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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fühlhebel bis fühlkolbenartig (Bd. 4, Sp. 418 bis 419)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fühlhebel [fülhebel], m. ein aus einem kurzen und einem längeren mit einer kreiseintheilung versehenen arme bestehender hebel, welcher dazu gebraucht wird, sehr kleine nach gerader linie fortschreitende bewegungen oder drehungen eines körpers meszbar zu machen: zu diesem zwecke (nämlich um die fortpflanzungsgeschwindigkeit des reizes zu messen) setzte er auf den muskel an zwei verschiedenen orten kleine fühlhebel, die, mit zeichenstiften verbunden, die dickenzunahme des muskels bei reizung durch einen inductionsschlag auf einen beruszten rotierenden cylinder aufzeichneten. literar. centralblatt 1862 sp. 555.
 
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fühlhorn [fülhorn], n.
1) ein an dem kopfe eines insectes hervorstehendes werkzeug zum fühlen, antenna. fühl-hörner, der insecten womit sie fühlen, ehe sie näher zu einem ding kommen, cornua insectorum mollia et nodosa. Frisch 1, 148b. die bildung des ausdrucks lag nahe. man nannte zunächst ein solches werkzeug schlechthin horn, weil es gleich dem eigentlichen horn am kopf emporsteht. (das männchen des aus der buntknöpfigen garten- und waldraupe entstehenden schmetterlings) hat hörner als federn, auf beiden seiten mit haaren und dieselben etwas zusammen gebogen, dasz sie eine höhlung machen. Frisch insecten 1, 18; die hörner sind bei ihm (dem grösten schwarzen holzkäfer), wie bei allen insecten, fühlhörner, und bestehen, wie bei allen holzkefern ... aus zehen gelenken. sie können damit die geringste bewegung der luft fühlen, ihre gatten erkennen und sich ihnen damit zu erkennen geben, sonderlich die männlein, welche im gatten mit solchen hörnern an des weibleins hörnern spielen und sich zugleich damit anhalten. 5, 4. jetzt wird freilich die blosze bezeichnung horn nicht mehr von den fühlern der insecten, sondern allein der schnecke gebraucht, die ihre fühlhörner einziehen und ausstrecken kann übrigens ist von der schnecke horn bei uns hergebracht, was schon der mhd. name hornsnëcke (Berthold 555, 10) zeigt und wenn im 14. jh. Megenberg 303, 3 sagt wenn ër (der snëck) kreucht, sô strecket ër diu hörner. wie aber wir horn bei den insecten, so sagten die Griechen κέρας horn und κεραία und die Römer corniculum hörnchen, wenigstens stehn jene gr. wörter bei Aristoteles de animal. hist. 4, 2 u. 7 von den fühlhörnern des krebses, schmetterlings und käfers, dieses bei Plinius hist. nat. 28 (34) von denen des schmetterlings, doch auch 9, 32 (51) von

[Bd. 4, Sp. 419]


den tastenden hörnern der schnecke. weil man nun annahm, dasz das genannte werkzeug den insecten zum fühlen diene, daher die zusammensetzung fühlhorn als bestimmter ausdruck. doch sind auch manche naturforscher über die bestimmung jenes werkzeuges abweichender meinung und selbst Frisch, der, wie es scheint, das wort zuerst hat, sagt in seiner beschreibung von allerlei insecten 13, 18, 14: wann diese fühlhörner das mittel des geruchs der insecten sind, wofür ich sie gänzlich halte, so musz die empfindung der riechenden partikeln bei diesem kefer (dem holzkäfer mit den längsten hörnern) sehr grosz sein. die allgemeinere ansicht ist jene erste, ursprüngliche.
die wissenschaft behielt fühlhorn nur für die angegebenen an dem kopfe der insecten befindlichen werkzeuge, die immer gegliedert d. h. aus gliedern zusammengesetzt sind, während sie für die ähnlichen einfachen, ungegliederten werkzeuge an dem kopfe der weichthiere fühlfaden (s. d.) gebraucht. doch wird auch hier in gewöhnlicher rede fühlhorn gesagt, das dann ganz allgemein steht. so z. b. wenn in der zuletzt angeführten stelle von Plinius Denso übersetzt: sie (die schnecken) haben keine augen, also versuchen sie durch diese fühlhörner vorher die beschaffenheit des weges. vgl. auch fühlspitze.
bildlich: dafür haben sie (die mönche in Mexico) wie die schnecken ihr geistiges auge in ihren fühlhörnern, und ihr verfeinertes gefühl erleichtert ihnen die aufspürung der wahrheit in dunkeln orten. Jean Paul 5, 34; nicht alle mögliche nasen ... hat der himmel so geformt, dasz sie wie Ihres schwiegersohnes seine richtige fühlhörner oder visitiereisen oder krumme sucher (sondeurs) des atheismus abgäben. teufels pap. 1, 4. gleich bildlich, namentlich bei Jean Paul, steht auch fühlfaden.
eine zusammensetzung ist federfühlhorn n., = ein wie eine kleine feder gestaltetes fühlhorn. s. die erste stelle unter fühlfusz und vgl. oben die stelle Frisch insecten 1, 18.
2) getrenntes fühlhorn wird als name der bergsonnengoldblume, gnaphalium dioicum, angeführt. Holl 113a. 311a. getrennt heiszt die blume, weil bei der pflanze männliche und weibliche blüten besonders stehn, aber woher hier der name fühlhorn?
 
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fühlhörnlein [fülhörnlein], n., ein kleines fühlhorn: der etwas herab hangende bart (des grösten schwarzen holzkäfers) sind die freszspitzen oder kleinen fühlhörnlein, die speise zu prüfen und dieselbe zum maul zu bringen, als in ihrem futteral. Frisch insecten 5, 4; (der wurm der cochenille hat) keinen sichtbaren deutlichen kopf, doch zwei fleischige fühlhörnlein. 5, 8. aber auch ein längeres fühlhorn, wenn es sehr dünn ist, heiszt fühlhörnlein: die fühlhörnlein (in der puppe der mottenfliege, deren räupchen zwischen der haut der schwarzen meldenblätter lebt) liegen oben etwas über den flügeln, hernach aber zwischen denselben so lang hinab, als sie sind. 3, 30.
 
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fühlhornträger [fülhornträger], m. pterois antennata. der name, weil der fisch über den augen den fühlhörnern der insecten ähnliche gegliederte fasern hat.
 
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fühlich [fülich], s. fühllich.
 
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fühlicht [fülicht], adj. was fühlig (s. d.). der fülichte sinn leidet sowol von übermäsziger hitze als unleidlicher kälte schaden, sensus tactilis tam a nimio calore, quam a nimio frigore laeditur. Stieler 580. davon das gleichlautende und gleichbedeutende adverbium. ebenda.
 
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fühlig [fülig], adj. was fühlend als adj., sensilis, sensibilis. Henisch 1278, 58 und danach Stieler 580, der fülig schreibt und das wort nicht allein mit fülend, sondern auch mit fülicht, fülbar (s. d.), fülhaft und fülsam zusammenfaszt. heute nur noch in zusammensetzungen wie feinfühlig, zartfühlig.
 
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fühlig [fülig], adv. vom vorigen adj., sensiliter, sensibiliter. Stieler 580.
 
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fühlkäfer [fülkäfer], m. pselaphus. der kleine käfer hat elfgliedrige fühlhörner.
 
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fühlkolbe [fülkolbe], m. der zum fühlen dienende kolbe an dem oberen ende des fühlhornes: das letzte glied (der fühlhörner des schwarzen stinkenden erd- und mistkäfers), so an statt des fühlkolbens etwas zugespitzt ist. Frisch insecten 13, 27, 29. gewöhnlicher aber ist der kleinheit wegen bei Frisch fühlkölblein.
 
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fühlkolbenartig [fülkolbenartig], adj. antennatus, von den strahlen oder haaren einer fruchtkrone (pappus), die an ihrem ende kolbig verdickt sind. in der pflanzenkunde, doch wenig gebräuchlich. Bischoff wb. der beschreibenden botanik (Stuttgart 1839) s. 15 f.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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