Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bildungsweise bis bilgerfart (Bd. 2, Sp. 24 bis 26)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bildungsweise, adv. per sculpturam: darum wird zu Straszburg der römisch abgotsdienst bildungsweis angedeutet und ausgehauen. bienenk. 200a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bildvoll, imaginibus plenus. s. die unter bildlos gegebne stelle Agricolas.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bildwerk, n. opus plasticum: also auch die tischer und zimmerleute, die tag und nacht arbeiten und schnitzen bildwerk. Sir. 28, 28; trinkgeschirr mit erhabner arbeit von bildwerk, signis aspera pocula. Maaler 69a; man findt ein maler, der kan wol malen harnas, aber nit bildwerk. Keisersb. s. d. m. 74b; würde er nit so oft gleichnus und bildwerk von metallen und bergarbeit genommen haben. Mathesius 6a; in der vertiefung einer kirche, deren manigfaltiges bildwerk er immer mit lust beschaut. Tieck 4, 255;

dies erzgetriebene bildwerk des lieds.
Platen 131.

bildwerk heiszt auch zeug, worin bilder gewebt sind.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bildwesen, n. ohne allen realen kern, ein bloszes bildwesen um bildwesen zu sein, ein in das unendliche fortzugestaltendes nichts. Fichte thats. des bew. 189; das unmittelbar sich darbietende bildwesen. staatsl. 10 und öfter.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bildwirker, m. textor, der bildwerk webt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bilern, m. dens molaris, gingiva, palatum, ahd. pilarn (Graff 3, 102), gebildet wie sintarn scoria, zuitarn hermaphroditus (gramm. 2, 336), oft im pl. pilarnâ dentes molares, gingivae erscheinend und schon ahd. in der nebenform pilâre, bilære,

[Bd. 2, Sp. 25]


bildera, mhd. bilern pl. (Ben. 1, 124a); tuont im die zen wê und sint im die belre vûl. br. Berhtolt in Mones schausp. 2, 358; dunt ime die zene we und sint ime die bilrin fol (l. fûl), so tut ime daʒ eʒʒin vil we. bezeichenunge der messen in einer Gieszener hs. no 876a s. 134; ist er mit totlichin sundin bevangen, so sin ime die bilrin vil vol (l. vûl). das. s. 135; swem di wurme di zene holen unde di piler. fundgr. 1, 325; weme die würme die czene hölen unde die bilbar eʒʒen. Büdinger bruchst. der heilmittelkunde, fundgr. 1, 325.
Die nhd. formen eines verdunkelten, aussterbenden wortes schwanken begreiflich. Dasypodius und Henisch führen es gar nicht auf, Maaler 68d hat bilderen gingivae, die bilderen reiben, rufam defricare gingivam, bilderli gingivula, bildergeschwär parodontis. ebenso, seine (des fisches) spitz sollen ganz kreftig sein wider das zanweh, die bilderen oder zanfleisch damit gerieben. Forer fischb. 44a; die äschen heilet die bresten der zän und bildern. 135b; die gebein des genicks, der bieldern, der mandel. Paracelsus 1, 564a; die statt, da das aug anhaft, auch die ohren, auch die zän in den bieldern. 1, 579c; sein saft hat eine erstaunliche kraft, die geschwäre des munds und der bilderen zu heilen. Muralt eidg. s. 114. 381. 240; harte knochen oder bein, daran er (der alte hund) nagen musz, dasz im die bilder bluten, sind seine beste narung. Kirchhof wendunm. 55b.
Ohne d bei folgenden: mir ist der geschmack noch in den bilren beliben und hab den mit den zenen nit verloren. Wirsung Cal. Q 2a; das du mit deinen zanlosen bijlern die bainlin von disen hünlin wol abnagen mügest. S 3a; ich wil dieweil dise müselein brot mit mein bösen zanbijchlern aufarbeiten. S 4a; so das ein hund findet, der nach dem geschmack nagt, bisz im die büller (frühere ausg. werden wol bijler oder bilern lesen) seiner zän darvon blutig und wund werden. alte weisen 18b; nimb knoblauchsaft, reibe dem pferd die zen und biler wol darmit, es wirt stallen. Seutter 100; Galenus heiszt, man sol es (das schafhirn) mit hönig vermischen und der kinder bilern bestreichen, so gehen die zähne desto leichter auf. Hohberg 2, 300a; wann die pferd oft auf den billen, zahnfleisch und gaumen geschwollen sind und nicht recht fressen können, das kommt vom übrigen geblüt. 2, 202b; das hirn von schweinen den kindern an die zahnbillen gestrichen machet ihnen die zähnlein ohne sondere schmerzen aufgehen. 2, 314a; dies kraut befestiget auch die biller und zähne. Tabernaemont. 1217. ich will gleich das diminutiv beifügen: daher die teutschen hebammen noch recht thun, das sie den kindern die zung mit wein lösen und hernach allzeit die billerlein mit wein steifen, dann disz macht, das sie beim wein so beredt sein. Garg. 46a; so haben sie (die kindlein) grosz hitz vom zanwee, ehe sie auszanen, so musz man dann den kalk mit wein leschen, das macht die pillerlein steif. 112a; mein wolfszänlin, mein billersteiferlin! 131b; die in silber versetzte wolfszäne auch an den hals zu henken, auf das sie (die kinder) also darmit spielen und die zänpüllerlin damit reiben und wetzen. Sebiz 621.
Die schon 1, 1380 aus Agricola angeführte form beiler und die schreibung bijler bei Wirsung leitet auf ahd. pîlarn, dagegen das ll in billen und biller, billerlein auf pilarn und beides läszt sich mit der wurzel einigen, da nicht nur pîlan peil, sondern auch pëllan pal (1, 1451) galt, womit aber offenbar die bedeutung von findere, mordere, nicht die von latrare zu verbinden ist. pilarn oder pîlarn heiszt der zahn, der dens molaris, weil er haut und beiszt. durch dies subst. bestätigt sich also merkwürdiger weise die 1, 1399. 1451 erkannte verwandtschaft der wörter bellen und beiszen = findere, skr. bhil und bhid, von den zähnen selbst gieng aber die vorstellung unmittelbar über auf das zahnfleisch und den gaumen, welche mit beiszen, mit essen. die russ. desna, böhm. dasn, poln. dzisło fallen gerade so der skr. wurzel daṅ mordere anheim und begegnen dem skr. daana, dens. gerade so wird von hauen hauer, der zahn des ebers gebildet.
Heute ist uns dieses alte und bezeichnende wort ausgestorben und musz durch zahnfleisch umschrieben werden. in der bairischen volkssprache lebt noch bilern, zanbilern, bilerlein (Schm. 1, 168), schweiz. biler, biller, bildner, bilgern (Stald. 1, 171).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bilfinger, m. sextus digitus. es gibt geschlechter, in welchen zwölf finger und zwölf zehen erblich sind: membra animalibus agnata inutilia sunt, sicut sextus homini semper digitus. Plinius 11, 52. ein solcher finger scheint bilfinger zu

[Bd. 2, Sp. 26]


heiszen, wie in Schwaben ein geschlecht des namens Bilfinger vorkommt, dem sie eigen gewesen sein müssen. wie aber das wort zu deuten? vielleicht von billen hauen, weil man an den kindern den überflüssigen finger abzuhauen pflegte. auch die schreibung büllfinger begegnet.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bilge, f. den tuchscherern ein längliches holz, welches an die stange des liegers, d. i. der ruhenden klinge der tuchschere befestigt wird, um sie im gleichgewicht zu erhalten. scheint aus dem franz. bille, billette zu erklären.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bilgenschneider, m. ein gespenst, welches in den getraidefeldern seinem gange nach die ähren abschneidet. s. DWB bilberschnitt, DWB bilsenschnitt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bilger, m. peregrinus, Henisch 380, heute pilger, gekürzt aus bilgram, bilgrim, dem assimilierten fremden wort, vgl. franz. pelerin, it. pellegrino, mhd. bilgerîn, bilgerîm. Ben. 1, 125b. Keisersberg schreibt immer bilger, bei Luther ps. 39, 13 steht pilgerim, im vocab. ex quo (1469) bilgerim.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bilgerfart, f. Keisersb. bilg. 87c.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 41 bis 50 von 41 Nächste Treffer
41) zweiglein
 ... die spitzen an der buch und zweiglein an der tann D. v. d. Werder ras. Roland
 
Artikel 41 bis 50 von 41 Nächste Treffer