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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bildbar bis bilderanbetung (Bd. 2, Sp. 13 bis 16)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bildbar, quod fingi pingive potest, was gebildet werden kann.
 
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bildbarkeit, f. die bildbarkeit neuer wörter hängt nicht von einer nüchternen regel, sondern davon ab, dasz sie zur rechten stunde in gebrauch gekommen sind.
 
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bildblock, m. statua, cippus, was bildstock. Stieler 198.
 
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bildchen, n. imaguncula: ein metallenes bildchen. Lessing 8, 215; ein schönes zartes bildchen von siebenzehen jahren. ungr. Simplicissimus 82;

ein mädchen ist gewis
ein schönes zartes bildchen.
Göthe 10, 273;

sieh ich will dir gleich ein bildchen mahlen,
dich ein hübsches bildchen mahlen lehren. 2, 188.

der pl. lautet zuweilen bilderchen, wie eierchen, mäderchen.
 
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bilde, f. pl. bilden, jus, aequitas, gleichviel mit bill, was man sehe. häufiger erscheint das verneinende unbilde und unbill: dasz diese herren (die philosophen), welche gott, seele, welt und wie das alles heiszen mag, was niemand begreift, zu beherschen glauben, dennoch gegen die bilden und unbilden des gemeinsten tages nicht gerüstet sind. Göthe an Zelter 571.
 
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bildeln, pingendo, fingendo ludere: gott segne dich für deine freude an meiner künstelei, ich kanns nicht lassen, ich musz immer bildeln. Göthe an Lavater 112.
 
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bilden , effingere, formare, ahd. pilidôn, mhd. bilden, nnl. beelden, aus pilidi, bilde entspringend, sagt eigentlich aus, was schon in dessen grundlage, dem einfachen pillôn und billen enthalten war, und hat dazu beigetragen, dieses in vergessenheit zu bringen. nur lag in billen noch nicht die abstracte allgemeine bedeutung, die sich in bilden vorzugsweise entfaltet. aus manleika zeugte die goth. sprache kein verbum, wol aber aus frisahts gafrisahtjan ἐντυποῦν, gafrisahtnan μορφοῦσθαι.
1) sinnliches bilden ist, wie bild selbst, ursprünglich ein plastisches und geht auf alles kunstgemäsze: der töpfer bildet näpfe, der goldschmied becher und schalen, der becker bildet die brodleibe; da ich gebildet ward unten in der erden. ps. 139, 15; was wird denn helfen das bilde, das sein meister gebildet hat? Habac. 3, 18; nimmts und schnitzet und bildets nach seiner kunst meisterlich. weish. Sal. 13, 13; denn ein mensch hat sie (die götzen) gemacht, und der den odem von einem andern hat, hat sie gebildet. 15, 16; got hat geschöpft (geschaffen) den menschen, den er hat gebildet. Keisersb. s. d. m. 12b; was krümbst den leib vor eim irdischen gemäch (machwerk, opus manu factum), welches nach des schnitzlers gefallen gebildt ist? Fischart bienenk. 38a. hauptsächlich gilt bilden von dem behandeln des holzes, thones, steines zu einem kunstwerk, wenn der todten masse, wie jenem erdenklosz von dem schöpfer, leben und seele eingehaucht wird:

wenn das todte bildend zu beseelen
thatenvoll der genius entbrennt.
Schiller 72b;

ich erkenne dich bildender geist,
hast dein siegel in den stein geprägt.
Göthe 2, 177;

der weiche thon wird unter dem finger, das holz unter dem messer, der stein unter dem meiszel bildbar und gebildet:

[Bd. 2, Sp. 14]


nach ihren neigungen, meinungen und grillen soll sich der gebildete marmor sogleich wieder ummodeln. Göthe 20, 250. auf farbe, leinwand und pinsel ist dies bilden weniger gerecht, obschon der mahler ein bild und bildnis mahlt: wenn also nur die Italiener die schönheit mahlen und bilden können, sagt Winkelmann 3, 54, dem mahlen ein πλάσσειν bilden zur seite setzend. identischer stehn beide ausdrücke bei Göthe 2, 188:

hast du denn zum mahlen und zum bilden
alle lust auf ewig wol verloren?

und hernach folgt bilden ausdrücklich für mahlen:

zeichnete das allerliebste mädchen
und die wangen waren von der farbe,
wie das fingerchen, das sie gebildet. 2, 190;

es ist dieselbe (fahne), die du siegend schwangst,
die himmelskönigin ist drauf gebildet.
Schiller 476a;

höheres bildet
selber die kunst nicht, die göttlich geborne,
als die mutter mit ihrem sohne. 491b;

ein christ soll Christus bild beehren, wie er kan,
doch nicht das bild, nur den es bildet, beten an.
Butschky Patm. 36,

den es darstellt, vorstellt, abbildet. begreiflich entwickelte sich aus jenem künstlerischen bilden des holzes oder steins die allgemeine bedeutung des darstellens überhaupt: Lessing leugnet gebildete furien, hier ist eine! Lessing 8, 17; wie die alten den tod gebildet. 8, 210; dasz die alten nie eine furie und nie schwebende figuren ohne flügel gebildet haben. 8, 213; doch wie gesagt, die alten werden den schlaf öfters auch ohne flügel gebildet haben. 8, 229. die alten kunstwerke sind zwar meistens sculpturen, doch Lessing würde seine ansichten von dem tod und den furien auch durch alte mahlereien bestätigt oder widerlegt erkannt haben, und er meint unter bilden allgemein darstellen, in welchem sinn wir auch von bildenden künsten reden.
2) wie bild die wirkliche gestalt, drückt auch bilden natürliches gestalten, sich bilden wachsen und treiben aus: und bin ein fleisch gebildet zehen monden lang. weish. Sal. 7, 2; die thätigkeit der natur ist eine ewig schaffende und bildende; im ei bildet sich das junge vöglein, im samenkorn die pflanze; ihr gesicht, ihre hand ist schön gebildet; ihr busen bildet sich; ein sehr schöner, schlankgebildeter herr. Göthe 24, 316; die mägde sind meist schöne, stark und fein gebildete mädchen und geben einen begrif von der bildung des landvolks. 43, 74; edel gebildet, von erhabener statur, königlichem anstand. Schiller 1046;

werdend betrachte sie nun, wie nach und nach sich die pflanze
stufenweise geführt, bildet zu blüten und frucht.
Göthe 1, 326;

die lilie bildet einen hohen stengel, an dem die knospen hervorbrechen; am eis bilden sich strahlen und blumen; krystalle bilden sich, schieszen an, setzen an; als das chaos, das sonnensystem sich bildete; die wolken bilden sich am himmel; ein gewitter hat sich gebildet; die krankheit, die geschwulst, die blatter bildet sich.
3) der geist, die innere kraft bildet in sich, bildet, prägt sich ein, imprimit sibi. dies in sich bilden heiszt bei Luther ins herz, in die augen bilden: diese heilige, tröstliche, gnadenreiche wort gottes musz ein iglich christenmensch tief und wol zu herzen nemen und mit groszem dank in sich bilden. 1, 63b; denn ich kan des sacraments in der mess teglich nieszen, wann ich nur das testament, das ist die wort und gelübd Christi für mich bilde und meinen glauben darinnen weide und sterke. 1, 333b; wolt got, das wir das ins herz bildeten und darnach richteten. 4, 69a; darumb das exempel wol in die augen zu bilden. 4, 109a; es ist kein mensch auf erden so böse, er hat ja etwas an im, das man loben musz. was ist es denn, das man das gute aus den augen setzet und allein in die augen bildet und ansihet, wo er unrein ist. 5, 360b; es ligt aber daran, das man wol ins herz bilde, was gottes reich sei. 5, 424b; unter allen geboten gottes ist das höheste, das wir seinen lieben son, unsern herrn Jesum Christum sollen für uns bilden, der sol unsers herzen teglicher und fürnemster spiegel sein, darin wir sehen, wie lieb uns gott hat. 5, 487a; das wirs nicht so geringe achten, sondern lassen ernst sein und unser fahr stets für augen bilden. 5, 514b; also sol man auch diesen unsern herrn Christum ansehen und ins herz bilden. 6, 71b; darumb solten wir diese sprüche wol in uns bilden und drücken. 6, 183; darumb müssen wir nicht ansehen, wie ungerne wir sterben, sondern

[Bd. 2, Sp. 15]


dagegen die freud und lust ins herz bilden, so hernach folgen wird in jenem leben. 6, 234b; das ein fromm christenmensch einen spruch der schrift recht verstünd und in sich bildet. br. 1. 315. die zusammenstellung mit drücken zeigt, dasz von einem plasmare, formare, inprimere, eindrücken ausgegangen wird. wie aber Luther in die augen, sagt Göthe an den augen, das auge auf etwas bilden:

o wie bildet ich mich an deinen augen und suchte
dich im tiefen gedräng staunender hörer heraus. 1, 319;

dasz man seine werke, wenn man einmal das auge darauf gebildet hat, nicht verkennen wird. 27, 161.
4) nicht anders ist bilden, einbilden (w. m. s.) und dichten ein inneres gestalten. Klopstock nennt die nacht bildend, weil sie träume und phantasien eingibt und aufregt:

oder dich teuschte die bildende nacht! geöfnete gräber
sandten dir schwindel und todte. Mess. 6, 134;

kaum will mir die nacht noch frommen,
denn die träume selber kommen
nun in trauriger gestalt,
und ich fühle dieser schmerzen
still im herzen
heimlich bildende gewalt.
Göthe 1, 101.

der dichter sinnt und trachtet schaffend auszudrücken, was seinem geist phantasie und erfahrung zugeführt haben:

denkst du nun wieder zu bilden o freund? die schule der Griechen
blieb noch offen, das thor schlossen die jahre nicht zu. 1, 278.


5) den dichter und den mensch überhaupt bilden natur und kunst, die welt bildet ihn und wiederum er bildet die welt: werke, an denen sich die welt jahrtausende freuen und bilden kann. 27, 136;

es bildet ein talent sich in der stille,
sich ein charakter in dem strom der welt. 9, 113;

welche unendliche operationen natur und kunst machen müssen, bis ein gebildeter mensch dasteht. 20, 13;

aber wer fest auf dem sinne beharrt, der bildet die welt sich. 40, 337.

gebildet nennen wir die, deren natur und lebensart gefällige, wirksame leichtigkeit gewonnen hat oder zu besitzen scheint, und alles rohe, unbeholfene von sich ausstöszt;

seht nur hin, für gebildete welt
darf man nichts anders beginnen und schreiben. 4, 314;

diese liebe, diese treue, diese leidenschaft lebt, sie ist in ihrer gröszten reinheit unter der klasse von menschen, die wir ungebildet, die wir roh nennen. wir gebildeten — zu nichts verbildeten! 16, 120. die sprache, seine sprache bilden:

weil ein vers dir gelingt in einer gebildeten sprache,
die für dich dichtet und denkt, glaubst du schon dichter zu sein.
Schiller 92b.

vgl. ausbilden.
6) den schüler bildet der meister oder lehrer; ein guter meister bildet gute schüler; alle menschen, im umgang, bilden an einander; ein freund, der es zu deutlich merken läszt, dasz er an euch zu bilden gedenkt, erregt kein behagen, indessen eine frau, die euch bildet, indem sie euch zu verwöhnen scheint, wie ein himmlisches, freudebringendes wesen angebetet wird. 25, 15; Melina scherzte nicht ganz fein über Wilhelms pedantische ideale dieser art, über die anmaszung das publicum zu bilden, statt sich von ihm bilden zu lassen. 19, 254; sein zum wolwollen gebildetes herz verzehrt sich in nie befriedigten träumen. Schiller 762; wol discipliniert war seine kriegsmacht, in dem polnischen kriege zum siege gebildet. 921.
7) endlich leidet bilden, gleich formare, anwendung auf eine menge von sinnlichen und übersinnlichen vorstellungen, die sich ordnen oder entspringen: buchstaben, silben, wörter bilden; figuren, zahlen, reihen, glieder, absätze bilden; ein heer, die vorhut, mitte, den rechten flügel bilden; sätze, die den eingang, übergang, schlusz bilden; seine beweise in vollkommer schärfe bilden. Kant 8, 63; diese entschuldigung bildet den stärksten beweis gegen ihn; das werk wird drei theile bilden; diese heirat bildet das tagsgespräch.
 
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bilder, m. fictor, formator, ahd. pilidari:

des wappens nette schilder
loben den erfahrnen bilder.
Schiller 80;

sah ich nicht
zu dir, seinem bilder empor?
Schubart 1, 65;

und manches geschöpf suchte den bilder in seiner werkstatt irre zu machen. Göthe 26, 332. s. bildner.

[Bd. 2, Sp. 16]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bilder, bildern, s. bilern.
 
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bilderanbeter, m. imaginum adorator, bilderdiener.
 
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bilderanbetung, f. imaginum adoratio, bilderdienst.

 

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