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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bienfasz bis bierbank (Bd. 1, Sp. 1821 bis 1823)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bienfasz, n. vas apium, bienenkorb. Alberus: wann es wechst, so hengts im bienfasz wie ein spinneweb.
 
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bienfund, m. inventio apium silvestrium. weisth. 1, 777. 815. bienfont 2, 251. in den altschwed. gesetzen koppofundr.
 
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bienicht, apianus: bienichte kräuter, herbae quae apibus placent; bienichter geruch, odor mellitus.
 
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bienlein, n. apicula, bienchen, schweiz. bili, beili. Stalder 2, 497:

gleichwie der bluomen, die wol rücht,
darusz das bîlin honig zücht. fastn. sp. 898, 2;

das ergetzt die augen und macht die binlein desto lieber drein kommen. bienenk. 236a;

ein honig ist der schlaf, als diesen honig asz,
geschahs, dasz was, ich gläub ein bienlein etwa sasz
auf Libitilla haut.
Logau 1, 7, 40;

Phyllis schlief, ein bienlein kam,
sasz auf ihren mund und nam
honig oder was es war. 2, 3, 83;

die bienlein umsummen den blühenden baum.
Hölty.


 
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biensauge, f. die alte bessere form für bienensaug: melissen oder melissenkraut heiszet auch honigblum, immenblat, biensauge und mutterkraut. Hohberg 3, 555a.
 
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bier, f. pirum, mhd. bir, häufige schreibung des 16 jh., heute birne, wo belegstellen vorkommen.
 
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bier, n. cervisia, ein wort recht gemacht, um unterschiede der völker und stämme zu lehren. der goth. form, wenn sie überhaupt schon bestand, entrathen wir ganz, dem ahd. pior, bior (Graff 3, 206) entspricht mhd. nhd. nnl. bier, fries. biar, bier, ags. beor, engl. beer, altn. bior. neben ihm gilt aber ein andrer ausdruck ags. ealo (gen. ealeves) und ealoð, engl. ale, alts. alo (aus alofat Hel. 61, 8 zu folgern), altn. öl = alu, dat. ölvi, schw. dän. öl, so dasz bei den Hochdeutschen kein alo, bei Schweden und Dänen kein bier erscheint. wichtig ist es aber in England wie im alten norden beide benennungen zusammen anzutreffen, die edda sagt Alvism. 35:

öl heitir með mönnom en með âsom bior,
öl heiszts bei männern aber bei asen bior,

woraus nicht auf bestimmte stämme geschlossen werden darf; Hŷmisqv. 8 läszt sich der riese brûnhvît biörveig auftragen, Völuspâ 43 wird biorsalr, Oegisdr. 18 biorreifr gesagt, öfter aber öl für trinkgelag, ölr, ölteitr, ölreifr für trunken, ölskâl, ölkrâs für becher; in den ags. gedichten steht beorsele Cœdm. 214, 2, beorþegu Andr. 1533, beore druncen Beov. 955, beorhyrde cod. exon. 297, 28, on beore 330, 14, ealu scerven Beov. 1539, ealovæge Beov. 956. 985. 4038, ealogâl Cœdm. 145, 19, ealovose cod. exon. 330, 10. die Angelsachsen müssen schon beide wörter aus dem festen lande mitgebracht und in Scandinavien beide nebeneinander gegolten haben, bis zuletzt beor dort ausstarb.
Aus Deutschland verbreitete sich die benennung bière nach Frankreich, birra nach Italien, und franz. cervoise, it. cervogia bestanden daneben fort, in Spanien cerveza allein; das armor. biorc'h, gal. beoir scheinen aus England eingeführt. ealo und öl aber begegnen im litt. alus, lett. allus, est. öllot, finn. olut, lapp. vuol, haben also rings den äuszersten norden eingenommen; das auslautende t in olut vergleicht sich jenem ags. ealoð. zwischen beide, alu und bior, tritt nun bei sämmtlichen Slaven die einstimmige benennung pivo n. und erscheint zugleich im litt. pywas, neben alus, dergestalt, dasz alus mehr den haustrunk, pywas das stärker gebraute getränk bezeichnet, gerade wie auch in England beer für stärker gilt als ale.
Diese beiden, pywas und pivo, reihen sich an das gr. πῖνον und alle können die wurzel piti und πίνειν, πιεῖν nicht verleugnen; ihnen auch unser bier unmittelbar beizugesellen, hindern dessen an- und auslaut. ags. bere, goth. baris hordeum, d. i. lat. far, farris oder gr. πυρός waize, haben nichts bei dem wort zu schaffen. man würde wagen, für bior beor bier beer ein goth. bius, nach analogie von dius tior deor tier deer zu vermuten und dadurch aufklärung des dunkeln bausen, buisen potare (sp. 1200) heranzuführen (vgl. bierbause); doch eine solche goth. form müste erst gesichert dastehen. stärkere gründe rathen die verwandtschaft zwischen pivo und bier zu behaupten und gerade zu ihren gunsten den schon sp. 1052 berührten verhalt des lat. bibere zu πιεῖν und piti anzuschlagen. bibere, und nicht anders die romanischen bere bever boire haben B statt des P im skr. pâ, gr. πίνειν, sl. piti, während poculum, potus, potare das P von ποτήριον, πότος bekennen; hier müssen formen verschiedner sprachabstufungen zusammenflieszen. wenn nun schein gewinnt, dasz unser bior, bier gleich jenem

[Bd. 1, Sp. 1822]


bere und boire aus dem lat. infinitiv bibere gebildet wurde, so bestärkt eben sein B diese abkunft am sichtlichsten. stellen, die Ducange 1, 671 unter biberis beibringt, zeigen, dasz man frühe im mittelalter bibere substantivisch oder ein subst. biberis für potio verwandte, z. b. Benedicts regel cap. 35 (Hattemer s. 85) gewährt singulos biberis (biberes) et panem, was Kero durch einluzziu trinchan, gerade mit dem inf. verdeutscht. so konnte leicht seit der näheren berührung der Deutschen mit den Römern schon in den ersten jahrhunderten unsrer zeitrechnung aus bibere ein subst. biber, biver, das sich in bior, bier abschlif, eingeführt werden und sein sonst unerklärbares R wäre das älteste beispiel eines in die deutsche wortform gezogenen infinitivischen R, deren wir später so viel aus dem romanischen holten. die Slaven erzeugten ihr neutrum pivo sprachgemäszer. man vgl. auch in gr. wörterbüchern βρῦτον, κόρμα, κοῦρμι.
Was alu und ealu angeht, so wird es gleichfalls, wegen der ähnlichkeit des biers und öls, aus oleo, oleum und oliva herzuleiten und namentlich das in ealeves, ölvi vortretende V aus dem in oliva zu erklären sein; dasz ein goth. alêv oleum bestand, ein ags. ele oleum von ealo cerevisia, ein litt. alèjus oleum von alus verschieden war, verschlägt nichts. in allen diesen wörtern müssen fremde, unsern vorfahren mit der sache von ihren nachbarn zugeführte benennungen anerkannt werden, die sie dann wiederum, in deutschem gepräge, andern nachbarn überlieferten; ein echtdeutscher ausdruck für zubereitetes getränk war goth. leiþus, ahd. lîd poculum, das noch heute im südlichen Deutschland lebt. eine zahllose menge einzelner benennungen und gleichsam eigennamen für die an jedem ort gebrauten bierarten ist späterhin entsprungen, die nicht vom wörterbuch aufzunehmen sind, sondern in die geschichte der besonderen landstriche oder in eine sammlung der sitten und gebräuche des volks gehören, vgl. Garg. 59a.b. Stieler 146.
Man unterscheidet altes und neues bier, gutes, starkes, süszes, bitteres, saueres, braunes, rothes und weiszes, helles, klares, dickes, fettes, feisztes und dünnes, halbes, doppeltes; Fischart sagt, ein weinmäszig, wolgebrawet, glitzend, schmutzig, dunkel, dick, kleberig, woldewig, augenblendig bier:

und hüet euch vor dem neuen pier. fastn. sp. 313, 4;

nu trank ich an einem neuen pier. 756, 25;

die frauen lieber helsen dan spinnen,
und lieber wein trinken dan saurs bier. 316, 24;

rots und auch weiszes bier.
Ayrer fastn. sp. 78b;

es heiszt bier brauen, bier fassen, füllen, zapfen, schenken, ausbieten; zu bier gehen, beim bier sitzen; es war gut bier, aber der zapfen ist ab; das bier schmeckt gern nach dem fasz; das bier geht ab, verschlägt, cerevisia fugit. Henisch 372; biere, die viel gähren, haben viel hefen; er bietet es aus wie sauer bier. oft werden wein und bier, brot und bier, bier und taback verbunden: bier und wein folgt dem zapfen;

so trink ich lieber wein denn pier. fastn. sp. 736, 17;

ich gewinn euch pier und prot,
davon werden euch die wenglein rot. 617, 10;

treue gibt bier und brot,
untreu gibt angst und noth;
wer sitzt beim bier und kalten wein,
der lasz die metz ein metze sein;
wie man bei bier und tabak über besiegte sich hebt.
Göthe 1, 408.

ein starkes bier, ein beizender toback. 12, 49;

redensarten: und sie handeln auch so mit blödem, verzagtem gewissen, das mich dünkt, sie wolten, es were das bier wider im fasse, und hetten sie es nicht angefangen, halt ich, sie soltens nu wol lassen anstehen. Luther 3, 338b; ich gleube sicher, were das bier wider im fasse, sie lieszens jetzt wol anstehen. 5, 23a. br. 4, 25; ich spreche aber zu im (dem legaten), sie haben dir dein mutter zum bier geführt, du onmechtiger plauderer, denn damit richtestu nichts aus. 4, 440b; dem bier ist recht geben, wer schade, das ers besser haben solt. 6, 10b; was ein landfarer gewesen und mit dem lotterholz umbgelaufen, da sasz er z bier. Eulensp. cap. 66;

die stube kalt, das bier warm,
das ist ein wirt, dasz gott erbarm;
es ist kein man, der nicht gern schlempt,
und die schnauzn im bier schwempt.
Greg. Wagner com. untreu sein eigen herrn schlecht. 1547. act 2 sc. 1.

je toller das bier gebrauet wurde, je besser es mir schmeckte. Simpl. 2, 168; ich meinet, wann du einem in ein bier sehest, du solst es sauer machen. Ayrer proc. 2, 6. s. afterbier,

[Bd. 1, Sp. 1823]


dorfbier, erntebier, hausbier, kindelbier, klebebier, klosterbier, lagerbier, merzbier, mittelbier, nachbier, pechbier, pfingstbier, sommerbier, stadtbier u. s. w. statt jener losen adj. auch zusammengesetzt dünnbier, braunbier, warmbier u. s. w.
 
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bieramsel, f. potator, zechbruder: darnach sollte etwa eine volle bieramsel aus eim kruge daher laufen. Luther 5, 493a; krebser, böttner, angelfischer, halbbeseichte bieramseln, scherenschleifer. Fischart groszm. 94; ein bieramsel oder weindrossel, wird rasend, taub, blind, stammert, und ist nicht ein glied an seinem leibe, das er recht brauchen kann. Eibenius fastnachtgespräch. Erfurt 1582. s. bierfinke, bierholer.
 
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bierbalger, m. der bierbalger will an dem armen bier ein eer einlegen. Frank trunkenh. H 2b.
 
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bierbamscher, bierbantscher, m. bibax.
 
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bierbank, f. es wird auf allen bierbänken davon gesprochen; er liegt auf der bierbank.

 

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