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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fühllich bis fühlschlange (Bd. 4, Sp. 420 bis 422)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fühllich [füllich], in dem sinne von fühlig, ist zwar nicht nachzuweisen, aber immerhin möglich, denn wie sich ein mitteld. adj. gevûllich (myst. 1, 225, 23) durch zusammensetzung des verbums gevûlen fühlen mit lich gebildet hatte, eben so konnte auch aus einer zusammensetzung des einfachen vûlen unsers nhd. fühlen mit diesem lich ein mitteld. vûllich hervorgehn, welches natürlich im nhd. füllich, fühllich oder mit auswerfen eines l fülich, fühlich sein würde. ein übergang in fühlig, so dasz dieses aus fühllich geworden wäre wie durch misverstand adelig (s. adelich), tadelig (s. tadelich, wie Luther schrieb), unzählig, zweifelig aus adellich, tadellich, unzähllich, zweifellich, ist schon darum nicht anzunehmen, weil dann Henisch eben so wol fühlich geschrieben haben würde, wie er sp. 21 adelich, sp. 877, 29 unzehlich schreibt, auch an dem ebenfalls mit lich zusammengesetzten billich festhält, wenn er gleich billigkeit, sp. 381, 34 billiglich und ebenda z. 43 neben billichen einmal billigen hat.
 
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fühllos [füllos], ein im 17. jh. auftauchendes, aus fühlen und los zusammengesetztes adj., das bei Henisch noch fehlt. zuerst bei Schottelius teutsche sprachkunst 357b (haubtspr. s. 427a) mit der erklärung »carens tactu« und danach bei Stieler 1179, der aber richtiger füllos schreibt. Rädlein 309a hat fühllosz, als ein in Süddeutschland und in Franken nicht bekanntes wort bezeichnet, neben unempfindlich. bei Steinbach und Frisch fehlt es gänzlich; erst Adelung nimmt es wieder auf. das wort ist auch heute noch geläufig, doch zieht die gewöhnliche sprache gefühllos vor. die bedeutungen sind:
1) des gefühles ermangelnd, leblos, todt. finger sind fühllos, wenn man mit ihnen nicht im stande ist, etwas zu unterscheiden durch das gefühl und festzuhalten (vgl. Krünitz encyklop. 13, 408). der todte ist fühllos. der fühllose stein.
2) für das fühlen unempfänglich, dem gefühle unzugänglich, sich dem gefühle verschlieszend: ein fühlloser mensch. ein fühlloses herz.

[Bd. 4, Sp. 421]


... dasz er ihrer, wie mütter,
sich erbarmt', auch da, wo selbst die herzen der mütter
fühllos würden, auch da sich Jesus Christus erbarmte!
Klopstock Mess. 20, 747 (s. 266);

sie müszten sehr fühllos sein, wenn bei dem anblicke jener lachenden aussichten keine sanfte wollust sich ihrer bemeistern sollte. Brawe freigeist 107 = trauersp. 124; ... dasz niemand glücklich sein kann, der für fremdes glück oder unglück fühllos ist. Wieland 8, 149;

wie kann ein herz so fühllos sein in solchem busen? 26, 216;

wie kann dein herz so fühllos sein,
als wärs in stein
verwandelt von Medusen? s. 217;

du aber schlieszest scheu
dein ohr dem trost und bleibst fühlloser schwermuth treu.
Gotter 2, 72;

auf! ihr klötze, ihr eisklumpen! ihr trägen fühllosen schläfer! auf! will keiner erwachen? Schiller 136a; warum bin ich auch so fühllos, mitten im wonnewirbel so kalt? 141b;

fühllose!
wenn dich des treusten herzens treue liebe
nicht rühren kann, wohlan, so triumphiere! 592b;

wohl wär es zeit dasz auch das gute käme!
ich hoffe nichts, ich schmeichle mir mit nichts:
zu fühllos ist das herz der Turandot. 602b.


 
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fühllos [füllos], das von dem vorigen adj. abgeleitete adverbium. es steht in beiden bedeutungen, die jenes hat; doch bleibt in manchen der folgenden stellen ungewis, ob das wort adv. oder adj. ist.
1)

und heiszen dank, dasz er (der schöpfer), sein lob zu melden,
auch mich auf diesen weiten schauplatz rief
aus jenem staube, wo ich unter helden
und unter hirten fühllos schlief.
Gotter 1, 2;

doch, werther hund, durch deine schönen glieder
drang jüngst ein schmerz, der dich bald fühllos macht (= an dem du starbst).
Zernitz versuch in moral. u. schäferged. (Hamb. u. Leipz. 1748) s. 139;

schwer und tief ist der schlummer der todten,
nimmer erweckt ihn die stimme der braut,
nimmer des hifthorns fröhlicher laut,
starr und fühllos liegt er am boden!
Schiller 507a.


2)

der augen glut quillt aus dem herzen,
du wirst nicht immer fühllos scherzen,
wen alles liebt, der liebet leicht.
Haller Doris str. 8;

Pontius hatte von neuem gewünscht, das volk zu erweichen,
aber sie zeigten ihm bald, wie fühllos sie blieben.
Klopstock 7, 838;

fühllos habt ihr gehört sein letztes rufen am kreuze. 18, 404;

ganz fühllos thun, und doch empfindlich fühlen,
diesz heiszt die schwerste rolle spielen.
Gellert lustsp. (1748) 129.

die zeit nur ist verloren,
die ich mit goldnen thoren,
bei spiel und wein und pracht
so fühllos durchgelacht.
Zachariä ep. u. lyr. ged. 473;

noch athmest du (ein knabe in der wiege ist angeredet), frei von der erde sorgen
und fühllos gegen ihre pracht.
Gotter 1, 173;

wer wird hier fühllos nicht empfinden?
die ganze flur wird ein gesang.
Boie an den abend, im Göttinger musenalm. 1770 s. 180;

der ...
die schönen felder fühllos sah.
Göthe 56, 60;

es verschwinde ... das gefühl des lebens selbst, das (l. dasz) ich gleich diesen felsen hinstarre fühllos gegen die stürme meiner seele, wie sie gegen das rasen der empörten natur! Klinger 2, 247.
 
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fühllosigkeit [füllosigkeit], f. , eine erst im 18. jh. gebildete zusammensetzung von fühllos und keit, mit unorganischem ig, wie bei allen solchen zusammensetzungen, deren erster theil auf los ausgeht. vgl. DWB bewustlosigkeit, DWB ehrlosigkeit, DWB gottlosigkeit, muthlosigkeit, ruchlosigkeit, treulosigkeit u. s. w. Die bedeutungen sind:
1) der mangel des gefühles, die leblosigkeit. die fühllosigkeit der finger, vgl. das adj. fühllos 1), des todten.

auf! sprenge dieses schlummers bande,
der deinen geist gefesselt hält.
wer leidet, ist noch auf der welt.
fühllosigkeit schwebt schon am rande
der gruft.
Gotter 1, 223.


2) die unempfänglichkeit für das fühlen, die unzugänglichkeit für ein gefühl, die verhärtung gegen jedes gefühl: ihr herz, Clerdon, schien einst nicht zur fühllosigkeit geschaffen zu sein. Brawe freigeist 152; die dicke haut der fühllosigkeit, die sich gleichsam um ihr herz gezogen hatte. Wieland 6, 148;

[Bd. 4, Sp. 422]


hätt Äsculap nicht selbst dein (des jungen arztes) herz gestählet,
mit ungeduld nach ruhm und kenntnis dich erfüllt,
wo nähmest du zum bangen operieren,
zum gräszlichen anatomieren
fühllosigkeit an geist und nerven her?
du, sonst in keinem fall des lebens stoiker!
Gotter 1, 99;

auf! eile, jüngling, in des Ölbergs schatten,
eh deiner feinde zahl sich häuft,
eh deinen geist fühllosigkeit ergreift. 390;

ein dolchstich würde allen diesen schmerzen den weg öffnen und mich in die dumpfe fühllosigkeit stürzen, um die ich jetzt alles dahin gäbe! Göthe 10, 170; dieses wort (nämlich apathie) ist, gleich als ob es fühllosigkeit, mithin subjective gleichgültigkeit in ansehung der gegenstände der willkür, bedeutete, in üblen ruf gekommen. Kant 5, 236.
In den beiden bedeutungen wird fühllosigkeit nur im sg. gesetzt, in der folgenden aber kann auch der pl. fühllosigkeiten vorkommen.
3) eine fühllose handlung, eine nicht das mindeste gefühl zeigende handlung. mag man von dieser handlung urtheilen, wie man will, sie ist eine wahre fühllosigkeit. sein aufenthalt hier am orte war eine kette von fühllosigkeiten.
 
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fühlnase [fülnase], f. rhinopirus, erpeton. der name, weil die schlangen dieser art an der beschuppten nase zwei weiche vorsprünge haben.
 
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fühlohr [fülor], n. was fühlhorn 1), antenna. Nemnich 5, 173. wol so genannt, weil die fühlhörner den ohren der säugethiere vergleichbar am kopfe hervorstehn.
 
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fühlpflanze [fülpflanze], f. was sinnpflanze, planta sensitiva, eine pflanze die so reizbar ist, dasz sie sich bei einer berührung zusammenzieht, überhaupt sich so zeigt, wie wenn sie dieselbe fühlte. solche pflanzen sind der fühlfarn, das fühlgras, das fühlkraut, welche vorhin besprochen wurden.
 
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fühlsam [fülsam], adj. empfänglich für gefühle, fühlend, sensilis, sensibilis. noch nicht bei Schottelius, wol aber bei Stieler 580, der fülsam schreibt und das wort mit fülbar, fülend, fülhaft, fülicht und fülig zusammenfaszt. vgl. fühlig. es ist demnach älter, als empfindsam (s. d.), aber so wenig gebraucht, dasz es weder von Adelung noch von Campe aufgenommen wurde. doch hat letzterer 5, 887a beispielsweise unter züchtigen: ein fühlsames kind fühlt sich schon mit worten der unzufriedenheit gezüchtiget. unfühlsam findet sich bei Weisze jubelhochzeit 91:

der unfühlsame jäger schosz
ihn (den hänfling), da er seine triebe
in einem sanften lied ergosz
und sein gesang war liebe.


Stieler a. a. o. hat auch das wort als adv., als solches aber ist es vom adj. abgeleitet.
 
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fühlsamkeit [fülsamkeit], f., das sich nach dem adj. fühlsam ergebende subst., für welches ich aber keinen beleg beibringen kann.
 
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fühlsamlich [fülsamlich], adj., wovon dann das gleichlautende adv.
 
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fühlschlange [fülschlange], f. caecilia tentaculata, die runzelschlange. die namen sind ihr beigelegt, weil sie auf ihrer oberlippe zwei kleine fühlfäden und am rumpf und am schwanze runzeln hat.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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