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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bigendsweise bis bilde (Bd. 2, Sp. 8 bis 13)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bigendsweise, adv. per strata, schichtweise, von bige = beige (1, 1371), wie man scheiter schichtet: leg die zeine auf einem groszen glatten marmorstein also auf einander bigendsweis und creuzweis durch einander geschrenkt, wie die jungen knaben die meisenschläg von dem rohre des holunders machen. Thurneisser von wassern 51.
 
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bil, s. bill.
 
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bilberschnitt, m. s. bilsenschnitt und deutsche mythol. s. 444.
 
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bilbiz, s. bilwiz.
 
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bilch, bilchmaus, f. mus glis, ahd. pilih (Graff 3, 97), poln. pilch, böhm. plch, krain. polch, serb. puch m.
 
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bild , n. forma, exemplum, species, imago, bei Luther oft noch bilde im sg. und pl., doch hat der letztere auch schon bilder; ahd. piladi, pilidi (Graff 3, 97), mhd. bilde (Ben. 1, 120); alts. bilithi, fries. bilethe, nnl. beeld, schw. bild und beläte, norw. beläte, dän. billede. weder goth., noch ags. engl. und altn., denn das von Lye verzeichnete ags. bilið beruht auf falscher lesart, und bîldr forma, bîlæti effigies bei Biörn scheinen erst später in Island aus Norwegen oder Schweden her aufgebracht, die echten, altn. denkmäler wissen nichts davon, Schweden und Dänmark entnahmen das wort aus Deutschland.
Im kirchenstil und in der poesie sagen die Schweden beläte und Tegner reimt (Frithiofssaga 106)

om träbelätet (das holzbild),
som föll frn sätet.

bei beläte dachte Ihre an die partikel be und hielt dazu anlete, antlitz, die vorstellung facies läuft über in species, forma, auch gliche Otfrieds betontes bílidi seinem bítherbi, mhd. bíderbe, woraus wir mit zurückverlegtem ton bedérbe werden sahen. doch erscheint niemals mhd. beléde, nur bílde, und noch mehr sträubt das von lutti = goth. ludja ganz abstehende ahd. piladi pilodi pilidi sich gegen zersetzung in pi-ladi.
Richtiger anzunehmen ist pil-adi, und blosz um erklärung von pil kann sichs handeln. nun ist pillôn = piliôn (Graff 3, 95), mhd. billen (Ben. 1, 126), altn. bila, tundere, terebrare, subigere, polire, formare, folglich piladi bilidi das gestoszene,

[Bd. 2, Sp. 9]


gehauene, gemeiszelte, geknetete, gestaltete, geschaffene, wie aus τύπτειν τύπος, aus fingere figura und effigies, aus forare forma, aus sl. raziti percutere obraz '', litt. ábrozas sich ergibt. piliôn aber und bila musz verwandt sein mit pîlan peil findere (sp. 1451) und dem altn. bîldr scalpellum fügte sich jenes bîldr forma passend an, auf spitzes werkzeug weist auch schw. bill in plogbill vomer, und ags. bile rostrum, vgl. DWB billen, DWB bilern, DWB bill und DWB billig.
1) in bild liegt die vorstellung eines unter der schaffenden, gestaltenden, knetenden, stoszenden, schnitzenden, hauenden, gieszenden hand hervorgegangnen werks. der schöpfer, meister, figulus hat es nach etwas anderm, das schon da ist, gemacht, und über dem bild schwebt dieses urbild: hier schwindet, wie Klopstock sagt, das bild vor dem urbild. bild aber geht fort auf bild, es ist abbild, ebenbild, nachbild, vorbild, εἰκών von ἔοικα, imago, similitudo, forma, exemplum, gleichnis, beispiel. mhd. sagte man: 'sîn nie kein bilde wart', seines gleichen kam nie vor:

sîn (seines hochmuts) nie kein bilde wart. krone 10774;

wart des ie kein bilde (sieht es danach aus),
daʒ dîn muot ze riwe stât. Greg. 2814;

esn wurde nie kein bilde (desgleichen gebe es nicht),
beginnet maneger sprechen. Parz. 238, 18.


2) bild ist vorzugsweise menschenbild, und bezeichnend hiesz die εἰκών goth. manleika, ags. manlîca, ahd. manalîcho, ein gleichnis des menschen, was seiner gestalt gleich kommt: τίνος ἡ εἰκὼν καὶ ἡ ἐπιγραφή; hvis ist sa manleika jah sô ufarmêleins? Matth. 22, 20. Marc. 12, 16;

wes bilde ist hie ergraben?
Walther 11, 25;

wes ist das bild und gepräg?
Schiller 328a;

sie haben ihre götter nirgends einschlieszen oder mit menschenbilden formieren wollen (nec cohibere parietibus deos, neque in ullam humani oris speciem assimilare). Micrälius 1, 41. im engern sinne meint bild, wie imago und effigies, die darstellung des gesichts oder antlitzes: ich sah dein bild beim künstler, es wird sehr ähnlich, vornen am buche steht des dichters wol getroffenes bild; der entronnene missethäter soll im bild, in effigie aufgehängt werden.
3) bild war anfänglich, was man sich immer unter billen zu denken habe, ein plastisches kunstwerk, und erst nachher wurde der name auf die flache, nicht vortretende zeichnung, auf das gemählde erstreckt. wir lassen auch den weber bilder in sein tuch wirken, und haben bilder, figuren in büchern oder im kartenspiel, dennoch bleibt uns bild und bildwerk vorzugsweise statua, standbild, ἄγαλμα, der bildner ein bildhauer, modellierer. der weber und mahler entwerfen ihre bilder. nach dem modell wird das bildwerk geformt oder gegossen, mit dem stempel das bild der münze gestampft: wenn einer falsche münz hat, ein falschen pfennig, ... es ist nichts werth, wann er hat nit das bild und den stampf der warheit, sunder der falscheit. Keisersb. s. d. m. 25a. in der bibel ist häufig die rede von götzenbildern, die göttlich verehrte wesen darstellten: ir solt euch keinen götzen machen noch bilde. 3 Mos. 26, 1; und solt alle ire seulen und alle ire gegossenen bilder umbringen. 4 Mos. 33, 52; verflucht sei wer ein götzen oder gegossen bild macht. 5 Mos. 27, 15; da nam seine mutter zwei hundert silberling und that sie zu dem goldschmied, der macht ir ein bilde und abgott. richt. 17, 4; und die haine und götzen und bilder zubrach er. 2 chron. 34, 4; und da er die altar und haine abgebrochen und die götzen klein zermalmet und alle bilder abgehawen hatte im ganzen lande Israel, kam er wider gen Jerusalem. 34, 7; der meister geuszt wol ein bilde. 40, 19; bilde stürmen, kirchen brechen. Luther 3, 36b meint zumal bildseulen, die in den kirchen aufgestellt waren, im gedicht von dem mahler zu Würzburg (fastn. sp. 1181. 1182) heiszen die geschnitzten und angemahlten götzen bilde und stehn in der reihe an einer wand;

gleichwie von marmor glat drei bilder mangellos.
Weckherlin 743;

du siehst so ernst geliebter, deinem bilde
von marmor hier möcht ich dich wol vergleichen.
Göthe 2, 6;

die kraft die in des ringers muskel schwillt,
musz in des gottes schönheit lieblich schweigen,
das staunen seiner zeit, das stolze Jovisbild
im tempel zu Olympia sich neigen.
Schiller 24b;

wo (in der rotonde) ein verschleiert bild von riesengrösze
dem jüngling in die augen fiel. 70b.

es könnte wol sein, dasz von dem anmahlen der bildseulen

[Bd. 2, Sp. 10]


auf den bildner der name mahler übergegangen und dann umgedreht dem eigentlichen mahler auf wand oder auf leinwand der name des bildners geblieben wäre, so natürlich es übrigens auch ist, das zeichnen oder den entwurf des gemähldes ein bilden zu nennen. bild für gemählde erscheint darum häufig: freunde in der not sind bilder an der wand (d. h. sie hängen oder stehn da gemahlt, ohne sich zu rühren). Butschky Patm. 61 und 311;

ein kluger mahler zu Athen
liesz einen kenner einst den Mars im bilde sehn.
Gellert 1, 135;

wir mahler rechnen darauf, dasz das fertige bild den liebhaber noch eben so warm findet, als warm er es bestellte. Lessing 2, 118;

das ist ihr irdisch nachgeahmtes bild (auf der fahne),
sie selber wandelt in des himmels chören.
Schiller 476a;

ich sehe dich in tausend bildern,
Maria, lieblich ausgedrückt,
doch keins von allen kann dich schildern,
wie meine seele dich erblickt.
Novalis 2, 43;

dasz ich ganz entzückt und neugeboren
bald den mahler, bald das bild betrachte.
Göthe 2, 189;

er habe das bild heimlich gemahlt und als ein geschenk zusammengerollt unter das bett geschoben. 27, 133.
4) das bild, obschon selbst todt und stumm, bringt den schein des lebens hervor, und man sagt, dasz es lebe, lebendig sei. um so mehr konnte der ausdruck angewandt werden auf die wirkliche wiederholung, wie sie in der natur durch zeugung oder abspiegelung stattfindet, da wo von gar keinem kunstwerk die rede ist: das kind ist ein bild, ebenbild des vaters, groszvaters; die tochter ein bild ihrer mutter, der mensch ein bild gottes, eines engels, ein göttliches, englisches bild; und gott sprach, laszt uns menschen machen, ein bild das uns gleich sei. 1 Mos. 1, 26; und gott schuf den menschen im zum bilde, zum bilde gottes schuf er in. 1, 27;

find ich so den menschen wieder,
dem wir unser bild geliehn,
dessen schöngestalte glieder
droben im Olympus blühn?
Schiller 55b;

hier sitz ich, forme menschen
nach meinem bilde,
ein geschlecht, das mir gleich sei,
zu leiden, zu weinen,
zu genieszen und zu freuen sich,
und dein (Zeus) nicht zu achten,
wie ich.
Göthe 2, 81.

gott tritt als bildner auf, die heilige schrift legt ihm πλάσσειν bei: καὶ ἔπλασεν ὁ θεὸς τὸν ἄνθρωπον, und πλάσμα ist bild, bildwerk. auch im spiegel und im wasser erscheinen abbilder der gestalten und des ufers:

eilig rauschend indes verzog die schwankende fläche
stets das bewegliche bild.
Göthe 2, 137;

die ganze gestalt schwankt vor meinen augen, wie ein bild auf dem bewegten wasser. 3, 9.
5) bild ist die lebende gestalt, figura, persona selbst: und Adam zeuget einen son der seinem bilde ehnlich war. 1 Mos. 5, 3. mannsbild, weibsbild, frauenbild drücken aus mann, weib, frau, mhd.:

in eins alden mannes bilde. Crescentia 143, 1;

nie schœner mannes bilde wart. Parz. 497, 29;

wîbes bilde zuo zim dranc. MS. 1, 37a;

ich hât ein schœneʒ bilde erkorn.
Walth. 67, 33.

nhd. dreimal im jare sollen erscheinen fur dem herrn alle deine mansbilde. 2 Mos. 23, 16; von fünf jaren bis auf zwenzig jar soltu in schetzen auf zwenzig sekel, wenns ein mansbilde ist, ein weibsbilde aber auf zehen sekel. 3 Mos. 27, 5; ein arm schwach frouwenbild. Keisersb. bilg. 88b; ein sichtbarlich bilde. Mich. Neander menschensp. 2; sie fiengen einen harten streit an, also dasz das jungfräuliche bild (die jungfrau) auf der walstat tod blieb. buch der liebe 395, 1; dasz ein weibliches bild sich des unterstehe. 395, 1; dasz wir das weiblich bild ihres lebens beraubten. 87, 1;

ich hört ein fräulein klagen,
fürwar ein weiblichs bild.
Uhland 185;

kein antwort gab das weiblich bild.
H. Sachs I, 103b;

weist du nit, das junkfrewlich bild
in lieb ist allzeit rauch und wild? I, 436b;

alle mansbilde mit zu fliehen. I, 153d;

eigenschaften, welche ein fräulich bild zieren. Schuppius 462; denn sie war in wahrheit ein ungemein schönes bild, und

[Bd. 2, Sp. 11]


mit recht eine von den allerschönsten frauen in ganz Holland zu nennen. Felsenb. 3, 143; wenn ich nicht mir ein überaus schönes bild zur künftigen gattin auserwählt. 3, 331. so nennt Pindar (Nem. 2, 21) den menschen χώρας ἄγαλμα. diesen edlen ausdruck mannsbild, weibsbild haben wir heute gemein werden lassen. ein hausvater wird vielleicht sagen: ich leide nicht dasz meine mägde mit mannsbildern umgehn, aber dem wort für den umgang seiner töchter ausweichen und vorziehen männer oder mannsleute. mannsbild hat den nebensinn des rohen, bäurischen, weibsbild des leichtfertigen; die steiferen benennungen mannsperson, weibsperson, frauensperson (vgl. DWB mannsname, DWB frauenname, DWB frauenzimmer, mannsvolk, frauenvolk) gelten für die anständigsten; unterm volk besteht aber noch unverächtlich ein schönes mannsbild, weibsbild für mann und weib. doch in der poesie hat sich frauenbild behauptet, und ebenwol bleibt die umstellung bild eines mannes, weibes edel und zulässig, so wie bild neben adjectiven und genitiven:

da hetten schöner bilder zwei
ir hochzeit in dem grönen mei.
Scheit grob. N 4a;

was solt er thn, er setzt sich nider
zwischen zwei allerschönste bild. N 4b;

für allen dingen
mir freud thut bringen
ein holdseliges bilde.
Hoffm. ges. lied. s. 64;

was werden sie mir erjagen?
ein edles bild von tugend mild. s. 186;

da schwebte mit den wolken her getragen
ein göttlich weib vor meinen augen hin,
kein schöner bild sah ich in meinem leben,
sie sah mich an und blieb verweilend schweben.
Göthe 1, 4;

ob sie nicht etwa das bild des bezeichneten mädchens erblickten. 40, 286;

sie erblickten das bild der schön erwachsenen jungfrau. 40, 294,

d. h. sie selber; kam sie vor den spiegel, pfui teufel, sagte sie, und wendete das gesicht ab, die leibhafte frau Melina! das garstige bild! man siehet doch ganz niederträchtig aus. 20, 229; mit den letzten worten war er vor dem schönen bilde niedergesunken. Tieck ges. nov. 4, 225; das ist ein bild von einem mädchen, ein wahres bild von einem mädchen, ein bildschönes mädchen. in solchen ausdrücken wird die wirklichkeit, die natur, der sich sonst das bild nur nähern kann, selbst einem bilde verglichen.
6) mit diesem bild pflegen sich auch abstracte genitive zu verbinden: sie ist ein bild der anmut, der unschuld, anmut, unschuld sprechen oder drücken sich auf ihr aus; diese stube ist ein bild der ruhe, der stille; dies haus ein rechtes bild des friedens; der mann war ein bild des jammers, des unbeschreiblichsten elends; als wir eintraten, sahen wir ein bild der verwirrung; ein vollkommnes bild der tugend. Felsenb. 1, 382;

schütte die blumen nur her, zu meinen füszen und deinen!
welch ein chaotisches bild holder verwirrung du streust.
Göthe 1, 304.

man vgl. die zusammensetzungen anmutsbild, friedensbild, gnadenbild u. s. w. und hernach 10.
7) zuweilen bezeichnet bild, wie das lat. species, den teuschenden, triegenden schein (vgl. scheinbild):

er zeucht kein falsches bild (keine larve)
für sein gesichte her, er redet was er denket,
und denket was er redt.
Opitz 1, 64;

es verstellete sich ein teufel in das bild einer schönen frauen. pers. baumg. 3, 21; der idiot ist ein bloszes bild eines menschen ohne hirn. Butschky Patm. 288;

jahre lang mag, jahrhunderte lang die mumie dauern,
mag das trügende bild lebender fülle bestehn.
Schiller 76b;

dasz das nur noch blosz der schein und das bild der aufklärung, das, wegen der strahlenbrechung, allzeit eher da ist, als sie selbst. J. Paul teufelsp. 1, 4. was buckest oder neigst du dich vor dem falschen schein der bilder? sagt Fischart bienenk. 38a. in den weidsprüchen unter 61 steht bild, aber mit dem pl. bilden für bilde oder bilder, ganz in der bedeutung von schatten:

sag an, mein lieber weidmann,
was rührt den edlen hirsch weder oben noch unten an?
der athem und die bilden sein
rühren den edlen hirsch weder oben noch unten fein;

verglichen mit 162, wo es heiszt:

[Bd. 2, Sp. 12]


der helle morgenstern, der schatten und der athem sein
geht vor dem edlen hirsch von felde gen holze ein.


8) das bild kann eine sache sein, die der andern zum symbol, zum zeichen dient, ein denkbild, sinnbild. so ist der laubast ein bild der übergabe, der gürtel bild der entsagung, der hut bild der freiheit, das aufgesteckte band bild, zeichen der genossenschaft, des bundes. hiermit verwirft er und hebt auf alle opfer des alten testaments, welche sind bilder und figur gewesen dieser dankopfer und haben beide von frommen und bösen geschehen mögen. Luther 5, 65b;

erst nach mancherlei proben und prüfungen ward ihm enthüllet,
was der geheiligte kreis seltsam in bildern verbarg.
Göthe 1, 276.


9) das bild ist ein vorbild, typus, beispiel, nach dem man sich richten, eine lehre, der man folgen soll. die bedeutung von beispiel wurde 1, 1395 erörtert, die goth. sprache besitzt dafür ein eignes wort frisahts, zusammengesetzt mit der partikel fri = litt. pri, sl. pri, poln. przy und sakan weisen, ὑποτύπωσις, ὑπόδειγμα, αἴνιγμα. in einer merkwürdigen stelle wird es von manleika unterschieden: jah svasvê bêrum manleikan þis airþeinins, sva bairaima jah frisaht þis himinakundins, καὶ καθὼς ἐφορέσαμεν τὴν εἰκόνα τοῦ χοϊκοῦ, φορέσωμεν καὶ τὴν εἰκόνα τοῦ ἐπουρανίου. 1 Cor. 15, 49. εἰκών, wofür er das erstemal manleika gesetzt hatte, nahm der Gothe bedenken auch das anderemal so zu geben und verdeutschte das himmlische bild durch frisahts, dessen er auch 2 Cor. 3, 18. 4, 5 sich bedient. εἰκών konnte beide bilder, das leibliche und das geistige ausdrücken, nicht manleika.
Wie wir heute sagen, davon nimm dir ein beispiel, das lasz dir eine lehre sein, ich will dir ein beispiel geben, hiesz es ehmals ein bilde nemen und geben, die thierfabel reichte solche bilder in menge dar:

nu vernement fremdiu mære
von einem tiere wilde,
dâ man bî mac bilde
nemen umbe manegiu dinc. Reinh. 4;

dâ bî ein tumber bilde nimet. Winsb. 60, 3;

dâ nemen die vürsten bilde bî,
wie stæte ir lop nâch tôde sî.
Freidank 148, 24;

er mac uns guotiu bilde geben
und bœsiu bilde dâ zuo. 149, 20.

beide letztere stellen sind in Brants Freidank beibehalten. grosze weisheit in bilden von thierlein fürstellen. Schuppius 831.
10) am allerhäufigsten ist bild eine blosze vorstellung, ἰδέα, die wir uns in gedanken machen, die wir uns einbilden (figurare, fingere, imaginari), in ein gewand oder gleichnis kleiden. er redet im bilde, figürlich, tropisch; er redet ohne bild, er gibt seine gedanken nackt und baar, uneingehüllt; er kann sich ein bild, er kann sich kein bild von der sache machen; er entfaltet sie in bildern, drängt sie zusammen in ein bild. die einbildungskraft soll das manigfaltige der anschauung in ein bild bringen. Kant 2, 654; das sei kurz von den bilden oder gleichnissen gesagt, die s. Paulus füret, den einfeltigen einzubilden, das sie sich nicht lassen irren. Luther 6, 260; wie wir doch müssen alle ding, die wir nicht kennen und wissen, durch bilde fassen. 6, 78a. das bild erscheint bald als eine sammlung der gedanken, bald eine leiter, auf der sie noch höher steigen.
In den bildlichen vorstellungen liegt
a) vergleichung: ist nicht die lilie das bild der unschuld? Göthe 20, 267;

du (lilie) bist mir zwar ein schönes bild
von mancher jungfrau rein und mild,
doch weisz ich noch was liebers. 1, 191;

dies röschen, in der knospe noch verhüllt,
der unschuld deines alters bild.
Gotter 1, 182;

du blaue viole, du bild des weisen (vgl. 6), du stehest bescheiden im niedrigen grase. Geszner.
b) erinnerung:

ausgestorben trauert das gefilde,
keine gottheit zeigt sich meinem blick'
ach von jenem lebenswarmen bilde
blieb der schatten nur zurück.
Schiller 22a;

aus den kränzen schau ich nieder,
alles was der tod mir raubte,
seh ich hier im bilde wieder,
bin so glücklich als ich war.
Göthe 1, 56;

[Bd. 2, Sp. 13]



im felde schleich ich still und wild,
gespannt mein feuerrohr,
da schwebt so licht dein liebes bild,
dein süszes bild mir vor. 1, 110;

und wie sasz ich beschämt, dasz reden feindlicher menschen
dieses liebliche bild mir zu beflecken vermocht. 1, 268;

o macht mich, ihr götter,
blind und verwischet das bild jeder erinnrung in mir. 1, 302;

aber ich hofte mein bild noch fest in des freundes erinnrung
eingeschrieben, und noch schön durch die liebe verklärt. 1, 315;

auch die traurigen bilder der zeit, sie führ ich vorüber. 1, 331;

jeder wird sich glücklich scheinen
wenn mein bild vor ihm erscheint,
eine thräne wird er weinen
und ich weisz nicht was er weint. 2, 121;

bilder der phantasie, welche, wie vom dufte der vorzeit umflossen, auf uns gekommen sind. Humboldt kosm. 1, 5.
c) zukunft: bilder der hofnung, drohende schreckbilder; er machte sich ein bild von dem erwarteten ereignis und mahlte es furchtbar aus; alle seine frohen bilder sind ihm zerstört worden. vgl. denkbild, erzbild, gaukelbild, götzenbild, lehrbild, lichtbild, schattenbild, scheinbild, sinnbild, standbild, sternbild, wolkenbild, urbild, weichbild, zauberbild.
 
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bildbar, quod fingi pingive potest, was gebildet werden kann.
 
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bildbarkeit, f. die bildbarkeit neuer wörter hängt nicht von einer nüchternen regel, sondern davon ab, dasz sie zur rechten stunde in gebrauch gekommen sind.
 
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bildblock, m. statua, cippus, was bildstock. Stieler 198.
 
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bildchen, n. imaguncula: ein metallenes bildchen. Lessing 8, 215; ein schönes zartes bildchen von siebenzehen jahren. ungr. Simplicissimus 82;

ein mädchen ist gewis
ein schönes zartes bildchen.
Göthe 10, 273;

sieh ich will dir gleich ein bildchen mahlen,
dich ein hübsches bildchen mahlen lehren. 2, 188.

der pl. lautet zuweilen bilderchen, wie eierchen, mäderchen.
 
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bilde, f. pl. bilden, jus, aequitas, gleichviel mit bill, was man sehe. häufiger erscheint das verneinende unbilde und unbill: dasz diese herren (die philosophen), welche gott, seele, welt und wie das alles heiszen mag, was niemand begreift, zu beherschen glauben, dennoch gegen die bilden und unbilden des gemeinsten tages nicht gerüstet sind. Göthe an Zelter 571.

 

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41) zweiglein
 ... die spitzen an der buch und zweiglein an der tann D. v. d. Werder ras. Roland
 
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