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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fug bis fügeblock (Bd. 4, Sp. 377 bis 382)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fug, adj. passend. nur in einer stelle aus dem dem 15. jh. angehörenden krieg Nürnbergs gegen den markgrafen Albrecht von Brandenburg nachweisbar: wann er (markgraf Albrecht) daz velt nicht mer vermocht zu haben und must das raumen, dann die im ausz andern landen waren zu dinst geriten vermocht er nit mer lenger bei im ze haben: daucht in, mit den seinen wurd er zu krank (zu schwach) und meint nun frid zu haben, wie es im fug wer gewesen. chroniken d. deutsch. städte 2, 132, 19. es ist hier das subst. fug adjectivisch aufgefaszt, wozu die adjectivisierung von mhd. ande (s. DWB ahnd), durft, nôt, schîn, sêr, zorn als vorbild dienen mochte. vgl. gramm. 4, 244. mhd. galt ein adj. vuoc, das jedoch nie anders erscheint, als in den zusammengesetzten adjectiven gevuoc manierlich, geschickt, klug, passend, ungevuoc unpassend, unvuoc unpassend, ungeschickt, wozu sich nhd. noch widerfug, contrarius (Henisch 1277, 66) anführen läszt.
 
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füg, gekürzt aus füge,adj., nur in den zusammengesetzten adjectiven gefüg, ungefüg (Alberus dictionar. m ijb), kleinfüg. s. das adj. füge.
 
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fugader, f. eine wie durch eine fuge verbindende ader, die bandader, sehne. bildlich: geld und güter, sagt Lipsius, sein die nervi imperii et rerum gerendarum, die sehnen und fugadern, ja die seel und leben des regiments und aller verrichtung. Scriver goldpred. 191.

[Bd. 4, Sp. 378]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fugbank, f. was fügebank 2) b).
 
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fügbaum, m. ein groszer schlichthobel, die fügebank, runcina. fgbaum (der) grosser hebel, runcina. Maaler 145a und daraus Henisch 1278, 23, der aber fugbaum schreibt. hebel ist schreib- oder druckfehler für hobel, wie schon aus lat. runcina erhellt.
 
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fuge, f. junctura, compages, conclusura, commissura. mhd. fuoge, vuoge, welches ein ahd. fuoga voraussetzt, das nicht nachzuweisen ist, wol aber ein mit ihm zusammenfallendes schwach biegendes fuogâ, feste vereinigung, in dem zusammengesetzten hîfuogâ, zeugungsvereinigung? in Notkers Marc. Cap. s. 350a, 134 der ausgabe von Hattemer als übersetzung des unerklärten lat. soticena, mit welchem die göttin Juno, wie es scheint als vereinigerin zur zeugung, angeredet wird, und diese bedeutung dürfte bestätigung darin finden, wie Wernher von Tegernsee fûge gebraucht, wenn er Mar. s. 201, 13 Hoffm. singt:

sie wânten in dër burge daʒ daʒ iemer wurde,
daʒ maget kint trûge âne mannes fûge

d. h. ohne fleischliche vereinigung mit einem manne. mnd. vôge (Rother 2039), nd. foge, mnl. voeghe, nnl. voege, voeg. das wort ist, wie mhd. fuoc, vuoc, nhd. fug, dem praet. des unter diesem worte und fügen aufgestellten goth. fagan ahd. fakan entsprossen.
die bedeutungen sind:
1) die enge verbindung zweier aneinander passender theile, die stelle wo diese theile eng verbunden sind. fge oder fge. Dasypodius 332c; ein fuge. Serranus l 8b. o 8a; iunctio, ein fg oder zsamenfgung. Frisius (1556) 742b; commissura, ein fg oder zsamen ntung, ein nt. 261a und danach fg (die) oder nt bei Maaler 151d; fuge, niet, zusamenfgung, nietung, compages u. s. w. Henisch 1276, 26; fuge der bretter oder anders holzwerk, commissura tabularum. 29; fuge des hirnschedels, hirnschalen, suturae, commissurae cranii. 31; fuge der keltermülden, coagmenta, juncturae lacus subpraelaris. 33; fugen der wort, junctura verborum. 37; die fugen der balken, tignorum juncturae. Steinbach 1, 517; wunderbare fugen haben, commissuras mirabiles habere. ebenda; die fugen der hirnschale werden näthe genennt. ebenda. mhd.

ein wâfenroc wart dar getragen,
dër was, als ich hôrte sagen,
mit drîhen (= nadeln zum sticken) und mit (vgl. die hs. N in der ausg. von v. Groote) spëlten
zen vuogen unt zen velten
zallen sînen enden,
mit vröuwînen henden
in vremedem prîse bedâht
unt noch prîslîcher vollebrâht. Trist. 166, 2.

nhd. wisset ir nicht (spricht er, nemlich Paulus 1 Cor. 6, 16), wer an der huren hanget, der ist ein leib mit ir, das ist, wer an eine hure gekütt oder, wie die deutschen auch reden, wer an eine hur gebicht ist, der ist ein leib mit ihr, das ist wie zwei bretter durch den leim ein bret werden unnd ein eisen an das ander oder ein silber an das ander gelötet oder geschweisset wirt, das (dasz) es gar ein ding wirdt, also wenn huren und buben sich zusamen halten, wirt ein hurenleib drausz, die fuge oder das lot gehet schwerlich wider auf, wie man im sprichwort auch saget, disz gesindlein scheidet sich nimmer mer. Mathesius Sarepta (1562) O iija, aber in der lange nach seinem tod (1565) erschienenen und daher nicht so zuverlässigen ausg. von 1587, in welcher die stelle 58a steht, fge;

die fugen des gebäus drohn schmelzend sich zu trennen.
J. A. Schlegel verm. ged. 2, 159;

er kennt des ganzen bau und aller theile fugen.
Wieland suppl. 1, 52;

(die orkane) stürzen die flut in den raum (der schiffe) und schmettern die wänd aus den fugen.
Voss Theokr. id. 22, 12;

und so löset still die fugen
an dem herrlichen palast,
und die pfeiler, wie sie trugen,
stürzen durch die eigne last.
Göthe 13, 280;

in einem nu war die hütte abgedeckt und einzelne menschen hiengen an sparren und balken, um auch diese aus den fugen zu reiszen. 24, 326. die fuge an zwei zusammengeleimten bretern, an den faszdauben; es kracht in allen fugen; die fuge schlieszt schlecht, gibt sich von einander. von wörtern: mit meiner nacharbeit an der übersetzung (des Homer) bin ich nahe zum ende gelangt, in steter aufmerksamkeit auf fugen von zusammensetzungen, wie sie Ihnen (F. A. Wolf) wahrscheinlich sind. ich finde durchaus alles

[Bd. 4, Sp. 379]


fest und gediegen und, was auch der künstler daran gelöthet und gefeilt habe, glatt wie aus éinem gusz, wie von éiner seele aus dem innern hervorgetrieben. Voss briefe 2, 248.
auch die lücke zwischen den beiden theilen bei mangelhafter verbindung heiszt fuge: mhd.

dëm schiffe dô (bei dem ansturz der wellen) kein vrume was
wëder das bëch noch das was (wachs):
die vûge wurden wîte.
zu iewëdrr sîte
die vlût harte drîn wiel.
Albrecht v. H. Ovid 26, 61.

nhd. man sicht den tag durch dfg, sy ist übel gefgt, hiat commissura. Maaler 151d. man kann durch die fuge in das verschloszne zimmer sehen. der sand füllet die fugen der breter in dem fuszboden gar bald aus ( Adelung).
Bildlich: glauben sie es, freund, unsere seele ist ein einfaches wesen: — hätte die last, die diese nacht auf der meinigen lag, ein zusammengesetztes gedrückt, die fugen der theile hätten nachgelassen und der staub hätte sich zum staube gesammelt. Leisewitz Jul. v. Tar. 1, 1 = sämmtl. schr. s. 12. einem bündnis entsagen, das die fugen der bürgerwelt auseinander treiben und die gemeine ewige ordnung zu grund stürzen würde. Schiller 198a; eine fuge oder ein astloch in das verhältnis mit jemanden aufmachen. Jean Paul Kampanerthal 8; der väterliche brief, der Albanos seele in allen fugen erschütterte. Titan 1, 176;

denkend,
durch unsers theuren, selgen bruders tod
sei unser staat verrenkt und aus den fugen.
A. W. Schlegel Hamlet 1, 2;

die zeit ist aus den fugen. schmach und gram,
dasz ich zur welt, sie einzurichten kam! 5;

wer dem gesetze sich weiht und dem recht ein jünger der Themis,
werde minister des staats oder doch wirklicher rath,
dasz in die künstlichen fugen verwickelten menschenvereines
er eingreife geschickt fördernd mit sicherer hand.
Rückert 272.


Zusammensetzungen sind hier breterfuge, hirnschalfuge, kelterfuge, leibsfuge, schiffsfuge, wortfuge. vgl. Stieler 577.
2) in der baukunst der bei zwei werkstücken entstehende zwischenraum, wo sie im mauerwerk zusammenstoszen. luxemburg. fŏ. Gangler 154. dann auch der mit kalk ausgefüllte zwischenraum zwischen den gebrannten steinen im mauerwerk. vgl. lagerfuge, DWB stoszfuge.
3) eine in einem gegenstande angebrachte oder gezogene längliche vertiefung, kerbe, rinne oder riefe, in welche ein anderer als theil eingelassen und so mit jenem verbunden wird oder ist, stria. in dem brete ist eine fuge, in die ein anderes eingesenkt werden soll.

und es feget den zarten staub ein sträubender borstwisch
aus den fugen der muschel (des wagens) und aus den zierlichen speichen.
Zachariä phaeton 4, 28.

bildlich: unsre sprache ist zu schwankend, die wörter zu vieldeutig, um genau in die fugen der wahrheit zu passen. die natur hat die umrisse der begriffe sanft in einander laufen lassen: wir tappen gleichsam mit breiten tatzen hinein und vermischen sie. M. Mendelssohn in Göckingks leben Nicolais s. 197.
Auch die an einem geräthe mittelst einer länglichen vertiefung bewirkte verbindung in der weise, dasz dadurch ein theil desselben beweglich ist: ein stul mit fugen, den man zu sich aufschlagen kan. Henisch 1276, 41.
4) eine gliederverbindung, ein gelenk: »fg, junctura, gleich, knod, articulus.« Maaler 151d. und helt sich nicht an dem heubt, aus welchem der ganze leib durch gelenk und fugen handreichung empfehet und an einander sich enthelt. Col. 2, 19; der obertheil desz fuszes wirdt die kron oder fuge genennt oder die wurzel desz horns oder huff. Uffenbach neues roszbuch 1, 200. bildlich:

wie glücklich sehen sie (die magister) beim wein
die fugen der soriten ein!
Hagedorn 3, 126.


5) passlichkeit, angemessenheit, passende, erwünschte gelegenheit. vgl. DWB fug 2). mhd.

so erkande ich wol die fuoge,
wenn und wie man singen solte.
Walther 48, 23;

swenn ëʒ die vuoge lie geschëhen,
sô gruoʒte si in vil tougen
mit innenclîchen ougen. Trist. 29, 6.

nhd. er gab ihr auch den brief, den er mit masz und fuge
geschrieben hatt' die tag und ihr im busen truge.
Werders Ariost 25, 118, 1 (Ortando für. 26, 90).


6) das was sich gebührt, schicklichkeit, wolanständigkeit. vgl. DWB fug 7) b). fug, gebühr, decentia. Dentzler 116b. dasz dieser

[Bd. 4, Sp. 380]


nicht das masc. fug, sondern das femininum fuge hat, ergibt sich nachher aus dem unter 7) angeführten. mhd.

nu wërbetʒ, trûtgeselle mîn,
mit fuog: dës habt ir êre. Parz. 719, 17;

zwô fuoge hân ich doch, swie ungefüege ich sî:
dër hân ich mich von kinde hër vereinet.
ich bin dën frôn bescheidenlîcher fröide bî
und lache ungërne sô man bî mir weinet.
Walther 47, 36;

ëntriuwen, dës erkenne ich mich,
an manegen unde an gnuogen
ir tugenden unde ir vuogen,
die ich an dër sælegen las. Trist. 133, 18.

vgl. Kolm. meisterl. 124, 1—18. mitteld. auch in der verbindung mit dem pl. von site sitte: in fûge siten, ganz gebührlich, durchaus schicklich:

hërre, daʒ ist in fûge siten,
ir sult dën patriarchen biten,
die bischofe und waʒ hie priester sîn,
daʒ sie sêlmësse sprëchen in,
die ûf dëm wale bliben tôt. Ludwigs kreuzf. 4590;

die rede ist in fûge siten. 7786.


in fuge fallen, in gutes benehmen treten? nachgibig werden? des wart der homeister (hochmeister) zcu rate unde legete in (ihnen, nemlich den Danzigern) di strase dirnedir, das in nimant mochte zcu füren wedir zcu wassir noch zcu lande, unde lies die kethin uffczien unde lies sie ufheldin, wor man sie anqwam in deme lande. des vilin sie in fuge mit dem kumpthur zcu Danczk, der lies di kethin wedir nedir lossin. Lindenblatt jahrbücher 239; die frau merkte, dasz sich der mann ihres fluchens nicht annam, sie fiel in fuge und sprach. Henneberger 483.
7) zukommende freiheit zu einer handlung, geziemende, gegründete zuständigkeit. vgl. DWB fug 8). fug, recht, jus. Dentzler 116b, der dazu als beispiele hat mit guter fug, bono jure, und fug zu einem ding haben, habere jus et potestatem rei alicujus. denn er hat solch fodderens nicht recht noch fuge. Luther 6, 4b; wiewol ich diese sachen mit fugen weiter von ihr gewöhnlichen weis hette füren mögen. Justus Jonas bei Luther 6, 379a; mit fugen und aller billigkeit. Aimon m 1; will jetzt nit mit guten fugen in dein vatterland reiten. Galmy 201.

unnd brächten mich inn angst und noth,
wenn sie mit fugen könten.
Ringwald geistl. lieder 103;

Pilatus sprach: seht an den mann,
an dem ich kein args finden kann,
und hab nicht strafens fuge. kirchenlied »o mensch bewein dein sünde grosz« str. 13.

keine fuge haben, ähnlich wie wir sagen »kein recht haben«: dasz derowegen viell reutter undt soldaten fast ein mehres alsz ihnen gebühret in effectu empfangen, sie auch weiter in die erbare landtschafft zu dringen gantz keine fuge haben. balt. studien 15, 1, 37.
noch bei dem volke in Sachsen auch so viel als erlaubnis. so hörte Hildebrand bei Dresden die frage: hast du dazu die fug vom vater?
8) passende, gebührende weise: womit sol ich ihm das zu wissen thun, wie mag es mit fugen geschehn. buch der liebe 234, 4. überhaupt die weise: mitteld.

mit veterlîchen vûgen
sprach Silvester zu in. pass. K. 68, 34;

ër nam ermelich gewant
mit tugentlîchen vûgen,
rëchte als die cristen trûgen,
die man durch iren gelouben slûc. 259, 93;

mit tugentlîchen vûgen
sprach die juncvrowe dô. 342, 16;

dô leitin si ir leitirn zû
und irstigin âne mû
daʒ hûs, dar in si slûgin
nâch vîentlîchin vûgin
und vîngin swaʒ dâ was.
Jeroschin 8603 = Pf. s. 272;

mit wëlcher wunne vûgin
daʒ heilictûm si trûgin. 6459.


nhd. durch was fuge (= auf welche weise) er doch solches alles abschaffen möchte. Wickram rollw. 90; Wernhardt nit gedencken mocht, in was fugen er Galmyen den ritter möcht rechen. Galmy 55, 4; si begerten auch von ihm seinen anschlag zu vernemmen, mit was fugen er doch solchs unterstehen wolt zuwege zu bringen. 97; darumb er sich mit Gabriotto berahtschlagen thet, mit was fugen er der jungfrauwen ein solchs zu verstehen geben wolte. buch der liebe

[Bd. 4, Sp. 381]


236, 3; als Gabriotto sein anligen Reinharten entdecket, Reinhart mit grossem leyd umbgeben ward, nicht wissen mocht, mit was fugen doch der sachen zu begegnen wer. 255, 2.
 
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fuge, f. das mehrstimmige tonstück, in welchem das zu anfang von einer stimme vorgetragene thema von der andern stimme oder den andern stimmen nachgeahmt wird und durch das ganze stück wechselsweise und unter beständigen veränderungen aus einer stimme in die andere geht. Zelter schreibt an Göthe im briefwechsel 2, 122 über die fuge: diese entwicklung eines hauptgedankens (woraus ein tonstück besteht) geschieht am natürlichsten und zuverlässigsten durch einen gegengedanken, und so entsteht in allem was productive kunst heiszt: fügung des gegensatzes zum hauptsatze d. h. fuge und contrapunct. ein mehrstimmiges tonstück, worin ein bestimmter gedanke (thema, subject) herschend und erschöpfend durchgeführt wird, dürfte eine fuge oder ein gefügtes tonstück genannt werden. da eine fügung ohne theile nicht geschehen kann, so folgt dasz eine fuge nicht weniger als zwei stimmen haben kann, aus deren zusammensetzung der begriff hervorgeht. aber das ist, was die herkunft des ausdrucks betrift, unrichtig, denn diesen haben wir aus it. fuga, welches eigentlich »flucht« bedeutet, weshalb bei Henisch 1276, 23 ff. fuga im singen, eadem modulatio alternatim et per vices diversis vocibus expressa, ita ut cantores se mutuo insequi et quodammodo fugere videantur. doch scheint die benennung ursprünglich auf das rasche, lebhafte, gleichsam fluchtähnliche des tonstücks zu gehn. fuge. Stieler 577. Rädlein 308b. Steinbach 1, 518, der »vocis quasi fugientis insectatio« erklärt. zuerst also von einer raschen, lebhaften gesangsweise. vgl. DWB füglein.

helle morgenmusik
strömt vom wipfel.
ihre herzen
tanzen nach den fugen
die der schmelzende vogel tönt.
Hölty im alm. d. d. mus. 1773 s. 113.

daher auch bildlich von sprechenden: nun war es aber eine wunderbare contrapunktische fuge, wenn Kniep und der consul die verlegenheit des abenteuers, der vorzeiger dagegen die kostbarkeiten der noch wohl erhaltenen pracht verschränkt vortrugen, beide von ihrem gegenstand durchdrungen. Göthe 28, 220; unsere italiänisch - deutsche fuge, denn pater und küster psalmodierten in der ersten, Kniep und consul in der zweiten sprache, neigte sich zu ende, als ein officier sich zu uns gesellte. s. 222; die geschichte der wissenschaften ist eine grosze fuge, in der die stimmen der völker nach und nach zum vorschein kommen. 49, 41.
von dem gesange gieng dann der ausdruck auf blosz mit tonwerkzeugen ausgeführte stücke der oben bezeichneten art über: ja auch bei den allerheiligsten übungen, an statt dasz ihr (der jugend), zur ehre gottes, geist- und anmuthreiche psalmen und gesänge erschallen sollen, ihr mit wälschen, losen, leichtfertigen fugen, fusen, fantastereien und concerten, zu unzüchtigen, leichtsinnigen hurendänzen anlasz gegeben und uff der orgel aufgespielet. Moscherosch Philander 1, 381.

ja mark und adern könnens fühlen,
wenn ihr den flügel kaum berührt.
o reichthum neuer fantasien!
wie schnell, wie fertig voll und schön
hört man die bunten fugen gehn?
Gottsched 1, 214.


vgl. fugenartig, fugenform, fugenhaft, fugenweise.
 
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füge, f.
1) enge verbindung, fügung. ahd. bei Notker fuogî: alsô sîn psalma heiʒʒet conjunctio vocum (fuogî stimmôn) in cantando (singendo). ps. 4, 3; joh (auch) sëlbêr unsêr lîchamo, unz (so lange als) ër in sînero lidô fuogî (im lat. text membrorum conjunctione) behabet sîna geskaft (gestalt), sô ist ër mennisken gelîh. Boeth. Hattemer s. 144a, 165 = Graff s. 151, 163; aber die mittinâ dërô boumô die gehullen an irô fuoginôn. Marc. Cap. Hattemer 274b, 20; unde bêdiu gevallet irô iowëderêr dëmo andermo in gelimflîchero fuogî (im lat. text jugitate .i. conjunctione). s. 326a, 99; lougin (verneinung) gegëben wirdit fore unde dara nâh fuegî. syllog. Hattemer s. 551, 38. abgeleitet ist das wort von ahd. fuogan unserm nhd. fügen, s. d.
nhd. zusamenfgung, fge, commissura, sutura, junctio, conjunctio, coagmentatio. Henisch 1278, 21 f., der aber die beispiele hierzu 1276, 35 fgen, zusamenfgung des leibs, compages corporis, und 36 fgen des schiffs, commissurae navis, zwischen die beispiele zu fuge gemengt hat. fge Mathesius Sarepta 58a hat

[Bd. 4, Sp. 382]


sich für dieses fuge, wie oben sp. 378 gezeigt wurde, eingeschlichen, weshalb die stelle dort angeführt ist. cimbrisch vüghe, fuge.
2) gelenk. Gersdorf feldb. 3 und öfter. auch das gelenk an den pflanzen d. h. der absatz, der knoten, die biegung, wo ein neuer schosz anfängt: die stengel (der walwurz) werden elen hoch fast haarecht und rauch, inwendig hol mit vilen nebenfettichen oder zweiglein, dieselbigen fgen oder gewerblein seind mit gebogenen blättlein geschmuckt und bekleidet, wie die ochsenzungen. Bock kräuterb. 19a.
3) die weise. vgl. DWB fuge 9). wie sie mit keinen fügen (= in keiner weise) inen hilf wider ir buntgnossen beweisen möchten. Schöfferlin Livius 69; hat dan der hellische fürst noch nit erkennt, mit was fügen (= auf was für eine weise, auf welche weise) ich mein so thewr erkaufts menschlichs geschlecht aus der hellen erlöset. Ayrer proc. 2, 1. fügen hier, von was abhängig, ist der gen. pl.
 
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füge, gekürzt füg,adj., nur in den zusammengesetzten adj. gefüge, ungefüge, kleinfüge. s. die wörter und fügig.
 
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fügebank, f.
1) eine an der wand befestigte bank, scabellum junctorium. Stieler 93 und danach Steinbach 1, 62, der aber in seiner schlesischen mundart fügebanke schreibt.
2) ein der gestalt nach einer bank vergleichbarer hobel und zwar:
a) bei den tischlern oder schreinern der grosze etwa drei fusz lange, von 2 personen geführte schlichthobel, die schärfen an den zusammenzufügenden bretern gerade und glatt zu hobeln.
b) bei den faszbindern oder küfern der grosze liegende hobel, die seiten der faszdauben zum genauen aneinanderfügen eben und glatt zu machen, runcina doliaria. Frisch 1, 303b f.
auch fügbaum, fügehobel, stoszbank.
 
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fügeblock, fügebock, m. bei den stellmachern ein starkes senkrechtes holz mit drei füszen und oberwärts einem zapfen, auf den die ausgebohrte nabe gesteckt wird, um nach maszgabe der speichen die länge der felgen bestimmen zu können. Campe.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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