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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bicking bis biederfrau (Bd. 1, Sp. 1810 bis 1811)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bicking, m. halec fumo duratum, s. DWB bickling, DWB bücking, DWB bückling.
 
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bickingisch, macer instar halecis: da hetzt man den lazarmen, latzleeren, ausgedörrten, rauchgehenkten, bickingischen schneckenfresser und hafenscharrer bruder lanzenstil sampt seiner lären sackpfeifen mit kröpfigen hunden aus. Garg. 81a.
 
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bickling, m. was bicking:

der (abt) musz uns ein weng tiefer sitzen
und gleich wie ein bickling verschwitzen.
Ayrer 240a.


 
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bickschwein, n. was bick und bickferkel.
 
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bidibidi, m. hermaphroditus, zwitter. Stalder 1, 170, ein wahrscheinlich alter ausdruck, in dem das wort beide, bede gelegen scheint, dessen wiederholung die vorstellung verstärkt, vgl. das litt. abbějuttis, böhm. obogñak, poln. obopłciowy, dwupłciowy, worin abbu abbi, oboge, oboje, das ahd. zuitarn, später zwiedorn, zwitter, altn. tvitôli, worin die zweizahl enthalten ist. wallonisch boc et gate, bock und geisz, ein rohes Hermes und Aphrodite.
 
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bidmen, tremere, beben erscheint schon mhd. (Ben. 1, 115b) und im reim erbidemet: gewidemet gesichert, ahd. wird es noch nicht verzeichnet. kaum ist es verkürzt aus bibedemen, in welchem fall bîdmen entsprungen wäre, sondern blosz euphonische umwandlung des vorhin angeführten bibmen. Luther meidet es in der bibel, hat es aber sonst: wenn er ein wenig einen teufel höret rauschen, erblasset und bidmet er. 4, 181a; Dasypodius gibt 321a erdbidem, kein verbum bidmen, Maaler 108d erdbiden, kein bidmen, doch vocab. 1482 d 8b bidmen, Henisch 368 bidem und erbidmen; da ward er zu hand bidmen und zittern und mocht von der stat nit kummen. sommerteil der heil. leben 1475 18b;

die erde bidmet, es klübent die steine.
Uhland 829;

da bidmeten die berge hoch.
H. Sachs III. 1, 30c;

und bidmet mit henden und füszen. III. 1, 92c;

in meim gebein bidmet das mark. III. 1, 160a;

dasz mir bidmet mein ganzer leib. III. 3, 11a;

mein ganzer leib bidmet und zitert. III. 3, 58a;

der mund bidnet (so) und vippert im. V, 325c,

sicher oft noch bei ihm; du heiliger got, von des willen die himmel werden beweget und alles erdrich bidmet. buch der liebe 108, 2; aber die herzogin sahe in an, all ir geblüt grisselt und hub an zu bidemen und zu erzittern. Aimon g; das gott wölle ein grosz bidmen, angst und zittern auf alle völker und christen ausschütten und erwecken. Frank weltb. 146a; werden von furcht und zittern bidmen. kriegsb. des fr. 227;

dasz gleich darob des himmels sal
bidmet und zittert uberall.
Spreng Il. 17b;

vor engsten ich bidme und zitter.
Ayrer 37b;

schau, wie es zittert und bidmen thut. dessen fastn. sp. 37b;

im laufe des 17 jh. gab die schriftsprache diese wortgestalt wieder auf, unter dem volk hat sie sich in Baiern (Schm. 1, 155) und der Schweiz (Stald. 1, 170) forterhalten und Göthe hat sich von neuem ihrer bedient:

er, nach langer jahre sorgen,
wo der boden oft gebidmet,
sieht nun fürst und volk geborgen,
dem er geist und kraft gewidmet. 2, 160.

s. erdbidem.
 
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bieder, utilis, probus, bonae frugis, wacker, fromm, rechtschaffen, ein entstelltes, verdunkeltes, oft misgedeutetes wort, ahd. pidarpi piderpi biderbi (Graff 5, 215), alts. bitherbi, mhd. biderbe (Ben. 1, 361), unmittelbar zu bedarf und bedürfen fallend, nur mit behaltnem oder in P geschobnem B des goth. þaurban, þarba; derb solidus, verderben perire gehören nicht dazu. es drückt aus: was um (circa) den bedarf ist, wessen man bedarf und sich zu bedarf, zu nutzen bedient. Agricola (s. biedermann) erklärt sehr gut.
Man musz hier von der betonung ausgehn. schon das ahd. pidarpi pflegt den hauptton auf pi zu legen, welches sich im

[Bd. 1, Sp. 1811]


mhd. biderbe, kraft dieses tons, rein erhält, die beiden letzten silben unbetont und stumm auf sich folgen läszt:

der gérne bíderbe wére. Iw. 200;

mîn hérre wás bíderbe gnúoc. 2033;

mich múoʒ ein bíderbe mán nérn. 2060.

tritt privatives un vor, so zieht dieses den accent an sich, dessen pi verlustig geht, derbi wieder fähig wird:

themo úmbithèrben wálde. O. IV. 26, 51;

in welchem fall mhd. bi zu be geschwächt werden musz:

dâ wéhst nu únbedérbe grás. Greg. 3550;

diu béte was únbedérbe. Iw. 7288.

wo mhd. biderbe steht, ist bi betont, derbe unbetont; wo bederbe, ist be unbetont, derbe betont. nach diesem unterschied begreift sich, wie aus biderbe endlich mit schwindendem auslaut B die nhd. verunstaltung bider, geschrieben bieder, entsprang, hingegen unbederbe auszer gebrauch gerieth; erst spät hat man wol auch unbieder versucht, das früher unmöglich gewesen wäre.
Auszerhalb der zusammensetzung erscheint nhd. bieder ziemlich selten, und in Luthers bibelverdeutschung nie; es geht uns blosz auf personen, nicht auf sachen, und ein biederer baum, unbiederes gras kommt nicht mehr vor. wir sagen: er ist ein biederer rechtschaffener mann, eine biedere seele; sie hat ein biederes herz; das war eine biedere that; er ist der biederste mann in der ganzen stadt (ahd. piderpisto). Zuweilen empfängt es aber, wie deutsch, mit welchem es daher auch verbunden erscheint, den nebensinn einer plumpen, geraden, derben ehrlichkeit, vielleicht, weil sich die alte, volle form biderb fälschlich dem unverwandten derb anzureihen schien. derhalben ich bitt alle frome bider handwerksleute. Luthers br. 2, 413;

ir seid wol als frumm und pider,
ir lat uns bis morgen fru herwider. fastn. sp. 788, 30;

da reget sich herwider
der erst, der vor im lag,
er sprach, ich sei nicht bider (will nicht ehrlich sein),
wan ich dirs halt vertrag.
Uhland 656;

den menschen auch Herodes sah
und achtet ihn für bieder. kirchenl. o mensch, bewein dein sünde grosz. v. 12;

die ist ein weib ehrlich und pieder.
Ayrer 269b;

und wer helt sein heupt nicht viel bieder (f. biederer),
denn seine füsz und ander glieder? froschm. II. 3, 6 (Ff 8a);

daher, weil richter ich, will ich, den augenschein
der nackenden warheit einnehmend, bider sein.
Weckherlin 740;

wer gar zu bider ist, bleibt zwar ein redlich mann,
bleibt aber was er ist, kommt selten höher an.
Logau;

ob es kräftig oder zierlich,
geht uns so genau nicht an,
wir sind bieder und natürlich,
und das ist genug gethan.
Göthe 1, 163;

ja sogar der bessere selbst, gutmütig und bieder
will mich anders. 1, 330;

was sollte man, oder was könnten
biedere männer vereint, was könnten die herscher bewirken. 1, 336;

ebenso steckte Melina, als kammerjunker oder kammerherr die grobheiten ein, welche ihm von biedern deutschen männern, hergebrachtermaszen, in mehreren beliebten stücken aufgedrungen wurden. 18, 249; das leben des biedern Götz von Berlichingen. 26, 199; ein alter degen, stolz und rauh, sonst bieder und gut. Lessing 2, 119. Hin und wieder brauchen ältere schriftsteller das volle biderb, z. b. Keisersberg: so der mann biderb ist, und selbst neuere, denen es aus büchern und urkunden bekannt geworden war: es war einmal ein ehrlicher biderber mann. Siegfr. von Lindenb. 2, 300; der biederbe mann. 2, 305. 307. 312; die biederben Hessen, die schönen Thüringer. Tieck 4, 15. Die folgenden zusammensetzungen sind aber durch die abgestumpfte form erleichtert worden.
 
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biederauge, n. ehrliches gesicht:

in dessen treues herz und biederauge
kein argwohn kam.
Wieland 18, 19 (34).


 
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biederb, s. bieder.
 
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biederbmann, m. was biedermann: warumb wolt man biderbman ertrenken, der soliche ungerechtigkeit nit annemen wolt. Keisersb. s. d. m. 81b.
 
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biederfrau, f. ein biderfraw, so im (Mahomet) begegnet, zu seinem mutwillen nicht wolt bewilligen. Frank weltb. 121a.

 

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