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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fug bis fügebank (Bd. 4, Sp. 372 bis 382)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fug, m. aptitudo, aequitas, licentia, occasio, pl. füge. mhd. fuoc, vuoc, ahd. nicht nachweisbar, aber möglich; alts. ags. fries. altn. fehlend, eben so nd., nl., dän., dagegen, aus dem hochdeutschen aufgenommen, schw. fog, das als n. gebraucht wird. das wort gieng hervor aus dem praet. des verlornen goth. fagan praet. fôg, ahd. fakan praet. fuoc, worüber unter fügen.
die bedeutungen, die sich aber oft nicht strenge scheiden lassen, sind:
1) passende verbindung, anschlieszende verbindung:

dort öfnet die natur sich gern den schärfern blicken
und zeigt euch bau und fug von ihren meisterstücken.
Wieland suppl. 1, 238.


2) passlichkeit, angemessenheit, besonders nach ort, zeit oder umständen, passliche gelegenheit, erwünschte gelegenheit, auch überhaupt gelegenheit: mhd.

ir süeʒen munde rôte
reiten maneger slahte (redeten mancherlei),
wie sich gevüegen mahte
daʒ Tristan unt die künegîn
ein wîle bî ander möhten sîn.
si redeten vil unde genuoc.
ze jungest vunden si dën vuoc,
wie sich daʒ gevuogte
daʒ sich einʒ dës andern genuogte.
Ulrichs Trist. 527, 16.

eben so nhd. fug finden: dieweil sie hie beleiben werdent, so wöllen wir fg finden, das (dasz) uns rach gedeien mög. Aimon D. fug suchen, erwünschte gelegenheit suchen: schten so lang fg, wie sy es angriffen. Frank weltb. 110b; dise begunden der sach fleissig nachdruck, fg und mittel z schen. chron. 219b. fug überkommen, günstige gelegenheit erlangen: wolt doch auch nichts sagen, bisz er bessern fug uberkeme. Kirchhof wendunmut 332b. in gleichem sinne fug erlangen:

ich steige niemals freier
mit meiner deutschen leier
den Helicon hinan,
als wann ich fug erlange
zu deinem lobgesange
vor dich du trewer mann.
Tscherning ged. frühl. 205, in der ode auf Iszlers namenstag.

fug haben, passende, erwünschte gelegenheit haben. vgl. unten 8).

Signifer. wonausz, wonausz ihr dapfre leut?
wo wolt ihr hinziehn auf die beut.
Fortis. auf die beut ziehn ist unser pflug,
wann wir nur haben zeit und fug,
deszwegn nichts liebers sehen mögn,
dann dasz die fahnen vor uns fliehn (= fliegen).
Gilhusius 139.

in andern verbindungen: spät-mhd.

nâch unserm fg
begund wir singen, schallen.
Wolkenstein 12, 2, 5;

nhd. und zündete die materie an, das sie nach fug und gelegenheit des windes ohne des neuen schlosses schaden verbrante. Schütz hist. rer. pruss. 27;

wo irgend fug kan werden,
die warheit wiederumb zu reden hie auf erden.
Opitz 1, 51 (Vesuv 643);

(die rechenkunst) kunte ... auch gar darhinter kummen,
was oft ein ganzes land in seinem beutel trug,
drausz manchem reich zu sein, kam gar ein schneller fug.
Logau 2, 150, 53;

ist betrug gleich noch so klug,
gibt sich letzlich doch ein fug (eine gelegenheit),
dasz er nicht ist klug genug. 3, 58, 5;

[Bd. 4, Sp. 373]



disz alles gibt uns fug und anlasz gnung zu freuen.
Fleming 122.

sprichwörtlich:

der fug
bricht und macht sein krug.
Henisch 1278, 28.

unpersönlich es hat fug, es ist oder bietet sich passende zeit oder erwünschte gelegenheit: in loco, da es fug hat. Alberus diction. m ijb; yetz hat es fg den feind zerächen, nunc est occasio inimicum ulcisci. Maaler 151d und danach Henisch 1276, 47.

ir solt in in dem bett erstechen
oder wo es sonst fug mag haben.
H. Sachs III, 2, 109a = (1588) 82c.


3) das was passt, das was nach wunsch ist, das was geziemt. ein gast der yedermanns fg ist, niemant zewider, commodus conviva. Maaler 151d und danach Henisch 1276, 43 f.; der mensch ist iedermanns fug, commodus homo est ubique. Stieler 577.

ich weisz ein stolze müllerin,
die dunkt sich hüpsch und klg,
sie wont dort oben an dem Rein,
da findt sie iren fg:
zu markt so thet sie laufen,
ir gensz und hüner verkaufen,
als ir gewonheit war. gassenhawer und reuterliedlin (vgl.
Docen miscell. 1, 261).

besonders aber hat das wort diese bedeutung in der verbindung mein, dein, sein, unser, euer, ihr fug sein, was mir, dir u. s. w. oder auch zu mir, zu dir u. s. w. passt, was nach meinem, deinem, seinem u. s. w. wunsch ist:

sitzen bîm ofen ist sîn fg.
Brant narrensch. 97, 12;

du wärst wol mein fg. Fortunat A 4b; und dinget Fortunatum, das gar wol sein fg was. B 6b;

ich glaub du seist auch unser fug
ettwan gwesen.
Murner schelmenzunft 11a;

so wär ich gar wol üwer fg.
Gengenbach 281;

es macht aber die poeterey
dasz ich kaum ein tag oder drey
daselbst bleib, es war nit mein fug,
ich hatt der poeten bald genug.
Alberus Esop 155;

wolan wir hetten gessen gng:
heb auf den tisch, ist es dein fg.
Wickram pilger 41;

bösen luft findet ir geng,
das dann nit wurt sein euwer fg,
dann ir vor sind von alter schwach. 82;

kompst jetzt vom wein, du volle saw,
hast dir den tag nicht gsoffen gnug
von mittag an, das ist dein fug,
kompst heim zwo stund nach mitternacht.
H. Sachs II (1591), 4, 19c;

derhalb er (der mönch) all monat sein zellen
verwechselt, in ein andre zug,
dieselb war auch nicht lang sein fug. 53d;

schaw, ob die ander (der alten frawen) sei dein fug. III, 3, 13 = (1588) 9d;

drumb sichstu, es (sich zu waschen) ist nit dein fg.
Scheit grobianus L 1b;

rebhner sind sein (des weines) fg.
Uhland volksl. 605;

und wer des weins nit trinken mag,
der ist nicht unser fg,
der zieh in das beirisch Schwabenlant,
da findt er wazzers gng. das. 51, 8;

das (die dienerin im bad) war sein fug
und dünkt in gnug,
die solt im allein netzen. Ambras. lb. 135, 17.


in allen diesen stellen steht fug bei dem verbum sein im nominativ, in andern aber eben so wol im gen.: münch Albrecht bald vernam, das sy (Liseta) übel gesalczen was, im wol gedacht, sy seines fgs wär, zehand on masz in liebe in sy enczündet. Steinhöwel dec. 259, 1; wer nicht wein trinken mag on durst und lust, der ist nicht unsers fgs, taugt nicht inn die welt. Frank laster der trunkenheit c iiij;

ich will nit zu dem weine gen:
ich hab mich nit darauf gericht,
es ist auch meins fuogs nit. fastnachtsp. 450, 7;

mich dünkt, sie (die junge frau) sei desz rechten flugs,
sie wird geleich sein meines fugs:
ich (die kuplerin spricht) wil sie kecklich reden an.
H. Sachs IV, 3, 18c;

ich sagt im bald mein anliegen,
wie ich gern möcht ein herren kriegen.
ja gut, sprach er, du bist meins fugs.
Frischlin 178;

... die eh gepraucht zu einer gewaltsamer zusammenkupplung eins pars, da keins des andern fugs war. Fischart ehzuchtb. 506.
mitunter scheint in dieser genitivischen stellung die verbindung von fug mit dem possessiv selbst den anflug des sinnes wie meinesgleichen, unsersgleichen, deinesgleichen, seinesgleichen, ihresgleichen u. s. w. zu haben: die riesen sind uns zu stark unnd zu seltzam,

[Bd. 4, Sp. 374]


nicht unsers fugs, darumb wollen wir sie nichts lassen gelten und ein gespenst darausz machen. Paracelsus opera 2, 190; oder setzt sich ainer ins weinhaus, wa er seins fgs findt, da lernt er rechnen und münz kennen auf der karten oder würfel. Schade sat. und pasq. 2, 139, 13;

da du möchst on hindernis
deinr gattung und fgs finden.
Wickram pilger 25;

ich weis mir ein stolze müllerin,
die daucht sich hübsch und klug,
vom oberlandt bis auf den Rhein,
wo find man ires fugs. Ambras. lb. 220, 4.


4) das was passt und zugleich zum vortheil gereicht, das was vortheilbringend passt: mitteld.

dër hômeistir (hochmeister), dër î sâ
vorbesichtic und klûc
was ûf rëchtis nutzis vûc.
Jeroschin 3642.

spät-mhd. dieselbig red was wol mein fg.
Wolkenstein 13, 12, 1.

nhd. so fein kan er sich schmügen
nach seinem fug und nutz.
Logau 3, 216.

was sie etwan im weg oder so sie jrs fugs ersehen, fallen sie an. Fronsperger kriegsb. 1, 111a. schon Lessing 112, 2, 264 in seinen beiträgen zu einem deutschen glossarium erklärt fug durch »nutzen.«.
5) die passende oder doch passend scheinende richtung, das passende oder auch passend scheinende streben: mitteld.

dër was klûc
und karte sîner sinne vûc
dar ûf wie im wurde
die rîcheit gar dër burde
dës gûtes dirre vrowen. pass. K. 35, 24;

ër was vil unklûc
und wante dar ûf sînen vûc
wie ër dëm pâbeste mochte schaden. 209, 30.


6) eine zustimmung zu einer handlung, dasz sie passlich ist, gebührende zustimmung:

der abbt sich des gehütet hat,
das er (mit der nonne, mit der ihn der teufel zusammengebracht hatte) nit übet pöse that,
dann das er freüntlichs reden pflag
und gab ausz gunst ain packenschlag.
das klagt der teüffel in der höllen
andern seinen mitgesellen,
di gaben jm des gten fg,
das sölchs zum anfang wer genug.
Schwarzenberg 142, 1.


7) die gebühr d. h.
a) das was gebührt. so in seinen, ihren u. s. w. fug bekommen:

herr könig, sie (die tochter) wird gwisz nicht veralten,
sondern bekommen ihren fug,
mann findt noch grösser herrn gnug.
Ayrer 207a (Otnit);

bekam seinen fug. froschmäuseler III, 3, 6,

= was ihm gebührte;

wolan! für seinen lug und trug
bestraft den feigen gauch nach fug!
Boie in Voss musenalm. 1796 s. 169.


b) das was sich gebührt, schicklichkeit, wolanständigkeit. decentia, fg, zimligkeit. Frisius (1556) 367b; fg, schick, occasio, decentia. Maaler 151d und danach Henisch 1276, 49.

ach glimpf und fug,
zart jungfraw klug,
ist dir ganz angeboren. Ambr. lb. s. 71 nr. 72, 5;

so entschlossen wir uns über deutsche sprache und über den fug und unfug, welchen sie sich jetzt musz gefallen lassen, ein wort mitzusprechen. Göthe 45, 137. hierher gehört auch wol:

dasz, wo herrischer troz dunkelte, licht und fug
und allsegnende freiheit siegt.
Voss 2, 20.


8) gebührliche, zukommende freiheit zu einer handlung, schickliche, geziemende freiheit zu einer handlung, passende, geziemende, gegründete zuständigkeit, gegründete veranlassung:

auf dasz wir uns mit rechen an
Achilli, der mit list ohn fug
mir zwen lieber brüder erschlug.
H. Sachs III (1588), 2, 61c;

ein andrer hört, wann die trompet' erschüllt
und fug zum kriegen macht.
Opitz 1, 80 (Dafne C iijb);

die hohe gütigkeit,
darmit so gnädig ihr mich liebet und erhebet
und meinen musen fug, euch aufzuwarten, gebet. 3, 91.

ich habe mir unrecht zu thun fug gelassen. Opitz Argenis 25, bei Barclay volui patêre injuriis.
besonders hat das wort die bedeutung in der verbindung fug haben, die geeignete freiheit zu etwas haben, gegründete zuständigkeit haben, sich schicken und daher zuständig sein, sich gehören, gegründete veranlassung haben:

[Bd. 4, Sp. 375]


mhd.

daʒ ich an iuch gërn wil
einer bëte, diu vuoc hât,
dâ schade noch missetât
nimmer an mac gesîn. krone 4991.

nhd. weicht umb, gebt ir zu sitzen stat,
ob es form oder fug hinn (hier innen) hat. fastnachtsp. 170, 12;

hört, junger man, es hat nit fug
das der menknecht hab den pflug. 716, 29,

d. h. es kommt dem knechte, der beim pflügen blosz neben her zu gehn und das zugvieh zu leiten hat, nicht zu, dasz er den pflug halte und lenke, das wäre die verkehrte welt;

gib ich nicht ein, so stät mein pflug,
drümb msz purgiern haben fg.
Schwarzenberg 137, 1;

denn die sünde tief betrachten, hat da keinen fug noch zeit, das sol man in der zeit des lebens thun. Luther 1, 178b (in dem sermon von der bereitung zum sterben); so doch die bawrschaft vil begert, das sie nicht fug hat. Melanchthon wider die artikel der bawrschaft 1;

wer (wäre) ich (spricht Penelope zu den werbern) ein man und het sein fug,
ir solt mir nit lang hinnen sein.
H. Sachs III, 2, 98c = (1588) 74c;

wann du (du dich) dann lang gewäschen hast,
und zeigt, was du seist für ein gast,
und das wasser betrübt geng,
so geh hinweg, das hat wol fg,
dasz andre auch die hend drin tauchen
und das credenzte wasser brauchen.
Scheit Grobianus L ija;

allein mit mir zu scherzen
hat wol sein fug,
feins megdlein klug. Ambr. lb. s. 41 nr. 46, 5;

er ist hinweg gerafft, der mutter beste zier,
des vaters grosser trost und zwar sehr weit von hier,
so dasz sie ihn mit pflegen
und worten nie gelabt,
auch in den sarg zu legen
nicht haben fug gehabt.
Opitz 2, 117;

mein sinn ist ohne falsch, in stiller einfalt klug,
kan dem auch nicht sein gram, zu dem er wohl hat fug (= was ihm wohl zusteht).
Fleming 98;

in klugheit ist er (Varillus) narr, in narrheit ist er klug,
ein kluger und ein narr hat an Varillum fug.
Logau 2, 112, 68;

dasz kein fürst einigen heller zu erzwingen fug habe. Micrälius alt. Pommern 3, 594; wann sich jemand über mich zu beschweren fug gehabt. Schuppius 660; ich habe keinen fug zu klagen. Weise kl. leute 359;

ihr denkt, ich werde weinen?
nein, weinen will ich nicht.
wohl hab ich fug zu weinen, doch dies herz
soll eh in hunderttausend scherben splittern,
bevor ich weine. könig Lear 2. aufz. 4. sc. gegen ende.

mit dem gen. der sache:

in summa da ist weins geng,
man trinkt in auch on dauren:
ein ieder meint, er hab sein fg,
das ern nit lasz ersauren. reuterliedlin (Frankf., bei Egenolff, 1535) nr. 4;

sie sollen meinem bruder, wie ich dessen fg habe, zugeschickt werden. buch der liebe 215, 1;

und klagst du nicht und hast es fug.
Lichtwer fab. 1 nr. 22,

vgl. hierbei die vorhin angeführte stelle Weise kl. leute 359.
verbunden mit einem adj.:

ein jede stund hat bsondern fug.
Ayrer 459a (zwei fürstl. räthe).

satten fug habt ihr zu zagen,
bevoraus üm letzten fall.
Fleming 322;

die bezechten gäste wandern,
immer einer nach dem andern:
jederman der sucht sein haus.
nun vermeint sie (die braut) sich zu laben,
erst recht satten fug zu haben. 366;

kommt her und seht uns zu. ihr habt es freien fug. 585;

und nach demselbigen (dem nachtessen) hatte der junkher guten fug in die kirchen zugehen. Amadis 56;

ich habe guten fug ein solches zu begehren,
drum wirst du deinem freund es als ein freund gewähren.
Canitz 129;

nun hab ich guten fug die feder hinzulegen.
Günther.

auch bei einem andern verbum, als haben: unsern billigen fg lassen und massen. Frank van. scient. 104;

ein reicher sinn und gabenreicher geist,
dem obenab der gute fug verliehen,
des herren lob in reimen hoch zu ziehen.
Opitz 2, 26.

[Bd. 4, Sp. 376]



in verbindung mit einem andern subst.: fug und macht zu etwas haben, habere jus et potestatem rei alicuius. Weismann 2, 134b. bei Rädlein 308b fug und recht (macht) zu etwas haben.

er (der himmel) ist uns doch zu nichts verbunden.
drum kürzt er unsre glückesstunden.
wolan! er hat es macht und fug.
Drollinger 116;

... dasz du glaubst, das viele papier,
was auch drauf stehe, gehöre dir.
und dazu hast du fug und macht,
immer war dein dabei gedacht.
Göthe 47, 166.

die am häufigsten vorkommende verbindung ist fug und recht oder recht und fug: ich hab fg und rächt das z reden, ich sag das billich und rächt oder frei auszhin, pro meo jure dico. Maaler 151d und danach bei Henisch 1276, 50 f. und Stieler 577, der aber blosz setzt ich habe fug und recht das zu sagen, was wieder Steinbach 1, 517 ausschreibt; fug und recht, jus, und fug und recht zu etwas haben, suo jure agere. Frisch 1, 303a. sucht nichts weniger, dann sein recht und fg. Frank van. scient. 104, wo sich zu haben in gedanken ergänzen läszt;

sie haben des recht und fug.
Rebhuhn klag des arm. manns s. 7.

Achilles. nun schwer ich bei Marti dem gott,
dasz ich wil rechnen deinen (des Patroclus) tod,
so bald und es mir wird so gut,
an Hectori und seinem blut,
darzu an all seinem geschlecht.
fürst Agar. o das selb hast du fug und recht.
H. Sachs III (1588), 2, 59c;

also Hanibal vor der statt (Sagunt)
mit seim volk lag etlich monat,
doch ohn all ursach, recht und fug. IV, 2, 88b;

da schriren sie wie die zänbrecher
mit worten laut, je lengr je frecher,
denn es wolt je ir jeder schlecht
seiner sach haben fug und recht. 3, 79c;

da ihm (Christus am kreuze) das blut noch über das angesicht flosz und er fug und recht genug gehabt hätte zu befehlen, dasz die erde sich möchte aufthun, seine peiniger lebendig zu verschlingen. Schuppius 277; künstlers fug und recht. überschrift bei Göthe 2, 199; weder fug noch recht. Mendelssohn Phädon (1814) s. 66.
9) die gebührende weise, überhaupt die weise:

(Acestes) nach der wildschützen art und fug
lief gegen ihnen dar vertraut.
Spreng Aen. (1610) 84a.


Auszerdem ist zu bemerken:
10) in allen angegebenen bedeutungen kommt mit fug vor und zwar so häufig, dasz es adverbialischen anstrich gewinnt: so verr du es wol und mit fg thn mögist oder dir kein beschwärd ist, quod commode facere possis. Frisius (1556) 262a und danach Maaler 151d und Henisch 1276, 45 f.; ich zweifle, ob du es mit fug tuhn möchtest, dubito, an commode facere possis. Stieler 577; mit fug, nemlich fug und zeit, opportune, commode, occasione, decenter. Frisch 1, 303a. schweiz. mit fueg, gelegentlich. Tobler 206a. das (dasz) ers auch wolt selber haben und besitzen, wo er mit fug möcht dazu komen. Luther 4, 532a;

drumb schraub dich hindern disch mit fg,
so thstu nichts und frist dir gng.
Scheit grobianus F 4a;

dweil nun kein radt,
hülff oder that
solichs mit fg mag wenden. gassenhawerlin (Frankfurt bei Egenolff, 1535) nr. 18;

wer heut gewinnet dise scheiben,
derselbig eisen hat mit fug
bis auf das fünfte jar genug
zu seinem ackerbaw fortan.
Spreng Il. (1610) s. 334a;

darnach nam er (Mercurius) zu sich mit fug
sein heroldstab und scepter klug. Aen. 68a;

sein schif jedoch in dem meer tief
desz Mnesthei nicht gar fürlief,
sonder das undertheil mit fug
hett auf dem wasser den fürzug. 88a;

denn diser krieg wird wol mit fug
ohn Wallstein werdn vertragen.
Soltau volksl. 482 (lied v. j. 1628);

wer das seinige mit fug unsträfbarlich besitzt und bleibt im schlechten und geringen stand, bei dem bleibt die gerechtigkeit. Lehmann 22, 99;

ich will indessen auch
trabanten, wägen, ross' und wasz nach hofs gebrauch
noch mehr darzu gehört, mit fug zuwegen bringen.
Rompler gebüsch 18;

weiber machen oft mit fug
auch die tollen männer klug.
Rist parn. 469;

(Juno) fodert zum ersaz mit fug
(denn gratis wird sie nicht wie eine nonne leben),
dasz ihr gemahl so dankbar sei,
ihr alle grillen zu vergeben.
Wieland J. u. Ganymed 73;

[Bd. 4, Sp. 377]



o dann rügst du mit fug, was alles verübt die Achaier!
viel im palaste geschah unziemendes, viel auf dem land auch!
Voss Od. 22, 46,

in den frühern ausgaben von 1781 und 1793 mit recht;

nicht minder keusch sind unsre fraun, nicht schlimmer
als alle sind: das glauben wir mit fug.
Gries Ar. 28, 73;

so wäre gegen die aufnahme auch von freigelaszenen mit fug nichts zu erinnern gewesen. Niebuhr 2, 451, der den ausdruck oft hat.
auch durch ein adj. verstärkt mit allem fuge (Heynatz antibarbarus 1, 428), mit allem fug: mit allem fuge, summa aequitate. Steinbach 1, 517; mit allem fug, summo jure, jure meritoque. Frisch 1, 303a. im pl. mit allen fügen: fürwar, es were mit mir verlohren, du würdest mich mit allen fügen von deinem angesicht zum höllischen feuer verweisen. Schuppius 445. üblicher ist mit gutem fuge, mit gutem fug. mit gutem fug, optimo jure. Stieler 578a. Frisch a. a. o.

(wo ein kurzweiliger mann) treibt schwenk und guten schimpf
mit gutem fug, züchtig mit glimpf,
dardurch niemand wird uberladen
mit stichworten, schmach, schand noch schaden.
H. Sachs IV, 3, 69d;

es kan dich wol mit gtem fg
hosen und wammes decken gng.
Scheit grobianus D 4b;

dasz kan gschehen mit gutem fug.
Ayrer 14a;

ja herr du hast mit gutem fug
geprüfet mein herz und anligen.
Weckherlin 55 (ps. 17, 4);

zwar ofte werd ich seufzen müssen,
wann ich erwege jene zeit,
da ich den schönen mund zu küssen
mit gutem fuge war befreit (die freiheit erhalten hatte).
Fleming 498;

doch wünschen Tillemont und andre wakre männer
mit gutem fug, er (Lucian) möchte frömmer sein.
Wieland urth. d. Paris 29;

wiewohl herr Dacier uns mit gutem fuge belehrt. Amadis 13, 19;

(da er) es mit gutem fug für unmöglich halten konnte, jemals auf eine gefährlichere probe gesetzt zu werden. werke 2, 229; wie ich bei dir mit gutem fug voraussetzen kann. 3, 379; so konnte der oberbonze Kolaf mit gutem fug erwarten, dasz ... 7, 356; dieses insect ... kann mit gutem fuge zur vergleichung gebraucht werden! Kant 8, 365. dazu noch mit recht verbunden: billich, mit gtem fg und recht, jure. Frisius 743b; mit gtem fg und rächt, mit gter ursach, optimo jure. Maaler 151d und danach Henisch 1276, 52. aber auch mit grund verbunden: bis es einst mit gutem fug und grunde, oder etwas besseres an dessen stelle, wieder aufgenommen werden können. Fichte phil. journ. 3, 313. mit bessern (so!) fug, à meilleur droit. Rädlein 308b.
11) der gen. des fugs steht völlig adverbialisch in der bedeutung in der weise, also. dies wenn es von Laban in beziehung auf Jacob heiszt:

sein lohn im zehen mal verwandelt
und gar unfreundtlich mit im handelt.
iedoch schickt gott die sach des fugs
das (dasz) Labans gut an Jacob wuchsz.
B. Waldis Esopus 3, 93, 223.


 
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fug, adj. passend. nur in einer stelle aus dem dem 15. jh. angehörenden krieg Nürnbergs gegen den markgrafen Albrecht von Brandenburg nachweisbar: wann er (markgraf Albrecht) daz velt nicht mer vermocht zu haben und must das raumen, dann die im ausz andern landen waren zu dinst geriten vermocht er nit mer lenger bei im ze haben: daucht in, mit den seinen wurd er zu krank (zu schwach) und meint nun frid zu haben, wie es im fug wer gewesen. chroniken d. deutsch. städte 2, 132, 19. es ist hier das subst. fug adjectivisch aufgefaszt, wozu die adjectivisierung von mhd. ande (s. DWB ahnd), durft, nôt, schîn, sêr, zorn als vorbild dienen mochte. vgl. gramm. 4, 244. mhd. galt ein adj. vuoc, das jedoch nie anders erscheint, als in den zusammengesetzten adjectiven gevuoc manierlich, geschickt, klug, passend, ungevuoc unpassend, unvuoc unpassend, ungeschickt, wozu sich nhd. noch widerfug, contrarius (Henisch 1277, 66) anführen läszt.
 
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füg, gekürzt aus füge,adj., nur in den zusammengesetzten adjectiven gefüg, ungefüg (Alberus dictionar. m ijb), kleinfüg. s. das adj. füge.
 
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fugader, f. eine wie durch eine fuge verbindende ader, die bandader, sehne. bildlich: geld und güter, sagt Lipsius, sein die nervi imperii et rerum gerendarum, die sehnen und fugadern, ja die seel und leben des regiments und aller verrichtung. Scriver goldpred. 191.

[Bd. 4, Sp. 378]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fugbank, f. was fügebank 2) b).
 
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fügbaum, m. ein groszer schlichthobel, die fügebank, runcina. fgbaum (der) grosser hebel, runcina. Maaler 145a und daraus Henisch 1278, 23, der aber fugbaum schreibt. hebel ist schreib- oder druckfehler für hobel, wie schon aus lat. runcina erhellt.
 
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fuge, f. junctura, compages, conclusura, commissura. mhd. fuoge, vuoge, welches ein ahd. fuoga voraussetzt, das nicht nachzuweisen ist, wol aber ein mit ihm zusammenfallendes schwach biegendes fuogâ, feste vereinigung, in dem zusammengesetzten hîfuogâ, zeugungsvereinigung? in Notkers Marc. Cap. s. 350a, 134 der ausgabe von Hattemer als übersetzung des unerklärten lat. soticena, mit welchem die göttin Juno, wie es scheint als vereinigerin zur zeugung, angeredet wird, und diese bedeutung dürfte bestätigung darin finden, wie Wernher von Tegernsee fûge gebraucht, wenn er Mar. s. 201, 13 Hoffm. singt:

sie wânten in dër burge daʒ daʒ iemer wurde,
daʒ maget kint trûge âne mannes fûge

d. h. ohne fleischliche vereinigung mit einem manne. mnd. vôge (Rother 2039), nd. foge, mnl. voeghe, nnl. voege, voeg. das wort ist, wie mhd. fuoc, vuoc, nhd. fug, dem praet. des unter diesem worte und fügen aufgestellten goth. fagan ahd. fakan entsprossen.
die bedeutungen sind:
1) die enge verbindung zweier aneinander passender theile, die stelle wo diese theile eng verbunden sind. fge oder fge. Dasypodius 332c; ein fuge. Serranus l 8b. o 8a; iunctio, ein fg oder zsamenfgung. Frisius (1556) 742b; commissura, ein fg oder zsamen ntung, ein nt. 261a und danach fg (die) oder nt bei Maaler 151d; fuge, niet, zusamenfgung, nietung, compages u. s. w. Henisch 1276, 26; fuge der bretter oder anders holzwerk, commissura tabularum. 29; fuge des hirnschedels, hirnschalen, suturae, commissurae cranii. 31; fuge der keltermülden, coagmenta, juncturae lacus subpraelaris. 33; fugen der wort, junctura verborum. 37; die fugen der balken, tignorum juncturae. Steinbach 1, 517; wunderbare fugen haben, commissuras mirabiles habere. ebenda; die fugen der hirnschale werden näthe genennt. ebenda. mhd.

ein wâfenroc wart dar getragen,
dër was, als ich hôrte sagen,
mit drîhen (= nadeln zum sticken) und mit (vgl. die hs. N in der ausg. von v. Groote) spëlten
zen vuogen unt zen velten
zallen sînen enden,
mit vröuwînen henden
in vremedem prîse bedâht
unt noch prîslîcher vollebrâht. Trist. 166, 2.

nhd. wisset ir nicht (spricht er, nemlich Paulus 1 Cor. 6, 16), wer an der huren hanget, der ist ein leib mit ir, das ist, wer an eine hure gekütt oder, wie die deutschen auch reden, wer an eine hur gebicht ist, der ist ein leib mit ihr, das ist wie zwei bretter durch den leim ein bret werden unnd ein eisen an das ander oder ein silber an das ander gelötet oder geschweisset wirt, das (dasz) es gar ein ding wirdt, also wenn huren und buben sich zusamen halten, wirt ein hurenleib drausz, die fuge oder das lot gehet schwerlich wider auf, wie man im sprichwort auch saget, disz gesindlein scheidet sich nimmer mer. Mathesius Sarepta (1562) O iija, aber in der lange nach seinem tod (1565) erschienenen und daher nicht so zuverlässigen ausg. von 1587, in welcher die stelle 58a steht, fge;

die fugen des gebäus drohn schmelzend sich zu trennen.
J. A. Schlegel verm. ged. 2, 159;

er kennt des ganzen bau und aller theile fugen.
Wieland suppl. 1, 52;

(die orkane) stürzen die flut in den raum (der schiffe) und schmettern die wänd aus den fugen.
Voss Theokr. id. 22, 12;

und so löset still die fugen
an dem herrlichen palast,
und die pfeiler, wie sie trugen,
stürzen durch die eigne last.
Göthe 13, 280;

in einem nu war die hütte abgedeckt und einzelne menschen hiengen an sparren und balken, um auch diese aus den fugen zu reiszen. 24, 326. die fuge an zwei zusammengeleimten bretern, an den faszdauben; es kracht in allen fugen; die fuge schlieszt schlecht, gibt sich von einander. von wörtern: mit meiner nacharbeit an der übersetzung (des Homer) bin ich nahe zum ende gelangt, in steter aufmerksamkeit auf fugen von zusammensetzungen, wie sie Ihnen (F. A. Wolf) wahrscheinlich sind. ich finde durchaus alles

[Bd. 4, Sp. 379]


fest und gediegen und, was auch der künstler daran gelöthet und gefeilt habe, glatt wie aus éinem gusz, wie von éiner seele aus dem innern hervorgetrieben. Voss briefe 2, 248.
auch die lücke zwischen den beiden theilen bei mangelhafter verbindung heiszt fuge: mhd.

dëm schiffe dô (bei dem ansturz der wellen) kein vrume was
wëder das bëch noch das was (wachs):
die vûge wurden wîte.
zu iewëdrr sîte
die vlût harte drîn wiel.
Albrecht v. H. Ovid 26, 61.

nhd. man sicht den tag durch dfg, sy ist übel gefgt, hiat commissura. Maaler 151d. man kann durch die fuge in das verschloszne zimmer sehen. der sand füllet die fugen der breter in dem fuszboden gar bald aus ( Adelung).
Bildlich: glauben sie es, freund, unsere seele ist ein einfaches wesen: — hätte die last, die diese nacht auf der meinigen lag, ein zusammengesetztes gedrückt, die fugen der theile hätten nachgelassen und der staub hätte sich zum staube gesammelt. Leisewitz Jul. v. Tar. 1, 1 = sämmtl. schr. s. 12. einem bündnis entsagen, das die fugen der bürgerwelt auseinander treiben und die gemeine ewige ordnung zu grund stürzen würde. Schiller 198a; eine fuge oder ein astloch in das verhältnis mit jemanden aufmachen. Jean Paul Kampanerthal 8; der väterliche brief, der Albanos seele in allen fugen erschütterte. Titan 1, 176;

denkend,
durch unsers theuren, selgen bruders tod
sei unser staat verrenkt und aus den fugen.
A. W. Schlegel Hamlet 1, 2;

die zeit ist aus den fugen. schmach und gram,
dasz ich zur welt, sie einzurichten kam! 5;

wer dem gesetze sich weiht und dem recht ein jünger der Themis,
werde minister des staats oder doch wirklicher rath,
dasz in die künstlichen fugen verwickelten menschenvereines
er eingreife geschickt fördernd mit sicherer hand.
Rückert 272.


Zusammensetzungen sind hier breterfuge, hirnschalfuge, kelterfuge, leibsfuge, schiffsfuge, wortfuge. vgl. Stieler 577.
2) in der baukunst der bei zwei werkstücken entstehende zwischenraum, wo sie im mauerwerk zusammenstoszen. luxemburg. fŏ. Gangler 154. dann auch der mit kalk ausgefüllte zwischenraum zwischen den gebrannten steinen im mauerwerk. vgl. lagerfuge, DWB stoszfuge.
3) eine in einem gegenstande angebrachte oder gezogene längliche vertiefung, kerbe, rinne oder riefe, in welche ein anderer als theil eingelassen und so mit jenem verbunden wird oder ist, stria. in dem brete ist eine fuge, in die ein anderes eingesenkt werden soll.

und es feget den zarten staub ein sträubender borstwisch
aus den fugen der muschel (des wagens) und aus den zierlichen speichen.
Zachariä phaeton 4, 28.

bildlich: unsre sprache ist zu schwankend, die wörter zu vieldeutig, um genau in die fugen der wahrheit zu passen. die natur hat die umrisse der begriffe sanft in einander laufen lassen: wir tappen gleichsam mit breiten tatzen hinein und vermischen sie. M. Mendelssohn in Göckingks leben Nicolais s. 197.
Auch die an einem geräthe mittelst einer länglichen vertiefung bewirkte verbindung in der weise, dasz dadurch ein theil desselben beweglich ist: ein stul mit fugen, den man zu sich aufschlagen kan. Henisch 1276, 41.
4) eine gliederverbindung, ein gelenk: »fg, junctura, gleich, knod, articulus.« Maaler 151d. und helt sich nicht an dem heubt, aus welchem der ganze leib durch gelenk und fugen handreichung empfehet und an einander sich enthelt. Col. 2, 19; der obertheil desz fuszes wirdt die kron oder fuge genennt oder die wurzel desz horns oder huff. Uffenbach neues roszbuch 1, 200. bildlich:

wie glücklich sehen sie (die magister) beim wein
die fugen der soriten ein!
Hagedorn 3, 126.


5) passlichkeit, angemessenheit, passende, erwünschte gelegenheit. vgl. DWB fug 2). mhd.

so erkande ich wol die fuoge,
wenn und wie man singen solte.
Walther 48, 23;

swenn ëʒ die vuoge lie geschëhen,
sô gruoʒte si in vil tougen
mit innenclîchen ougen. Trist. 29, 6.

nhd. er gab ihr auch den brief, den er mit masz und fuge
geschrieben hatt' die tag und ihr im busen truge.
Werders Ariost 25, 118, 1 (Ortando für. 26, 90).


6) das was sich gebührt, schicklichkeit, wolanständigkeit. vgl. DWB fug 7) b). fug, gebühr, decentia. Dentzler 116b. dasz dieser

[Bd. 4, Sp. 380]


nicht das masc. fug, sondern das femininum fuge hat, ergibt sich nachher aus dem unter 7) angeführten. mhd.

nu wërbetʒ, trûtgeselle mîn,
mit fuog: dës habt ir êre. Parz. 719, 17;

zwô fuoge hân ich doch, swie ungefüege ich sî:
dër hân ich mich von kinde hër vereinet.
ich bin dën frôn bescheidenlîcher fröide bî
und lache ungërne sô man bî mir weinet.
Walther 47, 36;

ëntriuwen, dës erkenne ich mich,
an manegen unde an gnuogen
ir tugenden unde ir vuogen,
die ich an dër sælegen las. Trist. 133, 18.

vgl. Kolm. meisterl. 124, 1—18. mitteld. auch in der verbindung mit dem pl. von site sitte: in fûge siten, ganz gebührlich, durchaus schicklich:

hërre, daʒ ist in fûge siten,
ir sult dën patriarchen biten,
die bischofe und waʒ hie priester sîn,
daʒ sie sêlmësse sprëchen in,
die ûf dëm wale bliben tôt. Ludwigs kreuzf. 4590;

die rede ist in fûge siten. 7786.


in fuge fallen, in gutes benehmen treten? nachgibig werden? des wart der homeister (hochmeister) zcu rate unde legete in (ihnen, nemlich den Danzigern) di strase dirnedir, das in nimant mochte zcu füren wedir zcu wassir noch zcu lande, unde lies die kethin uffczien unde lies sie ufheldin, wor man sie anqwam in deme lande. des vilin sie in fuge mit dem kumpthur zcu Danczk, der lies di kethin wedir nedir lossin. Lindenblatt jahrbücher 239; die frau merkte, dasz sich der mann ihres fluchens nicht annam, sie fiel in fuge und sprach. Henneberger 483.
7) zukommende freiheit zu einer handlung, geziemende, gegründete zuständigkeit. vgl. DWB fug 8). fug, recht, jus. Dentzler 116b, der dazu als beispiele hat mit guter fug, bono jure, und fug zu einem ding haben, habere jus et potestatem rei alicujus. denn er hat solch fodderens nicht recht noch fuge. Luther 6, 4b; wiewol ich diese sachen mit fugen weiter von ihr gewöhnlichen weis hette füren mögen. Justus Jonas bei Luther 6, 379a; mit fugen und aller billigkeit. Aimon m 1; will jetzt nit mit guten fugen in dein vatterland reiten. Galmy 201.

unnd brächten mich inn angst und noth,
wenn sie mit fugen könten.
Ringwald geistl. lieder 103;

Pilatus sprach: seht an den mann,
an dem ich kein args finden kann,
und hab nicht strafens fuge. kirchenlied »o mensch bewein dein sünde grosz« str. 13.

keine fuge haben, ähnlich wie wir sagen »kein recht haben«: dasz derowegen viell reutter undt soldaten fast ein mehres alsz ihnen gebühret in effectu empfangen, sie auch weiter in die erbare landtschafft zu dringen gantz keine fuge haben. balt. studien 15, 1, 37.
noch bei dem volke in Sachsen auch so viel als erlaubnis. so hörte Hildebrand bei Dresden die frage: hast du dazu die fug vom vater?
8) passende, gebührende weise: womit sol ich ihm das zu wissen thun, wie mag es mit fugen geschehn. buch der liebe 234, 4. überhaupt die weise: mitteld.

mit veterlîchen vûgen
sprach Silvester zu in. pass. K. 68, 34;

ër nam ermelich gewant
mit tugentlîchen vûgen,
rëchte als die cristen trûgen,
die man durch iren gelouben slûc. 259, 93;

mit tugentlîchen vûgen
sprach die juncvrowe dô. 342, 16;

dô leitin si ir leitirn zû
und irstigin âne mû
daʒ hûs, dar in si slûgin
nâch vîentlîchin vûgin
und vîngin swaʒ dâ was.
Jeroschin 8603 = Pf. s. 272;

mit wëlcher wunne vûgin
daʒ heilictûm si trûgin. 6459.


nhd. durch was fuge (= auf welche weise) er doch solches alles abschaffen möchte. Wickram rollw. 90; Wernhardt nit gedencken mocht, in was fugen er Galmyen den ritter möcht rechen. Galmy 55, 4; si begerten auch von ihm seinen anschlag zu vernemmen, mit was fugen er doch solchs unterstehen wolt zuwege zu bringen. 97; darumb er sich mit Gabriotto berahtschlagen thet, mit was fugen er der jungfrauwen ein solchs zu verstehen geben wolte. buch der liebe

[Bd. 4, Sp. 381]


236, 3; als Gabriotto sein anligen Reinharten entdecket, Reinhart mit grossem leyd umbgeben ward, nicht wissen mocht, mit was fugen doch der sachen zu begegnen wer. 255, 2.
 
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fuge, f. das mehrstimmige tonstück, in welchem das zu anfang von einer stimme vorgetragene thema von der andern stimme oder den andern stimmen nachgeahmt wird und durch das ganze stück wechselsweise und unter beständigen veränderungen aus einer stimme in die andere geht. Zelter schreibt an Göthe im briefwechsel 2, 122 über die fuge: diese entwicklung eines hauptgedankens (woraus ein tonstück besteht) geschieht am natürlichsten und zuverlässigsten durch einen gegengedanken, und so entsteht in allem was productive kunst heiszt: fügung des gegensatzes zum hauptsatze d. h. fuge und contrapunct. ein mehrstimmiges tonstück, worin ein bestimmter gedanke (thema, subject) herschend und erschöpfend durchgeführt wird, dürfte eine fuge oder ein gefügtes tonstück genannt werden. da eine fügung ohne theile nicht geschehen kann, so folgt dasz eine fuge nicht weniger als zwei stimmen haben kann, aus deren zusammensetzung der begriff hervorgeht. aber das ist, was die herkunft des ausdrucks betrift, unrichtig, denn diesen haben wir aus it. fuga, welches eigentlich »flucht« bedeutet, weshalb bei Henisch 1276, 23 ff. fuga im singen, eadem modulatio alternatim et per vices diversis vocibus expressa, ita ut cantores se mutuo insequi et quodammodo fugere videantur. doch scheint die benennung ursprünglich auf das rasche, lebhafte, gleichsam fluchtähnliche des tonstücks zu gehn. fuge. Stieler 577. Rädlein 308b. Steinbach 1, 518, der »vocis quasi fugientis insectatio« erklärt. zuerst also von einer raschen, lebhaften gesangsweise. vgl. DWB füglein.

helle morgenmusik
strömt vom wipfel.
ihre herzen
tanzen nach den fugen
die der schmelzende vogel tönt.
Hölty im alm. d. d. mus. 1773 s. 113.

daher auch bildlich von sprechenden: nun war es aber eine wunderbare contrapunktische fuge, wenn Kniep und der consul die verlegenheit des abenteuers, der vorzeiger dagegen die kostbarkeiten der noch wohl erhaltenen pracht verschränkt vortrugen, beide von ihrem gegenstand durchdrungen. Göthe 28, 220; unsere italiänisch - deutsche fuge, denn pater und küster psalmodierten in der ersten, Kniep und consul in der zweiten sprache, neigte sich zu ende, als ein officier sich zu uns gesellte. s. 222; die geschichte der wissenschaften ist eine grosze fuge, in der die stimmen der völker nach und nach zum vorschein kommen. 49, 41.
von dem gesange gieng dann der ausdruck auf blosz mit tonwerkzeugen ausgeführte stücke der oben bezeichneten art über: ja auch bei den allerheiligsten übungen, an statt dasz ihr (der jugend), zur ehre gottes, geist- und anmuthreiche psalmen und gesänge erschallen sollen, ihr mit wälschen, losen, leichtfertigen fugen, fusen, fantastereien und concerten, zu unzüchtigen, leichtsinnigen hurendänzen anlasz gegeben und uff der orgel aufgespielet. Moscherosch Philander 1, 381.

ja mark und adern könnens fühlen,
wenn ihr den flügel kaum berührt.
o reichthum neuer fantasien!
wie schnell, wie fertig voll und schön
hört man die bunten fugen gehn?
Gottsched 1, 214.


vgl. fugenartig, fugenform, fugenhaft, fugenweise.
 
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füge, f.
1) enge verbindung, fügung. ahd. bei Notker fuogî: alsô sîn psalma heiʒʒet conjunctio vocum (fuogî stimmôn) in cantando (singendo). ps. 4, 3; joh (auch) sëlbêr unsêr lîchamo, unz (so lange als) ër in sînero lidô fuogî (im lat. text membrorum conjunctione) behabet sîna geskaft (gestalt), sô ist ër mennisken gelîh. Boeth. Hattemer s. 144a, 165 = Graff s. 151, 163; aber die mittinâ dërô boumô die gehullen an irô fuoginôn. Marc. Cap. Hattemer 274b, 20; unde bêdiu gevallet irô iowëderêr dëmo andermo in gelimflîchero fuogî (im lat. text jugitate .i. conjunctione). s. 326a, 99; lougin (verneinung) gegëben wirdit fore unde dara nâh fuegî. syllog. Hattemer s. 551, 38. abgeleitet ist das wort von ahd. fuogan unserm nhd. fügen, s. d.
nhd. zusamenfgung, fge, commissura, sutura, junctio, conjunctio, coagmentatio. Henisch 1278, 21 f., der aber die beispiele hierzu 1276, 35 fgen, zusamenfgung des leibs, compages corporis, und 36 fgen des schiffs, commissurae navis, zwischen die beispiele zu fuge gemengt hat. fge Mathesius Sarepta 58a hat

[Bd. 4, Sp. 382]


sich für dieses fuge, wie oben sp. 378 gezeigt wurde, eingeschlichen, weshalb die stelle dort angeführt ist. cimbrisch vüghe, fuge.
2) gelenk. Gersdorf feldb. 3 und öfter. auch das gelenk an den pflanzen d. h. der absatz, der knoten, die biegung, wo ein neuer schosz anfängt: die stengel (der walwurz) werden elen hoch fast haarecht und rauch, inwendig hol mit vilen nebenfettichen oder zweiglein, dieselbigen fgen oder gewerblein seind mit gebogenen blättlein geschmuckt und bekleidet, wie die ochsenzungen. Bock kräuterb. 19a.
3) die weise. vgl. DWB fuge 9). wie sie mit keinen fügen (= in keiner weise) inen hilf wider ir buntgnossen beweisen möchten. Schöfferlin Livius 69; hat dan der hellische fürst noch nit erkennt, mit was fügen (= auf was für eine weise, auf welche weise) ich mein so thewr erkaufts menschlichs geschlecht aus der hellen erlöset. Ayrer proc. 2, 1. fügen hier, von was abhängig, ist der gen. pl.
 
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füge, gekürzt füg,adj., nur in den zusammengesetzten adj. gefüge, ungefüge, kleinfüge. s. die wörter und fügig.
 
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fügebank, f.
1) eine an der wand befestigte bank, scabellum junctorium. Stieler 93 und danach Steinbach 1, 62, der aber in seiner schlesischen mundart fügebanke schreibt.
2) ein der gestalt nach einer bank vergleichbarer hobel und zwar:
a) bei den tischlern oder schreinern der grosze etwa drei fusz lange, von 2 personen geführte schlichthobel, die schärfen an den zusammenzufügenden bretern gerade und glatt zu hobeln.
b) bei den faszbindern oder küfern der grosze liegende hobel, die seiten der faszdauben zum genauen aneinanderfügen eben und glatt zu machen, runcina doliaria. Frisch 1, 303b f.
auch fügbaum, fügehobel, stoszbank.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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