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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fugge bis fügigkeit (Bd. 4, Sp. 394 bis 395)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fugge, f. (es werden pfänder aufgelöst) Emerentia: ich übergebe nun nach gemachtem anfange den spielstab meinem herren. (sie gibt jhm jhre fugge). ped. schulfuchs 139. an das um 1700 von Cadovius Müller aufgezeichnete harlingerländische fugge schwert, dolch (Stürenburg 58b. 62b) ist hier nicht zu denken, eher an das von Diefenbach 237b aus einem dem 15. jh. angehörigen Mainzer vocabular beigebrachte foche, flabellum, fächer, welches neben focher bei Link von Colditz (s. wb. 3, 1863), nürnberg. fucher (Schmeller 1, 508), anderwärts focker, fucker auftaucht. diese beiden formen hat Stieler 526 und führt an focker von pfauenfedern, muscarium pavoninum, fucker von strausfedern, flabellum ex pennis struthionis, wozu sich noch für den letzten ausdruck fügen läszt: die erde ist unser bett, unsre arme sind unsre küssen, der himmel ist unsre decke, der kühle wind unser fucker. Olearius Barthronherri sprüche s. 104 (spr. 4). liesze sich nach diesem fucker nun, jenem foche gemäsz, eine form fucke nachweisen, dann läge eine schreibweise fugge um so näher, und der fächer könnte schon als spielstab dienen.
 
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fugge, m.? f.?, in der folgenden stelle läszt sich noch weniger, als das vorige, mit sicherheit erklären:

lauft in pusch, wann her und hin
krähen unter fuggen ziehn
wird ein sturm sich rauh erzeigen.
Daniel von Czepko Coridon, nach der handschr.

da der dichter ein Schlesier ist, so liegt der gedanke nahe, dasz das wort der schlesischen mundart angehöre. aber Berndt, Weinhold und Hoffmann von Fallersleben in seinen beiträgen zu einem schles. wb. (s. Frommann 4, 163—192) haben es nicht, eben so wenig die wörterbücher der andern volksmundarten, und so läszt sich blosz vermuthen. mit einiger wahrscheinlichkeit möchte man auf focke = flocke rathen, für das auch fucke, fugge gesagt worden sein könnte, und so würde unter fuggen = unter schneeflocken sein. an ein fuggen, welches der substantivisch gebrauchte inf. eines verbums fuggen wäre und eine thätigkeit der krähen ausdrückte, dürfte schwerlich zu denken sein, indem sonst der dichter wol mit fuggen gesetzt haben würde.
 
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fugger, m. was fucker 2), also ein kaufmann im groszen, der

[Bd. 4, Sp. 395]


ein ausgebreitetes handelsgeschäft hat und überaus reichen gewinn zieht, dann auch einer der geldgeschäfte im groszen mit reichem gewinne macht (s. DWB fuggerhandel), endlich in natürlichem fortschreiten dieser bedeutungen ein wucherer, fenerator, wie auch Frisch 1, 283b die von ihm aufgezeichneten formen focker, fugker, fucker erklärt. am ursprünglichsten ist die schreibung mit gg, denn das wort gieng aus dem familiennamen Fugger hervor, den ein im 15. und 16. jh. durch seinen weit ausgebreiteten handel und seine unermeszlichen geldmittel bekanntes und berühmtes augsburgisches geschlecht führte. unter den brüdern Ulrich (geb. 9. dec. 1441, † 19. april 1510), Georg (geb. 10. mai 1453, † 14. merz 1506) und Jacob (geb. 6. merz 1459, † 30. dec. 1525), die 1504 von dem kaiser Maximilian I. geadelt wurden, erhob sich, besonders unter der leitung des jüngsten, das haus durch seinen welthandel, die ausgedehntesten unternehmungen im bergbau und grosze wechselgeschäfte zum bedeutendsten handlungshause und zur höchsten geldmacht der zeit. auf diese drei brüder scheint sich auch das sprichwort zu beziehen wer gäbe, so lange man nähme, der vergäbe sich vor nacht, wenn er auch dreier Fugger gut hätte (Simrock 2899); aber wirklich auf ihnen beruht, dasz der name appellativisch gebraucht wurde, denn dies geschah nicht früher als bald nach dem anfange des 16. jh. bei der form fucker (s. d.) sind belege von Luther beigebracht. seit der mitte des 18. jh. ist zwar jener appellativische gebrauch erloschen, aber der name kommt noch vor, wenn auf den gröszten reichthum hingewiesen wird.

wie, wenn ihr Fuggers gut mit saurem schweisz erworben?
ihr wäret reich vieleicht (so!), doch nie so grosz gestorben.
Lichtwer recht der vernunft 65.


 
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fuggerei, f. , von dem namen Fugger (s. DWB fugger).
1) heiszt so ein von den vorhin genannten drei brüdern auf einem in der Jacobervorstadt zu Augsburg zusammengekauften platze erbautes, 1519 vollendetes, gleichsam ein binnenstädtchen bildendes, mit einer kirche und schule, mit straszen und vier thoren versehenes abgeschlossenes ganzes von 106 kleinen nur aus dem erdgeschosz und einem stocke bestehenden häusern, in denen arme römisch-katholische bürger und einwohner gegen den geringen jährlichen zins von 2 gulden wohnung erhalten. nach dem bilde dieser Fuggerei appellativisch bei Jean Paul: der berg trägt im grunde eine runde fuggerei auseinandergesäeter gemalter zimmer. biograph. belust. 1, 33; jeder (narr) wohnt im tollhaus in seiner kammer gleichsam wie in einem lehrgebäude, um welches ihm die fremden kammern nur als seine wirthschaftgebäude und als eine fuggerei von petites maisons liegen. vorsch. der ästh. 3, 95.
2) bedeutet das wort auch so viel als handelsgesellschaft, handlungsgesellschaft. s. fuckerei und vgl. Schmeller 1, 516. doch ist es in diesem sinne im 18. jh. erloschen.
 
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fuggerhandel, m. ein geldgeschäft im groszen, ein geldgeschäft zu übermäszigem gewinn. nach fucker statt fugger auch fuckerhandel. verflucht seien alle die geistliche, die sich zu weltlichen händlen, in weltlichen üppigen händlen, in weltlichen sachen und fuckerhändlen gebrauchen lassen. Moscherosch Philander 1, 444.
 
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fuggern ,
1) was fuckern 1). vgl. Frommann 4, 203. an der mittlern Saar so viel als gesinde zu kleinen veruntreuungen gegen die herrschaft zum vortheil anderer veranlassen. Schwalb 24.
2) was fuckern 2) b). in Pommern hat fuckern die bedeutung trödeln. Dähnert 137a, vgl. fuggerweib. dagegen sagt man an der obern und mittlern Saar in diesem sinne fuggern nur vom trödeln und handeln der kinder in der schule. Schwalb a. a. o.
 
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fuggerweib, n., pommerisch fuckerwîf, ein altes plauderhaftes trödelweib. Dähnert 137b. zusammengesetzt mit fuckern trödeln. s. DWB fuggern 2).
 
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fughobel, m., s. DWB fügehobel.
 
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fugieren, in der musik nach art einer fuge setzen. von fuge, s. d.
 
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fügig, adj. passend, geschickt, aptus, idoneus. Steinbach 1, 518. es kommt nur in den zusammensetzungen DWB gefügig, DWB geringfügig, gesangfügig, kleinfügig, zusammenfügig vor und trat an die stelle des ebenfalls blosz in zusammensetzungen sich findenden füge, mhd. vüege, ahd. fuoki, auch fôki, von fügen.
 
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fügigkeit, f. passlichkeit, geeignetheit. Stieler 577, der das wort mit fügsamkeit und füglichkeit gleichstellt. im gebrauch scheint es auszer den zusammensetzungen gefügigkeit, geringfügigkeit, gesangfügigkeit, kleinfügigkeit kaum vorzukommen.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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