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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
füchselmännchen bis fuchser (Bd. 4, Sp. 342 bis 344)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) füchselmännchen, n. lemur catta, der eichhornaffe, mokoko. zusammengesetzt mit das füchsel (s. d.), und der name wegen des der schnauze des fuchses ähnlichen maules und des langen buschigen schwanzes.
 
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füchseln , noch nicht bei Henisch, Stieler, Steinbach und Frisch; zuerst aufgenommen von Adelung und zwar aus der weidmannssprache. es steht
1) transitiv, in folgenden bedeutungen:
a) wie ein fuchs d. h. schleichend, heimlich und listig stehlen. von diesem stehlen heiszt es Simpl. 2, 1, 6: sie ermahnten (= gemahnten) mich an die marder und füchse, welche in ihrer freiheit leben und auf den alten kaiser, doch vorsichtig und listig genug, hinein stehlen, wann sie aber gefahr vermerken, eben so geschwind als vortheilhaftig sich aus dem staub machen. kurz vorher aber wird füchseln unterschieden von wölfeln = wie ein wolf stehlen oder vielmehr rauben: und ich schätze, wie dann leicht zu gedenken, dasz sie obengedachte zahme schnabelweid und das kleine viehe entweder in oder um die dörfer und baurenhöfe hinweg gefüchslet oder hin und wieder von den heerden hinweg gewölfelt haben. andere stellen sind: der heilige Augustinus beweinet in seinem hohen alter gar sehr, dasz er in zarter jugend seinen eltern so oft hab vorgelogen, wann er etwas ausz dem keller oder tisch gefüchszlet. Vogler catechismus in auszerlesenen exempeln (Würtzburg 1625) s. 282; was wir nicht hätten, das könten

[Bd. 4, Sp. 343]


wir anderswo füchseln. Chr. Weise körbelmacher 189 = theatr. sittenl. 190. noch in Baiern füchseln, in der volkssprache der alten grafschaft Mark füchseln, fuchsen, stehlen. Frommann 4, 263.
diese bedeutung scheint die älteste, ist aber weder von Adelung noch von Campe angeführt, welche beide sie gar nicht zu kennen scheinen. weidmännisch wird füchseln gesagt, wenn ein rehbock, ein wildkalb, eine sau, ein frischling, die über das zeug geflohen d. h. gesprungen sind, von jemand drauszen aufgehoben und vertragen d. h. heimlich weggebracht werden.
b) durch necken zum besten haben, indem man sich gleichsam mit reden an einem belustigt, wie am fuchse beim prellen. so bei den jägern, wenn einer von den andern durch aufbinden u. dgl. zum besten gehalten wird. sie füchseln ihn. das war damals, als sie ihn gefüchselt haben.
2) intransitiv, in den bedeutungen:
a) nur auf füchse jagen. die jäger haben heute gefüchselt.
b) nach füchsen riechen. doch sagt man weidmännisch nur von dem übein geruch, wenn zur ranzzeit die füchse sich geilen, es füchselt. das wort ist hier gleicher bildung wie böckeln, s. d.
 
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füchseln, n., der inf. füchseln als subst.
 
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füchselung, f., von füchseln.
 
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füchselsuppe, f. die ausspeisung der armen bei hochzeiten. im bairischen oberlande, s. Schmeller 1, 508.
 
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fuchsen , intransitiv oder transitiv, was nicht immer genau zu scheiden ist.
1) intransitives fuchsen zeigt sich in folgenden bedeutungen:
a) sich in unzucht fleischlich vermischen. Stieler 576. Rädlein 308a. mundartlich in der Schweiz (Stalder 1, 401), in Schwaben (Schmid 208), Baiern (Schmeller 1, 508), im groszherzogthum Posen (Bernd 68) und gewis auch in andern gegenden, aus welchen das wort als ein obscenes nicht aufgezeichnet wurde. in der Wetterau hört man auch transitiv eine fuchsen und dazu stimmt, wenn schweizerisch, wie Stalder a. a. o. anführt, eine ganz gemeine, für jeden feile hure eine ausgefuchste hure genannt wird.
das in dieser bedeutung in anständiger rede gemiedene wort erinnert, was seinen ursprung betrifft, an die unzüchtige vermischung des geilen fuchses mit frau Hersant, der wölfin, die er in ein enges loch gelockt hatte, in welchem sie stecken geblieben war (Reinh. 1176. vgl. Rein. Vos 1106. 1154. 5651). doch weist der ausdruck wol zunächst auf die vermischung des fuchses mit der hitzigen füchsin hin, der in der regel mehrere füchse folgen. engl. fuck futuere, das man zu fuchsen gestellt hat, gehört nicht zu diesem, sondern zu ficken (s. d.).
b) schlau wie ein fuchs teuschen oder auch berücken. diese bedeutung möchte Stieler 576 annehmen, indem er meint, dasz man sagen könne mit füchsen fuchsen, vulpinari cum vulpibus, list mit list berücken.
c) im spiel betriegen. Schmeller 1, 508. das aber wäre gleichsam den andern im spiel prellen. es ergibt sich übrigens bei Schmeller nicht, ob fuchsen hier nicht transitiv stehn kann.
d) beim billard bälle machen, die man nicht zu machen beabsichtigte. burschensprache (Breslau 1862) s. 24. s. DWB fuchs 16).
e) nach füchsen riechen. vgl. DWB füchseln 2) b). dann überhaupt: unangenehm riechen, stinken. so Campe, der das wort nur in diesen bedeutungen hat. es fuchst. es hat gefuchst. in der Schweiz für »angebrannt riechen.« Stalder 2, 516. vgl. fuchsig.
f) fuchsfarbig, fuchsig werden. so wol in blasz gefuxter ballach bei Birlinger schwäb.-augsb. wb. 170a.
g) auf die fuchsjagd gehn. schweiz. (Stalder 2, 516).
2) transitives fuchsen steht in den bedeutungen:
a) vielfach durch mühe und beschwerde plagen, hudeln, vexare. Stalder 1, 401, wo auch aus der burschensprache der Schweiz die verächtlichkeit einschlieszende bedeutung angeführt wird: das geschäft eines pädagogen treiben. s. DWB schulfuchs. Schmeller 1, 508 hat einen fuchsen, als herr und meister ihn hart behandeln, und Loritza 45b kennt, wie es scheint, fuchsen nur in dem sinne, hart zusetzen, streng behandeln. das stimmt mit der eben angegebenen genaueren bedeutung, in welcher man im gewöhnlichen leben hört: einen im dienste recht fuchsen; der ist in der prüfung gefuchst worden, übermäszig viel und dabei schwer und verfänglich gefragt worden; der hat das pferd, seit er es besitzt, schon recht gefuchst, übermäszig arbeiten lassen, zu viel angestrengt. so auch in Tirol fuchsen = das zugvieh hart antreiben. Schöpf 158. aber dann kommt fuchsen mehr in dem sinne vor: durch zu viele und mitunter verdrieszliche thätigkeit abmüden. dies wenn z. b. schwäbisch bei Schmid 207 angeführt ist diese arbeit hat mich recht gefuchst und bei Schöpf a. a. o. diese arbeit hat mich tüchtig g'fuxt. der letztere erklärt übrigens hier durch necken, plagen.

[Bd. 4, Sp. 344]



das wort geht in dieser bedeutung offenbar vom prellen des fuchses aus, was durch die folgende nur bestätigt wird.
b) peinlich ärgern, empfindlich ärgern. kärnt. ân (einen) fuchsn, ärgern, necken, si fuchsn, sich ärgern. Lexer 104. doch kommt das wort in dieser bedeutung hochdeutsch nur in der dritten person vor: es fuchst mich, dich, ihn, sie u. s. w., es hat ihn gefuchst. es fuchst dich, dasz dir ein anderer im kaufe zuvorgekommen ist; dasz ihr nicht früher da waret, als wir, das fuchst euch; der vorwurf fuchst ihn; dasz ich mich habe betriegen lassen, fuchst mich; wen sollte es nicht fuchsen, wenn ihm so übel mitgespielt wird. schles. das hat mich geratlich gefuxt. Weinhold 24a. man sagt aber auch blosz es fuchst: es fuchst, wenn einer beim freien seiner sache gewis zu sein glaubt und bekommt einen korb; wenn einem ein solcher streich gespielt wird, der fuchst.
c) wie ein fuchs d. h. heimlich und listig stehlen oder sich aneignen. s. Schmeller 1, 508, der fuchsen hier als einen gelindern ausdruck bezeichnet. Stalder 2, 516. Schöpf 158. Weinhold 24a. s. auch füchseln 1) a).
 
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fuchsen, besser und üblicher füchsen,adj. vulpinus. ahd. fuhsîn, erst spät, nemlich in der dem 12. jh. angehörenden Wiener hs. nr. 804, wo Graff Diut. 3, 149 fchsin gelesen hat, Hoffmann v. Fallersleben sumerl. 31, 69 fiuhsin, wie jener auch im sprachschatz 3, 431 setzt; mhd. fühsîn, auch fuchsîn, vuchsîn. fuchsseiner, vulpinus vel deceptivus. voc. 1482 i 5a; füchszen. Dasypodius 265d; noch bei Alberus dict. hh iija und Dentzler 896b füchsin, bei Henisch 1271, 26 und Stieler 576 fuchsin mit der ahd. ableitungssilbe -în von ahd. fuhs.
die bedeutungen sind:
1) dem fuchs eigen, ihm angehörend, von ihm kommend. mitteld.(Swantopolc)

undir lemmerînre hût
trûc ein vuchsîn hërze,
daʒ ûf dër cristnen smërze
allir trugene was vol.
Jeroschin 8510,

unter einem lammfell trug er ein füchsen herz d. h. unter einem demütigen äuszern barg er ein falsches herz. mhd. fühsein flaisch = fuchsfleisch (s. d.). Megenberg 163, 28. nhd. unser herr weisz wol, warumb er der geisz den schwantz nicht gelassen oder dem affen den fuchsen wadel oder dem pfauwen die häszliche füsz gegeben. Petr. 111b; füchsin lungen = fuchslunge (s. d.), pulmo vulpinus. Henisch 1271, 30.
2) aus fuchspelz bestehend oder gemacht. mhd.

dër sun hieʒ balde springen,
sîn fuchsîn gewant im bringen. Kolocz. cod. 174, 636,

d. h. sein aus fuchspelz gemachtes gewant. nhd. da waren alsbald saubere hembder da und ein füchsener rock. Pauli schimpf und ernst 97b;

ein guten füchsen rock hett an.
H. Sachs IV, 3, 61a;

man soll sie (die kaufleute) auszher klauben
ausz iren füchsinen schauben.
Uhland volksl. 366;

Caspar H. Kürsner hat meinem gn. herrn zbo füchssen schauben gemacht. aus einer hofrechnung von 1468 bei Schmeller 1, 508. 3, 306; liesz deckbeth, marderne und fuchsene schauben auf in decken. Pauli sch. u. e. 129b; füchsene schauben. Helber 42; da stund gar ein nackender mann vor ihnen. wie nun der melech das sahe, warf er bald sein füchsen schaub uber ihn. Helvicus 1, 23 = (1617) 1, 21. diese mit fuchspelz gefütterten und verbrämten langen überkleider der mannspersonen waren im 15. jh. bis ins 17. jh. eine beliebte und vornehme tracht.
fuchsin futter, vulpina pellis. Henisch 1271, 27 und darnach füchsin futter bei Stieler 576. noch bei Adelung und Campe füchsenes futter, füchsenes gebräme, doch bezeichnet jener das wort bereits als ein nur im oberdeutschen gewöhnliches.
 
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fuchsen, besser füchsen,adv. von dem vorigen adj., s. Stieler 576.
 
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fuchsenlied, n. was fuchslied, s. d.
 
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fuchsente, f., bei Henisch 1273, 3 ff. eine kleine wilde braunkopficht endte, die also ihren namen daher führt, dasz die farbe des kopfes mit der des fuchses stimmt. es scheint die krichente, anas crecca, zu sein. jetzt versteht man unter der fuchsente gewöhnlich die brandente oder fuchsgans (s. d.).
 
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fuchser, m.
1) eine unzüchtiger fleischlicher vermischung ergebene mannsperson. Stieler 576. Stalder 1, 401.
2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol (Schöpf 158). gewöhnlich pfennigfuchser (s. d.). schwerlich ursprünglich einer, der im spiel betriegt, wie Schmeller 1, 508 bei dem letzten worte anzunehmen scheint, sondern wol eher einer, der menschen und vieh, auch sich selbst um des kleinlichsten geldgewinnes willen vielfach durch mühe und beschwerde plagt. vgl. auch DWB wortfuchser.

[Bd. 4, Sp. 345]



3) ein hund zur fuchsjagd. schweizerisch, bei Stalder 2, 516.
In diesen drei bedeutungen abgeleitet von fuchsen, s. DWB fuchsen 1) a), 2) a) und 1) g).
4) ein schneller mit dem finger wider die nase. bestimmter nasenfuchser. hennebergisch (Brückner in Frommanns mundarten 3, 132 f.). weitergebildet aus fuchs, s. DWB fuchs 20).

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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