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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fuchtelmann bis fuck (Bd. 4, Sp. 359 bis 360)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fuchtelmann, m. ein irrlicht. östreichisch (Höfer 1, 251. Loritza 45b) und bairisch (Schmeller 1, 509). der name, weil das irrlicht im volksglauben als feuriger mann erscheint und fuchtelt d. h. sich rasch hin und her bewegt. vgl. DWB fuchteln 2) c).
 
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fuchteln , bei Stieler 455 fuchtelen, von fuchtel. wie aber neben dieser form im 16. und 17. jh. gern fochtel gesprochen und geschrieben wird, so auch in derselben zeit fochteln (s. d.). das wort steht sowol transitiv als auch intransitiv:

[Bd. 4, Sp. 360]



1) transitiv in der bedeutung mit der fuchtel schlagen, durch schläge mit der fuchtel bestrafen, dann überhaupt mit der schwanken flachen klinge eines degens, eines säbels u. dgl. schlagen. nun da hätte man schön fuchteln gesehen! Schelmufsky 2, 79; ihre 4 gegner zur thür hinaus zu fuchteln. Felsenb. 2, 209; unverschämter pursche! (spricht der lieutenant in vollem zorne zum feldwebel) mache mir den kopf nicht warm, oder ich fuchtle dich, dasz es eine art hat. Gotters jahrmarkt 45; ja, herr obrist, und wenn sie mich fuchteln lassen. Kotzebue dram. sp. 3, 290.
später wird fuchteln noch vom wiederholten schlagen mit dem haselstocke, der ruthe, reitpeitsche oder einem andern schwanken schlagwerkzeuge der art gesagt. er hat ihn mit der ruthe gefuchtelt.
2) intransitiv in den bedeutungen
a) rasch und leicht hin und her, da- und dorthin schwingen, zunächst von der klinge eines degens, dann überhaupt von einer schwanken waffe oder überhaupt einem schwanken schlagwerkzeuge. mit dem degen jemand unter der nase fuchteln; er hat ihm mit der gerte vor den augen gefuchtelt. der donner und das wetter, kamrad, wenn du mir so kommst, kennst du den? spricht in Gerstenbergs Minona s. 94 der römische soldat zum ersten britten und fuchtelt ihm mit dem stock vors gesicht.
auch von andern gegenständen, die mit den händen rasch in der luft hin und her bewegt werden, so wie von den händen selbst. mit den händen fuchteln, was wie mit den händen fechten. s. DWB fochteln, wozu ich hier nachtrage unnd fochtelst mit den händen als ein gaukler. Philander von Sittew. (1650) 2, 91. ... mit seinem hut unter das gesicht gefuchtlet. Abele 4, 236. baierisch: mit dem liecht rumfuchteln. Schmeller 1, 509.
b) die fackel schwingen. kärntisch, s. Lexer 104. s. DWB fuchtel 3).
c) sich rasch und leicht von einem platz zum andern hin und her, bald da- bald dorthin bewegen:

jetzt fuchtelt es (das im traum erschienene bild) sam wolt es gehn,
bewegt sich eilend, blieb doch stehn.
H. Sachs I (1590) 297a.

vgl. fuchtelmann.
d) endlich sagt man noch ein pferd fuchtelt, wenn es sowol im schritt als auch im trabe beim jedesmaligen aufheben und niedersetzen der vorderfüsze diese auswärts wirft. s. Reinhold kriegskunstspr. 54b f. fuchtelnder und prallender trab. Rosenzweig 184.
 
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fuchteln, n., das vorige verbum substantivisch genommen: das fuchteln hätte unterbleiben können. mäsziges fuchteln (= ausprügeln). Jean Paul 10, 124.
 
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fuchtelung, f. das ertheilen von schlägen mit der fuchtel, auch das kämpfen und schlagen mit degen, dimicatio, quae gladiis fit. Stieler 455.
 
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fuchten, zanken, schmälen. in Wallis. Stalder 1, 402. von fucht 1).
 
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fuchtig, adj. zornig, aufgebracht, unwillig, mürrisch. kärntisch (Lexer 104), östr. (Castelli 133. Loritza 45b), in Südböhmen (Frommann mundarten 6, 511), Mähren (ebenda 5, 465), schlesisch (Weinhold 24a), bairisch (Schmeller 1, 509), schwäbisch-augsburgisch (Birlinger schwäb.-augsb. wb. 170a). von fucht.
von dem adj. ist dann das gleichlautende und gleichbedeutende adv. abgeleitet. einen fuchtig machen. Schmeller a. a. o.
 
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fuchtler, ursprünglich fuchteler,m.
1) einer der sich mit der hiebwaffe gern in den kampf einläszt, concertator, pugnator. Stieler 455.
2) einer, der mit der fuchtel schlägt, durch schläge mit der fuchtel bestraft.
3) ein leichtsinniger, flatterhafter mensch. Westenrieder glossar. 173. Schmid 198. s. DWB fuchteln 2) c).
 
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fuchtlerei, f.
1) das ertheilen von schlägen mit der fuchtel, auch ein kampf mit der fuchtel. Abele 4, 236.
2) flatterhaftes, zweck- und zielloses umherschweifen. s. DWB fuchtler 3).
 
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fuchtlerisch, adj. rasch, unüberlegt, unbesonnen. Schmeller 1, 509. fuchtlerisch und ungeduldig. Abele gerichtsh. 1, 253. 2, 13. schon fochtelnd bed. ausgelassen, s. fochteln.
 
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fuck, ein nd. ausruf zur bezeichnung lebhafter schnelligkeit. fuck fuck! Frommann 2, 226. 4, 262. von dem folgenden fuck.
 
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fuck, m.
1) schnelligkeit im fortgang, fördernde geschwindigkeit. so in der grafschaft Mark dat hiät fuck, geht schnell von statten. Wöste volksüberlieferungen 111. also ein nd. wort, entsprossen dem pl. praet. von altn. fiuka (praes. fŷk, praet. sg. fauk, pl. fukum, p. p. fokinn), vom winde getrieben werden, vom winde fortgerissen werden, dän. fyge, mit schnee stöbern, woher auch altn. fok, n., das fliegen, die schneewehe, feykja, fortblasen, zerstreuen. vgl. DWB focke.

[Bd. 4, Sp. 361]



2) körperliche fertigkeit, handgrif, vortheil. auf dem Westerwalde, wo man fuck aufs werfen, mähen, heben u. s. w. hört. Schmidt 61.
3) list, betrug. am Mittel- und Niederrhein, s. Frommann 4, 262. diese bedeutung durchdringt die folgenden abgeleiteten verba: nd. fucken, diebischer weise bei sich stecken (Leibnitz collectan. etym. 1, 42), göttingisch-grubenhagenisch mit übergang des k in ch fûchen, betriegen, unehrlich sein, unredlich handeln (Schambach 282a); schweiz. feuken, fäuken, heimlich entwenden, zwacken (Stalder 1, 357), s. 3, 1367; nd. fukeln, im handel und wandel, im spiel durch behendigkeit betriegen (brem. wb. 1, 461), osnabrückisch fukeln, etwas heimlich bei seite bringen oder in die tasche stecken (Strodtmann 63), woneben wieder mit übergang des k in ch fucheln in bifucheln, heimlich beistecken, heimlich entwenden (ebenda), wetterauisch intransitiv faukeln, heimlich betriegen, besonders beim spiele. s. DWB fucken, DWB fuckeln.
aus den beiden bedeutungen 2) und 3) entwickelt sich dann die folgende:
4) einer der seinen vortheil wol versteht, auf denselben ist, zwackt, ein geiziger bis ins kleinliche:

dann keinen kärgern fuck
niemals als ihren mann ich sah.
des filzes oft ich lach. ha ha.
Calagius Susanna 1, 1.


Bei keiner bedeutung ist ein pl. des wortes nachzuweisen.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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