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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fuge bis fugel (Bd. 4, Sp. 381 bis 382)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fuge, f. das mehrstimmige tonstück, in welchem das zu anfang von einer stimme vorgetragene thema von der andern stimme oder den andern stimmen nachgeahmt wird und durch das ganze stück wechselsweise und unter beständigen veränderungen aus einer stimme in die andere geht. Zelter schreibt an Göthe im briefwechsel 2, 122 über die fuge: diese entwicklung eines hauptgedankens (woraus ein tonstück besteht) geschieht am natürlichsten und zuverlässigsten durch einen gegengedanken, und so entsteht in allem was productive kunst heiszt: fügung des gegensatzes zum hauptsatze d. h. fuge und contrapunct. ein mehrstimmiges tonstück, worin ein bestimmter gedanke (thema, subject) herschend und erschöpfend durchgeführt wird, dürfte eine fuge oder ein gefügtes tonstück genannt werden. da eine fügung ohne theile nicht geschehen kann, so folgt dasz eine fuge nicht weniger als zwei stimmen haben kann, aus deren zusammensetzung der begriff hervorgeht. aber das ist, was die herkunft des ausdrucks betrift, unrichtig, denn diesen haben wir aus it. fuga, welches eigentlich »flucht« bedeutet, weshalb bei Henisch 1276, 23 ff. fuga im singen, eadem modulatio alternatim et per vices diversis vocibus expressa, ita ut cantores se mutuo insequi et quodammodo fugere videantur. doch scheint die benennung ursprünglich auf das rasche, lebhafte, gleichsam fluchtähnliche des tonstücks zu gehn. fuge. Stieler 577. Rädlein 308b. Steinbach 1, 518, der »vocis quasi fugientis insectatio« erklärt. zuerst also von einer raschen, lebhaften gesangsweise. vgl. DWB füglein.

helle morgenmusik
strömt vom wipfel.
ihre herzen
tanzen nach den fugen
die der schmelzende vogel tönt.
Hölty im alm. d. d. mus. 1773 s. 113.

daher auch bildlich von sprechenden: nun war es aber eine wunderbare contrapunktische fuge, wenn Kniep und der consul die verlegenheit des abenteuers, der vorzeiger dagegen die kostbarkeiten der noch wohl erhaltenen pracht verschränkt vortrugen, beide von ihrem gegenstand durchdrungen. Göthe 28, 220; unsere italiänisch - deutsche fuge, denn pater und küster psalmodierten in der ersten, Kniep und consul in der zweiten sprache, neigte sich zu ende, als ein officier sich zu uns gesellte. s. 222; die geschichte der wissenschaften ist eine grosze fuge, in der die stimmen der völker nach und nach zum vorschein kommen. 49, 41.
von dem gesange gieng dann der ausdruck auf blosz mit tonwerkzeugen ausgeführte stücke der oben bezeichneten art über: ja auch bei den allerheiligsten übungen, an statt dasz ihr (der jugend), zur ehre gottes, geist- und anmuthreiche psalmen und gesänge erschallen sollen, ihr mit wälschen, losen, leichtfertigen fugen, fusen, fantastereien und concerten, zu unzüchtigen, leichtsinnigen hurendänzen anlasz gegeben und uff der orgel aufgespielet. Moscherosch Philander 1, 381.

ja mark und adern könnens fühlen,
wenn ihr den flügel kaum berührt.
o reichthum neuer fantasien!
wie schnell, wie fertig voll und schön
hört man die bunten fugen gehn?
Gottsched 1, 214.


vgl. fugenartig, fugenform, fugenhaft, fugenweise.
 
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füge, f.
1) enge verbindung, fügung. ahd. bei Notker fuogî: alsô sîn psalma heiʒʒet conjunctio vocum (fuogî stimmôn) in cantando (singendo). ps. 4, 3; joh (auch) sëlbêr unsêr lîchamo, unz (so lange als) ër in sînero lidô fuogî (im lat. text membrorum conjunctione) behabet sîna geskaft (gestalt), sô ist ër mennisken gelîh. Boeth. Hattemer s. 144a, 165 = Graff s. 151, 163; aber die mittinâ dërô boumô die gehullen an irô fuoginôn. Marc. Cap. Hattemer 274b, 20; unde bêdiu gevallet irô iowëderêr dëmo andermo in gelimflîchero fuogî (im lat. text jugitate .i. conjunctione). s. 326a, 99; lougin (verneinung) gegëben wirdit fore unde dara nâh fuegî. syllog. Hattemer s. 551, 38. abgeleitet ist das wort von ahd. fuogan unserm nhd. fügen, s. d.
nhd. zusamenfgung, fge, commissura, sutura, junctio, conjunctio, coagmentatio. Henisch 1278, 21 f., der aber die beispiele hierzu 1276, 35 fgen, zusamenfgung des leibs, compages corporis, und 36 fgen des schiffs, commissurae navis, zwischen die beispiele zu fuge gemengt hat. fge Mathesius Sarepta 58a hat

[Bd. 4, Sp. 382]


sich für dieses fuge, wie oben sp. 378 gezeigt wurde, eingeschlichen, weshalb die stelle dort angeführt ist. cimbrisch vüghe, fuge.
2) gelenk. Gersdorf feldb. 3 und öfter. auch das gelenk an den pflanzen d. h. der absatz, der knoten, die biegung, wo ein neuer schosz anfängt: die stengel (der walwurz) werden elen hoch fast haarecht und rauch, inwendig hol mit vilen nebenfettichen oder zweiglein, dieselbigen fgen oder gewerblein seind mit gebogenen blättlein geschmuckt und bekleidet, wie die ochsenzungen. Bock kräuterb. 19a.
3) die weise. vgl. DWB fuge 9). wie sie mit keinen fügen (= in keiner weise) inen hilf wider ir buntgnossen beweisen möchten. Schöfferlin Livius 69; hat dan der hellische fürst noch nit erkennt, mit was fügen (= auf was für eine weise, auf welche weise) ich mein so thewr erkaufts menschlichs geschlecht aus der hellen erlöset. Ayrer proc. 2, 1. fügen hier, von was abhängig, ist der gen. pl.
 
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füge, gekürzt füg,adj., nur in den zusammengesetzten adj. gefüge, ungefüge, kleinfüge. s. die wörter und fügig.
 
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fügebank, f.
1) eine an der wand befestigte bank, scabellum junctorium. Stieler 93 und danach Steinbach 1, 62, der aber in seiner schlesischen mundart fügebanke schreibt.
2) ein der gestalt nach einer bank vergleichbarer hobel und zwar:
a) bei den tischlern oder schreinern der grosze etwa drei fusz lange, von 2 personen geführte schlichthobel, die schärfen an den zusammenzufügenden bretern gerade und glatt zu hobeln.
b) bei den faszbindern oder küfern der grosze liegende hobel, die seiten der faszdauben zum genauen aneinanderfügen eben und glatt zu machen, runcina doliaria. Frisch 1, 303b f.
auch fügbaum, fügehobel, stoszbank.
 
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fügeblock, fügebock, m. bei den stellmachern ein starkes senkrechtes holz mit drei füszen und oberwärts einem zapfen, auf den die ausgebohrte nabe gesteckt wird, um nach maszgabe der speichen die länge der felgen bestimmen zu können. Campe.
 
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fügeeisen, fügeisen, n.
1) das scharfe eisen in der fügebank der faszbinder oder küfer, ferrum runcinae doliariae. Frisch 1, 303c.
2) bei den glasern ein hakiges werkzeug, die nach dem schneiden und abbrechen der einzusetzenden fensterscheiben u. dgl. an denselben verbliebenen überstehenden zacken u. s. w. abzukneipen, was in der handwerkssprache abfügen heiszt, auch abfiedern, weshalb neben fügeeisen noch fiedermesser gesagt wird.
 
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fügehobel, m. bei den tischlern oder schreinern ein von zwei personen geführter hobel, die falze, fugen und nuthen an den durch dieselben »zusammenzufügenden« bretern zu ziehen, die fügebank. Adelung. bei Frisch 1, 303c fughobel, weil mit ihm die fugen gezogen werden.
 
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fügeholz, n. ein holz, das an ein anderes gefügt werden soll.
 
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fugeisen, n. ein eisernes werkzeug der maurer, mit welchem diese den kalk in die zwischen den steinen befindlichen »fugen« der mauer streichen. Campe.
 
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fügeisen, n., eins mit fügeeisen, s. d.
 
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fugel, m., haben mundarten für fogel oder, wie wir zu schreiben pflegen, vogel. so die Wetterauer mundart, in der man fu'l spricht, die zu Sonneberg im Meininger oberlande, aus welcher Schleicher volksthümliches aus Sonneberg s. 17 fûeghel anführt, die der fürstenthümer Göttingen und Grubenhagen, in der man fugel neben fogel hört (Schambach 282b), die Siegerländer, in der vugel neben vougel gesagt wird (Schütz Siegerländer sprachidiom 1, 12), die der gegend von Elberfeld, in der vugel üblich ist (Frommann 4, 260 f.), die des südlich der Ruhr gelegenen berglandes, der fuĕgel eigen ist (Frommann 6, 48). die sich demnach nur in gegenden Mitteldeutschlands, spärlicher des angrenzenden Niederdeutschlands zeigende form fuszt auf alts. fugal, fugl, welches mit seinem ungebrochnen u sogar in die höchstwahrscheinlich nach dem Niederrhein hin auf der linken seite des flusses entstandene ahd. übersetzung des Tatian eingedrungen ist, denn, während ahd. überall fokal, fogal vorkommt, hat dieselbe (s. cap. 38, 2. 51, 2. 71, 2. 73, 2) fugal, das auszerdem ahd. nur noch in dohfugal, mergulus, taucher, tauchente, aus den dem 10. jh. angehörenden Tegernseer glossen nachzuweisen ist, aus welchen es Docen in seinen miscell. 1, 208b verzeichnet hat. ein mhd. vugel findet sich nirgends, nur vogel; dagegen könnte es mitteld. vorkommen und wirklich führt Diefenbach 628b aus einem handschriftlichen glossar des 15. jh. fugel an.
Auffallend erscheint die form bei Keisersberg. während nemlich in den drucken seiner schriften fogel (s. d.) beliebt ist, steht in der seltner vorkommenden bedeutung »das von der befruchtung durch das männchen im ei befindliche samenklümpchen« fugel:

[Bd. 4, Sp. 383]


wann dieselb weisse (dasselbe weisze im ei) hat ain flecklin, nennet man den fugel. schif der pen. 112a. es ist nichts anders als vogel, wie auch Jacob Grimm wb. 3, 1745 unter flecklein angibt. schwerlich aber ist fugel der mundart des Elsasses entnommen, denn diese hat für vogel, avis, die form veaujel (Arnold pfingstmontag 60. 121. 139), und warum sollte in jener bedeutung vom flecklein im ei eine andere gebraucht sein.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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