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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fuckig bis füden (Bd. 4, Sp. 362 bis 364)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fuckig, adj. schäbig. am Mittelrhein. von fuck 4). wie sieht der geizhals in seinem anzuge fuckig aus!
 
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fud, f. cunnus, vulva, in unguter schreibung für fut (s. d.), wie sich aus dem unter fotze angegebenen ersehen läszt, nach welchem t der ursprüngliche, aber festgehaltene lautstand ist (s. sp. 44). doch findet sich auslautendes d hier schon mhd. im Liedersaal 3, 493, 27 sowie in einem lat.-deutschen nomenclator, aus dem es Tobler 197b beibringt, dann in einem höchstwahrscheinlich aus dem anfange des 15. jh. herrührenden voc. rerum bei Diefenbach 163a und nach den anführungen oben sp. 43 im voc. teuton. ante lat. (auf der hofbibliothek zu Darmstadt, in einem mir vorliegenden zweiten exemplar derselben bl. f 2a), im voc. teuton. 1482 und in den fastnachtspielen 67, 20, wozu sich weiter fügen läszt

[Bd. 4, Sp. 363]


der (der wirt) was ein unflettiger taufter jud,
er macht uns oft siben suppen von einer kuofud (kuhfut). 350, 13.

noch östr. bair. schwäb. fud. Castelli 133. Schmeller 1, 513. Schmid 207. offenbar hat sich d mhd. aus dem gen. und dat. sg. und dem pl. eingeschlichen, denn jene wie dieser lauteten mhd. füde, vüde. eben so zeigt sich das wort in den bereits sp. 43 angeführten mhd. zusammensetzungen fudenol, welches Ben. 2, 1, 406b von Zarncke ganz richtig als mons veneris erklärt wird, und vudeslecke, membrum virile. auch der abgeleitete name Fudanna ist hier zu erwähnen, welchen in einer im 17. jh. niedergeschriebenen obscenen erzählung der Weimarer papierhandschrift 42 Q bl. 48 ff. das weibliche zeugungsglied als stadt führt, die von dem fürsten zagel, dem männlichen gliede, belagert wird. s. fastnachtspiele 1461.
was den pl. anlangt, so lautet dieser, dem mhd. pl. füde, vüde gemäsz, noch bair. füd. Schmeller 1, 513. in andern gegenden hat das wort, wie glut, im pl. schwache biegung angenommen.
Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp. 42f. bemerkt. wie aber neben der bedeutung cunnus, vulva fotze in Tirol, Kärnten (wo man fouze spricht), Östreich (Höfer 1, 237 f. 2, 240), Baiern noch und zwar vorzugsweise die von maul, namentlich die des maules von thieren hat, so tirol. der fud, fut, in der grafschaft Mark die fuet (Frommann 3, 262, 70), im Bergischen die fot (ebenda 5, 139, 25) die bedeutung der hintere, culus, anus, podex, in welcher jedoch elsässisch fiedle (Frommann 4, 470, 121), schweiz. füdeli, füdli (Tobler 197a. 359a), füdle (Stalder 1, 402), vorarlbergisch füdli (Frommann 3, 398, 13), schwäb. füdle (Schmid 207), das dim. von fud, gebraucht wird, nebenbei auch tirol. der fidli vorkommt. fud, fut gieng sonach von der bezeichnung des weiblichen geschlechtsgliedes auch in die des nächsten körpertheiles, des hintern, über, und dasz hier blosz übergang stattfindet, scheint sich zumal durch das männliche geschlecht zu erweisen, welches das wort tirolisch in der letzten bedeutung hat (Schöpf 158), weil bei dieser sicher arsch in gedanken lag.
Nach der eigentlichen bedeutung cunnus, vulva wird dann fud, fut, wie fotze, auf die weibliche person übergetragen und in dieser bezeichnung auf dem platten lande Baierns meist ohne arg gebraucht (Schmeller 1, 513), in Tirol aber und andern gegenden verächtlich (Schöpf 158) und als schelte. so auch in schwäb. dehnfud f. = eine langsame, träge, alberne weibsperson (Schmid 124). fast noch gröszere verachtung jedoch liegt in dem worte, wenn es zugleich auf eine männliche person angewandt wird, in welchem falle es so viel als weibischer, weibisch weichlicher mensch ist, wie z. b. bair. hünfud f. = flennels (vgl. DWB heularsch 1, 565), ein mensch der gleich weint (Schmeller 1, 513. 2, 202. vgl.hünen), wetterauisch drenefutt f. = ein überaus langsamer mensch zeigen. ganz von einer männlichen person gesagt, bedeutet das wort verachtungswerther mensch, nichtswürdiger, niederträchtiger kerl (Frommann 6, 38, 46), und auch hier fand in bair. hundsfud (Schmeller 1, 513), tirol. hundsfut (Schöpf 158), hochd. gewöhnlich hundsfott, übergang in das männliche geschlecht statt.
 
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fudanna, s. DWB fud.
 
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fudbrunne, m., der name eines brunnens in einem dem 15. jh. angehörenden Tiroler weisthum, in welchem angegeben wird, das (dasz) der herschaft gericht zu Stumb (Stumm im Zillerthal) get ... ausz dem schrött ab in den füdprunn und aus dem füdprünn auf das veldt. weisth. 3, 729. dasz bei dem namen zusammensetzung mit fud stattfindet, ist unleugbar, zumal da kurz vorher auch ein bach genannt wird, der der Arspach heiszt. aber wie ist fudbrunne zu erklären? soll ein kinderbrunne gemeint sein? in ähnlicher weise führt der kinderbrunne meines geburtsortes Unterflorstadt in der Wetterau den namen der bauchborn und das daran stoszende gelände die bezeichnung am bauchborn.
 
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fudbürger, m., s. DWB futbürger.
 
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füdchen, n., s. DWB fütchen.
 
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füdel, n.
1) vulvula. das von fud (s. d.), mhd. fut, vut, mit -le, -el, mhd. -ele, el (s. gramm. 3, 670), ahd. -ili abgeleitete oberdeutsche dim., welches mhd. noch unbelegt ist, aber fütele, vütele gelautet haben musz. vgl. DWB füdle, DWB füdlein, DWB füdli.
2) puella, das mädchen. diese bedeutung geht aus der vorigen hervor und scheint zuerst in dem aus dem jahre 1435 herrührenden namenbuche des Conrad von Dankrotzheim aufzutauchen:

Timotheus und Simphorian
der tut (= macht) das füdel frge uffston,
und endet sich des sumers heil
und kumet des jares dirtes teil
das der herbst ist genant. s. 117.

[Bd. 4, Sp. 364]


ist hier die magd gemeint, die der ernte wegen früh auf sein musz? wie aber fräule (s. d.), bair. frale, das dim. von frau, in das weibliche geschlecht übergeht und gar wetterauisch fræle nur weiblich gebraucht wird, so bald auch füdel, dessen algäuische form fe'l, d. i. nach hochd. schreibung födel, ganz in das weibliche geschlecht übergegangen ist und, wie die verbindung bueben und fele buben und födeln = knaben und mädchen, und e tolle fe'l eine tolle födel = eine wolgewachsene, muntere und sonst beifallswürdige weibliche person zeigen, in gutem sinne für mädchen, tochter gebraucht wird. Schmeller 1, 513. dagegen ist zu Frankfurt am Main die füdel, födel so viel als liederliche, sich der ausschweifung in befriedigung des geschlechtstriebes hingebende weibliche person: weilen man allbereits etwas kundschaft hat, dasz es (das verlorne anhangkreuzchen) eine leichtfertige vödel haben soll. Belli leben in Frankfurt a. M. 1, 66, vom 10. juli 1725; dasz eine frau (welche nicht minder eine leichtfertige födel ist) den hut aufgehoben und bemeldten böswichts weg genommen hat. 1, 102, vom 24. febr. 1730; aber zeit donnerstag hat diese gottlose födel (es ist eine magd gemeint, die mit gefundenem davongegangen) kein röhrwasser mehr geholt, noch sich wieder sehen lassen. 1, 112, vom 5. juni 1731. in derselben bedeutung hört man wetterauisch und hessisch die fiddel mit i für ü, zu Worms und in der gegend fuddel. aachenisch die futel, eine betriegerische dirne. Müller u. Weitz 61.
 
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füdeln , ein schweizerausdruck, von füdeli, füdli, podex. s. DWB fud. er bedeutet:
1) stinken.
2) im gehn den hintern hin und her bewegen.
3) jemanden im ringen auf den hintern werfen. vgl. DWB füdlochen.
s. Stalder 1, 402.
 
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füdeln, nachlässig arbeiten. schweiz., bei Stalder 1, 402, der s. 388 auch födelen transitiv und intransitiv in der bedeutung eine arbeit langsam und fahrlässig verrichten oder nur geringfügige sachen thun hat. nd. fuddeln, nachlässig arbeiten, besonders von nachlässigen näherinnen und wäscherinnen gebraucht. brem. wb. 1, 461. von dem folgenden fuden.
 
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fuden, ohne eifer, nachlässig, spielend arbeiten. schweiz., bei Stalder 1, 402. immer intransitiv gebraucht. die wurzel ist dunkel.
 
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füden, ernähren, alere, pascere, nutrire. goth. fôdjan, jemanden füttern, nähren; ahd. fuotan, mhd. vüeten, mitteld. vûten; alts. fôdian gignere, parere, alere, nutrire, mnl. nnl. voeden; ags. fêdan, engl. feed; fries. fêda; altn. fœða zeugen, gebären, nähren, schwed. föda dän. föde in denselben bedeutungen. aber das wort ist mhd. und mitteld. bereits sehr selten, weil im aussterben (vgl. Ben. 3, 443a. Frisch 1, 311b, der aus einer handschrift sal gefûdet wërden, aletur, anführt), daher auch in den heutigen mundarten Süd- und Mitteldeutschlands erloschen. geläufig blieb es nur in den niederdeutschen, in welchen es föden, auch wol foden lautet und füttern, nähren bedeutet. Stürenburg 58b. Krüger plattd. spr. 53b. brem. wb. 1, 431f. Richey 65. Schütze 1, 329. Danneil 55a. Dähnert 127b. mit ausfall des d osnabrückisch föen. Strodtmann 355a. es ist von dem praet. eines verlornen starken verbums abgeleitet, welches goth. fadan, praet. sg. fôd und fôþ, pl. fôdun, p. p. fadans, ahd. fatan fuot fuotun fatanêr, gelautet haben musz und, zumal wenn man oben die in alts. fôdian, altn. fœda hervortretenden und noch im mnl. nnl. schwed. dän. haftenden vollständigeren bedeutungen betrachtet, zeugen, nähren bedeutet haben wird. ableitung von dem praes. ist vater (s. d.). vgl. gramm. 2, 43 nr. 480.
da mhd. vüeten schon im aussterben begriffen ist, so darf man ein nhd. füten, wie richtig zu schreiben wäre, kaum erwarten. wirklich läszt es sich nirgends nachweisen, wol aber und zwar höchst spärlich füden, das, wie auch die schreibung mit d zeigt, aus dem niederdeutschen eingedrungen ist: ich füd, pasco. Alberus dict. S 1a.

er (der seinen kindern eine stiefmutter gebende vater)
dacht, mit etzen, waschen, windlin
und wie man hegt die kleinen kindlin
weisz mich zwar zu behelfen nit,
ist gnug daran das (dasz) ich sie füdt.
B. Waldis Esop 4, 70 bl. 293b.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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