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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fühlspitzenkäfer bis fuhrachtwagen (Bd. 4, Sp. 423 bis 425)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fühlspitzenkäfer [fülspitzenkäfer], m. bruchus, der samenkäfer. er hat seinen namen von den fadenförmigen fühlhörnern, durch welche er sich von den rüsselkäfern hauptsächlich unterscheidet.
 
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fühlspitzlein [fülspitzlein], n. eine kleine fühlspitze (s. d.), ein kleines fühlhorn: der kopf (der braunhaarigen nessel- oder meldenraupe) ist glänzendgelb, hat neben am maul die zwei fühlspitzlein. Frisch insecten 3, 21, der aber nachher gleich fühlspitzen setzt.
in weiterem sinne von einer einem fühlhorne vergleichbaren kleineren spitze, die an einem anderen körpertheile, als dem kopfe, hervorsteht. s. DWB fühlspitze. auf dem vierten absatz von unten auf (an der auf dem kohl lebenden blattlaus), bei dem schwanz an, stehen die zwei fühlspitzlein oder kölblein, wo der nebensaum aufhöret. Frisch insecten 11, 11; auf dem letzten punct ohn einen auf dem saum bei dem hintern (der nuszblattlaus) ist ein schwarzes spitzlein, worauf dieses fühlspitzlein steht, auf dem spitzlein ist ein grünliches rundes knöpflein. s. 12, 12.
 
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fühlung [fülung], f. von fühlen. weder ein ahd. fuolunga, noch ein mhd. vüelunge, noch was sich eher erwarten liesze, ein mitteld. vûlunge. aber statt des letzten findet sich, von dem mit ge- zusammengesetzten mitteld. gevûlen abgeleitet, gevûlunge myst. 1, 150, 29. 225, 25 in der nachher angegebenen dritten bedeutung, dann in der zu Cöln 1507 gedruckten gemma gemmarum gevôlinge neben getast, tactus (s. Diefenbach 571c), also in der nachher angegebenen ersten bedeutung. am frühsten hat Jacob Schöpper synonyma (Dortmund 1550) nr. 12 unter »tactus« fülung. später bei Stieler 580 fülung als seltenes wortraro«) neben das fülen und das gefüle, tactus, tactio, sensus tactilis. auch bei Rädlein 309a steht fühlung neben das fühlen, und Steinbach 1, 520 führt an fühlung, sensatio; dagegen fehlt das wort bei Frisch, der überhaupt fühlen mit seinen ableitungen und zusammensetzungen nicht aufgenommen hat, und bei Adelung. doch findet es sich wieder bei Campe. nd. fölung bei Dähnert 128a.
1) die handlung des prüfenden greifens, des prüfenden berührens, das prüfende greifen, die prüfende berührung, attrectatio, tactus: welches glied (des menschlichen körpers) das fürnehmste, davon kan kein einstimmiger schlus gefast werden: bekennen mus man, das die der fühlung und dem geschmack beigetahnen zu des menschen wesen hoch-noht-wendig seien. Butschky Patmos 417.
2) die wahrnehmung durch wirkung auf einen körpertheil oder auf den körper. vgl. DWB fühlen I 2). es haben diese blatwickler insgesamt die art, dasz sie geschwind sind, und bei der geringsten fühlung aus ihrem blat heraus kriechen und herabfallen, doch allzeit an einem faden, an welchem sie sich wieder hinauf haspeln können. Frisch insecten 5, 45, 22.
3) die empfänglichkeit für sinnliche oder geistige eindrücke, die wahrnehmung durch sinnliche oder geistige erregung, das gefühl, sensus. in dieser bedeutung, wie die folgenden stellen zeigen, gar nicht selten: Mandricardo und Ferraguto ... wünschen allen ... göttinen und nymfen liebliche fihlung und löbliche erfillung dessen so sie suchen. Weckherlin 862;

gewissenhafter leuth' ist kaum ein loth zufinden,
die etwas frömmer noch; die maisten sein den blinden
und tauben narren gleich, die fihlung ist erstarrt,
drumb hilft vermahnung nichts, das hertz ist durchausz hart.
Rompler gebüsch 35;

sich nahende vögel verlassen, im singen gehindert, die gegend,
und suchen ruhige stellen, wo sie den gatten die fühlung
verliebter schmerzen entdecken in pyramidnem gesträuche.
E. v. Kleist 2, 29 = (1756) s. 26;

das ._._._._._._.
in alle nerven glut der fühlung gieszt.
Herder 4, 89;

[Bd. 4, Sp. 424]



in der liebesnächte kühlung,
die dich zeugte, wo du zeugtest,
überfällt dich fremde fühlung
wenn die stille kerze leuchtet.
Göthe 5, 26;

eine ähnliche beschaffenheit hat es mit dem geschmack und mit allen unsern fühlungen und empfindungen überhaupt. M. Mendelssohn Phädon 155; wir finden bei allen thieren, dasz ihre empfindungen, ihre kenntnisse, begierden, eingepflanzten naturtriebe mit ihren bedürfnissen übereinstimmen. diese harmonie wohnt ihnen innerlich bei, denn alle diese fühlungen und naturtriebe sind beschaffenheiten des einfachen unkörperlichen wesens, das sich in ihnen seiner selbst und anderer dinge bewuszt ist. s. 179; eben diese macht der thierischen fühlungen auf die empfindungskraft der seele hat die weiseste absicht zum grunde. Schiller 689a; wider die überhandnehmenden thierischen fühlungen vermag endlich die höchste anstrengung des geistes nichts mehr. ebenda; wenn die seele des thoren und ungläubigen von allen jenen dunkeln fühlungen des mechanismus umnachtet wird. 695; welche zarte fibern erregen so süsze unaussprechliche harmonie in allen fühlungen der jugend. Tieck gesamm. nov. 1, 130;

so bringt die weisheit ihre kühlung
im nachtrab stets der leidenschaft,
wenns aus ist mit der heiszen fühlung,
wenn schon von selber friert die kraft.
Lenau Faust 69;

bis zu welchem puncte im auslande und besonders in flüchtlingskreisen die politische fühlung verloren gehen kann, davon haben wir im beginn der neuesten schleswig-holsteinschen bewegung ein auffallendes beispiel von der nämlichen seite her erlebt, von welcher uns heute der »deutsche eidgenosse« kommt. wochenschrift des nationalvereins 1865 nr. 4.
4) in der fechtkunst das leise anlegen der klinge an die des gegners. fühlung an der klinge des gegners nehmen, sich mit ihm engagieren. Rüstow militär. handwörterb. 1, 289.
5) in der kriegskunstsprache das leise gefühl, das der im gliede stehende soldat mit dem ellenbogen an seinem nebenmanne nach der seite hin hat, nach welcher die richtung ist. fühlt der einzelne mann seinen nebenmann lose, ohne zu drängen, nach der richtung mit dem ellenbogen, so sagt man, er habe fühlung. s. Rüstow ebenda s. 288. fühlung rechts! fühlung links! Reinhold wörterb. der kriegskunstsprache 55a.
Endlich heiszt es 6) ebenfalls in der kriegskunstsprache bei zwei feindlichen parteien, wenn eine stets so nahe bei der andern bleibt, dasz sie dieselbe nicht aus den augen verliert, sie habe fühlung mit dem feinde. Rüstow ebenda.
 
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fühlungslos [fülungslos], adj. was fühllos:

dein mund war voll von den erhabnen lehren,
die man im innersten des heiligthums verehrt
und die man nicht bei fühlungslosen chören
in dem entweihten vorhof hört.
Creuz oden u. ged. (Frankf. 1769) 1, 57;

unzeitig muntrer scherz und fühlungslose fragen.
L. H. Nicolai (später
v. Nicolay) verm. ged. (1778) 1, 233.


 
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fühlwerkzeug [fülwerkzeug], n. der fühlfaden, das fühlhorn, die fühlspitze. vgl. auch DWB fühler 3).
 
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fühlwurm [fülwurm], m. hamularia lymphatica, der halshakenwurm. der name, weil das thier am munde zwei dünne fädchen hat, die sich den fühlfäden vergleichen lassen.
 
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fühne, füne, f. morland, sumpfland. Krünitz encyklop. 13, 421. Ebers engl. handwb. 2, 570b. schlechte schreibung für finne, wie mit dem nicht selten im nd. den umlaut e vertretenden i für fenne n. oder in gekürzter und dadurch gedehnter form fehn sich findet. s. DWB fenne.
 
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fuhr [fur], das praet. von fahren (s. d.). mit h schon bei Luther in der bibel, doch einmal, nemlich Luc. 4, 35, fur ohne h, wie er immer im pl. furen setzt und nur apostelg. 21, 2, wo fuhr vorausgeht, fuhren, trotzdem dasz sich v. 1 jene schreibung furen findet. im conjunctiv hat er füre. ebenfalls ohne h schreibt er auch im inf. faren, im praes. fare, im imp. fare, im part. praet. gefaren. Stieler 403 dagegen hat fahren, praes. fahre, wir fahren, part. praet. gefahren, aber daneben im praes. du färest, er färet und im praet. ich fur, ich füre, in seiner hochteutschen sprachkunst 154 auch im inf. faren, im pl. des praesens wir faren und im part. praet. gefaren. hieraus läszt sich entnehmen, dasz nhd. in fuhr das dehnende h schon früh eingetreten ist, aber die ursprüngliche schreibung fur ohne h noch gegen das ende des 17. jh., wenn auch vereinzelt, sich zeigt, dann dasz sich, was das praes. ich fahre mit den dazu gehörigen formen angeht, das h

[Bd. 4, Sp. 425]


später eingedrängt hat, aber bis zu der eben genannten zeit noch nicht völlig durchgedrungen war.
s. auch fuhre für fuhr.
 
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fuhr, m. vectura. Steinbach 1, 386. es ist wol der fuhrlohn, zumal da dieser auch geradezu die fuhre genannt wird? vgl. DWB fuhre 11).
 
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fuhr [fur], f., s. DWB fuhre, itio u. s. w.
 
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fuhrachtwagen, m., für frachtwagen, indem dieses wort durch anlehnung an fuhre, vehes, zu erklären versucht wird: grosz wunder denn, ... dasz nicht die schnauzhanen ein paar winser (winzer) fuhrachtwagen mit schwarzen floren beladen verschrieben haben, auf das sie ihr abwesenheit recht betrauren können. Leyer-Matzs lustiger correspondenzgeist (1668) s. 257. ähnlich, wie hier fuhracht für fracht, kommt, mit anlehnung an mhd. varn unser fahren, im 15. jh. verechter für vrechter nhd. frachter (s. d.) vor.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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