen das dem conjunctiv abgeborgte e angehangen.
 
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führe [füre], das praet. conj. von fahren.

welch herr hat so faul hauszgesind,
welches nur ist rund und geschwind
mit essen, trinken und mit schlaffen
mit unnützem geschwetz und klaffen,
es seien gleich meid oder knecht:
mit solchem faulen losen gschlecht
ist sein hausz versehen so wacker
als der mit füchsen führ gen acker,
der würd den gwinn bald legen ein
mit sollichen ehalten sein.
derhalb nur mit ihn ausz dem hausz
ye eh je besser für und ausz.
H. Sachs IV, 3, 68c.

ich führe diese stelle hier darum an, um die redensart mit füchsen gen acker fahren, mit füchsen zu acker fahren nachzuholen, die mir oben sp. 332—335 entgangen war. sie soll, da angespannte füchse völlig widerstreben und sich nicht bändigen lassen, so viel bedeuten als es mit einer arbeit verkehrt anfangen, so dasz sie ungethan bleibt. übrigens ist die redensart gewis älter, als Hans Sachs.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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