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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
blakern bis blänke (Bd. 2, Sp. 62 bis 66)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) blakern, urere, nnl. blakeren, vgl. DWB flackern.
 
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blamensier, m. nach dem franz. blanc manger, mhd. Ben. 196b: will du machen einen blamensier. von guter spise s. 2; einen gestocketen blamenser machen. s. 24.
 
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blan, interj., euge, age, eine nur in der ersten hälfte des 16 jh., und bisjetzt nur im Elsasz und auf der linken seite des Oberrheins gefundne wortform, die bei Keisersberg noch voller belan lautet und unserm wolan entspricht. für wola galt schon ahd. wela (Graff 1, 831—34) und wela, wola nu, wela nu drückten euge, age aus, man braucht also belan nicht nothwendig vom nnl. wel aan zu leiten, sondern darf es als nebenform von wolan betrachten, E fällt aus wie in blangen für belangen. der wechsel des W und B ist wie in wis und

[Bd. 2, Sp. 63]


bis (vorhin sp. 41), in wase base, Verona Bern u. a. m. (1, 1054). Maaler führt diesen ausruf nicht an, sondern 503b nur wolan, wolan dran, wolan hui, hei, wolan nun, nun wolan; doch Dasypodius 305c hat blan, hercle! belan liefert Keisersbers bilger in folgenden stellen: belan, du würst verclagt vor dem konig. 23b; belan, min richtum, gt, ere, silber, gelt, acker und matten, win und korn und alles das ich hab, ich rf dich an, kum mir zu hilf in minen nöten! 23c; belan, ich wil ouch recht gon mesz horen. 24a; belan, nit verzag an got! 24b; belan, so louf uszer! 54a; belan, nun lob aber got! 86d; wenn dir einer etwas lidens zfügt, belan, sprichstu, ich wil es liden, ich wil schwigen. 88a; belan, du hest mit dinen sünden verdient, das du soltest driszig im fegfüer sin und tolle halten. 105b; nun belan, du bist das kind. 166c. daneben erscheint nun in demselben buch noch öfter wolan: wolan, darnoch ist es fast, so dienen sie aber got. 41a; wolan, die barfszer, sie dunkt ir landstrosz der regel z steinecht und z hert sin. 120a; wolan, nit anhin! 120c; wolan du bist uf dem weg gottes. 129d; wolan, buck dich! 130b; wolan du bist in einem geistlichen stot. 130c; wolan, incurvare, buck dich! 130d; wolan, du thst eins. 131b; wolan min obrer hat doch mit mir dispensiert. 131b; wolan, bistu ein spiler. 131c; wol an, du wilt die zit und stund kürzen. 133b; wolan min gesell, stand uf, es ist zit, wolan mach dich uf die fart, die wil es kl und früge ist, rum das bett! 134b; wolan, sprichestu, du seist mir. 140b; wolan, rüschberen üch! so wil ich es vols uszmachen. 144c; wolan wiltu in uber ein strofen und brennen. 145c; wenn ein junger mensch stirbet, so spricht man, wolan, das mensch ist noch so jung gewesen. 148d; wolan, du vohest an got z dienen. 156a; wolan, du hest dich zu got gekert. 158a; wolan, du vohest an und vastest. 159b; wolan, du wilt mit crützen gon uf diser erden. 161c; wolan, wo bist du? 168a; wolan, bist du nun in dem ellend, in einem fremden land. 168b; wolan sele, wol uf, bis frölich! 168b; wolan, singen uns ouch! 169a; wolan, losz sehen, ich wil dir glouben. 176a; nun wolan, sprach er, gib mir dinen bösen mantel. 176b. Dasz belan und wolan einerlei sind, liegt nach diesen stellen am tage; gehören aber beide Keisersberg selbst an und kam ihm bald eine, bald die andere in den mund? oder hat der herausgebende Other (im j. 1511), oder ein wechselnder setzer sei es belan, sei es wolan eingeschwärzt? in Keisersbergs übrigen werken hat sich bisher nur wolan, kein belan gezeigt. es erscheint auch weder bei Brant noch Murner. später aber gilt nur verkürztes blan, während wolan nie zu wlan wird. Dasypodius setzt blan, also 1536 oder 1535. in dem frischen combist (compost, kohl) vom bapst, o. j. u. o, vielleicht noch aus den zwanziger jahren, heiszt es

wer er nit entlaufen,
blan, will ich ihm ein kappen kaufen. B 3a;

sih, er ist schon da ein gütig man,
ich will ihn blan selbst sprechen an. C 4b;

beidemal drückt es weniger wolan als fürwahr aus. vielleicht rührt dies kleine gedicht von Jacob Cammerlander aus Mainz her, über welchen so eben Zarncke in seiner ausgabe des Brant s. cxxxviii ff. gesprochen hat; er braucht die partikel blan mit zum beweis, dasz mehrere kleine und namenlose, oder M. J. C. L. V. M. F. S unterschriebne dichtungen diesen 'magister Jacob Cammerlander von Mainz, formschneider' zum verfasser haben. so findet sich im alten und neuen bruder Nolhard:

blan, widerrf, es ist noch zeit;
blan, wir wölns wider von im hören;
blan, ich bekenn und ist mir leid;

in der alten und neuen schelmenzunft (einer dramatischen umarbeitung des murnerschen werks):

blan auf, und mach dich uf die ban;
blan, du bist der erst in dem danz;

im neuen, deutschen Bileamsesel:

blan, wil sein allzeit wartn wol;
blan, wir müssen den esel trenken;
blan, sie seind villeicht nit mer lang;
blan, bring ir auch den habern her;

im hurenwirt:

blan, so wol uf, die pferd seint schon gesattelt;
blan, wider dran macht gute ros müd;

in der neuen badefart von bäpstlicher mess:

ich hett, blan, schier ein eid geschworen;

[Bd. 2, Sp. 64]


im alten und neuen narrenschif (einer umarbeitung des brantischen):

blan, ir herren, seind fridsam und still;

in den alten Römern, sittlichen historien und zuchtgleichnissen:

blan, ich wil morgen zm bild tretten;
blan, sprach das weib, wilt du das man dir helfe;
blan, ich hab ein mitleiden mit euch;
blan, ich wil selbst gen hof gehen;

im dialogus vom todten schiflein: blan, lege auch hinweg dein lügen; blan, schifman, wir wöllen jetzt farn; in der übersetzung des Corn. Nepos und Salustius: blan, wir wöllen gan ins capitolium; blan, welcher die rechte hand vom feind bringt, der sol si haben; blan, sie thuent stets was sie gelust. Wurden auch alle diese kleinen schriften von Cammerlander, etwan in den zwanziger bis vierziger jahren des 16 jh. verfaszt, und war blan sein lieblingswort; so können gleichwol andere vor ihm (wie Keisersberg) und nach ihm sich desselben bedient haben. im büchlein 'ein new wundarznei M. Johans von Parisiis.' Frankf. 1549. 4 heiszt es in der vorrede: was darf es des, ists doch kein rechtschaffen buch? blan, es mag ein stück hierinn groszes golts wert sein, darumb wird die kunst den meister loben. in Scheits grobianus, Worms 1551 G 4b:

also wirstu den herren stillen,
dasz er gleich wol darz msz sehen
und sprechen, plan, es ist geschehen.

ohne die form belan, die allen zweifel löst, würde man ans folgende blan geschwollen oder an plan eben denken. wie auffallend aber, dasz eine von 1500—1550 am Oberrhein so gangbare partikel nachher verschwindet, und dasz selbst Fischart, der dort gerade zu haus war, sie nie verwendet. einigemal scheint für blan fälschlich blau gedruckt, s. DWB blau 1.
 
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blan, turgidus, tumidus, aufgedunsen, geschwollen, steht für blahen, ahd. plâhan (Graff 3, 235), part. praet. von blâhan turgere. auch schreibt Tobler 60a richtig blohn, en blohna chopf, ein aufgedunsner kopf, Stalder 1, 180. 2, 497 setzt blan, blon: das kind hat einen blanen kopf, heute in schwacher form gebläht, aufgebläht.
 
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blane, f. siehe blahe.
 
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blanen, turgere, ahd. plâhanên, wovon bei N. noch inblaheni turgor vorkommt; Maaler 72b schreibt blonen, auftriben sein als ein voll uter oder als ein gschwulst; blonende uter, gespannen und grosz von milch, ubera tenta; blonender, steifer weiberrock. mit blaheni turgor vergleicht sich ags. blegene, pustula, engl. blain.
 
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blangen, was belangen 1, 1436, wo auch schon beispiele der gekürzten form stehen: mich blanget, mich verlangt;

das ist gt höw,
des ich mich fröw
und blanget wann es reifen tht.
Uhland 604;

sie blangeten nicht halb so zum tische. Gotthelf schuldb. 84.
 
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blank , albus, von blinken, wie bleich von blichen, ahd. planch, mhd. blanc, ags. blonc, engl. blank, nnl. blank, schw. dän. blank, ein deutsches, in die roman. sprache übergetretnes und das lat. albus verdrängendes wort, it. bianco, sp. blanco, port. branco, franz. blanc. wir aber unterscheiden weisz und blank so, dasz weisz die reine farbe, im gegensatz zu schwarz ausdrückt, blank das blinkende, glänzende, klare, gescheuerte (goth. skeirs), man sagt ein weiszes gewand, nicht ein blankes, aber ein blanker spiegel, nicht ein weiszer. doch greifen beide wörter in einander, wie sich aus dem folgenden ergeben wird. zu bemerken ist, dasz blank wie blinken bei Dasyp. und Maaler fehlen, erst Henisch 404 führt sie auf, doch der nd. teutonista gibt blank und blenken an, Luther braucht blinken, nicht blank. vgl. auch blau.
1) alles was blinkt ist auch blank. der wein blinkt im glase und blanker wein ist klarer, gleichviel ob weiszer oder rother, daher unser blanker wein etwas anders als franz. vin blanc, doch siehe hernach blankwein;

kein sternchen war mehr blink und blank,
als liebchens äuglein nur.
Bürger 103a;

da kreuzt ein fischernachen
des mondstrahls reges blank.
Voss 5, 152;

mein eimer (sagt der Jordan), der sich vor ergossen
und brausend mit klar blankem schaum.
Gryphius 1, 565;

es waren dämme gebrochen und die gegend unter dem schlosse lag als ein blanker see. Göthe 22, 97; die wiesen stehen blank, sind überschwemmt von wasser; die ortsnamen Blankensee,

[Bd. 2, Sp. 65]


Blankenberg, Blankenstein u. s. w. schimmern dem wandrer weit entgegen.
2) das gewaschene, gereinigte, geputzte heiszt vorzugsweise blank: nun ist dein gesicht wieder blank; blanke hände, reingewaschne; ein blankes mädchen, puella nitida, bene curata cute. Frisch 1, 103b; auszen blank, innen stank;

wir waschen und blank sind wir ganz und gar.
Göthe 12, 209;

der regen hat das pflaster blank gewaschen; die geschirre, die teller und schüsseln sind blank gerieben; in Franken wird das vieh blank gehalten.
3) der schnee kann weisz oder blank heiszen, und man sagt schneeweisz wie schneeblank; das blanke eis;

des blanken halses schnee.
Gryphius 1, 612;

ebenso das pferd das weisze oder blanke:

auf einem planken weisz zelden (zeltenden) pferd. fastn. sp. 1411.

'sei gegrüszt blanke mueter' läszt Göthe 42, 176 und öfter die zigeuner zu Adelheid sagen; lilgenblanke händlin. Garg. 77a.
4) das blanke feld, das blosze feld, das blachfeld:

das blanke feld, in dem viel helden liegen.
Opitz;

wenn uns der kühne feind im blanken felde steht.
Fleming 111;

ach hätte, werther prinz, das schwert dich hingenommen,
da wo auf blankem feld heer gegen heer ankommen.
Gryphius 1, 331;

setzte ich über die stadtmauer weg und stellte mich ins blanke feld. Weise erzn. 197; eine blanke fläche. Lohenst. Arm. 2, 1065.
5) metall und erz blinken: alles wird in blanken thalern, in blanken goldstücken ausgezahlt; ein Metzer blank. weisth. 2, 263 ist ein zu Metz geprägter albus; aspar (türkische kleine silbermünze) blank. in einem vocab. von 1429 4b. das blanke eisen, blanke schwert, blanke messer fuhr ihm in den leib; der blanke stahl; blankgeschlifnes beil. Schiller 441a;

so werfet eure liebesgunst
auf meine blanke waffen.
Soltau 511 (a. 1638);

blank ziehen heiszt die blinkende klinge entblöszen, das schwert blank ziehen; ein kampfplatz, darauf vil gelehrte männer mit ihren federn gegen einander blank gestanden. Butschky Patm. 575, gleichsam mit gezognen schwertern.
6) dies blank ziehen = blosz ziehen, entblöszen führt auf die bedeutung von blosz und baar auch für blank. das hat seine richtigkeit, jetzt hab ichs blank. Schiller 192a, d. i. offen, unverdeckt. ich habe kein geld, ich bin blank = geldes baar, entblöszt; ist er denn ganz blank? Hermes in Soph. reise 1, 260. mein wild rannte glücklich in den blanken betrug. Schiller 172, gleichsam in den nackten, offenbaren. ich stehe im blanken hemde, im bloszen; man sah das blanke knie;

als Venus wolte Mars in ihre liebe bringen,
hat sie ihn blank und blosz am besten können zwingen.
Logau 1, 2, 9;

nun wäge man alle diese wahrscheinlichkeiten gegen die blank und bloszen widersprüche ab, mit welchen man meine auslegung abfertigen wollen. Lessing 8, 225; blanke worte, inania, mera verba; pure, blanke lüge;

für blanke majestät, und weiter nichts, verbluten,
wer das für grosz, für schön und rührend hält, der irrt.
Bürger 102a;

von meinem ehrenmann blieb, wann er blank und bar
vor mir erschien, blieb, sag ich, blank und bar
so wenig, dasz es kaum der rede würdig war. 106b;

sehen sie, das ist blanke, bare erfahrung. 179b; was soll euer ganzes bares, blankes lieben? Tieck ges. nov. 4, 61; alles in hast und übereilung, mit purem blanken guten willen. 1, 85; so findet sich denn gerade noch ein viertelstündchen nach dem andern, um diese seiten nicht ganz blank zu dir wandern zu lassen. Göthe an Zelter 763;

denn bei den alten lieben todten
braucht man erklärung, will man noten,
die neuen glaubt man blank zu verstehn.
doch ohne dollmetsch wills auch nicht gehn. 2, 245.


7) sie steht heute blank, steht gevatter. geputzt, im staat? oder öffentlich vortretend? blank stehn, nackt hintreten, bei der recrutierung.
8) bei den gerbern, das leder blank stoszen, glätten.
 
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blanke, f. in der küche ein ort, wohin man das glänzende zinn und kupfer zum prunk aufstellt. bei Frisch 1, 103b die blänke.
 
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blanke, f. siehe planke.

[Bd. 2, Sp. 66]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) blänke, f. ein kahler, abgetriebner platz im walde, von blank = blosz, baar. blenke, wiese. Hermes Soph. reise 1, 402.

 

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 ... die spitzen an der buch und zweiglein an der tann D. v. d. Werder ras. Roland
 
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