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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
biene bis bienenbrut (Bd. 1, Sp. 1816 bis 1818)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) biene, f. apis, anderwärts beie sp. 1367, wo die älteren und urverwandten formen angeführt sind. so schön ihrer aller zurückführung auf den skr. madhupa, honigtrinker, und die wurzeltrinken ist, kann ihr doch wol die oben versuchte auf den skr. madhukara, honigmacher, von der wurzel bauen den rang ablaufen. den vocallaut A setzte in beiden fällen eine oft wirksame ursache in I oder U um, das erste wort der zusammensetzung madhu, d. i. meth, honig schien entbehrlich und die bezeichnung des trinkenden oder bauenden thiers hinreichend. ein insect, dessen kunstfertigkeit und geordneter haushalt,

[Bd. 1, Sp. 1817]


neben dem der ameisen, bewunderung rege macht, hat noch stärkeren anspruch als der biber auf einen bedeutsamen namen, den der sprachgeist unmittelbar aus der vorstellung des bauens schöpfte. wie dem biber wird der biene und ameise eine burg beigelegt, und gleich den menschen halten diese thierchen für nöthig sich einen herrn zu setzen, der über sie gebiete. die bienen schaffen aber und bauen, wirken in ihrem bau den süszen honig, nach welchem andere völker sie benennen.
Unsere heutige form biene steht fest seit Luther, nur dasz er, wie auch an andern wörtern, im sg. dem obliquen casus en läszt: denn zu der zeit wird der herr zischen der fliegen am ende der wasser in Egypten und der bienen im lande Assur, das sie komen und alle sich legen an die trocken beche. Es. 7, 18; da zogen die Amoriter aus euch entgegen und jagten euch wie die bienen thun. 5 Mos. 1, 44; sie umbgeben mich wie die bienen. ps. 118, 12; die biene ist ein kleines vögelein und gibt doch die allersüszeste frucht. Sir. 11, 3; so auch hernach andere, z. b.

dasz feister ochsen asz das feld mit bienen füllet.
Opitz 1, 46 (vgl. myth. 659);

da geht er ferner auch zu seinen bienen hin,
schawt wie zwei grimme heer oft an einander ziehn
und umb des nachbars klee sich bei den stöcken zanken. 1, 141;

nur das zu samlen ein, darvon die biene liest.
Fleming 637;

nun biene, sprach die träge henne.
Gellert 1, 94;

nur die dem staat am treusten dienen,
dies sind allein die bessern bienen. 1, 246;

unter des grünen
blühender kraft
naschen die bienen
summend am saft.
Göthe 1, 90.

IE ist wie in miene vultus, schiene splenderet nichts als dehnzeichen, und biene geht zurück auf ein älteres bin, wie es noch bei Keisersberg und bei mhd. dichtern erscheint: und geschicht den zweizüngigen menschen nit anderst weder einer bin, die honig in dem maul tregt und hinden hat sie den angel. sünden d. m. 68a; mhd.

rehte gelîcher wîs als ein pin,
daʒ süeʒeste was, daʒ las er in.
Uolrich 213;

hie ist vil binen inne. Reinh. 1548;

iu tuont die bine wênec wê. 1558;

sie wâren gelîch, als ich eʒ weiʒ,
reht als ein bin einer geiʒ. Wigal. 163, 35;

als beginnet sich ouch vlîʒen,
daʒ sie steche, diu bin (: hin). krone 17807;

sam die bine verjaget der rouch. Barl. 176, 6;

alsam die bin zuo den karn
mit vroiden vallent, ob ir rehter wîsel drinne sî. MS. 2, 3a;

alters freude und âbentschîn
mugen gelîche einandern sîn,
sie trœstent wol und varnt hin
als in dem regen ein müede bin. Renn. 23012.

diesem bin, pl. bine ist das N wesentlich.
Neben ihm besteht aber ohne N in der volkssprache jenes beie, mhd. bîe, dessen sich z. b. Wolfram bedient:

noch scherpfer der bîe ir zagel. Parz. 297, 12,

wo Lachmann bîn vorzieht:

diu zôch ûʒ sînem herzen die fröude, als ûʒ den bluomen süeʒ diu bîe. Tit. 83, 4;

der klâre kurteise
möht al den bîen geben ir nar. Wh. 88, 5;

niht halp so manegiu bîe
möhten tœten einen starken bern. 117, 20;

und das im ahd. pîa, ags. beo erscheint, auch gleich dem gr. Μέλισσα als frauenname auftritt. liesze, solchem Bîa zur seite, sich auch ein männlicher name Bijo aufweisen, was Beio, Baio, Boio in den trad. corb. §. 228. 235. 252 wahrscheinlich machen, so würde aus ihm durch blosze motion ein Bijin, Bîn, Bin folgen, wie aus hano henin, aus phâo phâin entspringt, und auf diesem wege die doppelgestalt bîe und bin, nhd. beie und biene begreiflich sein. auszer dem weiblichen bin hatte sich aber noch ein neutrales ahd. pini (Graff 3, 13) entfaltet, in allen nordischen mundarten wirdneutral gebraucht; man darf kaum zweifeln, dasz den schwankenden wechsel des grammatischen geschlechts eine unstäte, unvollkommne beobachtung des natürlichen verursachte, sie erkannte männliche, weibliche und geschlechtslose arbeitsbienen, und legte ihnen ähnliche namen zu, die sich leicht vermischten. Merkwürdig klingt an biene das welsche gwenynen pl. gwenyn, arm. gwénanen pl. gwénan, neben ir. beach, und GW ist = ir. F, lat. V (gesch. der d. spr. 296).

[Bd. 1, Sp. 1818]



Man sagt, die bienen fliegen aus, tragen ein, tragen das wachs an ihren hosen, schwärmen, surren, summen, brummen, sausen; man unterscheidet wilde, zahme, heimische, gesunde, kranke, fleiszige; wer honig essen will, musz leiden, dasz ihn die bienen stechen; todte bienen machen keinen honig. s. imme, brutbiene, heerbiene, raubbiene.
 
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biene, f., boden, fläche, grundacker, bei Stalder 1, 172. 240 bine, büne, bühne, auch bei Henisch 371 biene, s. DWB bühne.
 
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bienenart, f.

ein honigvöglein, weich und zart,
ist leichte sinnenliebe,
von schmetterlings und bienenart
sind ihre nahrungstriebe.
Bürger 101b.


 
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bienenbank, f. alvearium, bienenschauer.
 
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bienenbär, m. honigbär, zeidelbär.
 
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bienenbau, m. mellificium.
 
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bienenbaum, m. acer campestre, binbaum, angerbinbaum, feldahorn; aber auch andere bäume, auf welchen die bienen honig sammeln, können so heiszen, zumal linde und esche, wie in der edda die esche Yggdrâsil.
 
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bienenbeute, f. alveus, bienenstock, ist, wenn in beute, piutta das wort biene selbst gelegen sein sollte, pleonastisch gebildet. den Slaven heiszt nicht nur der hohle klotz am baum, sondern auch das flugloch daran, poln. barc, böhm. brt, russ. bort, was mit beute wörtlich zusammenhängen könnte. die wurzel ist brtiti bohren, aushöhlen. s. DWB bienbeute.
 
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bienenböse, periratus, gleich erzürnten bienen.
 
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bienenbrot, n. favus, κηρίον, sonst wabe und rosz genannt, ags. beobreád, cod. exon. 425, 20, engl. beebread, mhd. bîebrôt (Ben. 1, 264), immenbrot, sandaraca, was die bienen zur eignen nahrung eintragen, gleichsam brot, das sie zu dem honig backen, dann auch honigwabe selbst.
 
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bienenbrut, f. fetus apium:

als du die bienenbrut, die jüngst ausschwärmte, mit klingeln
in den hollunder triebst.
Voss.

 

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