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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fügelerin bis fugenform (Bd. 4, Sp. 383 bis 392)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fügelerin, füglerin, f. was fügerin, kupplerin. dies nach mhd. fglerin, in welches von »lena, flerin« eines dem 13. jh. angehörenden Reichenauer glossars das letzte wort in der handschrift verbessert wurde. s. Mone anzeiger 8, 397, 12. fglerin aber läszt auf ein mhd. vüegeler in dem sinne von kuppler schlieszen, das von fügeln = kuppeln abgeleitet ist. sonst hat mhd. vüeglerinne die bedeutung schlieszerin, thürhüterin:

ich bin die fueglerin genant,
dër tür ich hie huet. Liedersaal 1, 200, 72.

s. das gleichbedeutende mhd. vüegel unter fügeln, kuppeln.
 
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fugeln, auf dem eise gleiten (s. schleifen), auf dem schlitten fahren. thüringisch, s. Frommann 4, 263, der das wort aus Keller Thüringer idiot. 22 anführt. der ursprung ist dunkel.
 
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fügeln, für vogeln, calcare. Megenberg 216, 16.
 
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fügeln, kuppeln. ein sich aus »fornicationem promovere, fgelôn« in dem unter fügelerin erwähnten Reichenauer glossar bei Mone anz. 8, 397, 13 ergebendes wort, dessen rein mhd. form vüegeln sein würde, abgeleitet von dem mhd. femininum vüegel = schlieszerin, thürhüterin, welches in folgender stelle des Liedersaals aufbewahrt ist:

die fuegel nam mich bî der hant,
si gieng mit mir unz dâ ich vant
mîn pfërt, dâ ich ëʒ lieʒ stân. 1, 208, 363.

diese fuegel aber ist dieselbe person, die vorher s. 200, 72 fueglerin genannt wurde (s. fügelerin), und so wird auch jener ausdruck die bedeutung kupplerin gehabt haben, in welcher füglerin sich findet. abgeleitet ist vüegel von mhd. vüegen (s. DWB fügen) in der bedeutung eins zum andern verbinden, vereinigen, nach welcher, da mhd. vüegerin in dem sinne von kupplerin steht (s. fügerin), sich die von kuppeln entwickelt haben muste, in der übrigens das verbum selbst nirgends erscheint. doch vgl. DWB fugen III 1).
 
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fugen , eins mit fügen (s. d.), nur ohne umlaut erhalten. es steht
I. transitiv in den bedeutungen
1) passend d. h. wolanschlieszend verbinden: und fugeten sie (es ist eine von einander gesägte stange gemeint) genau wieder an einander. Heilmann übers. des Thucyd. 586; dieser aus vielen stücken zusammen gefugte streifen papier. Winkelmann 2, 102; die gräben (von Heilbronn) sind sehr tief und fast bis herauf gemauert, die mauern hoch und aus quaderstücken gut gefugt und in den neuern zeiten genau verstrichen. Göthe 43, 70;

nicht die äuszre nichtge jugend,
um die innre fleh ich dich,
welche, lieb und töne fugend,
schöne göttin, spiel um dich.
Rückert 2 (lied an die morgenröthe);

die mönche konnten mittlerweil
baumstämme zusammenfugen.
Heine romanzero 26.


bildlich: ein fest gefugtes anwesen hat so viel innere stetigkeit. Auerbach dorfgesch. 4, 21; ein noch so fein gefugter (= in allen seinen theilen fest anschlieszender, in einander greifender) neuer gesellschaftsplan. schriften 20, 246.
Mitunter, wie in der stelle von Göthe, zumal wenn man bei diesem 40, 259

wo der stein aus der fuge sich rückt und nicht wieder gesetzt
wird

vergleicht, erinnert fugen so lebhaft an fuge, dasz sich der glaube aufdrängt, es sei hier von diesem letzten worte abgeleitet. allein die ableitung ist eine nur scheinbare, keine wirkliche, selbst in der folgenden bedeutung, die noch enger an die von fuge tritt.
2) in eine fuge oder wie in eine fuge einpassen: man sicht den tag durch d'fug, sie ist ubel gefugt. Henisch 1277, 27 nach Maaler, vgl. DWB fuge 1). diese breter sind gut gefugt. der glaser hat die fensterscheiben wol ins blei gefugt.

[Bd. 4, Sp. 384]


der wil, dasz seinetwegen sich
umwende jedes rad,
das gott so gottesmeisterlich
ins gleis gefuget hat.
Gleim 4, 236.


3) zukommen machen, ertheilen, nach wunsch thun. vgl. DWB fügen I 4). mit dat. der person: was dem herrn hirinnen und sonst ferner gefugt werden kan, darzu hat er alzeit fertig-bereit seinen u. s. w. als schlusz eines briefes in Butschkys kanzl. 493. in diesem sinne steht fugen nur sehr selten, desto häufiger aber fügen.
II. reflexiv in der bedeutung: sich wolanschlieszend verbinden, sich in fugen oder wie in fugen fest verbinden.

riesenhaftig grosz
wächst meines volkes jugend
ein eherner koloss
gliederstark sich fugend.
Rückert 146.


auch hier liesze sich an ableitung des wortes von fuge denken, doch ist dieselbe, wie bei den eben angeführten bedeutungen, eine blosz scheinbare.
III. intransitiv in den bedeutungen
1) eine probenacht halten. im Bregenzer wald (Schmid 208). vgl. DWB fügeln und DWB fügerin.
2) angemessen sein, passen:

wer reden wil, so er nit sol,
der fgt in narren orden wol.
Brant narrensch. 19, 6;

die fgt dir nit zu ainem weib,
nu fr si pald hinwider ausz!
Uhland volksl. 197, 8;

meine eltern meinten, das liebe mädchen würde in ihre verhältnisse nicht mehr fugen und passen. W. O. (Örtel) von Horn rhein. dorfgesch. 1, 202.
3) nach wunsch sein, nach willen sein, günstig sein:

wohl dem, der in sich kan ruhn,
der läszt seine segel nieder,
wenn das wetter hat sein spiel
und der wind nicht fugen wil.
Fleming 328;

gott, der leitstern, ist nicht trübe,
zeigt den weg auf fremder see.
eurer hohen fürsten liebe
sein die brüder Helene.
wind und fluht fugt nach begehren
durch so manche wünsch und zähren. 483.

gewöhnlich aber mit dat. der person: diejenigen, welchen das glück ... gefuget. Olearius pers. reisebeschr. 1, 1; vielleicht möcht ihm das glück in der frembde besser als in seinem vaterlande fugen. pers. rosenthal 3, 27; im besondern aber sagt man einem fugen in dem sinne: nach dessen willen thun, ihm willfahren, sich nachgibig gegen ihn bezeigen. wolte sonst gerne e. gn. hirinnen fugen. Butschky kanzl. 854; dieser (Eudämon) versicherte hingegen Vocionen mit groszen betheuerungen ihr zu helfen, wenn ihm die benöthigten mittel und gelegenheit dazu verschafft würden. als ihm nun in allem zu fugen versprochen, ja alles selbst nach belieben anzugeben enträumet ward, erkiesete er hierzu die tiefste einöde des gabretischen waldes. Lohenstein Arm. 2, 917a; er fugt ihm in allen stücken, indulget ei in omnibus. Stieler 576; ich will dir hierinne gerne fugen, hac in re impedimento tibi non ero. ebenda;

die mutter seufzt.sie wuszte freilich wohl,
wie sehr man oft den kindern fugen soll.
Hagedorn 2, 337 = (1764) s. 175,

d. h. nachgibig sein soll. fugen, iemanden zu willen sein. Schmotther 350a; ich kann ihnen hierin unmöglich fugen. Heynatz antibarb. 1, 429.
4) erwünscht sein und zum vortheil gereichen, zum nutzen gereichen, zuträglich sein. ebenfalls mit dat. der person: es fugt mir, gereicht mir zum vortheil, ist mir nützlich.

zuom vierden mal scholt wissen daʒ,
daʒ die speis dir fuget baʒ
so der hunger mit dir vicht.
Wittenweiler ring 27b, 4;

du hast fast alles angewendet
was deiner liebe fugt.
B. Neukirch bei
Adelung;

wenn es meinen absichten fugt, lasse ich es mir gefallen. Heynatz antibarb. a. a. o.
 
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fugen, n., der inf. des vorigen verbums substantivisch.
 
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fügen , aptare, conjungere, committere, ordinare. ahd. fuokan, fuogan, fuagan, foakan, foagan, mhd. füegen, vüegen, alts. fôgian, mnd. vogen, nnd. fogen, fögen, mnl. voeghen, nnl. voegen, ags. fêgan, jungere, fries. fôga, altn. fehlend, aber aus dem nd. eingewandert schwed. foga, dän. föie. die goth. form

[Bd. 4, Sp. 385]


würde, wenn sie sich fände, fôgjan lauten. noch bair. füegen, doch in manchen mundarten Süd- und auch Mitteldeutschlands, z. b. der wetterauischen, oberhessischen, erloschen. das wort ist abgeleitet von dem praet. eines verlornen goth. fagan praet. fôg part. praet. fagans, ahd. fakan praet. fuoc part. praet. fakanêr, für welches sich die bedeutung sich passend verbinden, sich so verbinden wie eins zum andern passt, vermuthen läszt, so dasz also fügen ursprünglich so viel als passend verbinden bedeutet haben und eben so als factitiv von jenem fagan erscheinen würde, wie führen (s. d.) von fahren. dieses fagan aber wird bestätigt durch das davon abgeleitete goth. adj. fagrs aptus, passend, geeignet, ahd. und alts. fagar pulcher, schön (Graff 3, 420 f.), ags. fäger schön, engl. fair, altn. fagr schön, schw. fager, dän. favr, so wie durch das ebenfalls davon abgeleitete fegen (s. d.), falls dieses nicht auf das bei dem worte von Jacob Grimm mit recht aufgestellte noch ältere, auch jenem fagan zu grunde liegende goth. faíhan praet. sg. fah pl. fêhun part. praet. faíhans zurückführt, welches bedeutet haben wird: in hinsicht auf etwas wahrnehmen dasz es zur verbindung sich eignet, passt, über etwas zufriedenheit empfinden, sich freuen. diese letzte bedeutung hat denn auch wirklich die jenem goth. faíhan genau entsprechende ahd. form fëhan, die jedoch nur von dem übersetzer des Tatian in dem von ihm häufig gebrauchten gifëhan praet. sg. gifah pl. gifâhun part. praet. gifëhanêr, sich freuen, vor freude hüpfen, frohlocken (Graff 3, 417 ff.) bewahrt wurde. neben dem h aber erscheint goth. wie ahd. in wörtern, die diesem verbum entsprossen oder von ihm abgeleitet sind, auch g. so steht neben goth. fullafahjan, jemand ein genüge thun, das ahd. in dem zusammengesetzten adj. gifag contentus, zufrieden (gl. wirceburg. 979a. Boeth. 79. 81. 83. Diut. 3, 262) erhaltene fag mit den ahd. ableitungen fagôn, fagên, genüge thun, befriedigung gewähren (O. I, 8, 22. IV, 26, 36), und neben goth. fahêds f. freude das alts. fagan froh mit goth. ahd. faginôn, sich freuen, alts. faganôn, ags. fägnian, altn. fagna. berührung mit goth. fahan ahd. fâhan nhd. fahen scheint nicht stattzufinden.
Das wort steht
I. seinem ursprunge nach transitiv in folgenden bedeutungen:
1) passend verbinden, wolanschlieszend verbinden, wolanschlieszend fest machen, in verbindung bringen. ahd.

ouch thara zua fuagisilabar genuagi. O. I, 1, 71;

an einen lapidem angularem winchel stein dër zwêne parietes zuô wende fuoget. Notker ps. 47, 5; tisiu wërlt në geeinôti sih nieht ze einemo bilde fone sô misselichên unde sô widerwartigên iro teilen, sô waʒer unde fiur ist unde luft unde ërda: ube einêr në wâre dër sô misselîchiu zesamine fuogti. Boeth. 172. im mhd. dagegen scheint die bedeutung erloschen und taucht erst wieder mit dem beginn des nhd. auf. fugen, jungere. voc. 1482 i 5b. jungo, ich füg z sammen. Dasypodius 106d, der dann neben conjungo, ich bind an einander, îch fge zsammen noch 106c dejugo, ich trenne oder fg von einander und 227c dissocio, ich fge von einander, ich trenne hat, in welcher letzten stelle ihn Serranus z 2b ausschreibt so wie l 8b bei jungere, zusamen fügen und conjungere, zusamen fügen oder an einander binden. ich füg, füg zusamen, hefft, henck, setz oder th zusamen. Alberus dict. m ija; interjungo, ich füg darzwischen. ebenda. bei Maaler 145a, in übereinstimmung mit Dasypodius, fgen, zsamen fgen, jungere u. s. w., und dann 145b von einanderen fgen, dejungere. fast gleicher weise bei Henisch 1277, 31 u. 33, der aber auch 44 f. anführt man solte die sägel an die schiffe fügen oder anhenken. Stieler 576 bietet in dieser bedeutung kaum ein beispiel, dagegen Steinbach 1, 518 ein bret an das andere fügen, er fügt die balken aneinander, die worte an einander fügen u. s. w.
Bei Luther ist das wort in der bedeutung geläufig: fünfe (teppiche) soltu an einander fügen und sechse auch an einander. 2 Mos. 26, 9, vgl. 36, 16; und machet funfzig gülden hecklin und füget die teppich mit den hecklin einen an den andern zusamen, das (dasz) eine wonung würde. 36, 13; wir baweten die mauren und fügeten sie ganz an einander bis an die halbe höhe. Neh. 4, 6; die art, wie das universum zusammengefügt ist. Kant 6, 85; wir bedürfen dessen, was wieder sammelt und füget, was zerstreuet und zerrüttet war. Claudius 8, 14; trübe fensterscheiben, wundersam gefügt, deuteten auf erfrenliche farbenpracht von innen. Göthe 21, 221; auf ein so liebenswürdiges bekenntnis war freilich kaum eine erwiderung möglich, doch wuszte die freundin dagegen etwas in wohlklingende worte zu fügen. 22, 66;

und schon der pfeiler, der gespalten,
er hebt gefüget sich empor. 13, 310;

[Bd. 4, Sp. 386]



fiel mir ein wagen ins auge, von tüchtigen bäumen gefüget. 40, 245;

und der thore weite flügel
setzet mit erfahrner hand
Cybele und fügt die riegel
und der schlösser festes band.
Schiller 56b;

wohl steht das haus gezimmert und gefügt,
doch, ach — es wankt der grund, auf dem wir bauten. 519a;

an den bau, den wir fügen wollen. Tieck novellenkr. 4, 209;

frage nicht, was mühsam heute
deine hand gefügt.
Rückert 1.

neben dem acc., oder beim passiv von fügen dem nom., mit dem dat. der sache oder auch der person, an die oder zu der gefügt wird:

füge haupt dem rumpfe wieder.
Göthe 3, 15;

das ist die qual, die das geschiedene
für ewig losgeriszne glied aufs neue
dem schmerzergriffnen körper fügen will. 9, 326;

hinab zum hades! eilte doch die königin
mit ernstem gang hinunter. ihrer sohle sei
unmittelbar getreuer mägde schritt gefügt. 41, 246;

neben das veilchen flicht
die narde, die von liebe duftet,
füge sie zierend dem kranz ans ende.
Herder Terps. 1, 149;

und er (Jupiter) füget ihr (Kalisto) küsse,
nicht in gehörigem masze.
et oscula jungit.
Voss Ovid nr. 8, 23 (metam. 2, 430).


neben dem acc. mit praepositionen: etwas an etwas fügen: füge deine bitte an die meine. Jean Paul Hesp. 2, 175. er fügte an den hut eine schleife. etwas auf etwas fügen, machen dasz es fest darauf ist:

dich (redet ein teufel den andern an), o du theurer,
hascht' er (der hufschmied) am schwanz und fügte die zottige lend auf den schleifstein,
den der berufne gesell umdrehete: dasz du gesäszlos
schriest.
Voss id. 15, 37.


etwas in etwas fügen, machen dasz es darin fest ist:

aber Automedon jezt und Alkimos fügten die rosse
schnell in die seile des jochs, die zierlichen.
Voss Il. 19, 392.


etwas mit etwas fügen, es mit demselben eng verbinden:

so füg ich nu, zu danken dir,
auch die begird mit der gebühr.
Weckherlin 131.

diese verbindung mit der praep. mit ist nicht gerade üblich, desto häufiger aber die mit zu, also etwas zu etwas fügen: als hab ich auch itztmahlen ... noch andere meine gedichte zu den vorigen gefüget. Weckherlin vorr. zu den weltl. ged.;

fügte man zu jedem triebe
diese reine freundschaftsliebe.
Withof ged. (Bremen 1751) s. 160;

mir hat die mutter nicht leinwand alleine
auf den wagen gegeben, damit ich die nackten bekleide,
sondern sie fügte dazu noch speis und manches getränke.
Göthe 40, 247.

er fügte zu den rosen noch vergiszmeinnicht und band den strausz. besonders anzuführen ist hier die redensart zu haufe fügen, nd. to hope vogen (Diefenbach 143a), zusammenfügen, conjungere. s. DWB hauf. als die schele oder bögel im kranz das ende und anfang zu hauffe füge. Luther 4, 408b, d. h. zusammenfüge, verbinde. s. bögel, wo diese stelle mit den zunächst vorausgehenden worten angeführt ist.
etwas zwischen etwas fügen, in theile eines gegenstandes oder in gegenstände zur verbindung mit ihnen befestigen, in ihnen eine zugleich mit ihnen verbindende stelle geben. zwischen die blumen fügte er grüne blätter. in dieser baumreihe sind zwischen die acazien vogelbeerbäume gefügt.
2) genau und fest aufeinander- oder anpassen. diese bedeutung scheint das wort in folgender stelle aus dem anfange des 16. jh. zu haben: wenn du wilt vester (fenster, s. d.) machen mit gemolten (ferbten) glas, es sey pild oder gewechs oder woben (wapen), wellerley das ist: so mustu dir das laszen entwerfen auf papir einen maler, was oder wie du das machen wilt, und das legestu für dich auf die bang (bank) und dar auf mustu das glas fügen, das du den (denn) nach dem stock machen wilt, und wisz dasz du vor hin must haben geverbtes glas, wie du das pild oder das gewechs machen wilt, rot oder grün oder varb (farbig) du machen wilt, die teilestu ausz auf das pild oder gewechs, das vor dir entworfen ist, und wann du das stok glas ganz gefüget hast, so mustu es lassen ligen und bewaren das es nit verrucket werd. Mannert miscellanea (Nürnb. 1795) s. 114. an das abfügen = abkneipen der nach dem schneiden des glases gebliebenen überstehenden theile, wie zacken u. dgl., mit dem fügeeisen bei den glasern ist hier nicht zu denken.
Eng zusammen aber mit der angegebenen bedeutung des aufeinander- oder anpassens hängt die nächstfolgende
3) passlich gestalten. s. Ben. 3, 442a. sie löste darauf die goldne kette vom halse, an der das bild ihres vaters gehangen

[Bd. 4, Sp. 387]


hatte, und legte sie mit leiser hand über die andern kleinode hin, worauf Eduard mit einiger hast veranstaltete, dasz der wohlgefügte deckel (die für eine vertiefung im grundstein des neuen hauses schlieszend zugehauene deckplatte) sogleich aufgestürzt und eingekittet wurde. Göthe 17, 100.
Aus dieser bedeutung entwickelt sich wieder die folgende:
4) ordnend gestalten: es ist alles im hause gefügt und zum empfange des jungen paares bereitet.

sie dann fügte den rock geschickt in falten und hängt' ihn
auf an den pflock.
Voss Od. 1, 440 (1781 439).


abstracter: ordnen und endgültig bestimmen. das übrige (auszer der stellung der deutschen staaten zu einander und den grenzen Frankreichs) wird auf einem kongresz in Wien gefügt. Hebel (1853) 3, 82.
An diese und die vorhergehende bedeutung knüpft sich dann die nächstkommende:
5) ins werk setzen, zuwege bringen, schaffen: mhd.

ouwî (spricht die königin), mîn hër Îwein,
wër hât under uns zwein
gevüeget dise minne? Iwein 2343;

nâch frouwen minne lît maneger tôt.
si füegent jâmer unde nôt,
hêrzeliebe und hërzeleit. Wigalois 194, 38;

Minne vüeget hübschen lîben
liebeʒ lëben unt dâ bî hôhen muot. MSH. 1, 94a, 4.

nhd. diese welt, darein mich got gefgt hat.
Frank weltb. 225b;

l. und l. list und lügen
kunten manche heurath fügen.
Logau 3, 26, 16.


statt des acc. kann auch ein satz mit der conj. dasz folgen. so schon mhd.

sun, ob dir got gefüege ein wîp
nâch sînem lobe ze rëhter ê,
die solt du haben als dînen lîp (halten wie dich selbst),
und füege daʒ ëʒ sô gestê (mache dasz es dahin kommt),
daʒ iuwer beider wille gê
ûʒ einem hërzen unde ouch dar. Winsb. 8, 4.


6) zukommen machen, zutheilen, ertheilen, gewähren. in dieser bedeutung steht das wort mhd. mit dem dat. der person und dem acc. der sache: mhd.

got vüege iu heil und êre. Iw. 1991;

dô bat si (Kriemhilt) got vil dicke füegen ir dën rât (die mittel),
daʒ si ze gëbene hête golt, silber unde wât,
sam (wie) ê bî ir manne, dô ër noch was gesunt. Nib. 1187, 1;

nhd. der geiz thut auch den armen treiben
dasz er sich auch nicht lest benügen
an dem, das im gott zu thut fügen.
H. Sachs IV, 2, 104d.


dann bietet sich in ähnlicher weise: der vater fügte ihr hierauf zur antwort in Olearius pers. baumg. 9, 10, insofern eben so wol fügte ihr hierauf die antwort gesagt werden könnte. sonst erscheint fügen in dem sinne auch mit bloszem acc.: wer kans fügen nach eines jeden genügen. Henisch 1278, 43; wies gott fügt, so mir es genügt, quo nos fata trahunt retrahuntque sequamur. Stieler 576; auf das gelübde seiner höfligkeit weis ich keine schicklichere antwort zu fügen, als das ich hinwiderüm verspreche, seinen befehlen u. s. w. Butschky kanzl. 40; seine auf mein leztes gefügte beantwortung. 51;

dies, Teiresias, ward dann gefügt von dem ewigen selber.
Voss Odyssee 11, 139.

bei beibehaltung des dat. wird mit fügen auch der inf. zu wissen verbunden, der gleichsam an die stelle des acc. tritt. der ausdruck hat den sinn wie zu wissen thun, ahd. tuon zi wiʒʒanne, doch erscheint er uns, da wir bei fügen zugleich an enge verbindung denken, eindringlicher: ich füge e. k. f. g. unterthäniglich zu wissen. Luther br. 3, 95; mein herzliche lieb, edler jüngling, füge ich dir zu wissen. buch der liebe 236, 3. doch daneben auch und zwar gewöhnlich wieder mit wegfall des dat.: ich Martinus Luther genant, doctor der heiligen schrift, augustiner zu Wittemberg, füge menniglich zu wissen. Luther 1, 354b. so noch im gehobeneren stil des befehls, der verfügungen, wenn der fürst schreibt wir fügen hiemit zu wissen, oder wenn es heiszt wir burgemeister und rath fügen hiemit zu wissen.
mit den accusativen es, das und wie der acc. kann auch ein satz mit dasz folgen: mhd.

iʒ was iur fille (züchtigung)
unt was ave gotes wille,
dër daʒ fuochte,
daʒ mich dër chunich ze vater hiete
unt al ditze lant
gab in mîne hant. Diut. 3, 110;

ob ëʒ dir Sælde (das glück) füegen sol
daʒ du gelëbest die lieben zît
daʒ dir ir (der frauen) güete fröide gît,
sô kan dir niemer baʒ geschëhen. Winsb. 13, 3.

nhd. da fügt glück, das (dasz) er mit einer lanzen in ein seiten gerent und todtlich verwundt ward. Schöfferlin Livius

[Bd. 4, Sp. 388]


147b; mein unstern fügte es, als ich zu Athen war, dasz Plato die ganze zeit über abwesend sein muszte. Wieland 34, 72.
Ist das, dessen zukommen veranlaszt oder bewirkt wird, etwas unangenehmes oder übles, so hat fügen mehr den sinn des bestimmteren zufügen: mhd.

von ir dulde ich ungemach,
manig ach
vüeget mir diu reine. MSH. 109a, 3, 3;

ode giht sis ûf ir kintheit,
swëm si füeget hërzeleit? Parz. 433, 12;

mîn hant im schaden füeget. 703, 13.

nhd. wer mit unrecht schaden fügt.
Schwarzenberg 146, 1;

dasz er ihm solchen gewalt fgen dörft. Ayrer proc. 3, 5.
Hierher gehört auch das passivische gefügt sein, zugetheilt sein, beschieden sein, mit dem dat. der person. so wenn Diogenes zu Alexander spricht:

an sölchen gaben mich benügt,
di mir natürlich sen gefügt.
Schwarzenberg 117, 1.

ich bin arm, mir ist es nicht anders gefügt.
In dem sinne verschieden von dën rât füegen in der oben angeführten stelle aus dem Nibelungenliede ist einen rath fügen bei Chamisso (1864) 5, 118, wo dieser in einem briefe vom jahre 1805 sagt: wir fügen einen rath. das kann doch nur so viel sein als: wir halten einen rath. eben so s. 130 in einem briefe vom jahre 1806: vor allem musz ich euch wiedersehen, dann meine pilgrimsfahrt nach dem Frankenlande thun — dann nach dem von uns gefügten rathe enden. was ist dies anders als: nach dem von uns gehaltenen rathe.
Aus dem transitiven fügen nun geht zunächst hervor
II. reflexiv sich fügen und zwar in den bedeutungen:
1) sich passend dazu thun, sich passend verbinden, sich anschlieszend verbinden: ahd.

ir sculut io thës gigâhenmit sulîchu iuih nâhen,
mit reinidôn ginuagenzi druhtîne iuih fuagen.
O. II, 16, 24.

so auch altkölnisch sich fûgen bei Haltaus 545. nhd. heyrathete ... hernach die donna Eleonora, allein ob sich hiermit gleich ein besonders schöner weiblicher cörper an den meinigen fügte, so u. s. w. Felsenb. 1, 522; zu diesen unglücklichen gebrechen der despotie fügt sich unvermeidlich ein anderes, wobei noch zufälliger und unvorhergesehener sich gewaltthaten und verbrechen entwickeln. Göthe 6, 206; es ist so mancherlei zu sagen, mündlich fügte sich wohl eins ans andere, entwickelte sich wohl auch leicht eins aus dem andern. 22, 189; orte drängen sich, höfe fügen sich dazwischen, so dasz sie, hintereinander gesehen, sich zu berühren scheinen. 43, 250, vgl. oben sp. 386 etwas zwischen etwas fügen; ihr wahres fügt sich zu dem anerkannten richtigen oft unbemerkt. 54, 26;

fest wie die wand sich füget ein mann aus gedrängeten steinen,
eines erhabenen saals, die gewalt der winde vermeidend:
also fügten sich helm' und genabelte schild' an einander,
tartsch an tartsche gelehnt, an helm helm, krieger an krieger.
Voss Il. 16, 214;

sticht mit dem schwert ihn (den sohn) Prokne, wo brust und seite sich fügen. Ovid nr. 30, 216;

leise nach des liedes klange
füget sich der stein zum stein (als mauer).
Schiller 56b.


2) sich schicken, sich passen, passend sein, überhaupt passen, angemessen sein: mhd.

sich füeget paʒ ob weint ein kint
denn ein bartohter man. Parz. 525, 6.

nhd. gleich wie der epheu sich wikkelt und windet, also bekwehmet er sich auch mancherlei menschlichen eigenschaften zum sinnbilde. das er die beume umfähet und durch ihre handbitung empor strebet, füget sich auf ehrliche gemütter, die mit vermögen nicht wohl gefüsset sein und deswegen sich bei grossen herren einschmiegen. Butschky Patm. 707; disz fügt sich hieher nicht, cela n'est pas propre à cela. Rädlein 309a; eine verstandes- und willensübereinstimmung, wo kein nein leidlich war, wo lauter ja sich fügten. Hippel 11, 98. diese bedeutung kommt jetzt selten vor.
3) sich accommodieren, sich nach erfordernis bequemen, sich durch die umstände bestimmt nach oder in etwas schicken, sich nach den umständen oder nachgebend drein finden. diese bedeutung ist erst nhd. und zwar, wie es scheint, im 17. jh. aufgekommen. in ihr aber steht das wort
a) zunächst mit einer praep. wie aus, zu, nach, in:

seinem beutel baue vor, wer ein wüstes gut wil pflügen:
wann das gut wird sein erbaut, wird der beutel wüste liegen,
wird sich kaum ums sechste jahr wieder ausz den falten fügen.
Logau 2, 220, 69;

[Bd. 4, Sp. 389]



so fein kan auch sich fügen
zu orth, zeit und person der bundte heuchelmann. 3, 216;

die sehnsucht trieb ihn an, des winters grimm zu triegen.
sein zimmer muszte sich zu einem garten fügen,
da lockt er allgemach das bunte frühlingsheer
mit angenemem zwang zur frühen wiederkehr.
Drollinger 66;

gleich offenherzig zu sein, so däucht mich der mann nicht klug,
der ohne gegenliebe zu hoffen,
zu solchem dienste sich fügte.
Wieland 4, 131 (Amadis 7, 10);

ach! versetzt ich, mein herr, ich habe leider mich niemals
gerne zur arbeit gefügt.
Göthe 1, 339;

er ist nun einmal nicht gemacht, nach andern
geschmeidig sich zu fügen und zu wenden,
es geht ihm wider die natur, er kanns nicht.
Schiller 335b;

denn mir befiehlt ein kaiserlicher brief,
nach eurer ordre blindlings mich zu fügen. 387b;

sie (die herzogin) wird in das nothwendige sich fügen.
ich kenne sie. — das ferne, künftige beängstigt
ihr fürchtend herz; was unabänderlich
und wirklich da ist, trägt sie mit ergebung. 374b.


b) mit dat., bezeichne dieser eine person oder eine sache:

jetzt, Polyphont, erfülle dein versprechen!
ich komme — mich dem meinigen zu fügen.
Gotter 2, 278,

d. h. mich nachgebend drein zu finden, es zu erfüllen;

von allem die seele
fügt alles sich meinem befehle:
mich vorlaut zu meistern,
maszt niemand sich an. 3, lxxvi;

denn wer der list sich wohl noch fügen will,
wird der gewalt sich widersetzen.
Göthe 13, 277;

wenn auch meiner vorstellungsart nicht eben immer dem verfasser sich zu fügen möglich werden konnte. 50, 52.
c) in allgemeiner bezeichnung, d. h. ohne praep. oder abhängigen dat.: auch bei dem deutschen (Gil-Blas) ist der charakter gut von haus aus, läszlich, wie es einem untergeordneten geziemt, der sich von kindheit auf zu fügen hatte. Göthe 45, 246;

rucket zusammen und füget euch fein.
Rückert 217.


4) sich passend gestalten, sich angemessen bilden:

Faust. erst haben wir ihn reich gemacht,
nun sollen wir ihn amüsieren.
Mephist. du wähnst, es füge sich sogleich.
Göthe 41, 72.

vgl. auch die vorhin angeführte stelle von Drollinger.
5) nach passlichkeit wohin kommen, sich wohin begeben, se conferre, ire. ahd.

wîb, quad ër, nû zeli mir,wâr sint thie widorôtun thir,
thie sih zi thiu hiar fuagtun,sô leidlîcho nû ruagtun.
O. III, 17, 54.

mhd. ach süeʒe Minne, in (ihn, den kummer) wende
vüege dich in ir hërze unde gib ir minnen muot! MSH. 1, 66b, 2, 4;

wër die augen wëll verschüren mit dën prenden,
sin lëben enden
mit guoten zenden,
übel ëssen, ligen in dëm strô:
dër fueg sich in die Lambardîe,
dâ vil manger wirt unfrô.
Wolkenstein s. 66, 15, 1, 5.

nhd. mit dem die schœn, die minneclich
wolt von der wilden fügen sich
usz irem gemach herfür. Hätzlerin II, 8, 262;

hiemit so gond all heim zuo üwer ruow
und morn (morgen) so fuegend üch wider herzuo! fastnachtsp. 897, 1;

zu Rom ist deiner vätter grab.
füg dich dahin zu kind und weib,
daselbst bey deinen freünden bleib.
Schwarzenberg 118, 2;

item am gerichtstag ... mag man das peinlich gericht mit der gewonlichen glocken beleuten, und sollen sich richter und urtheyler an die gerichtsstatt fügen, da man das gericht nach guter gewonheit pflegt zusitzen. carolina art. 82; darumb ist an e. k. f. g. mein demüteg unterthenig bitte, sie wollen mir gnediglich zu gut halten und verzeihen, das ich hinder e. k. f. g. wissen, willen, gunst und bewilligung mich hieher in e. k. f. g. stad Wittemberg widerumb gefügt. Luther 2, 87b (an herzog Friedrich); dasz ich ... mich hieher in e. k. g. stadt Wittemberg widderumb gefugt habe. br. 2, 149, wogegen s. 337 gefügt; das (dasz) der bapst wolle sich fügen in s. Peters münster. werke 3, 92; wie wir uns zur ersten vesper in s. Peters münster fügen wollen. 93b; fügt sich mit fleisz an ein ort, da er vermeynet die wittfraw allein zu treffen. Wickram rollw. 54; fügt sich zu der frawen. 56b;

sie fügt sich z fraw Eva schier. pilger 12 (D 3);

sich schnell zum jungen könig fügt. wegkürzer 13;

nach langen seinen gedenken in ein schönen baumgarten sich fügen thet. Galmy 25; Friderich sich schnell in sein gemach

[Bd. 4, Sp. 390]


füget. 116; er die botschaft so bald nicht vernimmt, er sich von stundan her fügen wirdt. 286. nach bey sich gehaltenem rahtschlag fügt er sich in die statt. Kirchhof wendunm. 131c; fügt er (der knabe) sich darnach auff die gassen. 259a; auf disz gespräch fügeten sie sich zusammen unnd fieng der streit gantz greulich und wundersam under inen an. Amadis 405; in dem er (Darison) sein schilt fürwarf gegen dem streich, so Amadis auf ihn that, füget sich Agraies zwischen sie beide unnd sagt: mein vetter, ihr haben genug gethan. 421; sich heimlich zu desz jünglings gemach füget, züchtiglich anklopfet. buch der liebe 233, 3;

hierumb z dir hertznfromme leuth
sich werden fgen glegner zeit
und dich in nöthen rffen an,
weil man gnad bey dir finden kan.
Dilinger catholischs gesangbüchlein (1589) s. 113;

dasz sie sich fügen allesand
zu Franckfurt unten an dem Main.
Ayrer 126a (stift Bamberg);

wir wöllen uns hin zu ihr fügen. 179b (griech. kaiser);

alsbalt theten sich zu mir füegen
zwen teufel schwarz und ungeheur. 448a (alter buler);

wo die lieb und wollust bulen, zeugen erstlich sie vergnügen,
aber bald wil stiefgeschwister, schmerz und rew, sich drunter fügen.
Logau 2, 230, 123;

du sahest hohe ding und warest nicht vergnüget,
zu bühszen, wie man pflegt, allein der augen lust,
es hat dein kluger sinn viel weiter sich gefüget,
so dasz dir alles, was erheblich, war bewust.
Rist parn. 450;

solchen erwünschten fortgang (bei dem mädchen) verfolgte ich mit allerhand reizungen, bisz ich bei nacht von meiner liebsten eingelassen wurde und mich so hübsch zu ihr ins bett fügte, als wenn ich zu ihr gehört hätte. Simpl. K. 1, 499. dies erinnert an das in den gebirgen der Schweiz bei jünglingen stattfindende zu kilt gehn, auf einen nächtlichen besuch zu einem mädchen gehn (Stalder 2, 101), worauf auch Jacob Grimm bei aufzeichnung jener stelle in einer klammer hinweist.
übereinstimmender bedeutung sind sich zu hause fügen oder sich nach hause fügen, und sich heim fügen, sich nach hause begeben: nun die zeit, als die künigin gebotenn hat, komen was, sich (die jungen männer) z hause fügten und funden daz Parmeno sein ampt mit vleisz hat angefangen. Bocc. 1, 9b = K. s. 15, 18; wenn die seele deinen leib zur kirche geführt, hat sie ihn als einen todten klotz sitzen lassen, sich wiederum nach hause gefügt und bei ihrem mammon erlustigt. Müller erquickst. 257; als er einsmahls sich heym gefüget und seine verwandten in zu empfahen häufig zu im kommen. Kirchhof wendunm. 125a.
abstracter erscheint sich fügen in seiner bedeutung sich begeben in folgender stelle: wo so viel schreiber disz jahr als das vergangene auszfliegen, so wird sich ein merkliche thewrung in die gänsz fügen. Fischart groszm. 63.
Übersieht man die hier beigebrachten belege für die bedeutung, so ergibt sich, dasz diese im 15. jh. geläufig zu werden beginnt, es im 16. jh. in reichem masze ist, aber schon im 17. jh. wieder abnimmt und gegen ende desselben allmählich erlischt, indem in ihr sich verfügen auftritt, das durch ver- in dem sinne von fort, dahin, genauer zu bezeichnen scheint, als das blosze sich fügen. merkwürdig jedoch bleibt, dasz bei diesem die wörterbücher des 16., 17. und der ersten hälfte des 18. jh. die bedeutung nicht anführen. erst Adelung hat sie, die er eine im hochdeutschen veraltete nennt, mit einigen belegen aus dem Teuerdank.
Endlich ist hier, im anschlusz an die beiden vorhergehenden bedeutungen, noch zu erwähnen:
6) das impersonale es fügt sich in dem sinne
a) es macht sich passend oder nach wunsch, es gestaltet sich:

gott gibt alles, was wir dürfen; dasz sichs uns nu nimmer füget,
macht die wollust und begierde, deren stand sich nie vergnüget.
Logau 3, 59, 10;

ehr fügts nicht besser sich,
als bis zu ross und wagen diesem mann
mit andern waffen wir entgegen gehn.
Bürger 161b (Il. 5, 218),

bei Voss hier: zuvor wird dieses nicht anders.
b) es begibt sich, tritt der fall ein, trägt sich zu, accidit, evenit:

beszres glücke künt ich leiden; kümt es nicht? ich bin vergnügt,
wenn sichs, als jetzund ichs habe, nur nicht ärger mit mir fügt.
Logau 2, 220, 58;

nach einigen tagen fügte es sich, dasz ich meiner geliebten unbekannten in einem der vorhöfe des tempels begegnete. Wieland 2 s. 35 (Agathon 7, 5); inzwischen fügte sichs zufälliger weise, dasz ich mit der priesterin in einer gesellschaft zusammentraf. s. 60 (7, 8); durch eine sonderbare verkettung

[Bd. 4, Sp. 391]


der dinge muszte es sich fügen, dasz die kirchentrennung mit zwei politischen umständen zusammentraf, ohne welche sie vermuthlich eine ganz andere entwickelung gehabt haben würde. Schiller 880a. nd. sik fögen, sich zutragen.
Endlich steht fügen
III. intransitiv in den bedeutungen:
1) in beziehung auf verbindung passen: mhd.

si brâhte in (dën gebrësten d. i. das aus dem schwerte ausgesprungene
und so fehlende stück) unde sazte in dar:
nu vuogte diu lucke
und das vertâne stucke
und wâren als einbære
als ob ëʒ éin dinc wære. Tríst. 254, 7.

nhd. und darum (spricht die braut) so wil ich dich,
wann (denn) wir fügen paide wol zu samen
und darf sich ains des andern nit schamen. fastnachtsp. 577, 7;

das man und frauen wol zu sammen fügen,
recht sam (wie) ain gürtel zu einer taschen
und eben als ain zapf für ain flaschen. 694, 20.


2) passen, angemessen sein: mhd.

iezent sô wirt sî (die geliebte) genant.
»nein, ëʒ vüeget wëder mir noch ir.« MSH. 1, 133a, 1;

si (die speise) vüegt dir wol, si vüegt nicht mir.
Boner 15, 52;

wër an dën êren wil gestân (bei ehren bleiben wil),
dër sol dur kein red abe lân (keiner übeln nachrede wegen ablassen):
ër sol tuon, waʒ im vüeget wol. 52, 93;

wie si wurden gewar
eines, dër dëm sëlben hove
vûgete zu einem bischove. Pass. K. 9, 54;

brûdere, ir sult wiʒʒen,
dës ich mich habe gevliʒʒen
und mir zu lëbene gegëben,
daʒ vûget nicht an ûwer lëben
durch sumelîche hertekeit (mancher strenge wegen). 220, 44.

daʒ sëlb klôster sol rëht und gewalt hân die weide ze nieʒenne âne alle miete mit rossen, rindern, schâfen und mit all ir vihe, swie ëʒ im fûget und nôtdurftig ist. urk. von 1293 in Schmids pfalzgrafen von Tübingen s. 64. nhd.

ir vindet wol ain ander weib,
die euch füegt für euren leib. fastnachtsp. 500, 24;

ein padschaf und ain wiegen
und ain tisch, der fügt euch eben,
den wil ich euch auch darzu geben. 574, 4;

er (der ritter) fügt mir (spricht die jungfrau) nicht zwar,
umb in geb ich nicht ain haar. 614, 8;

ir habt gar hübsche hentel
die fügen gar wol zu neen. 618, 6;

und (ich) lasz mich gern die knaben an tasten
und trink lieber wein, denn prunnen:
darümb so füg ich nit wol zu einer nunnen. 737, 25;

und hät ich sunst nichts fürgewändt,
von ewigkayt der seelen ständ.
natürlich recht dich des vergnügt,
das dir dein zweyfel nimmer fügt.
Schwarzenberg 152, 1b;

er weiszt bas, was dir füget, dann du selbs, dann er spricht: ein jeder, der begert, empfacht. Zwingli 1, 72;

dem fügete basz, das er sein brot verdiente
als arbeiter und nicht eyn priester were. Renner (1549) 21 = 47b;

ain gute henn versoten
die fügt wol solchen knaben.
Uhland volksl. 608, 4;

sein leibhengst dir basz fügen thet,
man meint kein solch rosz sei in Rom?
H. Sachs III, 3, 72c = (1588) 52b;

die kammer fügt mir wol und eben. IV, 3, 3b;

als mich die köchin drausz ansprach,
dacht ich, sie würd mir ein suppn geben,
die hett mir wol gefüget eben,
wann ich in drei tagen kein warmen
bissen hab gessen. 3c;

Clas Schellendaus, du fügst mir nicht (zum knecht),
dieweil und du die spilsucht hast.
V, 357c;

damit ihr lernt was christen fügt.
Ringwald tr. Eckh. B 3b.

sprichwörtlich: was einem fügt, das schadet dem andern. Lehmann 2, 469, 127.
3) nach wunsch zukommen, gelegen kommen, nach wunsch sein, nach willen sein, günstig sein. vgl. DWB fugen I 2).

do sprach der lew zm stiere:
du fgst mir eben recht!
Uhland volksl. 406, 5, vgl.
W. Wackernagels leseb. 14, 1111, 9,

du kommst mir eben ganz gelegen; darinnen ihm auch das glück selbst nicht wenig fügete. Schütz hist. rer. pruss. 21; als uns der wind woll fügete, zogen wir die segel auff. Olearius pers. reisebeschr. 1, 4. vilen potentaten füget das glück euserlich,

[Bd. 4, Sp. 392]


wieder ihre feinde: zu hause aber regnet ihnen, in ihrer wohnung, das unglück zu. Butschky Patm. 531; wann der wind aufkühlet und füget. Ettner ungewissenh. apoth. 162; Carolus that (durch die enthauptung), was Conradinus ganz ohnfehlbar gethan haben würde, wenn ihm das glück des krieges gefüget hätte. Hahn hist. 4, 258;

der umstand nun fügt ihnen allen sehr.
venoit bien à point.
Brockes 1, 557 (übers. einer fabel von de la Motte):

so (= also, hiernach) fügt das glücke nicht den freiern überall,
der zeugt mit seiner frau nicht kinder seines leibes,
der freit ein böses weib und mancher statt des weibes
nur einen schönen wiederhall.
Lichtwer fab. bch. 2 nr. 24.


heute scheint diese bedeutung erloschen, die wieder kein wörterbuch des 16. und 17. jh. verzeichnet. mit ihr hängt enge zusammen die folgende.
4) willfährig sein, willfahren, nachgibig sein, nachgeben, nach verlangen thun, das verlangen erfüllen. zuerst aufgenommen von Frisch 1, 303a, wo »einem fügen, gratificari, obsequi, non impedimento esse, annuere petito«. wir fügten ihm natürlicher weise sogleich auch hierin und die sache wurde daher auf das beste und zu beiderseitigem vergnügen festgesetzt. Klopstock 12, 364.
 
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fügen, n., der inf. fügen als subst. in allen bedeutungen die bei diesem verbum unter I und III angegeben sind. schon mhd., s. Haltaus 545. hier zwei stellen der bedeutung I 5) und 6):

es gibt sonst vielerlei vergnügen,
nichts aber ist, was mehr entzückt,
als wenn man in des höchsten fügen
sich mit gelaszner demuth schickt.
Günther 100;

und siehst du ihre (der blumen) pracht verfliegen,
so denke: das ist gottes fügen,
drum schwand auch Marianens pracht.
Drollinger 119.


In den bedeutungen des reflexiven sich fügen (s. DWB fügen II) gebraucht man das zusammengeschobene sichfügen, n., welches in folgender stelle in dem unter II 3) angegebenen sinne steht: während alles philosophieren auf unabhängigkeit von fremden vorschriften beruht, ist alles juristische die sache des erlernens, des sichfügens in das, was nun einmal ist. Hugo naturrecht s. 1.
 
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fügenagel, m. ein nagel zum zusammenheften. bei schreinern und zimmerleuten.
 
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fugenartig, adj. einer fuge nahekommend, im wesen mit dieser übereinstimmend. sowol in vergleichung mit der fuge als verbindung und vertiefung gebraucht, als auch im gedanken an die fuge als tonstück.
 
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fugenform, f. die form der fuge, durch welche diese sich von andern tonstücken unterscheidet. doch auch hier erscheint die fugenform als hebel, als mittel eines tiefen geistes, indem sie alle melodischen gestalten annehmen und gegeneinander in contrast setzen, ja selbst über den geist sich triumphierend erheben kann, indem sie der schwäche dient. Zelter an Göthe im briefwechsel 2, 124.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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