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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fühllos bis fühlspitzenkäfer (Bd. 4, Sp. 421 bis 423)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fühllos [füllos], das von dem vorigen adj. abgeleitete adverbium. es steht in beiden bedeutungen, die jenes hat; doch bleibt in manchen der folgenden stellen ungewis, ob das wort adv. oder adj. ist.
1)

und heiszen dank, dasz er (der schöpfer), sein lob zu melden,
auch mich auf diesen weiten schauplatz rief
aus jenem staube, wo ich unter helden
und unter hirten fühllos schlief.
Gotter 1, 2;

doch, werther hund, durch deine schönen glieder
drang jüngst ein schmerz, der dich bald fühllos macht (= an dem du starbst).
Zernitz versuch in moral. u. schäferged. (Hamb. u. Leipz. 1748) s. 139;

schwer und tief ist der schlummer der todten,
nimmer erweckt ihn die stimme der braut,
nimmer des hifthorns fröhlicher laut,
starr und fühllos liegt er am boden!
Schiller 507a.


2)

der augen glut quillt aus dem herzen,
du wirst nicht immer fühllos scherzen,
wen alles liebt, der liebet leicht.
Haller Doris str. 8;

Pontius hatte von neuem gewünscht, das volk zu erweichen,
aber sie zeigten ihm bald, wie fühllos sie blieben.
Klopstock 7, 838;

fühllos habt ihr gehört sein letztes rufen am kreuze. 18, 404;

ganz fühllos thun, und doch empfindlich fühlen,
diesz heiszt die schwerste rolle spielen.
Gellert lustsp. (1748) 129.

die zeit nur ist verloren,
die ich mit goldnen thoren,
bei spiel und wein und pracht
so fühllos durchgelacht.
Zachariä ep. u. lyr. ged. 473;

noch athmest du (ein knabe in der wiege ist angeredet), frei von der erde sorgen
und fühllos gegen ihre pracht.
Gotter 1, 173;

wer wird hier fühllos nicht empfinden?
die ganze flur wird ein gesang.
Boie an den abend, im Göttinger musenalm. 1770 s. 180;

der ...
die schönen felder fühllos sah.
Göthe 56, 60;

es verschwinde ... das gefühl des lebens selbst, das (l. dasz) ich gleich diesen felsen hinstarre fühllos gegen die stürme meiner seele, wie sie gegen das rasen der empörten natur! Klinger 2, 247.
 
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fühllosigkeit [füllosigkeit], f. , eine erst im 18. jh. gebildete zusammensetzung von fühllos und keit, mit unorganischem ig, wie bei allen solchen zusammensetzungen, deren erster theil auf los ausgeht. vgl. DWB bewustlosigkeit, DWB ehrlosigkeit, DWB gottlosigkeit, muthlosigkeit, ruchlosigkeit, treulosigkeit u. s. w. Die bedeutungen sind:
1) der mangel des gefühles, die leblosigkeit. die fühllosigkeit der finger, vgl. das adj. fühllos 1), des todten.

auf! sprenge dieses schlummers bande,
der deinen geist gefesselt hält.
wer leidet, ist noch auf der welt.
fühllosigkeit schwebt schon am rande
der gruft.
Gotter 1, 223.


2) die unempfänglichkeit für das fühlen, die unzugänglichkeit für ein gefühl, die verhärtung gegen jedes gefühl: ihr herz, Clerdon, schien einst nicht zur fühllosigkeit geschaffen zu sein. Brawe freigeist 152; die dicke haut der fühllosigkeit, die sich gleichsam um ihr herz gezogen hatte. Wieland 6, 148;

[Bd. 4, Sp. 422]


hätt Äsculap nicht selbst dein (des jungen arztes) herz gestählet,
mit ungeduld nach ruhm und kenntnis dich erfüllt,
wo nähmest du zum bangen operieren,
zum gräszlichen anatomieren
fühllosigkeit an geist und nerven her?
du, sonst in keinem fall des lebens stoiker!
Gotter 1, 99;

auf! eile, jüngling, in des Ölbergs schatten,
eh deiner feinde zahl sich häuft,
eh deinen geist fühllosigkeit ergreift. 390;

ein dolchstich würde allen diesen schmerzen den weg öffnen und mich in die dumpfe fühllosigkeit stürzen, um die ich jetzt alles dahin gäbe! Göthe 10, 170; dieses wort (nämlich apathie) ist, gleich als ob es fühllosigkeit, mithin subjective gleichgültigkeit in ansehung der gegenstände der willkür, bedeutete, in üblen ruf gekommen. Kant 5, 236.
In den beiden bedeutungen wird fühllosigkeit nur im sg. gesetzt, in der folgenden aber kann auch der pl. fühllosigkeiten vorkommen.
3) eine fühllose handlung, eine nicht das mindeste gefühl zeigende handlung. mag man von dieser handlung urtheilen, wie man will, sie ist eine wahre fühllosigkeit. sein aufenthalt hier am orte war eine kette von fühllosigkeiten.
 
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fühlnase [fülnase], f. rhinopirus, erpeton. der name, weil die schlangen dieser art an der beschuppten nase zwei weiche vorsprünge haben.
 
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fühlohr [fülor], n. was fühlhorn 1), antenna. Nemnich 5, 173. wol so genannt, weil die fühlhörner den ohren der säugethiere vergleichbar am kopfe hervorstehn.
 
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fühlpflanze [fülpflanze], f. was sinnpflanze, planta sensitiva, eine pflanze die so reizbar ist, dasz sie sich bei einer berührung zusammenzieht, überhaupt sich so zeigt, wie wenn sie dieselbe fühlte. solche pflanzen sind der fühlfarn, das fühlgras, das fühlkraut, welche vorhin besprochen wurden.
 
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fühlsam [fülsam], adj. empfänglich für gefühle, fühlend, sensilis, sensibilis. noch nicht bei Schottelius, wol aber bei Stieler 580, der fülsam schreibt und das wort mit fülbar, fülend, fülhaft, fülicht und fülig zusammenfaszt. vgl. fühlig. es ist demnach älter, als empfindsam (s. d.), aber so wenig gebraucht, dasz es weder von Adelung noch von Campe aufgenommen wurde. doch hat letzterer 5, 887a beispielsweise unter züchtigen: ein fühlsames kind fühlt sich schon mit worten der unzufriedenheit gezüchtiget. unfühlsam findet sich bei Weisze jubelhochzeit 91:

der unfühlsame jäger schosz
ihn (den hänfling), da er seine triebe
in einem sanften lied ergosz
und sein gesang war liebe.


Stieler a. a. o. hat auch das wort als adv., als solches aber ist es vom adj. abgeleitet.
 
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fühlsamkeit [fülsamkeit], f., das sich nach dem adj. fühlsam ergebende subst., für welches ich aber keinen beleg beibringen kann.
 
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fühlsamlich [fülsamlich], adj., wovon dann das gleichlautende adv.
 
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fühlschlange [fülschlange], f. caecilia tentaculata, die runzelschlange. die namen sind ihr beigelegt, weil sie auf ihrer oberlippe zwei kleine fühlfäden und am rumpf und am schwanze runzeln hat.
 
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fühlspitze [fülspitze], f. zunächst was fühlhorn bei den insecten, antenna. so bei Frisch, der in seiner beschreibung von allerlei insecten gleich thl. 1 s. 1 beide ausdrücke gleichbedeutend setzt: num. 4 (des beigegebenen bildes) sind die zwei fühlhörner oder fühlspitzen, womit sie (die feldgrillen) alles, was ihrer natur anständig oder zuwider ist, leicht erkennen und unterscheiden können, wann sie es damit fast unempfindlich leise berühren. dann 8, 40, 221 am kopf stehen zwei fühlhörner oder fühlspitzen. vgl. auch die stelle 2, 3 unter fühlkölblein 2). übrigens kommt die benennung, die mit fühlhorn von gleichem alter ist und das werkzeug zum fühlen nicht wie dieses einem horne vergleichbar, sondern als spitze bezeichnet, bei Frisch in dem angeführten werke häufig vor, 13, 3 selbst in vergleichender anwendung und zwar hier bei der schnecke: das vierte theil als die spitze jedes horns (der fluszschnecke) ist weiszer an farb als das untere, welches wegen der vielen schwarzen puncten braun aussieht, und dient zur fühlspitze, weil sie das empfindlichste theil des horns ist und am ersten in sich selbst hinein kriecht.
Adelung und nach ihm Campe nehmen ohne angabe nach welchen naturforschern fühlspitze gleichbedeutend mit fühlfaden, tentaculum, wie auch Krünitz encyklop. 15, 441 hat, bemerken aber zugleich, dasz die fühlspitzen von einigen fühlhörner genannt würden. hiernach scheint es, dasz zu Adelungs zeit fühlspitze in dem sinne, wie es oben Frisch gebrauchte, nicht mehr geläufig war.

[Bd. 4, Sp. 423]



Aber dieser setzt den ausdruck auch in weiterem sinne, nemlich von einer einem fühlhorne vergleichbaren spitze, die von einem anderen körpertheile, als dem kopfe, ausläuft: gegen dem schwanz (der auf johannisbeerstauden lebenden braungrünen baumlaus) gehen zwei fühlspitzen auf beiden seiten heraus. insecten 11, 9; die zwei fühlspitzen hinten am leib (der auf dem hollunder lebenden blattlaus) stehen nicht gerad über sich. s. 14. vgl. fühlspitzlein. nach diesem vorgange von Frisch gebraucht denn noch heute die wissenschaftliche sprache fühlspitze von einem überhaupt dem körper des insects eignen gegliederten fadenähnlichen werkzeuge zum fühlen oder tasten in der nähe, namentlich in verbindung mit den mundwerkzeugen, palpus.
Endlich bedeutet fühlspitze überhaupt die zum fühlen dienende spitze eines gliedes: eben so sind die schnäbel der kraniche mit fühlspitzen begabt, damit sie ihre nahrung im schlamme leichter finden. Jean Paul 5, 34.
 
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fühlspitzenkäfer [fülspitzenkäfer], m. bruchus, der samenkäfer. er hat seinen namen von den fadenförmigen fühlhörnern, durch welche er sich von den rüsselkäfern hauptsächlich unterscheidet.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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