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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fucken bis fudbrunne (Bd. 4, Sp. 362 bis 363)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fucken, schlüpfen, behende sein. kärnt. (Lexer 104), dann: geschwinden fortgang haben. so in der grafschaft Mark, bei Wöste volksüberlieferungen 111, der ebenda anführt et well nit fucken, es will nicht schnell von der hand gehn, aber auch däärèin fucken, schlagen und stoszen (Frommann 3, 366, 17), eigentlich wol geschwind drein fahren. jenes et well nit fucken auch in der gegend von Elberfeld (Frommann 4, 262). dagegen mit lang gewordenem u und übergang jenes k in ch göttingisch-grubenhagenisch fûchen, intransitiv: betriegen, unehrlich sein, unredlich handeln (Schambach 282a), welche bedeutungen zu denen von fuckeln überführen. schweiz. (aber kaum mehr gebraucht) feuken, fäuken, bei den umherziehenden heimatlosen fêken, transitiv: heimlich entwenden, zwacken. Stalder 1, 357. nl. bei Kilian (1599) 118a focken, fuycken (d. i. fuiken), trudere, convasare, furtim colligere. Von fuck m. sp. 360f.
Rädlein 308b und Wachter 1, 499 haben fucken = handel treiben, und Wallraf altd. histor.-diplom. wb. 23 führt fücken = handeln an, doch ohne beleg. ob das wort in dieser bedeutung nicht nach fucker 2) gebildet wurde, weil man glaubte, bei diesem ein solches voraussetzen zu müssen? auffallend bleibt, dasz es sich sonst nicht belegen läszt.
 
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fucken, n. der inf. des vorigen als subst.
 
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fucker, m. ein einmaliges fucken, d. h. ein einmaliges schlüpfen oder behendesein. kärnt., bei Lexer 104.
 
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fucker, m.
1) ein kleiner dieb. so in Glarus fugger. Stalder 1, 402. von fucken, s. d.
2) ein kaufmann, der groszen, ausgebreiteten handel treibt, zunächst ein groszhändler. Stieler 576, der durch monopola erklärt und anführt »ein reicher fucker, magnarius, solidarius negotiator, der in grosz handelt, gallice grossier«. fucker, groszierer, négotiant, marchand en gros. Rädlein 308b. ins nl. eingedrungen een rijke fokker, ein reicher mann, bei Kilian (1599) 118a focker, monopola, pantopola. sogar sp. (bei Cervantes) fucar, wallon. foukeur, ein reicher mann. Diez wb. 22, 129. s. DWB fugger. neben jener angegebenen bedeutung kommt aber auch die von wucherer vor und es läszt sich nicht immer entscheiden, welche gemeint sei. ... zum zeugnis, das (dasz) er (gott ist gemeint) wolfeiler gibt und freundlicher borget, denn die fucker und hendler auf erden thun. Luther 6, 273a; hie mst mann warlich auch den fuckern (es ist von solchen, die hohen zins nehmen, die rede) unnd der geistlichen geselschaften ein zaum ins maul legen. a. d. christl. adel deutscher nation J iiijb;

es macht sich oft manch reicher fucker
an den armen schlucker.
B. Ringwalds teutsche warh. durch
Brodtkorb 271.

ins nd. eingedrungen focker = wucherer. Dähnert 129a.
 
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fuckerei, f. eine handelsgesellschaft, handlungsgesellschaft. auch ins nl. eingedrungen bei Kilian (1599) 118a fockerije, monopolium. s. DWB fuggerei.
 
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fuckern ,
1) trans. und intrans.: heimlich entwenden, diebsgriffe versuchen. schweiz. fuggern. Stalder 1, 402. in der gegend von Elberfeld, wie fuckeln (s. d.), in dem sinne von betrug machen, besonders im spiel, im handel. Frommann 4, 262. von fucker 1).
2) nur intransitiv:
a) betriegerisch spielen, mit den spielkarten betrieglich umgehn. ostpreuszisch. Bock 12. Hennig 75. auch neben fuckeln in der gegend von Elberfeld. Frommann 4, 262.
b) handelschaft treiben, dann auch tauschen, schachern. so fränkisch, schwäbisch fuggern (s. d.). Schmeller 1, 516. Schmid 208.
 
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fuckham, eigentlich fuckhame,m., s. DWB fukhame.
 
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fuckig, adj. schäbig. am Mittelrhein. von fuck 4). wie sieht der geizhals in seinem anzuge fuckig aus!
 
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fud, f. cunnus, vulva, in unguter schreibung für fut (s. d.), wie sich aus dem unter fotze angegebenen ersehen läszt, nach welchem t der ursprüngliche, aber festgehaltene lautstand ist (s. sp. 44). doch findet sich auslautendes d hier schon mhd. im Liedersaal 3, 493, 27 sowie in einem lat.-deutschen nomenclator, aus dem es Tobler 197b beibringt, dann in einem höchstwahrscheinlich aus dem anfange des 15. jh. herrührenden voc. rerum bei Diefenbach 163a und nach den anführungen oben sp. 43 im voc. teuton. ante lat. (auf der hofbibliothek zu Darmstadt, in einem mir vorliegenden zweiten exemplar derselben bl. f 2a), im voc. teuton. 1482 und in den fastnachtspielen 67, 20, wozu sich weiter fügen läszt

[Bd. 4, Sp. 363]


der (der wirt) was ein unflettiger taufter jud,
er macht uns oft siben suppen von einer kuofud (kuhfut). 350, 13.

noch östr. bair. schwäb. fud. Castelli 133. Schmeller 1, 513. Schmid 207. offenbar hat sich d mhd. aus dem gen. und dat. sg. und dem pl. eingeschlichen, denn jene wie dieser lauteten mhd. füde, vüde. eben so zeigt sich das wort in den bereits sp. 43 angeführten mhd. zusammensetzungen fudenol, welches Ben. 2, 1, 406b von Zarncke ganz richtig als mons veneris erklärt wird, und vudeslecke, membrum virile. auch der abgeleitete name Fudanna ist hier zu erwähnen, welchen in einer im 17. jh. niedergeschriebenen obscenen erzählung der Weimarer papierhandschrift 42 Q bl. 48 ff. das weibliche zeugungsglied als stadt führt, die von dem fürsten zagel, dem männlichen gliede, belagert wird. s. fastnachtspiele 1461.
was den pl. anlangt, so lautet dieser, dem mhd. pl. füde, vüde gemäsz, noch bair. füd. Schmeller 1, 513. in andern gegenden hat das wort, wie glut, im pl. schwache biegung angenommen.
Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp. 42f. bemerkt. wie aber neben der bedeutung cunnus, vulva fotze in Tirol, Kärnten (wo man fouze spricht), Östreich (Höfer 1, 237 f. 2, 240), Baiern noch und zwar vorzugsweise die von maul, namentlich die des maules von thieren hat, so tirol. der fud, fut, in der grafschaft Mark die fuet (Frommann 3, 262, 70), im Bergischen die fot (ebenda 5, 139, 25) die bedeutung der hintere, culus, anus, podex, in welcher jedoch elsässisch fiedle (Frommann 4, 470, 121), schweiz. füdeli, füdli (Tobler 197a. 359a), füdle (Stalder 1, 402), vorarlbergisch füdli (Frommann 3, 398, 13), schwäb. füdle (Schmid 207), das dim. von fud, gebraucht wird, nebenbei auch tirol. der fidli vorkommt. fud, fut gieng sonach von der bezeichnung des weiblichen geschlechtsgliedes auch in die des nächsten körpertheiles, des hintern, über, und dasz hier blosz übergang stattfindet, scheint sich zumal durch das männliche geschlecht zu erweisen, welches das wort tirolisch in der letzten bedeutung hat (Schöpf 158), weil bei dieser sicher arsch in gedanken lag.
Nach der eigentlichen bedeutung cunnus, vulva wird dann fud, fut, wie fotze, auf die weibliche person übergetragen und in dieser bezeichnung auf dem platten lande Baierns meist ohne arg gebraucht (Schmeller 1, 513), in Tirol aber und andern gegenden verächtlich (Schöpf 158) und als schelte. so auch in schwäb. dehnfud f. = eine langsame, träge, alberne weibsperson (Schmid 124). fast noch gröszere verachtung jedoch liegt in dem worte, wenn es zugleich auf eine männliche person angewandt wird, in welchem falle es so viel als weibischer, weibisch weichlicher mensch ist, wie z. b. bair. hünfud f. = flennels (vgl. DWB heularsch 1, 565), ein mensch der gleich weint (Schmeller 1, 513. 2, 202. vgl.hünen), wetterauisch drenefutt f. = ein überaus langsamer mensch zeigen. ganz von einer männlichen person gesagt, bedeutet das wort verachtungswerther mensch, nichtswürdiger, niederträchtiger kerl (Frommann 6, 38, 46), und auch hier fand in bair. hundsfud (Schmeller 1, 513), tirol. hundsfut (Schöpf 158), hochd. gewöhnlich hundsfott, übergang in das männliche geschlecht statt.
 
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fudanna, s. DWB fud.
 
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fudbrunne, m., der name eines brunnens in einem dem 15. jh. angehörenden Tiroler weisthum, in welchem angegeben wird, das (dasz) der herschaft gericht zu Stumb (Stumm im Zillerthal) get ... ausz dem schrött ab in den füdprunn und aus dem füdprünn auf das veldt. weisth. 3, 729. dasz bei dem namen zusammensetzung mit fud stattfindet, ist unleugbar, zumal da kurz vorher auch ein bach genannt wird, der der Arspach heiszt. aber wie ist fudbrunne zu erklären? soll ein kinderbrunne gemeint sein? in ähnlicher weise führt der kinderbrunne meines geburtsortes Unterflorstadt in der Wetterau den namen der bauchborn und das daran stoszende gelände die bezeichnung am bauchborn.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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