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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fufzehener bis fug (Bd. 4, Sp. 371 bis 372)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fufzehener, zusammengezogen fufzehner,m., mundartlich für funfzehener, funfzehner, wie fufzehen, fufzehn für funfzehen, funfzehn. kärnt. der fufzinar, fuchzinar (s. DWB fufzehen), das fünfzehnkreuzerstück. Lexer 104; bair. fufzener. Schm. 538.
 
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fufzehenmal, zusammengezogen fufzehnmal, für funfzehenmal, funfzehnmal. wetterauisch u. s. w.
 
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fufzehente, zusammengezogen fufzehnte,adj., für funfzehente, funfzehnte, ganz gemäsz der form fufzehen, fufzehn für fünfzehen, fünfzehn. wetterauisch u. s. w.
 
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fufzehnerlei, für funfzehnerlei. wetterauisch u. s. w.
 
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fufzehnthalb, mundartlich für funfzehnthalb. vgl. DWB fufzehnte.
 
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fufzig, angeführt von Stieler 582 neben, von Rädlein 308b und Steinbach 1, 517 mit verweisung auf funfzig, für welches die form mundartlich geläufig ist. östreich. fufzig und, wie bei

[Bd. 4, Sp. 372]


fufzehen (s. d.), mit wechsel von f und ch fuchzig (Loritza 45b), kärnt. fufzik und fuchzik (Lexer 104), tirol. und bair. fufzg und fuchzg (Schöpf 161. Schmeller 538), wetterauisch, oberhessisch fufzig, nd. foftig (brem. wb. 1, 400. Schütze 1, 313), föftig (Schambach 274a. Schütze a. a. o.), pommerisch föftig und föchtig (Dähnert 128a. 530a), ostfries. fivtig und auch füfftig (Stürenburg 55a). dasz hier das schwinden des m vor dem auslautenden f in fuf zunächst dem nd. eigen sei und bei diesem darum nicht auffallen kann, wurde bereits vorhin bei fufzehen bemerkt. alts. sagte man vîftech (Essener heberolle in Lacomblets archiv 1, 13), fîftig, altfries. fîftich, fîftech.
 
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fufziger, m., für funfziger. wetterauisch, oberhessisch einer der 50 jahre oder zwischen 50 und 60 jahren alt ist. pommerisch föftiger, einer von dem aus 50 männern bestehenden bürgerausschusz. Dähnert 128.
 
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fufzigerlei, mundartlich für funfzigerlei. wetterauisch u. s. w.
 
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fufzigmal, für funfzigmal. wetterauisch, oberhessisch. nd. (göttingisch-grubenhagenisch) föftigmal. Schambach 274a.
 
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fufzigste, adj., für funfzigste. wetterauisch, oberhessisch. nd. föftigste. Schambach 274a.
 
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fug, m. aptitudo, aequitas, licentia, occasio, pl. füge. mhd. fuoc, vuoc, ahd. nicht nachweisbar, aber möglich; alts. ags. fries. altn. fehlend, eben so nd., nl., dän., dagegen, aus dem hochdeutschen aufgenommen, schw. fog, das als n. gebraucht wird. das wort gieng hervor aus dem praet. des verlornen goth. fagan praet. fôg, ahd. fakan praet. fuoc, worüber unter fügen.
die bedeutungen, die sich aber oft nicht strenge scheiden lassen, sind:
1) passende verbindung, anschlieszende verbindung:

dort öfnet die natur sich gern den schärfern blicken
und zeigt euch bau und fug von ihren meisterstücken.
Wieland suppl. 1, 238.


2) passlichkeit, angemessenheit, besonders nach ort, zeit oder umständen, passliche gelegenheit, erwünschte gelegenheit, auch überhaupt gelegenheit: mhd.

ir süeʒen munde rôte
reiten maneger slahte (redeten mancherlei),
wie sich gevüegen mahte
daʒ Tristan unt die künegîn
ein wîle bî ander möhten sîn.
si redeten vil unde genuoc.
ze jungest vunden si dën vuoc,
wie sich daʒ gevuogte
daʒ sich einʒ dës andern genuogte.
Ulrichs Trist. 527, 16.

eben so nhd. fug finden: dieweil sie hie beleiben werdent, so wöllen wir fg finden, das (dasz) uns rach gedeien mög. Aimon D. fug suchen, erwünschte gelegenheit suchen: schten so lang fg, wie sy es angriffen. Frank weltb. 110b; dise begunden der sach fleissig nachdruck, fg und mittel z schen. chron. 219b. fug überkommen, günstige gelegenheit erlangen: wolt doch auch nichts sagen, bisz er bessern fug uberkeme. Kirchhof wendunmut 332b. in gleichem sinne fug erlangen:

ich steige niemals freier
mit meiner deutschen leier
den Helicon hinan,
als wann ich fug erlange
zu deinem lobgesange
vor dich du trewer mann.
Tscherning ged. frühl. 205, in der ode auf Iszlers namenstag.

fug haben, passende, erwünschte gelegenheit haben. vgl. unten 8).

Signifer. wonausz, wonausz ihr dapfre leut?
wo wolt ihr hinziehn auf die beut.
Fortis. auf die beut ziehn ist unser pflug,
wann wir nur haben zeit und fug,
deszwegn nichts liebers sehen mögn,
dann dasz die fahnen vor uns fliehn (= fliegen).
Gilhusius 139.

in andern verbindungen: spät-mhd.

nâch unserm fg
begund wir singen, schallen.
Wolkenstein 12, 2, 5;

nhd. und zündete die materie an, das sie nach fug und gelegenheit des windes ohne des neuen schlosses schaden verbrante. Schütz hist. rer. pruss. 27;

wo irgend fug kan werden,
die warheit wiederumb zu reden hie auf erden.
Opitz 1, 51 (Vesuv 643);

(die rechenkunst) kunte ... auch gar darhinter kummen,
was oft ein ganzes land in seinem beutel trug,
drausz manchem reich zu sein, kam gar ein schneller fug.
Logau 2, 150, 53;

ist betrug gleich noch so klug,
gibt sich letzlich doch ein fug (eine gelegenheit),
dasz er nicht ist klug genug. 3, 58, 5;

[Bd. 4, Sp. 373]



disz alles gibt uns fug und anlasz gnung zu freuen.
Fleming 122.

sprichwörtlich:

der fug
bricht und macht sein krug.
Henisch 1278, 28.

unpersönlich es hat fug, es ist oder bietet sich passende zeit oder erwünschte gelegenheit: in loco, da es fug hat. Alberus diction. m ijb; yetz hat es fg den feind zerächen, nunc est occasio inimicum ulcisci. Maaler 151d und danach Henisch 1276, 47.

ir solt in in dem bett erstechen
oder wo es sonst fug mag haben.
H. Sachs III, 2, 109a = (1588) 82c.


3) das was passt, das was nach wunsch ist, das was geziemt. ein gast der yedermanns fg ist, niemant zewider, commodus conviva. Maaler 151d und danach Henisch 1276, 43 f.; der mensch ist iedermanns fug, commodus homo est ubique. Stieler 577.

ich weisz ein stolze müllerin,
die dunkt sich hüpsch und klg,
sie wont dort oben an dem Rein,
da findt sie iren fg:
zu markt so thet sie laufen,
ir gensz und hüner verkaufen,
als ir gewonheit war. gassenhawer und reuterliedlin (vgl.
Docen miscell. 1, 261).

besonders aber hat das wort diese bedeutung in der verbindung mein, dein, sein, unser, euer, ihr fug sein, was mir, dir u. s. w. oder auch zu mir, zu dir u. s. w. passt, was nach meinem, deinem, seinem u. s. w. wunsch ist:

sitzen bîm ofen ist sîn fg.
Brant narrensch. 97, 12;

du wärst wol mein fg. Fortunat A 4b; und dinget Fortunatum, das gar wol sein fg was. B 6b;

ich glaub du seist auch unser fug
ettwan gwesen.
Murner schelmenzunft 11a;

so wär ich gar wol üwer fg.
Gengenbach 281;

es macht aber die poeterey
dasz ich kaum ein tag oder drey
daselbst bleib, es war nit mein fug,
ich hatt der poeten bald genug.
Alberus Esop 155;

wolan wir hetten gessen gng:
heb auf den tisch, ist es dein fg.
Wickram pilger 41;

bösen luft findet ir geng,
das dann nit wurt sein euwer fg,
dann ir vor sind von alter schwach. 82;

kompst jetzt vom wein, du volle saw,
hast dir den tag nicht gsoffen gnug
von mittag an, das ist dein fug,
kompst heim zwo stund nach mitternacht.
H. Sachs II (1591), 4, 19c;

derhalb er (der mönch) all monat sein zellen
verwechselt, in ein andre zug,
dieselb war auch nicht lang sein fug. 53d;

schaw, ob die ander (der alten frawen) sei dein fug. III, 3, 13 = (1588) 9d;

drumb sichstu, es (sich zu waschen) ist nit dein fg.
Scheit grobianus L 1b;

rebhner sind sein (des weines) fg.
Uhland volksl. 605;

und wer des weins nit trinken mag,
der ist nicht unser fg,
der zieh in das beirisch Schwabenlant,
da findt er wazzers gng. das. 51, 8;

das (die dienerin im bad) war sein fug
und dünkt in gnug,
die solt im allein netzen. Ambras. lb. 135, 17.


in allen diesen stellen steht fug bei dem verbum sein im nominativ, in andern aber eben so wol im gen.: münch Albrecht bald vernam, das sy (Liseta) übel gesalczen was, im wol gedacht, sy seines fgs wär, zehand on masz in liebe in sy enczündet. Steinhöwel dec. 259, 1; wer nicht wein trinken mag on durst und lust, der ist nicht unsers fgs, taugt nicht inn die welt. Frank laster der trunkenheit c iiij;

ich will nit zu dem weine gen:
ich hab mich nit darauf gericht,
es ist auch meins fuogs nit. fastnachtsp. 450, 7;

mich dünkt, sie (die junge frau) sei desz rechten flugs,
sie wird geleich sein meines fugs:
ich (die kuplerin spricht) wil sie kecklich reden an.
H. Sachs IV, 3, 18c;

ich sagt im bald mein anliegen,
wie ich gern möcht ein herren kriegen.
ja gut, sprach er, du bist meins fugs.
Frischlin 178;

... die eh gepraucht zu einer gewaltsamer zusammenkupplung eins pars, da keins des andern fugs war. Fischart ehzuchtb. 506.
mitunter scheint in dieser genitivischen stellung die verbindung von fug mit dem possessiv selbst den anflug des sinnes wie meinesgleichen, unsersgleichen, deinesgleichen, seinesgleichen, ihresgleichen u. s. w. zu haben: die riesen sind uns zu stark unnd zu seltzam,

[Bd. 4, Sp. 374]


nicht unsers fugs, darumb wollen wir sie nichts lassen gelten und ein gespenst darausz machen. Paracelsus opera 2, 190; oder setzt sich ainer ins weinhaus, wa er seins fgs findt, da lernt er rechnen und münz kennen auf der karten oder würfel. Schade sat. und pasq. 2, 139, 13;

da du möchst on hindernis
deinr gattung und fgs finden.
Wickram pilger 25;

ich weis mir ein stolze müllerin,
die daucht sich hübsch und klug,
vom oberlandt bis auf den Rhein,
wo find man ires fugs. Ambras. lb. 220, 4.


4) das was passt und zugleich zum vortheil gereicht, das was vortheilbringend passt: mitteld.

dër hômeistir (hochmeister), dër î sâ
vorbesichtic und klûc
was ûf rëchtis nutzis vûc.
Jeroschin 3642.

spät-mhd. dieselbig red was wol mein fg.
Wolkenstein 13, 12, 1.

nhd. so fein kan er sich schmügen
nach seinem fug und nutz.
Logau 3, 216.

was sie etwan im weg oder so sie jrs fugs ersehen, fallen sie an. Fronsperger kriegsb. 1, 111a. schon Lessing 112, 2, 264 in seinen beiträgen zu einem deutschen glossarium erklärt fug durch »nutzen.«.
5) die passende oder doch passend scheinende richtung, das passende oder auch passend scheinende streben: mitteld.

dër was klûc
und karte sîner sinne vûc
dar ûf wie im wurde
die rîcheit gar dër burde
dës gûtes dirre vrowen. pass. K. 35, 24;

ër was vil unklûc
und wante dar ûf sînen vûc
wie ër dëm pâbeste mochte schaden. 209, 30.


6) eine zustimmung zu einer handlung, dasz sie passlich ist, gebührende zustimmung:

der abbt sich des gehütet hat,
das er (mit der nonne, mit der ihn der teufel zusammengebracht hatte) nit übet pöse that,
dann das er freüntlichs reden pflag
und gab ausz gunst ain packenschlag.
das klagt der teüffel in der höllen
andern seinen mitgesellen,
di gaben jm des gten fg,
das sölchs zum anfang wer genug.
Schwarzenberg 142, 1.


7) die gebühr d. h.
a) das was gebührt. so in seinen, ihren u. s. w. fug bekommen:

herr könig, sie (die tochter) wird gwisz nicht veralten,
sondern bekommen ihren fug,
mann findt noch grösser herrn gnug.
Ayrer 207a (Otnit);

bekam seinen fug. froschmäuseler III, 3, 6,

= was ihm gebührte;

wolan! für seinen lug und trug
bestraft den feigen gauch nach fug!
Boie in Voss musenalm. 1796 s. 169.


b) das was sich gebührt, schicklichkeit, wolanständigkeit. decentia, fg, zimligkeit. Frisius (1556) 367b; fg, schick, occasio, decentia. Maaler 151d und danach Henisch 1276, 49.

ach glimpf und fug,
zart jungfraw klug,
ist dir ganz angeboren. Ambr. lb. s. 71 nr. 72, 5;

so entschlossen wir uns über deutsche sprache und über den fug und unfug, welchen sie sich jetzt musz gefallen lassen, ein wort mitzusprechen. Göthe 45, 137. hierher gehört auch wol:

dasz, wo herrischer troz dunkelte, licht und fug
und allsegnende freiheit siegt.
Voss 2, 20.


8) gebührliche, zukommende freiheit zu einer handlung, schickliche, geziemende freiheit zu einer handlung, passende, geziemende, gegründete zuständigkeit, gegründete veranlassung:

auf dasz wir uns mit rechen an
Achilli, der mit list ohn fug
mir zwen lieber brüder erschlug.
H. Sachs III (1588), 2, 61c;

ein andrer hört, wann die trompet' erschüllt
und fug zum kriegen macht.
Opitz 1, 80 (Dafne C iijb);

die hohe gütigkeit,
darmit so gnädig ihr mich liebet und erhebet
und meinen musen fug, euch aufzuwarten, gebet. 3, 91.

ich habe mir unrecht zu thun fug gelassen. Opitz Argenis 25, bei Barclay volui patêre injuriis.
besonders hat das wort die bedeutung in der verbindung fug haben, die geeignete freiheit zu etwas haben, gegründete zuständigkeit haben, sich schicken und daher zuständig sein, sich gehören, gegründete veranlassung haben:

[Bd. 4, Sp. 375]


mhd.

daʒ ich an iuch gërn wil
einer bëte, diu vuoc hât,
dâ schade noch missetât
nimmer an mac gesîn. krone 4991.

nhd. weicht umb, gebt ir zu sitzen stat,
ob es form oder fug hinn (hier innen) hat. fastnachtsp. 170, 12;

hört, junger man, es hat nit fug
das der menknecht hab den pflug. 716, 29,

d. h. es kommt dem knechte, der beim pflügen blosz neben her zu gehn und das zugvieh zu leiten hat, nicht zu, dasz er den pflug halte und lenke, das wäre die verkehrte welt;

gib ich nicht ein, so stät mein pflug,
drümb msz purgiern haben fg.
Schwarzenberg 137, 1;

denn die sünde tief betrachten, hat da keinen fug noch zeit, das sol man in der zeit des lebens thun. Luther 1, 178b (in dem sermon von der bereitung zum sterben); so doch die bawrschaft vil begert, das sie nicht fug hat. Melanchthon wider die artikel der bawrschaft 1;

wer (wäre) ich (spricht Penelope zu den werbern) ein man und het sein fug,
ir solt mir nit lang hinnen sein.
H. Sachs III, 2, 98c = (1588) 74c;

wann du (du dich) dann lang gewäschen hast,
und zeigt, was du seist für ein gast,
und das wasser betrübt geng,
so geh hinweg, das hat wol fg,
dasz andre auch die hend drin tauchen
und das credenzte wasser brauchen.
Scheit Grobianus L ija;

allein mit mir zu scherzen
hat wol sein fug,
feins megdlein klug. Ambr. lb. s. 41 nr. 46, 5;

er ist hinweg gerafft, der mutter beste zier,
des vaters grosser trost und zwar sehr weit von hier,
so dasz sie ihn mit pflegen
und worten nie gelabt,
auch in den sarg zu legen
nicht haben fug gehabt.
Opitz 2, 117;

mein sinn ist ohne falsch, in stiller einfalt klug,
kan dem auch nicht sein gram, zu dem er wohl hat fug (= was ihm wohl zusteht).
Fleming 98;

in klugheit ist er (Varillus) narr, in narrheit ist er klug,
ein kluger und ein narr hat an Varillum fug.
Logau 2, 112, 68;

dasz kein fürst einigen heller zu erzwingen fug habe. Micrälius alt. Pommern 3, 594; wann sich jemand über mich zu beschweren fug gehabt. Schuppius 660; ich habe keinen fug zu klagen. Weise kl. leute 359;

ihr denkt, ich werde weinen?
nein, weinen will ich nicht.
wohl hab ich fug zu weinen, doch dies herz
soll eh in hunderttausend scherben splittern,
bevor ich weine. könig Lear 2. aufz. 4. sc. gegen ende.

mit dem gen. der sache:

in summa da ist weins geng,
man trinkt in auch on dauren:
ein ieder meint, er hab sein fg,
das ern nit lasz ersauren. reuterliedlin (Frankf., bei Egenolff, 1535) nr. 4;

sie sollen meinem bruder, wie ich dessen fg habe, zugeschickt werden. buch der liebe 215, 1;

und klagst du nicht und hast es fug.
Lichtwer fab. 1 nr. 22,

vgl. hierbei die vorhin angeführte stelle Weise kl. leute 359.
verbunden mit einem adj.:

ein jede stund hat bsondern fug.
Ayrer 459a (zwei fürstl. räthe).

satten fug habt ihr zu zagen,
bevoraus üm letzten fall.
Fleming 322;

die bezechten gäste wandern,
immer einer nach dem andern:
jederman der sucht sein haus.
nun vermeint sie (die braut) sich zu laben,
erst recht satten fug zu haben. 366;

kommt her und seht uns zu. ihr habt es freien fug. 585;

und nach demselbigen (dem nachtessen) hatte der junkher guten fug in die kirchen zugehen. Amadis 56;

ich habe guten fug ein solches zu begehren,
drum wirst du deinem freund es als ein freund gewähren.
Canitz 129;

nun hab ich guten fug die feder hinzulegen.
Günther.

auch bei einem andern verbum, als haben: unsern billigen fg lassen und massen. Frank van. scient. 104;

ein reicher sinn und gabenreicher geist,
dem obenab der gute fug verliehen,
des herren lob in reimen hoch zu ziehen.
Opitz 2, 26.

[Bd. 4, Sp. 376]



in verbindung mit einem andern subst.: fug und macht zu etwas haben, habere jus et potestatem rei alicuius. Weismann 2, 134b. bei Rädlein 308b fug und recht (macht) zu etwas haben.

er (der himmel) ist uns doch zu nichts verbunden.
drum kürzt er unsre glückesstunden.
wolan! er hat es macht und fug.
Drollinger 116;

... dasz du glaubst, das viele papier,
was auch drauf stehe, gehöre dir.
und dazu hast du fug und macht,
immer war dein dabei gedacht.
Göthe 47, 166.

die am häufigsten vorkommende verbindung ist fug und recht oder recht und fug: ich hab fg und rächt das z reden, ich sag das billich und rächt oder frei auszhin, pro meo jure dico. Maaler 151d und danach bei Henisch 1276, 50 f. und Stieler 577, der aber blosz setzt ich habe fug und recht das zu sagen, was wieder Steinbach 1, 517 ausschreibt; fug und recht, jus, und fug und recht zu etwas haben, suo jure agere. Frisch 1, 303a. sucht nichts weniger, dann sein recht und fg. Frank van. scient. 104, wo sich zu haben in gedanken ergänzen läszt;

sie haben des recht und fug.
Rebhuhn klag des arm. manns s. 7.

Achilles. nun schwer ich bei Marti dem gott,
dasz ich wil rechnen deinen (des Patroclus) tod,
so bald und es mir wird so gut,
an Hectori und seinem blut,
darzu an all seinem geschlecht.
fürst Agar. o das selb hast du fug und recht.
H. Sachs III (1588), 2, 59c;

also Hanibal vor der statt (Sagunt)
mit seim volk lag etlich monat,
doch ohn all ursach, recht und fug. IV, 2, 88b;

da schriren sie wie die zänbrecher
mit worten laut, je lengr je frecher,
denn es wolt je ir jeder schlecht
seiner sach haben fug und recht. 3, 79c;

da ihm (Christus am kreuze) das blut noch über das angesicht flosz und er fug und recht genug gehabt hätte zu befehlen, dasz die erde sich möchte aufthun, seine peiniger lebendig zu verschlingen. Schuppius 277; künstlers fug und recht. überschrift bei Göthe 2, 199; weder fug noch recht. Mendelssohn Phädon (1814) s. 66.
9) die gebührende weise, überhaupt die weise:

(Acestes) nach der wildschützen art und fug
lief gegen ihnen dar vertraut.
Spreng Aen. (1610) 84a.


Auszerdem ist zu bemerken:
10) in allen angegebenen bedeutungen kommt mit fug vor und zwar so häufig, dasz es adverbialischen anstrich gewinnt: so verr du es wol und mit fg thn mögist oder dir kein beschwärd ist, quod commode facere possis. Frisius (1556) 262a und danach Maaler 151d und Henisch 1276, 45 f.; ich zweifle, ob du es mit fug tuhn möchtest, dubito, an commode facere possis. Stieler 577; mit fug, nemlich fug und zeit, opportune, commode, occasione, decenter. Frisch 1, 303a. schweiz. mit fueg, gelegentlich. Tobler 206a. das (dasz) ers auch wolt selber haben und besitzen, wo er mit fug möcht dazu komen. Luther 4, 532a;

drumb schraub dich hindern disch mit fg,
so thstu nichts und frist dir gng.
Scheit grobianus F 4a;

dweil nun kein radt,
hülff oder that
solichs mit fg mag wenden. gassenhawerlin (Frankfurt bei Egenolff, 1535) nr. 18;

wer heut gewinnet dise scheiben,
derselbig eisen hat mit fug
bis auf das fünfte jar genug
zu seinem ackerbaw fortan.
Spreng Il. (1610) s. 334a;

darnach nam er (Mercurius) zu sich mit fug
sein heroldstab und scepter klug. Aen. 68a;

sein schif jedoch in dem meer tief
desz Mnesthei nicht gar fürlief,
sonder das undertheil mit fug
hett auf dem wasser den fürzug. 88a;

denn diser krieg wird wol mit fug
ohn Wallstein werdn vertragen.
Soltau volksl. 482 (lied v. j. 1628);

wer das seinige mit fug unsträfbarlich besitzt und bleibt im schlechten und geringen stand, bei dem bleibt die gerechtigkeit. Lehmann 22, 99;

ich will indessen auch
trabanten, wägen, ross' und wasz nach hofs gebrauch
noch mehr darzu gehört, mit fug zuwegen bringen.
Rompler gebüsch 18;

weiber machen oft mit fug
auch die tollen männer klug.
Rist parn. 469;

(Juno) fodert zum ersaz mit fug
(denn gratis wird sie nicht wie eine nonne leben),
dasz ihr gemahl so dankbar sei,
ihr alle grillen zu vergeben.
Wieland J. u. Ganymed 73;

[Bd. 4, Sp. 377]



o dann rügst du mit fug, was alles verübt die Achaier!
viel im palaste geschah unziemendes, viel auf dem land auch!
Voss Od. 22, 46,

in den frühern ausgaben von 1781 und 1793 mit recht;

nicht minder keusch sind unsre fraun, nicht schlimmer
als alle sind: das glauben wir mit fug.
Gries Ar. 28, 73;

so wäre gegen die aufnahme auch von freigelaszenen mit fug nichts zu erinnern gewesen. Niebuhr 2, 451, der den ausdruck oft hat.
auch durch ein adj. verstärkt mit allem fuge (Heynatz antibarbarus 1, 428), mit allem fug: mit allem fuge, summa aequitate. Steinbach 1, 517; mit allem fug, summo jure, jure meritoque. Frisch 1, 303a. im pl. mit allen fügen: fürwar, es were mit mir verlohren, du würdest mich mit allen fügen von deinem angesicht zum höllischen feuer verweisen. Schuppius 445. üblicher ist mit gutem fuge, mit gutem fug. mit gutem fug, optimo jure. Stieler 578a. Frisch a. a. o.

(wo ein kurzweiliger mann) treibt schwenk und guten schimpf
mit gutem fug, züchtig mit glimpf,
dardurch niemand wird uberladen
mit stichworten, schmach, schand noch schaden.
H. Sachs IV, 3, 69d;

es kan dich wol mit gtem fg
hosen und wammes decken gng.
Scheit grobianus D 4b;

dasz kan gschehen mit gutem fug.
Ayrer 14a;

ja herr du hast mit gutem fug
geprüfet mein herz und anligen.
Weckherlin 55 (ps. 17, 4);

zwar ofte werd ich seufzen müssen,
wann ich erwege jene zeit,
da ich den schönen mund zu küssen
mit gutem fuge war befreit (die freiheit erhalten hatte).
Fleming 498;

doch wünschen Tillemont und andre wakre männer
mit gutem fug, er (Lucian) möchte frömmer sein.
Wieland urth. d. Paris 29;

wiewohl herr Dacier uns mit gutem fuge belehrt. Amadis 13, 19;

(da er) es mit gutem fug für unmöglich halten konnte, jemals auf eine gefährlichere probe gesetzt zu werden. werke 2, 229; wie ich bei dir mit gutem fug voraussetzen kann. 3, 379; so konnte der oberbonze Kolaf mit gutem fug erwarten, dasz ... 7, 356; dieses insect ... kann mit gutem fuge zur vergleichung gebraucht werden! Kant 8, 365. dazu noch mit recht verbunden: billich, mit gtem fg und recht, jure. Frisius 743b; mit gtem fg und rächt, mit gter ursach, optimo jure. Maaler 151d und danach Henisch 1276, 52. aber auch mit grund verbunden: bis es einst mit gutem fug und grunde, oder etwas besseres an dessen stelle, wieder aufgenommen werden können. Fichte phil. journ. 3, 313. mit bessern (so!) fug, à meilleur droit. Rädlein 308b.
11) der gen. des fugs steht völlig adverbialisch in der bedeutung in der weise, also. dies wenn es von Laban in beziehung auf Jacob heiszt:

sein lohn im zehen mal verwandelt
und gar unfreundtlich mit im handelt.
iedoch schickt gott die sach des fugs
das (dasz) Labans gut an Jacob wuchsz.
B. Waldis Esopus 3, 93, 223.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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