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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
biederzeit bis biegzange (Bd. 1, Sp. 1813 bis 1816)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) biederzeit, f.

in den alten biederzeiten,
da noch keuschheit sitte war.
Stolberg 1, 162.

[Bd. 1, Sp. 1814]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) biege, f. was beuge, curvatura, krümmung, seite:

(die widder) stieszen den wolf in seine biegen,
das er halb tod vor ihn thet liegen.
Eyring 1, 236

an thurmhauben und kuppeln heiszt die gebogene, ausgeschweifte gestalt biege.
 
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biegeisen, n. bei verschiednen handwerkern ein geräth zum biegen.
 
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biegeln, ferro calefacto laevigare, plätten:

wie sich das nähen und flicken vermehrt, das waschen und biegeln.
Göthe 1, 343.

gewöhnlich bügeln.
 
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biegen , torquere, flectere, bog, gebogen, goth. biugan baug, ahd. piokan pouc, mhd. biegen bouc, nnl. buigen boog, ags. bûgan beáh bugon; den nordischen sprachen bleibt von dieser starken form nur das part. praet. boginn = goth. bugans. sehr merkwürdig ist der verhalt zu den urverwandten sprachen.
Das goth. biugan, so viel wir wissen, und unser hochdeutsches biegen hat nur die angegebne transitive bedeutung torquere, das ags. bûgan aber meist die intransitive flecti, inclinari, wie sie auch dem skr. bhudsch (bhuǵ) inflexum esse beiwohnt. unser biegen entspricht dem lat. flectere, das ags. bûgan dem lat. fugere, gr. φεύγειν, ags. bugon ist fugerunt. hieraus flieszt die wichtige folgerung, dasz lat. fugere und flectere éiner wurzel sind, flectere nur euphonisches L nach F und hinter dem kehllaut noch T entfaltet. wie aber lat. fugere und flectere, stehn nebeneinander ags. bûgan und fleon, hochdeutsches biegen und fliehen, nur dasz beide ags. verba intransitiv sind, das lat. fugere intransitiv, flectere transitiv, umgekehrt unser biegen transitiv, fliehen intransitiv. im latein hat das transitivum, im deutschen das intransitivum ein gleiches L entwickelt. weiter, zwischen flectere und biegen, zwischen fugere und bûgan findet sich das gesetz der lautverschiebung bewahrt, nicht zwischen fugere und fliehen, und gerade an dieser stelle, für deutsches fliehen, ags. fleon erscheint goth. þliuhan, so dasz lat. fugere und flectere, mit jener verschiedenheit der bedeutungen, goth. biugan und þliuhan sich gegenüber hat. was folgt daraus? offenbar, dasz unser biegen die regelmäszige strömung der sprache einhielt, unser fliehen, aus irgend einem noch verhüllten grunde, von ihr wich, wahrscheinlich aber diese abweichung zugleich mit entfaltung des L statt hatte und biugan erst in þliuhan, dann in fliuhan übertrat, und die grosze berührung der deutschen und lat. zunge wird sichtbar, während die griechische auch hier sich mehr der slav. und littauischen anschlieszt. Den Slaven wurde fugere, φεύγειν zu bjegu, inf. bjeschtsch = skr. bhudsch, mit der bedeutung fliehen und laufen, und ebenso litt. běgu běgti, da fliehen und laufen dieselbe vorstellung enthalten. unser transitives biegen, flectere, wie das auftauchende L in flectere und fliehen bleibt diesen anderen sprachen fremd. die identität der wurzel biegen und fliehen kann aber auch das analoge winden und wenden, sich zur flucht wenden, in fugam verti, bestätigen; man erwäge das intransitive einbiegen, recedere.
Wie sich nun unser transitives biegen von dem abgeleiteten, noch transitiveren beugen scheide, wurde sp. 1743. 1744 gewiesen. alle sinnlicheren bedeutungen fallen dem biegen zu.
1) die glieder des leibs biegen:

doch nicht hat er annoch die spannende kraft und die stärke,
wie sie vordem ihm gestrebt in den leicht gebogenen gliedern.
Voss Od. 11, 394;

etwan ein schrift oder zwo bei dem hals herbei zu ziehen und zu ihrem vortheil zu biegen. bienenk. 91a;

mit hofeln, tanzen, rennen, stechen,
mit rucken piegen und sper zubrechen. fastn. sp. 380, 8;

Kündel pin ich, ain diern,
ich lasz mich pucken und piegen. 400, 12;

die ungebogene brust. J. Paul jubels. 16; da bog der bott sein angesicht herumb. Keisersb. s. d. m. 46a;

o zeit, o hohe zeit, dasz wir auf knien liegen,
dasz wir die freche stirn zur erden abwerts biegen.
Logau 1, 10, 66;

dieweil sie ein wächsene nas ist, die einer in allerlei gestalt biegen mag. bienenk. 35a; damit macht sie aus der schrift ein wetterhan, der mit allen winden umgeht, und zur wächsenen nasen, die sie auf alle seiten biegen kan. 69a; (so schwach war das alte weib gewesen, dasz) sie ihm nicht einen finger hett mogen biegen. Wickram rollw. 52; ich wil, das der gecreuzigete seine knie fur mir biege. Alberus barf. Eulensp. no 460; mit gebogenem knie (sp. 1743);

bog in meine knie züchtiglich.
H. Sachs II. 2, 52a;

[Bd. 1, Sp. 1815]


das er kein knie bog oder ein fsz. bienenk. 30b; das sich in seinem namen alle engliśche knie im himel und aller menschen knie auf erden biegen müssen. Mathesius 91b;

ich biege keine knie und rücke keine kappen
für aufgeputzter ehr und angestrichner gunst.
Logau 1, 5, 3;

ebenso sich biegen, mit dem leib neigen:

wer biegen sich nicht kann, bleibt wann er fället, liegen.
Logau 1, 8, 19;

gar tief müssen wir uns jetzund
für manchem ketzer biegen.
Soltau 466;

denn alle engel in der hell und gewaltige auf erden ... werden Christo unterthan sein und sich für ihm biegen und neigen müssen. Mathesius 93b; sein geist bog sich, als sie kniete. J. Paul Hesp. 3, 187; gebogen stehen:

da steh ich tausendmal
an meinem stabe gebogen.
Göthe 1, 94.


2) gold, silber, den draht, die spange, krone, den ring biegen oder winden; die spange, der ring hiesz mhd. bouc, altn. baugr, alts. beáh von biegen, wie torques von torquere; die reife biegen. Michelsen Erfurt 37;

si hieʒ ouch balde biegen
von silber eine wiegen. Diut. 1, 359;

silber und gold, so gebogen, gehört zur gerade. weisth. 3, 104; silber und gold gebogen. Heydemann joach. const. 81;

flexilis obtorti per collum it circulus auri.
Erm. Nigellus 4, 391.

ebenso wird das eisen, die kette um hals, fusz, arm gebogen, goth. eisarna bi fôtuns gabugana. Marc. 5, 4. es kann aber auch heiszen, den hals, arm, leib unter die kette, unter das joch biegen:

unter eines joches eisenschwere
bog er vereinend ihren starren sinn.
Schiller 489;

man biegt sich mit bedacht in ihr joch. Lessing 1, 395.
3) gewächse biegen: der sturm beugt die bäume, der riese die fichten (πιτυοκάμπτης); denn seine reben bogen sich zu im. Ez. 17, 6; eine gerte biegt sich leicht; reben biegen sich um das fenster; die bäume stehn gebogen unter der last des obstes;

wie wenn der kommende west unermeszliche saaten erreget
zuckend mit ungestüm, und hinab beugt wallende ähren.
Voss Il. 2, 148.


4) die schwere fracht bog den wagen; die last des getraides beugt den balken der scheune;

und die speicher vom segen gebogen.
Schiller 78a;

wenn dem, der in der sonne brennt,
um deinen boden mühsam umzupflügen,
dein geiz kaum einen labetrunk noch gönnt,
wie können noch sich deine speicher biegen?
Gökingk 3, 114;

er lügt, dasz sich die balken biegen (sp. 1089); dasz sie auch den geigenden (knarrenden) karren der schrift sanft und lind schmieren, und ihn biegen (drehen) und lenken, wie sie wöllen. bienenk. 68b.
5) den himmel biegen, wölben, wovon himmelsboge:

er hat den himmel selbs zu seiner herabfahrt
gebogen und geneiget.
Weckherlin 61;

von nebeln und gewülk ein kohlschwarz finstre nacht
hat er als ein gezelt umb sich herumb gebogen. 62.


6) abstractionen. sie thunt das recht so spitzig bügen. Murner schelmenz. 7a, was vielleicht beugen ist (nach sp. 1744, 3);

wer gelt hat drumb dasz er kan liegen,
o wie wird der die warheit biegen.
Kirchhof wendunm. 129a;

richtschnur, darnach sie all schriften, decreten und concilien lenke und biege (wie einen wagen). bienenk. 50a; dasz wir beweisen, was für kraft die kirch habe in auslegung der schrift und im biegen derselbigen zu ihrem vortheil. 66b; und über disz hat sie auch die wort Pauli auf die heilige mesz und auf die opfer der pfaffen gebogen. 74a; aber er kan alle behelf auf seine seiten biegen. Ayrer proc. 2, 11;

und wolt ihr ewre red stets biegen
nach dem gewin?
Weckherlin 11;

dein wort ist meine kraft, ich darf nicht unterliegen,
ich darf mich keinem glück an seine füsze biegen.
Logau 2, 2, 54;

er treibt philosophei, die auf die kunst zu lügen
gibt regel und gesetz, die schicken, schmügen, biegen
um zu gefallen lehrt. 3, zug. s. 215;

ich will sie (meine kinder) aufmuntern in diesem ihren zarten alter, weil sie noch zu biegen und wäxiner natur sein. Schuppius 731; eine gebogene linie;

kein richter bog das recht.
Wieland 7, 209;

da er das recht zu gunst der pfaffen bog.
Schiller 529;

[Bd. 1, Sp. 1816]


die verworrenen laute der empfindung fangen an dem tact zu gehorchen und sich zum gesange zu biegen. 1181; dieses leise auftreten, dieses schmiegen und biegen. Göthe 19, 167. es wird nicht gelingen, den sprachgebrauch für biegen und beugen durchgängig zu ordnen. wo die bedeutung mehr drehen und wenden ist, scheint biegen, wo neigen und unterdrücken, beugen den vorzug zu verdienen. tadelhaft aber wird zuweilen biegen, nach der weise von beugen, schwach gebraucht, wie wenn Lessing in den ant. br. irgendwo sagt: ein hund, der sich über das vordertheil eines schiffes herab biegte f. bog.
7) nicht zu übersehen die spuren eines intransitiven biegen: auftragen lassen, dasz der tisch biegt; dat se sik dre gude gerichte des middages laten updragen, dat de disch bücht. Gryse pawestdom. Nn 4b; es ist besser biegen als brechen;

was dan nicht biegen will, musz brechen.
Weckherl. 117;

zu trotze will ich lachen,
wenn alles biegt und bricht.
Weise kl. leute 223;

weil die alte russische kriegsmanier, die auf biegen oder brechen geht, geniert wird. Niebuhr leben N. 1, 366; dasz es zum biegen oder brechen zwischen thron und kammer kommen musz. 3, 211; eben bog er um die ecke; der weg biegt um; der wald biegt links in die höhe, vgl. fugiunt in nubila silvac. vgl. abbiegen, anbiegen, aufbiegen, ausbiegen, einbiegen, umbiegen, verbiegen, vorbiegen.
 
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biegig, flexibilis, biegsam: die äste des lemonienbaumes sind zähe, biegig und stachlicht. Tabernaemont. 1368; die äste (der pomeranze) sind biegig, zäh und stachlicht. Hohberg 1, 616a, aus dem vorigen abgeschrieben; ist sie eine jungfer, so ist sie biegig, und ich kann sie nach meinem humor lenken. gespenst 329.
 
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biegsam, flexibilis, geschmeidig: biegsames holz, bret, metall;

könnt ich glauben, herscher, du lieszest der biegsamen sanftmut
miene dich teuschen.
Klopstock Mess. 7, 105;

es gibt wenig menschen, die so unternehmend und biegsam, so geistvoll und fleiszig zugleich sind. Göthe 10, 96; und sie (die Deutschen) überdem nicht sehr biegsam und geschmeidig sind. Klinger 12, 49; denn die Sternen am meisten im munde führen, sind eben nicht die, die einen äuszerst witzigen, schlauen und biegsamen kenner der welt zu beurtheilen im stande sind. Lichtenberg 1, 184; zuthunlich die menschen und die sitten harmlos und biegsam. Bettine br. 2, 180.
 
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biegsamkeit, f. flexibilitas: die biegsamkeit eines gefälligen herzens ist gutartig. Kant 7, 391; er zeigte eine grosze biegsamkeit sowol in seiner vorstellungsart als in handlungen und gebärden. Göthe 19, 115; da er ohne biegsamkeit, aber desto tüchtiger, fester und redlicher sich zu bedeutenden posten erhob. 26, 258; bei allem reichthum und aller biegsamkeit unsrer vaterländischen sprache. Humboldt ans. d. nat. 2, 26.
 
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biegung, f. flexio, krümmung: die biegung eines flusses, weges; die biegung des halses; deutung und biegung ihrer gesetze. Niebuhr kl. schr. 1, 24. Lessing schrieb auch bügung. bald dehnte die gans ihren hals, bald suchte sie ihm die prächtige bügung zu geben, in welchen der schwan das würdigste ansehn eines vogels des Apollo hat. 1, 135. dem pferde die biegung geben, die rechte haltung des kopfes beibringen.
 
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biegungskraft, f. diese starren eiskalten finger hatten ihre biegungskraft verloren. Klinger 2, 83.
 
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biegzange, f.

 

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