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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fuderig bis fuderwein (Bd. 4, Sp. 368 bis 370)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fuderig , besser mit umlaut füderig, adj., mhd. füederec, vüederec. auch mit ausgestoszenem e fudrig, füdrig.
1) eine wagenladung oder wagenlast ausmachend, eine wagenlast schwer. .s. fuder 1).

mitteld. ër lachte (legte) darûf (auf das grab) einen fûdergin stein. Morolt Sb, 750.

noch heiszt, zumal im forstwesen (vgl. Hartig forst- u. weidmannssprache 21), ein baum, der einen wagen voll holz gibt oder auf einem wagen, den zwei pferde oder vier ochsen ziehen, fortgebracht werden kann, also eine volle wagenlast ausmacht, ein füdriger baum. vgl. auch halbfüderig.
2) ein fuder als masz haltend, ein fuder grosz, ein fuder schwer. s. DWB fuder 2). mhd. ist aber daʒ vaʒ (es ist von einem fasse wein die rede) halp fuederk (halpfüederec, halbfüderig). Augsb. stadtr. 116; item x . umb l fuderige fasze. Elsen von Holzhûsen inventar v. j. 1410 im archiv zu Frankfurt a. M.
nhd. fuederig. Schönsleder; fuderig. Henisch 1275, 63. Schottelius 1321. Stieler 415. Dentzler 116b; füderig. Dasypodius 46a.

sein pauch war als ein fuedrig fasz. meisterl. bl. 23 nr. 231,

welchem ähnlich

sein (des über die maszen feisten mannes) bauch grosz wie ein füdrich fasz.
H. Sachs I, 535d = (1590) 401a;

man schieb sie in ein fudrigs fasz
das man ain perk ablaufen lasz. fastnachtsp. 184, 16;

[Bd. 4, Sp. 369]


ein füderig fasz mit wein. Keisersberg Marie himelf. 9c; ein füderig vasz voll. Agricola sprichw. 209a;

wenns etwan ein füdrichs vas wer.
H. Sachs II, 2, 24c (1591) 18c.

vgl. fuderfasz. (der herbst soll) abgang bringen an newen lären fässern und fuderigen flaschen. Fischart groszmutter 33.
3) bildlich: über die maszen grosz. sesquipedalia, füdrige wörter, oder die saw feyszt machen. Frank sprichw. 1, 11a öfter. bei Schottelius 432a klafterworte (s. d.). vgl. sesquipedalia verba Horat. epist. ad Pis. 97, wo Voss übersetzt die achthalbzolligen worte.
 
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fuderig, adv., von dem vorigen adj.
 
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füderlein, n., dim. von fuder, vehes. fuderlin. voc. inc. teut. f 2a.
 
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füderlich, adj., für fürderlich (s. d.), kommt mhd. bei Suchenwirt 4, 126 vor, der schon das aus füderlîch gewordene füderleich hat:

zu gotes dienst wis füderleich

d. h. zu gottes dienst bereite dich.
 
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fudermasz, n. das masz eines fuders nach umfang oder schwere.
 
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fudermäszig, adj. wie eine volle wagenladung, überhaupt ein fuder grosz oder schwer, an umfang oder schwere einer vollen wagenlast, einem fuder als bestimmtem masze gleichkommend. mhd. fuodermæʒec, mitteld. fûdermêʒig:

dën grôʒen boum hë von mir wag,
dër wol fûdermêʒig was,
und half mir daʒ ich genas. heil. Georg 1826;

swër vierdunc lop mit marken übergiltet,
dër hât ouch getôrt und nicht gemiltet,
und dâ bî vuodermæʒig êre
mit hantvol niht engëlten wil,
dër erge ist ouch ein teil ze vil
daʒ missezimt dër rëhten milte sêre. MSH. 2, 199a, 122.

noch wird im forstwesen ein baum, den, auf einen wagen geladen, zwei pferde oder vier ochsen fortziehen können, fudermäszig genannt. vgl. Trunk forstlehrbuch (Freiburg 1788) s. 9.
das wort trat mhd. neben das im absterben begriffene gleichbedeutende fuodermæʒe, welches Wilhelm Grimm exhortatio s. 42 noch in einer stelle aus dem 12. jh. nachweist:

man mohte fuodermæʒe lësen
die phîle vor der mûre ligen. Biterolf 1634.

ahd. fôdarmâʒi, fuodermâʒe (Graff 2, 903), in chôffa fôdarmâʒiu (exhortatio s. 16, 14. 42, 11. 77, 11), eine grosze, an umfang einer vollen wagenlast gleichkommende kufe, und in

imo sint fuoʒe
fuodermâʒe.
Wackernagels leseb. 14, 136, 10.
Müllenhoff u.
Scherer denkmäler s. 41, 25,

er, der eber, hat füsze plump, an grösze einer wagenlast gleich.
 
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fudern, vom »fuder« beim dreschen ausgeben. der roggen fudert in diesem jahre gut. in Livland, s. Gutzeit 1, 300a. das, was das fuder an körnern ausgibt, heiszt dort der fuderertrag, die fuderernte.
 
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fudern, fluchen, fluchen und schelten, fluchend lärmen. in der Saaner mundart im canton Bern futren. Fromm. 6, 415; östr. futern. Höfer 1, 256. Castelli 134. Loritza 46b; ostfries. futern, schelten, schmollen. Stürenburg 64a. altmärkisch futern, futtern, zanken, schelten. Danneil 59b. häufiger mit kurzem u gesprochen und nach unserer gewohnten weise fuddern, futtern (s. d.) geschrieben. so schweiz. (Stalder 1, 408. Tobler 208b), tirol. (Schöpf 163), kärnt. (Lexer 106), schwäb. (Schmid 208), fränkisch-henneberg. (Frommann 2, 279, 6), an dem ganzen Niederrhein und der Mosel (Müller u. Weitz 61), in der Wetterau, in Oberhessen, Nassau u. s. w. ein, wie die aufzeichnungen aus den mundarten zeigen, fast durch ganz Deutschland geläufiger volksausdruck, den Müller u. Weitz a. a. o. sehr treffend durch »donnerwettern« erklären, denn er ist, wie z. b. der östr. ausruf fuder, was ist das für eine art? (Höfer 1, 256) und tirol. fuder geben = schmähworte ausstoszen, sich zornig geberden (Schöpf 158) zeigen, überkommen aus franz. foudre blitz, donnerkeil, welches sich aus lat. fulgur blitz durch auflösung des ul in ou, ausfall des g und eintreten eines euphonischen d bildete (s. Diez wb. 22, 298) und auch im fluche gebraucht wird.
 
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fudern, füdern, promovere, vorwärts bringen, zum vorwärtskommen beeilen, findet sich noch im 16. jh. für furdern, fürdern (s. d.), mhd. furdern, fürdern, vurdern, vürdern, geschrieben, ganz so wie födern für die form fördern. es erscheint uns noch wie ein nachklang aus dem mhd., wo mit unentwickeltem oder auch unterdrückt gebliebenem umlaut fudern im Münchner stadtr. s. 89, Haugdieterich 375, 2, bei Wolkenstein 58, 6, 1, im voc. rerum aus dem anfange des 15. jh. (Diefenbach 464b), neben

[Bd. 4, Sp. 370]


dem umlautenden füdern bei Suchenwirt 40, 12 im reime, dann im voc. v. j. 1445 bei Schmeller 1, 561, sich findet. nhd. fudern z. b. in Aventinus gramm. (Schmeller a. a. o.), dagegen füdern in folgenden stellen:

komb darnach, isz mit das frümal,
füder dich, so wöll wir zween
fusz für fusz heim zu hause gehn.
H. Sachs II (1591), 2, 30b;

kain mensch hat sein lebtag ye gehört, das (dasz) der teüffel auf Christi seiten sei und jme seinen dienst füdern helf, allain hierinn, in diser disputatzen, eifert er heftig für Christum. Nasus Nasenesel 106b, der aber in einer andern stelle auch fürdern hat. kärnt. fudern si, sich beeilen, sich fortmachen, weggehn. Lexer 104.
der ausfall des r der ersten silbe lag nahe, da schon mhd. neben fürder, vürder, unserm nhd. adv. fürder, wovon fürdern abgeleitet ist, auch fuder, füder (s. d.) vorkommt.
 
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fuderwanne, f., für futterwanne geschrieben:

du schelm, die pfert solst anspannen,
du must mir in die fuderwannen
so wahr als ich bin ehrenwerth.
Jac. Ayrer 89a (Serv. Tull. reg.).

vgl. oben fuder für futter und s. futerwanne.
 
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fuderwein, m. wein der in fudern d. h. wagenladungen versandt wird?, wein von geringer sorte? Fischart Garg. (1608) G ijb. vgl. fuhrwein. sonst trift man noch z. b. bei Hulsius 49b fuderwein für (ein) fuder wein, wie bei Henisch 1275, 51 fuderweins für (ein) fuder weins geschrieben.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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